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Full text of "Bibliotheca Rabbinica: Eine Sammlung Alter Midraschim"

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BIBLIOTHECA RABBINICA 

EINE SAMMLUNG 

ALTER MIDRASCHIM 

ZUM ERSTEN MALE INS DEUTSCHE OBERTRAGEH 

VON 

LIC. DR. AUG. WÜNSCHE. 




LEIPZIG 
OTTO SCHULZE 



DER 



MIDRASCH 



WAJIKRA RABBA 

DAS IST 

DIE HAGGADISCHE AUSLEGUNG 



DKS 



DRITTEN BUCHES MOSE. 



ZUM ERSTEN MALE INS DEUTSCHE ÜBERTRAGEN 

VON 



LIC. DR. AUG. WÜNSCHE. 



MIT NOTEN UND VERBESSERUNGEN TON RABBINER DR. J. FÜRST. 




LEIPZIG 
OTTO SCHULZE 

II. Qtter-Str. xi. 
1884. 






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HERRN 



PROF. DR. M. LAZARUS 



DEM WISSENSCHAFTLICHEN BEGRÜNDER 
DER VÖLKERPSYCHOLOGIE 



IN AUFRICHTIGER VEREHRUNG 



DER VERFASSER. 



/ 



EINLEITUNG. 



Der Midrasch Wajikra rabba, aus 37 Abschnitten (Paraschas) 
bestehend, verbreitet sich der Art über das dritte Buch Mose, dass 
sein Text nicht in fortlaufendem Zusammenhange, sondern nur in 
einzelnen herausgehobenen kleineren Abschnitten und Versen er- 
läutert wird Dadurch unterscheidet sich dieser Midrasch grund- 
wesentlich sowohl von dem Midrasch Bereschit r., wie von den klei- 
neren Midraschim zu den fünf Megilloth, welche insgesammt den 
Text Schritt für Schritt verfolgen und in freier Weise paraphrasiren. 
An der Spitze jeder Parascha unseres Midrasch steht somit ein be- 
stimmter Vers des dritten Buches Mose, der für die durchzuführende 
Betrachtung sowohl den Text wie das Grundthema bildet. Dadurch, 
dass der Inhalt dieser Verse auf einen anderen aus den Hagio- 
graphen, vorzugsweise aus den Psalmen, den Proverbien, dem Hohen- 
liede und dem Prediger entlehnten Vers angewandt wird, entsteht 
für den Hörer eine Begriffs- und Gedankenverbindung, die seine 
Aufmerksamkeit fesselt und in Spannung erhält. Nicht selten fragt 
man, wenn einem Text und Proömium entgegentreten, wie passt 
eins zum andern, wie lässt sich eine Beziehung und Verbindung zwi- 
schen beiden herstellen? Das ist eben das characteristische Merkmal 
der haggadischen Vorträge (Deraschas) des Midrasch, durch Ideen- 
associationen zu frappiren, in Spannung zu versetzen, stutzig zu 
machen und zu überraschen. Nur zwei Abschnitte, nämlich Ab- 
schnitt 2 und 24, knüpfen den Text an ein den prophetischen 
Büchern entnommenes Proömium an, jener an Jerem. 31, 20, dieser 
an Jes. 5, 16. Im Ganzen sind es 37 Texte, welche im Midrasch 



VIII Einleitung. 

Wajikra r. zur Abhandlung kommen. Auf die einzelnen Proömien 
selbst, ihre Introducirung, Zahl, Autorschaft, Entlehnung u. s. w. 
hier noch des Näheren einzugehen, dürfte schon deshalb unthunlich 
erscheinen, weil J. Theodor in einem Aufsatz der Monatsschrift für 
Geschichte und Wissenschaft des Judenthums, Jahrg. XXX, No- 
vemberheft, S. 500 — 10 so ziemlich alles, was sich darüber sagen 
lässt, erörtert hat. 

Hinsichtlich der Veranschaulichung und Ausschmückung, ge- 
wissermassen der dramatischen Belebung der einzelnen Vorträge 
durch passende Gleichnisse, Legenden, Erzählungen und proverbiale 
Redensarten, leistet der Midrasch Wajikra r. fast das Aeusserste. 
Kein anderer Midrasch der Rabbot kann in dieser Beziehung mit 
ihm in Concurrenz treten. Aber grade durch diese Häufung der 
Illustrationsstoffe werden Ausgangs- und Zielpunkt der Betrachtung 
nicht selten einander näher gerückt und in Verbindung gebracht. 
Der Gedankengegensatz tritt uns dadurch auch im Bilde vor Augen, 
das Abstracte wird concret 

Da der Redactor in der Regel mehrere Vorträge einem Ab- 
schnitt einverleibt hat, so erhält, um mit Zunz (Gottesdienstliche 
Vorträge, S. 181) zu reden, unser Midrasch „den Charakter eines 
gleichsam nach Art eines musivischen Kunstwerkes zusammengesetzten 
Ganzen.'* Von diesem Standorte aus angesehen wird das Textwort 
zugleich Refrain. 

Die meisten Abschnitte haben einen ordentlichen Schluss, oder 
sie endigen wenigstens auf eine solche Art, dass man das Gefühl 
hat, das Thema sei erschöpft und bedürfe keiner weiteren Erläu- 
terung mehr. 25 Abschnitte schliessen mit einer messianischen Ver- 
heissung, 3 (nämlich Par. 6, 16, 20) schliessen mit Gebet und Sün- 
denvergebung. 

Stellt man hinsichtlich der Anlage und Form der Abschnitte 
des Midrasch Wajikra r. einen Vergleich mit andern Werken der 
Midraschlitteratur an, so ergiebt sich, dass sie am meisten den 
Piskas der Pesikta de Rab Kahana ähneln, ja einige Abschnitte, 
besonders Par. 20, 27, 28, 29, 30 und 31, stimmen mit mehr oder 
weniger Abänderungen mit der Pesikta überein. Wie nun die 
Pesikta eme Sammlung von Predigten für die Festtage und her- 
vorragenden Sabbathe ist, so kann auch der Midrasch Wajikra r. 
eine Predigtsammlung über das dritte Buch Mose genannt werden. 
Doch es besteht auch wieder ein wesentlicher Unterschied zwischen 



Einleitung. j^ 

Midrasch Wajikra r. und der Pesikta de Rab Kahana. Während 
nämlich in der Pesikta die Einzelauslegungen der Versworte in 
keiner Piska fehlen, stehen in Wajikra r. nicht selten (vergl. Par. 8, 
12—15, 18, 19, 23, 31 — 34, 36, 37) statt der Einzelauslegungen ver- 
schiedene aneinander gereihte haggadische Stücke, die auf das 
Thema des Abschnittes Bezug haben. Sodann sind in der Regel 
nach Abschluss der Proömien in der Pesikta keine längeren hagga- 
dischen Einschaltungen oder Excurse mehr anzutreffen, dagegen in 
Wajikra r. ist das der Fall. Es hat dies seinen Grund in dem 
thematischen Charakter unseres Midrasch. (Vergl. Theodor 1. c. 
S. 508.) 

Das halachische Element tritt im Midrasch Wajikra r. nur- sehr 
sporadisch auf. Nur wo das Schriftwort Gelegenheit dazu bietet, 
wie beispielsweise in Par. 3 zu Tin« '•rn b« nN'inm, und an einigen 
andern Abschnitten werden durch die Formel ''3n einzelne Boraitha 
zur Erläuterung mit herangezogen. 

Im Ganzen und Grossen bildet also der Midrasch Wajikra r. 
ein zusammenhängendes Ganze. Die einzelnen Vorträge sind in 
sich abgeschlossen und abgerundet. Nur an einzelnen Stellen sind 
Stücke eingeflochten, die aus dem Nexus herausfallen, oder wenigstens 
nur sehr lose an das Vorausgehende sich anschliessen. Recht deut- 
lich zeigt sich das bei Abschnitt i, 2 und 3, wo noch in meiner 
Venediger Ausgabe von 1545 die betreffenden Zusätze am Ende des 
Midrasch stehen, und zwar ist das erste Stück von b« K*np''n N"n 
'zi üzn "rizbn hz i*n73N p-i^s •■•"■> *n3T«"i n^73 mit N3'»nnN Nnoia 
N 2<V9"'C qiD^ M3C732U3, das zweite reichlich ein und eine halbe Spalte 
umfassende von nan pisb m DIN n"t mit ain^tj «s-^^nn« NnDi3 
'n n^^E qio la, und das dritte aus Tana debe Eljahu entlehnte 
Stück von p mn573 "^nü mit -^ttJ-^VÄ ntt5*nD rjnoa «s-i^nn« «nons über- 
schrieben. Alle späteren Editionen haben diese Zusätze gleich den 
beireffenden Abschnitten angefügt. Auch in dem Abschnitte 13 er- 
scheint als ein solches Einschiebsel das Stück iNn D'^N'^aan b^ 
'zi •»•iD'^ra TT^Dbrn, in Abschnitt 32 die ganze zweite Hälfte nach 
cn bins bw^n^*^ "^33 *nB073 '^m «"ns und in Abschnitt 34 in dem 
grossen Stücke T'3'^ya Tthp ■>3y m^73 ■•nn b« die fortlaufende Aus- 
legung von Jes. c. 58, welche letztere, wie schon Theodor (1. c. 
S. 508 f.) pit Recht hervorhebt, aus einer Derascha über die Haph- 
thara des Versöhnungstages entnommen zu sein scheint. 

Was nun die Quellen anlangt, aus denen der Midrasch Wa- 






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X Einleitung. 

jikra r. geschöpft hat, so sind als die hauptsächlichsten die beiden 
Talmude, namentlich der jerusalemische, Bereschit r. und die Pe- 
sikta de Rab Kahana anzuführen. Daneben haben dem Redactor 
aber auch noch andere Quellen zu Gebote gestanden, deren Nach- 
weis freilich sich nicht überall mit Sicherheit erbringen lässt. Wegen 
seines haggadischen Characters ist aber der Midrasch Wajikra r. auch 
wieder eine Quelle für die jüngeren Midraschim geworden, vorzugs- 
weise haben Midr. Schir haschirim r. und Midr. Kohelet r. reichlich 
aus ihm geschöpft. Ueber die Entlehnungen des Midr. Schir ha- 
schirim vergl. Theodor 1. c. Jahrg. i88o, S. 187 f. und über die des 
Midr. Kohelet ebend. Jahrg. 1879, S. 457 ff. 

Als Zeit der Abfassung des Midr. Wajikra r. wird von Zunz 
die Mitte des siebenten Jahrhunderts angenommen. 



MIDRASCH WAJIKRA. 



Parascha I. 

Cap. I. V. I. Und der Ewige rief Mose. 

R. Tanchum bar Chanilai begann mit Anknüpfung an Psalm 
103, 20; „Preiset den Ewigen, ihr seine Engel, ihr Gewaltigen, 
Thäter seines Worts" u. s. w. Wovon spricht da die Schrift? Wenn 
die Schrift von den höheren Wesen redet, steht da nicht schon: 
Preiset den Ewigen, alle seine Heerschaaren? Sie kann also nur 
von den unteren Wesen reden. Von den oberen Wesen, weil sie 
unter der Aufsicht Gottes stehen können, heisst es: Preiset den 
Ewigen alle seine Heerschaaren, von den unteren Wesen aber, weil 
sie nicht unter der Aufsicht Gottes stehen können, heisst es: Preiset 
den Ewigen, ihr seine Engel, und nicht: alle seine Engel. 

Oder die Propheten heissen Engel vergl. Num. 20, 16: „Und 
er sandle einen Engel und führte uns heraus aus Aegypten" u. s. w. 
Das war doch nicht ein Engel des Ewigen, war es nicht Mose? 
Warum heisst er ein Engel? Daraus ist zu ersehen, dass die 
Propheten Engel genannt werden vergl. Jud. 2, i: „Es zog ein 
Engel des Ewigen herauf von Gilgal nach Bochim." War es denn 
ein Engel, war es nicht Pinchas? Warum heisst er ein Engel? Weil 
es, wie R. Simon bemerkt, in der Zeit war, in welcher der heilige 
Geist auf ihm ruhte und sein Antlitz wie Feuerfackeln brannte» 
Die Rabbinen sagen: Das Weib des Manoach sagte zu ihm s. das. 
13, 6: „Siehe, ein Mann Gottes kam zu mir und sein Ansehen war 
wie das Ansehen eines Engels Gottes." Sie halte ihn nämlich für 
einen Propheten gehalten, es war aber ein Engel. R. Jochanaii 
sagte: Der Hauptbeweis, dass die Propheten Engel heissen, lässt 
sich aus Hagg. i, 13 entnehmen, wo es heisst: Und es sprach Haggai^ 
der Engel*) des Ewigen, auf Grund der Botschaft des Ewigen." 
Da lernst du wider dehien Willen aus diesem Hauptbeweise, dass 
die Propheten Engel heissen. Ferner heisst es Ps. 103, 20: „Die 
Gewaltigen, die sein Wort vollziehen?" Wovon redet hier die 



^^ •t So "nimmt der Midr. das Wort "^K^ö. 
^v "Wunsche, Midrasch Wajikra. 

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2 Par. I. Cap. I, i. 

Schrift? Nach R. Jizchak von denen, welche das siebente Jahr be- 
obachten. Gewöhnlich übt der Mensch ein gutes Werk aus an 
einem Tage, in einer Woche, in einem Monat, vielleicht auch an 
den übrigen Tagen des Jahres, und dieser sieht sein Feld un- 
bebaut, seinen Weinberg unbebaut und er entrichtet doch die Bei- 
steuer und schweigt dabei, giebt es wohl einen grösseren Helden 
als diesen? Und solltest du glauben, dass hier von solchen, die 
das siebente Jahr beobachten, nicht die Rede sei, so führe ich dir 
als Beweis an, dass hier steht: Die sein Wort (i*T2n) thun und dort 
Deut. 15, 2 (bei der Schemita) heisst es auch: „Dies ist das Wort 
(nai) der Sehemita,** sowie nun dort *nan auf diejenigen geht, 
welche das siebente Jahr beobachten, so sind auch hier die 
gemeint, die das siebente Jahr streng beobachten. „Die sein Wort 
thun." R. Huna im Namen des R. Acha sagte: Hier spricht der 
Sänger von den Israeliten, als sie vor dem Berge Sinai standen und 
das Thun dem Hören vorangeschickt und gesagt hatten Ex. 24, 7: 
„Alles, was der Ewige geredet, wollen wir thun und gehorchen." 
„Zu hören die Stimme seines Worts (Ps. 103, 20)." R. Tanchum 
bar Chanilai sagte: Gewöhnlich ist eine Last, die einem zu schwer 
ist, zweien leicht und eine, welche zweien zu schwer ist, vieren 
leicht. Kann aber einer eine Last tragen, die 60 Myriaden Men- 
schen zu schwer ist? Alle Israeliten, die vor dem Sinai standen, 
sprachen Deut. 5, 22: „Wenn wir des Ewigen Stimme noch ferner 
hören, so werden wir sterben," und Mose hörte allein die Stimme 
des Wortes und blieb am Leben. Du kannst es auch daran er- 
kennen, dass es sich so verhält, dass Gott von allen nur Mose ge- 
rufen hat. Darum heisst es hier: „Und Gott rief Mose." 

R. Abuhu begann mit Anknüpfung an Hos. 14, 7: „Es 
kehren einst zurück, die unter seinem Schatten sitzen." Das sind 
die Proselyten (D''*n5ti), welche kommen, und in dem Schatten Gottes 
sich bergen. „Sie leben wie Getreide auf" d. i. sie werden wie 
Israel zur Hauptsache (sie gelangen zu einer hohen Bedeutung), wie 
es heisst Sach. 9, 9: „Getreide lässt Jünglinge und Most Jungfrauen 
sprossen." „Und sie blühen wie der Weinstock," wie es heisst 
Ps. 80, 9: „Einen Weinstock hobst da aus Aegypten aus, vertriebst 
die Völker und pflanztest ihn." 

Oder: „Sie leben wie Korn" im Talmud, „und sie blühen wie 
der Weinstock" in der Haggada, „und sein Duft ist wie der Wein 
Libanons." Gott spricht: Mir sind die Namen der Proselyten 
so lieb, wie der Wein, der vor mir auf den Altar gegossen 
wird. Warum heisst es aber Libanon? Wegen Deut. 3, 25: 
„Dieser gute Berg und der Libanon." R. Simeon ben Jochai 
hat gelehrt: Warum heisst er Libanon? Weil er die Sünden Israels 
80 weiss wie Schnee macht vergl. Jes. i, 18: „Wenn gleich eure 
Sünden roth wie Scharlach sind, wie Schnee sollen sie weiss werden, 



•) S. üittin fol. 56. 



Par. I. Cap, I, i. ^ 

wenn sie gleich roth sind wie Kermeswurm, wie Wolle sollen sie 
werden." R. Tabjomi sagte: Er heisst darum so, weil alle Herzen 
sich mit ihm freuen, wie es heisst Ps. 48, 3: „Lieblich erhebt sich 
die Wonne der ganzen Erde" u. s. w. Die Rabbineu sagten: Er 
heisst darum so (weil Gott von ihm sagte) s. Reg. 9, 3: ,,Mein Auge 
und mein Herz sollen alle Tage dort sein." 

R. Simon sagte im Namen des R. Josua ben Levi und 
R. Chama, der Vater des R. Hosaja im Namen Rabs sagte: Die 
Bucher der Chronica sind nur zur Auslegung gegeben s. i. Chron. 
4, 18: „Und sein Weib, die Jehudija, gebar Jered, Abigedor." 
Unter Jehudija ist Jochebed gemeint. War sie denn vom Stamme 
Jehuda, war sie nicht vom Stamme Levi? Warum heisst sie Jehu- 
dija? Weil sie Juden in der Welt gestellt hat. „Sie gebar den 
Jered" d. i. Mose. R. Clianina bar Papa und R. Simon. R. Chanina 
bar Papa sagte: Er heisst darum Jered (n^"'), weil er die Thora 
von oben nach unten herabgehracht hat (i^^irrs), oder er hies dar- 
um Jered, weil er die Schechina von oben nach unten herabgebracht 
hat R. Simon sagt: Das Wort tt^ bedeutet nichts anderes als 
.TDibr Herrschaft, wie es heisst Ps. 72, 8: „Er herrschte vom Meer 
bis zum Meer." Es heisst i. Reg. 5, 4: „Denn er herrschte über 
das ganze Ufer diesseits des Stromes/* „Abigedor." R. Huna bar 
Acha sagte: Viele Verzäuner (des Gesetzes) standen für Israel auf, 
er (Mose) aber ist der Vater von allen. „Cheber (nan)" hiess er, 
weil er die Kinder mit ihrem Vater im Himmel verbunden hat 
('nn'*rc); oder er hiess Cheber, weil er die Strafgerichte vorüber- 
gehen Hess (T^nynttj), damit sie nicht in die Welt kamen. „Abi 
Socho" hiess er (Mose), weil er der Vater der Propheten war, welche 
im heiligen Geiste schauten (D'^SiDtJ). R. Levi sagte: Im Arabischen 
nennt man den Propheten «■•50, Seher. „Jekuthiel." R. Levi und 
R. Sima sagen: (Er hiess darum so,) weil er machte (bewirkte), dass 
die Kinder auf ihren himmlischen Vater hoffen. Unter „Abi 
Sanoach (n"i3T '»3«)" ist Mose zu verstehen, weil er ein Vater der- 
jenigen war, welche veranlassten, den Götzendienst zu verwerfen.*) 
So heisst es Ex. 32, 20: „Er streute sie (die Asche von dem ver- 
brannten Kalbe) aufs Wasser." Dies sind die Kinder Bithjas, der 
Tochter Pharaos." 

R. Josua vonSichnin sagte im Namen^des R. Levi: Gott sprach zu 
Bithja, der Tochter Pharaos: Du hast Mose, der doch nicht dein Sohn 
war, deinen Sohn genannt, auch du bist nicht meine Tochter (ts), und 
nenne ich dich meine Tochter, wie es heisst: „Dies sind die Kinder 
der Bithja {rt^r^ -»ra)" d i. der Tochter Jahs (Jehovas, Ti^ na). „Welche 
Mered (i*?2) sich genommen," das ist Kaleb. (Warum hiess er so?) 
R. Abba bar Kahana und R. Jehuda bar Simon. Der eine sagte: 
Sowie dieser sich dem Rathschluss der Kundschafter widersetzte, so 
hat auch sie dem Rathschluss ihres Vaters sich widersetzt, daher 



•j Er hatte die Israeliten gelehrt, den Götzendienst zu verwerfen. 



I* 



A Par. I. Cap. I, i. 

komme Mored (-n'.?:r:) und nehme die Moredet (rn^im) (d. i. 
sie passen beide zusammen). Der andere sagte: Jener (Kaleb) 
rettete die Schafe und diese (die Tochter Pharaos) rettete den Hirten 
(den Volksführer). 

Mose hatte zehn Namen: Jered, Cheber, Jekuthiel, Abigedor, 
Abi Socho, Abi Sanoach. R. Jehuda bar R. Hai sagte: Auch Tobia 
war sein Name, sowie es heisst £x. 2, 2: ,,Sie sah ihn, dass er 
gut war (rT»n n-iü -d)" d. i. Tobia (n^mt:). R. Ismael bar Ami 
sagte: Er hatte auch den Namen Schemaja. Da kam R. Josua 
bar Nechemja und erklärte diesen Namen i. Chron. 24, 6: „Und es 
schrieb sie auf Schemaja, der Sohn Nathaneeis, der Schreiber." 
Schemaja (rr^^^W^) hiess er, weil Gott sein Gebet erhörte {r^'> 5^72'ä;z:); 
„Sohn Nathaneel (bN:nr ^n)" d. i. ein Sohn, dem die Thora von 
Hand zu Hand übergeben wurde (nb n:r:'r); „der Schreiber 
(*nc'iD)," weil er der Schreiber (Gesetzgeber) Israels war; „der Levite 
("•ib)," weil er vom Stamme Levi war; „vor dem Könige und den Fürsten ; " 
d. i. vor dem König aller Könige, Gott und seinem Gerichtshofe. 
„Und Zadok" d. i. der Priester Aaron, „und Achimelech ("^V^^tin),*' 
weil er der Bruder des Königs war; „Sohn Abjathars", weil ihm 
Gott seinetwegen das Werk (die Fertigung) des Kalbes verziehen (es 
übersehen) hat (^rr^i©). R. Tanchuma sagte im Namen des R. Josua 
ben Karcha: Auch Levi hiess er, wegen der Abstammung von 
seiner Familie, wie es heisst Ex. 4, 14: „Ist nicht dein Bruder 
Aaron der Levite?" Endlich hiess er Mose, siehe das sind zehn 
(Namen). Gott sprach zu Mose: Bei deinem Leben! von allen 
diesen Namen, mit denen du benannt wirst, rufe ich dich nur mit 
dem Namen, mit dem Bithja, die Tochter Pharaos, dich genannt hat 
(wie es heisst): „Sie nannte ihn Mose." (Darum heisst es hier): „Er 
rief Mose." 

R. Abin begann im Namen des R. Berachja des Alten mit 
Anknüpfung an Ps. 89, 20: „Damals redetest du in einem Gesichte 
zu deinem Frommen" d. i. er redete mit Abraham, mit dem in 
Wort und Gesicht gesprochen wurde vergl. Gen. 15, i: „Nach dieser 
Begebenheit geschah das Wort des Ewigen an Abraham in einem 
Gesichte also;" „zu deinem Frommen" s. Micha 7, 20: „Du giebst 
Wahrheit Jacob, Gnade dem Abraham." Ps. 89, 20: „Und du 
sprachst: „Hilfe habe ich dem Helden gegeben," weil er (Abraham) 
in einer Nacht vier Könige niedergemacht hatte s. Gen. 14, 15: „Er 
theilte über sie die Nacht." R. Jizchak wandte dagegen ein: Ver- 
folgt den ein Mensch Erschlagene? Es heisst daselbst: „Er schlug 
sie und verfolgte sie bis Choba." Allein daraus geht hervor, dass 
Gott sie schlug und Abraham sie verfolgte. Es heisst Ps. 89, 20: 
„Ich habe den Erwählten von dem Volke erhoben" d. i. Abraham, 
welcher von Gott erwählt worden war, wie es heisst Neh. 9, 7 : „Du 
bist es, der du Abraham erwähltest." 

Oder jene Worte: „Damals sprachst du durch's Gesicht zu 
deinem Frommen" beziehen sich auf David, mit welchem Gott in 



Par. L Cap. I, i. e 

Gesicht und Wort gesprochen s. r. Sam. 7, 17: „Gleich allen diesen 
Worten und all diesem Gesichte redete Nathan zu David." „Zu 
deinem Frommen," wie es heisst Ps. 86, 2: „Behüte meine Seele, 
denn ein Frommer bin ich". „Und du sprachst: Hilfe habe ich 
dem Helden verliehen." Nach R. Abba bar Kahana hat David 
dreizehn Kriege geführt, nach den Rabbinen achtzehn; beide sind 
aber nicht verschiedener Meinung, derjenige welcher dreizehn an- 
nimmt, meint nur die, welche er für die Bedürfnisse (Interessen) Israels 
geführt, und derjenige, welcher achtzehn annimmt, zählt auch die 
fünf hinzu, welche er für sein eigenes Bedürfniss (Interesse) geführt 
hat Dreizehn für die Bedürfnisse Israels. „Ich erhob Auserwählte 
aus dem Volke" d. i. David, wie es heisst das. 78, 70: „Er erwählte 
David, seinen Knecht." 

Oder: „Damals redetest du im Gesichte," das bezieht sich auf 
Mose, mit dem Gott auch in Wort und Gesicht gesprochen s. Num. 
12, 8: „Mund zu Mund rede ich mit ihm." „Zu deinem Frommen," 
weil er vom Stamme Levi war, wie es heisst Deut. 33, 8: „Dein 
Recht und Licht ziemt deinem Frommen." „Und du sprachst: 
Hilfe habe ich dem Helden verliehen," sowie oben R. Tanchuma bar 
Chanilai gesagt hat: Gewöhnlich, wenn einem eine Last zu schwer 
ist, ist sie für zwei leicht, oder wenn sie zweien zu schwer ist, ist 
für vier leicht, sollte eine Last, welche 60 Myriaden zu schwer 
war, für einen leicht sein? Alle Israeliten standen am Berge Sinai 
und sprachen Deut. 5, 25: „Wenn wir die Stimme des Ewigen weiter 
hören, so werden wir sterben," und Mose hörte die Stimme des 
Wortes selbst und blieb am Leben- Und dass es sich so verhält, 
das kannst du daraus ersehen, dass von allen das Wort nur an 
Mose gelangte, wie es heisst: „Und er rief Mose." „Ich erhob den 
Auserwählten aus dem Volke" s. Ps. 106, 23: „Wenn nicht Mose, 
sein Auserwählter vor den Riss getreten wäre." 

R. Josua von Sichnin legte im Namen des R. Levi Prov. 25, 7 
aus: „Denn besser ist es, man spricht zu dir: komme herauf, als 
wenn man dicht erniedrigt vor dem Fürsten." R. Akiba lehrte im 
Namen des R. Simeon ben Asai: Halte dich fern von deinem 
Platze (der dir gebührt) zwei bis drei Sitze und lass dich nicht eher 
nieder, als bis man zu dir sagt: Steige herauf, und steige nicht herauf, 
bis man zu dir sagt: Steige hinab! Besser ist es, man sagt zu dir: 
steige herauf! steige herauf! als dass man zu dir sagt: steige hinab! 
steige hinab! So pflegte auch Hillel zu sagen: Meine Erniedrigung 
war meine Erhebung und meine Erhebung war meine Erniedrigung. 
Warum? S. Ps. 113, 5. 6: „Der hoch gestellt den Sitz und sich her- 
abiässt zu sehen." 

Du findest, in der Stunde, als Gott sich dem Mose aus dem 
Dornenbusch offenbarte, verbarg er sein Antlitz vor ihm, wie es 
heisst Ex. 3, 6: „Und Mose wandte sein Gesicht ab." Darauf 
sprach Gott zu ihm das. V. 10: „Gehe, ich will dich zu Pharao 
senden." R. Eleasar sagte: Das H am Ende des Wortes will 



() Par. I. Cap. I, i. 

sagen: Wenn du sie nicht erlösest, kein anderer soll sie erlösen. 
Als Gott am Meere ihm erschien, trat er auf die Seite, da sprach 
Gott zu ihm das. 14, 16: „Und du erhebe deinen Stab und spalte 
es/* das will sagen: Wenn du nicht das Meer spaltest, kein anderer 
soll es spalten. Auch am Sinai trat er auf die Seite. Da sprach 
Gott zu ihm das. 24, i: „Steige herauf zum Ewigen,*' das will sagen: 
Wenn du nicht heraufsteigst, kein anderer soll heraufsteigen. Auch 
im Versa mmlungszelte trat Mose auf die Seite, da sprach Gott zu 
ihm: Wie lange noch wirst du dich so erniedrigen? Die Stunde 
wartet nur auf dich. Du kannst es auch daran erkennen, dass es 
sich so verhält, denn unter allen wandte sich das Wort nur an 
Mose, wie es heisst: „Und er rief Mose." 

R. Tanchuma begann mit Anknüpfung an Prov. 20, 15: „Es 
giebt Gold und Perlen die Menge, aber ein kostbares Gefass sind 
kenntnissreiche Lippen.'* Gewöhnlich hat ein Mensch Gold, Sil- 
ber, Edelsteine, Perlen und alle Kostbarkeiten der Welt und Gutes; 
hat er aber kein Wissen (keine Kenntnisse), was hat er dann er- 
worben? Das Sprichwort sagt: Hast du Wissen (Kenntniss) er- 
worben, was fehlt dir? Fehlt dir Wissen (Kenntniss), was hast du 
erworben (besitzest du)? „Es giebt Gold," das sehen wir beim Bau 
der Wohnung, wozu alle Gold als freiwillige Gaben brachten. So 
heisst es Ex. 25, 3: „Und das sind die Gaben." „Viel Perlen," das 
sind die freiwilligen Spenden der Fürsten, wie es heisst das. 35, 27: 
„Und die Fürsten brachten" u. s, w. „Ein kostbares Gefass sind 
kenntnissreiche Lippen," deshalb, weil die Seele Moses darüber 
betrübt war. Er dachte nämlich: Alle haben freiwillige Spenden 
zur Wohnung gebracht, nur ich habe nichts gebracht, da sprach 
Gott zu ihm: Bei deinem Leben! dein Wort ist mir unter allen 
am liebsten; denn unter allen wandte sich das Wort nur an Mose, 
wie es heisst: „Und Gott rief Mose." 

Oder: „Und Gott rief Mose." Was steht vorher? Der Bau 
der Wohnung, wobei es immer heisst: „wie der Ewige dem Mose 
befohlen hatte." Gleich einem Könige, der seinem Diener befahl 
und zu ihm sprach: Baue mir einen Palast! Auf jedes Stück (Sache), 
was er baute (fertig stellte), schrieb er den Namen des Königs; er 
baute die Wände und schrieb darauf den Namen des Königs; er 
stellte Säulen auf und schrieb darauf den Namen des Königs; er 
legte Balken und schrieb darauf den Namen des Königs. Nach 
einiger Zeit kam der König in den Palast und fand auf jeder 
Sache, die er besah, seinen Namen verzeichnet. Da dachte er: 
Mein Diener hat mir alle diese Ehre erwiesen, ich bin hier im 
Innern des Palastes und er soll draussen stehen? Ruft ihn, dass 
er zu mir hereinkomme. Ebenso als Gott dem Mose befahl: „Mache 
mir eine Wohnung," da schrieb Mose auf jeden Theil, den er 
fertig stellte, „wie der Ewige dem Mose befohlen hat." Da spracli 
Gott: Alle diese Ehre hat mir Mose erwiesen, und ich soll hier im 
Innern und er draussen sein? Rufet ihn, dass er zu mir herein- 



IL 



Par. r. Cap. T, 2. 7 

komme. Damm heisst es hier: „Und er rief Mose.** R. Samuel 
bar Nachman sagte im Namen des R. Nathan: Achtzehnmal steht 
das Wort „befehlen" in dem von der Wohnung handelnden Ab- 
schnitt, gegenüber den achtzehn Gliedern des menschlichen Rück- 
grates. Und dementsprechend haben auch die Weisen achtzehn 
Segnmigen im Gebet eingeführt, und ebenso kommt achtzehn Mal 
der gottliche Name im Schema vor und ebenso vielmal in Ps. 29, i : 
„Gebet dem Ewigen, ihr Kinder der Götter" u. s. w. R. Chija bar 
Abba machte die Bemerkung, dass achtzehnmal das Wort „be- 
fehlen" auch Ex. 38, 23 von den Worten: „Und mit ihm Oholiab 
ben Achisamach vom Stamme Dan" bis Ende des Kapitels vor- 
komme. Gleich einem König, der in ein Land kam in Begleitung 
von Herzögen, Eparchen, Kriegsobersten. Das Volk wusste aber 
nicht, wer der Beliebteste (Angesehenste) von allen sei. Allein wer 
dem König sein Gesicht zuwendet und mit ihm spricht, der ist der 
Beliebteste von allen. So heisst es auch Ex. 24, i : „Zu Mose sprach 
er: Steige herauf, du, Aaron, Nadab, Abihu und die siebenzig 
Aeltesten." Nun wissen wir nicht, wer der Beliebteste (An- 
gesehenste) von allen war, allein es war wohl derjenige, welchen 
Gott rief und mit ihm redete, darum heisst es hier: „Und er rief 
Mose." Gleich einem Könige, der in ein Land kommt, mit wem 
spricht er wohl zuerst? Mit dem Marktmeister des Landes. War- 
um? Weil er mit den Lebensmitteln (dem Unterhalt) des Landes 
beschäftigt ist. So war auch Mose mit der Belästigung (d. i. mit 
Dingen, die ihm Belästigung verursachten) Israels beschäftigt, indem 
er nämlich Befehle hinsichtlich der Nahrungsmittel ertheilte: Diese 
Thiere dürft ihr essen, jene aber nicht vergl. Lev. 18, 9: „Diese 
sollt ihr essen von allem, was im Wasser ist" u. s. w., ferner das.: 
„Und diese sollt ihr verabscheuen von den Vögeln" u. s. w. , diese 
sollt ihr verabscheuen und jene sollt ihr nicht verabscheuen, diese 
sollen euch als rein, jene als unrein gelten. Darum heisst es: „Und 
er rief Mose." 

„Und er rief Mose." Hat er denn Adam nicht gerufen? Heisst 
es nicht bereits Gen. 3, 9: „Und der Ewige, Gott, rief AdamJ?" 
Allein ist es keine Schmach für einen König, mit seinem Pächter 
zu reden. 

Und der Ewige redete mit ihm. Hat er nicht mit Noach 
auch geredet? Heisst es nicht Gen. 8, 15: „Gott redete mit Noach?" 
Allein es ist keine Schande für einen König, mit seinem Viehbesitzer 
Schäfer) zu sprechen. „Und er rief Mose." Hat er nicht auch 
Abraham gerufen? Es heisst doch daselbst 22^ 15: „Ein Engel des 
Ewigen rief Abraham." Allein es ist keine Schande für einen 
Konig, mit seinem Gastwirth zu sprechen. „Und er rief Mose." 
So wie er Mose gerufen, hat er nicht Abraham gerufen; denn von 
diesem heisst es: „Und ein Engel des Ewigen rief den Abraham" 
d. i. der Engel rief und das Wort (Gott, ^mnn) redete, aber hier 
rief Gott Mose. 



3 Par. I. Cap. I, i. 

Nach R. Abin sprach Gott: Ich bin es, der ruft und ich bin 
es, der redet, wie es heisst Jes. 48, 15: „Ich, ich redete, ich rief 
ihn; ich führte ihn her und sein Weg soll gelingen." 

Aus dem Versammlungszelte. R. Eleasar sagte: Obgleich 
das Gesetz den Israeliten schon auf dem Sinai ein Zaun wurde, so 
wurden sie dennoch nicht eher verantwortlich, bis es vom Versamm- 
lungszelte wiederholt worden war. Gleich einem geschriebenen 
und versiegelten Edicte, das in einem Lande bekannt gemacht wird, 
es ist aber nicht eher für die Unterthanen verbindlich, bis es ihnen 
im öffentlichen Staatswesen erläutert (publicirt) worden ist. So auch 
hier. Obgleich den Israeliten die Thora schon auf dem Sinai ge- 
geben worden war, so waren sie doch nicht eher (für die Beobach- 
tung) verantwortlich, bis sie ihnen im Versammlungszelte wiederholt 
worden war, was auch geschrieben steht Cant. 3, 4: „Bis ich ihn 
brachte in das Haus meiner Mutter." „Das Haus meiner Mutter" 
d. i. der Sinai, „bis in das Gemach meiner Gebärerin" d. i. das 
Versammlungszelt, weil von da an die Israeliten Unterweisung er- 
hielten. R. Josua ben Levi sagte: Wenn die Völker der Welt gewusst 
hätten, wie schön das Versammlungszelt für sie wäre, so würden sie 
es mit Zelten und Lagern umgeben haben. Du findest, ehe die Woh- 
nung aufgestellt war, hörten die Völker der Welt den Laut des Wortes 
und wurden erschüttert innerhalb ihrer Paläste, wie es heisst Deut 
5,26: ;,Denn was ist alles Fleisch, dass es die Stimme des lebendigen 
Gottes hört" u. s. w. R. Simon sagte: Zweigestaltig (verschieden 
wirkend) ging das Wort aus: Lebenbringend für Israel und todt- 
bringend für die Völker der Welt s. das. 4, 33: „Sowie du sie (die 
Stimme Gottes) gehöret und leben bliebst?" Du hast es ge- 
hört und bist am Leben geblieben, die Völker der Welt aber hörten 
es und starben. R. Chija hat gelehrt: „Vom Versammlungszelt 
aus," woraus zu lernen ist, dass die Stimme abbrach und nicht 
ausserhalb des Versammlungszeltes ertönte. R. Jizchak sagte: 
So lange die Wohnung nicht aufgestellt war, war die Prophetie 
auch bei den Völkern der Welt zu finden, nachdem die~Wbhnung 
aber aufgestellt war, wurde sie von ihnen genommen, wie es heisst 
Cant. 3, 4: „Ich ergriff ihn und hielt ihn fest." Da wandte man 
ihm ein: Bileam hat doch geweissagt? Er antwortete: Er weis- 
sagte zum Besten Israels, denn er sagte doch Num. 23, 10: „Wer 
zählt den Staub Jacobs," das. V. 21: „Er siehet kein Unrecht in 
Jacob," das. V. 2y, „Keine Zauberei ist in Jacob, das. 24, 5: „Wie 
schön sind deine Zelte, Jacob," das. V. 17: „Ein Stern tritt aus 
Jacob hervor," das. V. 19: „Und er herrschet von Jacob aus." 
Was ist für ein Unterschied zwischen den Propheten Israels und den 
Propheten der Völker der Welt? R. Chama bar Chanina und R. 
Jissaschar vom Dorfe Mendi*). R. Chama bar Chanina sagte: Gott 

•) »130 163 Kephar Mendi oder Mandon (jn^O) wahrscheinlich identisch 
mit Kefr Menda, lag in der Nähe von Nazareth. Vcrgl. Robinson, Palä- 
stina II. S. 243 und Neubauer, la Geographie du Talmud p. 269 f. 



Par. I. Cap. I, i. g 

offenbart sich den Völkern der Welt nur mit halbem Worte, wie es 
heisst s. das. 23, 4: „Da verfügte sich der Ewige zu Bileam," den 
Propheten Israels aber mit ganzem Worte, wie es heisst: „Er rief 
Mose." R. Jissaschar vom Dorfe Mendi sagte: So sei auch ihr 
Lohn. Das Wort ^p-'i hat keine andere Bedeutung als rTN?2nü Un- 
reinheit vergl. Deut. 23, 11: „So jemand unter dir ist, der nicht rein 
ist von einem Begegniss der Nacht;" aber die Propheten Israels 
bedienten sich der heiligen, reinen, klaren Sprache, der Sprache, in 
welcher die Dienstengel Gott preisen, wie es heisst Jes. 6, 3: „Und 
einer rief dem andern zu und sprach" u. s. w. R. Hai bar Menachem 
sagte: Es stehet geschrieben Prov. 15, 29: „Der Ewige ist fern von 
den Frevlem, das Gebet der Gerechten aber erhört er." „Fern 
von den Frevlem" d. s. die Propheten der Völker der Welt, „aber 
das Gebet der Gerechten erhört er" d. s. die Propheten Israels. Du 
findest, dass Gott sich den Völkern nur offenbart hat wie ein Mensch, 
der von einem fernen Lande kommt, wie es heisst Jes. 39, 3: „Aus 
fernem Lande sind sie zu mir gekommen," bei den Propheten 
Israels dagegen heisst es: „Er erschien" und „er rief." R. Jose 
sagte: Den Völkern offenbarte sich Gott nur in der Nacht, wenn 
die Menschen von einander getrennt sind, wie es heisst Hi. 4, 13: 
„In den Gedanken der Nachtgesichte, wenn tiefer Schlaf die Men- 
schen befallt," das. 12: „Zu mir stahl sich ein Wort" R. Chanina 
bar Papa und die Rabbinen. R. Chanina bar Papa sagte: Gleich 
einem König, welcher mit seinem Freunde im Speisesaal war und 
ein Vorhang war zwischen ihnen; sowie er mit seinem Freunde 
sprechen wollte, zog er den Vorhang zurück, dass sie sich von 
Angesicht zu Angesicht sahen, und so redete er mit ihm, aber bei 
den anderen (heidnischen Propheten) verfahrt Gott nicht so, sondern 
da spricht er mit ihnen und der Vorhang scheidet sie, so dass sie 
ihn nicht sehen. Die Rabbinen nehmen dieses Gleichniss an. Ein 
König hatte eine Gemahlin und ein Kebsweib. Wenn er zu seinem 
Weibe geht, geht er öffentlich, wenn er aber zu seinem Kebsweibe 
geht, geht er im Verborgenen. So offenbart sich Gott den Völkern 
der W^elt nur in der Nacht, wie es heisst Gen. 20, 3: „Und Gott 
kam zu Abimelech im Traume des Nachts," und das. 31, 24: „Und 
Gott kam zu Laban, dem Aramäer im Traume des Nachts," 
Kam. 22, 20: „Und Gott kam zu Bileam des Nachts;" den Pro- 
pheten Israels aber offenbart er sich am Tage, wie es heisst Gen. 
18, i: „Er (Abraham) sass am Eingange des Zeltes, als der Tag 
heiss war," ferner Ex. 6, 28: „Es war am Tage, als der Ewige mit 
Mose sprach," sodann Num. 3, i: „Und das ist das Geschlecht 
Aarons und Moses, da der Ewige mit Mose redete an dem Tage" u. s. w. 
Was ist für ein Unterschied zwischen Mose und den Propheten? R. Je- 
huda bar R. Hai und die Rabbinen. R. Jehuda sagt: Die Propheten 
sahen durch neun Spiegel, wie es heisst Ezech. 43, 3: „Und 
die Gesichte, wie das Gesicht, das ich geschaut" u. s. w., Mose 
aber sah nur durch einen Spiegel, wie es heisst Num. 12, 8: „Im 



lO Par. II. Cap. I, 2, 

Gesichte, nicht aber in Räthseln." Die Rabbinen sagen: Alle Pro- 
pheten sahen durch einen trüben Spiegel, wie es heisst Hos. 12, 11: 
„Ich habe die Gesichte vermehrt und durch die Propheten lege ich 
Gleichnisse vor;" Mose aber sah durch einen feingeschliffenen 
Spiegel, wie es heisst Num. 12, 8: „Die Gestalt des Ewigen schaute 
er." R. Pinchas führte im Namen des R. Hosaja dieses Gleichniss 
an. Ein König offenbarte (zeigte) sich seinem Haussohne in seinem 
wahren Bilde, denn in dieser Welt erscheint die Schechina den Ein- 
zelnen, aber einst wird sich die Herrlichkeit des Ewigen zeigen, „und es 
siehet alles Fleisch zumal, dass des Ewigen Mund geredet" s. Jes. 
40, 5.*) Oder: „Er rief Mose und der Ewige redete." Daher haben die 
Alten gesagt: Jedem Gelehrten ohne Wissen (Kenntniss) ist ein gutes 
Aas vorzuziehen. Du kannst es auch daran erkennen, dass es sich 
so verhält Geh und lerne von Mose, dem Vater des Weisheit, 
dem Vater der Propheten, der die Israeliten aus Aegypten geführt 
hat und durch welchen so viele Wunder in Aegypten geschehen 
sind und Oflfenbarungen am Schilfmeere, der sich bis zu den Höhen 
des Himmels geschwungen und das Gesetz vom Himmel herab- 
gebracht und sich mit dem Bau der Wohnung beschäftigt hat, er 
ging nicht eher in das Innerste hinein, bis er gerufen worden war, 
wie es hier heisst, „Gott rief Mose und redete," und dort Ex. 3, 4 
heisst es: „Und der Ewige sah, dass er zurückwich, um die Er- 
scheinung zu sehen." Beim Dornenbusch war eine Unterbrechung 
zwischen dem Rufen und der Rede, im Versammlungszelte aber 
nicht. Beim Dornenbusch, womit ist das zu vergleichen? Gleich 
einem Könige von Fleisch und Blut, der über seinen Diener auf- 
gebracht war und befahl, ihn in's Gefangniss zu werfen; wenn er 
dem Boten einen Auftrag giebt, geschieht es nicht anders, als von 
Aussen, aber im Versammlungszelte, wo er sich mit seinen Kindern 
freut und seine Hausgenossen fröhlich sind, wenn er da dem Boten 
einen Auftrag ertheilt, so geschieht es im Innern (des Hauses), so- 
wie denjenigen, welche er zwischen seine Kniee setzt und wie die 
Hand einen Menschen (Vaters) über seinen Sohn, darum heisst es 
hier: „Gott rief Mose." 



Parascha II. 

V. 2. Rede zu den Kindern Israels und sprich zu 
ihnen: Wenn einer von euch dem Ewigen eine Opfergabe 
bringen will u. s. w. Mit Anknüpfung an Jerem. 31, 20: „Ein 
theurer Sohn ist mir Ephraim." Zehn (Dinge) werden Kostbarkeiten 



*) Dieses Stück bis zum Schlosse der Parascha steht in der Venediger 
Ausgabe am Ende unseres Midrasch und wird als eine andere Textrecen- 
sion ^HJnrw KnD13) bezeichnet. 



Par. II. Cap. I, 2. jj 

genannt, nämlich: i) Die Thora, 2) die Prophetie, 3) die Vernunft, 
4) die Erkenntniss, 5) die Thorheit, 6) der Reichthum, 7) die Tugend- 
haften, 8) der Tod der Frommen, 9) die Gnade und 10) Israel; 
die Thora s. Prov. 3, 15: „Sie ist köstlicher als Perlen", die Pro- 
phetie s. I. Sam. 3, i: „Und das Wort des Ewigen war theuer in 
jenen Tagen," die Vernunft s. Prov. 17, 27: „Kostbarkeit des Geistes 
ist ein Mann von Verstand," die Erkenntniss das. 20, 15: „Ein 
kostbares Gefass sind kenntnissreiche Lippen," die Thorheit s. Koh. 
10, i: „Kostlicher als Weisheit und Ehre ist ein wenig Thorheit," 
der Reichthum s. Prov, 12, 27: „Köstlicher Reichthum des Menschen 
ist des Fleissigen," die Tugendhaften s. Ps. 139, 17: „Wie kostbar 
sind mir deine Freunde (anstatt; Gedanken), Gott," der Tod der 
Frommen s. Ps. 117, 15: „Kostbar in den Augen des Ewigen ist der 
Tod seiner Frommen," die Gnade s. das. 36, 8: „Wie kostbar ist 
deine Gnade, Gott," Israel s. Jerem. 31, 20: „Ein kostbarer Sohn 
ist mir Ephraim." Und besonders kostbar bleibt mir Israel. Ge- 
wohnlich gehen tausend Menschen hinein (ins Lehrhaus), um die 
Schrift zu lesen und nur hundert von ihnen geht heraus (und 
hat etwas davon gewonnen); hundert gehen zur Mischna und nur 
zehn kommen mit Erfolg davon heraus, zehn gehen zum Talmud 
und nur einer von ihnen hat etwas erworben. Das steht auch Koh. 
7, 28: „Unter Tausenden habe ich nur einen Menschen gefunden." 
Oder die Worte: „Unter Tausenden habe ich nur einen Menschen 
gefunden," beziehen sich auf Abraham, und die Worte: „aber ein 
Weib habe ich unter allen diesen nicht gefunden," beziehen sich 
auf Sara. Oder: „Unter Tausenden habe ich nur einen Menschen 
gefunden," beziehen sich auf Amram, und die Worte: „aber ein 
Weib habe ich unter allen diesen nicht gefunden," beziehen sich auf 
Jochebed. Oder: „Unter Tausenden habe ich nur einen Menschen 
gefunden," beziehen sich auf Mose, und die Worte: „aber ein Weib 
habe ich unter allen diesen nicht gefunden," beziehen sich auf die 
Weiber des Wüstengeschlechts. Rabbi sagte: „Die Weiber des 
Wüstengeschlechts waren fromm (weil ihre Männer das Kalb an- 
gebetet hatten, was die Frauen nicht gethan hatten). Als sie hörten, 
dass sie ihren Männern verboten sein sollten, verschlossen sie 
sofort ihre Thüren. Da sprach Gott: Die Israeliten bleiben mir 
theuer. R. Abba bar Kahana und R. Jizchak. R. Abba bar Kahana 
sagte: Gott sprach: Wenn Pharao soviel für jeden Israeliten ver- 
langt hätte, an Edelsteinen und Perlen zu bekommen, als er Ge- 
w^cht hatte, hätte er sie ihm nicht gegeben? R. Jizchak dagegen 
sagte: Nahm er sie nicht mit Blut? Gab es nicht ganze Schwärme 
von Mücken und Gewilde? Sind diese nicht Blut? Daraus ergiebt 
sich, dass die Israeliten mir theuer sind. „Ein theurer Sohn ist es 
mir." Ueberall wo das Wort "^b, mir, gesagt ist, weicht es nicht von 
der Welt, nicht in dieser Welt und nicht in jener Welt. Bei den 
Priestern heisst es Ex. 40, 15: „Sie sollen mir Priester sein," ebenso 
heisst es bei den Leviten Num. 8, 14: „Sie sollen mir Leviten sein,** 



12 I*ar. ir. Cap. I, 2. 

sodann bei den Israeliten Lev. 25, 55: „Denn mein sind die Kinder 
Israels;" so auch bei der Hebe Ex. 25, 2: „Und ihr sollt mir 
nehmen," bei den Erstgebornen Num. 3, 13: „Denn mein ist alles 
Erstgeborne," beim Sanhedrin das. 11, 16: „Versammle mir siebenzig 
Mann von den Aeltesten Israels," beim israelitischen Lande Ex. 
19,5: „Denn mein ist das ganze Land," bei Jerusalem i. Reg. 11,32: 
„Die Stadt, die ich mir erwählt habe," bei der Herrschaft des 
Hauses Davids i. Sam. 16, i: „Denn ich habe mir unter seinen 
Söhnen einen König ersehen," beim Heiligthum Ex. 25, 8: „Machet 
mir ein Heiligthum," beim Altar das. 20, 24: „Einen Altar von 
Erde sollst du mir machen," bei den Opfern Num. 28, 2: „Ihr sollt 
Acht haben, mir darzubringen," beim Salböl Ex. 30, 25: „Heiliges 
Salböl soll das mir sein," kurz und gut überall, wo das Wort "»b 
gebraucht wird, weicht es nicht von dieser und nicht von jener 
Welt s. Jerem. 31, 20: „Ephraim ist mir." 

R. Josua ben Levi sagte: Sie waren Palatini*), R, Josua bar 
Nachman sagte: Sie waren edelgeboren (von edlem Herkommen). 
R. Pinchas sagte: Mit dieser Krone ist Ephraim von unserm Vater 
Jacob geschmückt (gekrönt) worden, als er aus der Welt schied. 
Er sprach zu ihm: Ephraim, du sollst das Haupt der Stämme, das 
Haupt der Sitzung und der Schönste und Hervorragendste unter 
meinen Söhnen soll nach dir genannt werden s. i. Sam. i, i: „Ben 
Thohu, ben Zuph, des Ephratiters," ferner i. Sam. 17, 12: „David, 
der Sohn des Ephratiters von Bethlehem Jehuda. Jerem. 31, 20: „Ein 
theurer Sohn ist mir Ephraim, ein Kind des Spiels." Was ist unter 
O^yittj^?^ nb^ zu verstehen? Ein Kind von zwei oder drei Jahren. 
Nach R. Acha im Namen des R. Levi bar R. Sisi ist ein Kind von 
vier oder fünf Jahren gemeint, weil es Jerem. 31, 20 weiter heisst: 
„Denn so oft ich mit ihm rede (ia "^nai "^nTD "«d).*' R. Judan im 
Namen des R. Acha bar Kahana erklärte die Worte dahin: Genug 
sind meine Reden, die ich in ihm niedergelegt habe (-nnsttj '»mn'»i 
na). R. Jehuda bar R. Simon sagte: Selbst in der Stunde, wo ich 
mit ihm hart rede, kann ich es nicht ertragen (d.i. ich vermag kaum 
mit ihm hart zu reden). „Denn so oft ich mit ihm rede" d. i. 
denn gewiss sind meine Reden in ihm (la "^^nm ^fi^ma "d). 

„Rede zu den Kindern Israels." Gleich einem König, sagte 
R. Judan im Namen des R. Jsmael bar Nachman, welcher Hemden 
(indusia) hatte und seinem Knechte mit den Worten befahl: Rolle 
(lege) dieses zusammen und schüttle es aus und richte dein Augen- 
merk darauf! Mein Herr König! fragte sein Knecht, von allen 
Hemden, welche du hast, wie kommt es, dass du gerade bei diesem 
mir eine solche Vorschrift anbefiehlst? Er antwortete: Weil ich es 
an meinem Leibe trage (an meinen Körper schliesse). So sprach 
auch Mose vor Gott: Herr der Welt! von den siebzig starken 



•) D. i. solche die im königlichen Palaste in hohen Ehren erzogen 
werden. 



Par, II, Cap. I, 2. I^ 

und mächtigen Völkerschaften, die du in deiner Welt hast, wie 
kommt es, dass du mir nur grade Befehle an Israel ertheilst? £s 
heisst Num. 28, 2: „Befiehl den Kindern Israels" u. s. w.; „rede 
mit den Kindern Israels" d. i. befiehl den Kindern Israels und sprich 
zu ihnen, dass sie sich mir anschliessen, wie es heisst Jerem. 13, 11: 
„Sowie der Gurt an die Lenden eines Mannes sich anschliesst." 
R. Abin führte dieses Gleichniss an. Ein König hatte Purpur- 
kleider und befahl seinem Knechte: Gieb Achtung darauf, rolle sie 
zusammen, schüttle sie aus. Wie kommt es, mein Herr König! 
fragte der Knecht, dass du von allen Purpurkleidern, die du hast, 
nur auf das eine mir einen solchen Befehl giebst? Der König ant- 
wortete: Weil ich mit ihm am Tage meines Königthums bekleidet 
gewesen bin. So sprach auch Mose vor Gott: Herr der Welt! wie 
kommt es, dass du von den siebenzig mächtigen Völkerschaften, die 
du in deiner Welt hast, mir nur Befehle an Israel aufträgst, wie 
es heisst: „Befiehl den Kindern Israels," „sprich zu den Kindern 
Israels! " Weil sie mich, erwiederte Gott, zuerst am Meere als 
König anerkannt und zu mir gesprochen haben £x. 15, 18: „Der 
Ewige regiere ewiglich und immerdar." Gleich einem Saken (Ael- 
testen, Senator), sagte R. Berachja, der ein Staatskleid hatte und 
betreffs dessen er seinem Schüler Befehle ertheilte, indem er zu ihm 
sprach: Lege es sorgfaltig in Falten (zusammen) und schüttle es 
aus! Mein Herr (König)! entgegnete der Schüler, wie kommt es, 
dass du mir betreffs aller Staatskleider, welche du hast, nicht Befehle 
ertheilst, sondern nur betreffs dieses? Das kommt daher, antwortete 
der König, weil ich es an dem Tage getragen habe, an welchem 
ich als Saken (Aeltester) eingesetzt wurde.*) Ebenso sprach Mose 
vor Gott: Herr der Welt! von den siebenzig mächtigen Völkern, 
welche du in deiner Welt erschaffen, hast du mir nur in Betreff Is- 
raels Befehle ertheilt. Gott sprach: Weil sie meine Regierung an> 
Sinai auf sich genommen und gesagt haben Ex. 24, 7: „Alles, was 
der Ewige geredet, wollen wir thun und gehorchen." R. Judan 
sagte: Komm und sieh, wie lieb Gott die Israeliten hat, dass er sie 
fünfmal in einem Verse erwähnt, wie es heisst Num. 8, 18: „Und 
ich nahm die Leviten anstatt alles Erstgebornen" u. s. w. Gleich 
einem Könige, sagte R. Simeon ben Jochai, welcher einen einzigen 
Sohn hatte; an jedem Tage befahl er seinem Haussohne: Iss, mein 
Sohnl oder trink, mein Sohn! So wenn er in die Schule ging und 
wenn er aus der Schule kam. So gab auch Gott dem Mose täg- 
lich Befehle an die Israeliten und sprach zu ihm: Sprich zu den 
Kindern Israels! befiehl den Kindern Israels! R. Jehuda bar Simon 
führte dieses Beispiel an. Gleich einem, welcher dasass und eine 
Krone für den König machte; ein Vorübergehender fragte ihn: 
Was machst du? Ich mache eine Krone für den König, war die 



•) Vcrgl. Pesikta Schekalim 17«, wo einige Abänderungen sich linden. 



ji Par. II. Cap. I, 2. 

Antwort. Setze so viel Edelsteine, Perlen und Smaragde hinein, so 
viel du immer kannst. Warum? Weil sie einst auf den Kopf des 
Königs wird gesetzt werden. Ebenso sprach auch Gott zu Mose: 
Rühme, erhebe und verherrliche die Israeliten, so viel du immer 
kannst. Warum? Weil ich einst mit ihnen werde verherrlicht wer- 
den, wie es heisst Jes. 49, 3: „Er sprach zu mir: Mein Knecht bist 
du, Israel, an dem ich mich verherrliche." Sogar die Schrift, sagte 
R. Josua von Sichnin im Namen des R. Levi, erweist den Israeliten 
Ehre, wie es hier heisst Lev. i, 2: „Ein Mensch, der von euch 
opfert" u. s. w. Wenn aber etwas Nachtheiliges (Schändliches) von 
ihnen gesagt werden soll, siehe, was steht da geschrieben? Es 
heisst nicht das. 13, i: So ein Mensch von euch an der Haut 
seines Fleisches eine Erhöhung hat, sondern: „so an der Haut 
seines Fleisches sein wird." R. Samuel bar Nachman führt zwei 
Beweise an: Es heisst Deut. 15, 4: „Jedoch wird kein Armer unter 
dir sein," Wenn die Schrift aber etwas Nachtheiliges (Schändliches) 
sagt, da heisst es nicht das. V. 11: Es soll nicht fehlen an Armen 
aus eurer Mitte, sondern: „aus der Mitte des Landes." R. Sa- 
muel bar Nachman führte noch einen andern Beweis an: Es heisst 
nicht Deut. 27, 13: Und diese sollen stehen, das Volk zu verfluchen, 
sondern: „und diese sollen über dem Fluche stehen." Beim Segen 
aber heisst es das. V. 12: „Diese sollen stehen, das Volk zu seg- 
nen." R. Berachja und R. Chelbo und R. Ami im Namen des R. 
Hai sagten: Und nicht nur das, sondern wenn auch eine Strafe in 
die Welt kommt, die Frommen bewältigen sie, wie es heisst: „Und 
diese sollen stehen über dem Fluche." R. Berachja sagte: Gott 
spricht zu dem Menschen d. i. Adam, dein Opfer gleicht dem Opfer 
des ersten Menschen, welcher alles in seiner Gewalt hatte, und er 
brachte doch nichts vom Geraubten, Erpressten dar, so bringe auch 
du nichts vom Geraubten und Erpressten dar. Thust du aber so, 
so gilt Ps. 69, 32: „Das gefallt dem Ewigen besser als Rind und 
Farren mit Hörnern und Klauen."*) 

Oder: Das Wort an«, Mensch ist der Ausdruck der Liebe, der 
Brüderlichkeit und Freundschaftlichkeit. Gott sprach zu Ezechiel: 
Menschensohn! Sohn frommer Menschen! Sohn Gerechter! Sohn von 
Menschenfreunden! Sohn solcher, die sich wegen der Ehre Gottes 
und Israels immer alle Tage der Verachtung aussetzen. Oder der 
Ausdruck tJiN ]:3, Menschensohn ist zu vergleichen mit einem Könige 
von Fleisch und Blut, gegen welchen sein Weib und seine Kinder sich 
aufgelehnt hatten. Er erhob sich und stiess sie aus seinem Hause 
und Hess sie fortziehen, nachher aber Hess er einen Sohn von ihr 
kommen und sprach: Sohn N. N., komm, ich will dir mein Haus 
und das Haus meines Glanzes zeigen, was ich habe, ausser deiner 



*) Dieses Stück bis zum Schlüsse der Parascha sieht in der Veno.diger 
Ausgabe am Ende unseres Midrasch unter der Aufschrift: t\^ü 13 aiMV noa 

riBhfi. 



Par. II. Cap. I, 2. ic 

Matter, meine Ehre und mein Glanz haben um nichts abgenommen*), 
obgleich deine Mutter draussen steht. So verhält es sich auch mit 
Ezechid ben Busi, dem Priester s. Ezech. i, i: „Es geschah im 
dreissigsten Jahre, im vierten 'Monat, am Fünften des Monats," das. 
V. 3: „Da geschah das Wort des Ewigen," Das ist der rechte 
Beweis. In Bezug auf den zweiten heisst es das. V. 4: „Und 
sieh, es kam ein Sturmwind von Norden/' und nachdem er dem 
Propheten die ganze Wagenerscheinung gezeigt hatte, sprach er zu 
ihm: Menschensohn! das ist meine Herrlichkeit, zu welcher ich euch 
von aJJen Völkern der Welt erhoben habe, ohne Beeinträchtigung 
meiner Herrlichkeit und meines Glanzes, wie es heisst Ezech. 43,11: 
„Und wenn sie sich schämen alles dessen, was sie gethan, so thue 
ihnen kund die Gestalt dieses Hauses und seine Einrichtung und 
seine Ausgänge und seine Eingänge." Vielleicht denkst du, es 
giebt keinen mehr, der mir dient, noch habe ich vor mir 496000 
Dienstengel, die dienstergeben hier stehen und meinen grossen 
Namen täglich immerdar von Sonnenaufgang bis zu ihrem Unter- 
gange heiligen und mit den Worten preisen: Heilig, heilig, heilig! 
und von Sonnenuntergang bis zu ihrem Aufgange mit den Worten: 
Gepriesen sei die Herrlichkeit des Ewigen von seinem Orte aus. 
Und um viel mehr die siebenzig Sprachen (der Menschen) auf 
Erden! Weil ihr garstige und ungehörige Dinge thut, erzürnen sie 
euch durch Leiden, die sie über euch bringen, aber was soll ich 
thun? Siehe, ich thue es wegen meines grossen Namens, der über 
euch genannt wird, wie es heisst das. 20, 9: „Ich that es um 
meines Namens willen, dass er nicht entheiligt werde vor den Augen 
der Völker" u. s. w. 

Es heisst Lev. i, 2: „So jemand von euch dem Ewigen dar- 
bringen will." Warum heisst es hier nicht: 'IJ^N, ein Mann, sowie 
es dort heisst: „Rede zu der ganzen Gemeinde der Kinder Israels: 
ein Mann, so er darbringt?" Auch hier sollte die Schrift sagen: 
Und sie sollen sich nehmen ein jeder ein Rind oder Schaf. Warum 
heisst es: anx, ein Mensch? Um auch den Neuaufgenommenen 
(Proselyten) darunter zu begreifen. DD73, von euch d. i. um den 
Heiden, der ein Ganzopfer bringt, auszuschliessen. R. Simeon ben 
Gamliel sagte: Sieben Beschlüsse hat der grosse Gerichtshof gefasst, 
einer davon ist: Wenn ein Heide ein Ganzopfer von einer Stadt am 
Meere (von weiter Ferne) bringt und mit diesem auch Trankopfer, 
so bringt man die Trankopfer von dem Seinigen dar, wenn nicht 
(d. i. sind die Trankopfer nicht mit jenem verbunden), so müssen 
dieselben auf Kosten der Gesammtheit dargebracht werden. Und 
ferner ist der Beschluss vom Gerichtshof gefasst worden, dass von 
einem Hohenpriester, welcher gestorben ist, sein Speisopfer auf 
Kosten der Gesammtheit dargebracht werde. R. Jehuda sagt: Es 



•) Sinn: Komm, damit du siehst, dass deine Muller meiner Ehre und 
meintm Glänze keinen Eintrag gethan hat. 



l6 Par. II. Cap. I, 2. 

wird aus den Mitteln der Erben und ungetheilt auf Salz und Holz- 
stücken dargebracht. R. Simeon ben Gamliel sagte: Einmal war 
ich auf der Reise, da traf mich ein Mann und kam auf mich zu, 
wie einer, welcher mit aufgehobener Faust gegen seinen Nächsten 
kommt, er fragte mich: Ihr sagt, sieben Propheten sind unter den 
Völkern aufgetreten und sie legen Zeugniss gegen sie ab und sie 
fahren in die Hölle? Ich antwortete ihm: Ja, mein Sohn, so ist es. 
Von den sieben Zeitaltern an (wo die sieben Propheten aufgehört 
haben) und weiter können die Völker also sagen: Das Gesetz 
ist uns nicht gegeben worden und es kann auch nicht gegen uns 
Zeugniss ablegen, warum fahren wir zur Hölle? Ich antwortete 
ihm: Mein Sohn, so haben die Weisen in der Mischna gelehrt: 
Einem Heiden, der zum Judenthum übertreten will, reicht man die 
Hand, um ihn unter die Fittiche der Schechina zu bringen, von 
jetzt an und weiter können die Proselyten des Zeitalters gegen ihre 
Zeitgenossen (ihr Zeitalter) zeugen. 

vom Vieh, von Rindern, von Schafen? Wenn es heisst: 
vom Vieh, warum heisst es noch: von Rindern und von Schafen? 
Von hier haben die Weisen gesagt: Man nimmt alle Arten von 
Opfern von den Frevlern Israels an, uni sie unter die Fittige der 
Schechina zu bringen, ausgenommen ist der Abtrünnige und der, 
welcher den Wein fälscht und die Sabbathe öffentlich entweiht. 
„Von Rindern und von Schafen." Gepriesen sei Gott, dass er sich 
mit den ersten Frommen zählt. Adam brachte einen Ochsen auf 
dem Altar dar, wie es heisst Ps. 69, 32: „Es gefällt dem Ewigen 
besser als Ochs und Farren." Noach hat gehalten, was in der Thora 
geschrieben steht, wie es heisst Gen. 8, 20: „Er baute dem Ewigen 
einen Altar;** Abraham*) hat die ganze Thora gehalten, wie 
es heisst das. 26, 5: „Darum dass Abraham meiner Stimme ge- 
horchte** u. s. w., denn er veranstaltete ein Opfer und brachte einen 
Widder dar; Jizchak hat gehalten, was in der Thora geschrieben 
steht, er warf sich vor seinem Vater wie ein Opferlamm hin; Jacob 
hat gehalten, was in der Thora geschrieben steht, wie es heisst 
das. 35, 4: „Sie gaben dem Jacob alle fremden Götter;** Jehuda 
hat gehalten, was in der Thora geschrieben steht, wie es heisst 
das. 38, 8: „Wohne dem Weibe deines Bruders bei;** Joseph hat 
gehalten, was in der Thora geschrieben steht Ex. 20, 12 ff.: „Ehre 
deinen Vater und deine Mutter, du sollst nicht morden, nicht ehe- 
brechen, nicht stehlen, nicht falsch zeugen, lass dich nicht gelüsten;** 
ehe ihnen noch die Thora gegeben worden, haben sie diese Vor- 
schriften von selbst gehalten. Darum liebt Gott sie auch mit voll- 
kommener Liebe und er hat ihren Namen seinem grossen Namen 
gleichgemacht, über sie heisst es Ps. 119, i: „Heil denen, die den 
Weg der Vollkommenheit wandeln,** und er wird genannt Deut. 32,4: 



*) S. Joma fol. 28 und Kiddusch, fol. 82. 



Par. II. Cap. I, 2. 5. j- 

„Der Fels, vollkommen ist sein Wirken" und Ps. 18, 31: „Gott, 
vollkommen ist sein Weg." 

V. 5. Er schlachte das junge Rind. Und beim Widder 
heisst es: Gegen die mitternächtliche Seite hin vor dem Ewigen. 
Sie (die Weisen) sagen: In der Stunde, als unser Vater Abraham 
seinen Sohn Jizchak band, bestimmte Gott zwei Lämmer, eins am 
Morgen und eins am Abend, und das alles warum? Weil in der 
Stunde, wo die Israeliten das tägliche Opfer auf dem Altar dar- 
bringen und diesen Vers lesen: „nach der mitternächtlichen Seite 
vor dem Ewigen," Gott der Opferwilligkeit Jizchaks gedenkt. 
Ich rufe den Himmel und die Erde zu Zeugen über mich an, es 
mag ein Heide oder ein Israelit, ein Mann oder ein Weib, ein 
Knecht oder eine Magd diesen Vers lesen: „nach der mitternächt- 
lichen Seite vor dem Ewigen," so gedenkt Gott der Opferwilligkeit 
Jizchaks, denn es heisst: „''""• ^:ob n:nD3t, es ist aufbewahrt vor 
dem Ewigen."*) 

Oder: „Nach Norden vor dem Ewigen," entsprechend den 
Thaten Abrahams, Jizchaks und Jacobs, welche vor ihm aufbewahrt 
crtDX) sind. Und woher lässt sich beweisen, dass das Wort nsioat 
diese Bedeutung hat? Aus Cant. 7, 14: „Neue, auch Alte habe 
ich, mein Freund, dir aufbewahrt." Abraham, Jizchak und. Jacob 
sind die Alten, Amram, Sohn Kehats und alle Frommen, die in 
Aegypten waren, sind die Neuen, wie es heisst: „Neue, auch Alte." 
Die Genossenschaft Moses, Josuas und Davids, Hiskias sind die 
Alten, die Genossenschaft Esras, Hilleis, Rabban Jochanan ben 
Saccais und R. Meirs und seine Genossen gehören zu den Neuen,, 
über sie werden die obigen Worte: „Neue, auch Alte" angewendet. 
Beim Ochs heisst es Lev. i, 9: „Und die Beine soll er abwaschen 
mit Wasser, und der Priester soll das Ganze anzünden" u. s. w., 
beim Widder heisst es das. V. 13: „Und das Innere (den Bauch) 
und die Beine soll er abwaschen, und der Priester soll das Ganze 
darbringen." Was ist für ein Unterschied zwischen Widder und 
Ochs? Beim Ochsen fehlt der Aufzug und der Einschlag, beim Widder 
dagegen fehlt der Aufzug und der Einschlag nicht. Die Weisen haben 
gesagt: Wir lernen die Darbringung des Ochsen von der des Widders 
und die Darbringung des Widders von der des Ochsen. Er sprach zu 
ihnen: Meine Herren! ich halte mich für Staub unter euren Fuss- 
ballen, ich will aber etwas vor euch vorbringen. Trage vor! gaben 
sie ihm zur Antwort. Meine Herren! sprach er zu ihnen, zwölf Fürsten 
standen bei der Einweihung des Altars, der eine und der andere 
brachte ein Ganzopfer, der eine und andere ein Sündopfer, der eine 
und der andere ein Schuldopfer, der eine und der andere ein Friedens- 
opfer. Dort steht nanpn, darbringen beim Ochsen und Widder, hier 
dagegen steht nnipn, darbringen nur beim Widder und nicht 



•) So nimmt der Midr. die Textworte. 
Wünsche, Midrasch Wajikra. 



l8 Par. IL Cap. I, 5. Par. III. Cap. 11, i. 

beim Widder, damit der Mensch nicht bei sich denke, ich will häss- 
liche und ungeziemende Dinge thun, ich will einen Ochsen bringen, 
an dem viel Fleisch ist, und auf dem Altar darbringen, siehe, ich 
werde mit ihm Gnade üben, und er wird mich in Busse aufnehmen. 
Darum wird nur beim Widder und nicht beim Ochsen das Wort: 
tia^ptl, darbringen gebraucht. 

Parascha III. 

Cap. II, V. I. So jemand will dem Ewigen die Opfer- 
gabe eines Speisopfers darbringen. R. Jizchak begann mit 
Koh. 4, 6: „Besser eine Hand voll Ruhe, als beide Fäuste voll 
Mühseligkeit und quälende Sorge.** Besser ist der, welcher nur zwei 
Ordnungen lernt und sie übt, als der, welcher Halachot lernt und 
sie nicht übt, er hat nichts weiter davon als „leeren Wind'* d. i. 
es ist ihm nur darum zu thun, ein Halachotkundiger genannt 
zu werden (eig. sein Sinnen geht nur darauf, dass er u. s. w.). 
Besser ist der, welcher Halachot lernt und sie übt, als der, welcher 
Halachot und Regeln lernt und sie nicht übt, er hat nichts weiter 
davon als „quälende Sorge** d. i. es ist ihm nur darum zu thun, 
ein Mechiltakundiger genannt zu werden. Besser ist der, welcher 
Halachot und Regeln lernt und sie übt, als der, welcher Halachot 
und Regeln und Talmud lernt und sie nicht übt, er hat nichts 
weiter davon als „quälende Sorge** d. i. es ist ihm nur darum zu 
thun, ein Gesetzkundiger zu heissen. Besser ist der, welcher nur 
zehn Goldstücke besitzt und damit handelt (sie nimmt und giebt) 
und sich damit ernährt, als der, welcher geht und Geld auf Zinsen 
leiht. Im Sprichwort heisst es: Wer auf Zinsen geliehen nimmt, 
bringt sich um das Seinige und um das Nichtseinige (das was andern 
ist), und er hat nur „quälende Sorge** davon d. i. einem solchen 
ist es nur darum zu thun, ein Geschäftsmann zu heissen. Besser 
ist der, welcher mildthätig mit dem Seinigen ist, als der, welcher 
geht und raubt und erpresst und Almosen giebt von dem, was an- 
dern ist. Im Sprichwort heisst es: Sie buhlt für Aepfel und ver- 
theilt sie unter die Kranken.*) Er hat nur „quälende Sorge** davon 
d. i. es ist einem solchen nur darum zu thun, einer genannt zu 
werden, welcher die Gesetze treu befolgt. Besser ist der, welcher 
nur einen Garten hat, ihn düngt und pflegt und sich davon ernährt, 
als der, welcher die Gärten von anderen um die Hälfte nimmt 
Im Sprichwort heisst es: Wer einen Garten pachtet, der isst Vögel, 
pachtet er aber viele Gärten, so fressen ihn die Vögel.**) Er hat 
nur „quälende Sorge** davon d. i. sein Sinnen geht nur darauf, ein 

*) Der Talmud bezeichnet dieses Gebahren mit den Worten: nj^Q 
M^^^^*^ HM^ii, ein Gebet, dessen Befolgung durch die Uebertretnng eines 
andern geschieht. Auch das deutsche Sprichwort: Leder stehlen und den 
Armen Schuhe daraus machen, correspondirt mit dem midraschischen. Vgl. 
Dukes, Rabbinische Blumenlese S. 139. 

**) Grund: Weil er viele Gärten nicht beaufsichtigen kann. 



Par. III. Cap. II, r. 



19 



Besitzer von Grundstücken (Feldern^ genannt zu werden. R. Be- 
rachja sagt: Besser war der eine Tritt (mehr Nutzen brachte der 
eine Tritt), den Gott in Aegypten gethan, wie es heisst Ex. 12, 12: 
„Ich werde durch das Land Aegypten in dieser Nacht schreiten," 
als die Fäuste voll Russ aus dem Ofen von Mose und Aaron (den 
sie geworfen hatten). Warum? Weil jener und nicht diese die Er- 
lösung zur Folge hatte. R. Chija bar Abba sagte: „Besser ist eine 
Hand voll Ruhe" d. i. der Sabbath, „als beide Fäuste voll Mühe" 
d. i. als die sechs Werkeltage, er hat nur „quälende Sorge" davon 
d. f. sein Sinnen geht nur darauf, an ihnen seine Arbeit zu ver- 
richten. Du kannst es auch daraus erkennen, dass es so ist, denn 
die Israeliten wurden nur im Verdienste der Sabbathheiligung er- 
löst, wie es heisst Jes. 30, 15: „Durch Stille und Ruhe soll euch 
gdiolfen werden." R. Jacob bar Kurschai sagte: „Besser ist eine 
Hand voll Ruhe" d. i. jene Welt, „als Fäuste voll Muhe" d. i. diese 
Welt, nur „quälende Sorge" ist der Lohn d. i. das Sinnen der 
Frevler geht nur darauf, ihre Arbeit in dieser Welt zu verrichten, aber 
zur Genüge werden sie (ihren l>ösen Handlungen entsprechend) in 
der zukänftigen Welt bestraft, wie es heisst in der Mischria*): Besser 
ist eine Stunde in dieser Welt mit Busse und guten Thaten voll- 
bracht, als das ganze Leben in jener Welt; und besser ist eine 
Stande Gemuthsruhe (eigentl. Kühlung des Gemüths) in jener Welt, 
als das ganze Leben in dieser Welt. R. Jizchak deutete den 
Vers auf den Stamm Rüben und den Stamm Gad. Als diese in 
das Land kamen und seine Fruchtbarkeit sahen (eig. wie viel Samen 
und wie viel Pflanzung in ihm war), sprachen sie: Besser ist eine 
Hand voll in diesem Lande, als Fäuste voll jenseits des Jordans. 
Dann sprachen sie wieder: Dieses wählen wir uns, wie es heisst 
Nam. 32, 5: „Und es werde dieses Land deinen Knechten zum 
Eigenthum gegeben." Das wollen die Worte: ni^ ny*n sagen d. i. 
ihr Sinnen und Denken war verderblich. Oder: „Besser ist eine Hand 
voll Gemuthsruhe" d. i. diese Hand voll freiwilliger Gaben des 
Armen, als Fäuste voll Mühe und „quälende Sorge" d. i. das kleine 
Räucherwerk einer Gesammtheit, denn dieses erfordert eine Sühne, 
jene aber nicht. 

„Wenn jemand will dem Ewigen die Opfergabe eines Speis- 
opfers bringen." In Verbindung mit Ps. 22, 24: ».Verehrer des 
Ewigen, rühmet ihn, alle vom Samen Jacobs, ehret ihn." „Ver- 
ehrer des Ewigen." R. Josua ben Levi sagte: Darunter sind die 
Gottesfurchtigen zu verstehen, R. Ismael bar Nachman aber 
sagte: es sind darunter die Proselyten der Gerechtigkeit gemeint. 
Wenn die Proselyten der Gerechtigkeit einst in jene Welt kommen, 
sagten R. Hiskia und R. Abuhu im Namen des R. Eleasar, so 
kc»nmt anbedingt Antoninus an ihrer Spitze. Was ist nun unter den 
Worten: „Der ganze Same Jacobs" zu verstehen? Das sind die elf 



*) S. Tanchuma, Wajikra, Zeichen 6. 



2* 



20 Par. III. Cap. II, I. 

Stämme. Wenn dem so ist, warum heisst es dann noch: „jeglicher 
Same Israels?" Das ist nach R. Benjamin ben Levi der Stamm 
Benjamin, der zuletzt geboren wurde (und somit die Zahl voll 
machte). Dann heisst es Ps. 22, 25: „Denn er verachtete und ver- 
schmähte nicht des Armen Elend." Gewöhnlich wenn zwei Menschen, 
ein Armer und ein Reicher, vor dem Richter erscheinen, wem wendet 
sich dieser wohl zu? Nicht dem Reichen? Aber hier heisst es: 
„Er verbarg nicht sein Antlitz vor ihm, und als er zu ihm schrie, 
hörte er." R. Chaggi verordnete ein Fasten und es kam Regen» 
Da sprach er : Nicht deshalb geschieht da, weil ich es werth bin, son- 
dern deshalb, weil es heisst: „Denn er verachtet und verschmäht nicht 
des Armen Elend." Und sowie er sein Gebet nicht verwirft, so ver- 
wirft er auch nicht sein Opfer, wie es hier heisst: „So jemand 
dem Ewigen die Opfergabe eines Speisopfers darbringt. Es heisst 
Jes. 55, 7: »Der Frevler lasse von seinem Wege und der Uebelthäter 
von seinen Gedanken." R. Bibi bar Abaje sagte: Wie soll das 
Sündenbekenntniss am Vorabend des Versöhnungstages lauten? Man 
muss sagen: Ich bekenne, dass ich bei all dem Bösen, was ich vor 
dir gethan habe, auf bösem Weg gestanden, ich will aber alles, 
was ich gethan habe, nicht wieder thun, möchtest du doch. Ewiger, 
mein Gott, mir alle meine Sünden verzeihen und alle meine Ver- 
gehungen mir vergeben und alle meine Fehltritte mir sühnen, wie 
es heisst: „Der Frevler lasse von seinem bösen Wege und der 
Uebelthäter von seinen Gedanken" u. s. w. R. Jizchak und R. 
Jose bar Chanina. R. Jizchak sagte: Sowie der Mensch zwei Bretter 
zusammenfügt und das eine an das andere schliesst (ebenso schliesst 
Gott die Bussfertigen fest an sich). R. Jose bar Chanina sagte: 
Wie ein Mensch die zwei Fussstücke des Bettes aneinanderfügt, in- 
dem er das eine an das andere bringt (ebenso bringt Gott die 
Bussfertigen sich nahe, so dass er ihnen angehört, hält sie aber 
zugleich in einiger Entfernung von sich auf dieselbe Weise, wie die 
zwei zusammengehörenden Füsse des Bettes von einander abstehen). 
Es heisst das.: „Und er kehrt um zum Ewigen und er erbarmet 
sich über ihn." Die Rabbinen und R. Simeon ben Jochai. Die 
Rabbinen sagen: Alle Sühnopfer hat Gott unserem Vater Abraham 
in dieser Welt gezeigt, ausgenommen das Zehntel Epha. R. Simeon 
ben Jochai sagte: Auch das Zehntel Epha hat Gott unserem Vater 
Abraham gezeigt, weil hier nb« diese und dort nb» steht, imd wie 
hier unter nb«, so ist auch dort darunter das Zehntel Epha mit inbe- 
griffen. Das. „Zu unserm Gott, denn er vergiebt viel." R. Jehuda bar 
Simon im Namen des R. Sera sagt: Auch Gott hat eine Vergebung 
für uns von der seinigen übrig gelassen. Welche ist das? Das 
Zehntel Epha. 

„Und wenn ein Mensch darbringt." Was steht vorher? Das. 3, 4r 
„Er soll absondern das Netz von der Leber" u. s. w. R. Tan- 
chuma bar Chanilai sagte: Dieser Vogel flattert und schwebt in der 
ganzen Welt umher, er isst überall, wo er nur etwas findet, sowohl 



Par. III. Cap. II, i. 2[ 

vom Geraubten wie vom Erpressten. Da spricht Gott: Weil nun 
sein Kropf voll ist mit Geraubtem und Erpresstem , so soll 
dieser Theil nicht auf den Altar gebracht werden, darum heisst es: 
„Er soll entfernen das Netz." Aber die Thiere, welche an der 
Krippe mit Blätterwerk ernährt werden und nicht von jeder Seite 
essen, sowohl vom Geraubten wie vom Erpressten, sie werden ganz 
dargebracht Darum heisst es: „Der Priester bringe das Ganze dar 
auf dem Altar," weil diese Seele raubt und mit Gewalt nunmt 
Komm und sieh, wie viel Noth und Muhe es ihr kostet, bis die 
Speise wieder aus ihr herausgeht. Vom Munde geht die Speise in 
den Schlund, vom Schlund in den Magen, vom Magen in den Dick- 
darm, vom Dickdarm in die Haube, von der Haube in den Mist- 
darm, vom Mistdarm in den Bauch, vom Bauche in die Eingeweide, 
von den Eingeweiden in den Dünndarm, vom Dünndarm in den 
Dickdarm, vom Dickdarm in das Schleimsieb« vom Schleimsiebe in 
den Mastdarm, vom Mastdarme nach Aussen. Komm und sieh, 
wie viel Noth und Mühe es macht, bis die Speise wieder aus ihr 
herausgeht. Das. i, 17: „Und er reisse ihn ein an seinen Flügeln, 
aber breche ihn nicht ab." R. Jochanan sagte: Wenn der gemeine 
Mensch den Duft von verbrannten Flügeln riecht, so ist er ihm zu- 
wider, und hier heisst es: „Der Priester lasse alles auf dem Altar in 
Rauch aufgehen?" Das alles warum? Um den Altar mit dem 
Opfer des Armen zu schmücken. 

Der Konig Agrippa wollte an einem Tage tausend Ganzopfer 
darbringen, er sandte und liess dem Hohenpriester sagen: Lass an 
diesem Tage niemand anders als mich darbringen. Es kam aber 
ein Armer mit zwei Turteltauben in der Hand und sprach zum 
Priester: Bringe diese dar! Ich kann nicht, antwortete der Priester, 
der König hat mir befohlen und zu mir gesagt: Lass heute niemand 
and'^rs als mich opfern. Mein Herr Oberpriester! sagte der Arme, ich 
fange taglich vier Turteltauben, zwei bringe ich dar und zwei dienen 
mir zur Nahrung; wenn du sie nicht darbringst (zurückweisest), schnei- 
dest du mir meine Nahrung ab. Der Priester nahm sie und brachte 
sie dar. Des Nachts erschien dem Agrippa im Traum: Das Opfer des 
Armen ist dir vorangegangen. Er liess den Hohenpriester rufen 
und stellte ihn mit den Worten zur Rede: Habe ich dir nicht be- 
fohlen, dass du an diesem Tage keinen Menschen als mich opfern 
lassen solltest? Mein Herr König! gab der Hohepriester zur Ant- 
wort, ein Armer kam und hatte in seiner Hand zwei Turteltauben 
und sprach zu mir: Bringe diese dar! Ich sprach zu ihm: Der 
König hat mir befohlen und zu mir gesagt: Lass niemand als mich 
heute opfern. Der Arme sagte: Ich fange jeden Tag vier Turtel- 
tauben, zwei bringe ich dar und von zweien ernähre ich mich, wenn 
du sie nicht darbringst, so schneidest du mir meine Nahrung ab. 
Lag es mir da nicht ob, sie darzubringen? Der König antwortete: 
Du hast schön (recht) gethan, was du gethan hast. 

Einst wurde ein Ochs zum Opfer gezogen, aber er wollte nicht 



22 Par. III. Cap. II, i. 2. 3. 

von der Stelle. Da kam ein armer Mann mit einem Gebund £n- 
divien, reichte es dem Ochsen hin und er ass es. Der Ochs nieste, 
räusperte sich und warf eine Nadel aus seinem Schlünde und nun 
Hess er sich zum Opfer ziehen. Dem Eigenthümer des Ochsen er- 
schien im Traum, als wenn er hörte: Das Opfer des Armen (d. u 
das Bündel Endivien) ist dem deinigen vorangegangen. 

Eine Frau brachte eine Hand voll Mehl, welches aber von dem 
Priester verächtlich behandelt wurde. Er sprach: Seht, was ist das 
für eine Darbringung! Was soll davon zum Essen, was zum Opfern 
sein! Da erschien dem Priester aber im Traum: Schätze sie nicht 
gering, sondern achte sie, als hätte sie sich selbst zum Opfer dar- 
geboten. Siehe, wenn schon von dem, der nicht sich selbst (ibD^ 
seine Seele, sein Leben) darbringt, es heisst: 1SS3 (er habe sich 
selbst dargebracht), um wie viel mehr von dem, welcher sich selbst 
als Opfer darbietet! 

V. 2. Und er bringe es zu den Söhnen Aarons. R. 
Chija hat gelehrt: Selbst wenn ihrer (der Priester) viele sind. R. 
Jochanan wies auf Prov. 14, 28 hin, wo es heisst: „In der Menge 
des Volkes besteht des Königs Majestät.'* Und er nehme davon 
eine Hand voll von dem Mehle und von dem Oele d. i. von 
dem Mehle und nicht das ganze Mehl, von dem Oele und nicht das 
ganze Oel. Sieh, wenn einer sein Mehlopfer aus dem Exil von As* 
pamea brachte und er sah den Priester, dass er die Hand voll 
nahm und das andere ass, da sprach er: Weh mir, alle meine 
Mühe habe ich mir nur für diesen genommen; es reden ihm aber 
alle zu und sprechen zu ihm; Wenn schon der, welcher es sich 
nur zwei Schritte hat kosten lassen zwischen der Vorhalle zum 
Altar, würdig ist zu essen, um wie viel mehr du, der du dir alle 
diese Mühe (Beschwerlichkeiten) hast kosten lassen! Und nicht nur 
das, sondern: 

V. 3. Das Uebrige vom Speisopfer soll Aaron und 
seinen Söhnen gehören. R. Chanina bar Abba ging an einen 
Ort (ins Lehrhaus) und fand diesen Vers: „Das Uebrige vom Speis- 
opfer soll Aaron und seinen Söhnen gehören'* an der Spitze der 
Ordnung und hielt einen Vortrag, er begann mit Ps. 17, 14: „Von 
den Menschen deiner Hand, Ewiger, von den Menschen dieser Welt.'' 
„Von den Menschen deiner Hand, Ewiger." Wie mächtig sind 
diese, dass sie ihren Theil von deiner Hand, Ewiger, genommen 
haben! Wer ist das? Der Stamm Levi. „Von den Leuten dieser 
Welt" d. L die, welche keinen Theil im Lande erhalten hatten; 
„ihr Theil ist im Leben" d. i. das Allerheiligste; „mit deinen 
Schätzen füllest du ihren Bauch'' d. s. die heiligen Grenzen; „satt 
sind ihre Kinder" (denn von den Priestern heisst es): „Alles Männ- 
liche von den Kindern Aarons soll davon essen/' „Sie lassen ihren 
Ueberfluss ihren Kleinen," wie es hier heisst: „Das Uebrige von 



Par. Iir. Cap. II, 3, 23 

dem Speisopfer soll Aaron und seinen Söhnen gehören." Aaron 
verdiente es; „und seinen Söhnen," sie mögen fromm oder nicht 
fromm sein, denn es heisst Mal. 2, 5: „Mein Bund war mit ihm, 
das Leben und der Friede," denn er (Aaron) suchte den Frieden in 
Israel herzustellen; „und ich gebe ihm Furcht und er fürchte mich," 
denn er nahm die Worte der Thora mit Schrecken und Furcht, 
mit Zittern und Beben hin. Wozu braucht zu stehen: *:s73 
rnr "^öw? Sie (die Weisen) sagen: In der Stunde, als Mose das 
Salböl auf Aarons Haupt goss, erbebte er und fiel rückwärts. 
Wehe mir! sprach er, vielleicht habe ich mit dem Salböl treulos 
gehandelt (einen Missbrauch getrieben). Da gab ihm der heilige 
Geist zur Antwort Ps. 133, i — 3: „Siehe, wie schön, wie lieblich 
ists, wenn Brüder in Eintracht beisammen wohnen, wie das liebliche 
Oel auf dem Haupte u. s. w., wie der Thau des Hermon, welcher 
herabfallt" Sowie es mit dem Thau keine Veruntreuung giebt, so 
giebt es auch mit dem Oel keine Veruntreuung. Es heisst: „Wie das 
gute Oel auf dem Haupte herabfliesst auf den Bart, auf den Bart 
Aarons." Hat denn Aaron zwei Barte gehabt, dass du sagst: "]pTrT 
^pT? Allein da Mose das Oel auf den Bart Aarons herabfliessen 
sah, freute er sich so, als flösse es auf seinen Bart herab. Femer 
heisst es Mal. 2, 6: „Das Gesetz der Wahrheit war in seinem 
Munde," weil er nämlich das Erlaubte nicht verbot und das Ver- 
botene nicht erlaubte. „In Frieden und Gradheit wandelt er mit 
mir," weil er sich nicht über die Wege Gottes Gedanken machte, 
ebenso wie unser Vater Abraham sich nicht Gedanken machte. 
Das.: „Viele hielt er von der Sünde zurück," weil er die Sünder 
zum Lernen (Studium) der Thora führte vgl. Gant, i, 4: „In Grad- 
heit lieben sie dich." Und was steht am Ende? „Denn die Lippen 
des Priesters sollen Kenntniss bewahren und Gesetz soll man suchen 
aus seinem Munde."*) 

„Zwei Mehlopfer giebt es, eins in einem Napfe und eins in 
einer Pfanne, und bei beiden heisst es: „Er soll das Mehlopfer dar- 
bringen." Was ist für ein Unterschied zwischen nan73 und nu:ni)3? * *) 
In jenem wird das Mehl mit Oel gemischt und in diesem wird alles 
in Oel gemacht. Die Weisen haben in der Mischna erklärt: n^öniTa 
ist ein tiefes Gefäss, in welchem das Gebäck (weil das Oel darin 
bleibt) siedet; rin73 hingegen ist eine flache Pfanne, in welcher 
das darin zut)ereitete Gebäck fest (trocken) ist, damit der Mensch 
nicht zu dir sage: Ich thue hässhche und nicht geziemende Dinge, 
ich bringe dann ein Speisopfer auf der Pfanne und bin damit wieder 
vor Gott beliebt. Mein Sohn, spricht Gott zu ihm: Warum hast 
du deine Thaten nicht in die Worte der Thora gemischt; denn 



•) Dieses Stück bis zum Schlüsse der Parascha steht in der Venediger 
Aasgabe am Ende unseres Midrasch und wird als eine zweite Textrecension 
(icnnK unD\Z) bezeichnet. 
••) S. Menach. fol. 63a. 



24 Par. irr. Cap. II, 3 Par. IV. Cap. IV, i. 

unter Oel ist nichts anderes als die Thora und gute Werke zu ver- 
stehen vgl. Cant. I, 3: „Beim Dufte deiner wohlriechenden Oele, 
ausgegossenes Oel ist dein Name." Unser Lohn ist, dass wir ge- 
kommen sind, deine Thora zu lernen. Du hast uns die Thora aus- 
gegossen wie Oel, was aus einem Gefass ins andere rinnt, ohne 
dass ein Laut dabei gehört wird. Darum heisst es: „Wie ausge- 
gossenes Oel ist dein Name." Und selbst die Volker der Welt 
erkennen sie (die Israeliten) an der Weisheit, Einsicht, Kenntniss 
und dem Verstand, sie (die Israeliten) dringen bis in das Wesen 
deines Gesetzes, lieben dich mit vollkommener Liebe, es mag ihnen 
gut oder übel gehen. Darum heisst es auch: Sie lieben dich mit 
Rüstigkeit (mrby). Hat ein Mensch nur die heilige Schrift und nicht 
die Mischna gelesen, so steht er noch draussen, ist er in der Mischna 
und nicht in der Schrift bewandert, so steht er auch draussen; hat 
er die Schrift und die Mischna erlernt, aber keinen Umgang mit 
Gelehrten gehabt, so gleicht er dem, welchem die Geheimnisse der 
Thora verborgen geblieben sind, wie es heisst Jerem. 31, 19: „Nach 
meiner Rückkehr bereue ich es." Hat aber ein Mensch die Thora, 
Propheten, Hagiographen, Mischna, Midrasch, Halachot, Haggadot 
kennen gelernt und Umgang mit Gelehrten gehabt, selbst wenn es 
ihm das Leben kostet, so ist er doch in ewiger Freude. Darum heisst 
es: „Darum lieben sie dich mit Rüstigkeit." ndn-J?2 ist ein tiefes Ge- 
fass, in welchem das Gebäck brodelt. Wie so? Wenn ein Mensch 
auch die Thora inne hat, so muss er sich doch in Acht nehmen, 
dass er nicht in Schuld und Sünde geräth. Gott spricht zu ihm: 
Du bist gesegnet, dir wird Gemüthsruhe werden und die Worte der 
Thora werden für immer in deinem Munde verwahrt bleiben. Heil 
dem, in dem die Worte der Thora sind und mit seiner Hand be- 
obachtet werden, und der da weiss zu jeder Zeit durch sie Rede 
und Antwort zu stehen. Auf ihn sagt die Schrift Prov. 20, 5: 
„Tiefes Wasser ist der Rath in dem Herzen des Menschen;" ferner 
Ps. 130, i: „Aus der Tiefe rufe ich dich. Ewiger," und das. 102, i: 
„Gebet den Armen, wenn er in tiefen Gram sich hüllt." Gelobt 
sei der, welcher sprach und die Welt ward! Amen, Amen, Amen ! 

Parascha IV. 

Cap. IV. V. I. Wenn eine Person aus Versehen sündigt 
gegen irgend eines der Verbote des Ewigen. In Verbindung 
mit Koh. 3, 16: „Und dann sah ich noch unter der Sonne, an dem 
Orte des Gerichts, da war Frevel." R. Elieser und R. Josua. R. Elieser 
sagt: „Der Ort des Gerichts ist auch der Ort des Frevels, nämlich der 
Ort, wo das grosse Synedrium sitzt und die Rechte der Israeliten be- 
stimmt, „da ist Frevel," „denn dahin kamen alle Fürsten des Königs 
von Babylon und setzten sich am Mittel thore nieder" s. Jerem. 39, 3, 
denn da entschied man die Gesetzlehre (Halacha). Im Sprichwort heisst 
es: Wohin der Herr die Waffen hängt, da hängt der Hirt seine Tasche. 



Par. IV. Cap. IV, i. 



25 



Und der heilige Geist ruft und spricht: An der Stätte der Gerechtig- 
keit da ist Frevel, an dem Orte nämlich, von dem es heisst Jes. 1,21: 
y,Das Recht wohnte in ihr," da werden Menschen todtgeschlagen, 
dort erschlug man den Sacharja und Urija. R. Josua erklärte die 
Worte: „An dem Orte des Gerichts ist Frevel" dahin: An dem 
Orte, wo wegen des gefertigten goldenen Kalbes das Strafmaass 
geübt ward, wie es heisst Ex. 32, 27: „Geht hin und her, von einem 
Thor an's andere," dort war Frevel. V. 35: „Da schlug der Ewige 
das VoIL" Und der heilige Geist ruft und spricht jene Worte (in 
dem Sinne): An dem Orte der Gerechtigkeit, da ist Frevel d. i. an 
dem Orte, wo ich sie (die Israeliten) für Gerechte erklärt und gött- 
liche Wesen genannt habe, wie es heisst Ps. 82, 6: „Ich sprach: 
Gotter seid ihr," da ist Frevel d. i. da haben sie gefrevelt und das 
Kalb gefertigt und angebetet Oder: „An dem Orte des Gerichts, 
da ist Frevel." Die erste Stelle redet von dem Geschlechte der 
Floth. An dem Orte des Gerichts, da ist Frevel, nämlich an dem 
Orte, wo die Strafgerechtigkeit an dem Geschlechte der Fluth geübt 
ward, wie gelehrt worden ist (Mischna Sanh.): Das Geschlecht der 
Flath hat keinen Antheil an der künftigen Welt und steht auch 
nicht im Gericht, da ist Frevel s. Gen. 7, 2^: „da ward vertilgt 
jegliches Wesen." Und der heilige Geist ruft und spricht: An dem 
Orte, wo ich sie als Gerechte behandelt habe s. Hi. 21, 9: „Ihre 
Häuser in Frieden, frei von Furcht," dort war Frevel, „und sie 
sprachen zu Gott: Weiche von uns" (s. Hi. das. V. 14). Oder: 
„An dem Orte des Gerichts, da ist Frevel." Der Vers redet von 
den Sodomiten. An dem Orte, wo strenges Recht an den Sodo- 
milen geübt ward, wie es heisst in der Mischna (Sanhedr.): die So- 
domiten haben keinen Antheil an dem künftigen Leben, stehen aber 
im Gericht, ,,da ist Frevel" s. Gen. 19, 24: „Und es Hess der 
Evrige auf Sodom regnen" u. s. w. Und der heilige Geist ruft 
und spricht: An dem Orte, wo ich sie als Gerechte behandelt und 
aufgeschrieben habe in ihrem Lande s. Hi. 28, 5: „Die Erde, aus 
welcher das Brot hervorgeht," das.: „Der Ort des Sapphirs ist ihr 
Gestein und Goldstaub." Sie (die Weisen) sagen: Es heisst: Wenn 
einer von ihnen zum Gärtner ging und zu ihm sprach: Gieb mir 
für einen Assar etwas Gemüse, so fand sich, wenn es ihm gereicht 
wurde und er es abspülte, Goldstaub darin, um zu erfüllen, was 
geschrieben steht das.: „Goldstaub hat es;" „da ist Frevel." Dort 
sprach man: Auf, wir wollen die Thora des Durchreisenden unter 
uns in Vergessenheit bringen (d. i. wir wollen Einrichtungen treffen, 
so dass kein Fremder bei uns sich niederlässt), so dass sie die Hand 
des Elenden und Dürftigen nicht ergriffen. R. Jehuda bar Simon 
deutete den Vers auf (den Vorfall in) Schittim. „An dem Orte des 
Gerichts, da ist Frevel" d. i. an dem Orte, wo das Strafmaass in 
Schittim geübt wurde, wie es heisst Num. 25,4: „Nimm alle Häupter 
des \*oIkes," „da ist Frevel," da starben noch viele durch die Pest, 
cnd der heilige Geist ruft und spricht: An dem Orte der Gerechtig- 



2t Par. IV. Cap. IV, i. 

keit, da ist Frevel d. i. an dem Orte, wo ich Bileams Fluch in 
Segen verwandelt s. Deut 23, 5: „Und der Ewige verwandelte dir 
den Fluch in Segen," da ist Frevel s. Num. 25, i: „Und es wohnte 
Israel in Schittim." R. Levi und R. Jizchak haben gesagt: Zwei 
Dinge befinden sich in der rechten (Hand) und zwei in der Hand 
Gottes. Die zwei Dinge in der rechten Hand sind: die Thora und 
die Gerechtigkeit, die Thora s. Deut. 33, 2: „Aus seiner Rechten 
kommt Feuer," die Gerechtigkeit s. Ps. 48, 11: „Von Gerechtigkeit 
voll ist deine Rechte," und die zwei Dinge in der Hand Gottes sind 
die Seele und das Recht (c2DU)%i), die Seele s. Hi. 12, 10: „In seiner 
Hand ist die Seele alles Lebenden," und das Recht s. Deut. 32, 41: 
„Es greift zum Recht meine Hand." Folglich befindet sich die 
Seele am Orte des Rechts, aber die Seele tritt heraus aus dem Ort 
des Rechts und sündigt. R. Jizchak sagte: Gott spricht zur Seele: 
Ich habe auf dich geschrieben das. 12, 23: „Sei stark, dass du kein 
Blut issest," und du verlassest deinen Platz und sündigst. 

Oder: „So eine Seele sündigt aus Versehen." In Verbindung 
mit Koh. 6, 4: „Alle Mühe des Menschen ist für seinen Mund." 
R. Samuel bar Ami sagte: Alles, was der Mensch an religiösen 
Pflichten und guten Werken hier auf Erden schafft, wiegt das Athmen 
nicht auf, was aus seinem Munde geht. Das.: „Und doch wird die 
Seele nicht voll." R. Berachja und R. Kerizpa (Chrysippos) im 
Namen des R. Jochanan sagten: Die Seele geht so schwer aus dem 
Körper, wie ein knotiger Strick durch ein kleines Loch gezogen 
wird. R. Chanina sagte: Es geschieht so, wie das Durchziehen des 
Schiffstaues (a7ieiQa) durch die Höhlung des Mastbaums.*) R. Sa- 
muel sagte: Wie ein feuchter, verdrehter Dorn aus dem Schlünde. 
R. Samuel bar Jizchak erklärte jenen Vers so: Alles was der Mensch 
an religiösen Pflichten und guten Werken wirkt, kommt nur seinem 
Munde zu statten, nicht aber dem Munde seines Sohns oder seiner 
Tochter. Die Rabbinen sagen: Alle Mühe ist für seinen Mund (die 
Erwähnung seines Namens), aber nicht für den üblen Geruch (üblen 
Namen); denn die Seele weiss, dass alle Mühe nur ihretwegen 
geschah, darum ist sie auch immer so eifrig (begierig) nach reli- 
giösen Pflichten und guten Werken. R. Levi sagte: Gleich einem 
Städter, welcher eine Königstochter zur Frau hatte, obgleich er ihr 
alle möglichen Genüsse der Welt bietet, so glaubt er doch noch 
nicht genug gethan zu haben. Warum? Weil sie eine Königs- 
tochter ist. So auch der Mensch, was er nur immer für seine 
Seele thut, so glaubt er doch nicht genug gethan zu haben. Warum ? 
Weil sie von oben stammt. Drei sind unzufrieden (undankbar): 
die Erde, das Weib und die Seele, die Erde s. Prov. 30, 16: „Die 
Erde wird nicht satt des Wassers;" das Weib s. das. 30, 20: „Sie 
iflst und wischt sich den Mund und spricht: ich habe kein Unrecht 
gethan;" die Seele s. Koh. 6, 7: „Und doch wird die Seele nicht 



•) Vergl. Levi, Neuhebr. WWB. s. v. 



Par. IV. Cap. IV, i. 2J 

voll." Drei nehmen masslos und geben auch masslos: die £rde^ 
das Meer und die Regierung. R. Josua von Sichnin sagte im Namen 
des R. Levi: Sechsmal steht hier (in diesem Capitel) das Wort cc:^ 
gegenüber den sechs Schöpfungstagen. Gott spricht nämlich zu der 
Seele: Alles, was ich in den sechs Tagen erschaffen, habe ich nur 
deinetwegen erschaffen, und du gehst und sündigst? 

Oder: „Eine Seele, die sündigt." In Verbindung mit Prov. 19, 2: 
„Auch ohne Kenntniss ist die Seele nicht gut" Gleich einem 
Wanderer, sagte R. Rabina bar Abina, der gewöhnlich mit Sonnen- 
auigang den Beischlaf vollzog. Einmal hatte er es vergessen und 
hatte den Beischlaf vor Sonnenaufgang geübt (eig. sein Lager be- 
dient), ohne es zu wissen, was nicht gut war und nun erst, wenn 
er es gewusst hatte! „Und nicht nur das, sondern: „Wer mit den 
Füssen eilt, sündigt" R. Jizchak bar Samuel bar Martha im Namen 
Rabs nahm folgendes Beispiel an. Ein Fleischhändler hatte zwei 
Laden, in einem verkaufte er Geschlachtetes, in dem andern Ge- 
fallenes, aber einmal vergass er es und nahm von dem, was er als 
Gefallenes verkaufte (d. i. er vertauschte beides), obwohl er es nicht 
wusste, so war es doch nicht gut, wenn er es erst gewusst hätte 
und davon genommen hätte, um wie viel schlimmer wäre es ge- 
wesen! Und nicht nur das, sondern wer mit den Füssen eilt, ist 
ein Sünder. R. Jochanan erklärte den Vers mit Bezug auf den 
Sabbath. Es hatte jemand zwei Wege vor sich; der eine war eben 
und glatt (frei von Dornen und Disteln), der andere voll von Dornen 
und Erdschollen; er vergass es aber und schlug den Weg ein, der 
voll von Domen und Erdschollen war. Obwohl er es nicht wusste, 
so war es nicht gut, wenn er es aber gewusst hätte und wäre 
diesen Weg gegangen (so wäre er mit Recht ein Sünder zu nennen)» 

Oder: „Auch ohne Kenntniss ist die Seele nicht gut" R. 
Jochanan und R. Simeon ben Levi. R. Jochanan sagte: Sund- und 
Schuldopfer sind verboten (Gott nicht wohlgefällig), gelobte und frei- 
willig gebrachte Gaben sind erlaubt R. Simeon ben Levi sagte: Auch 
gelobte und freiwillige Gaben sind verboten (Gott nicht wohlgefällig). 
Oder: „Auch ohne Kenntniss" u. s. w. Das sind die aus Irrthum 
(Versehen) begangenen Sünden, und „wer mit den Füssen eilt, ist 
ein Sünder," dass sind die vorsätzlichen Vergehungen. Du kannst 
es daraus erkennen, dass es ein Irrthum ist, und wer ihn thut, be- 
geht eine Sünde. 

„So eine Seele aus Versehen sündigt." Zehn Dinge dienen der 
Seele: Der Schlund für die Nahrung, die Röhre für die Stimme, die 
Leber für den Zorn, die Lunge für das Trinken, die Haube zum 
Zermalen, die Milz zum Lachen, der Magen zum Schlaf, die Galle 
zur Eüfersucht, die Nieren zum Denken, das Herz beschliesst und 
die Seele steht über allen. Dich habe ich über alle gesetzt, spricht 
Gott zur Seele, und du ziehst aus, raubst, übst Gewalt und sündigst? 

„Sprich zu den Kindern Israels: So eine Seele sündigt" u. s. w. 
R. Ismael hat gelehrt: Gleich einem König, welcher einen Lustgarten 



28 Par. IV. Cap. IV, i. 

■hatte, in dem schöne Früh fruchte standen, er setzte Wächter hinein 
•einen Lahmen und einen Bh'nden. Er sprach zu ihnen: Habt Acht 
auf diese schönen Frühfrüchte! Nach einiger Zeit sprach der Lahme 
zu dem Blinden: Ich sehe schöne Frühfrüchte im Garten. Der 
Blinde antwortete: Komm, wir wollen essen! Kann ich denn gehen? 
entgegnete der Lahme. Der Blinde sagte: Kann ich denn sehen? 
Kurz, der Lahme setzte sich auf den Blinden (sie pflückten die 
Frühfrüchte), sie assen und jeder begab sich wieder an seinen Ort. 
Nach einiger Zeit kam der König in den Lustgarten. Wo sind 
<lenn die schönen Frühfrüchte? fragte er die Wächter. Der Blinde 
antwortete: Mein Herr König! kann ich denn sehen? Und der 
iahme sagte: Mein Herr König! kann ich denn gehen? Der König 
-war aber klug, was machte er mit ihnen? Er setzte den Lahmen 
auf den Blinden und sie fingen an zu gehen. Also habt auch ihr 
es gemacht und habt die Frühfrüchte gegessen. So spricht auch 
Gott einst zur Seele: Warum hast du vor mir gesündigt? Herr 
-der Welten! spricht sie vor ihm, ich habe nicht gesündigt, sondern 
^er Körper ist es, welcher gesündigt hat. Von der Stunde an, dass 
ich von ihm getrennt lebe, fliege ich in der Luft wie ein reiner 
Vogel, wie kann ich vor dir gesündigt haben? Warum hast du 
vor mir gesündigt, fragt Gott nun den Körper. Herr der Welten! 
entgegnet er vor ihm, ich habe nicht gesündigt, sondern die Seele 
ist es, welche gesündigt hat, denn von der Stunde an, dass sie aus 
mir herausgegangen ist (mich verlassen hat), liege ich da (eig. bin 
ich hingeworfen), wie ein auf den Boden hingeworfner Stein. Kann 
ich also vor dir gesündigt haben? Was macht Gott mit ihnen? 
Er bringt die Seele, wirft (versetzt) sie in den Körper und richtet 
nun beide zusammen. Das sagt auch Ps. 50: „Er (Gott) ruft dem 
Himmel zu oben" u. s. w., d. i. er ruft nach dem Himmel oben, 
^ie Seele zu bringen und zur Erde, den Körper zu bringen, um 
mit ihm zu rechten. R. Chija hat gelehrt: Gleich einem Priester, 
welcher zwei Weiber hatte, eine war die Tochter eines Priesters, 
die andere die Tochter eines Israeliten. Er übergab ihnen einen 
Teig aus der Hebe bereitet und sie (beide Weiber) verunreinigten 
ihn. Wer hat den Teig verunreinigt? fragte er sie. Diese sprach: 
Jene hat ihn verunreinigt und jene sprach: Diese hat ihn verunreinigt 
^eine schob es auf die andere). Was machte der Priester. Er Hess 
die Tochter des Israeliten und rechtete mit der Priesterstochter. Sie 
sprach zu ihm: Mein Herr Priester! warum lässt du die Tochter 
des Israeliten und rechtest mit mir? Hast du nicht den Teig uns 
l)eiden zugleich übergeben? Er antwortete: Diese ist die Tochter 
•eines Israeliten und ist nicht unterrichtet aus dem Hause ihres Vaters, 
du bist aber die Tochter eines Priesters und bist aus dem Hause 
deines Vaters unterrichtet. Deshalb lasse ich die Tochter des Is- 
raeliten und rechte mit dir. So verhält es sich auch mit der Seele 
und dem Leibe, wenn sie einst vor Gericht stehen. Was thut Gott? 
Er lässt den Körper und rechtet nur mit der Seele. Sie antwortet 



Par. IV. Cap. IV, i. 29 

vor ihm: Herr der Welten! wir beide haben zugleich gesündigt, 
warum lässt du den Körper und rechtest mit mir? Gott spricht zu 
ihr; Der Leib ist von den Unteren, also von einem Orte, wo man 
sündigt; du aber bist von den Oberen, also von einem Orte, wo 
man nicht vor mir sündigt; darum lasse ich den Körper und 
rechte mit dir (fordere dich vor Gericht). Chiskia hat gelehrt: Es 
heisst Jerem. 50, 17: „Ein verstreutes Lamm ist Israel." Warum 
werden die Israeliten mit einem Lamm verglichen? Sowie du das- 
Larom auf seinen Kopf oder auf eins seiner Glieder schlägst,, 
empfinden es alle Glieder, so auch die Israeliten, wenn einer vou 
ihnen sündigt, empfinden es alle s. Num. 15, 27: „So ein Manu 
kündigt" u. s. w. Gleich zwei Menschen, wurde von R. Simeon ben 
Jochai gelehrt, die in einem Schiffe sassen, von welchen einer einen- 
Bohrer nahm und unter sich zu bohren anfing. Da sprachen seine 
Genossen: Was machst du da? Was geht das euch an, entgegnete 
er, ich bohre unter mir. Sie sprachen: Die Wasser steigen in die 
Höhe und überschwemmen über uns das Schiff. So sprach auch 
Gott HL 19, 4: „Führwahr, hab ich auch geirrt, so bleibet mein 
Irrthnm bei mir." Da entgegneten ihm seine Freunde das. 34,37: 
,,Denn er fügt zu seiner Sünde Frevel, klatscht unter uns" d. i. 
du bringst deine Sünden zwischen uns. R. Ilascha hat gesagt: Ein 
Heide fragte den R. Josua ben Karcha: Es steht in eurem Gesetze 
Ex. 23, 2: „Du sollst nicht nach der Menge sündigen." Wir sind 
in der Mehrheit euch gegenüber, warum macht ihr euch nicht uns 
gleich in der Gottesverehrung (d. i. warum schliesst ihr euch nicht 
uns an)? Hast du Kinder? fragte der Rabbi. Der Heide versetzte: 
Da hast du mich an meine Noth erinnert. Warum? Ich habe viele 
Kinder, fuhr der Heide fort, wenn sie an meinem Tische sitzen, da 
ruft dieser diesen Gott an, jener jenen, und sie stehen nicht eher 
von da auf, bis der eine dem andern das Gehirn gespalten. Suchst 
du denn sie nicht miteinander auszugleichen? Nein! Da solltest 
du, ehe du uns gleichmachen willst (zum Anschlüsse aufforderst), 
deine Kinder mit einander ausgleichen. Und so beeilte er sich 
drängte) und ging fort. Als er hinausgegangen war, sprachen seine 
Schüler zu ihm: Rabbi, den hast du mit einem schwachen Röhrchen 
abgefertigt (fortgestossen), was giebst du uns für eine Antwort? 
Der Rabbi sprach. Bei Esau steht sechsmal das Wort ttäe: im 
Plural s. Gen. 36, 6: „Und Esau nahm seine Weiber und seine 
Sohne und seine Töchter und alle Seelen (rnu:c:) seines Hauses," 
und bei Jacob, der doch aus siebzig Seelen bestand, steht 
ce: im Singular s. Ex. i, 5: „Und es waren alle Seelen, die 
aus den Lenden Jacobs hervorgegangen waren.'* Allein der Sinn 
:>t: Weil Esau vielen Göttern diente, so heisst es. rviiDr im 
Plural, bei Jacob aber, der nur einem Gott diente, steht es im 
Singular: 'lin cc: bD "rfi, es waren alle Seelen." R. Jochanan 
und R. Josua ben Levi. R. Jochanan sagte: Fünfmal hat David 
esagt: „Meine Seele preise den Ewigen," gegenüber den fünf 






30 



Par. IV. Cap. IV, i. 



Büchern der Thora. R. Josua ben Levi sagte: Gegenüber den fünf 
Welten, welche der Mensch sieht, i) Ps. 103, i: „Es preise meine 
Seele den Ewigen und all mein Inneres seinen heiligen Namen," 
das lässt sich anwenden auf die Stunde, wo der Mensch sich noch 
im Mutterleibe befindet. 2) Das.: „Preise meine Seele den Ewigen 
und vergiss nicht all seine Wohlthaten," das lässt sich anwenden 
auf die Stunde, wo der Mensch aus dem Mutterleibe heraustritt. 
Da spricht er zu ihr (der Seele): Vergiss nicBt die Wohlthaten, 
welche ich dir erwiesen habe. 3) Das. V. 22: „Preiset den Ewigen 
alle seine Werke an allen Orten seiner Herrschaft" vergl. das. 104, i: 
„Preise, meine Seele, den Ewigen," das lässt sich anwenden auf die 
Stunde, wo der Mensch auf seiner Höhe steht und auszieht, Ge- 
schäfte zu machen. 4) Das.: „Preise meine Seele den Ewigen! 
Ewiger, mein Gott, du bist sehr gross," das lässt sich anwenden 
auf die Stunde, wo der Mensch aus der Welt scheidet und einst 
für die späte Zukunft. 5) Das. V. 35: „Möchten doch die Sünder 
von der Erde schwinden." Das.: „Preise meine Seele den Ewigen, 
Halleluja!" R. Samuel bar Nachman sagte im Namen des R. Jo- 
<Jianan: David hat hundertundzwanzig Psalmen gedichtet und keinen 
mit Halleluja geschlossen, bis er den Fall der Frevler gesehen hatte, 
wie es heisst: „Möchten doch die Sünder von der Erde schwinden." 
Wie kam denn aber David auf den Gedanken, mit seiner Seele 
<jOtt zu preisen? Weil er dachte: Die Seele füllt den Körper und 
<jott füllt seine Welt, wie es heisst Jerem. 2^, 24: „Erfülle ich nicht 
Himmel und die Erde? spricht der Ewige," so komme die Seele, 
welche den Körper füllt und preise Gott, welcher die ganze Welt 
füllt. Die Seele trägt den Körper und Gott trägt seine Welt, wie 
-es heisst Jes. 46, 4: „Ich that es und werde tragen, ich will tragen," 
so komme die Seele, welche den Körper trägt und preise Gott, der 
seine Welt trägt. Die Seele überdauert den Körper und Gott über- 
dauert seine Welt, so komme die Seele, die den Körper überdauert 
«ind preise Gott, der seine Welt überdauert, wie es heisst Ps. 102, 27: 
„Sie gehen zu Grunde, du aber bleibst, sie alle veralten wie ein 
Kleid." Die Seele ist einzig im Körper und Gott ist einzig in 
seiner Welt, so komme die Seele, die einzig im Körper ist und 
preise Gott, der einzig in seiner Welt ist, wie es heisst Deut. 6, 4: 
„Höre, Israel, der Ewige, unser Gott, ist einzig." Die Seele isst 
nicht im Körper und vor Gott giebt es kein Essen, so komme die 
Seele, welche nicht isst im Körper und preise Gott, vor dem es 
kein Essen giebt, wie es heisst Ps. 50, 13: „Esse ich denn Fleisch 
der Stiere?" Die Seele sieht und wird nicht gesehen, auch Gott 
sieht und wird nicht gesehen, so komme die Seele, die sieht und 
nicht gesehen wird und preise Gott, der auch sieht und nicht ge- 
sehen wird, wie es heisst Sach. 4, 10: „Die Augen des Ewigen 
schweifen über die ganze Erde." Die Seele ist rein im Körper, und 
Gott ist rein in seiner Welt, so komme die Seele, welche rein im 
Körper ist und preise Gott, der rein in seiner Welt ist, wie es 



Par. V Cap. V, 3. jl 

heisst Hab. i, 13: „Reine sind deine Augen, um Böses zu sehen". 
Der Seele schläft nicht im Körper und vor Gott giebt es auch keinen 
Schlaf, so komme die Seele, die im Körper nicht schläft und preise 
Gott, vor dem es auch keinen Schlaf giebt, wie es heisst Ps. 121, 4: 
„Siehe, es schlummert nicht, es schläft nicht der Hüter Israels." 



Parascha V. 

Cap. V, 3. Wenn der gesalbte Priester sündigt zur 
Schuld des Volkes. In Verbindung mit Hiob. 34, 29: „Er ruht, 
wer will verdammen?" R. Meir legte diesen Vers so aus: „Er 
ruhet von seiner Welt und verbirgt das Antlitz" vor seiner Welt. 
Gleich dem Richter, welcher den Vorhang von innen ausspannt 
und nicht sieht, was draussen vorgeht. So dachte das Geschlecht 
der Sändflath s. das. 22, 13: „Wird er hinter Dunkel richten?" 
Genag! Meir, sprach man zu ihm, nein, „er ruht, wer will ver- 
dammen?" d. i. er gewährt dem Geschlecht der Fluth Ruhe, wer 
konmit und erklärt es für schuldig? Welche Ruhe gab er ihnen? 
Hiob. 21, 8: „Ihr Same besteht vor ihnen, mit ihnen und ihre 
Sprösslinge vor ihren Augen." R. Levi und die Rabbinen. R. Levi 
sagte: In drei Tagen wurde schon eine Frau von ihnen schwanger 
und gebar. Es heisst hier yo": und dort (bei der sinaitischen 
Gesetzgebung) Ex. 19, 15 heisst es auch: „Seid bereit (d'^3')33) auf 
den dritten Tag." So wie das Wort "jiDa hier von drei Tagen gilt, 
so gilt es auch dort von drei Tagen. Die Rabbinen sagen: Eine 
Frau wurde schon an einem Tage schwanger und gebar, denn hier 
steht das Wort "ji^- ^^^ ebenso heisst es Ex. 34,2: „Sei bereit "pDD 
auf Morgen." Sowie da yoi einen Tag bedeutet, so ist auch hier 
nur ein Tag zu verstehen. „Und ilire Sprösslinge von ihren Augen," 
sö dass sie Kindeskinder sahen, wie es heisst Hi. 21, 11: „Sie schicken 
aus wie Schafe ihre Kinder" d. i. ihre Säuglinge. Im Arabischen, 
sagte R. Levi, wird der Säugling Nb'»iy genannt. „Und ihre Kinder 
hüpfen" wie jene bösen Geister, sowie es heisst Jes. 13, 21: „Auch 
Waldteufel tanzen dort," Wie so? Wenn eine Frau von ihnen am 
Tdge niedergekommen war, sprach sie zu ihrem (neugebornen) 
Sohne: Gehe und bringe mir ein scharfes Felsstück, ich will deine 
Nabelschnur abschneiden. War sie des Nachts niedergekommen, da 
!?a-,ne sie zu ihrem Sohne: Geh und zünde mir das Licht an, ich 
yiiW dir die Nabelschnur abschneiden. Eine Frau war des Nachts 
niedergekommen und sprach zu ihrem Sohne: Geh zünde ein Licht 
an, ich will dir deine Nabelschnur abschneiden. Er ging und 
luadete ein Licht an, da begegnete ihm der Hauptanführer der 
t-j^en Geister und während sie miteinander zu thun hatten, krähte 
(ier Hahn. Geh, erzähle es deiner Mutter, sagte der Dämon, und 
Sitge ihr, wenn nicht der Hahn gekräht hätte, hätte ich dich um- 
gtbrachl. Geh erzähle es deiner Grossmutter, sagte die Mutter, 



32 Par. V. Cap. V, 3. 

dass meine Mutter meine Nabelschnur nicht abgeschnitten hat, denn 
hätte sie es gethan, so hätte es dir das Leben gekostet, um zu er* 
füllen, was geschrieben steht Hi. 21, g: „Ihre Häuser Friede, ohne 
Furcht" d. i. vor den bösen Geistern. „Und Gottes Ruthe kommt nicht 
über sie," nämlich hinsichtlich der Leiden. Und wenn er sein 
Antlitz verbirgt, wer spricht zu ihm: Du thust nicht Recht? Und 
wann hat er sein Antlitz vor ihnen verborgen? Als er die Fluth 
über sie brachte s. Gen. 7, 23: „Und es ward vertilgt jegliches 
Wesen." „Ueber Volk und über Menschen." „Volk (•»n:»)" geht 
auf das Geschlecht der Fluth, „Mensch (dn«)" geht auf Noach, 
einer (nn**) d. i. er sollte seine Welt von einem Menschen stellen. 
Oder in"» will sagen: Er sollte seine Welt von einer Nation stellen. 
Oder: „Er ruht, wer will verdammen?" d. i. er gab Ruhe (Glück) 
den Sodomiten, wer kommt und erklärt sie für schuldig? Und 
welche Ruhe hat er ihnen gegeben? S. Hi. 2S, 5: „Ein Land, aus 
welchem Brot hervorkommt," V. 6: „Einen Ort des Sapphirs" (d. i» 
einen Ort, der Saphir enthält); das. V. 7: „Ein Weg, den noch kein 
Raubvogel kennt." R. Levi sagte im Namen des R. Jochanan: 
Er ist der Wiedehopf, der seine Speise in einer Entfernung von 
achtzehn Mil sieht. Und wie viel beträgt eine Perusa (Parasange)? 
Nach R. Meir zwei Handbreiten, nach R. Jehuda nur eine Hand- 
breite, nach R. Josse zwei oder drei Finger. Wenn er auf einem 
der Bäume von Sodom stand, konnte er vor der Stärke der Bäume 
nicht auf den Boden blicken. „Ort des Sapphirs." Wenn einer von 
ihnen zum Gärtner ging und er gab ihm für einen Assar Gemüse, 
fand er Goldstaub darin, wie es heisst das.: „Und Goldstaub ist ihm." 
Als sie (die Menschen) sprachen s. das. 21, 15: „Wer ist der All- 
mächtige, dass wir ihm dienen sollen," das. 34, 29: „Verbarg er 
das Antlitz, wer erblickte ihn?" d. i. als er sein Antlitz vor ihnen 
verbarg, wer wollte da sprechen: Du thust nicht recht? Wodurch 
verbarg er sein Antlitz vor ihnen? Er liess Schwefel und Feuer 
auf sie regnen s. Gen. 19, 24: „Und der Ewige liess auf Sodom 
regnen Schwefel und Feuer." 

Oder: „Er liess ruhen" d. i. er gab ein ruhiges Loos den 
zehn Stäpimen, wer wollte kommen und sie für schuldig erklären? 
Und welche Ruhe gab er ihnen? S. Am. 6, i: „Wehe den Sorg- 
losen in Zion" d. i. der Stamm Jehuda und Benjamin; „die da 
vertrauen auf den Berg Samarias" d. s. die zehn Stämme; „die 
Vornehmen des Ersten der Völker," weil sie von zwei Häuptern 
der Völker kamen, von Schem und von Eber. Wenn sie in Frieden 
(ungestört) dasitzen und essen und trinken und sich berauschen und 
mit unanständigen Dingen sich zu thun machen, was sprechen sie dann? 
Wer wffr so klug wie Bileam? wer so reich wie Haman? wer so 
stark wie Goliath? Dann kommen aber die vom Hause Israels 
und sprechen zu ihnen: War Achitophel kein Weiser? Korach kein 
Reicher? Simson kein Held? Das. V. 2: „Zieht hin nach Kalneh 
und seht" d. i. Ktesiphon, „und geht von da nach den grossen 



Par. V. Cap. V, 3. 3^ 

Hemath" d. i. die warme Quelle (Chemath) von Antiochien, „und 
geht hinab nach Gath in Philistaa" d. i. nach jenen Höhlungen Pa- 
lästinas, welche besser als alle diese Reiche sind, „ob ihr Gebiet 
grösser als euer Gebiet?" Das. V. 3: „Fem wähnet ihr den bösen 
Tag" d. L den Tag der Auswanderung, „und ihr zieht herbei 
das Thronen der Gewaltthätigkeit" d. i. ihr drängt euch zu sitzen 
bei der Gewaltthätigkeit d. i. Esau, wie es heisst Obad. V. 10: 
„Wegen des Frevels gegen deinen Bruder Jacob deckt dich Schande." 
Arnos 6, 4: „Sie liegen da auf elfenbeinernen Lagern" d.i. auf Lagern 
von den Knochen der Elephanten, das.: „und stinkend machen sie 
ihre Ruhebetten" d. i. weil sie ihre Lager durch Ausschweifungen 
in üblen Geruch bringen. Oder: „Sie strecken sich auf ihren 
Ruhebetten" d. s. die ausgebreiteten Vorhänge, die ein jeder gehabt 
hat, wie es heisst Ex. 26, 12: „Und das Ueberhangende, was übrig 
ist" u. s. w. „Und sie essen Lämmer von der Heerde" d. i. wenn 
einer von ihnen ein Böckchen essen wollte, Hess er die ganze 
Heerde vor sich führen, nahm das Fetteste davon heraus und stellte 
sich darauf und schlachtete es. Und wenn er ein Kalb essen wollte, 
Hess er alle Rinder vor sich führen, stellte sich auf eins derselben 
und schlachtete es, was der Prophet hier sagt: .,Sie essen Lämmer 
von der Heerde und Kälber aus der Mästung." Amos 6, 5: „Sie 
faseln znm Klang der Harfe" d. i. weil sie ihren Mund mit schänd- 
lichen Reden öffneten. Was sprachen sie? Hat denn David nur auf 
der Harfe gespielt? wie es heisst das.: „Wie David ersinnen sie Saiten- 
spiele." „Sie trinken Wein in Schalen." Rab und R. Jochanan und 
die Rabbinen. Nach Rab sind unter y^ "»piT^S Speicher (Nnibp) zu 
verstehen, nach R. Jochanan kleine Becher (Pokale), nach den Rab- 
binen Becher (Pokale), welche Schnäbel haben. Und woher tranken 
sie den Wein? R. Abuhu im Namen des R. Chanina sagt: Von 
i^rr^rt, Paticos (was darum so hiess), weil ihr Wein den Körper 
zu Buhlerei reizte (überredete nrstt). Die Rabbinen sagten im 
Namen des R. Chanina: Von »raibo (welcher Name daher kommt), 
weil sie durch ihren Wein bethört wurden (nncn:), weil sie durch 
ihn zu üblen Dingen verleitet wurden, in Folge dessen die zehn 
Stämme auswandern mussten. Das.: „Mit dem vorzüglichsten Oele 
salben sie sich." Nach R. Jehuda bar Ezechiel war es Myrrhenöl 
{ara-^rrj, stakte), nach R. Janai Olivenöl (o^updxivov sc. ilaiov, 
omphacinum), welches das Haar ausfallen macht und den Körper 
glättet. Bei all dieser Vortrefflichkeit „kümmern sie sich nicht um 
Josephs Verderben." Das. V. 7: „Darum sollen sie nun in Ge- 
fangenschaft ziehen an der Spitze Gefangener, dann hört das Ge- 
schrei der Hingestreckten auf." Was heisst das: „Das Geschrei der 
Hingestreckten?" R. Eibu sagte: Dreizehn Bäder hatte jeder 
Stamm, aber als sie sich verschuldet hatten und in Uebertretungen 
und Uebelthat gerathen waren, wurden ihnen alle genommen und 
es bUeb ihnen nur noch dieses übrig, um zu zeigen, was die Sünde 
verursacht (für Folgen hat), um zu bestätigen, was Jerem. 5, 25 ge- 

Wüosche, Midrasch Wajikra. 3 



sagt ist: „Eure Sünden hindern solches" u. s. w. Es heisst Hi. 
34, 29: „Und verbirgt er sein Antlitz, wer erblickt ihn?" d. i. als 
Gott sein Antlitz vor ihnen verbarg, sprachen sie: Da hast nicht 
recht gethan! Aber in Folge dieses Verbergens des göttlichen 
Antlitzes kam nun Sancherib über sie, wie es heisst Jes. 36, i: „Und 
es geschah im vierzehnten Regierungsjahr des Königs Chiskia" 
u. s. w. Was heisst: „Dircm, er eroberte?" R. Abba bar Kahana 
sagte im Namen des R. Samuel bar Nachman: Drei (schwere) Ge- 
richtsbeschlüsse waren es, die an diesem Tage besiegelt wurden, 
i) es wurde besiegelt der Gerichtsbeschluss über die zehn Stämme, 
dass sie in die Hand Sancheribs fallen sollten, 2) es würde besiegelt 
der Gerichtsbeschluss über Sancherib, dass er in die Hand Chiskias 
fallen sollte, und 3) es wurde besiegelt der Gerichtsbeschluss über 
Usia, dass er durch Aussatz bestraft werden sollte. „Und über 
Volk und Mensch zumal." "«na geht auf Sancherib, wie es heisst 
Joel I, 6: „Denn ein Volk zog über mein Land," dn«, Mensch 
geht auf Israel, wie es heisst Ezech. 34, 31: „Ihr aber meine 
Schafe, die Schafe meiner Weide, seid Menschen (d^&<)." Und unter 
nri"^ ist der König Usia zu verstehen, der mit Aussatz geschlagen 
worden ist, wie es heisst 2. Chron. 26, 21: „Und Usia, der König, 
war aussätzig bis zum Tage seines Todes." Nicht wie die Gerichte 
von Fleisch und Blut sind die Gerichte Gottes. Ein König von 
Fleisch und Blut nimmt Partei für eine Gesammtheit, nicht aber für 
einen einzelnen, aber hier heisst es von Gott: „Wenn der gesalbte 
Priester sündigt ... so bringe er einen Farren dar." Lev. 4, 13 : 
„Wenn die ganze Gemeinde Israels ein Versehen begeht ... so 
bringe das Volk einen jungen Farren dar." Es heisst Prov. 18, 16: 
„Geschenke verschaffen dem Menschen weiten Raum. R. Elieser, 
R. Josua und R. Akiba gingen einmal nach der Umgegend von 
Antiochien, um Beiträge für die Gelehrten einzusammeln. Dort war 
ein Mann, Abba Judan genannt, welcher sehr gern freigebig war. 
Einmal war er in seinem Vermögen herabgekommen, er sah die 
Rabbinen daselbst (in seinem Orte) und sein Mitleid wurde erregt. 
Er ging zu seinem Weibe, welches ihn fragte: Warum siehst du so 
kränklich aus? Er antwortete ihr: Die Rabbinen sind hier und ich 
weiss nicht, was zu thun ist (was ich thun soll). Sein Weib, 
welches noch wohlthätiger als er war, stellte ihm vor, es ist uns 
nur noch jenes Feld übrig geblieben, geh und verkaufe die Hälfte 
davon und gieb ihnen. Der Mann ging und verkaufte die Hälfte 
und gab ihnen (den Erlös). Da beteten die Rabbinen für ihn: Gott 
möge dir deinen Mangel ersetzen (d. i. Gott fülle, was dir fehlt). 
Nach einigen Tagen ging er, um die verbliebene Hälfte seines 
Feldes zu pflügen. Als er so pflügte, that sich die Erde vor ihm 
auf, seine Kuh stürzte hinein und brach ein Bein. Als er hinab- 
stieg, um sie heraufzuholen, da erleuchtete Gott seine Augen und 
er fand einen Schatz. Da sprach er: Diesen Fund habe ich dem 
zerbrochenen Fusse meiner Kuh zu danken. Als unsere Rabbinen 



Par. V. Cap. V, 3. 35 

wieder einmal dahin kamen, erkundigten sie sich, was Abba Judan 
mache. Sie bekamen zur Antwort: Abba Judan hat Knechte, 
Ziegen, Kamele, Ochsen, wer kann ihn zu sehen bekommen (er ist 
sehr vornehm geworden)? Als er hörte, dass die Rabbinen da seien, 
ging er ihnen entgegen und sie fragten ihn: Was macht Abba 
Judan? Euer Gebet, antwortete er ihnen, hat Früchte über Früchte 
getragen. Bei deinem Leben! fuhren sie fort, obgleich andere mehr 
als du gegri)en haben, so haben wir dich doch oben angeschrieben. 
Sie nahmen ihn und wiesen ihm einen Platz neben sich an und 
wandten auf ihn den Vers an: „Geschenk verschafft dem Menschen 
weiten Kaum.*' R. Simeon ben Lakisch war nach Bozra gegangen, 
dort war ein Mann, welcher Abba Judan hiess, mit dem Beinamen 
nder Betniger** ('^^^'i Hinterlistiger). Bewahre 1 dass er ein Betrüger 
war, sondern er war wirklich nur schlau für das Interesse einer 
guten Sache (der Mildthätigkeit). Wenn die Steuern oder Abgaben 
festgesetzt wurden, so überbot er sie, (damit recht viel einkommen 
sollte). R. Simeon ben Lakisch nahm ihn, setzte ihn neben sich 
und wandte auch auf ihn den obigen Vers Salomos an: „Geschenk 
verschafft dem Menschen weiten Raum.** R. Chija bar Abba hatte 
zu Beiträgen für ein Lehrhaus in Tiberias aufgefordert Da war 
ein Mann dort von den Nachkommen eines berühmten Silka 
(roV'Cn), welcher eine Litra Gold dazu bewilligte. R. Chija bar 
Abba nahm ihn und setzte ihn neben sich und wandte ebenfalls 
obigen Vers auf ihn an: „Geschenk verschafft dem Menschen 
weiten Raum.'* R. Abuhu sagte: £s stehet geschrieben Deut. 12, 19: 
„Hüte dich, dass du den Leviten nicht verlassest.** Darauf folgt 
V. 20: „Wenn der Ewige dein Gebiet erweitert.** Wie passt eins 
zum andern? Gott spricht: Nach deinen Gaben wird es sich dir er- 
weitern. R. Acha sagte im Namen des R. Hosaja: Wenn der 
Knecht einen Stier und sein Herr einen Stier bringt, so geht der 
Stier des Knechtes dem seines Herrn voran, denn es ist dort (Mischna) 
gelehrt worden. Wenn der Stier eines Gesalbten und der Stier der 
Gemeinde dastehen, so geht der Stier des Gesalbten dem Stiere der 
Gemeinde in jeder Hinsicht voran. — „Wenn der gesalbte Priester** 
n. s. w. Das ist Schebna, von dem es heisst Jes. 22, 15: „Gehe 
hin zu dem Schatzmeister Schebna, der über das Haus gesetzt ist.** 
R. Eleasar sagte: Es war der Hohepriester. R. Jehuda bar Rabbi 
sagte: Es war Amarkol. Nach der Meinung des R. Eleasar, 
welcher sagte, es sei der Hohepriester gewesen, stimmt das mit dem, 
was weiter V. 21 gesagt wird, überein: „Ich bekleide ihn mit deinem 
Bocke:** nach der Meinung des R. Jehuda bar Rabbi, welcher sagte, 
es sei Amarkol gewesen, passen wieder die Worte das.: „Und 
äüoe Herrschaft lege ich in seine Hand.** R. Chija hat gelehrt: 
"Ä'arum hiess er Amarkol? Weil er Herr über Alles (gesetzt) war 
''n'z — : n^n'O}. R. Berachja sagte, er war von der Rotte Sichnin, 
?iag nach Jerusalem und wurde da zum obersten Spatelträger er- 
^obGk xo^TjQ OTtad'dQiog), worüber nun der Prophet ihn zur Rede 

3* 



36 Par. V. Cap. V, 3. 

Stellt (mit ihm zankt) und sagt das. V. 16: „Was hast du hier 
und wen hast du hier, dass du dir hier ein Grab aushauest?** £r 
sprach zu ihm: Du Exulant, Sohn der Exulanten! welche Mauer 
hast du hier gebaut? welche Säule hast du hier aufgeführt? welchen 
Nagel hast du hier eingeschlagen? Daraus zieht R. Eleasar den 
Schluss, dass der Mensch einen Nagel oder Pflock in den Friedhof 
schlagen soll, damit er würdig sei, daselbst begraben zu werden. 
„Dass du dir hier ein Grab aushauest?'' Er machte wie eine 
Art Taubenschlag und bereitete sein Grab darauf. „Auf der Höhe 
aushauend sein Grab." R. Samuel sagte im Namen des Mar Ukban: 
Von oben wurde über ihn beschlossen, dass er einst sein Grab 
nicht im israelitischen Lande finden sollte. „In dem Felsen sich 
eine Wohnung höhlend** d. i. der Sarg. Das. V. 17: „Siehe, der Ewige 
stösst dich mit männlichem Stosse** d. L mit einem Stossen nach 
dem andern. R. Samuel bar Nachman sagte: Wie ein Hahn, der 
unstät von einem Orte zum andern wandert. Das. V. 18: „Er 
verhüllt dich verhüllend,** weil er mit Aussatz geschlagen wurde, 
vergl. Lev. 13, 45: „Und sein Kinn verhüllet.** „Er wickelt dich 
zusammen als Knäuel** d. i. ein Auswandern nach dem andern; 
„wie einen Ball** d. i. wie den Ball, der mit den Händen aufge- 
fangen wird, dass er nicht zur Erde fallt; „in ein geräumiges Land** 
d. i. Kaspia (s. Esra 8, 17); „und dort sollst du sterben, daselbst 
deine prächtigen Wagen.** Nach der Meinung des R. Eleasar, der 
gesagt hat, dass es der Hohepriester war, ist der Grund, weil er 
als solcher Genuss an den Opfern hatte; nach der Meinung des 
R. Jehuda bar Rabbi aber, der gesagt hat, dass es Amarkol war, 
ist der Grund, weil er Genuss von den Heiligthümern hatte. „Eine 
Schmach des Hauses deines Herrn.** Nach der Meinung des R. 
Eleasar, nach dem es der Hohepriester war, ist der Grund, weil er 
die Opfer geringschätzig behandelte, nach der Meinung des R. Je- 
huda bar Rabbi, nach dem es Amarkol war, ist der Grund, 
weil er seine zwei Herren verachtete. Welche sind es? Jesaia und 
Chiskia. R. Berachja sagte im Namen des R. Abba bar Kahana: 
Was hatten denn Schebna und Joach gethan? Sie hatten einen 
Brief genommen, ihn geschrieben, ihn auf einen Pfeil gesteckt, ihn 
durchs Fenster hinabgelangt, dass er in die Hände Sancheribs 
kam. Was hatten sie darin geschrieben? Wir und alle Israeliten 
wollen mit dir Frieden schliessen, Jesaia und Chiskia aber wollen 
nicht mit dir Frieden schliessen. Das hat David im heiligen Geiste 
vorausgesehen, wenn er spricht Ps. 11, 2: „Denn siehe, die Frevler 
spannen den Bogen** d. i. Schebna und Joach, „richten ihre Pfeile 
auf der Sehne** d. i. auf den Sehnen des Wurfgeschosses, „im Finstern 
zu schiessen auf die Herzensgraden** d. i. auf die zwei Herzens- 
graden. Wer sind diese? Jesaia und Chiskia. — 

Oder: „Wenn der gesalbte Priester sündigt.** Der ge- 
salbte Priester sühnt und braucht eine Sühne. R. Chija hat ge- 



Par. V. Cap. V, 3. 4. ^j 

lehrt*): Da der Gesalbte sühnt und die Versammlung gesühnt wird, 
so ist es gut, dass der Sühnende dem, welcher gesühnt wird, voran- 
gehe, wie gelehrt worden ist Lev, 16, 17: „Und er versöhne sich 
and sein Haus." Unter in*n, sein Haus ist sein Weib zu verstehen. 

Oder: „Wenn der gesalbte Priester sündigt." Ein gesalbter 
Priester soll sündigen? R. Lievi sagt: Schande der Stadt, deren 
Arzt selbst das Podagra hat und deren Augenarzt nur ein Auge 
hat und deren Fürsprecher (Anwalt) den Ankläger in peinlichen 
Rechtssachen macht 

Zur Schuld des Volks d. i. zum Feuer, welches das Volk tödtet 
Gleich einem Bärenführer, welcher das Futter des Bären ass. Da 
sprach der König: Weil er das Futter des Bären isst, so möge ihn 
der Bär fressen. So spricht auch Gott: Weil er Genuss von den 
Heüigthömem hat, so möge er vom Feuer verzehrt werden. R. 
Eibu sagte: Ein Fleischer in Sepphoris hatte gefallene und zer- 
rissene Thiere den Israeliten zu essen gegeben, einmal am Vorabende 
des Versohnmigstages, nachdem er gegessen, getrunken und sich 
beraoscht hatte, stieg er aufs Dach, fiel herab und starb, und die 
Hunde fingen an sein Blut zu lecken. Man fragte den R. Chanina, 
ob man ihn von den Hunden wegnehmen sollte, er antwortete ihnen: 
es steht geschrieben Ex. 22, 31: „Heilige Männer sollt ihr mir sein, 
Qod Fleisch, das auf dem Felde zerrissen worden ist, sollt ihr nicht 
essen, dem Hunde sollt ihr es vorwerfen." Dieser hat die Hunde 
beraubt und den Israeliten Gefallenes und Zerrissenes zu essen ge- 
geben, lasset ihnen (den Hunden) das ihrige, sie mögen ihn fressen. 

V. 4. Und er bringe den Stier an die Thür des Ver- 
sammlungszeltes. Gleich dem Freunde eines Königs, sagte R. 
Jizchak, welchen der König durch Geschenke und Lobesbezeigungen 
geehrt (ausgezeichnet] hatte. Lasset ihn, sprach der König, an der 
Thür des Palastes stehen, damit jeder, der hier aus- und eingeht, 
ihn sehe. V. 14. So bringe den Stier an die Thür des Ver- 
sammlungszeltes. V. 15. Und die Aeltesten der Gemeinde 
sollen ihre Hände darauf legen. Die Völker der Welt, be- 
merkte R. Jizchak, haben keine, welche die Hand auflegen (]^D73nO), 
wie es heisst Ezech. 30, 6: „Es fallen die Handauflegenden Aegyptens" 
(c^-xi T'Tid), aber die Israeliten haben solche, welche die Hand 
auflegen, wie es hier Lev. 4, 15 heisst: „Die Aeltesten der Gemeinde 
sollen die Hand auflegen." Die Völker der Welt werden my, 
Gemeinde genannt s. Hi. 15,34: „Die Gemeinde (Rotte) der Ruch- 
losen ist unfruchtbar," auch Israel wird üir, Gemeinde genannt, 
▼je es hier heisst: „Die Aeltesten der Gemeinde sollen die Hand 
auflegen.'* Die Völker der Welt werden D'^T'^N, Starke genannt, 
>. Ps. 68,31: „Die Gemeinde der Starken mit den Kälbern der 
Völker," auch die Israeliten werden D''T3N, Starke genannt s. Jes. 46, 

*) S. Jenisch, Horiot c. III. 



38 Par« V. Cap. V, 4. 

12: „Hört auf mich, ihr Starken des Herzens," die Völker der Welt 
werden D'^n'^n», Edle genannt s. Ezech. 32, 18: „Sie und die Töchter 
der edlen Völker," auch die Israeliten werden D'^^^nN genannt s. 
Ps. 16, 3: „Und die Edlen, all meine Lust an ihnen;" die Völker 
der Welt werden Weise genannt s. Obadj. V. 8: „Da tilg ich die 
Weisen von Edom," auch die Israeliten werden Weise genannt s, 
Spr. 10, 14: „Die Weisen halten Erkenntniss (Wissen) zurück;" die 
Völker der Welt werden Fromme (D'*73*73n) genannt s. Prov. i, 12: 
„Und Fromme gleich denen, die in die Gruft steigen," auch die 
Israeliten werden Fromme genannt s. Prov. 28, 10: „Die Frommen 
aber werden Gutes erben;" die Völker der Welt werden D'^p'^nat, 
Gerechte genannt s. Ezech. 23, 45: „Aber gerechte Männer sollen 
sie richten," auch die Israeliten werden Gerechte genannt s. Jes. 60, 
21 : „Dein Volk sind lauter Gerechte;" die Völker der Welt werden 
D^*'*N Männer genannt s. Ps. 141, 4: „Männer, die Uebles thun," 
auch die Israeliten werden Männer genannt s. Prov. 8, 4: „Euch, 
ihr Männer, rufe ich an;" die Völker der Welt werden O'^mna, 
Helden genannt s. Ps. 52, 3: y,Was rühmst du dich der Bosheit, 
o Held," auch die Israeliten werden Helden genannt s. Ps. 103, 20: 
„Ihr Helden der Kraft, Thäter seines Wortes." R. Simeon hat ge- 
lehrt: Wie geschickt (welche Meister) sind die Israeliten, ^ss sie 
ihren Schöpfer zu besänftigen verstehen. R. Judan sdigti/So wie 
jene Chutäer, welche (an den Thüren) zu betteln versteife». Ein 
Chutäer kam zu einem Weibe und sprach ihr: Wenn du eine 
Zwiebel hast, gieb . sie mir. Als sie ihm dieselbe gegeben hatten 
sprach er zu ihr: Kann man denn eine Zwiebel ohne Brot essen? 
Als sie ihm auch Brot gegeben hatte, sprach er zu ihr: Kann man 
wohl essen, ohne zu trinken? Auf diese Weise bekam er zu essen 
und zu trinken. R. Acha sagte: Manches Weib versteht zu ver- 
langen, manches Weib aber versteht nicht zu verlangen. Es 
kommt eine zu ihrer Nachbarin, findet die Thür offen, klopft an 
und begrüsst sie mit den Worten: Befindest du dich wohl, meine 
Nachbarin? was machst du? was macht dein Mann? was machen 
deine Kinder? Siehst du wohl gern, wenn ich eintrete (ists wohl 
erlaubt einzutreten)? Sie antwortet ihr: Tritt nur ein! Was ist 
dein Begehr? Hast du vielleicht jene Werthsachen und möchtest 
du mir sie wohl leihen (geben)? Nein! lautet die Antwort. Ein 
anderes Weib, die nicht zu verlangen versteht, geht zu ihrer Nach- 
barin; obgleich sie die Thür geschlossen findet, so macht sie dieselbe 
doch gleich auf und fragt: Hast du wohl jene Werthsachen? Nein! 
lautet die Antwort So geht es auch, sagte R. Chanina, dem 
Pächter; mancher weiss zu verlangen, mancher aber nicht. Der- 
jenige, welcher zu verlangen versteht, wenn er sieht, dass er mit 
seiner Gärtnerei herabkommt, fasst guten Muth (nimmt sich 
das Herz), putzt sich das Haar recht schön, wäscht seine Kleider 
weiss, nimmt eine heitere Miene an und geht mit dem Stock in der 
Hand und mit Ringen an den Fingern zum Gutsherrn, welcher ihn 



Par. V. Cap. V, 4. Par. VI. Cap. V, i. ^g 

freundlich aufnimmt und fragt: Machst du gute Geschäfte? Ja! 
Wie steht es mit den Feldern? wirst du so glücklich sein und von 
der Frucht essen und dich sättigen können? Was machen die 
Ochsen? Wirst du so glücklich sein und dich von ihrem Fette 
■sättigen? Was machen die Ziegen? Wirst du so glücklich sein 
und dich von ihren Zicklein sättigen? Was ist dein Begehr? Ist 
dir es möglich, dass du mir zehn Denare borgst? £r ant* 
vrortete: Wenn du zwanzig wünschest, so bekommst du sie (nimm 
sie dir). Derjenige aber, welcher nicht verlangen kann, geht mit 
ungekämmtem (struppigem) Haar (als wenn Dornen darin wären), 
in schmutzigen Kleidern, mit verdriesslichem Gesicht zu seinem 
Gutsherrn. Was macht das Feld? wird er gefragt Ach da wäre 
wohl zu wünschen, dass es so viel trüge, als wir hineingesteckt 
haben. Was machen die Ochsen? Sie sind mager (schwächt). 
Was «rillst du denn? Möchtest du mir wohl zehn Denare borgen? 
Geh, bezahle mir erst, was ich von dir zu fordern habe. R. Choni 
sagte : David war einer von den guten (geschickten) Pächtern. Erst 
pries er den Schöpfer und sprach s. Ps. 19, 2: „Die Himmel er- 
zählen die Ehre Gottes.'* Gott sprach: Brauchst du vielleicht et- 
was? Er: „Und das Werk seiner Hände verkündigt die Feste." 
Gott: Brauchst du vielleicht etwas? Darauf erwähnt er: „Ein Tag 
strömt dem andern zu." Darauf fragte ihn Gott: Was willst du? 
Er sprach: Ach möchtest du nicht achten auf die Versehen, die 
ich vor dir gethan habe (das ist mein Anliegen). Gott: Diese sind 
dir schon vergeben und erlassen. Er: Sprich mich aber auch frei 
von den verborgenen Sünden, die ich vor dir begangen habe. 
Gott: Auch diese sind dir schon verziehen und erlassen. V. 14: 
„Auch von den Uebermüthigen bewahre deinen Knecht" d. s. die 
frevelhaften Gedanken, „nicht mögen sie über mich herrschen, dann 
bin ich schuldlos" d. s. die starken (grossen) Vergehungen. „Rein 
von grosser Missethat." David sprach nämlich vor Gott: Herr der 
Welt! du bist ein grosser Gott und meine Schulden sind gross, es 
ziemt wohl dem grossen Gott die grossen Schulden zu erlassen. 
Das wird nun mit den Worten gesagt Ps. 25, 11 : „Wegen deines 
Namens, Ewiger, verzeihe meine Sünde; denn sie ist gross." 

Parascha vi. 

Cap. V, I. Und wenn eine Seele sündigt und hört den 
Schwur und sie ist Zeuge, sei es, dass sie es gesehen oder 
es weiss u. s. w. Das steht auch geschrieben Prov. 24, 28: „Sei 
nicht ohne Ursache ein Zeuge gegen deinen Nächsten." „Sei nicht 
ohne Ursache ein Zeuge" d. i. Israel, von dem es heisst Jes. 43, 10: 
„Ihr seid meine Zeugen, spricht der Ewige,'* „gegen deinen Freund" 
d. i. Gott, wie es heisst Prov. 27, 10: „Verlass nicht deinen Freund 
und den Freund deines Vaters;" „den du mit deinen Lippen be- 
redet" d. i. nachdem ihr ihn beredet und am Sinai gesprochen habt 



40 Par. VI. Cap. V, i. 

Ex. 24, 7: „Alles was der Ewige geredet, wollen wir thun und ge- 
horchen." Allein nach Verlauf von vierzig Tagen habt ihr zum Kalbe 
gesagt das. 32,4: „Dies ist dein Gott, Israel." R. Acha sagte: Hier 
macht der heilige Geist sogar den Fürsprecher, er bringt Verdienst- 
liches von dieser und jener Seite vor. Er spricht zu Israel: „Sei 
nicht ohne Ursache ein Zeuge gegen deinen Nächsten," dann spricht 
er aber zu Gott Prov. 24,29: „Spn'ch nicht, wie er mir gethan, so 
will ich ihm wieder thun." R. Jizchak sagte: Es heisst Hos. 6, 7: 
„Wie Adam übertreten sie den Bund," aber hier heisst es das. 11, 9: 
„Ich bin ein Gott und kein Mensch." Rüben weiss ein Zeugniss für 
Simeon, dieser spricht zu ihm: Willst du das Zeugniss für mich ab- 
legen? Ja, antwortet er, allein wenn er zu dem Richter kommt, 
wird er rückgängig. Da spricht der heilige Geist zu ihm: „Du hast 
ihn mit deinen Lippen überredet" d. i. nachdem du mit deinen Lippen 
ihn überredet (gewonnen) und ihn zum Richter gebracht hast, so 
wirst du nun rückgängig. Wenn nun morgen (an einem anderen 
Tage) Rüben ein Zeugniss auf Simeon ablegen soll, was wird er thun? 
Er wird handeln, wie Simeon gegen ihn gehandelt hat. Du sollst 
aber nicht sprechen: „Wie er mir gethan hat, so will ich ihm wieder 
thun, ich will dem Manne vergelten nach seinem Handeln." Hat 
nicht schon das Gesetz darüber ein Urtheil gefallt mit den Worten: 
„Und er ist Zeuge, sei es, dass er es gesehen, oder weiss, wenn er 
es nicht anzeigt und trägt seine Schuld?" „Und er hört die Stimme 
des Eides." Das steht auch geschrieben Spr. 29, 24: „Wer mit 
einem Diebe theilt, der hasst sich selbst, er hört den Eid und zeigt 
nichts an." Ein Machthaber tödtete die Aufbewahrer (Hehler), und 
Hess die Diebe laufen, darüber hielten sich alle Leute auf, weil ihnen 
das Verfahren nicht recht erschien (eig. alle verbreiteten üble Nachrede 
über ihn, dass er nicht geziemend verfahren wäre). Was that er? 
Er Hess im ganzen Lande durch einen Herold bekannt machen, dass 
das ganze Volk sich auf einem freien Platze (campus) einfinden sollte. 
Was machte er femer? Er Hess Wiesel kommen und legte ihnen ver- 
schiedene Gaben (m3)3) vor; die Wiesel nahmen sie und schleppten 
sie in Schlupflöcher. Am andern Tage Hess er das ganze Volk eben- 
falls durch einen Herold auf einen freien Platz entbieten. Er brachte 
Wiesel und legte ihnen Gaben vor, verstopfte aber die Löcher. Die 
Wiesel nahmen die Gaben und wollten sie in die Löcher schleppen, 
da sie aber dieselben verstopft fanden, brachten sie dieselben zurück 
an Ort und Stelle. Damit wollte er sagen, dass alle Aufbewahrer 
(Hehler) wären.*) Das ist vom Machthaber. Was beweist diese Ge- 
schichte? Rüben hat den Simeon bestohlen und Levi weiss davon. 
Zeige mich nicht an, spricht er zu demselben, ich gebe dir die Hälfte 
davon. Am andern Tage gehen sie in die Synagoge und hören da 
den Aufseher bekannt machen: Wer hat den Simeon bestohlen? 



•) Er wollte damit sagen: Wenn es keine Hehler gSLöe, so würde es 
auch keine Diebe geben. 



Par. VI. Cap. V, i. 



41 



Levi stand dort. Hat nicht für diesen Fall schon das Gesetz das Ur- 
theil abgegeben: „Er ist Zeuge, sei es, dass er es gesehen oder es 
weiss." Ueberhaupt (eine Hauptlehre ist es) sei ein falscher Eid nicht 
gering in deinen Augen, denn Sacharja hat in Bezug darauf ge- 
schaut s. Sach. 5, 23: „Ich hob meine Augen auf und sah eine 
fliegende Rolle." Was heisst nsy? kö'*"'C fliegend vgl. Jes. 6, 6: 
„Es flog zu mir einer der Seraphim. Und er sprach zu mir: 
Was siehst du? Ich sprach: Ich sehe eine fliegende Rolle." R. 
Abohn sagte: Selbst die Haut eines Elephanten und eines Kamels 
ist nicht so lang als diese (eig. ist nicht in diesem Masse), und du 
sagst: Diese (Rolle) breitete sich aus über die ganze Erde? Woher 
ist sie denn gekommen? Von der Thür der Halle (Vorhof), denn 
es ist gelehrt worden: Die Höhe des Eingangs der Halle war 
40 Ellen und die Breite 20 Ellen. R. Eibu sagte: Warum lässt 
man den Menschen beim Gesetzbuche schwören und bringt vor ihn 
aufgeblasene Schläuche? Um damit anzudeuten: Gestern war dieser 
Schlauch voll mit Sehnen und Beinen und jetzt ist er leer davon. So 
auch geht der, welcher seinen Nächsten zum falschen Schwur verleitet, 
zuletzt ganz leer von allem Vermögen aus. Nach R. Asi ist das 
nur bei einem falschen Eide der Fall, nach R. Jona aber auch bei 
einem wahrhaftigen Eide. R. Janai hielt einen Vortrag über das, 
was R. Jona hier gesagt hat R. Simeon sagte: Man überträgt 
nicht einen Eid auf denjenigen, welcher eines falschen verdächtigt 
ist und man überträgt ihn auch nicht auf denjenigen, welcher nach 
dem Eid läuft. Es wird ein Fall mit Bar Telamjon (Bartholomäus) 
erzählt, welcher für R. Asis Meinung eine Stütze ist. Ein Mann 
halte einem, Namens Bar Telamjon, hundert Denare zur Aufbe- 
wahrung gegeben; als er dieselben zurückverlangte, sprach er: Was 
du mir zur Aufbewahrung gegeben hast, hast du schon zurücker- 
halten. Er sprach zu ihm: Beschwöre es mir! Was that Bar 
Telamjon? Er nahm ein Rohr, höhlte es aus, that die Denare 
hinein und stützte sich auf das Rohr und ging so zu dem Eigen- 
ihümer und sprach: Hier nimm das Rohr in deine Hand, ich will 
dir es beschwören. Als er zur Versammlung kam, sprach er: Ich 
schwöre bei dem Herrn dieses Hauses (d. i. Gott), was du in meine 
Hand mir übergeben hattest, das habe ich in deine Hand dir zu- 
rückgegeben. Er nahm dann das Rohr wieder aus seiner Hand 
und es fiel auf die Erde. Da fielen jene Denare heraus und ver- 
streuten sich und er lass sie auf. Nun sagte jener (der Schuldner 
zu seinem Gläubiger): Lies auf! lies auf! denn das, was du auf- 
liest, ist das deinige. — Es heisst Ex. 22, 11: „Der Schwur beim 
Ewigen soll zwischen ihnen beiden entscheiden" d. i. dass er nicht 
von beiden weiche; denn wenn einer einen falschen Schwur thut, so 
geht es zuletzt über ihn aus (in Erfüllung) und so auch, wenn der 
Beschworene falsch beschworen wird, so geht es über ihn aus. 

Eine Frau ging zu ihrer Nachbarin, um einen Teig zu kneten, 
und es waren in ihren Mantel drei Denare eingewickelt. Sie nahm 



Par. VI. Cap. V, i. 

>4,c attii 'e^cie sie auf das Schweisstuch und sie wurden mit dem 
Te»^ 4U$ammengeröhrt und so in das Brot gebacken. Sie ging 
uuii :br^ Wegs. Ihr Mann sprach zu ihr: Gieb mir drei Denare. 
Sic ^iu$ und verlangte sie von ihrer Nachbarin. Sie sprach zu ihr: 
Uoa^ Uu vielleicht jene drei Denare gesehen? Die Nachbarin, 
^*^:Icnc drei Kinder hatte, sprach: Möge mir mein Sohn begraben 
\%viot*ul wenn ich (eig. wenn sie) etwas von ihnen weiss. Sie ver- 
uisachte« dass eins von ihren Kindern begraben wurde. Da dachte 
üie Frau: Wenn das Weib nicht damit verdächtigt wäre, so hätte 
sK^ ihren Sohn nicht begraben. Sie ging daher und fragte dieselbe 
noch einmal: Hast du vielleicht jene Denare gesehen? Möge mir 
mein anderer Sohn begraben werden! antwortete das Weib, wenn 
ich etwas von ihnen weiss. Sie verschuldete sich abermals, und es 
starb ihr anderer Sohn. Nach einiger Zeit ging die Frau nochmals 
SU ihr mit der Frage: Hast du vielleicht jene Denare gesehen? 
Das Weib sprach zu ihr: Möge mir mein dritter Sohn begraben 
werden, wenn ich etwas von ihnen weiss. Sie verschuldete sich 
wtei)erum und sie begrub ihr drittes Kind. Gehst du denn nicht 
XU deiner Nachbarin? sprach ihr Mann zu ihr, um sie zu trösten? 
Sie nahm zwei Brotkuchen und ging zu ihr, um sie zu trösten. 
Als sie einen Brotkucken durchschnitt, da fielen jene drei Denare 
heratis. Das sagen nun die Leute: Du magst unschuldig oder 
schuldig sein, gehe nur nicht auf einen Eid ein. Sach. 5, 4: „Dass 
er komme in das Haus des Diebes und in das Haus dessen, der falsch 
schwört in meinem Namen, dass er bleibe in seinem Hause und 
es vertilge sammt Holz und Steinen.'* R. Simeon bar Nachman 
sagte: Die Würgengel haben keinen Gang (keine Bewegung wie 
die Menschen), denn es heisst Hi. 2,2: (Der Satan antwortete): „Ich 
komme vom Durchstreifen der Erde und vom Umherwandeln auf 
ihr;" aber hier heisst es: „dass er bleibe in seinem Hause.** R. 
Abba bar Kahana sagte: Dinge, die das Feuer nicht verbrennt, ver- 
nichtet ein falscher Schwur. Das Feuer pflegt nur Holz, nicht aber 
Steine zu verzehren, aber hier heisst es: „und er verzehre es (das 
Haus) sammt Holz und Steinen«** R. Jose bar Chanina erklärte den 
Vers mit Bezug auf ein untreues Weib. „So eine Seele sündigt** 
d. i. wenn sie (ein untreues Weib) sich gegen ihren Mann vergeht, 
der sie ernährt und versorgt, und geht und sich besudelt und den 
Eid hört s. Num. 5, 21: „Und der Priester beschwöre das Weib mit 
dem Schwüre.** „Und es ist ein Zeuge da,** Num. 5, 13: „Und es 
ist kein Zeuge da;** „sei es, dass er es gesehen,** Num. 5,13: „und 
es ist verborgen vor den Augen ihres Mannes,** aber nicht vor den 
Augen ihres Schwagers, „sei es, dass er es weiss,** Num. 5, 13: „Und 
sie ist verborgen und ist verunreinigt,** „wenn er es nicht anzeigt 
und seine Schuld trägt,** wenn sie es nicht dem Priester anzeigt, 
„so schwillt ihr Leib an und ihre Hüfte schwindet.***) R. Pin- 



•) Die Stelle ist verstümmelt. 



Par. VI. Cap. V, i. a^ 

chas deutete den Vers auf die Israeliten, als sie vor dem Berge 
Sinai standen. „So eine Seele sündigt," „und ich sehe, und siehe, 
ihre Sünde;** „und sie hört die Stimme des Eides" s. Deut. 5,24: 
„Und wir hörten seine Stimme aus dem Feuer." Damals, sagte R. 
Jochanan, wurde eine Uebereinkunft (ein Compromiss) zwischen ihnen 
geschlossen, dass er (Gott) sie nicht verleugnen wolle und sie ihn 
nicht verleugnen wollten. R. Jizchak sagte: Ein König lässt seine 
Legionen nur beim Schwerte schwören, womit gesagt sein soll, wer 
den Vertrag übertritt, dem wird dieses Schwert an seinen Hals 
geben. So heisst es Ex. 24, 6: „Und Mose nahm die Hälfte des 
Blutes." Woher wusste Mose, dass es gerade die Hälfte des Blutes 
war? R. Jehuda bar R. Hai sagte: Das Blut hat sich von selbst 
getheilt, R. Nathan sagte: Sein Aussehen (seine Farbe) wurde ver- 
ändert, die eine Hälfte wurde schwarz, die andere roth, bar Kapra 
sagte: Ein Engel kam in Mose Gestalt herab und theilte es. Nach 
R. ]izchak erscholl eine Himmelsstimme vom Berge Horeb her und 
rief: Bis hier geht die Hälfte des Blutes. R« Ismael hat gelehrt: 
Mose war mit den Regeln (Halachot) des Blutes vertraut und 
thcUte es. „Er that es in Becken." R. Huna im Namen des R. 
Abin sagte: Es steht nr^Mn geschrieben, womit angedeutet wer- 
den soU, dass der eme Theil nicht grösser war als der andere. Da 
sprach Mose vor Gott: Was soll mit deinem Theile werden? Gott 
sprach m ihm: Sprenge ihn auf das Volk. Und was soll mit 
ihrem Theile geschehen? Er antwortete: Sprenge ihn auf den 
Altar! „Und die Hälfte des Blutes sprenge auf den Altar." R. 
Berachja und R. Giija sagten im Namen des R. Jose bar Chanina: 
Er schwur ihnen und sie schwuren ihm zu, er schwur ihnen zu s. 
Ezech. 16, 8: „Ich schwur dir und ging mit dir ein Bündniss 
ein;" und sie schwuren ihm zu s. Deut. 29, 12: „Um dich zu ver- 
pflichten zu dem Bund des Ewigen, deines Gottes, und zu seinem 
Fluche." Und woher lässt sich beweisen, dass unter nb« nichts 
anderes als nriniD, Schwur zu verstehen ist? R. Nechemja und R. 
Nachman von Jappo im Namen des R. Jacob von Cäsarea weisen 
auf Num. 5, 21 hin, wo es heisst: „Und der Priester beschwöre das 
Weib mit dem Schwüre des Fluches." Und als sie (die Israeliten) 
die Bedingungen vom Berge Sinai übertreten hatten, sprach Gott 
zu ihnen Lev. 26, 16: „Auch ich werde gegen euch so thun." R. 
Pinchas sagte: Es heisst Hos. 6,7: „Sie haben den Bund wie Adam 
übertreten," aber hier steht: „Denn ich bin Gott und kein Mensch." 
R. Ahaba bar Sera sagte: Es steht geschrieben Thren. 2,17: „Der 
Ewige hat gethan was er gedacht," wie in der Thora Lev. 26, 18 
geschrieben steht: „Ich züchtige euch noch siebenmal mehr wegen 
eurer Sünden." Und so soll er gethan haben? Gott behüte! son- 
dern er hat sein Wort getheilt. Was heisst r^n, er hat sein 
Wort getheilt Er hat einen Ausgleich gemacht. R. Jacob vom 
Dorfe Chanin erklärt r^l im Sinne von :?Tn: er zerriss den 



44 Par. VI. Cap. V. 1. 

Purpur (wie ein Trauernder).*) R. Berachja beweist es aus dem 
Satze das.: „Ich werde über euch bringen das rächende Schwert, 
welches den Bund rächt." R. Chija hat gelehrt: Es giebt eine 
Rache wegen des Bundes und auch eine, die nicht des Bundes 
wegen ist. Welches ist die Rache, die nicht des Bundes wegen ist? 
R. Asarja und R. Acha sagten im Namen des R. Jochanan: £s 
ist hier die Blendung der Augen des Königs von Jehuda zu ver- 
stehen, wie es heisst Ezech. 17, 19: „So sprach der Ewige, Gott: 
So wahr ich lebe, ich will meinen Eid, den er verachtet, auf sein 
Haupt bringen!" „Ich will meinen Eid" d. i. den Schwur, wel- 
chen er dem Nebucadnezar geschworen, „und meinen Bund, 
den er gebrochen" d. i. meinen Bund auf dem Berge Sinai, „auf 
sein Haupt bringen." Und den ganzen übrigen Körper hat er nicht 
geschlagen? R. Samuel bar Nachman im Namen des R. Jonathan 
bemerkte: Darunter ist die Blendung der Augen zu verstehen, die 
sich am Kopfe befinden. Und als sie nun nach Babylon wanderten, 
sprachen sie zu Nebucadnezar Dan. 3, 16: „Nebucadnezar: Wir 
haben nicht nÖthig, dir auf diese Sache zu antworten." V. 17: 
„Siehe, unser Gott, dem wir dienen, vermag uns zu retten." V. 18: 
„Wenn aber nicht, so sollst du wissen, o König, dass wir deinen 
Göttern nicht dienen." Gott sprach aber zu ihnen Sach. 9, 11: 
„Und wegen des Blutes deines Bundes" d. i. ich erinnere mich des 
Blutes am Sinai und darum „lasse ich deine Gefangenen los aus 
der Grube, in der kein Wasser ist." R. Pinchas sagte: Es ist nicht 
mehr hier s. Ps. 79, 3 : „Sie vergossen ihr Blut wie Wasser, rings um 
Jerusalem." „Und es ist ein Zeuge da" d. i. Israel s. Jes. 43, 8: „Ihr seid 
meine Zeugen, spricht der Ewige, giebt es einen Gott ausser mir?" 
„Sei es, dass er es gesehen hat" s. Deut. 4^35: „Du hast es gesehen, 
um zu erkennen, dass der Ewige Gott ist;" „sei es, dass er es weiss" 
s. das« V. 39: „So erkenne heute und nimm es zu Herzen, dass der 
Ewige Gott ist." Es heisst Lev. 5, 4: „Wenn er es nicht anzeigt 
und seine Schuld trägt" d. i. wenn ihr meine Gottheit nicht den 
Völkern der Welt verkündet, so bestrafe ich euch. Wann ? S. Jes. 8, 19 ; 
„Und wenn sie zu euch sprechen: Befraget die Todtenbeschwörer." 
R. Simon sagte: Beri hat nur zwei Verse prophezeit und da es an 
Zahl so wenig waren, so sind sie den Weissagungen des Jesaia ein- 
verleibt worden. Es sind diese: „Wenn sie zu euch sprechen" 
u. s. w. R. Jochanan sagt: Jeder Prophet, dessen Name sowohl 
wie der Name seines Vaters deutlich angegeben wird, war ein Pro- 
phet und der Sohn eines Propheten; jeder Prophet aber, dessen 
Name nicht deutlich angegeben ist und auch nicht der seines 
Vaters, — da war er wohl ein Prophet, aber nicht sein Vater. R. 
Eleasar im Namen des R. Jose bar Simra beweist es aus Folgendem. 
Es heisst Esra 5, i: „Es weissagten Haggai, der Prophet und 
Sacharja, Sohn Iddos, die Propheten." Da war er sowohl ein 

•) D. i. er Hess durch Titus den Tempelvorhang zerschneiden. 



Par. V. Cap. V, i. 45 

Prophet, als auch der Sohn eines Propheten. Die Rabbinen sagen 
aber: Sein Name mag angegeben sein oder nicht, er sowohl wie 
sein Vater war ein Prophet So hat Arnos zu Amazia gesagt s. 
Am. 7, 13: „Ich bin nicht ein Prophet und auch nicht der Sohn 
eines Propheten.'* Sowie dieser ein Prophet war und doch sagt: 
Ich bin kein Prophet, so war auch sein Vater ein Prophet, obwohl 
er sagt: und ich bin nicht der Sohn eines Propheten. So heisst es 
einmal: „Jesaia, Sohn Amoz, der Prophet spricht,'* und einmal heisst 
es wieder: „Jesaia, der Prophet, Sohn Amoz spricht,*' das zeigt an, 
dass er ein Prophet und der Sohn eines Propheten war. £s heisst 
Jes. 8, 19: „Soll nicht ein Volk seinen Gott befragen?** d. i. bückt 
sich nicht jede Nation und jede Zunge vor ihrem Gott? „Die wie 
Vogel zwitschern** d. s. die Streitsüchtigen (Häretiker), „die wie 
Thiere brummen** d. s. die TodtenbeschwÖrer. „Soll nicht jedes 
Volk seinen Gott befragen?** d. i. jedes Volk und jede Zunge er- 
wähnt ihres Gottes, die Lebenden bei den Todten. R. Levi sagte: 
Gleich einem Vater, der seinen Sohn verloren hatte und ging, um 
ihn zwischen den Gräbern zu suchen. Es war aber daselbst ein 
Kluger, der ihn sah und ihn fragte: Ist dein Sohn, welchen du ver- 
loren, lebendig oder todt? Er lebt, antwortete er. Du Thor, ver- 
setzte der Kluge, werden denn die Todten bei den Lebenden oder 
die Lebenden bei den Todten gesucht? Ueberall können die 
Lebenden für die Bedürfnisse der Todten etwas thun, können aber 
diese für die Bedürfnisse der Lebenden etwas thun? So auch unser 
Gott, er lebt, besteht in Ewigkeit, wie es heisst Jerem. 10, 10: „Und 
der Ewige ist ein Gott der Wahrheit.*' Was heisst n?2«? R. Abin 
sagte: Er ist Gott des Lebens und König der Welt, aber die Götter 
der Völker der Welt sind todte Wesen, wie es heisst Ps. 115, 5. 6: 
„Sie haben einen Mund und reden nicht, Augen und sehen nicht, 
Ohren und hören nicht,** kurz, sie sind todt, und wir sollten den 
ewig Lebenden lassen und Todten huldigen? Jes. 8, 20: „Zum Ge- 
setz und zum Zeugniss.** Die Thora zeugt doch gegen uns: „Wahr- 
lich gleich diesem Worte werden sie sprechen, in welchem keine 
Morgenröthe (kein Sinn) ist.** R. Jochanan und R. Simeon ben 
Lakisch. R. Jochanan sagte: Gott sprach zu den Israeliten: Meine 
Kinder! saget den Völkern der Welt, es ist keine Morgenröthe (kein 
Sinn) in dieser Sache, ich lasse euch auch kein Licht aufgehen. R. 
Simeon ben Lakisch sagte: Gott sprach zu den Israeliten: Saget den 
Völkern der Welt: Er (ihr Gott) hat keine Morgenröthe, denn wenn 
er sich selbst nicht leuchten kann, wie will er denn andern leuchten? 
R. Abba bar Kahana sagte: Finsterniss und Dunkel währte im 
Lande Aegypten drei Tage lang, wie es heisst Ex. 10, 22: „Da ward 
Finsterniss und Dunkelheit im ganzen Lande Aegypten; ** Verwüstung 
und Verödung aber finden in dieser Welt nicht mehr statt. Wo 
denn? Sie werden erst einst sem in der grossen Stadt Rom, wie 
es heisst Jes. 34, ii: „Er legt an die Messschnur der Verwüstung 
und das Senkblei der Verödung.** Die Rabbinen sagen: Von den 



46 Par. Vir. Cap. VI, 9. 

Völkern der Welt, welche die Thora nicht angenommen, die aus 
der Finsterniss gegeben worden ist, heisst es das. Jes. 60, 2: „Und 
siehe, Finsterniss deckt die Erde,*' aber von den Israeliten, welche 
die aus der Finsterniss gegebene Thora angenommen haben, heisst 
es Deut. 5, 23: „Es geschah, als sie hörten die Stimme aus der 
Finsterniss." Auf sie sagt Jes. 60, 2: „Ueber dir geht der Ewige 
auf und seine Herrlichkeit erscheint über dir." 

Parascha 7. 

C. VI, 9. Befiehl Aaron und seinen Söhnen und sprich: 
das ist das Gesetz des Brandopfers. In Verbindung mit Prov. 
10, 12: „Hass erregt Zank" u. s. w. Der Hass, der bei Ge- 
legenheit der Fertigung des Kalbes zwischen den Israeliten und 
ihrem Vater im Himmel erweckt wurde, hat vielerlei Rechtsvor- 
schriften hervorgerufen. Denn R. Samuel bar Nachman hat ge- 
sagt: Beinahe neunhundert Jahre bestand der Hass zwischen den 
Israeliten und ihrem himmlischen Vater, nämlich von dem Tage 
ihres Auszugs aus Aegypten bis zu dem Jahre, wo sie in den 
Tagen Ezechiels aufgeweckt worden sind. So heisst es Ezech. 20, 7: 
„Ich sprach zu ihnen: „Ein jeder werfe von sich die Gräuel seiner 
Augen." Sie haben aber nicht so gethan, sondern das. V. 8: „Sie 
waren widerspenstig gegen mich und wollten nicht auf mich hören." 
Allein ich verfuhr mit ihnen (gnädig), um meines grossen Namens 
willen, damit er nicht entheiligt werde," wie es heisst das.: „Aber 
ich verfuhr um meines grossen Namens willen" u. s. w. Es heisst 
Prov. 10, 12: „Alle Vergehungen aber deckt die Liebe," mit welcher 
Gott die Israeliten geliebt hat, wie es heisst Male, i, 2: „Ich liebte 
euch, spricht der Ewige." 

Oder: „Hass erregt Zank" d. i. der Hass, den Aaron zwischen 
den Israeliten und ihrem himmlischen Vater erlegte, rief vielerlei 
Rechtsvorschriften hervor. R. Asi sagte: Daraus geht hervor, dass 
Aaron ihr Opfer (was sie dem Kalbe dargebracht) nahm und vor 
sie stellte und zu ihnen sprach: Wisset, dass gar nichts Wesent- 
liches an ihm ist. Das ist es, was auch Mose zu Aaron gesagt 
hat s. Ex. 32, 21: „Was hat dir dieses Volk gethan?" Darauf ant- 
wortete Aaron: Es ist ihnen besser, dass sie als Irrende, als dass 
sie als vorsätzliche Sünder gerichtet werden. Das sagte auch Gott 
zu Mose s. das. V. 33: „Wer sich gegen mich vergangen hat, den 
will ich aus meinem Buche löschen," was auch Deut. 9, 20 gesagt 
ist: „Und über Aaron zürnte der Ewige sehr und wollte ihn ver- 
tilgen." R. Josua von Sichnin sagte im Namen des R. Levi: Unter 
m73CJi ist hier nichts anderes als "^ib-^D das Aufreiben (Vernichten) 
der Söhne und Töchter zu verstehen, sowie es heisst Am. 2, 9: „Ich 
vertilge ihre Frucht von oben und ihre Wurzel von unten." „Alle 
Vergehungen deckt die Liebe" d. i. das Gebet, was Mose für ihn 



Par. VII. Cap. VI, 9. ^y 

gethan hat Was betete Mose für ihn? R. Mana von Schaab und 
R. Josua von Sichnin sagten im Namen des R. Levi. Vom An- 
fange des Baches bis hierher steht Lev. i, 7: „Und die Söhne 
Aarons sollen anrichten/' das. V. 5: „Die Söhne Aarons sollen 
sprengen,** das. V. 8: „Die Söhne Aarons sollen geben.** Mose 
sprach nämlich vor Gott: Die Grube ist verhasst (hässlich), ihr 
\Vasser aber ist lieblich, du hast dem Holze wegen ihrer Kinder 
Ehre erwiesen. £s ist nämlich gelehrt worden: Alle Holzarten von 
dort sind tauglich für den Altardienst, nur nicht das Holz vom 
OHvenbaume und Weinstock, und dem Aaron willst du nur wegen 
seiner Söhne Ehre erweisen? Darauf antwortete Gott: Bei deinem 
Leben! um deinetwillen will ich ihn nähern, und nicht nur das, 
ich will ihn zur Hauptsache und seine Söhne zur Nebensache 
machen. Darum heisst es hier: „Befiehl dem Aaron und (dann) 
seinen Söhnen also.** Es heisst Ps. 51, 19: „Die Opfer, die Gott 
gefallen, sind ein zerbrochener Geist** u. s. w. Hierüber sind Sabdai 
ben Levi, R. Jose ben Partas und die Rabbinen verschiedener 
Meinung. Der Eine sagte: David sprach vor Gott: Ich habe meine 
Leidenschaft bezwungen und Busse vor dir gethan, nimmst du mich 
in der Busse an, siehe, so erkenne ich, dass mein Sohn Salomo 
erstehen, das Heiligthum bauen, den Altar errichten und darauf die 
in der Thora vorgeschriebenen Opfer darbringen wird. Und das 
wird aus diesem Verse bewiesen: „Die Opfer Gottes sind ein zer- 
brochener Geist.** Der andere sagte: Woher lässt sich beweisen, 
dass derjenige, welcher Busse thut, so angesehen wird, als wenn er 
nach Jerusalem hinaufgegangen wäre und daselbst den Tempel 
erbaut, den Altar errichtet und die in der Thora vorgeschriebenen 
Opfer dargebracht hätte? Aus jenem Verse: „Die Opfer Gottes 
sind ein zerbrochener Geist.** Die Rabbinen sagen: Woher lässt 
sich beweisen, dass der Vorbeter (wenn er vor das Betpult tritt) des 
Tempeldienstes und der Opfer erwähnen und sich dabei verbeugen 
muss? Aus dieser Beracha: Möge es dir gefallen, unser Gott, bald 
in Zion zu thronen, dass deine Kinder dir dort dienen! Das findet 
auch eine Stütze in jenem Verse: „Die Opfer Gottes sind ein zer- 
brochener Geist** R. Abba bar Judan sagte: Alles was Gott am 
Thiere verworfen hat, hat er am Menschen für tauglich erklärt. 
Am Thiere hat er die Felle, das Zerbrochene, Zerrissene und mit 
Blattern Behaftete verworfen und am Menschen hat er das ge- 
brochene und zerstossene Herz für tauglich erklärt. R. Alexandri 
sagte: Wenn der gemeine Mensch sich zerbrochener Gefasse (Ge- 
rätbe) bedient, so gereicht es ihm zur Schande, aber Gott liebt das 
Bedienen mit zerbrochenen Gefassen, wie es heisst Ps. 34, 19: „Nahe 
ist der Ewige den gebrochenen Herzen" vergl. Ps. 147, 3: „Er heilt 
die gebrochenen Herzen,** desgl. Jes. 57, 15. „Hoch throne ich und 
bin auch bei dem zerschlagenen und gebeugten Gemüthe," und 
obigen Vers: „Die Opfer Gottes sind ein zerbrochenes Herz.** 
R. Abba bar Judan im Namen des R. Juda bar Rab Simon sagte: 



48 Par. VII. Cap. VI, 9. 

Gleich einem König, welcher durch die Wüste reiste, da kam sein 
Freund und verehrte ihm einen Korb mit Feigen und ein Fass mit 
Wein. Das ist eine grosse Ehre, sprach der König zu ihm. Mein 
Herr König! erwiederte der Freund, ich habe dich für die Stunde 
(diesen Augenblick) geehrt. Wenn du wirst in deinem Palaste sein, 
dann sollst du erst sehen, womit ich dich ehre. So sprach auch 
Gott zu den Israeliten: „Dies ist die Thora, das Brandopfer betref- 
fend." Da sprachen die Israeliten vor ihm: Herr der Welten! wir 
bringen dir nur für den Augenblick Opfer dar, „wenn du aber Zion 
wohlthun wirst nach deiner Gnade und bauen wirst die Mauern 
Jerusalems, dann wirst du an Opfern der Gerechtigkeit Gefallen 
finden, an Brandopfern und Ganzopfem" s. Ps. 51, 20, 21. R. Simeon 
ben Jochai hat gesagt: Ein Brandopfer wird nur wegen sündhafter 
Gedanken gebracht. Hierzu dient nach R. Levi als Beweis Ezech. 
20, 32. Von wem kannst du das lernen? Von Hiobs Söhnen. Erst 
heisst es Hi. i, 4: „Seine Söhne gingen und machten ein Gastmahl." 
R. Me'i'r sagte: So pflegen Königssöhne ihre Brüder und Schwestern 
mit sich zu einem Mahle zu laden. R. Tanchum bar R. Chija 
sagte: Um sich mit ihnen zu gesellen, gingen sie, dass sie sich 
verheirathen sollten. Da steht auch das« V. 5: „Als die Tage des 
Mahles um waren, da sandte Hiob hin und verheirathete sie." Nach 
der Meinung des R. Tanchum bar R. Chija, welcher gesagt hat, dass 
sie sich verheirathen sollten, gesellten sie sich zu ihnen, und sie gingen. 
Nach der Meinung des R. Mei'r, welcher gesagt hat, dass Königs- 
söhne ihre Brüder und Schwestern zum Festmahl einzuladen pflegen, 
wie es heisst Ex. 19: „Und zum Volke sollst du sagen: Heiligt 
euch!" „machte er sich früh auf und opferte Brandopfer". R.Judan 
bar Chilphai sagte: Es ist die Frage, ob die Zahl sich auf die Tage be- 
zieht, oder auf seine (Hiobs) Söhne und Töchter, oder auf die Zahl 
aller Opfer, welche in der Thora verzeichnet sind, sowie es (in letzterer 
Beziehung) heisst Hi. i, 5: „Hiob dachte: Vielleicht haben meine 
Söhne gesündigt und Gott in ihrem Herzen den Abschied gegeben/' 
denn ein Brandopfer wird doch nur wegen sündhafter Gedanken 
dargebracht. R. Acha im Namen des R. Chanina bar Papa sagte: 
Damit die Israeliten nicht sprechen: Früher haben wir Opfer ge- 
bracht und sind damit beschäftigt gewesen, jetzt, wo die Opfer in Weg- 
fall gekommen, womit sollen wir uns nun beschäftigen? Darauf ant- 
wortete Gott: Da ihr euch damit beschäftigt habt, so gilt mir das 
so, als hättet ihr die Opfer dargebracht. R. Huna sagte zwei 
Dinge: Die Zerstreuten werden nur im Verdienste der Mischnajot 
versammelt (weil sie sich mit den die Opfer behandelnden Mischnas 
beschäftigen). Warum? S. Hos. 8, 10: „Selbst wenn sie dingen 
unter den Völkern, werde ich sie versammeln." R. Huna sagte 
aber noch ein anderes: Es heisst Mal. i, 11: „Denn vom Sonnen- 
aufgang bis zum Untergang ist mein Name gross unter den Völkern." 
Ueberall wird geräuchert und dargebracht. Gab es denn in Ba- 
bylon ein reines Speisopfer und eine Hand voll und Räuchern? 



Par. Vn. Cap. VI, 9. 



49 



Was ist das (was ist darunter zu verstehen)? Die Mischna. Gott 
sprach: Da ihr euch mit der Mischna beschäftigt, so sehe ich das 
so an, als brächtet ihr thatsächlich Opfer. Samuel sagte: £s heisst 
£zech. 43, 11: „Wenn sie sich schämen alles dessen, was sie gethan 
haben/' Giebt es denn eine Darstellung (Form) des Hauses bis 
jetzt? Allein Gott sprach: Wenn ihr euch nur (in den Gedanken) 
damit beschäftigt, so gilt das mir, als wenn ihr es (das Haus) 
bautet. R. Asi sagte: Warum fangt man den Schriftunterricht für 
die Kinder mit der Priesterthora (Leviticus) an und nicht mit 
Bereschit (dem ersten Buche Mose)? Weil die Kinder rein sind 
und die Opfer rein sind, so mögen die Reinen kommen und sich 
mit den Reinen beschäftigen. R. Abba bar Kahana und R. Chanan 
sagten beide im Namen des R. Asarja vom Dorfe Chittaja (Weizen- 
dorf): Gleich einem Könige, welcher zwei Köche hatte, der eine von 
ihnen bereitete ihm eine Speise, er ass sie und sie war ihm an- 
genehm, auch der zweite bereitete ihm eine Speise, er ass sie und 
sie war ihm angenehm. Nun wissen wir nicht, welche von beiden 
ihm angenehmer war. Da er aber dem zweiten Koche auftrug: 
Bereite mir auch ferner eine Speise wie diese, so wissen wir, dass 
die Speise des zweiten Kochs ihm besser geschmeckt hat. Ebenso 
brachte Noach ein Opfer dar, welches Gott angenehm war, wie es 
heisst Gen. 8, 21: „Und Gott roch den angenehmen Duft;*' auch 
die Israeliten brachten ein Opfer dar, welches Gott angenehm war 
(s. Ex. 24, 5), nun wissen wir nicht, welches von beiden ihm an- 
genehmer gewesen ist. Da er aber den Israeliten befahl und zu 
ihnen sprach Num. 28, 2: „Einen lieblichen Geruch bewahret, mir zu 
opfern,'* so wissen wir, dass das Opfer der Israeliten ihm angenehmer 
war. Das sagt auch Mal. 3, 4: „Angenehm ist dem Ewigen die 
Gabe Judas und Jerusalems wie in den Tagen des Alterthums und 
wie in den Jahren der Vorzeit.'* „Wie in den Tagen des Alterthums" 
d. i. in den Tagen Moses, „und wie in den Jahren der Vorzeit" d. i. 
wie in den Jahren Salomos. Rabbi sagte: „Wie in den Tagen des 
Alterthums" d. i. wie in den Tagen Noachs, „und wie in Jahren der 
Vorzeit" d. i. wie in den Tagen Abels, weil es in seinen Tagen 
noch keinen Götzendienst gab. R. Abin sagte zweierlei. Gleich 
einem Könige, führte R. Abin zuerst als Beispiel an, welcher auf dem 
Sopha (Throne) lehnte und welchem man eine Speise brachte, die er 
ass und die ihm so wohl schmeckte, dass er die Schüssel auskratzte. 
So heisst es Ps. 66, 15: „Brandopfer der Auskratzenden (D'^n^)*) 
opfere ich dir" d. i. wie der, welcher die Schüssel auskratzt. 
R. Abin sagte ferner: Gleich einem Könige, welcher in einer 
Wüste reiste. Als er den ersten Stationsort erreicht hatte, ass und 
trank er daselbst, am zweiten Stationsorte, den er erreichte, ass er 
und trank er und brachte auch die Nacht daselbst zu.**) So ver- 



•) So deutet der Midr. die Stelle. 
**) Mithin gefiel es ihm hier besser. 

Wünsche, Midrasch Wajikra. 



50 



Par. VII. Cap. VI, lO. 



hält es sich auch mit dem Brandopfer: „Das ist das Gesetz des 
Brandopfers. Das Brandopfer soll auf dem Altar die ganze Nacht 
bis zum Morgen bleiben." Daraus geht hervor, dass das Brandopfer 
völlig in Feuer aufging. 

Und das Feuer des Altars soll in ihm (na) brennen. 
R. Pinchas sagte: Weil es nicht heisst: das Feuer des Altars soll 
auf ihm (v^y) brennen, sondern: „es soll in ihm (n:i) brennen," 
so geht daraus hervor, dass das Feuer von ihm (dem Altar) ver- 
zehrt wurde (dass der Altar über das Feuer herrschte). Im Namen 
des R. Nechemja ist gelehrt worden: Beinahe ii6 Jahre wurde das 
Feuer in ihm (dem Altar) verzehrt, sein Holz verbrannte nicht und 
das Kupfer schmolz nicht. Wenn du denken solltest, es sei darum 
nicht geschmolzen, weil er (der Altar) mit einer dicken Platte be- 
legt war, so ist im Namen des R. Hosaja gelehrt worden: £s war 
so dünn, wie ein gordinischer Denar. Ebenso verhält es sich nach 
R. Simeon ben Lakisch mit dem Altar des Räucherwerks, wie es 
heisst Ex. 30, i: „Und mache mir einen Rauchaltar." Es heisst 
nicht: m*nüp3 ^üpnö, einen Altar, womit Räucherwerk geräuchert 
wird, sondern: n*mC3p *nt:p73, der Räucherwerk räuchert d. i. der Altar 
zündete das Räucherwerk (von selbst) an. Rab sagte: Es heisst 
nicht I. Reg 19, 21: «nicnr» b«nr3 ^pan "^b^an, und in den Gefassen 
der Rinder wurde das Fleisch gekocht, sondern: cbttJa *npnti "^^Däi, 
durch die Gefasse der Rinder kochte er das Fleisch" d. i. das 
Fleisch kochte die Geräthe. R. Levi sagte: Damit wird uns eine 
schöne Lehre gegeben, dass jeder Stolze nur durch Feuer gerichtet 
wird, wie es heisst: „Das Ganzopfer bleibe auf der Brandstelle." 
So wurde das Geschlecht der Fluth, welches sich brüstete und 
sprach HL 21, 11: „Wer ist der Allmächtige, dass wir ihm dienen 
sollten?" nur durch Feuer gerichtet, wie es heisst Hi. 6, 17: „Zur 
Zeit, wo sie von der Glut getroffen wurden (wo sie sotten) ver- 
schwanden sie. R. Josua ben Levi sagte: „Ihr (der siedenden) 
Fluthen) Aufwallen geschah zu völliger Vernichtung vergl. Lev. 
25, 30: „Zur Vernichtung (für immer) dem Käufer." Es heisst Hi. 
6, 17: '„In der Hitze versiegen sie von ihrer Stelle." Was heisst 
löins? Im Süden. R. Jochanan sagt: Jeder Tropfen, welchen Gott 
über das Geschlecht der Fluth brachte, sott in der Hölle, wie es 
heisst: „In der Hitze versiegen sie von ihrer Stelle." Die Sodo- 
miten wurden, weil sie sich stolz erhoben und sprachen: Wir haben 
die Feste aus unsrer Mitte vergessen, wie es heisst das. 28, 4: „Es 
bricht ein Strom hervor von dem Orte, wo man wohnet," nur mit 
Feuer gerichtet s. Gen. 19, 24: „Und der Ewige Hess Schwefel und 
Feuer regnen über Sodom." Ebenso wurde Pharao, der Frevler, 
weil er sich brüstete und sprach Ex. 5, 2: „Wer ist der Ewige, 
dessen Stimme ich gehorchen soll?" nur mit Feuer gerichtet s. das. 
9, 24: „Und es fiel Hagel und Feuer mitten im Hagel." Ebenso 
war es mit Sissera, dem Frevler, der Fall. Weil er sich erhob und 
die Israeliten bedrängte, wie es heisst Jud. 4, 3; „Er bedrückte die 



Par. VIII. Cap. VI, i8. ^I 

Kinder Israels mit Gewalt?" — Was heisst npina? R. Jizchack 
sagte: Mit Schmähungen und Lästerungen — so wurde er auch nur 
mit Feuer gerichtet s. das. 5, 20: ,,Und die Sterne aus ihren Bahnen 
stritten mit Sissera." Ebenso wurde Sancherib, weil er sich er- 
hob und sagte Jos. 36, 20: „Wer ist unter allen Göttern dieser 
Länder?" nur mit Feuer gerichtet s. das. 10, 24: „Unter seiner Ehre 
brennt ein Brand." Auch Nebucadnezar wurde dadurch, dass er 
sich erhob und sagte Dan. 3, 15: „Wer ist der Gott, der euch 
retten wird aus meiner Hand?" nur mit Feuer gerichtet. Das. 
V. 22: „Sie (die Männer) wurden von der Flamme des Feuers ge- 
tödtet." Die frevelhafte Herrschaft, dadurch dass sie schmäht und 
lästert und spricht Ps. 73,25: „Wen hab ich im Himmel?" wird nur 
mit Feuer gerichtet werden s. Dan. 7, 11: „Ich schaute, bis dass das 
Thier getödtet und sein Leib umgebracht und in den Brand des 
Feuers geworfen ward." Allein die Israeliten, wenn sie auch in 
«dieser Welt verachtet und herabgewürdigt sind, werden einst nur 
mit Feuer getröstet werden, wie es heisst Sach. 2, 5: „Ich werde 
ihr sein, spricht der Ewige, eine Feuermauer ringsum." 



Parasch/l Vin. 

Cap. VI, 18. Das ist das Opfer Aarons und seiner Söhne. 
R. Levi begann mit Anknüpfung an Ps. 75,8: „Ja, Gott ist Richter." 
Eine Matrone fragte den R. Jose bar Chalaphtha: „In wieviel 
Tagen hat Gott seine Welt erschaffen? Er antwortete: In sechs 
Tagen, denn so heisst es Ex. 31, 17: „Denn in sechs Tagen hat der 
Ewige den Himmel und die Erde erschaffen." Sie sprach: Was 
macht er von jener Stunde bis jetzt? Er sprach: Er stiftet Ehen, 
er bestimmt, das Weib des und des kommt an den und den, die 
Tochter des und des kommt an den und den, das V'^ermögen von 
dem und dem kommt an den und den. Das also ist es, fuhr sie 
fort, auch ich kann so thun. Wie viele Knechte, wie viele Mägde 
habe ich nicht? Ich kann sie alle in einer Stunde mit einan- 
der verbinden. Der Rabbi erwiederte: Wenn es auch in deinen 
Augen etwas Geringes ist, vor Gott ist es aber so schwer 
(wichtig), wie das Spalten des Schilfmeeres. Er Hess sie gehen 
und ging seines Wegs. Was machte sie? Sie liess ihre tausend 
Knechte und tausend Mägde kommen, stellte sie in Reihen und 
sprach: Dieser hier heirathe jene und jener diese, kurz, sie verband 
sie in einer Nacht Am Morgen kamen sie zu ihr, der eine hatte 
eine Wunde, dem andern war sein Auge ausgeschlagen, dem 
dritten die Achseln zerschmettert, dem vierten war das Knie zer- 
brochen und dieser sprach: Ich will jene nicht und jener sprach: 
Ich will diese nicht Die Matrone liess sofort den R. Jose bar 
Chalaphtha kommen und sprach zu ihm: „Rabbi, eure Lehre (Thora) 
ist wahr, schön und vortrefflich und alles, was du gesagt hast, hast 

4* 



52 Par. VIIL Cap. VI, i8. 

du schon gesagt (bewährt sich). Habe ich dir nicht gesagt, entgegnete 
er, wenn es auch in deinen Augen etwas Leichtes ist, vor Gott ist 
es so schwer (wichtig) wie das Spalten des Schilfmeeres, wie es 
heisst Jos. 68, 7: „Gott bevölkert der Einsamen Haus, er führt Ge- 
fangene in Gradheit (n^^öiDa)/* Was heisst m^^biDis? m^-^ißi -^sa, 
weinend und singend. Derjenige, welcher zufrieden (glücklich) ist^ 
singt und derjenige, welcher nicht zufrieden (unglücklich) ist, weint. 
Und was macht Gott? Er verbindet sie mit Zwang wider ihren 
Willen. Nach R. Berachja hat R. Jose bar Chalaphtha diese Antwort 
gegeben: Gott sitzt und macht Leitern, den einen erhebt er und den 
anderen lässt er sinken, wie es heisst Ps. 75: „Denn Gott richtet," 
den einen lässt er sinken, den andern erhebt er. R. Jona von 
Bozra wandte den Vers auf die Israeliten an: Mit dem Worte nt 
sind sie erniedrigt und mit dem Worte Sit auch erhöht worden. 
Mit dem Worte tiT sind sie erniedrigt worden s. Ex. 32, i: „Denn 
dieser (nt) Mann Mose," und mit dem Worte MT sind sie erhört 
worden s. das. 30, i. 3: „Das (nt) sollen sie geben, jeder der 
vorüberzieht." Die Rabbinen wandten den Vers auf Aaron an. 
Mit dem Worte nt ist er erniedrigt worden s. Ex. 31, 24: „Ich warf 
es ins Feuer und es ging dieses (Tilii) Kalb hervor," und mit dem- 
selben Worte MT ist er auch wieder erhöht worden, denn es heisst 
hier: „Dieses ist das Opfer Aarons und seiner Söhne." 

Oder: „Dies ist das Opfer Aarons." Das sagt auch die Schrift 
Jud. 14, 14: „Er (Simson) sprach zu ihnen (den Gästen): „Vom 
Fresser ging Speise hervor." R. Samuel bar Nachman sagte: Der 
heilige Geist fing an in Simson zu pochen (ihn anzutreiben). An 
drei Orten geschah das, wie es das. 13, 25 heisst: „Es fing der Geist 
des Ewigen an in ihm zu pochen, im Lager Dans zwischen Zarea 
und Eschthaol." Was heisst das: „Zwischen Zarea und Eschthaol?" 
R. Samuel bar Nachman sagt: Daraus geht hervor, dass Simson 
zwei Berge nahm und sie aneinander klopfte, wie ein Mensch, der 
zwei Bündel nimmt und sie aneinanderklopft. R. Jehuda sagte: 
In der Stunde, wo der heilige Geist auf ihm ruhte, machte er einen 
so weiten Schritt wie von Zarea nach Eschthaol (soweit diese Orte 
von einander entfernt sind). R. Nachman sagte: In der Stunde, wo der 
heilige Geist auf ihm ruhte, standen seine Haare und klopften an- 
einander wie eine Schelle, und ihr Laut ging so weit wie von Zarea 
bis Eschthaol. Als er nach Thimnath hinabkam, heisst es Jud. 14, 5: 
Und es stieg Simson und sein Vater nach Thimnath hinab . . . 
V. 19: und es gerieth über ihn der Geist des Ewigen, und er ging 
hinab nach Askalon ... 15, 14: „Er kam bis Lechi." Und als er 
von Timnath zurückkehrte, sprach er: Ich will doch gehen und ein 
Löwenaas sehen, wie es heisst das. 14, 8. 9: „Und als er zurückkehrte 
nach einigen Tagen, um zu nehmen . . . und er nahm es aus in 
seine Hände." Simson wunderte sich in seinem Herzen und sprach: 
Der Löwe verzehrt alle Thiere und jetzt kommt Speise von ihm: 
So verzehrte auch Aaron alle Opfer und jetzt geht ein Opfer von 



Par. VIII. Cap. VI, i8. 53 

ihm aus. Welches? „Das ist das Opfer Aarons und seiner Söhne." 
R. Idi sagte: David sehnte sich nach den Opfern der Fürsten, das 
steht auch Ps. 66, 15: „Brandopfer von Mastvieh** u. s. w. Welches 
Opfer wird von Stieren, Widdern und Lämmern dargebracht? Das 
ist das Opfer der Fürsten, wie es heisst Num. 7, 17: „Und zum 
Friedensopfer" u. s. w. R. Jehuda und R. Nachman und die 
Rabbinen. R. Jehuda sagt: Das Opfer der Fürsten ist vor Gott 
so beliebt wie das Lied, was die Israeliten am Meere gesungen 
haben. Das Lied, welches die Israeliten am Meere gesungen s. £x. 
15, 2: „Dieser ist mein Gott, ihn will ich verherrlichen," und so 
heisst es auch (bei dem Opfer der Fürsten) Num. 7, 17: „Das (nt) 
ist das Opfer Nachsehens, des Sohnes Amminadabs." R. Nachman 
sagte: Das Opfer der Fürsten ist vor Gott so beliebt, wie die beiden 
Bundestafeln. Von den beiden Bundestafeln heisst es £x. 32, 15: 
„Von dieser und von jener Seite (.-7T731 nT?3) waren sie beschrieben," 
und hier bei dem Opfer der Fürsten heisst es auch: „Dies (m) ist 
das Opfer Nachsehens, des Sohnes Amminadabs." Die Rabbinen 
sagten: Aarons Opfer war vor Gott so beliebt wie das Opfer der 
Fürsten. Bei den Opfern der Fürsten heisst es: „Das (ni) ist das 
Opfer Nachschons, des Sohnes Amminadabs," und hier heisst es 
auch: „Das (nt) ist das Opfer Aarons." R. Berachja sagte: Aarons 
Opfer war vor Gott so beliebt, wie die zwölf Stamme. Warum? 
Weil das Wort m in der Zahl 12 hat, denn T ist 7 und n ist 5. 

das Zehntel eines £pha. An dem Tage, wo er gesalbt wird, 
bringt er ein Zehntel eines Epha. Daraus geht hervor, sagte R. Jo- 
chanan im Namen des Simeon ben Jehozadok, dass ein Zehntel 
eines Epha die Priesterweihe Aarons und seiner Söhne aufhalten kann. 

feines Mehl als beständiges Speisopfer. Komm und 
sieh, sagte R. Josua von Sichnin im Namen des R. Levi, wie sehr 
Gott das Geld der Israeliten schont; er sprach zu ihnen: Wer sich 
verschuldet hat und ein Opfer bringen soll, bringe es vom Rind- 
vieh: „wenn sein Opfer ein Brandopfer ist," und wenn er nichts vom 
Rindvieh findet, so bringe er ein Schaf: „wenn von den Schafen," 
und wenn er von Schafen nichts findet, so bringe er von den 
Ziegen: „und wenn von Ziegen," und wenn« er von den Ziegen nichts 
findet, so bringe er von den Vögeln: „und wenn von Vögeln seine 
Opfergabe ist," und wenn er auch von Vögeln nichts findet, so 
bringe er „feines Mehl zu einem beständigen Speisopfer," und nicht 
nur das allein, sondern alle Opfer können nicht zur Hälfte gebracht 
werden (d. h. früh und abends eine Hälfte), dieses Opfer aber konnte 
zur Hälfte dargebracht werden (wie es heisst): die Hälfte des- 
selben am Morgen und die andere Hälfte am Abend, und 
nicht nur das, sondern wer ein solches bringt, den sieht die Schrift 
so an, als hätte er ein Opfer von einem Ende der Welt bis zum 
andern gebracht, wie es Mal. i, 11 heisst: „Denn von Sonnenaufgang 
bis zum Sonnenuntergang ist mein Name gross unter den Völkern, 
allerorten wird geräuchert, dargebracht meinem Namen" u. s. w. 



^4 Par. IX. Cap. VIF, ii, 

Parascha IX. 

Cap. VII, II. Und das ist die Verordnung in Betreff des 
Friedensopfers, das man dem Ewigen darbringt. Das sagt 
auch die Schrift Ps. 50, 23: „Wer Dank opfert, ehrt mich." Es 
steht hier nicht: Wer ein Sund- oder Schuldopfer darbringt, sondern: 
„wer Dank opfert." Warum? Ein Sündopfer sowohl wie ein Schuld- 
opfer bringt man wegen einer begangenen Sünde, das Dankopfer 
aber wird nicht wegen einer Sünde, sondern wegen des Dankes 
dargebracht. 

Oder: „Wer Dank opfert, ehrt mich." Das geht auf Achan, 
welcher seine Begierde mit einem Bekenntniss (m^ri) opferte (sich 
durch ein Bekenntniss überwand) s. Jos. 7, 19. 20: „Und Josua 
sprach zu Achan: Mein Sohnl gieb doch dem Ewigen die Ehre 
. . . und Achan bekannte gegen Josua." „Und wer auf seinen 
Wandel aufmerksam ist," er hat nämlich dem Bussfertigen den 
Weg gezeigt s. i. Chron. 2, 6: „Und die Söhne Serachs: Simri und 
Ethan und Heman und Kalkol und Dara, alle zusammen fünf." 
„Simri." R. Josua ben Levi sagte: Das ist Achan. Und warum 
hiess er Simri? Weil er sich wie Simri betragen hat. Die Rab- 
binen sagen: Achan hiess darum, weil die Israeliten durch ihn 
hingerafft wurden. „Ethan" d. i. unser Vater Abraham vergl. Ps. 
89, I : „Gedicht Ethans, des Esrachiters." „Heman" d. i. Mose, wie 
es heisst Num. 13, 7: „Er ist treu in meinem ganzen Hause." 
R. Samuel bar Nachman sagte: Es ist Achan und zwar darum, 
weil er gesagt hat Jos. 7,20: „Fürwahr (nD'y«), ich habe gesündigt." 
Unter Kalkol ist Joseph zu verstehen, weil es heisst Gen. 47, 12: 
„Joseph versorgte seinen Vater und seine Brüder." Und „Darda" 
d. i. das Geschlecht der Wüste, weil es ganz voll von Erkenntnis» 
(Siy'l) war. „Zusammen fünf." Wissen wir nicht schon, dass alle 
zusammen fünf waren? „Allein daraus erhellt, dass auch Achan 
mit ihnen (den genannten) Antheil an der künftigen Welt hat. So 
hat auch Josua gesagt Jos. 7, 25: „Der Ewige betrübe dich heute" 
d. i. heute sei betrübt, aber nicht in Zukunft. 

Oder Ps. 50, 23: „Wer Dank opfert, ehrt mich." R. Huna im 
Namen des R. Acha sagte: Es heisst hier nicht: ■':'^SD^ sondern: 
•»33-IS3'' d. i. Ehre über Ehre. 

Oder: „Wer Dank opfert, ehrt mich." R. Berachja im Namen 
des R. Abba bar Kahana sagte: Es heisst hier nicht: *5iSD, sondern: 
■»rSinD- d. i. er hat mich in dieser Welt geehrt, er wird mich auch in 
jener Welt ehren. „Wer auf seinen Wandel aufmerksam ist." Das 
geht auf die Wegebahner. Oder: „Wer auf seinen Wandel auf- 
merksam ist," darunter sind die Schriftgelehrten und redlichen Schul- 
lehrer zu verstehen, weil sie die Kinder mit Redlichkeit unterrichten. 
Oder: „Wer auf seinen Wandel aufmerksam ist." R. Jose bar 
R. Jehuda im Namen des R. Menachem bar R. Jose denkt dabei 
an die Krämer (Verkäufer), welche verzehntete Früchte öffentlich ver- 



Par. IX. Cap. Vir, il. 55 

kaufen. Oder: „Wer auf seinen Wandel aufmerksam ist,*^ Das sind 
diejenigen, welche Lichter anzünden, um mit ihnen vielen (öffentlich) 
zu leuchten. Denn R. Simeon ben Lakisch hat gesagt: Saul war nur 
darum so glücklich, zur Herrschaft zu gelangen, weil sein Alter 
(Kisch) für die öffentliche Beleuchtung gesorgt hatte. Man erzählt, 
dass nämlich die Wege von seinem Hause zum Lehrhaus finster 
waren, und er hatte Lichter zur öffentlichen Beleuchtung auf ihnen 
angezündet. Einmal heisst es i. Chron. 8, 33: „Ner (^2i) zeugte 
den Kisch" und einmal heisst es „Kisch, der Sohn Abieis.*' Wie 
lässt sich das vereinigen? Auf diese Weise. Abiel war sein Name. 
WeU er aber die öffentliche Beleuchtung veranstaltet hatte, war er 
so glücklich, dass er den Namen Ner bekam. Oder: „Wer auf 
seinen Wandel aufmerksam ist" R. Janai sagte: Es heisst: der- 
jenige, welcher seinen Weg abschätzt, ist viel werth. R. Janai ging 
einmal auf dem Wege (befand sich auf der Reise) und sah da einen 
Mann, welcher ihm durch sein schönes Aeussere auffiel. Derselbe 
sprach zu ihm: Rabbi, würdige mich der Aufmerksamkeit, mich als 
Gast aufzunehmen. Er antwortete: Ja wohl! Er nahm ihn mit 
nach Hause, speiste und tränkte ihn, prüfte ihn erst in der Schrift, 
fand aber nichts, dann in der Mischna, fand aber nichts, ferner 
in der Haggada, fand aber nichts, endlich im Talmud und fand 
nichts. Dann sprach er zu ihm: Nimm den Becher und sprich den 
Segen. Er entgegnete ihm: Janai soll in seinem Hause den Segen 
sprechen. Darauf sagte Janai zu ihm: Wirst du wohl das nach- 
sagen, was du von mir hörst? Er antwortete: Ja wohl! Er sprach 
zu ihm: Sprich: Ein Hund hat von Janais Brot gegessen. Der 
Mann erhob sich und griff nach Janai mit den Worten: Mein Erb- 
theil befindet sich bei dir und du verweigerst es mir (läugnest mir 
es ab)? Er sprach zu ihm: Was hast du für ein Erbtheil bei mir? 
Er versetzte: Einmal ging ich vor einer Schule vorbei, da hörte ich 
von den Kindern sagen: Es steht geschrieben Deut. 33, 4: „Die 
Lehre, die uns Mose befohlen hat, ist ein Erbtheil der Versamm- 
lang Jacobs". Es heisst nicht: Ein Erbtheil der Versammlung 
Janais, sondern: der Versammlung Jacobs. Welchem Verdienste 
hast du die Ehre zu danken, an meiner Tafel zu speisen (eig. wo- 
durch hast du das Glück gehabt, an meiner Tafel zu speisen)? 
Inie habe ich ein übles Wort gehört und habe es seinem Herrn 
zurückgegeben und nicht sah ich zwei mit einander zanken, ohne 
den Frieden zwischen ihnen herzustellen. Du besitzest so viel 
Lebensart, versetzte Janai, und ich habe dich einen Hund genannt? 
Da wandte er auf ihn an Ps. 50, 23: „Wer auf seinen Wandel 
aufmerksam ist, lasse ich Gottes Hilfe erblicken" d. i. wer seinen 
Weg abschätzt, ist viel werth, denn R. Ismael bar R. Nachman hat 
gesagt: Die Lebensart ist der Thora um 26 Geschlechter voran- 
gegangen, was sich aus Gen. 3, 24 erweisen lässt. „Zu bewachen 
den Weg zum Baume des Lebens." Unter ^^n. Weg ist nichts 
anderes als: y^^ ^^n, Lebensart, unter ü^Tin yy, Baum des Lebens 



56 Par. IX. Cap.Vir, 12. 

nichts anderes als Si^in, die Thora zu verstehen. „Ihn lasse ich 
Gottes Hilfe erblicken." R. Abuhu sagte: Das ist einer von den 
Versen, welche zeigen ^ dass die Hilfe Gottes die Hilfe Israels ist, 
wie es auch heisst Ps. 80, 3: „Komm uns zur Hilfe.** Gleich 
einem Könige, sagte R. Pinchas, zu welchem sein Pächter und seine 
Hausgenossen kamen, um ihm ihre Ehrerbietung zu erweisen. Es 
kam der eine, und er sprach: Wer ist dieser? Das ist dein Pächter, 
war die Antwort. Weiset ihm seinen Platz an. Darauf kam ein 
anderer, um ihn seine Ehrerbietung zu erweisen. Er iragte: Wer 
ist jener? Dein Haussohn, war die Antwort. Weiset ihm seinen 
Platz an. Endlich kam ein dritter, er fragte: Wer ist dieser? 
Er ist weder dein Pächter, noch dein Haussohn, war die Antwort, 
er ist nur gekommen, um dir Ehrerbietung zu erweisen. Gebet 
ihm einen Stuhl (sella), und er setze sich darauf. So wird auch das 
Sühnopfer wie das Schuldopfer wegen einer begangenen Sünde ge- 
bracht, aber das Dankopfer wird nicht wegen einer Sünde gebracht, 
sondern nur wegen des Dankes. 

V. 12. Wenn man es zum Lobe darbringt. In Verbin- 
dung mit Spr. 14, 9: „Die Thoren treiben Spott mit Schuld** d. i. 
nach R. Judan: Dieser Thor giebt mit seinem Munde seine Schuld 
zu erkennen, indem er spricht: Bin ich nicht ein Sühn- oder Schuld- 
opfer schuldig? R. Judan sagte im Namen des R. Levi: Es sind 
diejenigen Menschen darunter gemeint', welche sich gegen ihre 
Mägde in dieser Welt mancherlei erlauben. Diese hängt Gott einst 
an den Scheiteln ihrer Häupter auf, wie es heisst Ps. 68, 22: ,Ja, 
Gott zerschmettert das Haupt seiner Feinde, die Haarscheitel dessen, 
der da wandelt in seiner Schuld.** Alle Leute sprechen: Dieser 
Mann hier muss nun für seine Schuld büssen (eig. es gehe dieser 
Mann mit seiner Schuld zu Grunde). 

Oder: „Die Thoren treiben Spott mit Schuld.** Das ist der- 
jenige, der sein Opfer gebracht und keine Sühne erlangt hat Was 
soll er thun? Er gehe zum Stamm Levi, von dem geschrieben 
steht Mal. 3, 3: „Und er sitzt schmelzend und reinigend das Silber 
und reinigt die Kinder Levis.** „Aber zwischen den Redlichen ist 
Wohlgefallen** d. i. der, welcher wegen seiner Sünde ein Opfer mit 
Bekenntniss verbunden dargebracht hat. Zwischen R. Eleasar und 
R. Jose bar Chanina besteht eine Meinungsverschiedenheit (was es 
nämlich für Opfer gewesen seien, welche von den Kindern Noachs 
dargebracht worden). Nach R. Eleasar brachten die Noachiden 
(Kinder Noachs) Friedensopfer dar, nach R. Jose bar Chanina da- 
gegen brachten sie Ganzopfer dar. Dagegen wandte aber R. 
Eleasar dem R. Jose bar Chanina ein: Es heisst doch Gen. 4, 4: 
„Abel brachte auch von den Erstlingen seiner Schafe und von ihren 
Fetten** d. i. so etwas, was dem Fett verwandt ist. Was versteht 
R. Jose bar Chanina darunter? R. Jose bar Chanina versteht dar- 
unter: iirr^aTa^stt, von ihren Fetten. Dagegen aber macht R. 



Par. IX. Cap. VII, 12. ^j 

£leasar dem R. Jose bar Cbanina wieder den Einwurf: £s heisst 
Ex. 24, 5: „Und er schickte die Jünglinge der Kinder Israels und 
sie brachten Ganzopfer und schlachteten Dankopfer." Was ver- 
steht nun R. Jose bar Chanina darunter? £r sagt: Was R. Jose 
bar Cbanina sagt, gleicht dem, welcher sagt (indem c^abttj für 
D'»Z3bo gelesen wird), sie waren vollständig (ganz) mit ihren Fellen 
ohne Hauptabziehung und Zerstückung. Nun wandte wieder R. 
Eleasar dem R. Jose bar Chanina ein: £s heisst doch das. 18, 12: 
,,Jethro, Mose Schwiegervater, nahm Ganzopfer und Schlachtopfer 
für Gott." Was versteht nun R. Jose bar Chanina darunter? R. 
Jose sagte: £s gleicht dem, welcher sagt, dass Jethro erst nach der 
Gesetzgebung ein Jude geworden sei (sich zum jüdischen Glauben 
bekehrt hätte). Es ist eine Meinu^igsverschiedenheit zwischen R. 
Chija bar Abba und R. Janai. Nach dem einen ist Jethro nach der 
Gesetzgebung; nach dem andern ist er vor der Gesetzgebung zum 
jüdischen Glauben übergetreten. R. Huna bemerkte: Es besteht 
keine Meinungsverschiedenheit zwischen beiden. Derjenige, welcher 
annimmt, Jethro sei vor der Gesetzgebung zum jüdischen Glauben 
übergetreten, gleicht dem, welcher sagt: die Kinder Noachs brachten 
Dankopfer, und derjenige, welcher sagt, Jethro sei nach der Ge- 
setzgebung zum jüdischen Glauben übergetreten, gleicht dem, wel- 
cher sagt: die Kinder Noachs brachten Ganzopfer. Das ist eine 
Stütze für Jose bar Chanina. Es heisst Cant. 4, 16: „Auf! Nord 
komme Süd." "jisit *ny d. i. das Ganzopfer, welehes an der Nord- 
seite geschlachtet wurde. Warum heisst es "^^n:^? Es ist etwas, 
was schläft und zum Erwachen gebracht wird. ^73">r "Nnm d. i. das 
Dankopfer, welches an der Südseite geschlachtet wurde. Warum 
heisst es: ^»lat? Es ist etwas, was neu ist Auch diese Stelle ist 
eine Stütze für R. Jose bar Chanina. Es heisst Lev. 6, 2: „Dies 
ist die Verordnung betreffs des Ganzopfers." Das ist das Ganz- 
opfer, welches die Kinder Noachs darbrachten. Und wie hier, so 
heisst es auch bei den Friedensopfern: „Dies ist die Verordnung 
betreffs der Friedensopfer." Es heisst hier nicht: '»"•^b iS''^pn ^u:n, 
welches sie dem Ewigen dargebracht haben, sondern n^'^^p'^ ^;zJN 
"^"''b, welches sie dem Ewigen darbringen werden d. i. von jetzt ab 
und weiter. Wie hält R. Eleasar nun die Worte: "psiS "»^ly des R. 
Jose bar Chanina aufrecht? Sowie die Exilirten, welche im Norden 
sich befanden, erweckt wurden, so sollen sie kommen und sich im 
Süden lagern, wie es heisst Jerera. 31, 8: „Siehe, ich bringe sie aus 
dem Lande des Nordens." Oder wie Gog, welcher im Norden sich 
befindet, erweckt wird und kommen und im Süden fallen wird, 
wie es heisst Ezech. 39, 2: „Ich wende dich und führe dich her 
und führe dich herauf aus dem äussersten Norden." Oder es geht 
auf den König Messias, der im Norden sich befindet, er wird 
kommen und den Tempel erbauen, der im Süden ist. So heisst es 
Jes. 41, 25: „Ich erweckte ihn von Mitternacht her und er kam, 
vom Aufgang der Sonne her ruft er meinen Namen." R. Jose 



^8 Par. IX. Cap. VII, 12. 

sagte im Namen des R. Benjamin bar Levi: In dieser Welt weht 
zur Zeit, wenn der Südwind weht, nicht der Nordwind und so auch 
umgekehrt, wenn der Nordwind weht, weht nicht der Südwind, allein 
einst wird Gott den Agrestes (ayQiatrjgf ein reissender, schneller 
Wind) in die Welt bringen, in welchem beide Winde wehen (ihre 
Funktionen verrichten) werden. Das steht auch geschrieben Jes. 43, 6 : 
„Ich spreche zur Mitternacht: Gieb her! und zum Mittag: Wehre 
nicht! Bringe her meine Söhne von der Ferne und meine Töchter 
von der Erde Ende." R. Jochanan sagt: Hier will dir die Thora 
eine Lebensregel lehren, nämlich, dass der Bräutigam nur mit Er- 
laubniss der Braut ins Brantgemach gehen darf vergl. Cant. 4, 16: 
„Mein Freund komme in seinen Garten und esse seine köstliche 
Frucht." Darauf folgt C 5, i: „Ich komme in meinen Garten, 
meine Schwester, Braut!" R. Pinchas, R. Levi und R. Jochanan 
sagten im Namen des R. Menachem von Galiläa: Einst werden 
alle Opfer in Wegfall kommen (aufhören), nur das Dankkopfer 
wird nicht aufhören; alle Gebete werden aufhören, das Dankgebet 
aber wird nicht aufhören. So heisst es Jerem. 33, 11: „Stimme 
der Wonne, Stimme der Freude, Stimme' des Bräutigams, Stimme 
der Braut, die Stimme derer, die da sprechen, danket dem Ewigen, 
Zebaoth" d. i. das Dankgebet; „und die da bringen Dank im 
Hause des Ewigen" d. i. das Dankopfer. Und so sagt auch 
David Ps. 56, 13: „Mir liegen ob, Gott, deine Gelübde, ich bezahle 
dir Dankopfer." Es heisst: nicht mm, sondern: mnn (das Wort 
steht nicht im Sing., sondern im Plur.) d. i. das Dankgebet und 
das Dankopfer. R. Acha sagte: Gleich einem Machthaber, 
welcher in ein Land einzog und mit ihm viele Räuberschaaren. 
Da sprach einer zum andern: Wie furchtbar ist dieser Macht- 
haber. Wenn du dich gut aufführst, brauchst du dich nicht 
vor ihm zu fürchten. Ebenso geriethen die Israeliten in Furcht, 
als sie den Abschnitt hörten, welcher von den Opfern handelte. 
Da sprach Mose zu ihnen: Fürchtet euch nicht, wenn ihr euch mit 
dem Gesetze beschäftigt, so braucht ihr euch vor allen diesen (Vor- 
schriften) nicht zu fürchten. Das steht auch geschrieben: „Dies ist 
die Verordnung, das Brandopfer, das Speisopfer betreffend." Warum 
werden die Friedensopfer zuletzt genannt? Weil in ihm viele Arten 
enthalten sind. R. Simon sagte: Weil gewöhnlich der Garonbrei 
blos als Nachtisch vorkommt. Warum? Weil er aus vielerlei Dingen 
zubereitet ist. So verhält es sich auch mit den Friedensopfern, 
warum werden sie zuletzt aufgeführt? Weil vielerlei Arten darin 
sind: Blut und Emurim (Fettstücke) für den Altar, Brust und 
Schenkel für die Priester, Fell und Fleisch für den Opfernden. R. 
Simeon sagte: Der, welcher im Glück ist, bringt Friedensopfer, der 
Trauernde aber bringt keine Friedensopfer. R. Simeon ben Jochai 
sagte: Gross ist der Friede, denn er befasst alle Segnungen in 
sich s. Ps. 29, 11: „Der Ewige verleiht Sieg seinem Volke, der 
Ewige segnet sein Volk mit Frieden." Chiskia sagte zweierlei, zu- 



Par. IX. Cap.VII, I2. 



59 



nächst sagte er: Gross ist der Friede, denn alle Gebote sind mit 
ihm geschrieben, wie Ex. 23, 5: „Wenn du siehst den Esel deines 
Feindes" u. s. w., das. V. 4: „So du den Ochsen deines Feindes 
Irififst" u. s. w. Diese Gebote hast du nur zu erfüllen, wenn sich 
dir eine Gelegenheit dazu darbietet, wenn sich dir aber keine Ge- 
legenheit dazu bietet, so brauchst du sie nicht zu erfüllen, aber hier 
(vom Frieden) heisst es Ps. 34, 15: „Suche den Frieden und strebe 
ihm nach" d. i. suche ihn an deinem Orte und laufe ihm nach an 
einem andern Orte (wo du ihn herstellen kannst). Chiskia hat femer 
gesagt: Gross ist der Friede, denn bei allen Zügen (in der Wüste) 
beisst es immer s. Num. 33, 6: „Sie brachen auf und lagerten" 
d. i. sie brachen auf mit Streitigkeiten und lagerten mit Streitig- 
keiten.*) Als sie aber vor den Berg Sinai kamen, da bildeten sie 
nur ein Lager, wie es heisst Ex. 19, 2: „Und es lagerte daselbst 
Israel." Es heisst nicht: i:n^i, es lagerten daselbst die Kinder Is- 
raels, sondern: „*n'^i es lagerte daselbst Israel." Nun ist die Zeit 
gekommen, sprach Gott, dass ich meinen Kindern das Gesetz gebe. 
Bar Kapra sagte dreierlei. Zuerst sagte er: Gross ist der Friede, 
denn zu seiner Erhaltung spricht die Schrift Erdichtetes (Lügen- 
haftes). Um den Frieden zwischen Abraham und Sara zu erhalten, 
heisst es Gen. 18, 12: (Sara sagte:) „Nun ich alt bin, soll ich der 
Wollust pflegen und mein Herr ist alt," aber zu Abraham hat er 
nicht so gesagt, sondern: „Und ich bin alt?" Bar Kapra hat ferner 
gesagt: Gross ist der Friede, denn die Schrift redet sogar Er- 
dichtetes in den Propheten. Um den Frieden zwischen dem Mann 
und seinem Weib herzustellen, wie es heisst Jud. 13, 3: (Der Engel 
sagte zu Manoas Weibe): „Siehe du bist unfruchtbar und hast nicht 
geboren, aber du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären;" 
aber zum Manne hat er nicht so gesagt, sondern das. V. 13: „Von 
allem, was ich dem Weibe gesagt, soll sie sich hüten" d. i. jeden- 
falls muss sie Zeichen haben. Bar Kapra hat endlich noch gesagt: 
Gross ist der Friede! Wenn schon die Oberen (Geister), unter denen 
es weder Neid, noch Hass, noch Zorn, noch Streitigkeiten, noch 
Zwistig keiten, noch Missgunst giebt, des Friedens bedürfen, wie es 
heisst Hi. 25, 2: „Er stiftet Frieden in seinen Höhen," um wie viel 
mehr bedürfen die Unteren (Geister) desselben, unter denen alle 
diese (schlechten) Eigenschaften vorhanden sind! R. Simeon ben 
Gamifel hat gesagt: Gross ist der Friede, denn die Schrift bedient 
sich Erdichtungen in der Thora, um den Frieden zwischen Joseph 
und seinen Brüdern herzustellen, wie es heisst Gen. 50, 17: „(Die 
Brüder sprachen: unser Vater hat uns befohlen:) So sollt ihr zu 
Joseph sprechen: Ach, vergieb doch das Vergehen deiner Brüder," 
and wir finden nicht, dass es Jacob ihnen befohlen hätte. R. Jose 
der Galiläer sagte: Gross ist der Friede, denn selbst der Krieg 



•) Wegen des Plurals: Sie brachen auf und sie lagerten, es hatte jeder 
seine Meinung. 



5o ^ar. IX. Cap. VI, 12. 

wird nur mit dem Frieden eröffnet, wie es heisst Deut. 20, 10: 

„Wenn du dich einer Stadt nahst so biete ihr zuerst den 

Frieden an," R. Judan bar R. Jose sagte: Gross ist der Friede, 
denn der Name Gottes heisst Friede s. Jud. 6, 24: „Er nannte ihn 
Ewiger, Friede." Daher ist es auch verboten, sagte R. Tanchum 
bar Judan, jemanden an einem schmutzigen Orte zu grüssen. R. 
Ismael hat gelehrt: Gross ist der Friede, denn in Bezug auf den 
grossen Namen, der mit Heiligkeit geschrieben worden ist, hat Gott 
geboten, dass er im Wasser ausgelöscht werde, um den Frieden 
zwischen dem Mann und seinem Weibe wieder herzustellen. R. 
Meir hielt einmal am Sabbathabend einen Vortrag.*) Ein Weib 
stand dort, horchte auf ihn und wartete so lange im Lehrhause, 
bis er den Vortrag beendigt hatte. Als sie aus dem Lehrhause 
nach Hause kam, fand sie das Licht ausgelöscht. Wo bist du ge- 
wesen? fragte sie der Mann. Ich sass, antwortete sie, und hörte 
die Stimme des Darschan (Vortragenden). Komme mir nicht wieder 
hierher, mag es so oder so sein, versetzte der Mann, bis du dein 
Darschan (Vortragenden) ins Gesicht gespieen hast. Sie sass einen 
Sabbath, einen zweiten, einen dritten, endlich fragten sie ihre Nach- 
barinnen, warum sie so missgestimmt sei. Wir wollen mit dir zu 
dem Darschan gehen, was auch geschah. Als R. Meir sie im 
heiligen Geiste voraussah, fragte er: Ist wohl ein Weib unter euch, 
welche versteht, einen Geheimspruch gegen Augenschmerzen zu 
flüstern? Da sagten ihre Nachbarinnen zu ihr: Wenn du hingehst 
und ihm ins Gesicht speist, so kannst du wieder bei deinem Manne 
wohnen. Als sie sich nun vor ihn hinsetzte (um das Heilmittel an- 
zuwenden), fürchtete sie sich vor ihm. Sie sprach: Rabbi, ich ver- 
stehe nicht, einen Geheimspruch gegen das Auge zu flüstern. 
Er sprach zu ihr: So speie mir wenigstens siebenmal ins Gesicht 
und ich werde schon geheilt werden. Sie that es und er sagte 
darauf zu ihr: Gehe nun (nach Hause) und sage deinem Manne: 
Du hast mir aufgetragen, ich sollte dem Darschan einmal ins Ge- 
sicht speien, ich habe es siebenmal gethan. Da sprachen seine 
Schüler zu ihm: Rabbi, verachtet man die Thora (Gelehrsamkeit) 
80? Hättest du nicht einem von uns befehlen können, dir einen 
Spruch zu flüstern? Er antwortete: Ist es nicht genug . für 
Meir, dass er seinem Schöpfer gleicht? Denn R. Ismael hat ge- 
lehrt: Gross ist der Friede, dass Gott in Bezug auf seinen grossen 
Namen, der mit Heiligkeit geschrieben ist, befohlen, dass er zur 
Erhaltung des Friedens zwischen dem Manne und seinem Weibe im 
Wasser ausgelöscht werde. R. Simeon bar Chalaphtha sagte: Gross 
ist der Friede, denn als Gott seine Welt erschuf, machte er Frieden 
zwischen den Oberen und Unteren (Wesen). Am ersten Tage er- 
schuf er etwas von den Oberen und von den Unteren (Dingen), 
wie es heisst Gen. i, i: „Im Anfang schuf Gott den Himmel und 



*) Zu dieser Erzählang vgl. Jerusch. Sota I, i6<l unten. 



Par. IX. Cap. VIT, 12. Par. X. Cap. VIII, i, 61 

die Erde;** am zweiten Tage schuf er von den Oberen s. das. V. 6; 
„Und Gott sprach: es werde eine Veste;** am dritten Tage schuf 
er von den Unteren s. das. V. 9: „Und Gott sprach: es sammeln 
sich die Gewässer;** am vierten Tage schuf er von den Oberen s. 
das. V. 14: „Es seien Lichter an der Veste des Himmels;'* am 
fünften Tage schuf er von den Unteren s. das. V. 20: „Und es 
sprach Gott: die Wasser sollen wimmeln;** am sechsten Tage kam 
er zur Erschaffung des Menschen. Da sprach er: Erschaffe ich 
ihn von den Oberen, siehe, so bilden diese die Mehrzahl, sie sind 
vor den Unteren um ein Geschöpf mehr; erschaffe ich ihn dagegen 
von den Unteren, siehe, so sind diese wieder in der Mehrzahl und 
gegen die Oberen um ein Geschöpf mehr. Was that er? Er schuf 
üin von den Oberen und von den Unteren, wie es heisst das. 2,7: 
„Und es bildete der Ewige Gott den Menschen aus Staub von dem 
Lande'* d. i. von den Unteren, „und blies in seine Nase Lebens- 
odem*' d. i. von den Oberen. R. Mani von Schaab und R. Josua 
von Sichnin sagten im Namen des R. Levi: Gross ist der Friede, 
denn alle Segnungen, Guter, Tröstungen, die Gott über die Israeliten 
bringt, schliessen mit Frieden, das Krischma schliesst mit Frieden*), 
das tägliche Gebet schliesst mit Frieden**), im Priestersegen heisst 
es Num. 6, 26: „Er gebe dir Frieden.** Aber das ist nur bei den 
Segnungen der Fall, woher lässt es sich auch bei den Opfern beweisen? 
Weil bei ihnen immer das Wort: n^in angewandt ist, wie es heisst: 
Das ist die Thora für das Ganz-, Speis-, Sund-, Schuld-, Amt- 
antritts- und Friedensopfer. Doch das gilt nur im Allgemeinen von 
der Gesammtheit der Opfer; woher lässt sich beweisen, dass es auch 
im Einzelnen (bei dem einzelnen Opfer) der Fall ist? Weil es 
heisst: Das ist die Thora (Verordnung) für das Ganz-, Speis-, 
Sund-, Schuld- und Friedensopfer. Doch das ist nur bei den Opfern 
eines Einzelnen der Fall, woher lässt sich beweisen, dass es auch 
von den Opfern der Gesammtheit gilt? Weil es heisst das. 29,39: 
„Diese Opfer sollt ihr dem Ewigen opfern an euren Festen** und 
es schliesst mit Friedensopfern. Doch das gilt nur in dieser Welt; 
woher lässt sich beweisen, dass es auch in jener Welt so sein wird? 
Aus Jes. 66, 12: „Siehe, ich leite zu ihr wie einen Strom den 
Frieden.** Die Rabbinen sagen: Gross ist der Friede, denn der 
König Messias wird nur mit dem Frieden beginnen, wie es heisst 
Jes. 52, 7: „Wie lieblich sind auf den Bergen die Füsse des Heils- 
boten, der Frieden verkündigt.'* 

Parascha X. 

Cap. VIII, V. I. Nimm Aaron und seine Söhne u. s. w. 
In Verbindung mit Ps. 45, 8: „Du liebest Gerechtigkeit, hassest 



•) Der du ausbreitest die Friedenshütte. 
••) Er macht Frieden in seinen Höhen, er erhalte auch uns den Frieden. 



0^> Par. X. Cap.Vm, i. 

Unrecht/' Diesen Vers legte R. Judan im Namen des R. Asarja 
auf unsem Vater Abraham aus, als er für die Sodomiten um Er- 
barmen betete. £r sprach nämlich vor Gott: Herr der Welt! du hast 
geschworen, dass du nie wieder eine Fluth in die Welt bringen willst, 
wie es heisst Jes. 54, 9: ^Wie bei den Gewässern Noachs soll es 
jetzt sein'' u. s. w. Denkst du vielleicht, eine Wasserfluth willst du 
nicht bringen, aber eine Feuerfluth willst du bringen und willst du 
so den Schwur umgehen? Nein, du kommst aus dem Schwur nicht 
heraus. So heisst es Gen. 18,25: „Fern sei dir, so e'.was zu thun.'* 
£r sprach vor ihm: Fern sei dir, dass der Richter der ganzen Erde 
nicht das Recht ausüben sollte. Wenn du das Recht suchst, so 
kann die Welt nicht bestehen, wenn du aber die Welt suchst (sie 
erhalten willst), so kann das Recht nicht bestehen. Du willst den 
Strick an beiden Enden erfassen; du willst deine Welt und du 
willst auch das wahre Recht; wenn du nicht ein wenig von dem 
Rechte fahren lassest, so kann deine Welt nicht bestehen. Darauf 
sagte Gott zu Abraham Ps. 45, 8: „Du liebest Gerechtigkeit, hassest 
Unrecht" d. i. du liebst meine Geschöpfe zu rechtfertigen und 
hassest es, sie für schuldig erklären zu lassen. „Darum hat Gott, dein 
Gott dich gesalbt mit Wonneöl vor deinen Genossen." Was heisst 
das: „Vor deinen Genossen?** Er sprach: Bei deinem Leben! von 
den zehn Geschlechtern von Noach bis auf dich habe ich mit keinem 
von ihnen als nur mit dir gesprochen, wie es heisst Gen. 12, i: 
„Und der Ewige sprach zu Abram: Gehe aus deinem Lande und 
aus deiner Heimath." 

R. Asarja im Namen des R. Jehuda bar Simon legte den 
obigen Vers auf Jesaia aus. Dieser sprach: Ich lustwandelte in 
meinem Lehrhause und hörte da die Stimme Gottes rufen mit den 
Worten Jes. 6, 8: „Wen soll ich senden? wer wird unser Bote 
sein?" Ich sandte Micha und sie gaben ihm Backenstreiche s. 
Mich. 4, 14: „Mit der Ruthe schlagen sie den Backen des Richters 
von Israel;^' ich sandte Amos und sie nannten ihn einen xpilXog, 
Stammler; denn R. Pinchas hat gesagt: Warum hiess er: 01735?? 
Weil er schwerfallig mit seiner Zunge war (eig. weil er mit seiner 
Zunge gedrückt war). Wen soll ich nun schicken und wer soll uns 
gehen? Jesaia sprach: Hier bin ich, sende mich. Jesaia, sprach 
Gott, meine Kinder belästigen, sie sind widerspenstig. Wenn du 
es auf dich nimmst, dich von meinen Kindern schmähen und raiss- 
handeln zu lassen, so gehe in meiner Sendung, wo nicht, unterlasse 
es (eig. so gehe nicht in meiner Sendung). Und Jesaia sprach: Auf 
diese Bedingung hin gehe ich s. Jes. 50, 6: „Ich bot meinen 
Rücken dem Schlagenden dar und meine Wange dem Raufenden" 
und ich verdiene es nicht, in der Sendung zu deinen Kindern zu 
gehen. Darauf sprach Gott: Jesaia! „du liebest Gerechtigkeit," 
d. i. du liebest meine Kinder zu rechtfertigen „und hassest das Un- 
recht" d. i. denn du hassest es, sie für schuldig zu erklären; „darum 
salbt dich Gott, dein Gott vor deinen Genossen." Was heisst das: 



Par. X. Cap. VIII, i. 53 

Vor deinen Genossen? Er sprach: Bei deinem Leben! alle Pro- 
pheten haben ihre Prophetien^ ein Prophet vom andern, em- 
pfangen s. Nam. II, 25: „Und er nahm von dem Geiste, der auf 
ihm war*' und 2. Reg. 2, 16: „Und sie sprachen: Der Geist Elias 
ruht auf Elisa;'* du erhältst aber die Prophetie aus dem Munde 
Gottes s. Jes. 61, i : „Der Geist des Ewigen ruht auf mir, denn 
mich salbte der Ewige." Bei deinem Leben! alle Propheten haben 
nur einfache Prophetien gebraucht, du wirst aber die Tröstungen 
verdoppeln z. B. das. 51, 9: „Wache auf, wache auf!" Das. V. 17: 
,3rmuntre dich! ermuntre dich!" Das. 61, 10: „Freuend freue ich 
mich im Ewigen (^'CN toiTD)." Das. 51, 12: „Ich, ich bins, der 
euch tröstet;" das. 40, i: „Tröstet, tröstet mein Volk." R. Be- 
rachja im Namen des R. Abba bar Kahana legte den Psalmvers 
auf Aaron aus. Als nämlich die Kinder Israels jene (schändliche) 
That begangen hatten, gingen sie zuerst zu Chur und sprachen zu 
ihm Ex. 32, i: „Auf! mache uns einen Gott." Und als er ihnen 
nicht Folge leistete, machten sie sich über ihn her und erschlugen 
ihn. So beisst es Jerem. 2, 34: „Selbst an deinen Flügeln (den 
Zipfeln deiner Kleider) wird Blut gefunden." Das ist das Blut 
Churs s. das.: „Nicht beim Einbrüche hast du sie betroffen, aber 
demungeachtet" Dann gingen sie zu Aaron mit derselben Auf- 
forderung Ex. 32, i: „Auf! sprachen sie, mache uns einen Gott." 
Als Aaron den Vorfall in Erfahrung brachte, gerieth er in Furcht 
s. Ex. 32, 5: „Aaron fürchtete sich sehr*) und baute einen Altar 
vor ihm" d. i. er fürchtete sich vor dem Geschlachteten (vor Chur) 
vor ihm. Was soll ich thun, dachte Aaron, siehe, sie haben den 
ChuT, der doch ein Prophet war, erschlagen, wenn sie jetzt mich 
erschlagen, der ich Priester bin, so kann leicht in Erfüllung gehen, 
was über sie geschrieben steht Thren. 2, 20: „Wenn im Heilig- 
thume des Ewigen Priester und Prophet erschlagen werden;" da 
werden sie sogleich auswandern. Oder: „Aaron sah." Was sah 
er? Er sah: Wenn sie ihn (den Altar) bauen, so bringt der eine ein 
Bündel, der andere einen Stein und so wird ihr Werk mit einem 
Male fertig; wenn ich ihn aber baue, so werde ich ganz lässig in 
meiner Arbeit sein, unterdessen kommt unser Lehrer Mose herab 
und beseitigt den Götzendienst und ausserdem, wenn ich ihn baue, 
so baue ich ihn im Namen Gottes (Gott zur Ehre). Das steht auch 
geschrieben Ex. 32,5: „Aaron rief und sprach: Ein Fest des Ewigen 
ist morgen." Es heisst nicht: ein Fest des Kalbes ist morgen, son- 
dern: ein Fest des Ewigen ist morgen. Oder: „Aaron sah." Was 
sah er? Aaron sprach: Wenn sie ihn bauen, so kommt die Sünde 
(Schuld) auf sie, ich will lieber, dass die Sünde (Schuld) mich, als 
dass sie Israel trifft (eig. so wird die Sünde an sie gehängt, ich 
will lieber, dass die Sünde an mich und nicht an Israel gehängt 
wird). Gleich einem Königssohne, führt R. Abba bar Judan im 



^) So liest der Midrasch. 



64 l?ar- X. Cap VIII, i. 

Namen des R. Abba als Beispiel an, der sich überhob, nach dem 
Schwerte griff, um seinen Vater zu durchbohren. Bemühe dich 
nicht selbst, sprach sein Erzieher zu ihm, gieb mir das Schwert, ich 
will ihn (den König) durchbohren. Der König blickte auf ihn herab 
und sprach zu dem Erzieher: Ich weiss, wohin deine Absicht ging, 
du dachtest, die Schuld sollte lieber dich als meinen Sohn treffen 
(an dich, als an meinen Sohn gehängt werden). Bei deinem Leben! 
du sollst aus meinem Palaste nicht weichen und das Uebrige von 
meinem Tische essen. Vierundzwanzig Gaben sollst du nehmen, 
aus meinem Palaste sollst du nicht weichen und aus dem Heiligthume 
nicht herausgehen und das Uebrige sollst du von meinem Tische 
essen, und die Ueberreste der Speisopfer. Vierundzwanaig Gaben 
sollst du nehmen d. s. die vierundzwanzig Priestergaben, welche dem 
Aaron und seinen Söhnen entrichtet wurden. Gott sprach zu Aaron: 
„Du liebst Gerechtigkeit" d. i. du liebst meine Kinder zu recht- 
fertigen und hassest (vermeidest) es, sie für schuldig zu erklären, 
„darum salbt dich Gott, dein Gott." Gott sprach zu ihm: Bei 
deinem Leben! von allen im Stamme Levi sollst du nur für die 
Hohepriesterwürde erwählt werden s. Lev, 8, 2: „Nimm Aaron und 
seine Söhne mit dir." 

Oder: „Nimm Aaron und seine Söhne mit dir." Das steht 
auch Spr. 24, ii: „Rette die, welche genommen sind zum Tode, 
und denen, die zum Würgen hin wanken, entziehe dich nicht." An- 
toninus kam einmal zu unserm Rabbi und fand ihn sitzend und 
seine Schüler vor ihm. Sind das diejenigen, sprach er zu ihm, von 
denen du so rühmend sprichst (mit denen du dich gross machst)? Ja,, 
antwortete Rabbi, der kleinste von ihnen kann Todte ins Leben 
rufen. Nach einiger Zeit war ein Diener von Antoninus dem Tode 
nahe. Er Hess dem Rabbi sagen: Sende mir einen von deinen 
Schülern, welcher mir diesen Todten (Todtkranken) belebt. Er 
sandte ihm einen von seinen Schülern, wie manche sagen, war es 
R. Simeon bar Chalaphtha, er ging dahin und fand den Kranken 
liegend. Was liegst du da? sprach er zu ihm, und dein Herr steht 
auf seinen Füssen? Er ermannte sich (eig. er wurde erschüttert) 
und stand auf. 

Oder: „Rette die, welche genommen sind zum Tode." Dar- 
unter sind die Söhne Aarons zu verstehen; „und denen, die zum 
Würgen hinwanken, entziehe dich nicht" d. s. die Söhne Aarons, 
welche schon dem Tode nahe (eig. an der Seite des Todes) waren. 
R. Chanin sagte: Es steht geschrieben Ex. 32, 4: „Er (Aaron) 
nahm sie aus ihren Händen und bildete es mit einem Meisel." So 
komme dieses JNehmen (tltr^pb) hier und sühne das Nehmen^ 
was dort steht. Es starben (ihm) zwei Söhne und zwei blieben 
übrig. 

„Nimm Aaron und seine Söhne." R. Jehuda und R. Josua 
ben Levi. R. Jehuda sagte: Die Busse bewirkt nur die Hälfte, 
das Gebet aber bewirkt alles. R. Josua ben Levi sagte dagegen: 



Par, X. Cap. VIH, i. 5^ 

Die Bosse bewirkt alles, das Gebet aber bevdrkt nur die Hälflte. 
Das, was R. Jehuda bar Rabbi gesagt hat, nämlich dass die 
Bosse die Hälfte bewirke, von wem kannst das lernen? Von 
Kain, ober welchen ein schweres Verhängniss verhängt war, als 
er aber Bosse that, worde das Verhängniss bis aof die Hälfte 
von ihm genommen. Und woher lässt sich beweisen, dass Kain 
Bosse gethan? Weil es heisst Gen. 4, 13: „Und Kain sprach zum 
Ewigen: Meine Sonde ist zo gross, om sie zu ertragen." Und 
woher lässt sich beweisen, dass die Hälfte des Verhängnisses ihm 
erlassen wurde? Weil es heisst das. V. 16: „Und Kain ging vom 
Ewigen hinweg und wohnte im Lande Nod (nis) östlich von Eden. 
Es heisst hier nicht: Du sollst sein y^^ unstät und ns, flüchtig, son- 
dern: p:? r73ip TI3 V^Na, im Lande Nod östlich von Eden (das 
r: war also in Wegfall gekommen). 

Oder: „Kain ging hinweg." Wohin ging er? R. Judan im 
Namen des R. Eibu sagte: Er warf seine Kleider hinter sich und 
ging hinweg wie einer, welcher das höhere Wissen stiehlt (täuscht). 
R. Berachja im Namen des R. Hai bar Simeon sagte: Er ging hin- 
weg wie ein Listiger und Betrüger gegen seinen Schöpfer. R. Huna 
im Namen des R. Chanina bar Jizchak sagte: Er ging fröhlich 
hinweg, wie es heisst Ex. 4, 14: „Und siehe, auch er geht dir ent- 
gegen ond wenn er dich sieht, wird er sich freuen."^) Als er hin- 
wegging, da begegnete ihm Adam (der erste Mensch). Dieser fragte 
ihn: Was wirst du mit deinem (über dich gesprochenen) Urtheile 
machen? Er antwortete: Ich habe Busse gethan und meine Sache 
ist erledigt Als Adam das hörte, schlug er sich ins Gesicht (vor 
Verwxmderung) und sprach: Das habe ich nicht gewusst, dass die 
Kraft der Bosse so gross ist. In diesem Augenblicke sprach Adam 
Ps. 92, i: „Psalm auf den Tag der Ruhe." R. Levi sagte: Diesen 
PsaJm hat Adam verfasst (gesagt). Nach der Meinung des R. Je- 
huda bar Rabbi, welcher gesagt hat: Das Gebet vermag alles — 
von wem kannst du das lernen? Von Chiskia. Seine Regierung 
sollte eigentlich nur vierzehn Jahre dauern, wie es heisst Jes. 36, i: 
^Und es geschah im vierzehnten Jahre des Königs Chiskia ;'' allein 
als er betete, wurden ihm noch fünfzehn Jahre zugesetzt, wie es 
heisst das. 38, 5: ,;Siehe, ich setze zu deinen Tagen noch fünfzehn 
Jahre hinzu." Nach der Meinung des R. Josua ben Levi, welcher 
gesagt hat: Die Busse vermag alles — von wem kannst du das 
lernen? Von den Leuten von Anathoth, wie es heisst Jerem. 11,22: 
,ßo spricht der Ewige: Die Jünglinge sollen durchs Schwert 
sterben.^' Und als sie Busse gethan hatten^ waren sie so glücklich, 
berühmt zu werden, wie es heisst Nechem. 7, 27: „Die Leute von 
Anathot, hundertundachtundz wanzig." Sind dir die Leute von 
Anathoth noch nicht Beweis genug (eig. kannst du es von den 



•) Der Midrasch folgert das fröhliche Weggehen Kains vom Ewigen 
aas dem Worte in% was bei ihm und bei Aaron steht. 

Wünsche, Midrasch Wajikra. 5 



66 Par. X. Cap. VIII, i. 

Leuten von Anathoth noch nicht lernen), so kannst du es von Je- 
chonja lernen s. Jerem. 22, 28: „Ist denn ein verachtet, zerbrochen 
Gefass dieser Mann Chonja?" R. Abba bar Kahana sagte: Wie 
dieses Bein (05ty3 für ^^yn lesend) des Gehirns, wenn es zer- 
brochen ist (oder das Mark entleert), so ist nichts mehr darin. 
R. Chelbo sagte: Wie dieser Korb mit Datteln, wenn du ihn aus- 
schüttest, so ist nichts mehr darin. „Ist er ein Geräth, an dem 
kein Wohlgefallen ist?" R. Chama bar Chanina sagte: Gleich dem 
Nachtgeschirr (Krug des Fusswassers), R. Samuel bar Nechemja 
sagte: Gleich dem Becken der Aderlasser. R. Sera sagte: Ich habe 
ein Wort von R. Samuel bar R. Jizchak gehört, welcher es er- 
klärt hat, aber ich verstehe es nicht (ich weiss nicht, was es ist). 
Darauf sagte R. Acha: Vielleicht ist es dies: Es heisst das. 22, 30: 
„So spricht der Ewige: Schreibet diesen Mann für einen kinderlosen 
Mann auf, für einen Mann, dem es sein Lebenlang nicht gelingt." 
Er sprach zu ihm: Ja wohl! (er hat so erklärt), in seinen Tagen 
wird es ihm zwar nicht glücken, aber in den Tagen seines Sohnes 
wird es ihm glücken. R. Acha und R. Abin bar Benjamin sagten 
im Namen des R. Abba: Gross ist die Kraft der Busse, denn sie 
hebt Verhängniss und Schwur auf; in Bezug auf den Schwur heisst 
es Jerem. 22, 24: „Sowahr ich lebe, spricht der Ewige, wäre auch 
Chonja, der Sohn Jehojachims" u. s. w., und in Bezug auf das Ver- 
hängniss s. das. V. 30: „So spricht der Ewige: Schreibt diesen 
Mann als kinderlos auf." i. Chron. 3, 17 heisst es: „Die Kinder 
Jechonjas sind Assir und Schealthiel, sein Sohn." Assir (^"0«) hiess 
er, weil er eingesperrt war (t»dn) im Gefäfigniss und Schealthiel 
(bNTibNt;), weil von ihm die Königswürde des davidischen Hauses 
fortgepflanzt wurde (nbrttJnn). R. Tanchum bar R. Jeremja sagte: 
Assir ist Gott, weil er sich durch einen Schwur gebunden hat 
(^DNttJ) und Schealthiel, weil er sich selbst das Gelübde von dem 
höheren Gerichtshofe lösen liess (br nb5>?3 bttj i3n n'ib b« bNüD 
■i*nD). Nach der Meinung des R. Josua ben Levi aber, welcher 
gesagt hat, dass das Gebet nur die Hälfte bewirke, — von wem 
kannst du das lernen? Von Aaron, über welchen im Anfange ein 
schweres Verhängniss beschlossen war, wie es heisst 9, 20: „Und 
über Aaron zürnte der Ewige sehr, um ihn zu vertilgen." R. Josua 
von Sichnin im Namen des R. Levi sagte: Es giebt keine Vertil- 
gung ausser das Vernichten (Aufreiben) der Kinder, wie es heisst 
Am. 2, 9: „Und ich tilge seine Frucht von oben und seine Wurzel 
von unten." Als aber Mose betete, wurde die Hälfte des Verhäng- 
nisses von ihm genommen, denn es starben nur zwei und zwei 
blieben übrig (blieben am Leben). Das wird nun hier gesagt Lev. 
3, 2: ,,Nimm Aaron und seine Söhne mit ihm." 

Und die Kleider. R. Simon sagte: Sowie die Opfer ver- 
söhnen, so versöhnen auch die Kleider, denn es ist gelehrt worden: 
Der Hohepriester amtirt in acht Kleidern und der gewöhnliche 
Priester in vier, nämlich in Unterkleid, Beinkleidern, Turban und 



u Par. X. Cap. VIII, i. 6^ 

Gort Aber der Hohepriester hat noch Brustschild, Ephod, Ober- 
kleid und Stimblech. Das Unterkleid dient zur Sühne derer, 
vrelche Gemischtes (Zwirn und Wolle) traj^en, wie es heisst Gen. 
37» 3« »?Und er machte ihm einen Aermelrock;" die Beinkleider 
dienen zur Sühne der Ausschweifung, wie es heisst £x. 28, 42: „Mache 
ihm Beinkleider von Linnen, um die Scham zu bedecken;" *der 
Tarban dient zur Sühne des Hochmuthes, wie es heisst das. 29, 6: 
„Und setze den Kopfbund auf sein Haupt;" der Gurt dient nach 
dem einem zur Sühne des Tückischen (Hinterlistigen), nach dem 
anderen zur Sühne der Diebe. Dieser Gurt hatte nach R. Levi 
^ EJJen Länge und hatte vorn und hinten einen Knoten. Das 
passt für den, welcher sagt, dass der Gurt zur Sühne für die 
Tückischen dient. Wer aber sagt, dass der Gurt zur Sühne der 
Diebe dient (hat das für sich), weil der Gurt hohl war, entsprechend 
den Dieben, die ihr Werk im Verborgenen ausüben. Das Brust- 
schüd dient zur Sühne der Rechtsverdreher (der parteiischen Richter), 
wie es heisst £x. 28, 30: „Du sollst auf das Schild des Ur- 
theils geben" u. s. w. Der Ephod dient zur Sühne der Götzen- 
diener, wie es heisst Hos. 3, 4: „Ohne Schulterkleid und Teraphim." 
R. ^mon sagte im Namen des R. Nathan: Zwei Dinge haben keine 
Sohne, das Gesetz hat ihnen aber eine gegeben, i) die Verleum- 
dung und 2) un vorsätzlicher Todtschlag. Die Verleumdung hat 
keine Sühne, das Gesetz hat ihr aber eine gegeben. Wodurch 
wird sie gesühnt? Durch die Schellen am Oberkleide, wie es heisst 
Ex. 28, 34: „Eine Schelle von Gold und ein Granatapfel, eine 
Schelle von Gold und ein Granatapfel . . . und Aaron soll es an- 
haben beim Dienste, dass sein Schall gehört werde." So komme nun 
diese Stimme (der Laut) und sühne jene Stimme. Und der unvor- 
satzliche Todtschlag hat auch keine Sühne, das Gesetz hat ihm 
aber eine gegeben. Wodurch wird er gesühnt? Durch den Tod 
des Hohenpriesters, wie es heisst Num. 35,28: „Nach dem Tode des 
Hohenpriesters mag der Todschläger zurückkehren in das Land 
seines Eigentbums." Das Stirnblech sühnte nach der Ansicht des 
einen die Frechen, nach der Ansicht des anderen die Lästerer. 
Wer da sagt, dass es die Frechen sühne, kann es entnehmen von 
den Töchtern Zions, denn Ex. 28, 38 heisst es: „Es soll auf der 
Stirn Aarons sein," und Jerem. 3, 3 heisst es: „Du hast die Stirn 
einer Buhlerin und willst dich nicht schämen." Der aber, welcher 
sagt, es sühne die Lästerer, kann es an Goliath sehen. Vom Stirn- 
blech heisst es das.: „Es soll stets an seiner Stirn sein," und 
I. Sam. 16, 49 heisst es: „Der Stein (den David nach Goliath ge- 
worfen) fuhr in seine Stirn und er fiel auf sein Angesicht zur Erde." 
Warum fiel er auf sein Gesicht? Zuerst lässt sich annehmen, da- 
mit der Gerechte (David) nicht sechs Ellen und eine Spanne be- 
müht werde. Oder: Warum fiel er auf sein Gesicht? Wegen seines 
Gottes Dagon, der sich auf seinem Herzen befand, wie es heisst 
Lev. 26, 30: „Und ich werfe eure Leichname auf die Trümmer 

5* 



68 Par. X. Cap. VIII, 3. 

eurer Götzen." Oder: Warum fiel er auf sein Gesicht? Weil der 
Mund, der gelästert und geschmäht hatte, Staub lecken sollte vergL 
Hi. 40, 8: „Versenke sie in Staub allzumal, ihr Angesicht verschliess 
in Dunkel." Oder: Warum fiel er auf sein Gesicht? Weil es heisst 
Deu^. 33, 29: „Deine Feinde werden dir schmeicheln und du wirst 
auf ihren Höhen einhertreten." 

Und das Salböl. Das Salböl, das Mose in der Wüste gemacht 
hat, erklärt R. Jehuda bar Hai, ist gleich von Anfang bis zu Ende 
ein Wunderwerk gewesen. £s waren dazu anfangs nicht mehr als 
12 Log*) genommen, wie es heisst: „Heiliges Salböl soll das (n"T = 12) 
sein." Sollte das Holz damit erweicht werden? Dazu reichte es doch 
nicht aus, denn wieviel verzehrte nicht das Feuer, wieviel verschlang 
nicht das Holz, wieviel verschlang der Kessel? Und davon sollten 
doch auch Aaron und seine Sohne an den sieben Weihetagen ge- 
salbt werden, und ebenso sollte auch der goldene Altar und alle 
seine Geräthschaften (und sein Zubehör) gesalbt werden, nicht min- 
der der kupferne Altar imd alle seine Geräthschaften und der Tisch 
und alle seine Geräthschaften und der Leuchter und alle seine Ge- 
räthschaften, das Becken und sein Gestelle und davon sind auch 
später noch die Hohenpriester und die Könige bis in das zehnte 
Geschlecht gesalbt worden, nur Königssöhne wurden nicht gesalbt. 
Warum ist denn Salomo gesalbt worden? Wegen Adonia. Und 
oasch? Wegen Athalja. Und Jehoachas? Wegen seines Bruders 
ehojachim, der zwei Jahre älter war als er, und das übrige ist für 
die Zukunft geblieben, wie es heisst £x. 30, 25: „Heiliges Salböl 
soll das mir sein." Die Könige wurden nur an einer Quelle ge- 
salbt, wie es heisst i. Reg. i, 33: ,;Der König sprach zu ihnen: 
Nehmt mit euch die Knechte eures Herrn und lasset meinen Sohn 
Salomo auf meinem Maulthier reiten und führt ihn hinab zum 
Gichon." Und dann wurden die Könige nur (mit dem Oel) aus 
dem Hörn gesalbt, Saul und Jehu aber wurden mit dem Oel 
aus einem Kruge gesalbt, um damit anzuzeigen, dass ihre Regie- 
rung eine vorübergehende sein werde, dagegen David und Salomo 
wurden mit dem Oel aus dem Hörn gesalbt, weil ihre Herrschaft 
eine dauernde (ewige) sein sollte. 

Und den Stier des Sündopfers und die zwei Widder. 
R. Huna im Namen des R. Abba bar Kahana sagte: Er machte 
wie eine Art Hügel (d. i. er ordnete die Opferthiere hügelartig), 
den einen Widder von der einen und den andern Widder von der 
andern Seite und den Stier in der Mitte. 

V. 3. Und es versammle die ganze Gemeinde sich vor 
dem Eingang des Versammlungszeltes. (Wie ist das möglich?) 
R. Eleasar sagte: Die Israeliten zählten damals 600,000 und du 
sagst, (sie sollen) an der Thür des Versammlungszeltes (zusammen- 



*) Ein kleines Mass, der zwölfte Theil eines Hin. 



Par. X. Cap. VIII, 3. 5g 

iLommen)? Allein es war das einer von den Oertern, wo das 
Wenige viel fasste. So heisst es auch in Bezug auf die Schöpfungs- 
geschicfate Gen. i, 9: „Die Gewässer unter dem Himmel sollen sich 
an einem Orte sammeln/' Gewöhnlich leert der Mensch ein volles 
Gefass in ein leeres aus, oder vielleicht etwa ein volles in ein 
voDes? Die ganze Welt ist mit Wasser gefüllt (eig. Wasser in 
Wasser) und du sagst: Die Wasser sollen sich an einem Orte ver- 
sammeln? Allein es war das einer von den Oertern, wo das 
Wenige viel fasste. So heisst es £x. 9, 8: „Nehmt euch eure Fäuste 
voll Ofenmss." Nicht gleicht der, sagte R. Huna, welcher die 
Manipulation der n&^:n vollzieht, demjenigen, der die der n^^T^p 
Tc^lzieht, denn jener muss es zweimal, dieser muss es viermal thun. 
Seine Fäuste fassten acht volle Hände (]'^^73ip). Wir finden, dass 
die eine Faust des Mose soviel wie acht volle Hände fasste. 
Allein daraus geht hervor, dass Gott darreichte, Aaron es mit 
seiner Faust nahm und Mose es streute. Und du sagst das. V. 10: 
Y^Mose streute ihn gen Himmel auf einmal." Allein das ist auch 
einer von den Oertern, von wo das Wenige viel gefasst hat. So 
auch £x. 27, 9: „Die Länge des Vorhofes soll hundert Ellen lang 
und ^e Breite fünfzig Ellen sein." R. Jose bar Chalaphtha sagte: 
Die Länge des Vorhofes betrug nur hundert Ellen und alle Israeliten 
soQten in seiner Mitte stehen? Allein das war auch einer von den 
Ocrtcm, wo das Wenige viel fasste. Es heisst Num. 20, 10: „Und 
es versammelte Mose und Aaron die Gemeinde vor dem Felsen." 
R. Cbanin sagte: Der Boden war wie eine Art Sieb und alle 
Israeliten sollten darauf stehen können? Allein das war auch einer 
von den Oertern, wo das Wenige viel fasste. Es heisst Jos. 3, 9: 
„Josua sprach zu den Kindern Israels: Tretet herzu!" R. Huna 
sagte: Er stellte sie zwischen den beiden Stangen der Bundeslade 
aaf. R. Giama bar Chanina sagte: Er stellte sie zwischen die 
beiden Stangen der Bundeslade. Rabba sagte: Er drängte (presste) 
sie zwischen die beiden Stangen der Bundeslade, wie es heisst das. 
V. 10: „Josua sprach: Daran sollt ihr erkennen, dass ein lebendiger 
Gott in eurer Mitte ist." Er sprach nämlich zu ihnen: Daraus, dass 
euch der Raum zwischen den beiden Stangen der Bundeslade gefasst 
hat, erkenne ich, dass seine Schechina unter euch ist. Auch im Tempel 
hat es sich so verhalten, denn es ist gelehrt worden: Die Leute standen 
aufrecht und bückten sich bequem. (Wie ist das möglich?) R. Sa- 
muel bar Ibo im Namen des R. Acha sagte: Zwischen jedem Ein- 
lelnen musste doch ein Zwischenraum von vier Ellen nach jeder 
Seite hin sein, damit nicht einer von ihnen das hörte, was der 
andere betete. Und so wird es auch einst wieder sein, wie Jerem. 
3, 17 sagt: „In jener Zeit wird man Jerusalem den Thron Gottes 
cennen und alle Völker werden sich zu ihr versammeln." R. Jo- 
chaoan ging zur Begrüssung des R. Chanina hinauf und fand ihn 
beschäftigt mit jenem Verse: „In jener Zeit wird man Jerusalem 
den Thron Gottes nennen und alle Völker werden sich zu ihr ver- 



yo ^^^» XI« Cap. IX, I. 

sammeln." Er fragte ihn: Kann denn die Stadt so viele fassen? 
Er erhielt zur Antwort: Lass nur nicht das ausser Acht, was Jes. 
54, 2 sagt: „Erweitere den Raum deines Zeltes;" ferner das. 4, 3: 
„Denn zur Rechten und zur Linken sollst du dich ausbreiten." 



Parascha XL 

Cap. IX, V. I. Es war am achten Tage. R. Ahaba bar 
Kahana begann mit Anknüpfung an Prov. 9, i: ^,Die Weisheit bat 
sich ihr Haus gebaut;" das. V. 2: „Sie schlachtet ihr Schlachtvieh;" 
das. V. 3: „Und sendet ihre Dirnen aus, ausrufend: Wer ein Thor, 
der kehre hier ein!" R. Jeremja bar Hai legte diesen Vers auf 
die Weltschöpfung aus: „Die Weisheit hat ihr Haus gebaut" d. i. 
Gott, von dem es heisst das. 3, 19: „Mit Weisheit hat der Ewige 
die Erde gegründet." „Sie hat ihre sieben Säulen errichtet," da» 
sind die sieben Schöpfungstage, wie es heisst Ex. 20, 11: „Denn in 
sechs Tagen hat der Ewige Himmel und Erde gemacht" vergl. 
Gen. 2, 3: „Und es segnete Gott den siebenten Tag." „Sie schlachtet 
Schlachtvieh." „Und Gott sprach: die Erde lasse sprossen" (Gen. 
I, 11). „Mischt ihren Wein," und Gott sprach: Die Gewässer 
sollen sich versammeln (Gen. i, 9). „Hat auch ihren Tisch an*- 
gerichtet." Und Gott sprach: „Die Erde lasse grünen — grünes 
Kraut, das Samen trägt" (Gen. i, 11). „Sie sendet ihre Dirnen aus." 
Das ist Adam und Eva. „Auf den Rücken der Höhen der Stadt," 
weil sie Gott fliegen Hess (sie erhob) und sie göttliche Wesen 
nannte, wie es heisst: „Ihr werdet wie Götter sein." Nach diesem 
Lobe spricht die Weisheit: „Wer ein Thor ist, der kehre hier ein,**^ 
d. i. sie gaben Gottes Rath (Meinung) auf und folgten (gingen 
hinter) dem Rathe (der Meinung) der Schlange. Darum spricht auch 
die Weisheit zu dem Verstandlosen das. 3, 19: „Von Staub bist du 
und zum Staub wirst du zurückkehren." 

R. Jona deutete im Namen des R. Abba bar Jeremja obigen 
Vers auf Gog in der Zukunft. „Die Weisheit baut auf ihr Haus" 
d. i. der Tempel, wie es heisst Prov. 24, 3: „Mit Weisheit wird 
das Haus gebaut!" „und hat ihre sieben Säulen errichtet" d. s. die 
sieben Jahre Gogs, denn'R. Jona hat im Namen des R. Abba 
bar Kahana gesagt: Während dieser sieben Jahre schleifen sie die 
Griffe der Schwerter, der Lanzen und Messer s* Ezech. 39, 9: „Und 
es ziehen aus die Bewohner der Städte Israels und verbrennen und 
zünden an Waffen und Schilde und Tartschen und Bogen und 
Pfeile, Fauststangen und Speere und sie werden sie verbrennen mit 
Feuer sieben Jahre." Und jene sieben Jahre sind die Hochzeits- 
geschenke (Schätzungen) der Frommen in der Zukunft und das Zeichen 
ist: Wer die Hochzeitsgeschenke macht, der nimmt auch mit an dem 



Far. XI. Cap. IX, l. 



71 



Hochzeitsmahle Theil.*) „Sie schlachtet ihr Schlachtvieh" s. Ezech. 
39, i8: „Das Fleisch der Helden sollt ihr essen;" „mischt ihren 
Wein'* s. Ezech. das.: „Das Blut der Fürsten des Landes sollt 
ihr trinken; „richtet ihren Tisch an" s. Ezech. 39, 20: „Ihr werdet 
euch an meinem Tische sättigen mit Rossen und Reitern." „Sie 
sendet ihre Dirnen aus" d. i. Ezechiel, denn es heisst Ezech. 39, 17: 
„So spricht der Ewige, Gott: Sage den Vögeln, allem Geflügel und 
lu allen Thieren des Feldes." 

Bar Kapra legte den Vers auf die Thora aus." Die Weis- 
heit hat ihr Haus gebaut" d. i. die Thora, wie es heisst Prov. 2, 6: 
„Denn der Ewige giebt Weisheit," und das. 8: „Der Ewige hat 
mich eingesetzt als das Erste seines Werkes;" „und sie hat ihre sieben 
Säulen errichtet" d. s. die sieben Bücher der Thora. Sind es denn 
aber nicht nur fünf? Allein Bar Kapra macht von ^nn*ii bis 
Nnm. 10, 35: „Und es geschah, wenn die Lade aufbrach" ein be- 
sonderes Buch, und von '^n'n bis das. V. 36 ünosi, und wenn sie 
nihte, auch ein besonderes Buch, und von da bis zu Ende auch 
ein besonderes Buch, siehe das sind sieben. „Sie schlachtet ihr 
Schlachtvieh" d. s. die Strafbestimmungen; „mischt ihren Wein" 
d. s. die Schlüsse vom Leichteren auf das Schwerere (de minore ad 
majus); „hat auch den Tisch angerichtet" d. s. die Schätzungen; 
„sendet ihre Dirnen aus" d. s. die Israeliten, ,,auf den Rücken der 
Höhen der Stadt," weil sie Gott fliegen Hess (erhoben) und sie 
Götter genannt hat, wie es heisst Ps. 82, 6: „Ich sprach: ihr seid 
Götter." Nach all diesem Lobe spricht sie Prov. 9, 4; „Wer ein 
Thor ist, kehre hier ein.'* Das sind diejenigen, die ihre Meinung 
an Gott aufgaben und zum Kalbe sprachen, Ex. 32, 4: „Das ist 
dein Gott, Israel ! " Darum spricht die Weisheit zum Verstandlosen 
Ps. 82, 7: „Doch wie Menschen sollt ihr sterben." 

R. Abba bar Kahana legte den Vers auf das Versammlungs- 
zeJt aus. „Die Weisheit baut sich ihr Haus" d. i. Bezaleel, von 
dem es heisst Ex. 31, 3: „Ich fülle ihn mit dem Geiste Gottes;" „und 
sie hat ihre sieben Säulen errichtet" d. s. die sieben Weihetage, wie 
es heisst Lev. 8, 33: „Denn sieben Tage sollt ihr eingeweiht wer- 
den;" „sie schlachtet ihr Schlachtvieh" d. s. die Opfer; „mischt 
ihren Wein" d. s. die Trankopfer; „richtet auch ihren Tisch an" 
d- i. die Anordnung der Schaubrote; „schickt ihre Dirnen aus" d. i. 
Mose, wie es heisst Lev. 9, i: „Es war am achten Tage, da berief 
Mose Aaron und seine Sohne." Das sagt auch der heilige Sänger 
Ps. 18, 26: „Mit dem Gläubigen bist du gütig, gegen den redlichen 
Mann bist du redlich, gegen den Reinen bist du rein und gegen 
den Falschen bist du treulos." R. Jehuda und Rab Nachman. 
R. Jehuda legte den Vers auf unsern Vater Abraham aus. Wenn 
dieser mit seiner Frömmigkeit auftrat, kann ihm Gott auch mit 
Frömmigkeit entgegen, trat er mit Unschuld auf, dann kam ihm 



•) Vcrgl. Jerusch. Schebuot IV, ii. 



72 Par. XI, Cap. IX, l. 

Gott auch mit Unschuld entgegen, trat er mit Hinterlist (Tücke) 
auf, so kam ihm Gott auch mit Hinterlist entgegen. Wenn er über 
seine Angelegenheiten Gewissheit haben wollte, so gab sie ihm Gott. 
Wann trat er mit Frömmigkeit auf? Als er (zu den Fremden) 
sprach Gen. i8, 3: „Gehe doch nicht vor deinem Knecht vorüber." 
Was steht noch da? Y.22: „Abraham stand noch vor dem Ewigen." 
R. Simon sagte: Eigentlich ist das nur eine Verbesserung der 
Schriftgelehrten; (es sollte eigentlich heissen): die Schechina wartete 
auf ihn. Wann trat er mit Unschuld (Menschenliebe) auf? Als er 
(für die Sodomiter betete und) sprach das. V. 28: „Vielleicht fehlen 
an den fünfzig Gerechten fünf." Und was war die Erwiederung? 
„Und Gott sprach: ich werde nicht verderben, wenn ich daselbst 
fünfundvierzig finde." Wann kam er aber mit Hinterlist? Als er 
sagte das. 15, 2: „Ich wandle doch kinderlos." Was steht daselbst? 
V. 4: „Dieser soll dich nicht beerben." Wann wurde ihm Klarheit 
über seine Angelegenheiten? Als er sprach das. V. 8: „Woran soll 
ich erkennen, dass ich es (das Land) in Besitz nehmen werde?" 
Und was steht noch dort? V. 13: „Wissen sollst du, dass deine 
Nachkommen Fremdlinge sein werden." 

R. Nechemja legte den Vers auf Mose aus. Trat dieser mit 
Frömmigkeit auf; so kam ihm auch Gott mit Frömmigkeit entgegen, 
trat er mit Unschuld auf, so kam ihm Gott auch mit Unschuld 
entgegen, kam er mit Hinterlist, so kam ihm Gott auch mit Hinter- 
list entgegen, wenn er über seine Geschicke Gewissheit (Aufklärung) 
haben wollte, so gab ihm Gott Gewissheit. Wann trat er mit 
Frömmigkeit auf? Als er sprach Ex. 33, 18: „Lass mich doch deine 
Herrlichkeit sehen." Was steht noch dort? V. 19: „Ich werde 
meine Schöne vorüberziehen lassen." Wann kam er in Unschuld? 
Als er sagte das. 3, 3: „Warum verbrennt der Dornbusch nicht? 
Da erhielt er die Antwort: Weil meine Herrlichkeit sich darin be- 
findet. Wann kam er mit Hinterlist? Als er sprach V. 13: „Und 
sie zu mir sprechen, welches ist sein Name? was soll ich ihnen da 
sagen?" Da sagte Gott zu ihm: „Das ist mein Name, dass ich 
sein werde, der ich sein werde." Wann wollte er über seine An- 
gelegenheiten Aufschluss haben? Als Gott zu ihm sagte das. V. 10: 
„Und nun wohlan, ich werde dich zu Pharao senden." Da antwortete 
er: „Sende doch, wen du senden willst." (Und er sagte:) „und seitdem 
ich zu Pharao gekommen, geht es dem Volke noch schlimmer," erhielt 
er die Antwort das. 6, i: „Nun wirst du sehen." R. Judan sagte 
im Namen des R. Jose bar Jehuda und R. Berachja im Namen des 
R. Josua ben Karcha: Während der vierzig Jahre, in welchen die 
Israeliten in der Wüste waren, hat Mose sich nicht geweigert, das 
Hohepriesteramt zu versehen, wie es heisst Ps. 99, 6: „Mose und 
Aaron in seinen Priestern." R. Berachja im Namen des R. Simon 
beweist es aus i. Chron. 23, 13, wo es heisst: „Die Söhne Am- 
rams, Aaron und Mose, und Aaron ward ausgesondert, um das 
Hochheilige zu heiligen," „zu stehen und zu dienen im Namen des 



Par. XL Cap. IX, i. 



73 



Ewigen;'* das. V. 14: „Und Moses, des Mannes Gottes Söhne, 
worden nach dem Stamme Levi genannt." R. Eleasar bar Jose 
sagte: Erkläre uns, dass Mose in einem weissen Gewände an den 
sieben Weihetagen den Dienst verrichtete. R. Tanchum im Namen 
des R. Judan hat gelehrt: Während dieser sieben Weihetage, wo 
Mose das Hohepriesteramt verrichtete, ruhte die Schechina nicht auf 
ihm. Das steht Lev. 9, 24: „Das ganze Volk sah es und sie fielen 
auf ihr Angesicht'' R. Samuel bar Nachman sagte: Während der 
sieben Tage am Dombusche redete Gott Mose zu, dass er in seiner 
Sendung nach Aegypten gehen sollte, denn so heisst es £x. 4, 10: 
„Ich bin kein Mann von Worten, weder seit gestern noch seit vor- 
^tem, auch seitdem du mit deinem Knechte gesprochen hast." 
Siehe das sind sechs Tage. Und am siebenten Tage sprach er zu 
ihm: „Sende doch, wen du senden willst" Du sagst, sprach Gott 
zu Mose, sende, wen du senden willst, bei deinem Leben! ich werde 
<üch in deine eigenen Flügel verwickeln (einbinden). Wenn widerfuhr 
ihm das? Nach R. Berachja haben R. Levi und R. Chelbo etwas 
gesagt R. Levi sagte: An allen sieben Weihetagen des Monats 
Adar betete Mose und flehte, dass er in das Land Israel komme, 
und am siebenten Tage ward ihm der Bescheid Deut 3, 27: „Du 
sollst nicht über diesen Jordan gehen." R. Chelbo sagte: An allen 
sieben Weihetagen versah Mose das Hohepriesteramt in der Mei- 
nung, es gehöre ihm; am siebenten Tage wurde ihm aber eröffnet: 
es ist nicht dein, sondern das Eigenthum deines Bruders Aaron, wie 
es heisst: „Und es geschah am achten Tage." R. Tanchuma und 
R. Chija und R. Berachja im Namen des R. Eleasar von Modin 
sagten: Dieser Midrasch ist mit uns aus der Gefangenschaft herauf- 
gekonmien, überall wo ^n^i, es war in den Tagen, steht, gab es eine 
Noth. R. Samuel bar Nachman sagte: Fünfmal steht dieser Aus- 
druck Gen. 14, i: „Es war in den Tagen Amraphels." Was gab 
es da für eine Noth? „Esau führte Krieg." Gleich dem Freunde 
eines Königs, welcher in ein Land zog, seinetwegen befasste sich 
der König mit dem Lande, da kamen die Barbaren und machten 
sich an ihn. In Folge dessen sprachen alle: ^i Wehe, der König 
wird sich nicht mehr mit dem Lande befassen, wie bisher geschehen. 
Ebenso war auch Abraham der Freund Gottes und es heisst von 
ihm: „Und durch dich sollen gesegnet werden" u. s. w. Seinet- 
wegen befasste sich Gott mit der ganzen Welt, da kamen aber die 
Chaldäer und machten sich an ihn. Da erscholl ein Weheruf, weil 
Gott sich nicht mehr mit seiner Welt befassen werde, wie es bisher 
geschehen. So heisst es auch das. 14, 7: „Sie kehrten um und 
kamen zur Quelle des Rechts (üd\D72), das ist Kadesch (;bip)." 
R. Chija sagte: Sie überfielen ihn nur, weil er der Augapfel der 
Welt war d. i. das Auge, was die Strafgerechtigkeit in der Welt 
übt, suchten sie zu blenden, „das ist Kadesch.** R. Acha sagte: 
Es heisst darum Kirr, weil er den Namen Gottes geheiligt 
hatte, als er in den Gluthofen hinabstieg. Als nun die Könige 



74 Par. XI. Cap. IX, i. 

kamen und ihn überfielen, da fingen sie an zu schreien: ^ti, ^m 
Wehe! wehe! wie es heisst: ,on'^i, Wehe in den Tagen Amraphels." 
Es heisst Jes. 7, i: „Und es war in den Tagen Achas, des Sohnes 
Jothams/' Was gab es denn da für eine Noth? £s heisst das. 
9, ii: „Der Aram grijQf vorn an und die Philister von hinten.** 
Gleich einem Könige, welcher seinen Sohn einem Pädagogen über- 
gab. Der Pädagog hasste denselben, er dachte aber bei sich: 
Tödte ich ihn jetzt, so verwirke ich meinen Kopf bei dem Konige, 
ich will ihn lieber seiner Amme entziehen, so stirbt er von selbst. 
Ebenso dachte Achas. Giebt es keine Böckchen, so giebt es auch 
keine Böcke, giebt es keine Böcke, so giebt es keine Schafe, giebt 
es keine Schafe, so giebt es auch keine Hirten, giebt es keine 
Hirten, so giebt es auch keine Welt. Demgemäss dachte Achas: 
Giebt es keine Kleinen, so giebt es auch keine Schüler, giebt es keine 
Schüler, so giebt es auch keine Weisen (Gelehrten), giebt es keine 
Weisen, so giebt es auch keine Thora und giebt es keine Thora, 
so giebt es auch keine Versammlungs- und Lehrhäuser; giebt es 
keine Versammlungs- und Lehrhäuser, so ruht auch Gottes Sche- 
china nicht auf der Welt. Was machte er? Er erhob sich und 
verschloss die Versammlungs- und Lehrhäuser, wie es heisst das. 
8, 16: „Wickle ein die Kundmachung, versiegle die OiOfenbarung 
auf meinen Schülern.'* R. Huna im Namen des R. Eleasar sagte: 
Warum hiess er Achas? Weil er sich an den Versammlungs- und 
Lehrhäusern vergriJQf. R. Jacob im Namen des R. Acha sagte: 
(Dass es so war,) kannst du entnehmen aus das. V. 17: „Und ich 
harre auf den Ewigen, welcher sein Antlitz verbirgt** u. s. w. Es 
giebt keine schwerere Stunde als diese, von der es heisst Deut. 
31, 18: „Und ich will verbergen mein Antlitz an jenem Tage.** 
Von dieser Stunde heisst es Jes. 8, 17: „Und ich harrte auf den 
Ewigen;** s. Deut. 31, 21: „Denn es soll nicht vergessen werden aus 
dem Munde seines Samens.** Was nützte es ihm? S. Jes. 8, 18: 
„Siehe, ich und die Knaben, welche mir der Ewige gegeben.** 
Waren es denn seine Kinder, waren es nicht seine Schüler? Allein 
daraus geht hervor, dass der Schüler eines Menschen sein Sohn 
heisst. Als alle sahen, dass er sich an den Versammlungs- und 
Lehrhäusern vergriff, fingen sie an zu schreien: ^ii; "»n Wehe! 
•^nC'^i) Wehe, Wehe war in den Tagen des Achas. Es heisst Jerem. 
I, 3: „Es war in den Tagen Jehojachims des Sohnes Josia's.'* Was 
gab es denn da für eine Noth? Es heisst das. 4, 23: „Ich sah das 
Land und siehe, wüst und leer ist es.** Gleich den Briefen eines 
Königs, welche in eine Provinz gelangten, in jeder Provinz, in 
welcher die Briefe eintrafen, da standen die Bewohner auf ihren 
P^üssen und entblössten ihre Häupter und lasen sie mit Schrecken 
und Furcht, mit Zittern und Beben, als sie aber in die Provinz 
des Königs gelangten, da standen die Leute auf, zerrissen sie 
und verbrannten sie und sprachen: Wehe uns, wenn der König es 
merken wird! So heisst es Jerem. 36, 23: „Als Jehudi drei oder 



Par. XI. Cap. IX, i. y^ 

vier Verse gelesen hatte" o. s. w. and als sie an den fünften Vers 
kamen Tbreni i, 5: „Ihre Widersacher sind obenauf/' „da zerschnitt 
er ne sofort mit dem Schreibermesser und warf sie ins Feuer in 
der Kohlenpfanne'' (s. Jerem. 36, 23). Als sie das sahen, fingen sie 
an ^n, m Wehe, Wehe! zu schreien, wie es heisst: „TT'^i Wehe 
war in den Tagen Jebojachims." Es heisst ferner £sth. i, i: „Und 
es war in den Tagen Achaschverosch." Was gab es da für eine 
Noth? Es war verhängt worden die Juden zu vertilgen, zu er- 
würgen und zu vernichten. Gleich einem Könige, welcher einen 
Weinberg hatte. Es machten sich drei Feinde über ihn her, der 
eine begann die Beeren abzureissen, der andere begann die Trauben- 
kämme abzuschneiden, der dritte entwurzelte die Weinstöcke. Pharao 
fing ani die Beeren abzureissen, wie es heisst Ex. i, 22: „Jeder neu- 
geborne Sohn soll ins Wasser geworfen werden;" Nebucadnezar be- 
gann die Traubenkämme abzuschneiden, wie es heisst 2. Reg. 24, 16: 
„Und die Zimmerleute und die Schlosser Tausend." R. Berachja 
im Namen des R. Jehuda und die Rabbinen sind darüber verschie- 
dener Meinung. R. Berachja im Namen des R. Jehuda sagte: 
Die Zunmerleute waren Tausend und die Schlosser waren Tausend. 
Die Rabbinen dagegen sagen: Beide zusammen waren Tausend. 
R. Jehuda bar R. Simon sagte: Es sind darunter die Gelehrten zu 
verstehen; R. Samuel bar R. Jizchak dagegen sagte: Es sind dar- 
unter die Rathsherren gemeint; die Rabbinen endlich sagen: Es sind 
die Rathgeber gemeint. Der ruchlose Haman endlich fing an, die 
Weinstöcke zu entwurzeln und er wollte das £i Israels ausmerzen, 
er wollte es mit dem ganzen Neste zerfliessen machen. So heisst 
es Esth. 3, 13: „Um die Juden zu vertilgen, zu erwürgen und zu 
vernichten." Als alle sahen, dass Achaschverosch verkaufte und 
Haman kaufte, fingen alle an ^n, "^m Wehe, Wehe! zu schreien, 
wie es heisst: „^rr^T Wehe war in den Tagen des Achaschverosch." 
Es heisst endlich Ruth i, i: „Es war in den Tagen, wo man die 
Richter richtete." Was gab es denn da für eine Noth? „Es war 
Hungersnoth im Lande." Gleich einem Lande, welches dem König 
Steuerreste (loiTtag) schuldig war und es sandte der König einen 
Steuereinnehmer ab, um sie einzutreiben. Was machten die Bewohner? 
Sie erhoben sich, hängten ihn und brandschatzten ihn. Dann 
sprachen sie: Wehe, wenn es der König merken (in Erfahrung 
bringen) wird. Was der Bote des Königs uns thun wollte, das 
haben wir ihm gethan. So war es auch zur Zeit der Richter. So- 
wie ein Israelit etwas that, was sich nicht geziemte, führten sie ihn 
zum Richter, sowie aber der Richter Strafe über ihn verhängen 
wollte, vollzog er die Strafe an dem Richter. Da sprach Gott zu 
ihnen: Ihr verachtet eure Richter, siehe, ich bringe über euch etwas, 
worin ihr nicht werdet bestehen können. Und was war das? 
Hungersnoth, wie es heisst: „Ti"^! Wehe, Hunger war im Lande!" 
Simeon bar Abba sagte im Namen des R. Jochanan: Ueberall, 
wo es heisst: ^Sr^i, da trat Noth und Freude ein, war Noth, so war 



76 Par. XL Cap. IX, i. 

es eine Noth ohne ihresgleichen , war es Freude, so war es eine 
Freude ohne ihresgleichen, da kam R. Ismael und machte eine 
Trennung (einen Unterschied zwischen ^rt^n und Ji^üi): Ueberall wo 
es ^JT'n heisst, da gab es weder eine Freude noch eine Noth, Da 
wurde ihm eingewandt Gen. i, 3: „Und Gott sprach: es werde 
Licht und es ward Licht?" Er antwortete: Auch das war keine 
Freude, weil die Welt nicht würdig war, sich jenes Lichtes zu be- 
dienen, denn R. Juda bar Simon hat gesagt: Mit dem Lichte, 
welches Gott am ersten Tage erschaffen, hätte der Mensch sehen 
und schauen können von einem Ende der Welt bis zum andern. 
Als aber Gott das Werk des Geschlechtes Enosch und das Werk 
des Geschlechtes der Flnth sah, dass sie verderbt waren, erhob er 
sich und verbarg es vor ihnen, wie es heisst Hi. 38, 15: „Und er 
verbarg vor den Frevlem ihr Licht." Und wohin verbarg er das- 
selbe? In den Garten Eden, wie es heisst Ps. 97, 11: „Licht geht 
auf dem Gerechten und den Herzensgraden Freude." Man hielt 
ihm sodann ein: Es heisst doch Gen. i, 5: „Es ward Abend und es 
ward Morgen ein Tag?" Er antwortete: Auch das ist keine 
Freude, denn alles, was am ersten Tage erschaffen worden ist, 
wird einst untergehen, wie es heisst Jes. 51, 6: „Denn die Himmel 
werden vergehen wie Rauch und die Erde" u. s. w. Ferner warf 
man ihm ein: Es heisst doch: Es ward Abend und es ward Morgen, 
ein zweiter, dritter, vierter, fünfter, sechster Tag (d. i. es heisst so: 
Es ward Abend u. s. w. am zweiten u. s. w. Tag)? Er antwortete: 
Auch das ist keine Freude, denn alles, was in den sechs Schöpfungs- 
tagen erschaffen worden ist, bedarf erst der Zubereitung, der Weizen 
muss gemahlen, der Senf muss süss gemacht werden, die Feig- 
bohnen müssen süss gemacht werden. Sodann hielt man ihm ein: 
Es heisst Gen. 39, 21: „Und der Ewige war mit Joseph und er war 
ein Mann, dem alles glückte?" Er antwortete: Auch da war die 
Freude nicht vollkommen, weil jene Frevlerin sich an ihn machte. 
Man hielt ihm ein: Es heisst: „Es war am achten Tage?" Er ant- 
wortete ihnen: Auch da gab es keine Freude, denn an jenem Tage 
starben Nadab und Abihu. Man hielt ihm ein: Es heisst Num. 
7, i: „Und es geschah am Tage, da Mose vollendet hatte?" Er 
antwortete ihnen: Auch da war keine Freude, weil in ihm an dem 
Tage der Bau des Hauses verborgen wurde. Man warf ihm ein: Es 
heisst Jos. 6, 27: „Und der Ewige war mit Josua?" Er antwortete 
ihnen: Auch da gab es keine Freude, weil Jair getödtet worden 
war, welcher soviel wog wie die Mehrzahl des Synedriums, wie es 
heisst das. 7, 5: „Und es schlugen von ihnen die Männer von Ai 
bei 36 Mann." Es heisst nicht 36 Mann, sondern bei 36 Mann. 
R. Judan sagte: Das ist Jair ben Manasse, welcher soviel wie die 
Mehrzahl des Synedriums wog. Man hielt ihm wieder ein: Es 
heisst I. Sam. 18, 14: „Und David hatte Glück auf allen seinen 
Wegen und der Ewige war mit ihm?" Er antwortete: Auch da 
war keine Freude, denn es steht von ihm geschrieben das. V. 9: 



Par. XI. Cap. IX, i. 



77 



„Und Saal sah David mit scheelen Augen an." Man hielt ihm 
endlich ein: £s heisst 2. Sam. 7, i: „Und es geschah, als der König 
in seinem Hause sass und der Ewige ihm Ruhe geschafft?" Auch 
da war keine Freude, denn an jenem Tage kam der Prophet 
Nathan und sprach zu ihm i. Reg. 8, 19: „Du sollst das Haus nicht 
bauen." Man sprach zu ihm: Jetzt hast du das Unsrige (unsre 
Einwendungen) gehört, bringe nun das Deinige vor. £r sprach zu 
ihnen: Es heisst Joel 4, 18: „Und an jenem Tage werden die Berge 
Most träufeln;" Jes. 7, 21: „Und es geschieht zu derselben Zeit, 
wenn jemand eine junge Kuh und ein paar Schafe hält,*" Sach. 
14, 8: „Und an jenem Tage wird lebendiges Wasser von Jerusalem 
ausgehen;" Ps. i, 3: „Und er wird sein wie ein Baum, gepflanzt 
an Wasserbächen;" Micha 5, 6: „Und Jacobs Rest ist in der Mitte 
irieler Völker." Sie hielten ihm wieder ein: Es heisst doch Jerem. 
38, 38: „Und es geschah, da Jerusalem eingenommen ward." Er 
gab ihnen zur Antwort: Auch da gab es keine Noth, denn an jenem 
Tage empfingen die Israeliten eine Erlassurkunde über ihre Sünden; 
denn R. Ismael bar Rab Nachman hat gesagt: Eine vollständige 
Erlassnrkunde erhielten die Israeliten über ihre Sünden erst am Tage, 
wo der Tempel zerstört wurde. So heisst es Thren. 4, 22: „Es ist 
abgethan deine Schuld, Tochter Zions, nicht mehr wird er dich 
wegführen." 

Und die Aeltesten Israels. R. Akiba sagte: Die Israeliten 
werden mit einem Vogel verglichen. Wie der Vogel nicht ohne 
Flügel fliegen kann, so können auch die Israeliten nicht etwas ohne 
ihre Alten thun. R. Jose bar Chalaphtha hat gesagt: Das Greisen- 
alter hat einen grossen Werth (wenn mit demselben Erfahrung oder 
Erkenntniss verbunden ist), sind sie alt, so sind sie beliebt (ver- 
ehrungswürdig); sind sie aber jung, so ist die Jugend ihnen eine 
schöne Zugabe. Denn R. Simeon ben Jochai hat gelehrt: Nicht an 
einem Orte; nicht an zwei Orten, sondern an vielen Orten finden 
wir, dass Gott den Alten Ehre erwiesen hat. Beim Dornbusche Ex. 
3, 16 heisst es: „Geh und versammle die Aeltesten Israels;" in 
Aegypten das. V. 18: „Du und die Aeltesten Israels sollen gehen;" 
am Sinai das. 24, i: „Steige herauf zum Ewigen, du und Aaron, 
Nadab, Abihu und die siebenzig von den Aeltesten Israels;" in der 
Wüste Num. 11, 16: „Versammle mir siebenzig Männer von den 
Aeltesten Israels;" beim Stiftszelt: „und für die Aeltesten Israels," 
und auch in Zukunft erweist Gott den Aeltesten Ehre, wie es heisst 
Jes. 24t 23: „Der Mond wird erblassen und die Sonne wird beschämt 
sein," von den Aeltesten aber heisst es das.: „Vor seinen Aeltesten 
in der Herrlichkeit." R. Ismael bar Bibi, R. Simeon und R. Rüben 
sagten im Namen des R. Chanina: Einst wird Gott sich eine 
Sitzung von seinen Aeltesten bilden s. das. 24, 23: „Denn der 
Ewige Zebaoth regiert auf dem Berge Zion und in Jerusalem und 
vor seinen Aeltesten in Herrlichkeit." Es steht hier nicht: in 
Gegenwart der Alten (D'^DpT n:i3), sondern in Gegenwart seiner 



78 Par. XII. Cap. X, 9. 

Alten (i'^spt ^^:i). R. Abin sagte im Namen des R. Ismael bar R. 
Josua: Einst wird Gott sitzen wie auf einer Tenne und die Ge- 
rechten sitzen vor ihm, wie es heisst i. Reg. 22, 10: „Und der König 
von Israel und Josaphat, der Konig von Juda sassen ein jeglicher 
auf seinem Throne, angethan mit Kleidern auf der Tenne ?'* Allein 
es ist gelehrt worden:') Der Sitz des Synedriums hatte die Form 
einer halbrunden Tenne, damit sie sich einander sehen konnten. 
Salomo sagte: Ich habe ihn (sitzen) gesehen gedrängt zwischen 
ihnen. So heisst es Prov. 31, 23: „Gekannt ist in den Thoren ihr 
Mann, wenn er sitzt mit den Aeltesten des Landes.'* R. Berachja 
und R. Chelbo und Ula Bera und R. Eleasar sagten im Namen des 
R. Chanina: Einst wird Gott an der Spitze des Reigens der Ge- 
rechten stehen. Das ist auch Ps. 48, 14 gesagt: „Wendet euer Herz 
(Aufmerksamkeit) rjbTib." Es heisst nbinb, auf den Reigen und die 
Gerechten erheben sich mit Jugendkrafl und deuten wie mit dem 
Finger auf ihn hin und sprechen das. V. 15: „Dieser Gott ist unser Gott 
immer und ewig" d. i. mit Jugendkraft (mTO-^bys), mit Hurtigkeit. 
Oder m>3b:? bedeutet: «nTsbny ]'^b«D, wie diese Jungfrauen (die einen 
kräftigen Gang haben), wie es heisst Ps. 48, 15: „Er führt uns wie 
Jungfrauen." Aquilas übersetzt das Wort mTDby mit rrND'^onN, 
a&avaala (= njw-b«) d. i. in der Welt, in welcher kein Tod ist 
Oder mTaba? bedeutet so viel wie mTobi:? d. i. in zwei Welten, er 
wird uns leiten in diese und in jene Welt. 

Parascha XII. 

Cap. X, 9. Wein und berauschendes Getränk sollst 
du nicht trinken. Das steht auch Prov. 23, 31: „Siehe nicht auf 
den Wein, wenn er so roth ist." Was heisst ö^fi^n*^ ■'D? Wenn 
er Lust erregt nach dem Blut des Menstruum und nach dem Blute 
des Schleimflusses. „Wenn er Perlen im Becher (oiwä) wirft." Es 
heisst: 0*^31, im Beutel. Das ist ein reiner Ausdruck (für die weib- 
liche Scham), wie es heisst Prov. i, 14: „Ein Beutel soll für uns alle 
sein." „Und sanft hinabschleicht," zuletzt spricht sein Weib zu ihm: 
ich habe wie eine rothe Rose gesehen, und er entfernt sich nicht 
von ihr. Ist derselbe ein Gelehrter, sagte R. Asi, so ist das Ende, 
dass er das Reine für unrein und das Unreine für rein erklärt. 

Oder: „Sieh nicht auf den Wein, wenn er roth ist" d. i. wenn 
er wirklich roth macht (d. i. berauscht); is**^» DiDi ■n*^ "^D d. i. wenn 
er in den Becher sein Auge wirft (o*^DS i:*^:^ ]m5) und der Verkäufer 
sein Auge auf den Beutel lenkt (oiDn 13'»5? pis, dass er sein Geld 
bekommt); „und er sanft (D'^Ti"«?3S) hinabschleicht," zuletzt macht er 
sein Haus zur Ebene (n^iö'»)3). (Er fragt dann :) Wozu der kupferne 
Topf, eine Scherbe (ein irdener) verrichtet dasselbe, er verkauft ihn 
und trinkt für dessen Werth Wein. R. Jizchak bar Redipha im 

•) Sanhedr. fol. 36^ 



Par. XII. Cap. X^ 9. ß 7^ 

Namen Rabbis sagte: Zuletzt verkauft er alle GejmRchaften seines 
Hauses und trinkt dafür (für den Erlös) Wein. Jm verkaufte einer, 
erzahlte R. Acha, alle Geräthe seines Hauses und trank dafür 
(für den Erlös) Wein. Unser Vater lässt uns gar nichts, sprachen 
seine Sohne. Wir gaben ihm zu trinken und berauschten ihn, 
brachten ihn hinaus und setzten in das Haus der Ewigkeit (d. i. in 
eine Höhle des Friedhofes).*) Am Eingange des Friedhofes zogen 
Weinhandler vorüber, welche einen Lärm in der Stadt hörten; sie 
luden ihre Vorräthe auf dem Friedhofe ab und gingen, um zu 
sehen, was in der Stadt vorgehe. Unterdessen erwachte der Trunken- 
bold von seinem Schlafe und sah einen Weinschlauch zu seinem 
Kopfe, er nahm ihn und legte ihn in seinen Mund. Nach drei 
Tagen sprachen seine Söhne: Wollen wir nicht gehen und sehen, 
was unser Vater macht? Sie gingen dahin und fanden ihn mit 
einem Schlauch in seinem Munde. Auch, hier verlässt dich dein 
Schöpfer nicht, sprachen sie, und giebt dir (zu trinken), nun wissen 
wir nicht, was wir mit dir thun sollen. Da fassten sie den Be- 
schluss, dass jeder von ihnen einen Tag ihm zu trinken gebe. Es 
heisst Prov.23,34: „Du bist wie einer, der mitten im Meere liegt und 
wie einer, der auf der Spitze des Mastbaumes liegt'* d. i. wie jenes 
^ck^S^ was in der Tiefe («73^1 oiab'^Dä) des Meeres taumelt d i. 
auf- und niedersteigt; „wie einer, der auf der Spitze des Mast- 
baumes liegt" d. i. wie jener Hahn, welcher auf der Spitze eines 
Seiles sitzt und dieses hin- und herschwebt (eig. geht und kommt), 
wie der Steuermann (gubernator), der am Ruder sitzt und dieses sich 
hin- und herbewegt Das. V. 35: ;,Man schlägt mich, ich fühle es 
nicht" d. L man schlägt ihn und er merkt es nicht, „man stösst 
mich und ich weiss es nicht" d. i. man stösst ihn und er weiss es 
nicht. Er hat fünf Kisten**) getrunken, der Verkäufer aber sagt 
zu ihm: Du hast zehn Kisten getrunken und wenn du denkst, dass 
er, wenn er von seinem Schlafe erwacht, die Gewohnheit etwa 
lassen werde, so folgt gleich: „Er spricht: Wenn ich erwache, dann 
fahre ich fort und suche ihn (den Wein) wieder." Das. V. 29: 
„Wem ist Weh? Wer hat Trauer? Wer hat Zank? Wer hat Ge- 
schwätz (Gerede)?" Derjenige, sagte R. Huna, der sich nicht mit 
den Worten des Gesetzes beschäftigt. „Wer hat Wunden ohne Ur- 
sachen? d. i. wer erleidet vergeblich Wunden; „wer hat Zank?" 
d. i. wer hat Rechtshändel; „wer hat Geschwätz?" d. i. wer hat 
unnützes Gerede; „wer hat Wunden umsonst?" d. i. wer hat Wunden 
unverschuldet? V. 30: „Die beim Wein verweilen." 

Ein Mann pflegte täglich zwölf Kisten Wein zu trinken, eines 
Tages hatte er nur elf getrunken, er legte sich in's Bett und konnte 



•) Damit er nicht wisse, wer ihn ausgesetzt (dahin gebracht) habe, er 
wird in sich gehen und die üble Gewohnheit aufgeben. In einem alten 
Manuscript habe ich gefunden, dass die Kinder ihn dort begraben haben. M. K. 
••) Ein Maas. 



8o Par.XII. Cap.X, 9. 

nicht einschlafen (eig. der Schlaf kam nicht), er stand in der Finster- 
niss auf, ging zum Krämer und sprach zu ihm: Verkaufe mir eine 
Kiste Wein. Ich kann dir nicht öJQfnen, denn es ist finster und ich 
habe Angst vor den Wächtern. Der Trunkenbold erhob seme 
Augen und wurde eine Oeffnung am Thore (an der Ladenthür) gewahr. 
Reiche mir durch dieses Loch die Labung, ich trinke draussen. 
Der Weinschenk that es, der Käufer trank und schlief vor dem 
Thore ein. Die Wächter gingen vorbei (sahen ihn liegen) und 
hielten ihn für einen Dieb. Sie schlugen und verwundeten ihn und 
wandten auf ihn an: „Wer erhält Wunden unschuldiger Weise?" 
d. i. wer erhält ohne Verschulden Wunden? „Wer hat trübe Augen?**^ 
d. i. wer hat rothe Augen? Alle diejenigen, „welche beim Wein ver- 
weilen" d. i. der, welcher zuerst zum Weinschenk hineingeht und 
zuletzt wieder herauskommt. „Die kommen, um gewürzten Wein zu 
kosten" d. i. die da horchen, wo guter Wein zu haben ist. Was 
folgt aber dann? V. 32: „Am Ende sticht er wie eine Schlange" 
d. i. wie die Otter zwischen Tod und Leben trennt, so hat auch 
der Wein zwischen Adam und Eva Trennung (Unheil) bewirkt (an- 
gerichtet); denn R. Jehuda bar Hai hat gesagt: Jener Baum, von 
dem Adam gegessen hat, war ein Weinstock (eig. waren Trauben) 
s. Deut. 32, 32: „Ihre Trauben sind Trauben von Gift" d. i. diese 
haben Bitterkeit in die Welt gebracht. Oder: „Wie eine Otter 
scheidet er" d. i. wie die Otter zwischen Leben und Tod scheidet^ 
so hat auch der Wein zwischen Noach und seinen Kindern ge- 
schieden (Zerwürfniss angerichtet), indem er die Knechtschaft be- 
wirkte s. Gen. 9, 21: „Und er trank von dem Wein und berauschte 
sich und entblösste sich." In Folge dessen sprach er: „Verflucht sei 
Kanaan." Oder: „Wie eine Otter scheidet er" d. i. wie die Otter 
scheidet, so hat auch der Wein geschieden zwischen Lot und seinen 
Töchtern, indem er Bastarde bewirkte s. das. 19, 32: „Und sie 
gaben ihrem Vater Wein zu trinken," in Folge dessen wurden zwei 
Töchter Lots von ihrem Vater schwanger. Oder: „Wie eine Otter 
scheidet er" d. i. wie die Otter zwischen Leben und Tod scheidet, 
so schied auch der Wein zwischen Aaron und seinen Söhnen, sa 
dass sie starben; denn R. Simeon hat gelehrt: Die Söhne Aarons sind 
nur darum gestorben, weil sie vom Wein berauscht waren und in das 
Versammlungszelt gegangen sind. Gleich einem König, sagte R. Pin- 
chas im Namen des R. Levi, der einen treuen Haussohn (Haus- 
genossen) hatte, den er an der Thür (des Ladens) stehend fand. 
Er enthauptete ihn in aller Stille und setzte einen anderen an seine 
Stelle. Nun wissen wir allerdings nicht, warum er den ersten er- 
schlagen hat, allein dadurch, dass er dem zweiten befahl, nicht an 
die Thür des Ladens zu treten, wissen wir, dass er aus diesem 
Grunde den ersten erschlagen hat So auch hier Lev. 10, 2: „Es 
ging Feuer aus von dem Ewigen und verzehrte sie." Nun wissen 
wir nicht, warum sie gestorben sind, allein da Aaron das Verbot 
(den Befehl) erhielt s. 10, 9: „Wein und berauschende Getränke 



Par. XII. Cap. X^ 9. g|. 

sollst du nicht trinken", so wissen wir, dass sie nur wegen des 
Weines gestorben sind. Darum erweist die Schrift dem Aaron die 
Liebe, dass er an ihn direct (ohne Vermittelung des Mose) den 
Ausspruch richtete: „Wein nnd berauschendes Getränk sollst du nicht 
trinken'* a. s. w. 

R. Jizchak begann mit Anknüpfung an Jerem. 15, 16: „Es sind 
gefunden worden deine Worte, und ich verzehrte sie, und dein Wort 
diene mir zur Wonne und Freude meines Herzens, denn ich bin 
genannt nach deinem Namen Ewiger, Gott der Heerschaaren/' 
R. Samuel bar Nachman sagte: Dieses Wort (Gebot) ist dem Mose 
schon auf dem Sinai gesagt worden, es wurde aber erst bekannt, 
als eine Veranlassung dazu eingetreten war. Da sprach Mose zu 
Aaron: Mein Bruder! auf dem Sinai ist zu mir gesagt worden, 
dass ich einst dieses Haus weihen werde, und zwar durch einen 
grossen Mann werde ich es weihen; ich wusste aber nicht, ob durch 
mich oder durch dich dieses Haus geweiht werden sollte, jetzt sehe 
ich, dass deine beiden Söhne grösser sind als ich und du. Ab 
Aaron hörte, dass seine Söhne gottesfürchtig waren, schwieg er und 
empfing für sein Schweigen Lohn. Woher lässt sich beweisen, dass 
er schwieg? Weil es heisst Lev. 10, 3: „Und Aaron schwieg." 
Und woher lässt sich beweisen, dass er für sein Schweigen Lohn 
empfangen hat? Weil er so glücklich war, dass sich der Ausspruch un- 
mittelbar an ihn richtete, denn es heisst: „Der Ewige redete zu Aaron." 
Das sagt auch Ps. 19, 9: „Die Verordnungen des Ewigen sind 
grade, erfreuend für das Herz.'* Chiskia hat gelehrt: Die Worte 
des Gesetzes (die Gesetzlehre) sind geworden „eine Krone für das 
Haupt" (Prov. i, q), „ein goldenes Band für den Hals" (das.), „eine 
Erquickung für das Herz" (Ps. 19, 9), „eine (wohlthätige) Salbe 
(Labung) für die Augen und ein Becher der Unfruchtbaren (ein heil- 
sames Getränk)*) für die Eingeweide." Eine Krone für das Haupt, 
woher lässt sich das beweisen? Weil es heisst Prov, i, 9: „Denn 
ein anmuthiger Kranz sind sie für dein Haupt;" ein goldenes Band 
für den Hals, wie es heisst das.: „Und Geschmeide für deinen 
Hals," „eine Labung für das Herz," wie es heisst Ps. 19, 9: „Die 
Verordnungen des Ewigen sind grade, erfreuend das Herz," eine 
Salbe für die Augen, wie es heisst das.: „Des Ewigen Gebot ist 
heiter, erleuchtend die Augen," ein Becher der Unfruchtbaren für 
die Eingeweide, wie es heisst Prov. 3, 8: „Heilung wird es sein 
deinem Nabel." Woher lässt sich beweisen, dass sie für die 
248 Glieder dienen, welche der Mensch hat? Aus Prov. 4, 22: „Sie 
sind Leben für die, die sie finden und ihrem ganzen Leibe Heilung." 
Oderf „Die Verordnungen des Ewigen sind grade, erfreuend 
das Herz." Das zeigte Aaron, dessen Herz wegen des Todes seiner 



•) Eigentlich ein Becher, der mit dem Safte verschiedener Kräuter ge- 
fallt ist und neben Heilung auch Impotenz bewirkte s. Schabb. fol. 109^ 
und HO». 

Wunsche, Midrascb Wajikra. 6 



8j Par. XII. Cap. X, 9. 

Söhne betrübt war, als aber das Wort sieb direct an ihn richtete, 
freute er sich. Woher lässt sich das beweisen? Weil es heisst: 
„Und es redete der Ewige zu Aaron." 

R. Tanchunia sagte: Die Mutter (der Weinstock] kann es nicht 
aushalten und du willst es aushallen? Die Weintraube wird gestutzt 
dnrch so und so viele Röhren (Stangen) und so und so viele Spitz- 
pfahle und sie können es dennoch nicht aushalten (denn die Tranben 
ziehen herunter durch ihre Lasten) und du willst es aushalten? R. 
Pinchas sagte; Gott sprach: Für die Opfer habe ich ein Mass be- 
stimmt, dir aber habe ich keins gegeben, in Bezug auf die Opfer 
heisst es Num. 28, 14: „Und Trankopfer daiu, ein halbes Hin für 
jeden Stier," aber dir habe ich kein Mass bestimmt. Alle Bäume 
werden nach ihrer Frucht genannt, der Apfelbaum wird nach dem 
Apfel genannt, so auch der Granatbaum, der Dattelbaum, der Wein- 
stock hat aber drei Namen, er heisst nämlich «3di3 und von ihm 
kommen Trauben und von den Trauben kommt Wein (inn),*) um 
dir zu sagen: Wie du von diesen Trauben, wenn du sie pressest, 
alles herausbringst, was sich darin befindet, so speit auch dei, 
welcher viel Wein trinkt, zuletzt alles aus, was sich in seinem Leibe 
befindet. 

R. Judan sagte: Salomo hat alle jene sieben Jahre, in welchen 
er den Tempel erbaute, keinen Wein getrunken, als dieser aber 
vollendet war und er die Bithija, die Tochter Pharaos, geheirathet 
hatte, da trank er in jener Nacht Wein, und es wurden damals zwei 
Bälle (Tänze) veranstaltet, nämlich eine Freude über den vollendeten 
Tempelbau und eine Freude über die Vermählungsfeier mit der 
Tochter Pharaos. Da sprach Gott: Welche soll ich aufnehmen, 
diese oder jene? In jener Stunde kam ihm der Gedanke, Jeru- 
salem zu zerstören, wie es heisst Jerem. 32, 31: „Zu meinem Zorne 
und zu meinem Grimme ist mir diese Stadt geworden." So wie 
einer, der vor einem schmutzigen Orte vorübergeht, sagte R, Hillel 
bar Helena, und sich seine Nase zuhält. R. Hunja sagte: Acbtrig 
verschiedene Tänze hat die Tochter Pharaos in jener Nacht ge- 




Par. XII. Cap. X, 9. 3j 

ZU ihm: Warum giebst du ihm einen Verweis? Er ist ein Fürst 
über Israel; bei deinem Leben! ich werde dir von seiner Herrschaft 
zu kosten geben , du wirst aber nicht darin bestehen (es aushalten) 
können., Als er nun zur Herrschaft gekommen war, da heisst es 
gleich Hos. 13, i: „Er verschuldete sich mit Baal und starb." Nach 
den Rabbinen aber hat ihm seine Mutter wirklich einen Verweis 
gegeben. Sie nahm nämlich ihre Schuhe und schaukelte sie hin 
und her und sprach zu ihm Prov. 31, 2: „Was mein Sohn, was, 
Sohn meines Leibes?" Es steht hier nicht, bemerkte R. Hosaja, 
•«3n nr, was, mein Sohn, sondern "^^in n73, das sind die Gebote und 
Ermahnungen der Thora, welche ^3, lauter genannt werden, so wie 
es heisst Ps. 2, 12: „Küsset den Auserwählten ha)," weil alle ihre 
Worte klar (D'^^ä) sind. Dann sprach sie noch zu ihm: „Sohn 
meiner Gelübde." Sie sprach nämlich: Mein Sohn, dein Vater hat 
viele Weiber genommen, als aber der Prophet Nathan kam und zu 
ihm sagte i. Chron. 22, 9: ^,Siehe, dir ist ein Sohn geboren, denn 
Salomo soll sein Name sein," da sprach eine jede (seiner Frauen): 
Wenn ich den Salomo stelle, so bringe ich alle die in der Thora 
vorgeschriebenen Opfer dar, jetzt aber habe ich ihn gestellt und 
ich bringe die gelobten Opfer und du schläfst? Prov. 31, 3: „Gieb 
nicht den Weibern deine Kraft hin und deine Wege den Königs- 
verderberinnen." Sie sprach nämlich zu ihm: Mein Sohn, dadurch, 
dass das Geschlecht der Fluth ausschweifend war, ist es von der 
Welt vertilgt worden. Das. V. 4: „Nicht Lemuel, den Königen" 
R. Jochanan sagte: (Sie sprach zu ihm:) Herrschaft wird nicht dem- 
jenigen verliehen, welcher gegen die Worte Gottes sich auflehnt, 
sondern demjenigen, welcher die Worte Gottes bethätigt. „Nicht 
den Königen ziemt es, Wein zu trinken, denn sie könnten vielleicht 
vergessen und sprechen," wie jener (Pharao) gesprochen Ex. 5, 2: 
„Wer ist der Ewige, dessen Stimme ich gehorchen soll." Prov. 31: 
„Und nicht Fürsten berauschende Getränke." Es steht ifi< (gelesen 
aber wird) ■»•)», Wehe vor dem Weine! Das. V. 5: „Damit er nicht 
trinke und den Gesetzgeber vergesse." Jeder, der viel Wein trinkt, 
vergisst zuletzt die 248 Glieder, die in ihm sind. Oder es heisst: 
„damit er nicht trinke und den Gesetzgeber vergesse." Es heisst 
ppn>3 (was 248 in der Zahl hat), das sind die 248 Glieder. R. Cha- 
nina bar Papa sagte: Gott sprach: Ich habe ein grosses Haus ge- 
habt und habe mir es wegen des Weingenusses zerstört. Die Rab- 
binen sprachen: (Gott sprach:) Ich habe zwei Fürsten gehabt, die 
nur in Folge des Weines (Weinrausches) gestorben sind; denn R. 
Ismael hat gelehrt: Aaron's zwei Söhne sind nur deshalb gestorben, 
weil sie weintrunken in das Heiligthum gegangen sind. Gott 
sprach: Weil in dieser Welt der Wein Unglück anrichtet, so soll er 
einst Freude hervorbringen, wie es heisst Joel 4, 18: „Einst werden 
die Berge Most träufeln." 



84 Par- xiir. Cap. xr, i. 

Parascha XII [. 

Cap. XI, I. Und der Ewige redete zu Mose und zu 
Aaron und sprach zu ihnen. R. Pinchas und R. Jeremja er- 
öffneten ihren Vortrag mit Prov. i6, 31 : „Ein Ohr, das auf Zurecht- 
weisung des Lebens hört, wird in der Mitte der Weisen herbergen." 
„Ein Ohr, das auf Zurechtweisung des Lebens hört" d. s. die Söhne 
Aarons, „wird in der Mitte der Weisen herbergen" d. i. obschon sie 
dem Tode anheimgefallen waren (eig. obschon sie an der Seite des 
Todes waren), so waren sie doch noch so glücklich, dass sich das 
Wort Gottes an sie und ihren Vater und den Bruder ihres Vaters 
bei ihren Lebzeiten unmittelbar richtete, wie es heisst Lev. 10, 16: 
„Und Mose suchte den Bock des Sündopfers." Was bedeutet 
^•nn ttJ'Ti? Er hat zwei Fragen an sie gerichtet, er sprach nämlich 
zu ihnen: Wenn ihr es geschlachtet habt, warum habt ihr nicht ge- 
gessen und wolltet ihr es nicht essen, warum habt ihr es ge- 
schlachtet? „Sogleich zürnte er auf Eleasar und Ithamar" (das. 
V. 16). Als er zürnte, verbarg sich vor ihm (entzog sich ihm) eine 
Halacha (Ordnung). R. Huna sagte: Bei drei Gelegenheiten (eig. 
an drei Orten) gerieth Mose in Zorn und es entzog sich ihm 
in Folge dessen eine Halacha, nämlich in Bezug auf den Sabbath, 
auf gegossene Geräthe und auf die Trauer. In Bezug auf den 
Sabbath heisst es Ex. 16, 22: „Und die Leute Hessen davon übrig.*' 
Im Zorn vergass er ihnen die Halachot des Sabbaths zu sagen. 
Er sprach zu ihnen das. V. 23: „Das ist es, was der Ewige ge- 
redet." V. 25: „Esset es heute, denn heute ist Sabbath des Ewigen." 
In Bezug auf die gegossenen Geräthe heisst es Num. 31, 14: „Und 
Mose zürnte über die Hauptleute des Heeres." Als er zürnte, kam 
ihm die Halacha abhanden. Er vergass ihnen die Halachot betreffs 
der gegossenen Geräthe zu sagen. Als sie Mose nicht sagte, 
sagte sie der Priester Eleasar für ihn mit den Worten das. VI 21: 
„Und es sprach der Priester Eleasar zu den Kriegsleuten." Er 
sprach zu ihnen: Meinem Lehrer Mose hat er es befohlen, mir aber 
hat er es nicht befohlen. In Bezug auf die Trauer heisst es: „Er 
zürnte über Eleasar und über Ithamar." Als er zürnte, entzog sich 
ihm die Halacha, dass es nämlich einem Leidtragenden verboten 
sei, heilige Speisen (Gaben) zu geniessen. „Und die Ueberreste 
also." R. Pinchas und R. Jehuda bar R.Simon sagten: Seid ihr denn 
nicht auch vom Tode übrig geblieben (entgangen)? Lev. 10, 19: 
„Und Aaron sprach zu Mose" d. i. er sprach hart gegen ihn (Mose) 
(i*i:i5D nsy ^ia"«na) vergl. Gen. 42, 30: „Der Mann, der Herr des 
Landes, redete hart mit uns." Das. V. 19: „Siehe, heute haben sie 
ihr Sündopfer und ihr Ganzopfer dem Ewigen dargebracht." Er 
sprach nämlich zu ihnen: Heute sind meine Söhne gestorben und 
heute bringe ich ein Opfer, heute sind sie gestorben und heute ge- 
niesse ich die heiligen Opferspeisen. Sogleich trug Aaron den 
Schluss (die Folgerung) a minore ad majus dem Mose vor: Wenn 



Par. XIIL Cap. XI, i. 85 

schon die Zehnten, was doch etwas geringes ist, dem Trauernden 
verboten sind, um wie viel mehr ist das Sündopfer, das doch viel 
gewichtiger ist, dem Trauernden verboten! Diese Folgerung hörte 
Hose und sie gefiel ihm (eig. sie war angenehm in seinen Augen), 
er liess im ganzen Lager bekannt machen: Ich habe mich in der 
Halacha geirrt, mein Bruder Aaron ist gekommen und hat mich 
belehrt. £leasar wusste die Halacha und schwieg, ebenso Ithamar, 
dämm waren sie auch so glücklich, dass sich das Wort Gottes an 
sie und ihren Vater und den Bruder ihres Vaters bei ihren Lebzeiten 
Dodi anmittelbar gewendet hat So heisst es: „Und es redete der 
'Ewige zu Mose und Aaron und sprach zu ihnen/* R. Chija hat 
gelehrt: „Er sprach zu ihnen,** nämlich zu den Kindern, dem 
Eleasar und Ithamar. R. Simeon ben Jochai begann mit Anknüpfung 
an Hab. 3, 6: „Er stand und mass die Erde.** Gott mass (musterte) 
alle Nationen und fand keine (Nation) so würdig, dass Gesetz zu 
empfangen als das Geschlecht in der Wüste. Gott mass alle Berge 
und fand keinen Berg, auf dem er das Gesetz geben konnte, als 
den &iaL Gott mass alle Städte und fand keine Stadt, in welcher 
<Ser Tempel gebaut werden konnte, als Jerusalem. Gott mass alle 
Länder und fand keines geeignet, es Israel zu geben, als das 
Land Israel. Das will die Schrift sagen: „Er stand, mass die Erde 
und siehe*' u. s. w. Rab erklärt den Satz so: Gott hat das Blut 
ond das Gut (Vermögen) der Völker erlaubt, das Blut s. Deut. 
20, 16: „Du sollst keine Seele leben lassen**, das Gut s. das. V. 14: 
„Du sollst die Beute deiner Feinde essen.** R. Huna sagte: Gott 
hat ihre Gürtel gelöst, wie es heisst Hi. 12, 8: „Die Fessel der 
Könige löst er.** Ula Berah im Namen des R. Simeon ben 
Jochai sagte: Gleich einem, welcher aus der Scheune heraus kam 
und seinen Hund und seinen Esel bei sich hatte. Auf den Esel 
lod er fünf Sea (Mass) und auf den Hund nur zwei; der Esel ging 
seines Wegs, der Hund aber kauerte (streckte sich hin). Da nahm 
der Herr ein Sea von ihm und legte es auf den Esel, trotzdem aber 
kauerte der Hund immer noch. Da sprach der Herr zu ihm: 
Schwer beladen kauerst du dich, nicht schwer beladen kauerst du 
dich ebenfalls.*) Ebenso gab Gott den Völkern nur sieben Gebote, 
welche die Söhne Noachs angenommen, allein sie konnten nicht in 
ihnen bestehen, sondern luden sie noch den Israeliten auf. R. Tan- 
chum bar R. Chanilai führte dieses Beispiel an. Gleich einem 
Arzte, welcher zwei Kranke besuchte, den einem zum Leben, den 
anderen aber zum Tode (d. i. den einen hoffte er am Leben zu 
erhalten, den anderen aber gab er auf). Zu jenem sagte er: 
Du kannst das essen, jenes aber darfst du nicht essen. Zu dem- 
jenigen aber, welchen er aufgab, sprach er (zu den Leuten): Alles, 
was er verlangt, gebt ihm. So heisst es auch von den Völkern 



*) Du magst beladen sein oder nicht, immer kauerst du dich. Dasselbe 
Verhältniss fand hinsichtlich der Gesetze der heidnischen Völker statt. 



85 Par. XIII. Cap. XI, i. 

der Welt, die nicht für das Leben der künftigen Welt bestimmt 
sind Gen. 9, 3: „Wie das Kraut auf dem Felde habe ich euch alles 
gegeben," allein von den Israeliten, die für das Leben der künftigen 
Welt bestimmt sind, heisst es: „Diese Thier dürft ihr essen.** 

Oder: „Dieses Thier" u. s. w. Das steht auch Prov. 30, 5: 
„Jedes Wort Gottes ist geläutert" Rab sagte: Die Vorschriften 
sind den Israeliten nur gegeben worden, um durch sie die Ge- 
schöpfe zu läutern. Warum? Weil es heisst das.: „Ein Schild ist 
es denen, die Schutz bei ihm suchen." R, Judan bar R. Simeon 
sagte: Alle Behemot und Leviathan sind zur Jagd für die Ge- 
rechten in der Zukunft bestimmt, und jeder, der die Jagden der 
Völker der Welt in dieser Welt (in diesem Leben) nicht gesehen 
hat, ist so glücklich, dieselben in der künftigen Welt zu sehen. 
Wie werden sie aber geschlachtet? Der Behemot stösst den 
Leviathan mit seinen Hörnern und zerreisst ihn und der Leviathan 
stösst den Behemot mit seinen Flossen und durchbohrt ihn. Die 
Weisen sagen: Ist aber diese Schlachtweise rituell? Ist nicht so ge- 
lehrt worden: Mit allem (mit jedem Schneidewerkzeug) darf ge- 
schlachtet werden, ausgenommen mit einer Emtesichel und mit 
einer Säge, weil beide (mehr) würgen (als schneiden, weil sie die 
Arterien aufritzen)? R. Abin bar Kahana aber sagte: Gott sprach: 
Von mir wird eine neue Lehre ausgehen, die Erneuerung des Ge- 
setzes wird von mir ausgehen. R. Berachja sagte im Namen des 
R. Jizchak: Gott wird einst eine Mahlzeit (agiOTiov) für seine 
Knechte, die Frommen, veranstalten, welche auch jeder, der ge- 
fallene Thiere in dieser Welt nicht gegessen hat, so glücklich ist, 
in jener Welt zu sehen. So heisst es Lev. 7, 24: „Fett von ge- 
fallenen und zerrissenen Thieren kann verwendet werden zu allerlei 
Werk, aber essen sollt ihr es nicht." Weil sie einst davon essen 
werden, deshalb warnt Mose die Israeliten und spricht zu ihnen." 
„Dieses sind die Thiere, die ihr essen dürft." Wie eine Art Schädel 
(Rad) von Feuer zeigte Gott dem Mose von dem Throne seiner 
Herrlichkeit und sprach zu ihm: Wenn die Haut (Kruste) des 
Gehirns durchlöchert ist (es mag noch so klein sein), so ist das 
Thier zum Genüsse verboten. Die Rabbinen sagen: „Dieses sind 
die Thiere, die ihr essen dürft," d. i. das Lebende von dem Zer- 
rissenen (Schadhaften) dürft ihr essen, dagegen das Nichtlebende 
von dem Zerrissenen dürft ihr nicht essen« Resch Lakisch sagte: 
Seid ihr es würdig, so könnt ihr es essen, wo nicht, so werdet ihr 
von den Regierungen gegessen (verzehrt werden\ R. Acha sagte: 
Es heisst Jes. i, 19: „Wenn ihr willig seid und gehorchet, sollt ihr 
das Beste des Landes essen, wenn ihr euch aber weigert und nicht 
gehorcht, lass ich das Schwert (3^n) euch verzehren" d. i. so sollt 
ihr Johannisbrot (T^m^in) essen, denn R. Acha hat gesagt: Wenn 
der Jude Johannisbrot essen muss, dann thut er Busse. Oder es 
putzt die Armuth den Juden so schön, wie der rothe Riemen 
(Zügel) auf dem Herzen eines Schimmels. R. Chija hat gelehrt: 



P^r. XIII. Cap. XI, I. 87 

Daraus geht hervor, dass Mose die Thiere ergriff und den Israeliten 
zeigte und zu ihnen sprach: Dieses ist rein, jenes unrein. R. Samuel 
bar Nachman sagte: Alle Propheten haben die Reiche in ihrer Be- 
schäftigung gesehen. Das steht auch Gen. 2, 10: „Ein Strom ging 
aus von Eden, den Garten zu bewässern." R. Tanchuma und, me 
manche sagen, R. Menachma sagte im Namen des R. Josua ben 
Levi: Gott wird einst den Taumelbecher den Völkern der Welt zu 
trinken geben. So heisst es: „Ein Strom ging aus von Eden'* d. 1. 
von dem Ort, von welchem das Recht ausgeht, „und von da theilt 
er sich und wird zu vier Hauptströmen** d. s. die vier Reiche. 
„Der Name des einen ist Pischon** d. i. Babylon vergl. Hab. i, 8: 
,;Seine Reiter sprengen daher;** „er umringt das ganze Land Cha- 
vila** d. i. der ruchlose Nebucadnezar, welcher heraufzog und das 
ganze Land Israel umzingelte, das auf Gott sein Vertrauen setzte, 
wie es heisst Ps. 42, 12: „Harr* auf Gott;** „woselbst Gold ist*' 
d. i. wo die Worte der Thora sich befinden, wie es heisst Ps. 19, 11: 
„Sie sind köstlicher als Gold und viel feines Gold.** „Und das Gold 
desselbigen Landes ist gut,** daraus geht hervor, dass kein Gesetz 
so gut ist, wie das Gesetz des Landes Israel und keine Weisheit 
so gut ist, wie die Weisheit des Landes Israel. „Dort ist der 
Bedolach und der Stein Schoam** d. i. dort findet man Schrift 
Mischna, Talmud, Halachot und Haggadot. „Der Name des zweiten 
Flusses ist Gichon,** dieser repräsentirt das medische Reich, welches 
den ruchlosen Haroan gestellt hat, welcher Gift wie eine Schlange 
zog (verbreitete). Darum heisst es Gen. 3, 14: „Auf deinem Bauche 
sollst du gehen.** „Er umgiebt das ganze Land Cusch,** wie es 
heisst Estb. i, i: „Er regierte von Hodu bis Cusch.** „Der Name 
des dritten Flusses ist Chidekel,** er stellt Javan (Griechenland) vor, 
welches scharf und leicht in seinen Edicten über Israel war; es 
sprach zu ihnen: Schreibet auf das Hörn des Ochsen, dass Israel 
keinen Theil an dem Gotte Israels hat. „Welcher fliesst zur Morgen- 
seite von Assur.** Alle Reiche, sagte R. Huna, werden deshalb Assur 
(*"it:«) genannt, weil sie sich selbst mit Israel gebrüstet haben 
(V^i^N's). So werden auch nach R. Jose bar R. Chanina alle Reiche 
Mizraim genannt, weil sie Israel bedrängt haben (■j'^T^XTS). „Und der 
vierte Fluss ist der Euphrat** d. i. Edom, weil er gewachsen und 
gross geworden ist durch das Gebet des Alten (durch den Segen 
Jizchaks). Oder es heisst darum so, weil es fruchtbar war und sich 
vermehrte und die Welt Israels bedrängte. Oder es heisst darum 
so, weil es fruchtbar war und gross wurde und seinen Sohn 
(Israel) bedrängte. Oder es heisst darum so, weil es fruchtbar war 
und gross wurde und sein Haus bedrängte. Oder es heisst so wegen 
seines Endes, welches es nehmen wird, wie es heisst Jes. 63, 3: „Die 
Kelter (!l^ic) trat ich, ich allein.** Auch Abraham sah die Reiche 
in ihrer Thätigkeit s. Gen. 15, 12: „Und siehe, Schrecken** d. i. 
Babylon, weil Nebucadnezar voll Zorn geworden war, „und Finster- 
niss** d. i. Medien, weil es nämlich durch seine Edicte Israel ver- 



88 Par. Xin. Cap. XI, i. 

finstert (trübe Zeiten herbeigeführt) hat, wie es heisst Esth. 7, 4: ,,Zu 
vertilgen, erwürgen und vernichten ;*' „grosse" d. i. Griechenland. 
R. Nachman sagte: Daraus geht hervor, dass das Reich Griechen- 
land aus 171 Eparchien und 127 Feldherren bestanden hat. Die Rab- 
binen sagen: (£s hat) aus sechzigmal sechzig (bestanden). R. Berachja 
und R. Chanin stimmen dem bei, was die Rabbinen in ihrer Er- 
klärung Deut. 8, 15 sagen: „Der dich führte durch die grosse und 
schreckliche Wüste, wo es Schlangen, Seraphe und Scorpionen gab." 
..Schlangen" d. i. Babylon, „Seraphe" d. i. Medien, Scorpionen d. i. 
Griechenland. Denn wie der Scorpion sich sechzigmal sechzig ver- 
mehrt, so stellte auch das griechische Reich sechzigmal sechzig. 
„Fallende" d. i. Edom, wie es heisst Jerem. 49, 21: „Vor dem Schall 
ihres Sturzes bebet die Erde" vergl. Dan. 7, 7: „Fürchterlich und 
schrecklich." Oder: „Finsterniss" d. i. Griechenland, „grosse" d. L 
Medien vergl. Esth. 3, i: „Der König Achaschverosch hatte den 
Haman gross gemacht;** „fallende" d. i. Babylon vergl. Jes. 21, 9: 
„Gefallen, gefallen ist Babel." Auch Daniel hat die Reiche in ihrer 
Beschäftigung gesehen, wie es heisst Dan. 7, 2 f.: „Und ich schaute 
in einem Gesichte der Nacht und siehe, die vier Winde des Himmels 
brachen los auf das grosse Meer und vier grosse Thiere stiegen 
herauf aus dem Meer" d. i. verdient ihr es, so kommen sie aus 
dem Meere, wo nicht, vom Walde. Denn das Thier, das aus dem 
Meere aufsteigt, ist gebeugt (kraftlos, weil es sich auf dem Lande 
nicht erhalten kann), dasjenige aber, was aus dem Walde kommt, 
ist nicht gebeugt (ist wild). So heisst es auch Ps. 80, 14: „Ihn zer* 
wühlt der Eber vom Walde" d. i. verdient ihr es, so kommt es 
aus dem Flusse, wenn nicht, so kommt es aus dem Walde. Das 
Thier, das aus dem Flusse steigt, ist gebeugt, dasjenige aber, das 
aus dem Walde steigt, ist nicht gebeugt. Das.: „Verschieden eines 
vor dem andern." Lies nicht 'j"^'^:\D Zähne, sondern T'-^SO. Daraus 
geht hervor, dass jede Nation, welche zur Herrschaft in der Welt 
gelangt, die Israeliten hasst und knechtet. „Das Erste war wie ein 
Löwe" d. i. Babylon. Jeremja hat es als Löwe und auch als Adler 
gesehen s. Jerem. 4, 7: „Der Löwe kommt aus seinem Dickicht her- 
vor," und 49, 22: „Siehe, wie ein Adler kommt er herauf und 
flieget." Man fragte Daniel: Wie hast du es (Babylon) gesehen? 
Ich habe es gesehen mit dem Gesichte einem Löwen und mit dem 
Flügel einem Adler ähnlich vergl. Dan. 7, 4: ,,Das erste war wie 
ein Löwe und hatte Adlersflügel; ich schaute, bis dass ihm die 
Flügel ausgerissen wurden und es ward aufgehoben von der Erde." 
R. Eleasar und R. Samuel bar Nachman. R. Eleasar sagt: Den 
ganzen Löwen hat er wohl geschlagen, sein Herz hat er aber 
nicht geschlagen, wie es heisst: „Eines Menschen Herz gab er 
ihm." R. Samuel bar Nachman dagegen sagte: Auch sein Herz 
hat er geschlagen vergl. das. 4, 13: „Sein Herz soll verändert 
werden und nicht mehr menschlich sein." „(Und ich schaute) und 
siehe ein anderes Thier, das zweite, gleich einem Bär" d. i. Medien, 



Par. Xm. Cap. XI, i. gg 

welcher Meinung auch R. Jochanan ist, denn dieser hat gesagt: £s 
heisst Jerem. 5,6: „Darum wird sie der Lowe vom Walde schlagen** 
d. i. Babylon, „und der Wolf aus der Wüste sie verderben'* d. i. 
Medien; ,,der Parder lauert vor ihren Städten" d. i. Griechenland; 
„wer von ihnen herausgeht, wird zerrissen** d. i. Edom. Warum? 
„Denn zahlreich sind ihre Vergehangen, stark ihre Uebertretungen.** 
.,Dann schaute ich und siehe, ein anderes Thier, wie ein Parder** 
d. L Griechenland, weil es grausame Edicte erliess und den Israeliten 
befahl: Schreibet auf das Hörn des Ochsen, dass sie keinen An- 
tbeil an der zukünftigen Welt haben. „Nach diesem schaute ich in 
den nächtlichen Gesichten und siehe, ein viertes Thier, fürchterlich 
and schrecklich und ausnehmend stark** d. i. Edom. Jene drei sah 
Daniel in einer Nacht und dieses in einer Nacht. Warum? R. Jochanan 
und R.Simeon ben Lakisch. R. Jochanan sagte: Weil es gegenüber jenen 
drei die Wage hält. R. Simeon ben Lakisch dagegen sagte: Er übertrifft 
ihn sogar noch. Darauf antwortete nun R. Jochanan dem R. Simeon 
ben Lakisch: Es heisst doch Ezech. 21, 14: „Und du Menschensohn, 
weissage and schlage die Hände zusammen.** Darauf antwortete ihm 
R. Simeon ben Lakisch: Es heisst doch: „Denn doppelt kommt das 
Schwert."*) Auch Mose hat die Reiche in ihrer Thätigkeit (ihrem 
Wirken) gesehen. „Das Kamel** d. i. Babylon, wie es heisst Ps. 
i37i 8- ,»Wohl dem, der dir vergilt, was du uns zugefügt;** „die 
Äergmaus" d. i. Medien. Die Rabbinen und R. Jehuda bar R. 
Simon. Die Rabbinen sagen: Wie die Bergmaus Zeichen von Rein- 
heit und Zeichen von Unreinheit an sich hat, so hat auch das 
medische Reich einen Gerechten (Mardachai) und einen Frevler 
(Haman) gestellt. R. Jehuda bar R. Simon denkt an Darius den 
Andern, der ein Sohn der Esther war und somit rein von seiner 
Matter und unrein vom Vater her war. „Den Hasen** d. i. 
Gnechenland, nämlich die Mutter des Ptolemäus soll so geheissen 
haben. „Das Schwein** d. i. Persien. Mose hat jene drei (Thiere) 
in einem Vers und dieses in einem besonderen behandelt. Warum? 
R. Jochanan und R. Simeon. R. Jochanan sagte: Weil es jene 
drei Reiche aufwiegt. R. Simeon ben Lakisch dagegen sagte: Es 
übertrifit sie sogar noch. Nun wies R. Jochanan den R. Simeon 
ben Lakisch auf Ezechiel 21, 14 hin: „Menschensohn** weissage und 
schlage die Hände zusammen.** Darauf antwortete Resch Lakisch: 
Es heisst doch: „Denn doppelt kommt das Schwert.** R. Pinchas 
und R. Chiskia sagten im Namen des R. Simon: Von allen Pro- 
pheten haben nur zwei, Assaph und Mose, es weiter aufgedeckt (be- 
kannt gemacht), Assaph sagte Ps. 80, 14: „Ihn zerwühlt der Eber 
vom Walde** und Mose sagte Lev. 11, 7: „Und das Schwein, denn 
es hat gespaltene Klauen.** Warum wird aber Edom mit einem 
Schwein verglichen? Um dir zu sagen: Wie das Schwein, wenn es 



•) Diese AVeissagxing geht auf Edom. Daraus wird bewiesen, dass Rom 
jenen drei Reichen gleich ist und es noch übertrifft. 



go P"- XIII. Cap. XI, I. 

sich lagert, seine Klauen ausstreckt (und zeigt), als wollte es sagen; 
Seht dasa ich rein bin, so" brüstet sich auch das Reich Edom, er- 
presst und raubt und scheint dann so fromm, als wenn es die 
Tribüne (worauf man das Gesetz legt) mit einer Decke überziehe. 
Ein Machthaber hatte alle Diebe, Ehebrecher und Zauberer (Gaukler) 
umbringen lassen; derselbe bückte sich, flüsterte seinem Senator ins 
Ohr: diese drei Dinge habe ich in einer Nacht gethan (tiegangen). 

Oder: „Das Kamel" d. i. Babylon, „es ist wiederkäuend," 
denn es preist Gott. R. Berachja und R. Chelbo sagten im Namen 
des R. Ismael bar Nachman: Alles was David specialisirt (an vielen 
Stellen gesagt) hat, wird auf diesen Frevler (d. i. Nebucadnezar) in 
einem Verse allgemein gesagt, wie es heisst Dan. 4, 34: „Und so 
preise und erhebe und verherrliche ich Nebucadnezar den König 
des Himmels." Es preist s. Ps. 147, 12: „Preise, Jerusalem, den 
Ewigen," und es erhebt s, Ps. 30, 2: „Ich erhebe dich, Ewiger!" 
und verherrlicht s. das. 104, i: „Ewiger, mein Gott, du bist sehr 
gross, mit Glanz und Fracht gekleidet;" „denn all sein Thun ist 
Wahrheit" (Dan. 4, 34) s. Ps. 138, 2: „Ob deiner Gnade und Wahr- 
heit;" „und seine Wege Recht" (Dan. 4, 34) s. Ps. 96, 10: „Er 
richtet die Nationen in Gerechtigkeit;" „und die in Hoheit wan- 
dein" Pan. 4, 34) a. Ps. 93, i; „Der Ewige ist König, mit Hoheit 
angethan," ,,dte vermag er zu erniedrigen" Dan. 4, 34) s. Ps. 75, 11: 
„Und alle Horner der Frevler will ich beugen." „Und das Ka- 
ninchen" d. i. Medien, „denn es ist wiederkäuend," denn es preist Gott 
s. Esra i, 2: „So spricht Koresch, der König von Fersien." „Und 
den Hasen" d. i. Griechenland, „er ist auch wiederkäuend," denn es 
preist Gott. Als Alexander der Grosse, König von Macedonien, 
den R. Simeon den Gerechten sah, sprach er: Preis dem Ewigen, 
dem Gott des Simeon des Gerechten. „Das Schwein" d. i. Edom, 
„es ist nicht wiederkäuend," denn es preist Gott nicht. Und nicht 
genug, dass es ihn nicht preist, es schmäht und lästert ihn sogar 
und spricht Ps. 73, 25: „Wen habe ich im Himmel?" Oder: „Das 
Kamel" stellt Babylon vor, „es ist wiederkäuend," denn es erhob den 
Daniel, wie es heisst Dan. ?. 4Q: „Diiniel war am Hofe des Konig 




Par. XIV. Cap. XII, 2. 



9» 



(Mn"i:i«j) ein anderes Reich nach sich;*) „die Bergmaus" d. i. Griechen- 
land, „denn sie ist wiederkäuend,'^ denn es zieht ein anderes Reich 
nach sich; „den Hasen" d. i. Medien, „denn er ist wiederkanend," 
denn es zieht ein anderes Reich nach sich'; „das Schwein" d. i. 
Edoniy „es ist nicht wiederkäuend," denn es zieht kein anderes Reich 
nach sich.**) Und warum wird es Schwein ("T^Tn) genannt? Weil 
es einst die Krone ihrem Herrn (Eigenthümer) zurückgiebt (T^'nTnö«), 
wie es heisst Obadja i, 20: „Es ziehen herauf zum Berge Zion, zu 
richten das Gebirge Esaus, und dem Ewigen wird das Königthum 
gehören," 

Parascha XIV. 

Cap. Xn, 2. So ein Weib besamet wird. In Verbindung 
mit Ps. 139, 5: „Vorwärts und rückwärts hast du mich umschlossen." 
R. Jochanan sagte: Wenn der Mensch es verdient, so nimmt er 
zwei Welten in "Besitz, diese und die künftige, was hier gesagt ist: 
„Vorwärts und rückwärts hast du mich umschlossen," wo nicht, so 
wird er zur Rechenschaft gezogen, wie es das. heisst: „Du legst 
an mich die Hand" vergl. Hi. 13, 21: „Entferne deine Hand von 
mir." R. Samuel bar Nachman sagte: Als Gott Adam erschaffen 
hatte, war dieser ein Mannweib {ävdQoyvvog)»***) Resch Lakisch 
sagte: Als Adam erschaffen worden war, hatte er zwei Gesichter, 
er zersägte ihn aber und machte zwei Rücken, einen für den Mann 
und einen für das Weib. Dagegen wurde ihm aber eingewandt: 
£s heisst doch Gen. 2, 21: „Er nahm eine von seinen Rippen 
(T^n^b:^»)?" Er antwortete: Es heisst (nicht: von seinen Rippen, 
sondern:) eine von seinen zwei Seiten s. Ex. 26, 22: „Und an der 
Seite (rVsbi) der Wohnung." R. Berachja und R. Chelbo und R. 
Samuel bar Nachman sagten: Als Gott den ersten Menschen er- 
schaffen hatte, füllte dieser die ganze Welt von einem Ende bis zum 
andern, vom Morgen bis zum Abend. Woher lässt sich das be- 
weisen? Weil es heisst Ps. 139, 5: „Von hinten ^n«) und von vorn 
(D"P) hast du mich gebildet." Von Mitternacht bis zum Mittag, wo- 
her lässt sich das beweisen? Weil es heisst Deut 4, 32: „Von einem 
Ende des Himmels bis zum andern." Und woher lässt sich be- 
weisen, dass er so gross wie die Höhlung der Welt war? Weil es 
heisst: „Du legest deine Hand an mich."f) R. Eleasar sagte: 
*^infif ist der erste Schöpfungstag und mp der letzte. Das ist nach 
der Meinung des R. Eleasar. Es heisst nämlich Gen. i, 24: „Die 



*} Auf Babel folgte Griechenland, das Israel knechtete. 
**) Weil dann die messianische Zeit unmittelbar folgen wird. 
•••) S. Midr. Beresch. r. Par. 8. 
7) Die Hand Gottes ist so gross, dass sie von einem Ende bis zum 
andern geht 



^2 Par. XIV. Cap. XII, 2. 

Erde bringe hervor beseelte Wesen nach ihrer Art." Unter CD5 
HTi ist der Geist des ersten Menschen zu verstehen. Nach Resch 
Lakisch dagegen geht ^in« auf den letzten Tag und onp auf den 
ersten Tag. Das ist nach der Meinung des Resch Lakisch, wie es 
heisst Gen. i, i : „Und der Geist Gottes schwebte über den Wassern" 
d. i. der Geist des Königs Messias. Verdient es der Mensch, so 
spricht man zu ihm: Du bist allen Schöpfungswerken vorangegangen, 
wo nicht, so spricht man zu ihm: Die Mücke, die Kräuselschnecke 
ist dir vorangegangen (sind vor dir erschaffen worden). R. Ismael 
bar R. Tanchum sagt: l^ntK bedeutet: nach allen Werken, und 
finp, vor allen Strafen. R. Jochanan sagte: Auch sein Vorzug (Lob) 
kommt erst (in einem Verse) zuletzt vor s. Ps. 148, 10: „Ihr wilden 
Thiere und alles Vieh, Gewürm und gefiederte Vögel," und darauf 
folgt V. 11: „Ihr Könige der Erde und alle Nationen." R. Simlai 
sagte: Wie die Bildung des Menschen nach der der Haus- und 
Feldthiere und Vögel geschah, so kommt auch sein Gesetz (seine 
Verhaltungsweise) nach den Haus- und Feldthieren und Vögeln. 
So heisst es Lev. 11, 46: „Das ist das Gesetz (die Verordnung) das 
Vieh betreffend," und dann folgt erst das. 12, 2: „So ein Weib be- 
samet wird." 

Oder: „So ein Weib besamet wird." In Verbindung mit Hi. 
36, 3: „Ich erhebe meine Gedanken zur Ferne und memem Werk- 
meister will ich Recht schaffen." R. Meir sagte: Das Wort Kb« 
hat zweierlei Bedeutung, es bedeutet nämlich Gesang*) und Pest; 
Gesang über das Lob der Tugendhaften (Gerechten) und Pest (Un- 
heil) über den Fall der Frevler. „Zur Ferne (pinnwb)" d. i. auf 
die Entfernten (O'^pin^n), die genähert worden sind. „Ich erhebe 
meine Gedanken zur Feme und meinem Werkmeister verschaffe ich 
Recht." R. Nathan sagte: Wir beziehen den Ausdruck „von der 
Feme" auf den Namen unseres Vaters Abraham, welcher von Ferne 
kam, wie es heisst Gen. 22^ 4: „Und Abraham hob seine Augen 
auf und sah den Ort in der Ferne." R. Chanina bar Papa sagte: 
Wir beziehen das Wort auf den Namen Gottes, von dem wir ent- 
femt waren und er hat uns sich näher gerückt. R. Chaggi sagte: Er 
geht auf Dinge, die von uns einen Weg von fünfhundert Jahren ent- 
fernt sind, z. B. die Menschen schlafen auf ihren Lagern und Gott 
lässt Winde wehen, Wolken aufsteigen, Regen herabfallen, Gewächse 
sprossen und vertrocknen, er richtet den Tisch vor jedem einzelnen 
an. R. Samuel bar Idi sagte im Namen des R. Acha: Wenn 
Elihu diesen Vers von selbst gesagt hat, so ist er ein Lob, wenn 
er ihn aber im heiligen Geiste gesagt hat, so ist er das höchste 
Lob. R. Levi hat dreierlei gesagt. Gewöhnlich giebt ein Mensch 
dem andern einen Beutel mit Geld in aller Stille zur Aufbewahrung 
und dieser giebt ihm dann eine Litra Gold öffentlich zurück, ist 
er ihm dafür nicht verpflichtet (d. i. wird er ihm nicht Dank sagen)? 

•) Nämlich: die Stimme zum Gesang erheben. 



Par. XIV. Cap. XII, 2. 



95 



Ebenso übergeben die Menschen Gott einen Tropfen schmutziger 
Flüssigkeit im Geheimen und Gott giebt ihnen dann herrliche und 
vollkommene Seelen öffentlich wieder, verdient das nicht ein grosses 
Lob? Es heisst Hi. 36, 3: „Ich erhebe meine Gedanken zur Ferne, 
meinem Werkmeister verschaffe ich Recht** R. Levi sagte ferner: 
Gewohnlich liegt ein Mensch im Gefangniss und niemand kümmert 
sich um ihn (achtet auf ihn); da kommt aber einer, und zündet ihm 
daselbst ein Licht an, ist er ihm nicht verpflichtet? Ebenso lässt 
Gott das Kind im Leibe seiner Mutter wohnen und er leuchtet ihm 
daselbst mit einem Lichte. Das sagt auch Hi. 29, 3: „Als seine 
Leuchte glänzte über meinem Haupte.** Ist das nicht ein Lob? 
Das wollen die Worte sagen: „Und meinem Werkmeister verschaffe 
ich Recht.** R. Levi sagte endlich: Gewöhnlich liegt ein Mensch 
im Gefangnisse und kein Mensch kümmert sich um ihn, da kommt 
aber einer, welcher seine Fesseln löst und ihn herausführt, ist er 
ihm nicht verpflichtet? So befindet sich auch das Kind im Leibe 
seiner Mutter, da kommt Gott und löst ihm seine Fesseln und führt 
es von da heraus ans Tageslicht. 

Oder: „So ein Weib besamet wird.** So heisst es auch Ps» 
10, 12: „Leben und Wohlthat hast du an mir gethan und deine Ob- 
hut bewahrte meinen Odem.** R. Abba bar Kahana sagte dreierlei. 
Gewöhnlich' wenn der Mensch einen Beutel mit Geld mit der Oeffnung 
herunterwärts kehrt, fallt nicht da das Geld heraus (wird es nicht 
verstreut)? Das Kind ist im Leibe seiner Mutter und Gott behüte 
es, dass es nicht herausfallt und stirbt; verdient er deshalb nicht 
Lob? Das wollen die Worte sagen: „Leben und Wohlthat hast du 
an mir gethan und deine Obhut bewahrte meinen Odem.** R. Abba 
bar Kahana sagte ferner: Gewöhnlich geht das Thier gekrümmt und 
das Junge befindet sich in seinem Leibe wie in einer Art Sack, das 
Weib dagegen geht aufrecht und das Kind befindet sich in ihrem 
Leibe und Gott behütet es, dass es nicht herausfallt und stirbt. 
Das wollen die Worte sagen: „Leben und Wohlthat hast du an mir 
gethan.** R. Abba bar Kahana sagte endlich: Gewöhnlich hat das 
Thier seine Brüste am Orte des Leibes, so dass das Junge am Orte 
(in der Nähe) der Scham saugt, das Weib hat aber ihre Brüste an 
einem herrlichen Orte und das Kind saugt am Orte ihrer Herrlich- 
keit, ist das nicht Leben und Wohlthat? Das wollen die Worte 
sagen: „Leben und Wohlthat hast du an mir gethan.** R. Eleasar 
sagte: Wenn der Mensch im Heissen auch nur eine Stunde ver- 
weilt, wird er nicht um's Leben kommen? Und das Innere des 
Weibes ist siedend und das Kind liegt darin und Gott behütet es, 
dass es nicht in eine Haut, oder in eine leblose Masse, oder in eine 
Sandale übergehe. Zeigt das nicht von Leben und Wohlthat? Das 
wollen die Worte sagen: „Leben und Wohlthat hast du an mir ge- 
than." R. Tachlipha von Cäsarea sagte: Wenn ein Mensch ein 
Stück nach dem andern isst, wird nicht das zweite das erste ver- 
drängen? Das Weib aber, wieviel Speise isst sie und wieviele Ge- 



^4 P«r- XIV. cap. xrr, 3, 

tränke trinkt sie, ohne dass das Kind verdrängt wird. Ist das nicht 
Leben und Wohlthat? R. Simon sagte: Der Leib des Weibes ist 
aus lauter Zellen, Gemächern und Seilen gemacht und bei d«r 
Niederkunft (eig. in der Stunde, wenn sie auf dem Gebährstuhle 
sitzt) löst sich nicht alles auf einmal? Im Sprichwort heisst es: 
Löst sich ein Seil ab, so lösen sich gleich zwei Seile ab (sobald der 
Knoten zweier zusammengebundener Seile aufgebt). R. Meir hat 
gesagt: Während der neun Monate (der Schwangerschaft) steht das 
Weib nicht das Blut, was sie doch der Regel nach monatlich sehen 
sollte. Was thut Gott damit? Er lässt es in ihre Brüste hinauf- 
steigen und macht es zu Milcb, damit das Kind, wenn es zur Welt 
kommt, Nahrung finde, und besonders wenn es ein Knabe ist, wie 
es heisst: „Wenn ein Weib besamet wird und ein männliches Kind 
gebiert" 

Oder: „Wenn ein Weib besamet wird." Das steht auch Hi. 
38, 8 — ii: „Wer umschloss mit Thüren das Meer, als es hervor- 
brach aus dem Mutterschoss 7 " R. Elieser und R. Joaua und R. 
Akiba. R. Elieser sagte zur Erklärung dieser Stelle: Wie das 
Haus Thüren hat, so hat auch das Weib Tbüren s. Hi. 3, 10: 
„Schloss sie mir nicht die Tbüre meines Mutterleibes." R. Josua 
sagte: Wie für das Haus es Schlüssel giebt, so giebt es auch für 
das Weib Schlüssel vergl. Gen. 30, 22: ,,Und Gott erhörte sie und 
that ihren Mutterleib auf." R. Akiba sagte: Wie im Hause es 
Thürangeln (d'"t'K) giebt, so hat auch das Weib Thürangeln, so 
heisst es s. Sam. 4, 29: „Sie krümmte sich und gebar, denn ihre 
Angeln (n^T'K) hatten sich umgedreht." „Als er hervorging {irr'aa) 
aus dem Mutterschoss" (s. Hi. 38, g). weil er sich überhob (netirmis), 
herauszutreten. „Als ich ihm Gewölk gab zum Gewand," darunter 
ist die Haut des Embryos zu verstehen; „und Wolkennacht zu seiner 
Windel" d. i. die dicke Fleischmasse; „als ich ihm seine Grenzen 
bestimmte" d. s. die ersten drei Monate; „und Riegel setzte und 
Thüren" d, s. die mittleren drei Monate; „und sprach: Bis hierher 
sollst du kommen und nicht weiter" d. s. die letzten drei Monate; 




Par. XIV. Cap. XII, 2. g^ 

Angesicht dahin und jene ihr Angesicht dorthin und du fährtest 
jeden Tropfen, der in ihm war, hinein. Das ist es, was David mit 
den Worten Ps. 27, 10 meint: „Denn mein Vater und meine Mutter 
haben mich verlassen, aber der Ewige wird mich aufnehmen/* Es 
heisst Ps. 51, 7: „Und meine Mutter hat mich in Sünde empfangen." 
R. Chija bar Abba sagte: „Das Weib empfangt kurz nach der 
Menstruation oder kurz vorher. Und das um so mehr, wenn es 
ein Knabe ist, wie es heisst: „Wenn ein Weib besamet wird und 
ein Männliches gebiert." 

Oder: „Wenn ein Weib besamet wird.** Das steht auch Ps. 
i39> 3* «»Mein Wandeln und mein Liegen sichtest du, und mit allen 
meinen Wegen bist du vertraut.** R. Jochanan, Resch Lakisch und 
R. Simeon ben Lakisch. R. Jochanan sagte: Gott bildet den Menschen 
nur aus einem weissen Tropfen. Resch Lakisch sagte: Du sichtest, 
wie ein Mensch, welcher das Korn würfelt (sichtet), das Stroh aus- 
schddet, bis er das reine Korn gewonnen hat R. Simeon ben 
Lakisdi sagte: Auch verliert er den Tropfen nicht, sondern er wirft 
etwas davon in's Gehirn und etwas in die Knochen und etwas 
in die Adern, und besonders, wenn es ein männliches Kind ist, 
wie CS heisst: „Wenn ein Weib besamet wird und ein Männliches 
gebiert." 

Oder: „Wenn ein Weib besamet wird." In Verbindung mit 
Koh. II, 2: „Gieb einen Theil an sieben, auch an acht.** „Gieb 
einen Theü an sieben** d. s. die sieben Tage der Absonderung, 
„und auch an acht** d. s. die acht Tage der Beschneidung. Gott 
spiach: Wenn du die Tage der Absonderung beobachtest, so gebe 
ich dir einen Sohn und du beschneidest ihn nach acht Tagen. 
Das wollen die Worten sagen Lev. 12, 3: Und am achten Tage 
soll das Fleisch seiner Vorhaut beschnitten werden. Es 
ist gelehrt worden, wie die Gestalt des Kindes (Embryos) ist. Im 
Anfange seiner Entstehung (Schöpfung) gleicht es einer Kammer- 
heuschrecke, seine zwei Augen sind wie zwei Tropfen der Fliege, 
seine beiden Nasenlocher sind wie zwei Tropfen der Fliege, und 
seine beiden Ohren sind wie zwei Tropfen der Fliege, und seine 
beiden Arme sind wie zwei glänzende Streifen, sein Mund gleicht 
dem Gerstenkorn, sein Leib ist wie eine Linse, und die andern 
Glieder sind zusammengerollt (gewickelt) an ihm wie eine ungeformte 
Masse. Daraufsagt David Ps. 139, 16: „Meinen Klos haben deine 
Augen gesehen.** Ist es aber ein weibliches Wesen, so ist es der 
Länge nach wie ein Gerstenkorn gespalten, Hände und P'üsse sind 
nicht an ihm ausgestreckt. Wie liegt das Kind im Leibe seiner 
Mutter? Eingewickelt wie ein Buch, sein Kopf liegt zwischen seinen 
Knieen, seine beiden Hände liegen an seinen beiden Seiten, seine 
beiden Fersen an seinen beiden Hüften (Dicken der Hüfte), sein 
Mund ist geschlossen, sein Nabel ist offen und es isst von dem, 
was seine Mutter isst und trinkt von dem, was seine Mutter trinkt 
und giebt keinen Koth von sich, denn sonst würde es seine Mutter 



g6 Par. XIV. Cap. XII, 2. 

umbringen. Tritt es dann an die Luft der Welt, so wird das Ge- 
schlossene geöffnet und das Offene geschlossen. Die Schule Schammais 
und die Schule Hillels. Die Schule Schammais sagt: Nicht wie die 
Bildung des Kindes in dieser Welt ist auch die Bildung in jener 
Welt In dieser Welt beginnt die Bildung mit Haut und Fleisch 
und endet mit Sehnen und Knochen, aber einst beginnt sie mit 
Sehnen und Knochen und endet mit der Haut, denn so heisst es 
von den Todten Ezechiels s. Ezech. 37: „Und ich sah und siehe. 
Sehnen waren darauf und Fleischwuchs." Und es zog sich Haut 
darüber obenher, aber Geist war nicht in ihnen." Allein R. Chija 
bar Abba will diesen Abschnitt in Ezechiel als Beweis nicht gelten 
lassen. Mit wem sind wohl die Todten Ezechiels zu vergleichen? 
Mit dem, welcher in ein Bad geht, das was er zuletzt auszieht, das 
zieht er zuerst an. Die Schule Hilleis sagt: Wie die Bildung des 
Menschen in dieser Welt ist, so ist die Bildung auch in jener Welt. 
In dieser Welt beginnt sie mit Haut und Fleisch und endet mit 
Sehnen und Knochen und so wird es auch einst sein, denn so sagt 
HL 10, 9: „Denke doch, dass wie aus Thon du mich formtest," 
und das. V. 10: „Wirst du mich nicht wie Milch hingiessen?" Es 
heisst nicht: "^^ntDnn, du hast mich hingegossen, sondern: "^ss-^nr, 
du wirst mich hingiessen. Das.: ,,und wie Käse wirst du mich gerinnen 
lassen?" Es heisst nicht: '^^n^t'iDpn, du hast mich gerinnen lassen, 
sondern: ■^:N"«Epr, du wirst mich gerinnen lassen. Das. V. 11: „Mit Haut 
und Knochen wirst du mich bekleiden." Es heisst nicht: "^snibabrT, 
du hast mich bekleidet, sondern: •»SUJ'^nbn, du wirst mich bekleiden. 
Das.: „Mit Knochen und Sehnen wirst du mich weben." Es heisst 
nicht: "^rnDtDO, du hast mich gewoben, sondern: "^SDDion, du wirst 
mich weben. Das wollen die Worte sagen: „Leben und Wohlthat 
hast du an mir gethan." Wenn das Weib voll stehenden Blutes 
ist, so geht davon heraus zum Quell ihres Menstruums und mit 
Gottes Willen geht der weisse Tropfen und fällt hinein, und es 
wird dann sofort das Kind gebildet. Gleich der Milch in einer 
Schüssel; wenn du den Labmagen hineinthust, so gerinnt sie und 
steht, wo nicht, so fliesst sie hin und her. Gleich zwei Bildnern, 
dieser bildet das Ebenbild (die Aehnlichkeit) von jenem und jener 
bildet das Ebenbild (die Aehnlichkeit) von diesem. Immer kommt 
das Weibliche vom Mann und das Männliche vom Weiblichen 
(Samen). Das Männliche kommt vom Weiblichen s. i. Chron. 4, 18 : 
„Und sein Weib Jehudija gebar den Jered" und Gen. 22, 24 heisst 
es: „Und sein Kebsweib, ihr Name Reuma, sie gebar auch" u. s. w. 
Und so heisst es auch hier: „Wenn ein Weib zuerst Samen giebt, 
so gebiert sie einen Knaben;" und das Weibliche kommt vom 
Manne, wie es heisst das. V. 23: „Und Bethuel zeugte Rebecca," 
und das. 46, 15: „Und Dina, seine Tochter." Num. 26, 46: „Und 
der Name der Tochter Aschers war Serach." Es giebt kein Buch, 
bemerkte R. Abin, welches von sich selbst erzählt. Gleich zweien, 
die in ein Bad gehen, wer zuerst schwitzt, geht zuerst heraus (und 



Par. XV. Cap. XIII, 2. ^7 

öberlässt das Bad den Zurückbleibenden).*) R. Abuhu sagte: Eine 
grosse Wohlthat thut Gott dem Weibe in dieser Welt, dass er die 
Bildung des Kindes nicht gleich mit Sehnen und Knochen beginnen 
lasst, denn wenn das der Fall wäre, so würde es ihren Leib 
spalten und an 's Licht treten. Denn in dieser Welt gebiert das 
Weib mit Schmerzen, aber was steht einst geschrieben? S. Jes. 667: 
„Bevor sie kreiset, gebiert sie, ehe sie Wehen ankommen, ist sie 
eines Knaben genesen.** 



Parascha XV. 

Cap. XIII, 2. So ein Mensch an der Haut seines 
Fleisches eine erhaben scheinende oder angelaufene 
Stelle oder einen Flecken hat. In Verbindung mit Hi. 28, 25: 
„Dem Winde ein Gewicht zu machen und die Wasser abwog mit 
dem Masse/' R. Huna sagte: An drei Orten brach ein Wind ohne 
Gewicht los, welcher die Welt hätte zerstören (verwüsten) können, 
einer war in den Tagen Hiobs, einer in den Tagen Jonas und 
einer in den Tagen Elias. Von dem Winde in den Tagen Hiobs 
heisst es HL i, 19: „Und siehe, da kam ein grosser Wind jenseits 
der Wüste her;** von dem Winde in den Tagen Jonas heisst es 
Jona I, 4: „Und der Ewige warf einen grossen Wind auf das 
Meer," und von dem Winde in den Tagen Elias heisst es i. Reg. 
19, 11: „Und er sprach: Gehe aus und tritt an den Berg, und 
siehe, der Ewige ging vorüber, und ein grosser, starker Wind, Berge 
zerreissend, Felsen zerschmetternd.** R. Jehuda bar R. Schalum 
sagte: Jener Wind zur Zeit Hiobs war derselbe wie der zur Zeit 
Jonas und derselbe wie der zur Zeit Elias, und wegen des 
Hauses war Wind zu Hiobs Zeit und wegen des Schiffes zu Jonas 
Zeit und wegen jenes Vorgangs zu Elias Zeit und keiner war so 
gross, wie der zu Elias Zeit, wie es heisst: „Und er sprach: Gehe 
und stelle dich an den Berg.** R. Tanchum bar R. Chija sagte im 
Namen der Rabbinen: Der König Messias kommt nicht eher, als 
bis alle Seelen, die nach göttlicher Absicht erschaffen werden sol- 
len, dahin sein werden, und das sind die Worte, welche im Buch 
des ersten Menschen verzeichnet sind s. Gen. 5, i: „Das ist das 
Buch der Geschlechtsfolge Adams.** R. Josua bar R. Chanina sagte: 
In der Stunde, wo der Wind vor Gott ausgeht, bricht er an den 
Bergen (dessen Kraft) und macht ihn unthätig an den Hügeln und 
er spricht zu ihm: Hüte dich, dass du meinen Geschöpfen nicht 
Schaden verursachst, wie es heisst Jes. 57, 16: „Wenn der Wind 
(Geist) sich vor mir verhüllt und die Seelen, die ich gemacht habe" 



*) So auch, wenn der Mann zuerst den Samen tliessen lässt, so über- 
Usst er dann seine Kraft (Wirkung) dem weiblichen Theile und diese giebt 
dann die Vollendung. 

Wünsche, Midrasch Wajikra. 7 



q8 Par. XV. Cap. XIII, 2. 

d. i. wegen der Seelen, die ich gemacht habe.^) Es heisst Hi. 
28, 25: „Und die Wasser abwog mit Mass." R. Judan bar R. Simeon 
sagte: Selbst das Wasser ; was von oben herabkommt, wird mit 
Mass gegeben s. Hi. 36, 27: „Hat er aufgezogen (a^na*' ''D) die 
Wassertropfen" vergl. Lev. 27, 18: „Und es werde abgezogen (:?^a3i) 
von deiner Schätzung." 

Oder: „Dem Winde ein Gewicht zu machen." R. Acha sagt: 
Selbst der heilige Geist, welcher auf den Propheten ruht, ruht nur 
mit einem gewissen Gewichte (Intensivität), denn mancher prophe- 
zeit ein Buch und mancher zwei Bücher. Nach R. Simeon hat 
Beeri nur zwei Worte (Dinge) prophezeit, und da sie nicht genug für 
ein Buch waren (da es so wenig waren), sind sie dem Jesaia einver- 
leibt worden. Es sind Jes. 8, 19: „Und wenn sie zu euch sprechen: 
Befraget die Todtenbeschwörer und klugen Leute," und das andere 
ist: „Und du wogst die Wasser mit einem Masse ab." „Das 
Wasser." R. Judan bar R. Samuel sagte: Selbst die Worte des 
Gesetzes, die von oben gegeben worden, sind mit Mass gegeben 
worden. Welche sind es? Schrift, Mischna, Talmud, Halachot und 
Haggada. Mancher bringt es weit in der Schrift, ein anderer in 
der Mischna, ein dritter im Talmud, ein vierter in der Haggada 
und mancher bringt es weit in ihnen allen. Oder: „Dem Winde 
ein Mass zu machen." Es ist so zu verstehen, wie die Menschen 
zu sagen pflegen: Dieser Mensch hat einen langen, jener einen 
kurzen Athem, weil in ihm Kurzathmigkeit gelegt worden ist „Und 
die Wasser wogst du mit einem Masse ab." Der Mensch hat zu 
einer Hälfte Wasser und zu einer Hälfte Blut; wenn er tugendhaft 
ist, so ist das Wasser nicht mehr als das Blut und das Blut nicht 
mehr als das Wasser (beide Flüssigkeiten sind sich gleich an Mass); 
wenn er aber sündigt (leichtsinnig lebt), so wird manchmal das 
Wasser mehr als das Blut und er wird wassersüchtig {vÖQiOTCiKogjf 
manchmal wird aber auch das Blut mehr als das Wasser und er wird 
aussätzig. Darum heisst es auch: „(on^) Mensch oder (an) Blut."^^) 

Oder: „Wenn ein Mensch an der Haut seines Leibes" u. s. w. 
In Verbindung mit Hi. 38, 25: „Wer theilt dem Regenguss Kanäle 
ab?" Es giebt Orte, sagte R. Berachja, wo das Haar nst:''«! 
Ueberschwemmung, Fluth genannt wird. Ein Mensch trug einmal 
vor und sprach: Es giebt kein Haar, dem Gott nicht ein Grübchen 
für sich erschaflfen hätte, damit nicht eins von ihnen Genuss am 
andern habe (d. i. damit nicht eins die Kraft dem andern entziehe). 
Da sagte sein Weib zu ihm: Jetzt willst du ausgehen, um deinen 
Unterhalt herbeizuschaffen, bleibe doch zu Hause, dein Schöpfer 
wird für dich sorgen. Er folgte ihr, blieb zu Hause und sein 
Schopfer stand ihm bei. „Und dem Blitz einen Weg." Selbst der 



*) Der Midrasch fasst die Stelle in dem Sinne: Der Wind wird vor 
mir schwach, wegen der Seelen, die ich geschaffen habe. 
*•) Der Midrasch theilt das Wort OIK in m W. 



Par. XV. Cap. XIII, 2. 



99 



Sdmme, die von der Veste ausgeht, giebt Gott einen Weg für sich 
(ihren eigenen, ihr zugemessenen Weg). Und das alles warum? 
Damit sie nicht ausziehe und die Welt zerstöre. Oder: ,,Und dem 
Blitz einen Weg." R. Abin sagte: Gleich einem Gemüsegarten, in 
-welchem sich eine Quelle befindet, so lange diese Quelle darin ist, 
ist das Kraut schwarz, versiegt aber die Quelle, dann nimmt es eine 
weisse Farbe an. So auch wenn der Mensch tugendhaft lebt und 
schwarzes Haar an ihm sprosst, wird der Grind geheilt, und er ist 
rein, wo nicht, so wird das Haar am Aussatzmaal in weisses ver- 
wandelt So heisst es: „Wenn ein Mensch" u. s. w. 

Oder: „Wenn ein Mensch an der Haut seines Fleisches" 
u« s. w. In Verbindung mit Prov. 19, 29: „Bereitet sind den 
Spöttern Gerichte" d. i. bereitet sind den Spöttern Rechtsstreitig- 
keiten." Gewöhnlich wenn ein Mensch auf einem Esel reitet, so 
ist er bald über ihn aufgebracht und schlägt ihn, bald lacht er über 
ihn und schlägt ihn, aber hier für die Spötter sind Gerichte und 
Schläge bereitet. Gleich einer Matrone, welche in den königlichen 
Palast eintrat, als sie daselbst Geissein (Knuten) hängen sah, fürchtete 
^e sicL Fürchte dich nicht, sprach der König zu ihr, diese sind 
für ^e Knechte und Mägde bestimmt, du aber bist da, um zu 
essen, zu trinken und fröhlich zu sein. So geriethen auch die 
Israeliten in Furcht, als sie den Abschnitt, die Aussatzmaale be- 
treffend, hörten. Da sprach Mose zu ihnen: Fürchtet euch nicht, 
diese sind für die Völker der Welt, ihr aber seid da, um zu essen, zu 
trinken und fröhlich zu sein, wie es heisst Ps. 32, 10: „Viele Leiden 
treffen den Frevler, wer aber auf den Ewigen vertraut, ihn umgiebt 
er mit Gnade." Rabbi und R. Ismael bar R. Jose sassen am Vor- 
abend des neunten Ab, der auf den Sabbath gefallen war, und be- 
schäftigten sich bis gegen Abend mit den Klageliedern, sie hatten 
ein Aiphabet (Kapitel) übrig gelassen, sie sagten: Morgen wollen wir 
es zu Ende bringen. Als Rabbi hinaufging (in seine Wohnung), 
stiess er sich an seinen kleinen Finger, da wandte er auf sich den 
Sprach an: „Viele Leiden treffen den Frevler;" allein R. Ismael sprach 
zu ihm: Wären wir nicht beschäftigt gewesen mit dem Sinne von 
Thren. 4, 20: „Der Athem unserer Nase ist der Gesalbte des 
Ewigen," so hätte ich gesagt, um wie viel mehr jetzt, wo wir damit be- 
schäftigt sind. Als er nach Hause kam, legte er trocknen Schwamm 
darauf und wickelte Bast von aussen darum. Aus den Worten 
Rabbis haben wir drei Dinge gelernt, sagte R. Ismael bar R. Jose: 
i) dass der Schwamm nicht auszieht (aussaugt), sondern nur die 
Wunde bewahrt; 2) dass man darauf Bast bindet von innen, weil er 
zubereitet ist, und 3) dass man in den heiligen Schriften nur von 
der Vesperzeit an und weiter lesen soll, aber wohl darin lernen und 
sie auslegen kann; wenn es noth wendig ist, für einen Zweck eine 
Untersuchung anzustellen, nimmt man sie und stellt die Unter- 
suchung an. Samuel sagte: Einen Scherben, es mag sein, was es 
will, und Bast, es mag sein, was es will (darf man am Sabbath auf 

7* 



lOO Pajr. XV. Cap. XIII, 2. 

die Wunde legen). R. Judan lehrte im Namen des R. Samuel: Der 
Spund des Fasses und seine Bruchstücke (Trümmer) dürfen am 
Sabbath bewegt werden, sind sie aber schon auf den Misthaufen 
geworfen worden, dann dürfen sie nicht bewegt werden. R. Eleasar 
und R. Tanchum von Bozra sagten im Namen des R. Jeremja: 
Selbst den Frevler, wenn er auf Gott vertraut, nimmt Gott auf, wie 
es heisst Ps. 32, 10: „Wer auf den Ewigen vertraut, den umgiebt 
er mit Gnade." Was steht vorher? „Wenn eine Frau besamet 
ivird und ein Männliches gebiert.** Und was steht nachher? „Wenn 
ein Mensch an seiner Haut hat*' u. s. w. Wie passt eins zum 
andern? Darauf antwortete R. Tanchum bar R. Chanilai: Gleich 
einer Eselin, der, weil sie erkrankt war, eine Wunde ausgebrannt 
wurde, in Folge dessen auch ihr Junges gebrannt (mit einem Brand- 
mal geboren) wurde. Was war die Veranlassung, dass das Junge 
mit einem Brandmal geboren wurde? Weil seine Mutter gebrannt 
worden war. So auch, wer hat es verschuldet, dass das Kind aussätzig 
ist? Seine Mutter, weil sie nicht die Tage der Menstruation vor- 
sichtig beobachtet hat. R. Abin sagte: Gleich einem Gemüsegarten, 
in dessen Mitte eine Quelle ist, so lange die Quelle darin ist, bringt 
er wuchernde Gräser hervor. Ebenso wer seinem menstruirenden 
Weibe beiwohnt, erzeugt aussätzige Kinder. R. Abin wandte da- 
gegen ein, hinweisend auf Jerem. 31, 29: „Die Väter haben Heer- 
linge gegessen und den Kindern sind die Zähne stumpf geworden.** 
Und die Kinder klagen über ihre Väter Thren. 5, 7: „Unsere Väter 
haben gesündigt und sie sind nicht mehr und wir tragen ihre 
Schuld.** R. Abin sagte im Namen des R. Jochanan: Es heisst 
Lev. 12,8: „Wenn ihr Vermögen nicht reicht zu einem Lamm,*' und 
was steht nachher? „Wenn ein Mensch an seiner Haut hat** u. s. w. 
Wie passt eins zum andern? Gott sprach: Ich habe dir gesagt: 
Bringe ein Opfer für deine Niederkunft, und du hast es nicht ge- 
than, bei deinem Leben! ich werde dich zwingen, zum Priester zu 
gehen, wie es heisst: „So bringe man ihn zu Aaron, dem Priester." 
R. Jochanan sagte: Warum steht der Abschnitt, die Challa (Opfer- 
gabe vom Teige) betreffend, in Verbindung mit dem Abschnitte, den 
Götzendienst betreffend? Um dir zu sagen: Wer die Vorschrift be- 
treffs der Challa achtet, ist so anzusehen, als hätte er den Götzen- 
dienst aufgehoben; wer hingegen die Vorschrift betreffs der Challa 
nicht beachtet, so ist anzusehen, als wenn er es mit dem Götzen- 
dienst hielte. R. Eleasar sagte: Es heisst Prov. 6, 26: „Wegen einer 
Buhlerin kommt man bis zum Laib Brot.** Was ist wohl Schuld, 
dass er an einem buhlerischen Weibe strauchelt? Weil er ihr Brot 
gegessen hat, was sie nicht verzehntet hat. R. Simeon ben Lakisch 
sagte: Es steht geschrieben Num. 5, 10: „LTnd wenn jemand seine 
heiligen Gaben .... ihm soll es gehören.*' Was steht nachher? 
V. 13: „So einem Manne sein Weib untreu wird.** Wie passt eins 
zum andern? Gott sprach: Ich habe dich geheissen, deine Gaben 
dem Priester zu geben und du hast nicht so gethan, bei deinem 



Par. XV. Cap. XIII, 2. lor 

Leben! ich werde dich zwingen, dein Weib zum Priester zu bringen, 
wie es dort heisst V. 15: „Der Mann bringe sein Weib zum Priester." 
R. Levi sagte: Die Segnungen segnen ihre Herrn und die Flüche 
verfluchen ihre Herrn. Es heisst nämlich Deut. 25, 15: „Vollen und 
richtigen Stein sollst du haben.'* Thust du also, so wird es dir auch 
nicht an Verkehrsmitteln fehlen (eig. so hast du, um zu nehmen und 
zu geben, zu kaufen und zu verkaufen). Die Flüche verfluchen ihre 
Herrn s. das. V. 13: „Du sollst nicht in deinem Beutel zweierlei Steine 
haben, einen grossen und einen kleinen,*' V. 14: „Du sollst nicht in 
deinem Hause zweierlei £pha haben, ein grosses und ein kleines," wenn 
da so thnst, so wird es dir an Verkehrsmitteln fehlen (eig. so wirst 
da nicht haben, um zu nehmen und zu geben, um zu kaufen und 
zu verkaufen). Gott sprach: Ich habe dir befohlen, du sollst nicht ein 
grosses und ein kleines £pha haben und du hast es doch gethan; 
bei deinem Leben! es wird dir (eig. jenem Manne) selbst einmal an 
dem kleinen £pha fehlen vergl. £x. 20, 23: „Silberne und goldene 
Götter sollt ihr nicht neben mir machen," wenn du so gethan hast, 
bei deinem Leben! so wirst du dir einst nicht einmal selbst eins 
von Holz und Stein machen können. Wie werden die Aussatzmaale 
des Mannes besichtigt?^) £r wird in der Stellung eines Gätenden 
und eines Olivenabpflückenden besichtigt; wie ein Gätender hinsicht- 
lich der Scham (der verdeckten Stelle), und wie ein Oliven - 
abpflückender hinsichtlich der Achselhöhlung.**) Und wie ist es 
betreffs der Aussätze des Weibes? Sie wird in der Stellung einer 
Webenden und einer, die ihren Sohn unter der Brust säugt, be- 
sichtigt« Wie eine Wollweberin, bei der die Achselhöhlung der 
rechten Hand sichtbar wird. R. Juda sagt: Wie eine, die Flachs 
mit der linken Hand spinnt. Und sowie die Aussätze besichtigt 
werden, so wird auch sein Haarscheeren besichtigt. £s ist gelehrt 
worden: Alle Ausschläge sieht der Mensch, nur seine eigenen nicht. 
R. Melr sagte: Auch die Ausschläge seiner Verwandten sieht er 
nicht. Wer besichtigte denn den Aussatz der Mirjam? Meinst du 
etwa Mose, ein Fremder sieht doch die Ausschläge nicht, oder meinst 
du etwa Aaron, ein Verwandter sieht doch die Ausschläge nicht? 
Da sprach Gott: Ich bin der Priester, ich schliesse sie ein und ich 
spreche sie auch rein. Das steht auch Num. 12, 15: „Das Volk 
brach nicht auf, bis Mirjam wieder aufgenommen war.*' Wenn 
dem so ist, so war das Volk bei der Schechina und diese wartete 



•) S. Negaim II, 4. 
••) Vcrgl. Siphra Tasria Par. 3, Cap. 4. Sinn.: „Da nur die Aussätze an 
.solchen K.örpertheilen, die sichtbar sind, als unrein erklärt werden können, 
so mnsste die gedachte Stellung angegeben werden. Beim Gäten stellt man 
gewöhnlich die Füsse in einiger Entfernung von einander, so dass die Ge- 
»chlechtstheile, und beim Abpflücken der Oliven hebt man die Hände in die 
Höhe» so dass die Achselhöhlungen sichtbar werden (die Olivenbäume sind in 
der Regel nicht sehr hoch, weshalb man zum Abpflücten ihrer Früchte den 
Arm nicht sehr hoch zu heben braucht)/' S. Levy, Neuhebr. u. Chald. 

AvwB. ni. s. 17s. 



102 P"- XVI. Cap. XIV, 2. 

auf die Mirjam. R. Levi sagle im Namen des R. Chama bar R. 
Chanina: Es war ein grosser Gram für Mose bei dieser Sache. Er 
dachte so: Ist das eine Ehre für meinen Bruder Aaron, Ausschläge 
zu besichtigen? Hat er nicht Genuss, entgegnete ihm Gott, von 
dem vierundzwanzig Priestergaben? Im Sprichwort heisst es: Wer 
die zarten Fasern des Baumes geniesst, wird oft mit der Ruthe des- 
selben geschlagen.*) „Eine erhabene Stelle" d. i. Babel vergl. Jes, 
I4i 4: „So erhebst du dieses Lied über den König von Babel und 
sprichst: Wie hat's ein Ende mit dem Drängen, ein Ende mit der 
Bedrückung!" R. Abba bar Kahana sagte; Unter: namn nnaia ist 
eine Regierung zu verstehen, welche befiehlt, Nim ITIH, miss und 
bringe (miss und gieb)l R. Samuel bar Nachman sagte: £s ist 
eine Regierung, welche das Angesicht der Menschen roth (beschämt) 
macht {namo N-nffi) in der Stunde, wo er zu ihr kommt Die 
Rabbinen sagten: Wegen des goldenen Hauptes (nami: kommt her 
von am, Gold) s. Dan. 2, 38: „Du bist das Haupt von Gold." 

rncD d. i. Medien, welches den ruchlosen Haman gestellt hat, 
welcher wie eine Schlange zischte vergl. Gen. 3, 14: „Auf deinem 
Bauche sollst du gehen." nina d. i. Griechenland, welches durch 
seine Edicte über die Israeliten glänzte (ninan sich hervorthat), in- 
dem es zu ihnen sagte: „Schreibet auf das Hörn des Ochsen, dass 
ihr keinen Theil am Gotte Israels habt." nsis Sii, Aussatzraaal 
d. i. Edom, welches sogar von der Kraft des Alten (Jizchaks) kam. 

„Und es ist an der Haut seines Fleisches ein Aussatzmäal." 
In dieser Welt besichtigt der Priester die Ausschläge, aber einst, 
sprach Gott, werde ich euch rein erklären, wie es heisst Ezech. 
37, 25: „Ich werde auf euch sprengen reines Wasser und ihr sollt 
rein sein." 



Parascha XVI. 




Par. XVr. Cap. XIV, 2. 103 

unheilvolle Gedanken (Anschläge) pflügt (schmiedet), Füsse, die nach 
dem Bösen eilen, wer Lügen verbreitet als falscher Zeuge und wer 
Zwistigkeit anstiftet unter Brüdern. Und diese alle, sagte R. Jp- 
chanan, werden mit Aussatz bestraft, i) Stolze Augen. Das kannst 
du an den Töchtern Zions sehen, wie es heisst Jes. 3, 16: „Darum 
dass hoffartige Töchter sind die Töchter Zions und einhergehen 
mit gerecktem Halse und zwinkernden Augen", desgl. das. V. 17: 
fJSo wird der Ewige den Scheitel der Töchter Zions kahl machen.*' 
(Die Töchter Zions) dehnten sich aus wie die Lanzen und sie gingen 
bochmüthig einher. „Und sie gehen einher mit gerecktem Halse.*' 
Wenn eine von ihnen Geschmeide anlegte, so dehnte sie ihren Hals 
ans, um dasselbe zu zeigen. „Und sie zwinkern mit den Augen.*' 
R. Mani von Cäsarea sagte: Sie schminkten ihre Augen mit 
Schminke, Resch Lakisch sagte: Sie schminkten sich mit rother 
Augensalbe. „Sie gehen trippelnd einher.** Wenn ein Weib lang 
war, da Hess sie zwei Kleine (Kurze) neben sich gehen, eine an 
dieser und eine an jener Seite, damit ihre Länge gesehen werde {um 
ihren Wuchs recht hervortreten zu lassen). War sie aber klein, so 
Hess sie noch zwei kleinere neben sich gehen. Und sie steckte 
ihre Fasse in dicke Holzschuhe, damit sie recht gross (lang) er- 
scheine. „Und mit ihren Fussspangen klirren sie.** R. Abba bar 
Kahana sagte: Sie hatten Drachengestalten auf ihren Schuhen. Die 
Rabbinen sagen: Sie nahmen eine Eierschale, füllten dieselbe mit 
Balsam und legten sie dann unter die Ferse in ihren Schuhen, wenn 
sie dann eine Schaar junger Leute kommen sah, so trat sie darauf 
und es drang in sie jener Duft wie das Gift einer Viper. Da 
sprach Gott zu Jesaia: Was thun diese? Wenn sie auch jetzt be- 
stehen, sie werden aber von hier weggetrieben werden. In Folge 
dessen sprach Jesaia zu ihnen: Thut Busse, ehe Feinde über euch 
kommen. Er bekam aber zur Antwort: Wenn Feinde über uns 
kommen, was können sie uns thun? wie es heisst Jes. 5, 19: „Die 
da sprechen: er beeile, beschleunige sein Werk, dass wir es sehen.** 
Nun wenn ein Anführer (dux) mich sieht, so nimmt er mich, wenn 
ein Kriegsoberster mich sieht, so setzt er mich in seinen Wagen. 
Das wollen die Worte sagen das.: „Es nehme, es gehe in Erfüllung 
der Rath des heiligen Israels, dass wirs erfahren** d. i. wir wollen es 
erfahren, was Bestand haben wird, dies oder jenes. Als die Sünden 
gestiegen (gross geworden) waren und die Feinde kamen, da putzten 
sie sich und zogen ihnen wie öflfentliche Buhlerinnen entgegen, der 
Dux sah sie und nahm sie, ebenso der Eparch und Kriegsoberste 
und setzte sie (neben sich) in den Wagen. Da sprach Gott: Sollte 
denn das meinige (mein Wort) keinen Bestand haben, nur das 
ihrige? Was that er? S. Jes. 3, 17: „Der Ewige machte den 
Scheitel der Töchter Zions kahl.** R. Eleasar und R. Jose bar R. 
Chanina. R. Eleasar sagte: Er schlug sie mit Aussatz, so wie es 
heisst Lev. 14, 56: „Und über Erhöhung und Schorf (rnco'r ")).** 
R. Jose bar R. Chanina sagte: Er Hess auf ihr Haupt kommen 



I04 Par. XVI. Cap. XIV, 2. 

ganze Familien von Ungeziefer (o^iD bü mnet:73 mnsttJr). R. Chija 
bar Abba sagte: Er machte sie zu Sclavinnen. Was bedeutet: 
mimD^, dienstbare Sclavinnen? Es sind Mägde, welche unter- 
werfen. R. Chija und Chalpha bar Idi im Namen des R. Jose 
sagten: „Was bedeutet: riD^i, er machte kahl?" Er hütete 
ihre Familien, dass sich nicht heiliger Same mit den Völkern 
der Länder vermische. Gott sprach: Ich weiss, dass die Völker 
der Welt vom Aussatz nicht abstehen. Was that er? S. das.: „Und 
der Ewige wird ihre Scham entblössen." Gott winkte ihren Quellen 
und es floss Blut heraus, von welchem der Wagen voll ward. Da 
stach sie der Machthaber mit seiner Lanze, warf sie vor den 
Wagen und er ging über sie hinweg und zermalmte sie. Das sagt 
auch Jeremia Threni 4, 15: „Weichet aus! unrein! rief man ihnen 
zu." Nach R. Meir ist das Wort: i^no das griechische ovqbiVj 
ziehen, schleppen.*) 2) „Lügenhafte Zunge." Das kannst du von 
Mirjam lernen, wie es heisst Num. 12, i: „Und Mirjam und Aaron 
redeten wider Mose." Und woher lässt sich beweisen, dass er sie 
mit Ausschlag geschlagen hat? Weil es heisst das. V. 10: „Und 
das Gewölk wich vom Versammlungszelt, und siehe, Mirjam war 
aussätzig wie Schnee." Dann heisst es 3) Prov. 6, 17: „Und Hände, 
die unschuldiges Blut vergiessen." Das kannst du an Joab sehen, 
wie es heisst i. Reg. 2, 32: „Und der Ewige wende sein Blut auf 
sein Haupt." Und woher lässt sich beweisen, dass er ihn mit Aus- 
schlag geschlagen hat? Aus 2. Sam. 3, 29: „Es komme auf das 
Haupt Joabs" u. s. w., es fehle nie im Hause Joabs an Flüssigen 
und Aussätzigen." 4) Das.: „Ein Herz, was unheilvolle Gedanken 
pflügt," was du an Usia sehen kannst, welcher sich die Hohepriester- 
würde anzumassen suchte. Und woher lässt sich beweisen, dass 
er mit Aussatz geschlagen wurde? Aus 2. Reg. 15, 5: „Und der 
Ewige schlug den König und er ward aussätzig bis an den Tag 
seines Todes." 5) „Füsse, die sich beeilen nach dem Bösen zu laufen, 
was du von Gechasi lernen kannst, wie es heisst 2. Reg. 5, 20: „Und 
Gechasi, der Knappe Elisas, dachte" u. s. w. Und woher lässt 
sich beweisen, dass er mit Aussatz geschlagen wurde. S. das. V. 27: 
„Der Aussatz Naemans wird dir anhaften." 6) „Und der Zwietracht 
anstiftet zwischen Brüdern," wie es bei Pharao der Fall war, welcher 
Zwietracht anstiftete zwischen Abraham und Sara. Und woher 
lä^st sich beweisen, dass er mit Aussatz bestraft wurde? Aus Gen. 
12, 17: „Und der Ewige schlug den Pharao." 

R. Simeon ben Gamaliel erzählte: Einmal war ich von Tiberias 
nach Sepphoris gegangen, da fand ich einen alten Mann, der mir 
sagte: Es giebt vierundzwanzig Arten von Ausschlag, keiner aber ist 
so schwer (schädlich) für den Beischlaf (Bedienung des Bettes) wie die 
mit Schleimfluss Behafteten. Nach R. Pedat ist Pharao damit be- 
straft worden. Darum warnt Mose die Israeliten mit den Worten: 



*) S. Midr. Echa zu 4, 15, wo sich mehrere Abweichungen finden. 



Par. XVI. Cap. XIV, 2. 105 

„Das soll sein die Verordnung für den Aussätzigen'' u. s. w. Es ist 
gelehrt worden, dass R. Jose erzahlt habe: Mir hat ein alter Mann 
unter den Jemsalemiten mitgetheilt, dass es viernndzwanzig Arten 
von Ausschlag gebe, und es ist, wie die Weisen sagen, der Beischlaf 
für sie schädlich, am schädlichsten von allen aber sind die mit 
SchJeimflnss Behafteten. Wovon kommt das? Es ist gelehrt worden, 
dass derjenige, welcher Ader gelassen und den Beischlaf ausgeübt 
hat, gekrümmte Kinder bekommt. R. Jochanan hat gesagt: Nehmt 
euch vor den Fliegen solcher mit Schleimfluss Behafteten in Acht. 
R. Sera setzte sich zu solchen nicht. R. Eleasar ging nicht in ihre 
Zelte. R. Ami und R. Asi haben ihre Eier nicht gegessen. Und 
darauf ist gesagt: „Das soll sein die Verordnung" u. s. w. 

Oder: „Das soll sein die Verordnung betreffs des Aussätzigen" 
d. L betreflfs desjenigen, der verleumdet. In Verbindung mit Ps. 
34» 13- »Wer ist der, welcher das Leben liebt." Ein Kaufmann 
(Krämer) ging in den Städten umher, welche in der Nähe von 
Sepphoris lagen, ausrufend: Wer will Lebensbalsam kaufen? Sie 
schauten auf ihn. R. Janai sass gerade in seinem Speisezimmer, 
mit der Auslegung der Schrift beschäftigt, er hörte diesen Mann 
ausrufen: Wer will Lebensbalsam? Da sagte er zu ihm: Komm 
herauf und verkaufe mir. Da antwortete ihm der Krämer: Weder 
du noch deines Gleichen brauchen ihn. Da er ihn sehr belästigte 
(sehr bat), ging er hinauf zu ihm und zog das Psalmbuch hervor 
und zeigte ihm den Vers: „Wer ist der Mann, welcher das Leben 
liebt?" Was folgt darauf? V. 14: „Bewahre deine Zunge vor 
Bösem ... V. 15: Und thue Gutes." R. Janai sagte: Auch Salomo 
rief aus und sprach Prov. 21, 23: „Wer seinen Mund und seine 
Zunge behütet, bewahrt seine Seele vor Noth." So oft ich diesen 
Vers las, sagte R. Janai, habe ich nicht gewusst, wie ich ihn er- 
klären soll, bis endlich mir dieser Krämer den Sinn erschloss {eig. 
bis endlich dieser Krämer mir kund that:) „Wer ist der Mann, der 
Wohlgefallen am Leben hat." Darum warnt Mose die Israeliten 
und befiehlt ihnen: „Das soll sein die Verordnung betreffs des Aus- 
sätzigen," nämlich die Verordnung betreffs desjenigen, der ver- 
leumdet (üblen Ruf verbreitet). 

Oder: „Das soll sein die Verordnung betreffs des Aussätzigen" 
u. s. w. In Verbindung mit Hi. 20, 6: „Stieg auch bis zum 
Himmel seine Höhe, und rührte sein Haupt bis an die Wolken." iN^'b 
ist so viel wie «TSTib, seine Höhe und syb soviel wie N33yb, Ge- 
wölk. Das. V. 7: „Wie sein Koth vergeht er auf ewig." Wie diese 
Excremente schmutzig sind, so ist auch er schmutzig, „Die ihn ge- 
sehen, sprechen: wo ist er?" d. i. die ihn gesehen, erkennen ihn 
nicht mehr, wie es bei Hiobs Freunden der Fall war s. Hi. 2, 12: 
„Als sie ihre Augen erhoben von Ferne, erkannten sie ihn nicht." 

R. Jochanan und R. Simeon ben Lakisch. R. Jochanan sagte: 
Man darf nicht an der Morgenseite eines Aussätzigen vier Ellen 
weit entfernt gehen; R. Simeon sagte: Selbst nicht hundert Ellen, 



I06 Par- XVI. Cap. XIV, 2. 

und beide sind nicht verschiedener Meinung. Wer da meint, nicht 
vier Ellen, versteht darunter die Zeit, wo der Wind nicht weht, 
wer dagegen sagt, hundert Ellen, denkt an die Zeit, wo der Wind 
weht. R. Meir ass nicht Eier aus dem Gässchen eines Aussätzigen. 
R. Ami und R. Asi gingen nicht einmal gern in das Gässchen 
eines Aussätzigen. Wenn Resch Lakisch einen von ihnen (den Aus- 
sätzigen) in der Stadt sah, warf er Steine auf ihn mit den Worten: 
Geh nach deinem Orte und besudle die Menschen nicht, denn R. 
Chija hat gelehrt: Es heisst Lev. 13, 46: „Ein solcher soll wohnen 
abgesondert** d. i. er wohne allein. Wenn R. Eleasar und R. Simeon 
einen von ihnen sahen, verbargen (versteckten) sie sich vor ihm, 
weil geschrieben steht: „Das soll sein die Verordnung betreffs des 
Aussätzigen" d. i. betreffs des Verleumders (der seinen Nächsten in 
üblen Ruf bringt). 

Oder: „Das soll sein die Verordnung betreffs des Aussätzigen" 
u. s. w. In Verbindung mit Ps. 50, i6: „Zu dem Frevler spricht 
Gott: was zählst du meine Satzungen und warum trägst du meinen 
Bund auf deinem Munde?" Ben Asai sass und predigte und das 
Feuer flammte um ihn ringsherum (er rief eine grosse Begeisterung 
hervor, was den Zuhörern auffiel), sie fragten, bist du vielleicht mit 
den Geheimnissen der Wagenerscheinung im Ezechiel beschäftigt? 
Nein, antwortete er, sondern ich reihe die Worte des Gesetzes an 
die Propheten und die Propheten an die Hagiographen und die 
Worte des Gesetzes erfreuen wie am Tage, da sie auf dem Berge 
Sinai gegeben wurden, was im Feuer geschah, wie es heisst Deut. 
4, 11: „Und der Berg brannte im Feuer." R. Levi sagte: Wir 
finden in der Thora und in den Propheten und in den Hagiographen» 
dass Gott an dem Lobe eines ruchlosen Menschen keinen Gefallen 
findet; in der Thora s. 13, 45: „Und sein Kinn soll verhüllt sein, 
unrein, unrein! soll er rufen;" in den Propheten s. 2. Reg. 8, 5: 
„Und es geschah, er erzählte eben dem Könige, dass er den Todten 
lebendig gemacht habe .... das ist das Weib und das ihr Sohn, 
den Elisa lebendig gemacht hat." Vielleicht stand er (Elisa) hinter 
der Thür? Die Rabbinen sagen: Wenn der Mensch auch am Ende 
der Welt steht, so bringt Gott sie (die Strafe) über ihn (den Ver- 
leumder), damit nicht jener Ruchlose das Lob Gottes erzähle. In 
den Hagiographen s. Ps. 50, 16: „Und zum Frevler spricht Gott: 

/was hast du zu erzählen meine Satzungen?" R. Eleasar sagte im 
Namen des R. Jose ben Simasn: Der Mensch hat 248 Glieder, von 
denen einige liegen, einige aufgerichtet sind; die Zunge aber ist 
zwischen den zwei Kinnladen eingesperrt und unter ihr zieht sich 
ein Wasserkanal (der Speichel) hin und sie ist von mannigfachen 
Falten umgeben (eig. sie ist verdoppelt und vielemal verdoppelt). 
Komm und sieh, wie viele Brände sie anzündet (d. i. auf wie vieler- 
lei W^eise sie Brand anstiftet, obgleich sie über Wasser liegt). Wenn 
das in diesem Zustande schon der Fall ist, was wurde erst ge- 
schehen, wenn sie aufrecht stände! Darum warnt Mose die Israeliten 



Par. XVI, Cap. XIV, 4, 107 

und spricht zu ihnen: „Das soll sein die Verordnung betreffs des 
Aussätzigen*' d. i. des Verleumders. 

Oder: „Das soll sein die Verordnung betreffs des Aussätzigen** 
u. s. w. Das steht auch Koh. 5, 5: „Gestatte deinem Mund nicht, 
dass er dein Fleisch in Sünde bringe.** Diesen Vers deutete R. 
Josua ben Levi auf diejenigen, welche öffentlich Almosen geloben 
und nicht geben. R. Chanina bar Papa bezieht den Vers auf die» 
jenigen, welche verleumden. R. Benjamin ben Levi bezieht ihn auf 
die Heuchler (d. i. auf diejenigen, welche sich stellen, als ob sie des 
Gesetzes kundig wären und es doch nicht sind). R. Mani deutete ihn 
auf diejenigen, welche Gelübde geloben vergl. Midr. Kohel. zu 5, 5. 
Die Rabbinen erklären ihn auf Mirjam. „Gestatte deinem Munde 
nicht, dass er dein Fleisch in Sünde bringe** d. i. gieb einem von 
deinen Gliedern nicht die Gewalt, dass es alle deine Glieder in 
Sünde bringe. „Und sprich nicht vor dem Boten** d. i. Moses. 
Nnm. 20, 16: „Und er sandte einen Boten und er führte uns hin- 
weg aus Aegyten;** „es war ein Irrthum,*' wie es Num. 12, 11 heisst: 
„dass wir so thöricht waren und gesündigt haben.** „Warum soll 
Gott über deine Stimme zürnen?** d. i. über jene Stimme, von der 
es heisst das. V. 9: „Es entbrannte der Zorn des Ewigen über sie 
und er ging weg,** „Und deiner Hände Werk verderbe?** R. Jo- 
chanan sagte: Mit ihrem Munde sündigte sie (Mirjam) und alle 
Glieder mussten darunter leiden (wurden geschlagen), wie es heisst 
das. V. 10: „Die Wolke wich vom Zelte.** R. Josua ben Levi sagte: 
Ist ein Wort einen Sela werth, so ist Schweigen zwei Sela werth; denn 
es ist gelehrt worden (Aboth): Simeons Sohn sagte: Ich bin alle 
meine Tage unter den Gelehrten herangewachsen und habe nichts 
zuträglicher für den Körper gefunden, als Schweigen. R. Josua ben 
Levi sagte: Fünfmal steht das Wort ?Tmn in dem Abschnitte über 
den Aussätzigen, nämlich: das ist die Verordnung betreffs des Maales 
des Aussatzes, das soll sein die Verordnung betreffs des Aussatzes, 
das ist die Verordnung, worin vom Maale des Aussatzes gehandelt 
ist, das ist die Verordnung für jegliches Maal des Aussatzes, dies 
ist die Thora des Aussatzes. „Das soll sein die Verordnung be- 
treffs des Aussätzigen** d. i. des Verleumders, um dir zu lehren, dass 
jeder, welcher verleumdet, gegen die fünf Bücher Mose verstösst. 
Damm warnt Mose die Israeliten und spricht: „Dies soll sein die 
Verordnung betreffs des Aussätzigen.** 

V. 4. Und der Priester soll befehlen, dass man nehme 
für den sich Reinigenden. R. Jehuda bar R. Simon sagte: 
Diese Vogel zwitschern, darum spricht Gott: So komme diese (seine) 
Stimme und sühne jene Stimme (des Verleumders). R. Josua ben 
Levi sagte: Es muss ein schnell fliegender Vogel sein (wie ein 
Sperling, der sich im Freien wie im Hause aufhält), welcher von 
seinem Brote isst und sein (des Aussätzigen) Wasser trinkt. Wenn 
nun schon diese Vogel, welche von seinem Brote essen und von 



108 Par- XVI. Cap. XIV, 5. 

seinem Wasser trinken, ihm als Sühne dienen, um wie viel mehr 
der Priester, der vierundzwanzig Priesterabgaben von Israel geniesst! 
Das Sprichwort sagt: Wer die zarten Fasern des Baumes geniesst, 
wird oft mit der Ruthe derselben geschlagen. 

R. Acha sagte: Es ist des Menschen Sache, dass keine Krank- 
heiten über ihn kommen. Was ist der Sinn des Ausspruches des 
R. Acha? Es heisst Deut. 7, 15: „Der Ewige wird von dir abwenden 
alle Krankheiten" d. i. von dir hängt es ab (es ist deine Sache), 
dass keine Krankheiten über dich kommen. R. Abin sagte: Es ist 
hier der böse Trieb gemeint, dessen Anfang süss und dessen Ende 
bitter ist. R. Tanchum sagte im Namen des R. Eleasar und R. 
Menachma im Namen Rabs: „Der Ewige wird von dir abwenden 
alle Krankheiten," darunter ist ein missgünstiges Auge zu verstehen. 
Nach der Meinung des R. Eleasar kommen neunundneunzig Krank- 
heiten durch ein solches Auge und eine nur durch Gottes Fügung. 
Rab und R. Chanina. Rab schliesst sich der Meinung desjenigen 
an, welcher gesagt hat: Neunund neunzig Krankheiten kommen durch 
ein missgünstiges Auge und eine nur durch Gottes Fügung. R. 
Chanina vertritt eine andere Meinung, denn R. Cbanina und R. 
Nathan sagten: Neunundneunzig Krankheiten kommen durch Er- 
kältung und eine durch Gottes Fügung. Rab sagte so, weil er in 
Babylon wohnte, wo böse Augen häufig waren, R. Chanina sagte 
so, weil er in Sepphoris wohnte, wo es kalt war (darum schob er es 
auf die Kälte). Antoninus Hess unserm Lehrer, dem Heiligen sagen: 
Bete für mich! Er antwortete ihm darauf: Nimm dich vor Erkältung 
in Acht (eig. werde vor Erkältung geschützt, gerettet). Antoninus 
liess ihm sagen: Noch eine Decke-- mehr und die Kälte weicht. 
Darauf liess er ihm sagen: Nimm dich vor Hitze in Acht (eig. werde 
vor Hitze geschützt). Was ist das für ein Gebet für mich? wie es 
heisst Ps. 19, 7: „Nichts bleibt vor ihrer Hitze verborgen." R. Is- 
mael bar R. Nachman sagte im Namen des R. Nathan: Neundund- 
neunzig sterben durch Hitze und einer nur durch göttliche Fügung. 
Die Rabbinen dagegen sagten: Neunundneunzig sterben durch Un- 
achtsamkeit und einer nur durch göttliche Fügung. 

V, 5. Und der Priester befehle, dass er den einen 
Vogel schlachte. Warum schlachtet er den einen Vogel und 
lässt den anderen fliegen? Um dir zu sagen: Wie es nicht mög- 
lich ist, dass der Geschlachtete nicht wieder ins Leben zurückkehren 
kann, so ist es auch nicht möglich, dass die mit Aussatzmaalen 
Behafteten wiederhergestellt werden können. 

In jener Stunde ruft Gott seine Legionen zusammen und spricht: 
Nicht umsonst habe ich ihn (den Aussätzigen) geschlagen, sondern 
wie es Jes. 57, 17 heisst: „Wegen der Schuld seines Eigennutzes 
zürnte ich und schlug ich ihn." R. Abba bar Kahana sagte in 
Bezug auf diese Worte in Jesaia: Der Auswurf (Unrath) kehrt 
wieder zum Auswurf zurück, wie es heisst Prov. 26, 11: „Sowie 



Par. XVII. Cap. XIV, 34. 109 

der Hand zurückkehrt za dem, was er gespieen hat.'* R. Josua ben 
Levi sagte: Die Thorheit kehrt auf dem Wege der Thorheit wieder 
zurück, wie es heisst das. 27, 11: „Der Narr wiederholt seine Thor- 
heit." Es heisst Jes.57, 18: „Seine Wege sah ich, doch will ich ihn 
heilen und will ihn leiten und will Tröstung gewähren ihm und 
seinen Trauernden" d. s. seine Glieder, die über ihn trauern. 
Es heisst das.: „Der, welcher Regung der Lippen schafft." R. 
Josua ben Levi sagte: Wenn die Lippen der Menschen im Gebet 
sich regen, so darf er versichert sein, dass sein Gebet Gehör findet. 
Was ist der Sinn von den Worten: „Wer das Regen der Lippen 
schafft: Friede! Friede? R. Josua bar Nechemja sagt: Wenn er 
sein Gebet mit Andacht verrichtet, so darf er versichert sein, dass 
sein Gebet erhört wird, denn so heisst es Ps.io, 17: „Du lenkst ihr 
Herz und dein Ohr vernimmt." Seine Verdienste werden ihm schon 
belohnt (bezahlt) werden. „Zur Ferne." R. Huna und R. Judan 
im Namen des R. Acha sagten: Das ist der Aussätzige, der fern 
war und wieder genähert worden ist. Von ihm spricht der Ewige: 
„Ich heile ihn" d. i. ich allein heile ihn. So hat auch Jerem. 17, 14 
gesagt: „Heile du mich, Ewiger, dass ich heil werde! hilf mir und 
mir ist geholfen." 

Parascha XVIL 

V. 34. Wenn ihr in das Land Kanaan kommt .... und 
ich bringe die Plage des Aussatzes im Lande eures Eigen- 
thums. In Verbindung mit Ps. 73, i: „Ja Gott ist gütig gegen 
Israel, gegen die, welche reines Herzens sind." Wirst du vielleicht 
glauben gegen alle? So folgen darauf die Worte: „Gegen die, 
welche reines Herzens sind" d. s. diejenigen, deren Herz rein in 
den sittlichen Vorschriften ist. Es heisst ferner Ps. 84, 6: „Heil 
dem Menschen, der eine Stütze an dir findet." Wirst du vielleicht 
glauben allen? So folgen die Worte: „Wer der Strassen denkt" 
d. i. diejenigen, welche die Wege des Gesetzes (der Gotteslehre) 
tief in ihre Herzen eingeprägt haben. Es heisst Ps. 125, 4: „Lass 
Ewiger, es den Guten Wohlergehen." Wirst du vielleicht glauben 
allen? So folgen die Worte: „Denen, die redlich in ihrem Herzen 
sind." Es heisst Nach, i, 7: „Gütig ist der Ewige, Zuflucht am Tage 
der Noth." Wirst du glauben gegen alle? So folgen die Worte: 
„Er kennet die, welche bei ihm Schutz suchen." Es heisst Threni 
3, 25: „Gütig ist der Ewige gegen die, welche auf ihn hoffen." 
Wirst du glauben gegen alle? . So folgen die Worte: „Gegen die 
Seele, die ihn sucht." Es heisst Ps. 145, 18: „Nahe ist der Ewige 
allen, die ihn anrufen." Da könntest du glauben, allen? So 
folgen die Worte: „Gegen alle, die ihn in der Wahrheit anrufen." 
Es heisst Ps. 73, 2: „Und ich, wenig fehlte, so wären meine Füsse 
geglitten." Darüber sind Rab und Levi verschiedener Meinung. 
Der eine sagte: Assaph war ein Sohn Korachs, der andere sagte: 
Es war ein anderer Assaph. Jener, welcher sagte: Assaph war ein 



HO Par. XVII. Cap. XIV, 34. 

Sohn Korachs, hat als Grund, weil dieser sagen konnte: ich habe 
schon beim Vater in der Hölle verweilt. Dieser, welcher einen 
andern Assaph annimmt, hat als Grund: ich wohnte schon mit den 
Ruchlosen in der Hölle. Warum? S. das. V. 3: „Weil ich die 
Uebermüthigen beneidete.'' Im Abendlande versteht man unter 
mbbiti die, deren Herzen voll schlechter Gedanken sind. R. Levi 
nannte diese Menschen «"»aint. Ganzvolle (Wüstlinge), die Jammer 
in die Welt bringen. „Wenn ich den Frieden (das Glück) der 
Ruchlosen sehe." Es heisst doch aber: „Kein Friede den Ruchlosen!" 
und hier heissf es (eig. sagst du): Friede (DiVä) der Ruchlosen? 
Allein der Sinn ist: Wenn ich die Vergeltung (D'^ciVöa) der Ruch- 
losen sehe. „Denn keine Qual bis an ihren Tod, gesund ist ihr 
Körper" d. i. ich machte ihnen nicht Sorge durch Krankheiten und 
ich hatte kein Wohlgefallen an ihren Sünden, sondern: übi» M*^*in") 
d. i. ich machte sie kräftig wie die Teropelhalle. Wie gelehrt 
worden ist: Der Eingang (Thür) der Halle war vierzig Ellen lang, 
zwanzig Ellen breit und fünf Ellen Gesimse von Eschenholz waren 
darüber. R. Dusthai bar R. Janai im Namen des R. Meir und die 
Rabbinen. R. Dusthai sagte im Namen des R. Me'ir: Diese Frau 
spinnt ein Mass Wolle dick (zu dicken Fäden) und ein Mass dünn, 
ersteres zu Fäden und Fasern, letzteres zu groben Stricken. Die 
Rabbinen sagten: Sie erfahren nicht die Folgen ihrer Sünden, dass 
sie durch dieselben sterben, sondern bleiben gesund für den Tag 
des Weltgerichtes. Es heisst i. Reg. 7, 7: „Und die Halle des 
Thrones, wo er richtete, die Halle des Gerichts." „Von Mühen der 
Menschen sind sie frei" (s. Ps. 73, 5) d. i. sie ackern nicht, säen 
nicht und schneiden nicht; „und mit den Sterblichen werden sie 
nicht geschlagen" d. i. selbst mit denen, von welchen Ezech. 34, 31 
spricht: „Ihr aber, meine Heerde, die Heerde meiner Weide, seid 
Menschen und ich bin euer Gott," „sie werden sie nicht schlagen." 
Darum warnt Mose die Israeliten mit den Worten: „Wenn ihr in 
das Land Kanaan kommt." So steht auch geschrieben Hi. 20, 28: 
„Sein Haus müsse zerfallen, zerfliessen am Tage seines Zornes" d. i. 
sie sollen ziehen und übergeben. Wann? Am Tage, an welchem 
Gott über ihn seinen Zorn gegen jenen Mann reizen wird. Wie 
so? Einer sagt zu seinem Nächsten: Borge mir ein Kab Weizen 
und er erhält die Antwort: ich habe keinen. Ein Kab Geräte? Ich 
habe keine. Ein Kab Datteln? Ich habe keine. Eine Frau spricht 
zu ihrer Genossin: Borge mir eine Schwinge und diese antwortet: 
ich habe keine; borge mir ein Sieb, und sie antwortet: ich habe 
keins. Was thut Gott? Er schickt Ausschläge in sein Haus, wo- 
durch er alle seine Geräthe räumen muss, die Menschen sehen die- 
selben und sprechen: Hat er nicht gesagt: ich habe nichts, seht 
einmal, wie viel Weizen, wie viel Gerste und wie viel Datteln hier 
liegen! Er verwünschte das Haus mit diesen Verwünschungen. R. 
Jizchak bar R. Elieser beweist es aus dem Verse Lev. 14, 37: „Tiefe 
Stellen (mni'nypc)" d. i. das Haus ist eingesunken durch diese Ver- 



Par. XVII. Cap. XIV, 34. 1 1 1 

vrünschungen. Darum warnt Mose die Israeliten mit den Worten: 
„Wenn ihr in das Land Kanaan kommt." Wegen zehn Dingen 
kommen Ausschläge: i) wegen Götzendienst, 2) wegen Unzucht, 
3) wegen Blutvergiessen, 4) wegen Entweihung des göttlichen 
Namens, 5) wegen Gotteslästerung, 6) wegen dessen, der das Oeffent- 
liche beraubt, 7) wegen dessen, der raubt, was ihm nicht gehört, 
S) wegen Hochmuth, 9) wegen Verleumdung und 10) wegen Miss- 
gunst Wegen Götzendienst, das sehen wir an den Israeliten, welche 
falsches Zeugniss gegen Gott ablegten, indem sie zum Kalbe sprachen 
Ex. 32, 4: „Dieses ist dein Gott, Israel." Und woher lässt sich be- 
weisen, dass sie mit Aussatz bestraft worden sind? Weil es heisst 
das. V. 9: „Mose sah das Volk verwildert" d. i. denn es blähte an 
ihnen der Aussatz. Wegen Unzucht, das sieht man an den 
Töchtern Zions, wie es heisst Jes. 3, 16: „Darum dass hoffärtig 
sind die Töchter Zions." Und woher lässt sich beweisen, dass sie 
mit Aussatz bestraft worden sind? Weil es heisst das. V. 17: „Und 
der Ewige wird den Scheitel der Töchter Israels kahl machen" 
(d. i. mit Aussatz schlagen). Wegen Blutvergiessen, das beweist 
Joab s. 2. Sam. 3, 29: „Sie sollen haften auf dem Haupte Joabs." 
Wegen Entweihung des göttlichen Namens, das sehen wir an 
Gecbasi s. 2. Kön. 5, 20: „Und es gedachte Gechasi, der Knabe 
des Mannes Gottes." Was ist n72iN72? W2V2 ')'73, vom Fehler, der 
an ihm ist Und woher lässt sich beweisen, dass er mit Aussatz 
bestraft worden ist? Weil es heisst das. V. 27: „Und der Aussatz 
Naemans soll dir anhaften." Wegen Gotteslästerung, das beweist 
Goliath s. i. Sam. 17, 43: „Der Philister fluchte David bei seinem 
Gott" Und woher lässt sich beweisen, dass er mit Aussatz be- 
straft worden ist? Weil es heisst das. V. 46: „An diesem Tage 
wird der Ewige dich in meine Hand liefern ("^lüD"')." Das Wort 
Ji^^on (eig. Einschliessung) bedeutet hier nichts anderes als Aus- 
satz, wie es heisst: „Und der Priester schliesst ihn ein (TT'iiOtll)." 
Wegen dessen, der das Oeffentliche beraubt, das sehen wir an 
Scfaebna, welcher von den Heiligthümern Genuss zog. Und woher 
lässt sich beweisen, dass er mit Aussatz bestraft worden ist? Weil 
es heisst Jes. 22^ 17: „Und siehe, der Ewige wirft dich hin mit 
männlichem Wurfe, V. 18: „Zusammen wickelt er dich." Unter 
rjonr ^lanm ist nichts anderes als Aussatz zu verstehen vergl. Lev. 
13» 45- «Und sein Kinn verhüllt (nüy)". Wegen dessen, welcher 
raubt, was nicht sein ist, das sehen wir an Usia (der sich die 
Priesterwürde anmasste) s. 2. Chron. 26, 21: „Und der König Usia 
ward aussätzig bis an den Tag seines Todes." Wegen Hochmuth 
s. 2. Chron. das. V. 16: „Und da er mächtig ward, erhob sich sein 
Herz, so dass er übel that und er verging sich an dem Ewigen, 
seinem Gotte." Wegen Verleumdung, was wir an Mirjam sehen, 
wie es heisst Num. 12, i: „Und Mirjam und Aaron redeten übel 
wider Mose." Und woher lässt sich beweisen, dass sie mit Aussatz 
bestraft worden ist? Weil es heisst das. V. 10: „Das Gewölk 



1 12 Par, XVII. Cap. XIV, 34. 

wich vom Zelte (weil eine Aussätzige darunter war). Wegen Miss- 
gunst, wie es heisst Lev. 14,3g: „So komme der, desa das Haus ist" 
d. i. wer nur sein Haus für sich hat und andere nicht geniessen 
lässt. Das will das Wort des R. Eleasar sagen Lev. 14, 37: „Tiefe 
Stellen" d. i. das Haus sinkt durch diese Verwünschungen. Damm 
warnt Mose die Israeliten: „Wenii ihr in das Land Kanaan kommt." 
R. Hunja sagte im Namen des R. Josua bar Abin und R. Sacharja, 
der Schwiegersohn des R. Levi im Namen des R. Levi: Der Barm- 
herzige schlägt nicht in seiner Bestrafung das Leben zuerst (sondern 
das Vermögen). Von wem kannst du das lernen? Von Hiob, wie 
es heisst Hi. i, 14: ,J)ie Rinder pflügten." Daraus geht hervor, dass 
Gott ihm schon etwas von der zukünftigen Welt gezeigt hat, wie 
es heisst Arnos 9, 13: „Der Ffluger reichet an den Schnitter." Hi. 
I, 15: „Da fielen Sabäer ein und nahmen sie hinweg." R. Abin bar 
Kahana sagte: Die Sabäer waren von Kephar Kirjanos ausgegangen 
und hatten alle Thore durchwandelt, bis sie an den Färberthumt 
gekommen waren, wo sie starben. „Ich allein nur bin entkommen, 
damit ich dir es ansage." R. Judan sagte: ^lab, ich allein and 
zwar deshalb nur ich allein, um dir es anzuzeigen. Als er es ge- 
hört hatte, starb auch er sofort.*) Es heisst Hi. r, 17: „Während 
dieser noch redete, kam ein anderer und sprach: Cbaldäer machten 
drei Haufen." R. Samuel bar Nachman sagte: Als Hiob das hörte, 
begann er seine Truppen zum Kriege zu sammeln, wie es heisst 
das. 31, 34: „Weil ich schaute die grosse Menge und der Stämme 
Verachtung mich schreckten." Er sprach: Diese Nation ist eine 
verächtliche, wie es heisst Jes. 22, 13: ,, Siehe, das t.and der Cbal- 
däer ist ein Volk, das noch nicht war (noch keine Vergangenheit 
hat)," das nur gekommen war, Schrecken zu erregen. Als Hiob 
hörte, dass ein Feuer Gottes vom Himme! gefallen war, sprach er: 
Was vermag ich zu thun, es ist vom Himmel gefallen, wer kann 
dagegen etwas thun? Es heisst Hi. 31, 34: „Da verstummte icb, 
ging nicht hinaus vor die Thüre." Er nahm sich einen Scherben, 
um sich damit zu kratzen. Auch bei den Aegyptern war es so s. 
Ps. 7», 4^: „Er ühetlieferle ihr Vieh dem Ha>;e] und ihre Heerden 




Par. XVn. Cap. XIV, 34. 113 

seine Kleider, die entweder gewaschen, oder wenn das nicht hilft, 
verbrannt werden müssen. Siehe, dann kommen die Strafgerichte über 
seinen Körper und wenn er in sich geht, so wird er gereinigt, oder wenn 
das nicht hilft, so muss er abgesondert wohnen. Oder: „Wenn ihr in 
das Land Kanaan kommt.'* Sieben Völkerschaften hatten doch das 
Land inne und hier heisst es: Das Land Kanaan? Die Rabbinen 
sagen: Das ist so, wie es heisst: Cham hat verschnitten und Kanaan 
ist dafür bestraft worden. So ist es auch hier: Wenn die Israeliten 
sündigen, wird das Land verflucht? R. Eleasar ben Jacob und die 
Rabbinen. R. Eleasar sagte: Das Land wird darum nach Kanaan 
genannt, weil ihr Vater Kanaan der Stammvater von allen (Völker- 
schaften) war, wie es heisst Gen. 10, 15: „Und Kanaan zeugte Zidon, 
seinen Erstgebornen und Cheth." Die Rabbinen sagen: Weil alle 
Völkerschaften ICaufleute waren, wie es heisst Jes. 23, 8: „Dessen 
Kaufleute Fürsten, dessen Händler die Geehrten der Erde." Elieser, 
Abrahams Diener, sagte R. Jose ben Dosa, war eigentlich ein 
Kanaaniter, weil er aber jenen Frommen bedient hatte, trat er aus 
der Gesammtheit des Verfluchten und gelangte in die Gesammtheit 
des Gesegneten, wie es heisst Gen. 9, 25: „Und er sprach: Ver- 
flucht sei Kanaan," imd das. 24, 31: „Er (Laban) sprach: Komm 
herein. Gesegneter des Ewigen." R. Jacob im Namen des R. Je- 
huda im Namen des R. Nathan von Beth Gobrin sagte beim Ab- 
schiednehmen: Wenn schon Elieser aus der Gesammtheit des Ver- 
fluchten in die Gesammtheit des Gesegneten trat, weil er jenen 
Frommen bedient hatte, um wie viel mehr verdienten eine solche Aus- 
zeichnung unsere Brüder, die Israeliten, welche ihre Grossen zu ehren 
wissen. Darum warnt Mose die Israeliten: „Wenn ihr kommt in das Land 
Kanaan," und darauf folgt: „und es giebt die Plage des Aussatzes." 
R. Chija hat gelehrt: Ist denn das aber eine frohe Botschaft, dass 
Plagen über sie kommen? R. Simeon ben Jochai hat gelehrt: Als 
die Kanaaniter hörten, dass die Israeliten über sie kämen, da ver- 
bargen sie ihr Gut in die Häuser und Felder. Gott sprach: Ich 
habe ihren Vätern (den Vorfahren der Israeliten) versprochen (die 
Versicherung gegeben), dass ich ihre Kinder (Nachkommen) in ein 
Land bringen will, dass voll von jeglichem Gut ist, wie es heisst 
Deut. 6, 11: „Und Häuser voll von jeglichem Gut," was thut Gott? 
Er schickt Plagen in sein Haus und er muss es räumen und der 
Schatz kommt zum Vorschein. Wer hat denn aber den Kanaanitern 
gesagt, dass die Israeliten in das Land einziehen würden? Josua 
hatte drei Schriften [naQaÖBiyf.iaTci) an sie gesandt, sagte R. 
Ismael bar Nachman, worin es hiess: Wer räumen (das Land ver- 
lassen) will, der räume es, wer Frieden schliessen will, der thue es, 
wer Krieg führen (sich widersetzen) will, der thue es. Girgaschi 
(eine von den Völkerschaften) erhob sich (räumte das Land) und 
darum wurde ihm auch ein schönes Besitzthum in seinem Lande 
gegeben, wie es heisst Jes. 36, 17: „Bevor ich komme und euch 
nehme in ein Land wie das eurige" d. i. Afrika. Die Gibeonilen 

^ ü n » c h c , Midrasch Wajikra. 8 



114 ■^"- XVlir. Cap. XV, I. 

schlössen Frieden s. Jos. lo, i: „Dass die Bewohner von Gibeon 
Frieden mit den Israeliten gemacht," die einunddreissig Könige aber 
führten Krieg und fielen. 

Es heisst das. 14» 34: „In das Haus des Landes eures Besitz- 
thums." Darunter ist der Tempel zu verstehen vergl. Ezech. 24, 21: 
„Siehe, ich entweihe mein Heiligthum, den Stolz eurer Macht." „So 
komme der, dem das Haus gehört" (Lev. 14, 35) d. i. Gott, wie es 
heisst Hag. i, 9: „Meines Hauses halber, weil es zerstört ist." 
„Und melde es dem Priester" d. i. Jeremja, wie es heisst Jer. i, i: 
„Von den Priestern zu Anathoth." „Es zeigt sich mir wie ein Aus- 
schlag am Hause." Das ist der Schmutz des Götzendienstes. 
Manche dagegen sagen: Es is das Götzenbild Manasses vergl. Ezech. 
8, 5: „Und siehe, nördlich vom Thore des Altars war jenes Bild 
der Eifersucht am Eingange." Was ist nx"«^n? R. Acha sagte: 
»■«^n, N'*"'^, Wehe! Wehe! der Beisass verdrängt den Hausherrn.*) 
R. Berachja sagte: Es heisst Jes. 28, 20: „Die Decke ist zu kurz, 
um sich damit zu decken" d. i. ein Bett kann nicht eine Frau, 
ihren Mann und ihre Freunde zumal fassen, sondern das.: „die 
Decke ist zu eng, um sich darein zu hüllen." Ihr habt dem eine 
grosse Sorge gemacht, von dem es heisst Ps. 33, 7: „Er sammelt 
wie in einen Schlauch die Wasser des Meeres." „Und der Priester 
befehle, dass das Haus geräumt werde'* vergl. i. Reg. 14, 26: „Und 
er (Sisak) nahm die Schätze des Hauses des Ewigen.*' „Und reisse 
das Haus nieder" vergl. Esra 5, 12: „Und er zerstörte dieses Haus." 
„Und bringe alles zum Lager hinaus** vergl. das.: „Und das Volk 
führte er nach Babylon.** Wirst du vielleicht glauben, auf immer? 
so heisst es hier": „Und es sollen andere Steine genommen werden** 
vergl. Jes. 28, 16: „Darum spricht also der ewige Gott: Siehe, ich lege 
in Zion einen bewährten Grundstein, einen Eckstein, kostbar und 
fest gegründet, wer darauf vertrauet, darf nicht fliehen.** 



Parascha XXVIII. 

Cap. XV, I. Rede zu den Kindern Israels und sprich 
zu ihnen: So ein Mann an seinem Fleische flüssig ist. In 
Verbindung mit Koh. 12, i: „Gedenke deines Schöpfers in deinen 
Jugendtagen.** Es ist gelehrt worden**): Akabia ben Mehalalel 
sagt: Habe drei Dinge vor den Augen und du geräthst nie in die 
Gewalt einer Uebertretung: i) Wisse, woher du gekommen. Von 
einem stinkenden Tropfen; 2) wohin du gehst. An einen Ort, wo 
Staub, Gewürm und Moder ist; 3) vor wem du einst wirst Rechen- 
schaft ablegen müssen. Vor dem König der Könige, Gott dem 
Allerheiligen. Und alle diese drei Sätze, sagte R. Abba ben 



•) D. i. der Götze wird im Tempel Gottes verehrt. 
•♦) Siehe Abot III, i vergl. Jer. Sota II, l. 



Par. VII. Cap. V, i. H^ 

Kahana im Namen des R. Papi und R. Josua von Sichnin im 
Namen des R. Levi, hat R. Akabia aus einem Worte entwickelt, 
nämlich aus: „Gedenke deines Schöpfers (^xiin)" d. i. deines 
Brunnens (^^J«a), welcher eine übelriechende Feuchtigkeit ist, deiner 
Grube (f^n^). die Gewürm und Moder ist, deines Schöpfers (^ö^'nia) 
d. i. des Königs der Könige, Gottes des Allerheiligen, vor dem du 
einst wirst Rechenschaft ablegen müssen. „In den Tagen deiner 
Jugend" d. i. in den Tagen deiner Kindheit, so lange du noch in 
voller Kraft bist. „Eh' kommen die bösen Tage" d. s. die Tage 
des Alters. „Und die Jahre kommen, von denen du sagen wirst: 
ich habe kein Wohlgefallen an ihnen" d. s. die Tage des Messias, 
wo es weder Verdienst noch Schuld giebt Das. V. 2: „Ehe 
finster wird die Sonne" d. i. der Glanz des Antlitzes, „und das 
Licht" d. i. die Stirn, „und der Mond" d. i. die Nase, „und die 
Sterne" d. s. die Spitzen der Wangen. „Und die Wolken nach dem 
Regen sich wieder sammeln." Darüber hat R. Levi zwei Er- 
klärungen gegeben, eine für die Genossen (fi^nanb, Gelehrten) und 
eine für die Ungebildeten (x'^'mab). Die für die Gelehrten lautet: 
Ehe er (der Mensch) noch weinen will, vergiessen seine Augen 
schon Thränen; die für die Ungebildeten lautet: Ehe er (der Mensch) 
kommt, um das Wasser abzuschlagen, da gehen ihm die Excremente 
voran. V. 3: „Am Tage, wenn die Wächter des Hauses wanken" 
d. s. seine Kniee, „und die Tapfern sich krümmen" d. s. seine Rippen. 
Nach R. Chija bar Nachman sind es die Arme. „Und die 
Müllerinnen rasten" d. i. der Darm (Haube), „und minder werden" 
nämlich die Zähne, „und die Seher in den Lucken finster werden d. s. 
die Augen. Nach R. Chija bar Nachman sind es die Lungenflügel, 
weil von da die Stimme ausgeht. V. 4: „Und verschlossen sind die 
Thüren zu der Strasse" d. i. die Oeffnungen am Menschen, weil sie 
wie eine Thür sind, die sich öffnet und schliesst (auf- und zugeht). 
„Und die Stimme der Mühlen dumpf wird," weil nämlich der Darm 
nicht mehr mahlt. „Und er aufsteht bei der Stimme des Vogels" 
d. i. wenn ein Alter das Vogelgezsch witscher hört, denkt er bei 
sich, dass Räuber kommen, um mich zu erschlagen. „Und alle 
Töchter des Gesanges verstummen" d. s. seine Lippen. Nach R. 
Chija bar Nachman sind es die Nieren, denn sie denken und das 
Herz vollendet es (bringt es zu Ende). V. 5: „Vor jeder Höhe 
fürchten sie sich" d. i. wenn zu einem Alten gesagt wird: Gehe 
an den und den Ort, da fragt er wohl erst, giebt es dort Anhöhen, 
giebt es dort V^ertiefungen? „Und Schrecken stossen auf dem Wege 
auf." R. Abba bar Kahana und R. Levi. Nach R. Abba bar Ka- 
hana ist der Sinn: Die Angst vor dem Wege überfällt ihn. Der 
andere (R. Levi) sagte: Er fangt an Zeichen zu machen, indem 
er sagt: bis an den und den Ort kann ich gehen, bis an den 
und den Ort aber kann ich nicht gehen. „Und es blüht auf der 
Mandelbaum" d. i die Gelenke. „Und die Heuschrecke rauscht" 
d. i. der Knorpel (Knochen) der Wirbelsäule. 



Il6 Par. XVIII. Cap. XV, i. 

Hadrian, seine Gebeine mögen zerbrochen werden! fragte den 
R. Josua ben Chanina. Woher (aus welchem Theile des Körpers) 
lässt Gott den Menschen in der zukünftigen Welt erblühen? Dieser 
antwortete: Aus ^em Knorpel des Rückgrates. Hadrian sprach zu 
ihm: Woher willst du mir das beweisen? Bringe mir einen solchen. 
Man legte ihn ins Wasser und er wurde nicht erweicht, man 
brachte ihn in die Mühle und er wurde nicht zermahlen, man 
brachte ihn ins Feuer und er wurde nicht verbrannt, man legte ihn 
endlich auf den Ambos und fing an mit dem Hammer darauf zu 
schlagen, der Ambos wurde zertheilt, der Hammer zerschlagen und 
es half ihm nichts (d. i. der Knorpel blieb unverletzt). „Und jede 
Lust schwindet" d. L die Geschlechtslust, die Frieden stiftet zwischen 
dem Mann und seinem Weibe. R. Simeon ben Chalaphtha pflegte 
jeden Monat unsern Rabbi (Jehuda Hannassi) zu besuchen, was er 
aber, als er alt geworden war, unterliess. Eines Tages kam er zu 
ihm und er wurde von ihm gefragt: Was hat dich beschäftigt, dass 
du nicht zu mir gekommen bist, wie du es gewöhnt bist? Er ant- 
wortete ihm: Die Fernen sind nahe und die Nahen sind fern ge- 
worden, aus zweien sind drei geworden und der Friedensstifter im 
Hause ist unthätig geworden.*) (Die Erklärung ist diese: Die Fernen 
sind nahe geworden d. s. die Augen, die sonst von fern (weitem) 
sahen und jetzt selbst nicht einmal in der Nähe sehen. Die Nahen 
sind fern geworden d. s. die Ohren, die sonst einmal oder zwei- 
mal hörten und jetzt selbst nicht einmal bei hundert Malen hören. 
Aus zwei sind drei geworden d. i. der Stock und. die beiden 
Füsse. Und der Friedensstifter im Hause ist unthätig geworden 
d. i. die Geschlechtslust, die den Frieden zwischen dem Mann und 
seinem Weibe herstellt.) „Der Erdensohn geht hin in das Haus 
seiner Welt." Es heisst nicht: obi^n n-3, in das Haus der Welt, 
sondern: I73bi5> n^^, in das Haus seiner Welt. Daraus geht her- 
vor, dass jeder Fromme eine Welt für sich hat. Gleich einem 
Könige, der nach einer Stadt kommt und mit ihm Feldherm, 
Eparchen und Kriegsoberste, obgleich sie durch ein und dasselbe 
Thor einziehen, so wohnt doch jeder nach seinem Range (seiner 
Ehre, Würde). So auch der Fromme, obgleich sie alle den Tod 
schmecken, so hat doch jeder Fromme eine Welt für sich. „Und 
die Wehklagenden umherziehen auf der Strasse" das sind die 
Würmer. V. 6: „Ehe die silberne Schnur reisst" d. i. der Faden 
des Rückgrates (das Mark, das sich fadenartig durch die Wirbel- 
säule zieht). „Und der goldene Oelkrug zerschellt" d. i. der Schädel 
Nach R. Chija bar Nechemja ist es die Gurgel, weil sie das Gold 
vergeudet und das Silber leert. „Und der Eimer an der Quelle 
zerbrochen wird" d. i. der Bauch. R. Chija bar R. Papi und R. 
Josua von Sichnin im Namen des R. Levi sagten: Nach drei Tagen 
thut sich der Bauch des Menschen auf und giebt dem Munde das 



•) S. Schabbat fol. 152*. 



Par. XVIII. Cap. XV, i. II7 

wieder mit den Worten: Hier hast du, was du geraubt, erpresst 
und mir gegeben hast. R. Chaggi im Namen des R. Jizchak be- 
weist es aus Mal. 2, 3: „Und ich streue den Mist in euer Angesicht, 
den Mist enrer Festopfer." R. Abba bar R. Papi und R. Josua 
von Sichnin im Namen des R. Levi sagten: Drei volle Tage schwebt 
die Seele ran (über) den Korper in der Meinung, dass sie wieder 
zu ihm zra^ckkehre, wenn sie aber sieht, dass sich der Glanz des 
Angesichtes verändert hat, geht sie ihres Wegs, wie es heisst Hi. 
4, 22: „Nur um ihn selber fühlet Schmerz sein Leib." Bar Kapra 
sagte: In den ersten drei Tagen bedarf der Trauernde keines 
Trostes. Warum? Weil da die Gesichtszüge noch erkennbar sind; 
denn es ist gelehrt worden*): Ein Zeugniss darf nur auf das Ge- 
sicht in Verbindung mit der Nase (wenn sie noch wohl erhalten ist) 
abgelegt werden, nach drei Tagen darf ein solches Zeugniss nicht 
angenommen werden. „Und das Rad am Brunnen zerschmettert 
ist" Zwei Amoraer sind darüber verschiedener Meinung. Der eine 
sagte: Wie die Räder (an den Brunnen) zu Sepphoris; der andere 
sagte: Wie die Schollen zu Tiberias (was im Thale lag, wo viele 
Erdschollen waren), wie es heisst Hi. 21, 33: „Es sind ihm süss 
des Thaies Schollen." V. 7: „Und der Staub zurückkehrt zur 
Erde wie das, was er gewesen." R. Pinchas und R. Chilkia im 
Namen des R. Simon sagten: Wann kehrt der Geist zu Gott zu- 
rück, der ihn gegeben hat? Sowie der Staub zur Erde zurück- 
kehrt wie das, was er gewesen ist, wo nicht (so wird er umher- 
geschleadert) s. i. Sam. 25, 29: (Abigail sagte:) „Und die Seele 
deines Feindes schleudert er fort." R. Ismael bar R. Nachman 
lehrte im Namen des R. Abdimi von Chefa: Es verhält sich wie mit 
einem gelehrten (unterrichteten) Priester, welcher einem ungebildeten 
Priester einen Laib Brot von der Hebe übergiebt mit den Worten: 
Siebe, ich bin rein, mein Haus ist rein und der Laib Brot, den ich 
dir gebe, ist rein, wenn du mir ihn so wiedergiebst, wie ich ihn 
dir gebe, so ist's gut, wo nicht, siehe, so werfe ich ihn vor dich 
(dir zu Füssen). So spricht auch Gott zu den Menschen: Siehe, 
ich bin rein, meine Wohnstälte ist rein, meine Diener sind rein 
und die Seele, die ich dir gegeben habe, ist rein, wenn du mir sie 
in diesem Zustande wiedergiebst, wie ich sie dir gegeben habe, so 
ist's gut, wo nicht, siehe, so zerreisse ich sie vor dir. Alles das ist 
in den Tagen des Greisenalters, in den Tagen der Jugend aber, wenn 
da einer gesündigt hat, da wird er mit Samenfluss und mit Aussatz 
gestraft. Darum warnt Mose die Israeliten und spricht zu ihnen 
Lev. 15, 2: „Wenn ein Mann einen Fluss an seinem Fleische hat" 
Oder: „Wenn ein Mann einen Fluss an seinem Fleische hat." 
In Verbindung mit Hab. i, 7: „Schrecklich und furchtbar ist er, 
K)n ihm geht Urtheil und Richterspruch aus." „Schrecklich und 
furchtbar ist er." Wer ist das? Der erste Mensch. Als Gott den 



•) S. Mischna Jebamot XVI, 3. 



Il8 Par. XIII. Cap.XV, i. 

ersten Menschen erschuf, sagte R. Jehuda bar R. Simon im Namen 
des R. Josua ben Levi, füllte er die ganze Welt vom Morgen bis 
Abend s. Ps. 139, 5: „Rückwärts und vorwärts hast du mich ge- 
bildet'* d. i. von Abend bis Mittag, wie es heisst Deut. 4, 32: „Und 
von einem Ende des Himmels bis zum andern Ende des Himmels." 
Und woher lässt sich beweisen, dass er auch den ganzen Zwischen- 
raum der Welt füllte? Aus Ps. 139, 5: „Du legtest an mich deine 
Hand." Von ihm geht sein Richterspruch und sein Urtheil (Ver- 
gebung) aus** d. i. Eva, wie es heisst Gen. 3, 12: „Und Adam 
sprach: Das Weib, das du mir gegeben hast, es gab mir von dem 
Baume und ich ass.** 

Oder: „Schrecklich und furchtbar ist er** d. i. Esau, wie es 
heisst Gen. 27, 15: „Und Rebecca nahm die Kleider Esaus, ihres^ 
ältesten Sohnes; „von ihm geht sein Urtheil, und sein Richterspruch 
aus,** das geht auch auf Obadja, welcher, wie R. Jizchak sagte, 
ein edomitischer Proselyt war und über Edom geweissagt hat s. 
Ob. I, 18: „Es wird kein Ueberrest dem Hause Esaus bleiben.** 

Oder: „Furchtbar und schrecklich ist er** d. i. ist Sancherib, 
von dem geschrieben steht Jes. 36, 20: „Wer ist unter allen Göttern 
der Länder, der sein Land aus meiner Gewalt gerettet hätte;** „ihm 
geht sein Urtheil und Richterspruch aus,** das bezieht sich auf 
seine Söhne, von denen es heisst 2. Reg. 19, 37: „Als er sich nieder- 
warf im Tempel seines Gottes Nisroch, erchlugen ihn seine Söhne 
Adrammelech und Sarezer mit dem Schwerte.** 

Oder: „Furchtbar und schrecklich ist er** d. i. Chiram, der 
König von Tyrus, wie es heisst Ezech. 28, 2: „Menschensohn, sprich 
zum Fürsten von Tyrus: So spricht der Ewige: weil dein Herz so 
stolz ist;** „von ihm geht sein Urtheil und Richterspruch aus** d. i. 
N.Qbucadnezar. Es ist eme verbreitete Ueberlieferung (Sage), be- 
merkte R. Simon, dass Chiram, der Mann von Nebucadnezars 
Mutter gewesen sei, und er hat sich über ihn gemacht und ihn 
umgebracht, wie es heisst das. V. 18: „Ich lasse ein Feuer aus 
deiner Mitte ausgehen, das dich verzehrt.** 

Oder: „Furchtbar und schrecklich ist er** d. i. Nebucadnezar» 
s. Jes. 14, 13: „Und du sprachst in deinem Herzen: zum Himmel 
will ich aufsteigen.** „Und von ihm geht das Urtheil und der 
Richterspruch aus** d. i. Evilmerodach. Es heisst nämlich, dass 
während der sieben Jahre, in welchen Nebucadnezar im Walde um- 
herirrte (eig. die an Nebucadnezar vorübergingen), sie den Evil- 
merodach nahmen und ihn an seine Stelle zum Regenten einsetzten, 
und als er (Nebucadnezar) wieder zurückkehrte, nahmen sie ihn und 
setzten ihn ins Gefängniss, und jeder, der in das Gefängniss in 
seinen Tagen gelegt worden war, kam von da nicht wieder heraus, 
wie es heisst das. V. 17: „Seinen Gefangenen eröffnete er nicht sein 
Haus.'' Und als Nebucadnezar gestorben war, kam Evilmerodach 
wieder zur Regierung und dieser sprach: Ich folge euch nicht. 
Anfangs willfuhr ich euch und ich wurde ins Gefängniss gesetzt 



Par. XVIII. Cap. XV, i. Hq 

and jetzt will er mich umbringen. Er glaubte ihnen aber nicht, 
bis sie ihn herbeischleppten und vor ihn hinwarfen, wie es heisst 
das. V. iq: „Du aber liegst hingeworfen ohne Grab.** Und nicht 
nur das, sagte R. Abina, sondern jeder Feind, den er hatte, kam 
und durchbohrte ihn mit dem Schwerte, um zu bestätigen, was ge- 
sagt ist das.: „Bedeckt vom Erschlagenen, vom Schwerte Durch- 
bohrten.** "^ 

Oder: „Furchtbar und schrecklich ist er'* d. s. die Israeliten, 
wie es heisst Ps. SZy 6: „Ich sprach: ihr seid Götter;** „von ihm 
geht sein Urtheil und Richterspruch aus** d. i. ihr werdet (in Folge 
eurer Sünden) mit Schleimfluss und Aussatz geschlagen werden. 
Darum warnt Mose die Israeliten und spricht zu ihnen: „Wenn ein 
Mann an seinem Fleische einen Fluss hat** 

Oder: „Wenn ein Mann an seinem Fleische einen Fluss hat.** 
In Verbindung mit Jes. 17, n: „An dem Tage deines Pflanzens 
zogst du sie gross und am Morgen deines Säens brachtest du es 
zur Blüthe.** „Am Tage deines Pflanzens** d. i. an dem Tage, wo 
ich euch mir zu einem Volke gepflanzt habe, habt ihr euch zum 
Auswurf gemacht, wie es heisst Ezech. 22, 18: „Schlackensilber sind 
sie geworden; ** „da zogst du sie gross** d. i. ihr habt den Pfad in 
Verwirrung gebracht. So heisst es Prov. 26, 23: „Wie Schlackensilber 
über irdenes Geschirr gezogen.** Oder das Wort: "^rTDSirn bedeutet: 
ihr habt mich beunruhigt, wie es heisst Ps. 78, 36. 37: „Sie redeten 
mit ihrem Munde und mit ihrer Zunge logen sie, und ihr Herz 
war nicht fest bei ihm und sie hielten nicht treu an seinem Bunde.** 
„Und am Morgen deines Säens brachtest du es zur Blüthe.** R. 
Chama bar Chanina und R. Ismael bar Chanina sagte: Gleich 
einem, der ein Beet voll mit Gemüse hat, als er am Morgen auf- 
wacht, findet er dasselbe leer. R. Ismael bar Nachman sagte: 
Gleich einem, der ein Beet voll mit Flachs hat, als er am Morgen 
aufwacht, findet er Blüthenkelche. Jes. 17, 11: „Die Ernte flieht** 
d. i. ihr habt (in Folge eurer Sünden) über euch herbeigeführt die 
Ernte der Herrschaft (der heidnischen Reiche), die Ernte der Leiden, 
die Ernte des Todesengels; denn R. Jochman hat im Namen des 
R. Elieser ben R. Jose des Galiläers gesagt: Als die Israeliten am 
Berge Sinai standen und die Worte sprachen Ex. 24, 7: „Alles 
was der Ewige geredet, wollen wir thun und gehorchen,** da rief 
Gott den Todesengel und sprach zu ihm: Obgleich ich dich zum 
Weltbeherrscher (Kosmokrator) über die Geschöpfe gesetzt habe, 
so sollst du doch mit diesem Volke nichts zu schaffen haben. 
Warum? Weil sie meine Kinder sind. Das steht auch Deut. 
14, 1: „Ihr seid Kinder des Ewigen, eures Gottes.'* Und ferner 
das. 5, 23: „Als ihr hörtet die Stimme aus der Finsterniss.** Giebt 
es denn oben eine Finsterniss? Es heisst doch das. 2, 22: ,, Licht 
wohnt bei ihm!** Allein das ist der Todesengel, welcher Finster- 
niss genannt wird, wie geschrieben steht Ex. 32, 16: „Und die 
Tafeln waren ein Werk Gottes'* u. s. w. Lies nicht rn^'*n, ein- 



I20 Par. Xyui. Cap.XV, i. 

gegraben, sondern nTn"^n, frei. R. Jehuda und R. Nachman und 
die Rabbinen. Nach R. Jehuda waren sie frei vom Todesengel, 
nach R. Nachman frei von den Reichen, nach den Rabbinen frei von 
Leiden. Es heisst Jes. 17, 11; „Am Tage des Besitzes" d. i. am 
Tage, wo ich euch habe das Gesetz erben lassen. „Und mensch- 
lichen Schmerzes.*' R. Jochanan und die Rabbinen. R. Jochanan 
sagte: Ihr habt über euch eine mächtige und eine schwache Plage 
gebracht. Die Rabbinen dagegen sagen: Ihr habt über euch eine 
starke (rr'an'^ns = ci:«) und eine schwache Plage gebracht. Und was 
ist das? Fluss und Aussatz. Deshalb warnt Mose die Israeliten und 
spricht zu ihnen: „So ein Mann einen Fluss an seinem Fleische 
hat.** R. Simeon ben Jochai hat gelehrt: Als die Israeliten am 
Berge Sinai standen und die Worte gesprochen hatten Ex. 24, 7: 
„Alles, was der Ewige geredet, wollen wir thun und gehorchen,** 
da gab es keine Schleimflüssigen und Aussätzigen und keine Lahmen, 
Blinden, Stummen, Tauben und Verrückten unter ihnen. Auf diesen 
Moment spielt Cant. 4, 7 an: „Ganz schön bist du, meine Freundin, 
kein Fehler ist an dir.** Als sie aber gesündigt hatten, verstrichen 
nur wenige Tage und es wurden unter ihneil Schleimflüssige und 
Aussätige gefunden. Auf diesen Moment heisst es Num. 5, 2: „Es 
wurden alle Aussätzigen und Flüssigen aus dem Lager gewiesen.** 
Und wodurch haben sich die Israeliten Schleimfluss und Aussatz 
zugezogen? R. Huna im Namen des R. Hosaja sagte: Weil sie 
hinter ihnen Spott trieben (übel redeten) und sprachen: War 
nicht die Familie von dem und dem aussätzig? Daraus geht 
hervor, dass diese Plagen nur auf Verleumdungen erfolgen. R. 
Tanchum sagt: Weil sie hinter der Bundeslade Spott trieben (übel 
redeten) und sprachen: Diese Lade tödtet ihre Träger. (Daraus geht 
hervor,) dass die Plagen nur in Folge von Verleumdung kommen. 
Darum haben sich die Israeliten Schleimfluss und Aussatz zu- 
gezogen. Die Rabbinen sagen: Die Plagen kommen in Folge (der 
Fertigung) des goldnen Kalbes, wie es heisst Ex. 32, 25: „Und Mose 
sah, dass das Volk zügellos war** d. h. es war unter ihnen der 
Aussatz ausgebrochen vergl. Lev. 13, 40: „Und sein Haupt kahl 
wird (yine).***) R. Jehuda bar R. Simon sagte: Die Plagen kommen 
nur wegen der Missvergnügten (Murrenden) von denen es heisst 
Num. II, 20: „Bis dass es (das Fleisch) euch zur Nase heraus- 
kommt und euch zum Ekel wird.** Was heisst N'mV? R. Huna 
sagte: Es wird euch sein zur Aufdunsung und Geschwulst; Resch 
Lakisch aber sagte: Zur Bräune; R. Abin sagte: zur Warnung; R. 
Abithar sagte: zu Würmern; R. Simeon ben Jochai sagte: So dass 
ihr euch mehr entfernt als ihm naht. R. Jehuda bar R. Simon 
sagt: V^on hier sind sie dem Versammlungszelte fremd (D'^nt) ge- 
worden. R. Josua von Sichnin sagte im Namen des R. Levi: Fleisch 



•) Hier heisst es J?nD, verwildert und dasselbe Wort steht auch bei 
•dem Ausschlage. 



Par. XIX. Cap.XV, 25. 12 1 

und Blut straft mit Verbannung, auch Gott straft mit Verbannung, 
wie es heisst Num. 5, 2: ,,Betiehl den Kindern Israels, dass sie aus 
<iem Lager schaffen.** Fleisch und Blut wirft ins Gefängniss, auch 
Gott wirft ins Gefangniss, wie es heisst: „Und der Priester soll den 
Aussätzigen einschliessen." Fleisch und Blut befiehlt Vertreibung 
(des Verbrechers), auch Gott befiehlt Vertreibung; es heisst: „Er 
soll allein wohnen ausserhalb des Lagers/* Fleisch und Blut ver- 
hängt körperliche Züchtigung, auch Gott verhängt körperliche Züch- 
tigung, wie es heisst Deut. 25,3: „Vierzig Schläge soll er ihm geben, 
aber nicht mehr.** Fleisch und Blut treibt Geldstrafen ein, auch 
Gott treibt Geldstrafen ein, wie es heisst Deut. 22^ 19: „Sie sollen 
ihn strafen mit einer Strafe von hundert Silberstücken.** Fleisch 
und Blut theilt das Donativum aus, auch Gott theilt das Donativum 
aus, wie es heisst £x. 16, 4: „Siehe ich lasse euch Brot vom Himmel 
regnen.** Fleisch und Blut theilt Würden aus (zeichnet aus), auch 
Gott theilt Würden aus s. Num. i, 2: „Nehmet auf die Hauptzahl.** 
Fleisch and Blut theilt Portionen aus, auch Gott theilt Portionen 
aus s. Ex. 16, 16: „Ein Omer für den Kopf nach der Zahl eurer 
Seelen.'* Fleisch und Blut schlägt den Menschen durch (die Aussage 
der) Zeugen, auch Gott schlägt den Menschen durch sich selbst, wie 
es heisst Deut. 32, 39: „Ich schlage und ich heile.** R. Berachja 
sagte im Namen des R. Levi: Fleisch und Blut verwundet mit 
einem Kneif und heilt durch ein Pflaster, Gott aber heilt nicht mit 
dem, womit er verwundet hat, wie es heisst Jerem. 30, 17: „Ich 
will dir einen Verband anlegen und von deinen Schlägen dich heilen.** 



Parascha XIX. 

Cap. XV', 25. Und so ein Weib ihren Blutfluss viele 
Tage hat. In Verbindung mit Cant. 5, 11: „Sein Haupt ist köst- 
liches Gold.** „Sein Haupt** d. i. die Thora, denn es heisst Prov. 
8, 22: „Der Ewige bereitete mich als Anfang seines Weges;'* denn 
R. Huna hat im Namen des Resch Lakisch gesagt: Zweitausend 
Jahre ging die Thora der Weltschöpfung voraus, wie es heisst das. 
V. 30: „Da war ich bei ihm als Vertrauter.** Und ein Tag Gottes 
beträgt tausend Jahre, wie es heisst Ps. 90, 4: „Denn tausend 
Jahre sind in deinen Augen wie ein Tag. „Köstliches Gold** d. s. 
die Worte der Thora, von denen es heisst Ps. 19, 11: „Sie sind 
kostbarer als Gold und viel feines Gold.** Die Dinge, die vom An- 
fange erschaffen wurden, waren gegraben in köstliches Gold. Es 
heisst Cant. 5, 11: „Seine Locken Hügel** d. i. das Lineal; „schwarz 
wie der Rabe** d. s. die Spitzen (Striche) der Buchstaben. So meint 
Bar R. Elieser. R. Josua sagt: Sie (die Worte) hängen und be- 
festigen sich an dem, der früh und abends sich damit beschäftigt. 
R. Samuel bar Ami sagte: Die Worte der Thora sind früh und 
abends nothwendig, wie es heisst Hi. 38, 41: „Wer bereitet dem 



122 Par. XIX. Cap. XV, 25. 

Raben seinen Fang?" Das können wir an Elia sehen (eig.: Lerne 
von Elia), dadurch dass er sich früh und abends mit der Thora be- 
schäftigte, habe ich ihm nicht die Raben eingeladen? wie es heisst 
I. Reg. 17, 6: „Die Raben brachten ihm Brot und Fleisch." Woher 
brachten sie es ihm? Von Josaphats Tafel. R. Samuel bar Ami 
sagte: Die Worte der Thora sind früh und abends nothwendig zur 
Erhaltung. Woher lässt sich das beweisen? Aus den Worten: 
„Wer bereitet dem Raben seinen Fang? Wenn der Mensch nicht 
gegen sich (seinen Körper), gegen seine Kinder und gegen sein 
Haus so hart wird wie der Rabe, so ist er nicht würdig der Worte 
der Thora. R. Asi stellte gern Untersuchungen an. Da sah er, 
wie ein Rabe ein Nest machte und Eier legte (und sich darauf 
setzte), bis Junge hervorkamen. Er nahm dieselben, that sie in 
einen neuen Topf und verklebte denselben drei Tage lang. Nach 
drei Tagen öffnete er ihn, um zu sehen, was sie machten, er fand, 
dass sie Unrath gemacht hatten, aus dem Fliegen wurden, welche 
aufflogen und von den Raben verzehrt wurden. Da wandte er auf 
sie den Vers an: „Wer bereitet dem Raben seinen Fang." R. 
Jochanan und Resch Lakisch. R. Jochanan sagte: Der wahre Jubel 
über die Thora zeigt sich nur bei Nacht, wie es heisst Threni 2, 19: 
„Auf! juble in der Nacht." Resch Lakisch sagte aber: Er zeigt 
sich am Tage und in der Nacht, wie es heisst Jos. i, 8: „Denke 
darüber nach Tag und Nachf Resch Lakisch erklärte verschiedene 
Schriftstellen (er beschäftigte sich mit verschiedenen Auslegungen von 
Schriftstellen), und als er kam an Prov. 31, 15: „Sie (das Biederweib) 
steht auf, wenn es noch Nacht ist," und ferner an Thren. 2, 19: 
„Auf! juble in der Nacht," da sprach er: R. Jochanan hat mich 
trefflich belehrt. Dann sagte er wieder: Seht ihr es meiner Lehre 
nicht an, wie sie in meinem Gesichte leuchtet? Und warum? Weil 
es von der Nacht und vom Tage herrührt. R. Chanan von 
Sepphoris wandte den Vers auf einen Schutthaufen an. Der Un- 
besonnene (Thor), was sagt er? Wer kann diesen Schutthaufen ab- 
tragen (wegräumen)? Was spricht aber der Besonnene? Siehe, ich 
trage heute zwei Körbe und morgen zwei Körbe davon fort, bis ich 
endlich alles hinweggeräumt habe. (Ebenso verhält es sich mit der 
Thora.) Der Unbesonnene spricht: Wer kann die (ganze) Thora er- 
lernen? Nesikin(von den Schäden) hat dreissig Kapitel, Kelim (von den 
Gefässen) hat dreissig Kapitel (das lässt sich nicht erlernen). Der Be- 
sonnene aber, was spricht er? Siehe, ich lerne heute zwei Halachot und 
morgen zwei, bis ich die ganze Thora gelernt habe. R. Ami sagte: 
Es heisst Prov. 24,7: „Unübersteighche Höhen sind dem Thoren die 
Wissenschaften." Das kommt mir vor, sagte R. Jochanan, als wenn ein 
centnerschwerer Gegenstand im Räume (in der Luft) des Hauses 
hängt, der Einfältige sagt: Wer kann ihn herunternehmen, der 
Kluge aber spricht: Hat ihn nicht einer hinaufgehängt? Er bringt 
Röhren (Stangen), verbindet sie mit einander und nimmt ihn dann 
herunter. Ebenso verhält es sich mit der Thora. Der Thor spricht: 



Par. XIX. Cap. XV, 25. 



123 



Wer kann die Thora erlernen, welche nur im Herzen des Weisen 
ist? Der Kluge aber, was thut er? Er schiebt das Lernen nicht 
hinaus, sondern spricht: Ich lerne heute zwei Halachot und morgen 
zwei, bis ich die ganze Thora gelernt haben werde. R. Levi 
sagte: Gleich einem durchlöcherten Korb, dessen Besitzer Arbeiter 
gedungen hat, um ihn zu füllen. Der Thörichte, was spricht er? 
Was nützt hier das Füllen, da alles, was ich hineinbringe, wieder 
herausfallt Der Kluge aber, was spricht er? Erhalte ich nicht 
Lohn für das ganze Fass (d. i, bekomme ich nicht meine Arbeit 
bezahlt)? Ebenso verhält es sich mit dem Gesetzstudium. Der 
Thörichte, was spricht er? Was hilft es mir, wenn ich die Thora 
Jerne, ich vergesse sie doch wieder; der Kluge aber, was spricht 
er? Giebt mir nicht Gott Lohn für meine Mühe? R. Sera sagte: 
Selbst die Dinge, welche du für blosse Strichlein (geringfügig) in der 
Thora hältst, sind Haufen über Haufen, sie können die ganze Welt 
zerstören und zu einem Schutthaufen machen, wie es heisst Deut. 
13, 16: „Und sie sei ein Steinhaufen ewiglich, nicht soll sie wieder 
erbaut werden.** R. Alexandri bar Chaggi sagte: Wenn alle 
Völker in der Welt zusammenkommen wollten, um den Flügel 
eines Raben weiss zu machen, sie vermöchten es nicht, ebenso 
wenn alle Völker der Welt zusammenkommen wollten, um ein ein- 
ziges Wort aus der Thora zu reissen, sie würden es nicht im Stande 
sein. Von wem kannst du das lernen? Von Salomo. Dadurch, 
dass er einen Buchstaben aus der Thora reissen wollte, zog er 
sich schwere Ankläger zu. Und wer klagte ihn an? R. Josua 
sagte: Der Buchstabe Jod (^) in dem Worte nnn*^ klagte ihn an. 
R. Simeon hat gelehrt, das Deutoronomium (Mischne Thora) stieg 
hinauf und warf sich vor Gott nieder und sprach vor ihm: Herr 
der Welt! Salomo hat mich aus meiner Stelle gerissen und hat 
mich zum Lügner gemacht, denn jede Urkunde, von der zwei oder 
drei Worte ungiltig werden, wird ganz (völlig) ungiltig. Siehe, der 
König Salomo will die Jod aus mir entfernen; es steht nämlich ge- 
schrieben Deut. 17, 16: „Er soll sich nicht viel Weiber nehmen 
(rjsr')" und er hat sich viele genommen; ferner V. 17: „Er soll 
sich nicht viele Pferde halten (na'",'^)** und er hat sich viel Pferde 
angeschafft, ferner: „Er soll nicht viel Silber und Gold anhäufen** 
und er hat viel Silber und Gold angehäuft. Darauf antwortete 
Gott: Gehe deines Wegsl Sieh, Salomo und hundert seines Gleichen 
werden vergehen, aber der Buchstabe Jod aus dir wird nimmer ent- 
fernt werden. R. Huna sagte im Namen des R. Acha: Die Jod, die 
Gott aus dem Namen der Sara nahm, theilte er in zwei Theile, 
die eine Hälfte gab er an Abraham und die andere Hälfte an 
Sara*). R. Josua ben Karcha sagte: Die Jod von Sara stieg hin- 
auf und warf sich vor Gott nieder und sprach vor ihm: Herr der 
Welt! du hast mich aus dem Namen dieser Tugendhaften ge- 



•) Aus cn3H wurde LT^^^H und aus ntr wurde ITitr. ^ ist zweimal n. 



rissen. Geh! antwortete Gott, früher warst du in einen weiblichen 
Namen am Ende des Wortes, aber jetzt, siehe, ich setze dich in 
einen männlichen Namen an die Spitze des Wortes, wie es heisst 
Nom. 13, 16: „Und Mose nannte den Hosea (roirrb) ben Nun 
Josua (y^in^). Es heisst Deut. 6, 4: „Höre Israel, der Ewige, 
unser Gott ist einig (in«, einzig). Machst du aus dem n (des Wortes 
nnÄ) ein *i, da zerstörst du die ganze Welt.*) Ferner heisst es Ex. 
34, 4: „Dass du dich nicht bückst zu einem andern Gott.** Machst 
du aus dem *i (des Wortes "^n«) ein i, so zerstörst du die ganze 
Welt.**) Ferner heisst es Lev. 22^ 2: „Sie sollen nicht entweihen 
meinen heiligen Namen." Machst du da aus dem n (des Wortes 
•^bbn*^) ein n, so zerstörst du die ganze Welt.***) Es heisst Ps. 
150, 6: „Jede Seele lobe Jah, Hallelujah!** Machst du aus dem n 
(des Wortes bbryn) ein n, so zerstörst du die ganze Welt.f) Es 
heisst Jerem. 5, 12: „Sie verleugnen den Ewigen.** Verwandelst du 
das 3 (in dem Worte •'"•«3) in ein 3, so zerstörst du die ganze Welt.ff) 
Es heisst Hos. 5, 7: „Gegen den Ewigen handelten sie treulos.** Ver- 
wandelst du da das 3 (in dem Worte VS3) in ein 3, so zerstörst 
du die ganze Welt-fff) Ferner heisst es i. Sam. 2, 3: „Es ist keiner 
so heilig wie der Ewige.** Wenn du da das 3 (des Wortes •'"'•3) 
in ein 3 verwandelst, so zerstörst du die ganze Welt.!*) Es 
heisst das. 2, 3: „Denn keiner ist ausser dir*' d. i. nach R. Abba 
bar Kahana: Alles vergeht, du aber vergehst nicht. Oder: „Es ist 
keiner ausser dir** d. i. es giebt nichts, was dich hinfällig macht. 
R. Jehuda bar R. Simon legte die Schrift den Gelehrten aus. Ein- 
mal heisst es Cant. 5, 11: „Schwarz wie der Rabe,** und einmal 
wieder heisst es das. V. 15: „Sein Ansehen ist wie der Libanon, aus- 
erwählt wie die Cedern.** Und dann heisst es wieder Nach. 2, 5: 
„Ihr Ansehen wie die Fackeln, wie die Blitze laufen sie.** Diese 
Sätze deutete er auf die Jünger der Thora, weil sie hässlich und 
schwarz in dieser Welt erscheinen, aber in der zukünftigen Welt wird 
ihr Aussehen den Fackeln gleichen. R. Samuel bar Jizchak legte 
diese Verse auf die Abschnitte der Thora aus. Obgleich einige häss- 
lich und schwarz erscheinen, um sie öffentlich vorzutragen, wie 
z. 6. die Halachot über den Schleimfluss und die Ausschläge und 
die Absonderung (Menstruation) und die Wöchnerin, so spricht doch 
Gott: Siehe, mir sind sie angenehm, wie es heisst Mal. 3, 4: „Gott 
ist angenehm die Gabe Jehudas und Jerusalems.** Du kannst es 
auch daraus erkennen, dass es sich so verhält, denn siehe, die Ab- 
schnitte von dem männlichen und weiblichen Flusse stehen nicht 



•) Der Sinn ist dann: Der Ewige, unser Gott, ist ein anderer. 
**) Der Sinn ist dann: Dass du dich nicht bückst zu dem einen Gott. 
•••) Der Sinn ist dann: Sie sollen nicht loben meinen heiligen Namen, 
t) £s heisst dann: Jede Seele entweihe Jah, Halleluja. 
tt) I^er Sinn ist dann: Sie verleugnen wie der Ewige. 
ttt) Der Sinn ist dann: Wie der Ewige handelten sie treulos, 
t*) Der Sinn ist dann: Es ist kein Heiliger (nichts Heiliges) bei Gott. 



Par. XIX. Cap. XV, 2$. 125 

zusammen, sondern jeder für sich. „Wenn ein Mann an seinem 
Fleische einen Fluss hat;" ferner: „Und so ein Weib ihren Blutfluss 
lange Zeit hat." R. Kohen begann mit Koh. 10, 18: „Durch Nach- 
lässigkeit sinkt das Gebälk." Dadurch dass die Israeliten sich träge 
erwiesen an der Betheiligung bei den Zerwürfnissen vor dem Berge 
Sinai, sank das Gebälk, wie es heisst Ex. 19, 20: „Und der Ewige 
stieg herab auf den Berg Sinai," und Ps. 18. 10: „Er beugte den 
Himmel und Hess sich herab." ^,Und durch Schlaffheit der Hände 
träufelt das Haus." Dadurch, dass sich die Israeliten erniedrigten, 
an den Zerwürfnissen Theil zu nehmen, träufelt das Haus, wie 
es heisst Jud. 5, 9; „Auch die Wolken troffen Wasser." 

Oder: „Durch Nachlässigkeit sinkt das Gebälk." Dadurch 
dass sich die Israeliten träge zeigten in den Tagen Jeremjas Busse 
zu thun, sank das Gebälk wie es heisst Jes. 22, 8: „Es wird auf- 
gedeckt der Schleier Judas" d. i. es wird weggezogen die Decke. 
„Und durch Schlaffheit der Hände" u. s. w. Dadurch, dass sich 
die Israeliten schlaff zeigten, um in den Tagen Jeremjas Busse zu 
thun, träufelte das Haus, wie es heisst Amos 6, 11: „Denn siehe, 
der Ewige befiehlt und schlägt das grosse Haus in Trümmer und 
das kleine Haus in Splitter." Von no'»0"i gewinnt man eine Art 
Pflöcke, von n:?ip3 aber gewinnt man keine Pflöcke. Oder: „Durch 
Nachlässigkeit sinkt das Gebälk." Dadurch dass sich der Mensch 
träge zeigt, sein Haupt zu bedecken, wie es schicklich ist, sinkt das 
Gebälk d. L es wird gekrümmt „Und durch Schlaffheit der Hände" 
u. s. w. Dadurch dass der Mensch vernachlässigt, seinen Körp)er 
abzutrocknen, wie es sich geziemt, entstehen an ihm Hautausschläge. 

R. Abuhu legte den Vers auf das Weib aus. Dadurch, dass 
das Weib verabsäumt, sich zu verhüllen, wie es sich gehört, sinkt 
das Gebälk, wie es heisst Lev. 20, 18: ,.Und sie ihre Scham ent- 
blösst und ihren Brunnen enthüllet und sie die Quelle ihres Blutes 
aufdeckt," „Und durch Schlaffheit der Hände" u. s. w. Dadurch, 
dass das Weib vernachlässigt, sich zur bestimmten Zeit zu unter- 
suchen, „träufelt das Haus" d. i. es häuft sich ihr Blut an. Das 
steht nun hier: „Wenn eine Frau ihren Blutfluss hat lange Zeit." 
Tabitha, die Magd des Rabban Gamliel untersuchte die Weinfasser, 
als sie bemerkte, dass ihr Menstruum eintrat, setzte sie sich hin 
(d. i. sie setzte die Prüfung nicht fort). Der Wein, sagte er, ist 
gewiss sauer geworden. Nein, gab sie zur Antwort.*) Wehe! rief 
er aus, da er die wahre Ursache erkannte, der Wein ist nun da- 
hin!**) Darauf sagte die Magd: Ich habe viele Fässer untersucht 
und merkte es erst bei diesem. Beruhige dich (gieb dich zufrieden), 
sprach er zu ihr, denn du hast mich beruhigt. 



♦) Daraus konnte er schliessen, dass ein anderer Umstand eingetreten 
sein musste, dass sie von der Untersuchung Abstand nahm. 

•*) R. Gamliel pflegte die gewöhnlichen Speisen und Getränke in Rein- 
heit zu geniessen. 



126 P*rj XIX. Cap XV, 25. 

Oder: „Wenn ein Weib ihren Blutfluss lange Zeit hat." In 
Verbindung mit 2 Chron. 15, 3: „Viele Tage (lange Zeit) war Israel 
ohne wahren Gott, ohne belehrenden Priester und ohne Thora." Wer 
hat diesen Vers geweissagt? Asarja, Sohn Odad, der Prophet Er 
hat gesagt: Es werden für Israel Zeiten kommen, „wo es keinen 
wahren Gott hat" d. i. wo die Strafgerechtigkeit (das Strafmass) nicht 
in der Welt ist, „wo es keinen belehrenden Priester giebt" d. i. wo 
einst die Hohepriesterwürde aufhören wird, „wo es keine Thora 
geben wird" d. i. wo einst das Synedrium aufhören wird. Als die 
Zeitgenossen das hörten, Hessen sie die Hände sinken (waren sie 
entmuthigt). Es erscholl aber eine Himmelsstimme, welche die Worte 
hören Hess: Stärket die schlaffen Hände. R. Judan und R. Pinchas. 
R. Judan sagte: Es heisst Jes. 35. 3: „Stärket die schlaflfen Hände" 
d. i. die Hände, welche gleichsam erschlafft scheinen, „und die wan- 
kenden Kniee festiget" d. i. die Kniee, welche nur zu wanken schei- 
nen. R. Pinchas dagegen erklärte die Worte: „Stärket die schlaflfen 
Hände" d. i. weil ihr euch durch eure bösen Thaten schlaflf gemacht 
habt, „die wankenden Kniee befestiget" d. i. weil ihr durch eure 
bösen Thaten gestrauchelt seid. Das. V. 4: „Sprecht zu den Furcht- 
samen." R. Hosaja der Aeltere sagte: (Sprecht) zu den gebrochenen 
Herzen, wie es heisst Nach 2, 6: „Sie eilen zu ihrer Mauer." Wie 
diejenigen, sagte R. Josua ben Levi, die auf das Ende drängen 
(es beschleunigen), wie es heisst Gen. 24, 46: „Sie eilte und nahm 
ihren Eimer herab." „Seid stark und fürchtet euch nicht." Weil 
nämlich die Israeliten sprachen Ps. 42, 4: „Thränen sind meine 
Speise Tag und Nacht, wenn man zu mir spricht: Wo ist dein 
Gott?" Da erschoU eine Himmelsstimme und rief ihnen zu Jes. 35, 4: 
„Siehe, euer rächender Gott kommt," derjenige nämlich, der einst 
den Völkern der Welt vergelten wird s. das.: „Vergeltung Gottes, 
er kommt und rettet euch." „Viele Tage waren in Israel." Waren 
es denn viele Tage? Allein weil es Tage des Kummers waren, 
so werden sie viele genannt. So heisst es auch i Reg. 18, i: „Es 
waren viele Tage, da geschah das Wort des Ewigen zu Elia im 
dritten Jahre also." R. Berachja und R. Chelbo im Namen des 
R. Jochanan sagten: Es waren drei Monate im ersten, drei Monate 
im letzten (Jahr) und zwölf Monate in der Mitte, siehe, das sind doch 
blos achtzehn Monate, waren denn das viele Tage? Allein es waren 
Tage des Kummers, darum heissen sie viele. Ebenso heisst es 
Ex. 2, 11: „Es war nach vielen Tagen." Waren es denn viele? 
Allein weil es kummervolle Tage waren, so heissen sie viele. Ebenso 
heisst es Esth. i, 4: „Hundertundachtzig Tage." Waren denn das 
viele? Allein weil sie u. s. w. Und ebenso heisst es hier in diesem 
Verse: „Wenn eine Frau den Blutfluss hat viele Tage." R. Chija 
hat gelehrt: Da es D''?0'» heisst, so sind das doch wenigstens zwei, 
und da es D'^an, viele heisst, so müssen es doch wenigstens drei sein, 
von hier an und weiter ist die Frau nicht mehr menstruirend, sondern 
nur siech (matt). Es heisst nicht: nmrn m:m, sondern: nnm 



Par. XIX. Cap. XV, 2$. 127 

rtnra. R. Simlai sagte: Grosses Leiden hat Gott dem Weibe auf- 
erlegt, dass sie, nachdem sie die vorgeschriebenen Tage des Blut- 
flusses beobachtet, noch sieben Tage abgesondert sein muss und 
die Thora sie nns nennt. Es heisst nicht: nna''TS mnm, son- 
dern: nm:a nnm. R. Jochanan im Namen des R. Elieser des 
Sohnes des R. Jose, des Galiläers, sagt: Wenn schon das Weib, 
nachdem es zwei bis drei Tage abgesondert zugebracht hat, die 
Thora TXi^ nennt, um wie viel mehr wir, die wir von dem Hause 
unseres Lebens und von unserm heiligen Hause abgesondert sind! 
Wie viele Tage, wie viele Jahre, wie viele Zeitabschnitte und wie 
viele Schaltjahre ist unser Schmuck dahin! 

Oder: „Wenn ein Weib ihren Blutfluss hat.** Wer hat die 
V'orschrift des Flusses gehalten? Jechonja, Sohn Jojachims. Es wird 
nämlich gesagt: Als Nebucadnezar hinaufzog, Jerusalem zu zer- 
stören, Hess er sich in Daphne Antiochena nieder, da kam ihm das 
grosse Synedrium entgegen und sprach zu ihm: Es ist die Zeit ge- 
kommen, dass das Haus zerstört werde. Nein, antwortete er ihm, 
sondern Jojachim hat sich gegen mich empört, liefert mir ihn aus 
und ich ziehe ab. Sie kamen zu Jojachim und sprachen zu ihm: 
Nebucadnezar verlangt dich. Er antwortete ihnen: Das Verfahren 
ist so: Man giebt eine Seele für die andere hin, man giebt meine 
Seele hin und erhält eure Seelen. So heisst es auch Deut. 23, 15: 
„Du sollst nicht den Knecht an seinen Herrn ausliefern." Da ent- 
gegneten sie ihm: Dein Alter Scheba ben Bichri hat nicht so ge- 
handelt. Als er ihnen nicht Gehör gab, erhoben sie sich und nah- 
men ihn und legten ihn in Ketten. Wie haben sie ihn in Ketten 
gelegt? R. Elieser und R. Simeon. R. Elieser bar R. Nathan 
sagte: Lebendig legten sie ihn in Ketten s. Ezech. 19, 9: „Und sie 
legten ihn lebendig in einen Käfig." Es heisst: D"»"»nn, im Leben. 
R. Simeon sagte: Todt legten sie ihn in Ketten s. das.: „Auf dass 
seine Stimme nicht mehr gehört würde." R. Josua ben Levi sagte: 
Ich kann die Worte von beiden annehmen; sie legten ihn lebendig 
in Ketten, allein weil er von zarter Natur war, so starb er unter 
ihrer Hand (in Folge der Fesselung). Was hat Nebucadnezar ihm 
gethan? R. Jehuda und R. Nechemja. R. Jehuda sagt: Er nahm 
ihn und Hess ihn in allen Städten Judas umherführen und er setzte 
sich auf ihn im Vorhof und brachte ihn dann um, zerriss den Esel 
und steckte ihn hinein, wie es heisst Jerem. 22, 19: „Ein Eselsgrab 
wird ihm werden." R. Nechemja sagt: Er nahm ihn und Hess ihn 
in allen Städten Israels umherführen, brachte ihn dann um, schlug 
ihn in Stucke, die so gross waren wie Oel beeren und warf sie den 
Hunden vor, wie es heisst: „Wie ein Esel wird er begraben werden." 
Und wo war das Grab des Esels? Nicht im Innern des Hundes? 
Deshalb zürnt auch der Prophet über ihn und sagt 2 Reg. 24, 5: 
„Die übrige Geschichte Jojachims und alles, was er gethan hat" 
XL s. w. Worin bestanden diese? Nach R. Jochanan sind drei 
Amoräer darüber verschiedener Meinung. Einer sagte: Er trug 



128 Par. XIX. Cap. XV, 25. 

Gemischtes (Kilajim, Wolle und Zwirn untereinander gewebt); der 
andere sagte: Er zog sich die Vorhaut vor; der dritte sagte: Ein- 
gegrabene Schrift wurde an seinem Leibe gefunden. R. Jochanan 
sagte: Er hat seine Mutter, Schwiegertochter und das Weib seines 
Vaters beschlafen; denn R. Jochanan hat gesagt: Kurz und gut, 
er drang in die Thür ein, zu welcher er herausgegangen (bei seiner 
Mutter). R. Josua ben Levi sagte: Weil er männerlose Frauen in 
Jerusalem zurückliess. Was sind ni'^^'j'ja? Er machte sie männer- 
los und misshandelte sie {'\^'^^^^ '0''!?)» ^^nn er erschlug ihre Män- 
ner, nothzüchtigte deren Frauen und confiscirte ihr Vermögen für 
den königlichen Schatz, wie es heisst Ezech. 19, 7: „Er erkannte 
ihre Wittwen.'* Als Nebucadnezar ihn hingerichtet hatte, setzte er 
dessen Sohn Jechonja an seine Stelle, führte ihn hinab nach Baby- 
lon, wo die Einwohner ihm entgegenkamen, um ihn zu preisen. 
Sie sprachen zu ihm: Was hast du gethan? Er antwortete: Jeho- 
jachim hat sich gegen mich empört, und ich habe ihn hingerichtet 
und seinen Sohn Jechonja an seine Stelle gesetzt. Darauf sagten 
sie: Das Sprichwort sagt: Du wirst ein gutes Junges nicht von 
einem schlechten Hunde erziehen, geschweige ein schlecht geartetes 
Junges von einem schlechten Hunde. Sofort folgte er ihrem Rathe, 
zog hinauf und liess sich nieder in Daphne Antiochena. Da kamen 
ihm die Mitglieder des grossen Synedriums entgegen tmd sprachen 
zu ihm: Es ist die Zeit gekommen, dass dieses Haus zerstört werde. 
Er antwortete ihnen: Nein, gebt mir nur den, den ich als König 
eingesetzt habe und ich ziehe ab. Darauf gingen sie zu Jechonja und 
sprachen zu ihm: Nebucadnezar verlangt dich. Was that er? Er 
erhob sich und nahm alle Schlüssel des Heiligthums zusammen und 
ging auf die Spitze des Daches und sprach: Herr der Welt! da 
wir nicht so glücklich gewesen sind, Schatzmeister (des Tempels) 
vor dir zu sein, so sind wir wenigstens bis jetzt vor dir treue Haus- 
wirthe gewesen. Von hier ab und weiter, siehe deine Schlüssel sind 
vor dir. Darüber sind zwei Amoräer verschiedener Meinung, der eine 
sagte: Etwas einer Art feuriger Hand Aehnliches kam herab und 
nahm sie (die Schlüssel des Tempels) von ihm in Empfang; der 
andere sagte: Nachdem er sie in die Luft geworfen, kamen sie 
nicht wieder herunter. Und was thaten die jungen Israeliten? Sie 
stiegen auf die Spitze der Dächer und stürzten sich herab, dass sie 
starben, wie es heisst Jes. 22, i: „Ausspruch über das Gesichtethal." 
Was ist dir nur, dass du allgesammt auf die Dächer steigst?" Was 
that Nebucadnezar? Er nahm sie und warf sie ins Gefangniss, 
und wer in seinen Tagen dahin geworfen war, kam nicht wieder 
von da heraus vergl. das. 14, 17: „Seinen Gefesselten öffnete er 
nicht das Haus." Jojachim wurde vertrieben und mit ihm auch 
das grosse Synedrium. So heisst es Jerem. 22, 28: „Ist denn ein 
verachtet, zerbrochen Gefäss dieser Mann Chonja?" R. Abba bar 
Kahana sagte: Wie das Bein und Gehirn, wenn du es zertrümmerst, 
so vergeht es in Nichts u. s. w. bis Schealthiel. Gott fragte den 



Par. XX. Cap XVI, i. I2q 

oberen Gerichtshof und er loste ihm sein Gelübde. Damals be- 
mhigte sich das grosse Synedrium und sprach: In unsern Tagen 
nimint die Herrschaft der david'schen Dynastie ein Ende, von der 
es heisst Ps. 89, 37: „Und sein Thron wie die Sonne vor mir." 
Was wollen wir thun? Wir wollen gehen und die Erzieherin bitten, 
und diese soll die Königin und die Königin soll den König bitten. 
Sie gingen nnd baten die Erzieherin und die Erzieherin bat die 
Königin nnd diese den König. Wie hiess denn Nebucadnezars 
Weib? Nach R. Huna war ihr Name Semirath, nach R. Abin aber 
Semiramis, nach den Rabbinen Semiram, weil sie nämlich in einer 
stönnischen (unruhigen) Zeit geboren worden war. Als Nebucad- 
nesar kam, um sich mit ihr zu begatten, sprach sie zu ihm: Du 
bist König, ist Jechonja nicht König? Du suchst, was dir gebührt, 
sucht Jechonja nicht, was ihm gebührt (sc. den Beischlaf)? Darauf 
befahl er, dass man ihm sein Weib gebe. Wie ist er gefesselt 
worden? R. Sabthai sagte : Man Hess ihn durch die Fenster herunter. 
Die Rabbinen sagten: Man machte in dem Anbau des Gebälkes 
(vom Gefangnisse, worin er eingesperrt war) Lücken und Hess sie 
(sein Weib zn ihm) hinabsteigen. Als er kam, um sich mit ihr zu 
begatten, sprach sie: Ich habe wie eine rothe Rose gesehen. 
Da entfernte er sich von ihr und sie ging sogleich hinweg und rei- 
nigte sich und tauchte unter (badete sich). Gott sprach zu ihm: 
In Jerusalem habt ihr die Vorschrift des Blutflusses nicht beobachtet, 
)etzt aber beachtet ihr sie, wie es heisst Sach. 9, 11: „Auch dir um 
des Blutes deines Bundes willen lass ich deine Gefangenen los aus 
der Grube." Ihr habt euch jenes Blutes am Sinai erinnert, darum 
lasse ich deine Gefangenen los. Er wich nicht von dort, sagte 
R. Sabthai, bis ihm Gott alle seine Sündenschulden verziehen 
hatte. Auf diese Stunde heisst es Cant. 4, 7: „Ganz schön bist du, 
meine Freundin, und kein Fehl ist an dir." Und eine Himmels- 
^timme rief ihnen zu Jerem. 3, 22: „Kehret zurück, ihr abtrünnigen 
Kinder, ich will euch von eurer Abtrünnigkeit heilen!'* 



Parascha XX. 

Cap.XVI. V.l. Nach dem Tode der beiden Söhne Aarons. 
R. Simeon begann mit Koh. 9, 2: „Alles widerfährt allen, einerlei 
Zcfall trifft den Gerechten wie deti Frevler." „Den Gerechten'* wie 
z. B. Noach, von dem es heisst Gen. 6, 9: „Er war ein gerechter 
Mann." Als er aus der Arche ging, sagte R. Jochanan im Nanien 
des R. Elieser, des Sohnes des R. Jose, des Galiläers, stiess ihn 
der Lowe und beschädigte ihn, so dass er nicht tauglich war, das 
Opfer darzubringen, und es opferte sein Sohn Sehern an seiner Statt. 
-Wie den Frevler" d. i. Pharao Necho. Als sich dieser auf Salomos 
Tnron setzen wollte, so kannte er nicht die Eigenthümlichkeit 

W u n • c he , Midrasch Wajikra. 



J30 Par. XX. Cap. XVI, i. 

desselben und es stiess ihn ein Löwe und beschädigte ihn. Dieser 
starb als Hinkender und auch jener. Das soll hier nun gesagt sein 
mit den Worten: „Einerlei Zufall (Geschick) trifft den Gerechten 
wie den Frevler, den Guten und Reinen wie den Unreinen." „Den 
Guten" d. i. Mose, von dem es heisst Ex. 2, 2: „Und sie sah ihn, 
dass er gut (schön mü) war." R. Meir versteht darunter, dass er 
beschnitten geboren war. „Und Reinen," wie Aaron, der nur mit 
den Reinigungen der Israeliten beschäftigt war, wie es heisst Mal. 
2, 6: „In Frieden und Gradheit wandelt er mit mir und viele hat 
er von der Sünde abgehalten." „Wie den Unreinen" d. s. die Kund- 
schafter, von welchen ein Theil zum Lobe des Landes Israel und 
ein Theil zur Schande berichtet hat, diese sowohl wie jene sind 
nicht in das Land gekommen. Das soll nun hier gesagt sein: 
„Den Guten und den Reinen wie den Unreinen." „Den Opfern- 
den," wie Josia, wie es heisst 2 Chron. 35, 7: „Und Josia spendete 
dem Volke junge Lämmer und Ziegen," „und dem, der kein Opfer 
bringt," wie Achab, welcher die Opfer einstellte; wie es heisst das. 
18, 2: „Und Achab schlachtete für sich Schafe und Rinder in 
Menge" d. i. er schlachtete für sich, aber nicht Opfer (für den 
Altar). Dieser sowohl wie jener sind durch Pfeile gefallen. Das 
wollen die Worte sagen: „Den Opfernden wie den Nichtopfernden." 
„Wie den Guten, so den Sünder." „Wie den Guten" d. i. David, 
von dem es i Sam. 16, 12 heisst: „Er sandte nach ihm und Hess 

ihn kommen und er war von gutem Aussehen." R. Jizchak 

sagte: Unter •'NI'i mü ist zu verstehen: er war sehr bewandert in 
der Halacha, so dass jeder, der ihn sali, sich seines Erlernten 
wieder erinnerte. „So den Sünder" d. i. Nebucadnezar, wie es heisst 
Dan. 4, 24: „Löse deine Sünden durch Gerechtigkeit." Dieser er- 
baute den Tempel und regierte vierzig Jahr, und jener zerstörte 
ihn und regierte auch vierzig Jahr. Das wollen die Worte sagen: 
Einerlei Schicksal u. s. w. „den, welcher schwört," z. B. Zedekia, 
von dem es heisst 2 Chron. 36, 13: ,,Auch er ward abtrünnig vom 
König Nebucadnezar;" „und den, der den Schwur scheut," wie 
Simson, von dem es heisst Jud. 15, 12: „Simson sprach zu ihnen: 
schwöret mir, dass ihr mir nichts zu Leide thun wollt." Jener starb 
geblendet s. 2 Reg. 25, 7: „Und Zedekia blendeten sie die Augen," 
und dieser starb geblendet s. Jud. 16, 21: „Und sie (die Philister) 
ergriffen ihn und stachen ihm die Augen aus.** Das wollen die 
Worte sagen: „Einerlei Geschick trifft den, welcher schwört" u. s. w. 
Oder: „Einerlei Geschick trifft den Guten" u. s. w. d. s. die Söhne 
Aarons, von denen es heisst Mal. 2, 6: „In Frieden und Gradheit 
wandelt er mit mir;" „und den Frevler" d. i. Korachs Anhang, von 
dem es heisst Num. 16, 26: „Weichet aus den Zelten dieser Frevler." 
Diese gingen hinein, um zu opfern mit aufrührerischen Gedanken 
(mit Streitigkeiten) und kamen verbrannt heraus, jene (Aarons Söhne) 
gingen hinein, um zu opfern mit friedlichen Gesinnungen (ohne 
Streitigkeiten) und kamen verbrannt heraus. 



Par. XX. Cap. XVI, i. I^j 

Oder: „Nach dem Tode." R. Levi begann mit Zug*rundelegung 
YonPs.75, 5: „Ich spreche zu den Tobenden: Tobet nicht.** D-'bbinb 
d. L zu den Verwirrenden (wV'^nn'iyTab), deren Herz voll schlechter 
Aufregungen ist R. Levi nannte sie Klagende («•^•^bb«), welche 
Jammer (-»bb« Weh) in die Welt bringen. „Und zu den Frevlern: 
Erhebt nicht euer Hörn!" Gott sprach nämlich zu den Frevlern: 
Die Gerechten freuten sich nicht in meiner Welt und ihr wollt euch 
freuen? Resch Lakisch sagte im Namen des R. Simeon ben Me- 
nassia: Der Fussballen des ersten Menschen verdunkelte die Sonnen- 
kugel, um wie viel mehr der Glanz seines Angesichtes! Wundere 
dich nicht darüber, gewöhnlich wenn ein Mensch Schüsseln macht, 
eine für sich und eine für sein Haus (seine Hausgenossen), so macht 
er wohl seine schöner als die andere, so war auch der erste Mensch 
zum Dienste Gottes erschaffen und die Sonnenkugel zum Dienste 
der Geschöpfe.*) R. Levi sagte im Namen des R. Chama bar Cha- 
nina: Dreizehn Baldachine (Thronhimmel) hatte Gott im Garten 
Eden aufgestellt, wie es heisst Ezech. 28, 13: „In Eden, im Garten 
Gottes, wohntest du, alle die kostbaren Steine deckten dich, Car- 
niol, Topas imd Diamant, Chrysolith, Onych und Jaspis, Sapphir, 
Carfunkel und Smaragd und Gold, die Kunstwerke deiner Ring- 
kasten waren an dir, am Tage deiner Schöpfung wurden sie be- 
reitet." R. Simeon ben Lakisch nimmt nur elf an, die Rabbinen 
nehmen nur zdm an, und es herrscht darin keine Meinungsverschieden- 
heit. Wer dreizehn annimmt, der macht aus den Worten: „Alle kost- 
baren Steine deckten dich (^nsio?: nnp" p» bD)" drei, wer elf an- 
nimmt, der hält diese drei nur für einen, und wer zehn annimmt, 
der zieht alle drei nicht in Betracht. Und nach all diesem Lobe 
heisst es Gen. 3, ig: „Von Staub bist du und zu Staub sollst du 
werden." Abraham hat sich auch nicht in meiner Welt erfreut und 
ihr wollt euch freuen? Ihm ward, als er hundert Jahre alt war, ein 
Sohn geboren, und am Ende sprach Gott zu ihm: „Nimm deinen 
Sohn und bringe ihn mir zum Opfer." Und Abraham ging einen 
Weg von drei Tagen, nach drei Tagen sah er eine Wolke, auf dem 
Rücken eines Berges gebunden. Mein Sohn! sprach er zu Jizchak, 
siehst du das, was ich sehe? Ja! war seine Antwort. Und was 
siehst du denn? Ich sehe, sprach er, eine Wolke, auf dem Rücken 
des Berges gebunden. Seht ihr auch etwas? sprach Abraham zu 
Ismael und Elieser. Nein! gaben sie zur Antwort. Da ihr nichts 
seht und der Esel auch nichts sieht, so bleibt hier, Volk des Esels 
iv.rnn Z7) d. i. Volk, das dem Esel gleicht.**) Er nahm dar- 
auf seinen Sohn Jizchak, ging mit ihm bergaufwärts und thalabwärts, 
endlich kamen sie auf einen der Berge, und er baute einen Altar, 
ordnete das Holz, legte es zurecht und griff nach dem Messer, um 
ihn zu schlachten, und wenn nicht ein Engel vom Himmel ihm zu- 



•) Sinn. Adams Zweck war ein grössrer als der der Sonne. 
••) Der Midrasch liest nicht D^, mit, sondern OJJ, Volk. 



0" 



132 Par. XX. Cap. XVI, i. 

gerufen hätte, so wäre er sofort geschlachtet worden. Du kannst 
es daraus erkennen, dass es sich so verhält: Als nämlich Jizchak 
zu seiner Mutter zurückkehrte, fragte sie ihn: Wo bist du gewesen, 
mein Sohn? Mein Vater nahm mich, gab er zur Antwort, und 
führte mich über Berge und Thäler u. s. w. Wehe über meinen 
einzigen Sohn! rief sie, wenn nicht der Engel erschienen wäre, so 
wäre er bereits geschlachtet. So wäre es, antwortete Jizchak. Da 
stiess sie sechs Laute aus gegen die sechs Töne des Schopha (am 
Neujahr). Sie hatte aber kaum geendet, da starb sie, wie es heisst 
Gen. 23, 2: „Da kam Abraham, Sara zu betrauern und zu beweinen.*' 
Und woher kam er? Nach R. Jehuda bar R. Simon von dem Berge 
Moria. Abraham hatte nämlich in seinem Herzen darüber nach- 
gedacht, ob vielleicht irgend ein Makel an ihm gefunden worden 
sei, dass sein Opfer keine Annahme gefunden habe. Da erscholl 
eine Himmelsstimme und rief ihm die Worte zu Koh. 9, 7: „Gehe 
hin, iss mit Freuden dein Brot.*' Auch die Israeliten haben sich 
nicht in meiner Welt gefreut. Es heisst nicht Ps. 149, 2: Israel 
freute sich seines Schöpfers, sondern: es wird sich freuen (nToiir) d. i. 
sie werden in der künftigen Welt dereinst sich an den Werken 
Gottes erfreuen. Sogar Gott freut sich nicht an seiner Welt. Es 
heisst Ps. 104, 31 nicht: Der Ewige freute sich an seinen 
Werken, sondern: er wird sich freuen d. i. er wird sich an den 
Werken der Gerechten in der künftigen Welt einst erfreuen. Elischeba, 
die Tochter Amminadabs hatte auch keine Freude in der Welt, ob- 
wohl sie fünf Kronen an einem Tage (in ihrer Familie) sah, näm- 
lich ihr Schwager war König, ihr Bruder Fürst, ihr Mann Hoher- 
priester, ihre beiden Söhne Stellvertreter des Hohenpriesters, ihr Enkel 
Pinchas war ein zum Kriege Gesalbter. Als ihre Söhne in das 
Heiligthum gingen, um zu opfern, wurden sie verbrannt und ihre 
Freude wurde in Trauer verwandelt. Das ist nun hier gesagt: 
„Nach dem Tode der beiden Söhne Aarons." 

R. Abba bar Kahana begann seinen Vortrag mit Zugrunde- 
legung von Koh. 2, 2: „Zum Scherze sprach ich: du bist toll" d. i. 
wenn der Scherz (das Lachen) so gemischt (mit Kummer) ist, was 
gewährt dann die Freude für emen Genuss? Einer von den Grossen 
Kabuls feierte die Hochzeit seines Sohnes und am vierten Tage 
hatte er Gäste zu sich geladen. Nachdem sie gegessen und ge- 
trunken hatten und ihr Herz guter Dinge war, sprach er zu seinem 
Sohne: Gehe hinauf und bringe uns ein Fass Wein vom Boden 
herab. Als er hinaufkam, biss ihn eine Schlange und er starb. 
Man wartete auf ihn, und als er nicht wieder herunterkam, sprach 
der Vater: Ich will doch einmal hinaufgehen und sehen, was mein 
Sohn macht Er ging hinauf und fand ihn von einer Schlange ge- 
bissen todt zwischen den Fässern liegen. Der Vater wartete, bis 
die Mahlzeit beendigt war, dann sprach er zu ihnen (den Gästen): 
Meine Herren! ihr seid nicht gekommen, über meinen Sohn den 
Segenspruch, den man bei einer Hochzeit spricht, zu sprechen, 



Par. XX. Cap. XVI, i. 



133 



sondern den Segenspnich der Trauernden (Leidtragenden), ihr seid 
nicht gekommen, meinen Sohn unter den Traubaldachin zu führen, 
sondern ihr seid gekommen, um ihn ins Grab zu bringen. Da hielt 
R. Saccai von Kabul die Leichenrede: „Zum Scherz sprach ich: du 
bist gemisdit*)*' R. Judan aus Gallia hielt einen Vortrag mit An- 
knopfong an Hi, 39, 27: „Erhebt sich auf dein Geheiss der Adler?" 
Gott sprach nämlich zu Aaron: Habe ich denn auf dein Geheiss 
meine Schechina auf der Bundeslade ruhen oder auf deinen Aus- 
spruch von der Bandeslade aufsteigen lassen? Das. V. 28: „Auf 
Felsen wohnt er," nämlich im ersten Tempel, „und verweilt er 
(^rirr"^"!)** d. L ein Verweilen im zweiten Tempel, „auf Spitzen der 
Felsen und Burgen" d. i. ein mehrfaches Verweilen**); denn es ist dort 
gelehrt worden: Als die Bundeslade fortgenommen worden war, be- 
fand sich dort der Stein n'^T^O. Warum hiess er so? R. Jose bar 
R. Cbalaphtha sagte: Weil auf ihm die Welt gegründet worden 
\siL Das steht auch Ps. 50, 2: „Von Zion, der Schönheit und Voll- 
endung." Wie war das Gebot des Hohenpriesters am Versöhnungs- 
tage? Wenn er aus dem Heiligthum ging, sprach er: Möchte es 
doch dein Wille sein, dass dieses Jahr reich an Regen und an 
Wärme und Thau sei, möge es ein gnaden- und segenreiches Jahr 
sein, ein Jahr der Billigkeit, ein Jahr der Fülle, ein Jahr lebhaften 
Verkehrs (des Nehmens und Gebens), und nicht möge an ihm Israel, 
dein Volk, einander benöthigt sein, und nicht mögen sich die Israe- 
liten ans Herrschsucht über einander erheben, und nicht mögest du 
fich an das Gebet der Wandrer kehren (die schönes Wetter wünschen)! 
Die Rabbinen von Casarea beteten für unsere Brüder in Cäsarea, 
dass sie sich nicht aus Herrschsucht über einander erheben möchten; 
die Rabbinen von Daroma beteten für unsere Brüder in Scharon, 
dass ihre Häuser nicht ihre Gräber werden möchten.***) Das. V. 29: 
„Von dort her erspäht er Speise** d. i. von da holt er Speise für alle 
Tdge des Jahres, „seine Augen schweifen in der Ferne" d. i. der 
Hc^epriester sah schon im Anfange des Jahres, wie das Ende sein 
werde. Wie so? Er spähte und beobachtete den Rauch, welcher 
vom Altar aufstieg, stieg derselbe nach der Südseite, so wusste er, dass 
die dortige Gegend Ueberfluss haben werde, stieg er nach der Abend- 
scite, so wusste er, dass in dieser Gegend Ueberfluss sein werde, stieg 
er nach der Morgenseite, so wusste er, dass diese Gegend Ueberfluss 
haben werde u. s. w., stieg er nach der Mitte des Himmels (himmel- 
an), so wusste er, dass in der ganzen Welt Ueberfluss sein werde. 
Und nach all' diesem Lobe heisst es das. V. 30: „Und seine Jungen 
schlürfen Blut" d. i. er sah seine Jungen in Blut eingetaucht und 
er schwieg (und beruhigte sich). „Und wo Erschlagene sind," näm- 
ßch Nadab und Abihu, „da ist er," nämlich die Schechina. R. 



•) Der Midrasch liest nicht SS^HD, sondern Sino. 
••) Bildlich für d^n Bestand des ersten und zweiten Tempels. 
•••) Daselbst war Sand und grosser Sturm, der oft die Häuser verschüttete 



I 



134 ^Är. XX. Cap. XIV, I. 

Judan sagte im Namen des R. Josua ben Levi und R. Berachja im 
Namen des R. Chija bar Abba: Es heisst Lev. lo, 4: „Tretet hinzu 
und traget eure Brüder vom Angesichte des Heiligthums hinweg." 
Es heisst nicht: vom Angesichte der Bundeslade, sondern: vom Ange- 
sichte des Heiligthums, sowie ein Mensch zum andern zu sagen pflegt: 
Schaffe den Todten vom Angesicht des Trauernden hinweg, wie 
lange soll dieser sich grämen? Das ist auch hier gesagt: „Nach 
dem Tode der beiden Söhne Aarons." 

R. Acha und R. Sera begannen mit Hi. 37, i: „Auch darüber 
zittert mein Herz, und bebet von seiner Stelle." Was heisst ^,r">i? Es 
springt (hüpft) von seiner Stelle hinweg vergl. Lev. 11, 21: „Um mit 
ihnen zu hüpfen (T'^b) auf der Erde." Gott sprach nämlich: 
Aarons Söhne sollen nicht seinem Stabe gleichen, der trocken hin- 
einging und feucht herauskam. 

Titus, der Ruchlose, ging hinein in das Allerheiligste mit ge- 
zücktem Schwerte in seiner Hand, durchschnitt den Vorhang, und 
sein Schwert kam mit Blut wieder heraus. Er ging in Frieden 
hinein und kam in Frieden auch wieder heraus. Aarons Sohne 
gingen in das Heiligthum, um zu opfern und kamen verbrannt 
wieder heraus. Das soll nun gesagt sein mit den Worten: „Nach 
dem Tode der beiden Söhne Aarons." 

R. Berachja begann mit Prov. 17, 26: „Auch den Gerechten zu 
strafen, ist nicht gut." Gott sprach nämlich: Obgleich ich Aaron 
gestraft und ihm seine beiden Söhne genommen habe, so ist es 
nicht gut, „Edle zu schlagen wegen Rechtsverletzung," wie es heisst: 
„Nach dem Tode" u. s. w. 

R. Elieser hat gelehrt: Aarons Söhne sind nur darum gestorben, 
weil sie eine Halacha in Gegenwart ihres Lehrers Mose gelehrt haben. 

Ein Schüler hatte vor seinem Lehrer eine Halacha gelehrt, da 
sagte R. Elieser zu der Mutter: Friede! Wehe über das Weib 
von diesem, er findet keine Ruhe, und seine Ruhe kommt nicht eher, 
als bis er stirbt. Die Gelehrten (Weisen) gingen zu ihm und fragten 
ihn: Bist du ein Prophet? Er antwortete ihnen mit Amos 7, 14: 
„Ich bin kein Prophet und auch nicht der Sohn eines Propheten," 
allein es ist mir so Überliefert worden: Wer eine Halacha in Gegen- 
wart seines Lehrers lehrt, macht sich des Todes schuldig.**) 

R. Elieser hat gelehrt: Es ist dem Schüler verboten, vor seinem 
Lehrer nicht eher zu lehren, als bis er zwölf Mil von ihm entfernt ist, 
soviel wie das Lager Israels betrug. Das steht auch geschrieben 
Num. 33, 48: „Und sie lagerten am Jordan." Wie viel betrug das? 
Zwölf Mil. R. Tanchum bar R. Jeremja war in Chepher, da wurde 
ihm eine Frage vorgelegt, die er sofort entschied. Da sagten sie 
zu ihm: Ist nicht im Lehrhause gelehrt worden, dass der Schüler vor 

*) Joma, Tanchuma 11. Jerusch. Gitlin haben für inaiP die LA.: inW, 
er lebt nicht sein Jahr aus. 

•*) Berach. fol. 31: Wenn jemand in Gegenwart seines Lehrers eine 
Halacha lehrt, so verdient er den Tod. 



Par. XX. Cap. XIV, i. ,3^ 

seinem Lehrer nicht eine Halacha lehren darf, es sei denn, dass er 
zwölf Mil entfernt ist? Siehe, R. Mani, dein Lehrer hat seinen Sitz 
in Sepphoris (was innerhalb von zwölf Mil ist)? Da sprach er zu 
ihnen: Es komme dies und das über mich, wenn ich es gewusst 
habe, und seitdem hat er sich einer solchen Entscheidung enthalten. 
Bar Kapra sagte im Namen des R. Jeremja ben Eleasar: Wegen 
vier Dinge {Vergehungen) sind die Söhne Aarons gestorben : i) wegen 
des Herantretens an den Altar, 2) wegen der Darbringung, 3) wegen 
des fremden Feuers und 4) weil sie sich untereinander nicht berathen 
hatten. Wegen des Herantretens, weil sie in das Innerste (des 
Heiligtbums) gegangen waren; wegen der Darbringung, weil sie ein 
Opfer dargebracht, das nicht geboten war; wegen des fremden 
Feuers, weil sie Feuer vom Herde genommen hatten; endlich weil 
sie sich nicht untereinander berathen hatten, wie es heisst Lev. 10, i : 
„Sie nahmen ein jeder seine Rauchpfanne" d. i. jeder handelte für sich, 
ohne den andern um Rath zu fragen. R. Jeremja ben Eleasar 
sagte: An vier Orten wird des Todes der Söhne Aarons gedacht 
und an allen auch ihr Vergehen erwähnt. Und das alles warum? 
Um kund zu thun, dass in ihrer Hand nicht eine andere Sünde als 
diese war. R. Eleasar von Modin sagte: Komm und sieh, wie kost- 
bar der Tod der Söhne Aarons vor Gott ist, dass überall, wo ihr 
Tod erwähnt wird, auch ihr Vergehen erwähnt wird. Und das 
alles warum? Um kund zu thun, dass die Weltbewohner nicht eine 
Aasflucht haben sollen, zu sagen: Schändliche Thaten waren in 
ihrer Hand im Geheimen, weil sie so gestorben sind. R. Mani von 
Scbaab und R. Josua von Sichnin und R. Johanan im Namen des 
R. Levi sagten: Wegen vier Dinge (Vergehungen) sind die Söhne 
Aarons gestorben und auf alle ist Todesstrafe gesetzt: i) Weil sie 
von Weiq berauscht waren, und darauf ist der Tod gesetzt, wie es 
heisst Lev. 10, 9: „Wein und berauschendes Getränk sollst du nicht 
trinken;" 2) weil sie nicht die erforderlichen Kleider anhatten, und 
darauf ist Todesstrafe gesetzt, wie es heisst Ex. 2S, 43: „Und Aaron 
und seine Söhne sollen sie anhaben." Was fehlte ihnen? Das Ober- 
gewand, und darauf ist' die Todesstrafe gesetzt, wie es heisst V. 35: 
„Und Aaron soll es anhaben beim Dienste;" 3) weil sie, ohne die 
Hände und Füsse gewaschen zu haben, hineingegangen sind, wie 
es heisst das. 30, 21 : „Sie sollen ihre Hände und ihre Füsse waschen, 
damit sie nicht sterben," und ferner das. V. 20: „Wenn sie in das 
Versammlungszelt kommen, sollen sie sich mit Wasser waschen; 
4) weil sie keine Kinder halten, und ein kinderloser Mann wird so 
gut wie todt betrachtet. Das steht auch Num. 3, 4: „Nadab und 
Abihu waren todt." R. Chanin sagt: Weil sie keine Weiber hatten 
(nicht verheirathet waren), und es heisst doch (vom Hohenpriester am 
Versöhnungstage): „Er versöhne für sich und für sein Haus." Unter 
T^n ist nichts anderes als sein Weib zu verstehen. R. Levi sagte: 
Sie waren hochmüthig und stolz. Es sassen nämlich viele Weiber 
eingeschlossen und warteten auf sie. Die Söhne dachten: Unseres 



136 Par. XX. Cap. XIV, 1. 

Vaters Bruder ist König, unserer Mutter Bruder ist Fürst, unser 
Vater Hoherpriester und wir sind die Stellvertreter, wo finden wir 
eine Frau, die für uns passt (eine uns ebenbürtige Frau). R. Me- 
nachma sagte im Namen des R. Josua bar Nechemja: Es heisst Ps. 
78, 63: „Seine Jünglinge verzehrte das Feuer." Warum verzehrte 
sie das Feuer." „Weil sie mit seinen Jungfrauen nicht den Reigen 
tanzten" d. i. weil sie dieselben nicht heiratheten. Und dann 
lässt es sich auch noch beweisen aus Ex. 24, i: „Und zu Mose 
sprach er: Steige herauf zum Ewigen." Daraus geht hervor, 
dass Mose und Aaron vorangingen, Nadab und Abihu ihnen 
folgten und alle Israeliten nach ihnen. Da sprachen sie (die Söhne): 
Wann werden diese beiden Alten einmal sterben, dass wir die Herr- 
schaft über die Gesammtheit erlangen? R. Judan im Namen des 
R. Ibo sagte: Sie sprachen mit ihrem Munde einer zum andern. 
R. Pinchas sagte: Sie haben es nur in ihrem Herzen gedacht. R. 
Berachja sagte zu ihnen Prov. 27, i: „Rühme dich nicht des mor- 
genden Tages," es sind schon viele junge Maulesel gefallen und 
ihre Felle sind über ihre Mütter ausgebreitet worden. Dann lässt 
es sich auch beweisen aus Ex. 24, 11: „Und an die Edlen der 
Kinder Israels." Daraus schliesst R. Pinchas, dass sie sogar würdig 
waren, Hand anzulegen; denn R. Josua hat gesagt: Sind denn 
Kuchen mit ihnen vom Sinai hinaufgestiegen, dass du sagst, sie 
haben Gott gesehen? Allein es ist so zu verstehen: Sie haben ihre 
Augen geweidet an der Schechina. Das.: „Und sie schauten Gott," 
wie ein Mensch, der einen anderen beim Essen und Trinken er- 
blickt. Nach R. Jochanan war es ein wirkliches Essen, wie es heisst 
Prov. 16, 15: „Im Lichte des Angesichts des Königs ist Leben." 
Nach R. Tanchuma geht daraus hervor, dass sie ihre Häupter ent- 
blössten, ihr Herz erhoben und ihre Augen an der Schechina 
weideten. R. Josua von Sichnin sagte im Namen des R. Levi: Ob- 
wohl Mose seine Augen nicht an der Schechina geweidet hat, so 
hat er doch einen Genuss an ihr gehabt. Er hat seine Augen nicht 
an der Schechina geweidet, wie es heisst Ex. 3, 6: „Und Mose ver- 
barg sein Angesicht," er hat aber einen Genuss an der Schechina 
gehabt, wie es heisst das. 34, 29: „Mose wusste nicht, dass die 
Haut seines Angesichts Strahlen warf." Als Lohn dafür, dass er sein 
Angesicht verbarg, hatte er das Glück s. das. 33, 11: „Dass der 
Ewige zu Mose redete von Angesicht zu Angesicht," und als Lohn 
dafür, dass er sich fürchtete, hatte er das Glück, dass die Israeliten 
auch Furcht hatten, sich ihm zu nahen, und als Lohn dafür, dass 
er schaute, war er so glücklich Num. 12, 7: „Die Gestalt des 
Ewigen zu schauen." Dagegen Nadab und Abihu haben ihre Augen 
an der Schechina geweidet, ohne aber einen Genuss davon zu haben, 
weil es heisst: „Nadab und Abihu starben vor dem Ewigen." Sind 
sie denn vor (in Gegenwart des) dem Ewigen gestorben? Allein 
daraus ergiebt sich, dass es vor Gott schwer ist (schwer fällte, wenn 
die Kinder der Gerechten bei deren Lebzeiten sterben. R. Judan 



f 



Par. XX. Cap. XVI, I. 



137 



J[^ö Joppe fragte den R. Pinchas bar R. Chama im Namen des 

^* Simon: Die Worte: „vor dem Ewigen" stehen hier zweimal, und 

^5^rt iieisst es: „vor ihrem Vater Aaron," und das steht doch nur 

J^^^imal? Allein daraus geht hervor, dass es Gott doppelt so schwer 

"^^J, als ihrem Vater. 

Es heisst Num. 3, 4: „In der Wüste Sinai." R. Meir fragte: 

ind sie denn in der Wüste gestorben? Allein daraus geht hervor, 

«iss sie schon damals am Berge Sinai ihr Todesurtheil empfangen 

atten. Gleich einem Könige, der seine Tochter verheirathete, es 

aber etwas Unrechtes an ihrem Brautführer gefunden. Da sprach 

er König: Richte ich ihn jetzt hin, so trübe ich die (Hochzeits-) 

reude meiner Tochter, allein morgen kommt meine Freude, es ist 

esser, wei\p es an meiner als an der Freude meiner Tochter ge- 

s^:hieht. So sprach auch Gott: Bringe ich ihn jetzt ums Leben, 

'^iehe, so trübe ich die Freude meiner Tochter, morgen kommt 

ixieine Freude. Meine Tochter d. i. die Thora. Cant. 3, 11: „Am 

Tage seiner Hochzeit und am Tage der Freude seines Herzens." 

„Am Tage seiner Hochzeit" d. i. der Berg Sinai, „und am Tage der 

Freude seines Herzens" d. i. das Versammlungszelt. 

Es heisst Num. 3, 4: „Und Kinder hatten sie nicht" R. Jacob 
bar Abin im Namen des R. Abin im Namen des R. Acha sagte: 
Hätten sie Kinder gehabt, so wären dieselben dem Eleasar und 
Itbamar vorangegangen. Dort ist gelehrt worden: Wer beim Erben 
vorangeht (ein Vorrecht hat), geht auch in der Würde voran, jedoch 
nur dann, wenn er sich so aufführt, wie seine Väter. 

Es heisst Num. 3, 4: „Eleasar und Ithamar versahen das 
Priesteramt unter ihrem Vater Aaron." Das war nach R. Jizchak 
noch bei seinen Lebzeiten, nach R. Chija bar Abba aber nach 
seinem Tode. Nach der Meinung des R. Chija bar Abba, der ge- 
sagt hat, dass es nach seinem Tode gewesen sei, ist der Grund, 
weil es hier heisst: "^rc und dort Gen. 23, 3 heisst es auch: „Und 
Abraham erhob sich von dem Angesichte ("»3d) seines Todten." Wie 
dort das Wort "»SD nach dem Tode bedeutet, so bedeutet es auch 
hier nach dem Tode. Nach der Meinung des R. Jizchak, der ge- 
sagt hat: es war bei seinem Leben, ist der Grund, weil es hier 
heisst: ^:d r^r, und dort Gen. 11, 28 heisst es auah: „Und es starb 
Haran vor dem Angesicht ("«DD bT) seines Vaters Therach." Sowie 
dort das Wort bei Lebzeiten bedeutet, so bedeutet es auch hier bei 
Lebzeiten (und zwar war es so:) Hatte bei Lebzeiten sich Aaron 
verunreinigt, so versah Eleasar, und hatte sich dieser verunreinigt, so 
versah Ithamar das Amt, Simon ben Kamchit hatte eine Unterredung 
mit einem arabischen König, es kam Speichel von ihm beim Sprechen 
aus seinem Munde auf seine (d. i. Simons) Kleider und verunreinigte 
ihn. Da ging Jehuda, sein Bruder hinein und versah an seiner 
Statt das Hohepriesteramt. An diesem Tage sah ihre Mutter zwei 
ihrer Söhne als Hohepriester. Man erzählt, dass sie dem Kamchit 
sieben Söhne geboren habe, die alle das Hohepriesteramt be- 



138 Par. XXI. Cap. XVI, i. 3. 

kleideten. Man schickte nach ihr und fragte sie» welche guten 
Werke sie gethan habe, und sie antwortete ihnen: Nie haben die 
Balken meines Hauses die Haare meines Hauptes gesehen, oder wie 
manche sagen: Mein Hemd. Daraus entstand die Redensart: Alles 
Mehl («•'•'nTDp bD, der Kinder der Welt) ist Mehl (nrp), aber das 
Mehl der Kamchit (n-'nÄpi nrpj ist das beste Mehl (rVo). Und 
man wandte auf sie (die Frau) an Ps. 45, 14: „Ganz Pracht ist 
die Königstochter im Innern.** Nach der Ansicht des R. Chija bar 
Abba, welcher gesagt hat: (es geschah) nach seinem (Aarons) Tode, 
(war es so:) Nach Aarons Tode versah Eleasar und nach Eleasars 
Tode versah Ithamar das Amt. R. Abba bar Abina hat gesagt: 
Warum stehen die zwei Abschnitte, der, welcher vom Tode der Mirjam 
und der, welcher von der rothen Kuh handelt, beisammen? Um 
zu lehren: Sowie die Asche der Kuh sühnt, so sühnt auch der Tod 
der Gerechten. R. Juden sagte: Warum folgt auf die Erzählung 
von Aarons Tode die von den zerbrochenen Bundestafeln? Um zu 
lehren, dass der Tod Aarons vor Gott so schwer (von Wichtigkeit) 
ist, wie das Zerbrechen der Bundestafeln. R. Chija bar Abba sagte: 
Am ersten Tage des Monats Nisan sind Aarons Söhne gestorben. 
Und warum wird ihr Tod am Versöhnungstage erwähnt? Um zu 
lehren: Sowie der Versöhnungstag sühnt, so sühnt auch der Tod 
der Gerechten. Und woher lässt sich beweisen, dass der Versöh- 
nungstag sühnt? Weil es heisst Lev. 16, 30: „Denn an diesem 
Tage wird er euch versöhnen, euch zu reinigen von allen euren 
Sünden.** Und woher lässt sich beweisen, dass der Tod der Ge- 
rechten sühnt? Weil es heisst 2 Sam. 21, 14: „Sie begruben die 
Gebeine Sauls,** und darauf folgt: „Und Gott liess sich erbitten vom 
Lande hernachmals.** 

Parascha XXL 

Cap. XVI, 3. Damit soll Aaron kommen. In Verbindung 
mit Ps. 27, i: „Der Ewige ist mein Licht und mein Heil, vor 
wem sollt' ich mich fürchten?** R. Eleasar deutete diesen Vers auf 
den Durchgang durch das Meer. „Mein Licht** d. i. am Meere, 
wie es heisst Ex. 14, 20: „Er erleuchtete die Nacht.** „Mein Heil,** 
(wie Mose zu den Israeliten gesprochen das. V. 13:) „Steht ruhig 
und seht die Hilfe des Ewigen.** „Vor wem sollt' ich mich fürchten?" 
Das. Mose sprach: „Fürchtet euch nicht!** „Der Ewige ist die Schutz- 
wehr meines Lebens,** wie es heisst Ex. 15, 2: „Meine Hilfe und 
mein Gesang ist Jah.** „Vor wem sollt' ich mich fürchten?** wie es 
heisst: „Es fiel auf sie (die Aegypter) Furcht und Schrecken.'* Ps. 27, 2: 
„Wenn die Bösen sich mir nahen,** wie Pharao, als er herannahte, 
„um mein Fleisch zu essen.** Ex. 15, 9: „I^^r Feind sprach: Ich 
will nachsetzen und erreichen** u. s. w. R. Samuel bar Nacbman 
hat gesagt: Der Frevler scheidet nicht aus der Welt, als bis er sich 
sein Verdammungsurtheil mit seinem Munde gesprochen hat. Es 



Par. XXI. Cap. XVI, 3. 



139 



heisst Ex. 15, 9: i,Der Feind sprach: Ich will nachsetzen und er- 
reichen, Beute theilen, vertilgen soll sie meine Hand." Es heisst 
nicht: ot:"'*iin, sondern: irc-nn d. i. meinen Reichthum will ich 
in Besitz nehmen ('»'mry "»3« cm?:) und meine Ehre (falle) ihnen 
zu. „Meine Widersacher und meine Feinde," wie es heisst: „Pharao 
und sein Heer stürzte er in's Meer." Von hier und weiter sprach 
Israel Ps. 27, 3: „Mag auch ein Lager sich wider mich lagern," 
nämlich das der Aegypter, „so fürchtet sich nicht mein Herz, und 
mag sich ein Krieg gegen mich erheben," nämlich der Krieg der 
Aegypter, „dabei bleibe ich ruhig" d. i. damit hast du mich be- 
ruhigt, wie es heisst Ex. 14, 14: „Der Ewige wird für euch streiten." 

R. Samuel bar Nachman deutete den Vers auf die Philister. 
„Wenn Böse sich mir nahen," wie Goliath, von dem es heisst 
I Sam. 17, 16: „Und der Philister trat früh und abends hin;" 
„mein Fleisch zu essen" s. das. V. 44: „Und der Philister sprach 
zu David: Komm her zu mir, ich will dein Fleisch den Vögeln 
des Himmels geben." R. Abba bar Kahana sagte: Die Erde hielt 
ihn fest*) (so dass er ihn nicht angreifen konnte). R. Tanchuma 
sagte: Ich führe einen Grund an. Weil er nicht sprach: Ich komme 
zu dir, sondern: „Komm her zu mir!" so geht daraus hervor, dass 
die Erde ihn festhielt. R. Janai im Namen des R. Simeon bar R. 
Janai sagt: 248 eiserne Ketten hat Gott an die 248 Glieder des 
Menschen gegeben (gelegt). In dieser Stunde sprach David Ps. 140, 9: 
„Gewähre, Ewiger, nicht die Wünsche des Frevlers" d. i. gewähre 
ihm nicht seinen Wunsch (sein Verlangen); „ihre Absicht erfülle 
nicht" d. i. lass ihn nicht los; „lass sie sich nicht erheben" d. i. 
die Stärke oder Schultern (lass sich nicht erheben). R. Judan sagte: 
Goliath fand Lust an David, denn er war schön von Augen und 
lieblich von Ansehen. Darauf sprach David: „Gewähre, Ewiger, 
nicht die Begierde des Frevlers" d. i. das Verlangen, aber Prov. 
10, 24: „Das Verlangen der Gerechten gewähre." Die Rabbinen 
sagten: Er schlug ihn mit Aussatz, wie es heisst i Sam. 17, 46: 
„Der Ewige wird dich in meine Hand liefern." Das Wort *]*i:iO^ 
bedeutet nur Aussatz, wie es heisst: „Der Priester schliesse ihn ein." 
Es heisst Ps. 27, 2: „Meine Widersacher und meine Feinde." Und 
I Sam. 17, 49 heisst es: „Der Stein fuhr in seine Stirne." Von hier 
an und weiter sprach David vor Gott: „Mag auch ein Lager sich 
wider mich lagern," nämlich das Lager der Philister, „so fürchtet 
sich mein Herz nicht," „und mag sich ein Krieg wider mich er- 
heben," nämlich der Krieg der Philister, „dabei vertraue ich" d. i. 
in diesem. R. Levi sagte: In den Gesetzen, welche uns Mose in 
der Thora geschrieben hat, spricht er zu den Alten Deut. 33, 7: 
„Und dieses (rNTi) dem Jehuda." 

R. Josua ben Levi deutete den Vers auf die Amalekiter. 
„Wenn Böse sich mir nahen," nämlich die Amalekiter, wie es heisst 

•) Vergl. die Sage vom Riesen Ant^us. 



I40 Par. XXI. Cap. XVI, 3. 

I Sam. 30, 2: „Da waren die Amalekiter eingefallen nach Mittag 
in Ziklag;" „mein Fleisch zu essen," sie führten Davids zwei 
Frauen gefangen hinweg; „meine Widersacher und meine Feinde" 
s. das. V. 17: „David schlug sie von der Morgendämmerung an bis 
zum Abend des anderen Tages." Was ist Dn*in?3b? Nach R. Josua 
ben Levi bedeutet es zwei Nächte und einen Tag. Und wer hat 
ihm geleuchtet? Gott mit Brandpfeilen und Blitzen. Das sagt auch 
David Ps. 18, 29: „Denn du liessest meine Leuchte scheinen." Von 
hier an und weiter sprach David: „Mag auch ein Lager sich wider 
mich lagern," wie das der Amalekiter, „so fürchtet sich mein Herz 
nicht," „und mag sich auch ein Krieg wider mich erheben," wie 
der Krieg der Amalekiter, „dabei vertraue ich." 

R. Levi sagte: In den Gesetzen, welche Mose den Alten ge- 
schrieben hat, heisst es Deut. 18, 7: „Und dieses (PNT^) dem Jehuda." 

Die Rabbinen legen den Vers auf den Neujahrstag und Ver- 
söhnungstag aus. „Der Ewige ist mein Licht," am Neuenjahr, „und 
mein Helfer," am Versöhnungstage, „vor wem sollt' ich mich 
fürchten," „mein Sieg und Sang ist Jah." „Wenn die Bösen sich 
mir nahen," nämlich die Fürsten der Völker der Welt, „um mein 
Fleisch zu essen," weil die Fürsten (Schutzherren) der Völker der 
Welt kommen und die Israeliten vor Gott anklagen und vor ihm 
sprechen: Herr der Welt! diese dienen den Götzen und jene dienen 
den Götzen, diese treiben Unzucht und jene treiben Unzucht, diese 
üben Blutvergiessen und jene üben Blutvergiessen, warum fahren 
jene in die Hölle und diese nicht? „Meine Widersacher und meine 
Feinde," in den Tagen des Sonnen Jahres, das 365 Tage hat Das 
Wort ptsn hat 364 in der Zahl, denn alle Tage des Jahres klagt 
der Satan an, nur am Versöhnungstage nicht. Die Israeliten spre- 
chen vor Gott: „Mag auch ein Lager sich wider mich lagern," wie 
das Lager Samaels, „so fürchtet mein Herz nichts," denn du hast 
mich damit beruhigt (mit pkt), wie es heisst: „Damit soll Aaron 
in das Heiligthum kommen." 

„Damit soll Aaron in das Heiligthum kommen." Das steht 
auch geschrieben Prov. 24, 6: „Durch kluge Leitung führe Krieg." 
R. Nathan und R. Acha sagten im Namen des R. Simon: Wenn 
du Bündel von Uebertretungen begangen hast, so thue dagegen 
Bündel von Geboten. Gegen: „stolze Augen" (Prov. 6, 17) heisst es 
£x. 12, 16 vergl. Deut. 6, 8: „sie seien zum Stirnband zwischen 
deinen Augen;" gegen: „lügenhafte Zunge" (Prov. 16, 17) heisst es 
Deut. 6, 8: „Ihr sollt sie euem Kindern lehren;" gegen: „Hände, 
die unschuldiges Blut vergiessen" (Prov. 16, 17) heisst es Deut. 6, 8: 
„Und knüpfe sie zum Zeichen auf deine Hand;" gegen: „ein Herz, 
was arge Gedanken hegt," heisst es Deut. 6, 5: „Und habe alle 
diese Worte im Herzen;" gegen: „Füsse, die zum Bösen laufen," 
laufe du nach der Beschneidung, welche zwischen den Knieen ist; 
gegen: „wer Lügen ausspricht als falscher Zeuge" heisst es Jes. 43, 10: 
„Ihr seid meine Zeugen, spricht der Ewige, auf dass ihr es erkennet 



Par. XXI. Cap. XVI, 3. 1^1 

und mir glaubet" „Und der Zank zwischen Brüdern anstiftet" 

s. Ps. 34, 15: „Suche Frieden und strebe ihm nach." R. Jochanan 

legte den Vers auf die Steuerleute aus; denn R. Jochanan hat 

gesagt: Immer mache sich der Mensch zu einem Steuermann (Lenker), 

sowie er nur ein gutes Werk vollbringen kann. R. Banai legte den 

'Vers auf die Mischnajot aus; denn R. Banai hat gesagt: Immer 

versenke sich der Mensch in die Mischnajot, denn wenn ihm etwas 

verschlossen ist, so wird es ihm aufgethan, wenn zum Talmud, so 

zum Talmud, wenn zur Haggada, so zur Haggada. R. Eleasar 

im Namen des R. Josua ben Levi sagte: Eine eiserne Säule ist 

die Miscbna. R. Judan legte den Vers auf den Hohenpriester aus, 

wenn er in das Allerheiligste trat, ganze Bändel von Geboten waren 

da in seiner Hand: 1) im Verdienste der Thora, von der es heisst 

Deut 4, 44: „Und das ist das Gesetz (Thora);" 2) im Verdienste 

der Beschneidung, von der es heisst Jes. 59, 21: „Das ist mein 

Bund mit ihnen;" 3) im Verdienste des Sabbaths, von dem es heisst 

Jes. 56, 2: „Heil dem Menschen, der dieses thut;" 4) im Verdienste 

Jerusalems, von dem es heisst Ezech. 5, 5: „Das ist Jerusalem;" 

6) im Verdienste der Stamme, von denen es heisst Gen. 49, 28: 

„Und das ist das, was ihr Vater zu ihnen gesprochen hat;*' 8) im 

Verdienste Israels, von dem es heisst Cant. 7, 8: „Dieses ist deine 

Höhe;" 9) im Verdienste der Hebe, von der es heisst Ex. 25, 3: 

„Das soll die Hebe sein;" 10) im Verdienste der Zehnten, von denen 

es heisst Mal. 3, 10: „Und prüfet mich dadurch;" 11) im Verdienste 

der Opfer, von denen es hier heisst: „Damit soll Aaron kommen."*) 

Was steht voran? „Der Ewige sprach zu Mose: Sprich zu deinem 

Bruder Aaron" d. i. nach R. Abin: Geh', tröste ihn mit Worten, 

vergl. Jes. 40, 2: „Rede zum Herzen Jerusalems." „Er komme nicht 

zu jeder Zdt" (in das Heiligthum). Nach R. Jehuda bar R. Simon 

war das ein grosser Schmerz für Mose. Wehe mir, dachte er, sollte 

denn mein Bruder Aaron allein aus seinem Wirkungskreise gestossen 

werden? Alles hat eine Zeit; die Stunde hat eine Zeit, und er soll 

nicht zu jeder Zeit kommen? Der Tag hat eine Zeit s. Ezech. 4, 16: 

„Wasser sollen sie mit Mass trinken;" das Jahr hat eine Zeit s. 

2 Sam. 11, 1: „Und es geschah bei der Rückkehr des Jahres;" zwölf 

Jahre haben eine Zeit s. Ps. 105, 19: „Bis zur Zeit, da sein Wort 

eintraf;" 70 Jahre haben eine Zeit s. Dan. 9, 2: „Dass über den 

TrüDMnem Jerusalems vergehen sollten 70 Jahre," und ebenso Jerem. 

27, 7: wBis das die Zeit seines Landes kommt;" die Welt hat eine 

Zeit s. Ps. 4, 8: „Freude legst du in mein Herz mehr als zur Zeit 

ihres Kornes." Gott sprach zu Mose: Nicht wie du meinst, es giebt 

keine Zeit für die Stunde, für den Tag, für das Jahr, für 12 Jahre, 

für 70 Jahre und für die Welt, allein warum soll er nicht zu jeder 

Stunde hineingehen, wenn es ihm beliebt, sondern nur nach einer 



•) In allen oben angeführten Beispielen kommt es auf das Wort 
niCT an. 



1^2 Par. XXI. Cap. XVI, 3. 

festgesetzten Zeit (Ordnung)? R. Jehuda bar R. Eleasar sagte: (Er 
ging hinein) mit 36 Paar Schellen und mit 36 Granatäpfeln (im 
Saum seines Kleides). Die Rabbinen sagen: Mit 72 Paar Schellen 
und 72 Granatäpfeln. R. Chanina ben Chachinai und R. Simeon 
ben Jochai gingen, um Thora zu lernen (Unterricht zu nehmen) zu 
R. Akiba in B'ne Berak, wo sie dreizehn Jahre verweilten. R. Si- 
meon ben Jochai schickte immer nach Hause, um zu erfahren, aber 
R. Chanina schickte nicht nach Hause, um zu erfahren, was da 
vorging. Da Hess ihm sein Weib sagen: Deine Tochter ist mann- 
bar (heirathsfahig), komm und verheirathe sie. Als es R. Akiba 
im heiligen Geiste sah (ahnte), sprach er zu ihnen: Wer eine mann- 
bare (heiraths fähige) Tochter hat, gehe nach Hause und verheirathe 
sie. R. Simeon ben Jochai merkte es, nahm Erlaubniss und ging 
fort. Als er in sein Haus eintreten wollte, fand er, dass alles in 
einen andern Winkel geräumt war. Was that er? Er setzte sich 
an dem Orte nieder, wo die Frauen Wasser füllten. Da hörte 
er die Stimmen der Mädchen, wie sie riefen: Tochter Chanina 's, 
fülle deinen Krug und komm herauf! Was that er? Er ging 
hinter ihr her, als sie in das Haus eingetreten war, trat auch 
er nach ihr plötzlich ein, sein Weib aber hatte ihn kaum erblickt, 
so ging ihr die Seele aus. Da sprach er: Herr der Welt, ist das 
ihr Lohn, dass sie dreizehn Jahre auf mich gewartet hat? In diesem 
Augenblick kehrte ihre Seele wieder in ihren Körper zurück.*) 

R. Simeon ben Jochai hat gesagt: Vier Dinge hasst Gott und 
auch ich liebe sie nicht: wer das männliche Glied angreift und 
Wasser abschlägt, wer den Beischlaf auf seinem Lager nackt aus- 
übt, wer Dinge zwischen Eheleuten zur öffentlichen Besprechung 
bringt und wer plötzlich in sein Haus eintritt, geschweige (eigentlich: 
ich brauche es nicht zu sagen,) wer in das Haus eines andern ein- 
tritt. Rab sagte: Tritt nicht plötzlich in eine Stadt und auch nicht 
plötzlich in ein Haus ein; ist deine Tochter mannbar (heirathsfahig), 
entlasse deinen Knecht (gieb ihm die Freiheit) und gieb sie ihm. 
Als R. Jochanan hinaufging, um R. Chanina zu begrüssen, machte 
er, bevor er eintrat, ein Geräusch, weil es liier (vom Hohenpriester) 
heisst: „Seine Stimme werde gehört." 

Oder: „Damit soll Aaron kommen." R. Berachja sagte im 
Namen des R. Levi: Damit verkündigte ihm die Schrift, dass er 
410 Jahre leben werde. Was fällt dir ein, dass Aaron 410 Jahre 
leben sollte? Allein hier ist das erste Heiligthum gemeint, was 
410 Jahr bestehen sollte, weil darin (die Priester ihr Amt) mit 
Redlichkeit versahen, es haben auch (während dieser Zeit) nur acht- 
zehn Priester gewirkt und zwar immer Vater, Sohn und Enkel. Im 
zweiten Heiligthum aber, weil da das Priesteramt käuflich war (eig. 
weil sie es mit Geld nahmen), oder wie Manche sagen, weil sie 
sich einander durch Zauberkünste getödtet haben, haben achtzig 



•) Vergl. Ketub. fol. 62 b. 



Par. XXI. Cap. XVI, 3. 



143 



Priester den Dienst versehen. Manche sagen: einundachtzig, andere: 
zweiundachtzig und noch andere: vierundachtzig. Unter diesen be- 
kleidete Simeon der Gerechte vierzig Jahr die Priesterwürde. Weil 
sie aber dieses Amt käuflich gemacht hatten, wurden ihre Jahre 
(Amtsjahre) abgekürzt 

Einst trug es sich zu, dass jemand (der von der Regierung das 
Hohepriesterthum erlangen wollte) durch seinen Sohn zwei silberne 
Masse mit silberner Füllung und silbernen Abstreichern schickte, 
bald darauf aber schickte ein anderer durch seinen Sohn zwei gol- 
dene Masse mit goldener Füllung und goldenen Abstreichern. Hierauf 
wandte man das Sprichwort an: Das Eselsfüllen hat den Leuchter 
umgestossen. *) Auf jene wandte R. Acha an Prov. 10, 27: „Die 
Furcht des Ewigen vermehrt die Tage*' d. s. die, welche im ersten 
Tempel den Dienst versehen haben; „die Jahre der Frevler aber 
werden abgekürzt*' d. s. die Priester, welche im zweiten Tempel 
den Dienst versehen haben. R. Chanina und R. Josua ben Levi, 
Genossen (Schüler) der Rabbinen sagten: Warum amtirt der Hohe- 
priester in acht Kleidern? Gegen die acht Tage der Beschneidung, 
welche nach acht Tagen erfolgt, wie es heisst Mal. 2, 5: „Mein 
Bund mit ihm war Leben und Frieden.** R. Simon fragte im Namen 
des R. Josua: Warum geht der Hohepriester nicht in goldenen 
Kleidern hinein? Weil ein Ankläger nicht zugleich ein Vertheidiger 
werden kann**), damit dem Satan kein Anlass gegeben werde zu 
sprechen: Gestern haben sie sich Götter von Gold gemacht und 
heute wollen sie den Altar mit goldenen Kleidern bedienen. R. Josua 
von Sichnin im Namen des R. Levi gab den Grund an: Um das 
Geld der Israeliten zu schonen. R. Levi sagt: Um Stolz zu ver- 
hindern, wie es heisst Prov. 25, 6: „Brüste dich nicht vor einem 
Könige.'* 

„mit einem jungen Stier,** das erinnert an Abraham, im Ver- 
dienste von Gen. 18, 7: „Und Abraham lief zu den Rindern.** „Und 
einen Widder zum Brandopfer,** das erinnert an Jizchak, im 
Verdienste von das. 22, 13 : „Siehe, ein Widder war hinten, verwickelt 
im Dickicht.** Eine Ziege im Verdienste Jacobs s. das. 27, 9: „Nimm 
mir von da zwei gute Ziegenböckchen.** R. Berachja sagte im 
Namen des R. Levi: Was heisst: D'^mcs, gute? Solche, die gut sind 
für dich, und gut für deine Kinder; gut für dich, dass du die väter- 
lichen Segnungen erhältst, und gut für deine Kinder, weil sie da- 
durch am Versöhnungstage versöhnt werden, wie es heisst Lev. 16, 30: 
„Denn an diesem Tage wird er euch versöhnen.** Diese Thiere 
erinnern aber nur an die Väter, woher lässt sich aber beweisen, 
dass sie auch an die Mutter erinnern? Weil es (viermal in diesem 
Verse) heisst: nn, allein (d. i. ein jeder einzeln mit seinem Weibe). 
R. Berachja und R. Jeremja im Namen des R. Chija sagten: Sowie 



♦) Vergl. Jerusch. Joma I, 38 1>. 
•*j Das Gold würde an das goldene Kalb erinnern. 



l^^ Par. XXI. XXII. Cap. XVI, 3. 23. 17. XVII, 3. 

die oberen Reihen sind auch die unteren Reihen. Von den oberen 
Reihen heisst es Ezech. 9, 2: „Und ein Mann war in ihrer Mitte, 
gekleidet in Linnen (o^ns);" ebenso heisst es von den unteren 
Lev. 16, 4: „Einen heiligen Leibrock von Linnen soll er anziehen." 

V. 23. Und Aaron komme in das Versammlungszelt. 
R. Chija hat gelehrt: Daraus geht hervor, dass die Kleider ver- 
borgen gehalten werden müssen, und nicht tauglich sind für einen 
andern Versöhnungstag. R. Dosa sagt: Für einen gemeinen Prie- 
ster sind sie tauglich. 

V. 17. Und kein Mensch soll in dem Versammlungs- 
zelte sein. In dem Jahre, in welchem Simeon der Gerechte starb, 
sagte er es vorher schon, dass er sterben werde. Man fragte ihn: 
Woher weisst du es? Er antwortete: In jedem Jahre ging ein 
weissgekleideter und verhüllter Greis mir mir hinein und wieder mit 
mir heraus, in diesem Jahre aber ging er wohl mit mir hinein, 
aber nicht wieder mit mir heraus. Wer sagt mir aber, bemerkte 
R. Abuhu, dass es ein Mensch war? Ist nicht Gott in seiner 
Herrlichkeit mit ihm hinein- und wieder herausgegangen? R. Abnhu 
sagte : War denn der Hohepriester kein Mensch? Allein es ist wie 
das, was R. Pinchas gesagt hat: In der Stunde, wo der heilige 
Geist auf ihm ruhte, brannte sein Antlitz wie Fackeln. "Das sagt 
auch Mal. 2, 7: „Denn die Lippen des Priesters sollen Kenntniss 
bewahren." 

Parascha XXIL 

Cap. XVII. V. 3. „Ein Jeder vom Hause Israels, der 
einen Ochsen, ein Schaf oder eine Ziege schlachtet." In 
Verbindung mit Koh. 5, 8: „Das Ueberflüssige eines Landes gehört 
mit zum Ganzen." R. Jehuda und R. Nechemja. R. Jehuda sagte: 
Selbst die Dinge, die ihr für überflüssig in der Welt haltet, gehören 
zum Ganzen (zum Nutzen) der Welt, wie Hanf, um Stricke daraus 
zu machen, bitteres Kraut, um den Wein damit zu würzen. „Ein 
König ist dem Felde dienstbar" d. i. selbst ein König, der von 
einem Ende der Welt bis zum andern herrscht, ist dem Felde 
dienstbar. Hat das Land Früchte getragen, so hat auch er gewirkt, 
hat das Land dagegen keine Früchte gebracht, so hat auch er 
nichts gewirkt. Darum heisst es das. V. 9: „Wer Silber liebt, wird 
des Silbers nicht satt" d. i. wer den Mammon liebt, wird des Mam- 
mons nicht satt, „und wer Geräusch liebt, hat keinen Nutzen davon** 
d. i. wer gierig tobt und lüstern ist nach dem Mammon, hat aber 
keinen Grundbesitz, was hat er für einen Nutzen davon? R. Ismael 
bar R. Tanchum und R. Chanin bar Rabbi im Namen des R. Je* 
remja sagte mit Bezug auf Ezech. 27, 29: „Sie werden aus ihren 
Schiffen steigen .... werden auf dem Lande stehen." Wissen wir 



Pai. XXII. Cap. XVir, 3. X45 

denn nicht (wenn sie aus den Schüfen steigen), dass sie auf dem 
Lande stehen? Allein siehe, wenn das Schiff des einen im Meere 
untergegangen ist, er hat aber Grundbesitz auf dem Lande, so wird 
er bestehen (Bestand haben), hat er aber keinen Grundbesitz, so 
giebt es keine grössere Eitelkeit als diese. R. Nechemja sagte: 
„Der Ueberflnss eines Landes gehört mit zum Ganzen'* d. i. selbst 
die Dinge, welche du in der Gesetzgebung für überflussig findest, 
wie z. B. die Halachot (Regeln) über die Zizith, Thephillin und Me- 
snsa, auch sie gehören zum Ganzen der Gesetzgebung, wie es 
beisst Deut 9, 10: „Der Ewige gab mir die zwei steinernen Tafeln, 
beschrieben mit dem Finger Gottes und auf ihnen wie alle diese 
Worte.** R. Josua ben Levi sagte: „Und auf ihnen wie alle diese 
Worte** und V. 8 heisst es: „Jedes Gebot, was ich" u. s. w. Es 
heisst nicht bD, sondern b^D, und nicht D"^")m, sondern C'^'n^ann, 
nicht matr, sondern m^trn. Darunter ist Schrift, Mischna, Ha- 
lachot, Talmud, Thosaphot (Nachträge) und Haggadot und selbst 
das, was einst ein alter (tüchtiger) Schüler vor seinem Lehrer sagen 
(vorbringen) wird, mit inbegriffen, alle sind dem Mose auf dem 
Sinai mitgetheilt worden, wie es heisst Koh. i, 10: „Giebt es auch 
etwas, von dem man sagen möchte: siehe, das ist etwas Neues?** 
und sein Genosse antwortet ihm darauf: Das alles ist schon längst 
dagewesen. „Der König ist dem Felde dienstbar.** R. Jehuda und 
R. Nechemja. Nach R. Jehuda ist unter „König** der Talmudist, 
unter „dem Felde dienstbar** der Mischnakundige zu verstehen, weil 
er die Halacha vor ihm ordnet Nach R. Nechemja dagegen ist 
nnter „König** der Mischnakundige und unter „dem Felde dienst- 
bar" der Talmudkundige zu verstehen, weil er die Halacha vor ihm 
annimmt Darum „wer Silber liebt, wird des Silbers nicht satt'* 
d. i. wer die Thora liebt, wird der Thora nicht satt, „und wer 
Geräusch ("(imn) liebt** u. s. w., denn wer gierig nach der Thora 
ist, aber keinen Schüler hat, was hat er für einen Nutzen davon? 
R. Abba bar R. Abba im Namen des R. Acha sagt: „Wer 
lernt und nicht lehrt, eine grössere Eitelkeit als die giebt es nicht. 
Die Rabbinen sagen: „Der Ueberfluss eines Landes** u. s. w. Selbst 
die Dinge, welche ihr für überflüssig in der Welt haltet, wie z. B. 
Fliegen, Flöhe und Mücken, auch sie gehören mit zum Ganzen 
der Schöpfung, wie es heisst Gen. 2, i : „Und es wurden vollendet 
Himmel und Erde und all ihr Heer.** „Der König ist dem Felde 
dienstbar** d. i. Gott, von dem es heisst Ps. 93, i : „Der Ewige ist 
Köm'g, mit Hoheit angethan.** „Dem Felde dienstbar** d. i. Zion, 
wie es heisst Mich. 3, 12: „^ion wird darum euerthalben als Feld 
gepflügt** Darum „wer Silber liebt, wird des Silbers nicht satt" 
d. i. wer das Gebot (die Vorschrift) liebt, wird des Gebotes nicht 
satt, „und wer Geräusch liebt** u. s. w., denn wer gierig nach den 
Geboten ist und ein für Geschlechter feststehendes Gebot nicht hat, 
was hat er für einen Nutzen davon? Du kannst es auch daraus 
erkennen, dass es so ist; denn siehe, wie viele Gebote und fromme 

WttDiche, Midrasch Wajikra. IG 



146 Par. XXII. Cap. XVII, 3. 

Handlungen hat Mose ausgeübt, wie viele gute Werke hat er voll- 
bracht (waren in seiner Hand) und er hatte ein für die Geschlechter 
feststehendes Gebot, wie es heisst Deut. 4, 41: „Damals sonderte 
Mose aus." 

Oder: „Der Ueberfluss eines Landes" u. s. w. Gott sprach 

* zu den Propheten: Wenn ihr nicht meine Sendung ausrichtet, so 
habe ich noch genug Boten. Das wollen die Worte sagen: „Der 
Ueberfluss eines Landes" u. s. w., durch alles kann ich meine 
Sendung ausrichten. R. Acha sagte: Durch alles verrichtet Gott 
seine Sendung, selbst durch eine Schlange, selbst durch einen Frosch» 
selbst durch einen Scorpion, selbst durch eine Mücke. Der ruch- 
lose Titus ging in das Allerheiligste mit gezücktem Schwert in seiner 
Hand, durchschnitt den Vorhang und nahm zwei Buhlerinnen und 
breitete eine Gesetzrolle unter ihnen aus und beschlief sie auf dem 
Altare und sein Schwert ward voll mit Blut. Manche sagen: vom 
Blute der Opfer, manche sagen: vom Blute des Farren und des 
Bockes, welche am Versöhnungstage dargebracht werden. £r fing 
an sich gegen den Allerhöchsten (nrV72, Gott) in Schmähungen und 
Lästerungen zu ergehen. Nicht gleicht der, sprach er, welcher mit 
einem König in der Wüste Krieg führt und ihn besiegt, demjenigen, 
welcher mit einem König in seinem Palaste Krieg führt und ihn 

> besiegt. Was machte er? Er raffte alle Gefässe im Heiligthum 
zusammen, legte sie in einen Korb und bestieg ein Schiff. Als er 
sich eingeschifft hatte (eig. als er hinabgestiegen war), erhob sich 
ein Sturm auf dem Meere. Er sprach: Es scheint mir, als wenn 
die Kraft dieses Gottes nur im Wasser läge. Das Geschlecht Enosch 
hat er nur mit Wasser bestraft, ebenso das Geschlecht der Fluth, 
ebenso Pharao und sein Heer. Auch ich — als ich in seinem 
Hause und in seinem Gebiete war, da konnte er nicht gegen mich 
bestehen und jetzt, da ich hier bin, kommt er mir zuvor. Da 
Frevler, gab ihm Gott zur Antwort, bei deinem Leben! durch das 
geringste Geschöpf, was ich in den sechs Tagen der Schöpfung 
erschaffen habe, werde ich dich bestrafen. Sogleich gab Gott dem 
Meere einen Wink und es stand ab von seinem Wüthen. Als Titus 
Rom erreicht hatte, zogen ihm alle Söhne Roms entgegen und 
priesen ihn als Besieger der Barbaren. Er Hess sich sogleich das 
Bad heizen, ging hinein und badete. Als er wieder herauskam, 
reichte man ihm einen Becher Wein. Gott aber fügte ihm eine 
Mücke hinein, welche ihm in seine Nase drang und sie frass und 
drang vor, bis sie sein Gehirn erreichte. Sie fing nun an sein Ge- 
hirn zu zerstechen. Rufet Aerzte herbeil befahl er, dass sie mein 
Gehirn spalten (eig. dass sie das Gehirn jenes Mannes spalten) 
und erkennen, womit der Gott dieser Nation mich (den Mann) 
bestraft habe. Man berief sofort die Aerzte und sie spalteten ihm 
sein Gehirn und fanden darin etwas (ein Thier), was so gross wie 
eine junge Taube war und ein Gewicht von zwei Litra hatte. Ich 
bin dort gewesen, bemerkte R. Elieser bar R. Jose und man legte 



Par. XXII. Cap. XVII, 3. 147 

die Taube von dieser Seite und zwei Litra von der andern Seite 
(in eine Wagschale) und es war diese leichter als jene. Dann nah- 
men sie es (das Thier) und legten es in eine Schüssel, was auf 
dieser Seite zwei (Litra) waren, das waren auch auf der andern 
sweL Die Mücke flog davon und (mit ihr) die Seele des ruchlosen Titus. 
Oder: „Der Ueberfluss eines Landes'* u. s. w. Ein Mann stand 
an einem Flusse und sah, wie ein Frosch einen Scorpion trug und 
durch den Fluss brachte. Da dachte er bei sich: Dieser (Scorpion) 
ist gewiss zu einer Sendung bestimmt, er durchschneidet den Fluss, 
g^eht, richtet die Sendung aus und kehrt wieder nach seinem Orte 
zurück. Bald darauf wurde ein Jammergeschrei in der Stadt ver- 
Dommen: N. N. hat ein Scorpion gestochen und ist gestorben. 

R. Pinchas im Namen des R. Chanin von Sepphoris erzählte: 
Ein Mann mähte im Thale Beth Schophre, da sah er ein Kraut, 
(Aückte es ab und machte sich einen Kranz daraus für sein Haupt. 
Da kam eine Schlange, er sah sie und tödtete sie. Da kam ein 
Sdilangenbeschwörer und besichtigte . die Schlange. £r sprach: Ich 
wundere nuch über den, welcher diese Schlange getödtet hat. Ich 
habe sie getödtet, sprach jener Mann. Da erhob er sein Gesicht 
ond sah das Kraut, aus welchem er sich einen Kranz für sein 
Hai^ gemacht hatte. £r sprach zu ihm: £s beruht auf Wahrheit, 
dass ich die Schlange getödtet habe. £r sprach zu ihm: Kannst 
da wohl dieses Kraut von deinem Haupte nehmen? Ja! Als er 
ei abgenommen hatte, sprach er weiter: Kannst du wohl dieser 
Schlange mit diesem Stocke nahen? Ja! Als er sich der Schlange 
&ahte, fielen ihm sogleich seine Glieder ab. 

R. Janai sass mit Lehrvorträgen beschäftigt am Thore der 
Stadt Da sah er eine Schlange zischend auf sich zukommen. Ver- 
folgte er sie von dieser Seite, so kam sie von jener Seite wieder 
herbei. Er sprach: Diese ist gewiss bestimmt, ihre Sendung zu 
^emchten. Bald darauf hörte man eine Stimme draussen in der 
Stadt: Den Mann N. N. hat eine Schlange gestochen und er ist 
gestorben. 

R. Eleasar sass und wandelte vor einem Abort auf und ab. 
Da kam ein Römer, hiess ihn aufstehen und setzte sich darauf. 
Das ist nicht umsonst, dachte R. Eleasar. Bald darauf kam eine 
Schlange hervor, sah ihn und tödtete ihn. Da wandte er auf ihn 
an Jcs. 43, 4: „Ich gebe einen Edomiter statt deiner."*) 

R. Eleasar stand am Hafen des Sees von Cäsarea und sah, 
^ ein Körbchen sich fortwälzte und auf ihn zukam. Er entzog 
sich demselben, allein es wälzte sich fort. Da dachte er: Es ist 
gewiss bestimmt, eine Sendung zu verrichten. Nach einigen Tagen 
tun ein Tabellarius, da wälzte es sich zwischen seine Füsse, dass 
tt daran strauchelte, hinfiel und starb. Man ging und durchsuchte 



•1 Der Midr. liest Ci», Edom -- VtJ'nK, einen Edomiter (Römer) für; 
3?f einen Menschen. 

10* 



148 Par. XXII. Cap. XVII, 3. 

ihn und fand, dass er sehr schlimme Schreiben (Edicte) gegen die 
Juden von Cäsarea bei sich trug« 

R. Simeon pflegte Untersuchungen anzustellen. Einstmals sass 
er in seinem Lustgarten, worin ein Stamm sich befand, da sah er, 
wie ein Auerbahn ein Nest sich darin machte. Da dachte er: Was 
will dieser schmutzige Vogel in diesem Lustgarten? R. Simeon 
ging und riss das Nest ein, allein der Auerbahn kam und stellte 
es wieder her. Was machte R. Simeon? £r ging und brachte eine 
Tafel und legte sie an die Oeffnung jenes Nestes und befestigte es 
mit einem Nagel. Was machte der Auerbahn? Er ging und holte 
ein Kraut, legte es auf den Nagel, dass dieser verbrannte. Was 
machte R. Simeon? Er sprach: Es ist gut, das Kraut zu verbergen, 
dass die Diebe nicht lernen es so anzuwenden und die Leute 
berauben. 

Der Esel des R. Janai frass einmal ein Kraut und wurde davon 
blind, er frass ein anderes Kraut und wurde davon wieder sehend. 

Zwei Männer gingen einmal hinauf auf jenen Wegen nach 
Tiberias, einer war blind, der andere sehend, und der, welcher 
sehend war, führte den Blinden. Sie setzten sich, um auszuruhen, 
am Wege nieder. Da ereignete es sich, dass sie von dem Kraute 
assen. Der, welcher sehend war, wurde blind, und der, welcher 
blind war, wurde sollend, so dass, als sie sich von da erhoben» 
der Blinde den Sehenden führte. 

Ein Mann kam von Babylon herauf und Hess sich, um aus- 
zuruhen, am Wege nieder. Da sah er, wie zwei Vögel sich mit- 
einander zankten und der eine von ihnen den andern tödtete. Da 
ging der andere und holte ein Kraut und legte es ihm auf und 
brachte ihn wieder zum Leben. Da dachte der Wanderer: Es ist 
gut, wenn ich etwas von dem Kraute mitnehme und damit die 
Todten im Lande Israel belebe. Als er seinen Weg fortsetzte, sah 
er einen todten Fuchs auf dem Wege liegen. Da dachte er: Es 
ist gut, wenn ich an dem Fuchse eine Probe mache. Er legte ihm 
das Kraut auf und rief ihn wieder in's Leben zurück. Darauf setzte 
der Wandrer seinen Weg fort, bis er an die steilen Anhöhen von 
Tyrus kam. Als er dieselben erreicht hatte, sah er einen todten 
Löwen auf dem Wege liegen. Da dachte er: Es ist gut, wenn ich 
an dem Löwen noch einen Versuch mache. Er legte ihm etwas 
von dem Kraute auf, der Löwe kehrte ins Leben zurück, erhob 
sich und frass ihn auf. Das ist es, was die Leute sagen: Hast du 
dem Bösen etwas Gutes gethan, so hast du dir Böses gethan; thue 
dem Bösen nichts Gutes, so wird dir nichts Böses widerfahren. 

R. Tanchuma sagte: Selbst mit dem Wasser richtet Gott seine 
Sendung aus. Ein Aussätziger ging einmal hinab, um sich in Ti- 
berias zu baden (tauchen). Da traf es sich, dass der Brunnen der 
Mirjam aufstieg und ihn bespülte, und dadurch ward er geheilt. 
Wo ist der Brunnen der Mirjam? Chija bar Abba sagte: Es heisst 
Num. 21, 20: „Und die Aussicht geht auf den Jeschimon;'' denn 



Par. XXn. Cap. XVII, 3. I^q 

"wer auf die Spitze des Berges Jeschimon steigt, sieht wie eine Art 
kleines Sieb im Meere von Tiberias, es ist der Brunnen der Mir- 
jam. R. Jochanan ben Nuri sagte: Die Rabbinen haben berechnet, 
dass er grade gegen das mittlere Thor des alten Versammlungs- 
hauses von Tiberias hin gerichtet liegt. 

R. Chama bar Papa im Namen des R. Jehuda bar R. Simon 
sagte: Auf verbotenen Höhen opferten die Israeliten in der Wüste, 
solange als die Wohnung noch nicht aufgestellt war, denn es ist 
<lort*) gelehrt worden: Solange die Wohnung noch nicht auf- 
gestellt war, waren die Höhen gestattet (erlaubt) und der Dienst 
geschah durch die Erstgebornen, nachdem aber die Wohnung auf- 
gestellt war, wurden die Höhen untersagt und der Dienst geschah 
durch die Priester. Auf diese Weise aber haben die Israeliten gegen 
das Verbot der Höhe in der Wüste gehandelt und es kamen Strafen 
«ber sie, und die Völker der Welt sprachen: Sie dienen seinem 
Namen und er bringt sie ums Leben. Darum sprach Gott zu Mose 
Lev. 17, 3. 4: „Geh, sage den Israeliten: ein jeglicher aus dem 
Hanse Israel, der einen Ochsen oder ein Schaf oder eine Ziege 

schlachtet im Lager und es vor die Thür des Versamm- 

langszeltes nicht bringt." 

Oder: „Ein jeglicher vom Hause Israel." Das sagt auch 
Jes. 66, 3: „Der den Ochsen schlachtet, erschlägt einen Mann, der 
ein Schaf opfert, erwürgt einen Hund, der Speisopfer darbringt, 
bringt Saublut, der Weihrauch anzündet, betet Götzen an." R. Jo- 
chanan und R. Simeon ben Lakisch. R. Jochanan sagte: Wer 
seinen Nächsten auch nur um den Werth einer Peruta beraubt, den 
erachtet die Schrift so, als wenn er ihn umgebracht hätte. Und 
hierzu haben wir viele Belege aus der Schrift, denn es heisst: ,,Der 
einen Ochsen schlachtet, der erschlägt einen Mann." Wer nur 
zu rauben pflegt, da verzehrt der Raub den Menschen. Ferner 
heisst es Prov. i, 19: „Also die Pfade aller, die nach Gewinn geizen, 
er raubt das Leben seines Besitzers;" desgleichen Joel 4, 19: „Wegen 
der Gewaltthätigkeit der Kinder Jehudas, welche unschuldiges Blut 
in ihrem Lande vergossen haben," und 2 Sam. 21, 5: „Sie sprachen 
ium König: Den Mann, welcher uns aufrieb und welcher wider uns 
sann, dass wir vertilgt würden und nicht mehr beständen im ganzen 
Gebiete Israels." Hatte er sie denn erschlagen oder nur daran 
gedacht? Allein weil er Nob, die Priesterstadt, die ihnen Unter- 
halt gereicht, zerstört hatte, erachtet es die Schrift so, als wenn 
er sie umgebracht hätte. Resch Lakisch versetzte den Vers in Jes.: 
Wer einen Menschen erschlägt, schlachtet einen Ochsen, wer einen 
Hund erwürgt, opfert ein Lamm, wer Saublut darbringt, bringt 
Speisopfer dar, wer Götzen anbetet, zündet Weihrauch an. Auch 
sie haben Lust an ihren Wegen. R. Eleasar fragte den R. Cha- 
nina, manche aber sagen umgekehrt, R. Chanina habe den R. Eleasar 



•) S. Scbachim fol. 112. 



I50 Par. XXII. Cap. XVII, 3. 

gefragt. Sollte denn das möglich sein, dass ein Lehrer einen Schüler 
gefragt habe? Allein er wollte ihn nur auf die Probe stellen. £r 
sprach zu ihm: Was heisst das, was Prov. 30, 7 — 9 geschrieben 
steht: „Zwei Dinge erbitte ich von dir: Falschheit und Lügenrede 
halte fem von mir; Armuth und Reichthum gieb mir nicht, lass 
mich verzehren das Brod meines Bedarfs; denn wenn ich übersatt 
würde, so könnte ich vielleicht verleugnen und sprechen: Wer ist 
der Ewige? Und würde ich arm, so könnte ich stehlen und mich 
an dem Namen meines Gottes vergreifen!" Welches von beiden 
ist wohl härter, das erste oder das letztere? Darauf antwortete er: 
Wir finden, dass Gott eher gegen Götzendienst als gegen Gottes- 
lästerung mit Nachsicht verfahrt. Und woher lässt sich beweisen,, 
dass Gott eher gegen Götzendienst nachsichtig verfahrt? Aus- 
Ezech. 20, 39: „Und ihr, Haus Israel! so spricht der Ewige Gott: 
Gehet hin und dienet ein jeder seinem Gräuel (Götzen) auch in 
Zukunft," und ferner heisst es das.: „Und meinen heiligen Namen 
entweiht nicht mehr." Und die Israeliten opferten auf den ver- 
botenen Höhen in der Wüste und es kamen Strafen über sie, und 
die Völker der Welt sahen es und sprachen: Sie opfern ihm und 
er bringt sie um. Darum sagte Gott zu Mose: Geh und sage dea 
Israeliten: hütet euch! dass ihr nicht mehr auf den verbotenen Höhen 
opfert. Daher warnt Mose die Israeliten und spricht zu ihnen: „Ein 
jeder aus dem Hause Israel, welcher schlachtet" u. s. w. R. Ismael 
und R. Akiba. R. Ismael sagte: Siehe, eine Erlaubniss wird aus 
einem Verbote gefolgert (von einem Verbote lässt sich auf eine Er- 
laubniss schliessen): weil die Israeliten nicht Fleisch nach Lust in der 
Wüste geniessen durften, so erlaubt ihnen die Schrift nur von Ge- 
schlachtetem zu geniessen. R. Akiba dagegen sagte: Siehe, das 
Verbot wird aus der Erlaubniss gefolgert: weil die Israeliten die Thiere 
(nicht schlachteten, sondern) durchbohrten und in der Wüste assen, so 
kommt die Schrift nicht und verbietet es ihnen, sondern (erlaubt ihnen 
nur) das Schlachten. R. Ismael hat gelehrt: Weil die Israeliten nicht 
Fleisch nach Lust in der Wüste essen durften, so warnt sie die 
Schrift, dass sie ihre Opfer zum Priester bringen sollen und dieser 
schlachtet und nimmt es an; obgleich die Herren den ganzen Tag 
sitzen und rechnen, so geht doch alles nach dem Schlächter. Und 
was bedeuten die zwei Schlachtungen? (Warum steht:) ön^"^ "lüfit 
zweimal? Es ist gelehrt worden im Namen des R. Judan: Als 
genaue Schlachtregeln sind meistens zwei bei den vierfüssigen und 
wenigstens eine beim Geflügel zu beobachten. Hierzu führte R. Pin- 
chas im Namen des R. Levi ein Beispiel an. Gleich einem Königs- 
sohne, welcher sehr übermüthig und gewohnt war, Fleisch von Ge- 
fallenem und Zerrissenem (Thieren) zu essen, da befahl der König: 
er soll stets an meinem Tische essen, so wird er seine Gewohn- 
heit dadurch von selbst ablegen. So brachten auch die Israeliten,. 
weil sie in Aegypten dem Götzendienst ergeben waren, den Wald- 
teufeln ihre Opfer, wie es heisst Lev. 17, 7: „Und sie sollen nicht 



Par. XXII. Cap. XVII, 3. j^^ 

feraer ihre Opfer den Waldteufeln*) darbringen." Unter Wald- 
teufeln (C">n"'r;cb) sind nur Dämonen (0"^n^) zu verstehen vergl. 
Kam. 32, 17: „Sie opferten den Dämonen (o'^nizj)," und unter Dä- 
monen (C'TC) sind nur Waldteufel (d^T'S?«:) zu verstehen vergl. 
Jes. 13, 21: „Und Waldteufel (D"»-)'^5^ic) tanzen dort." Sie brachten 
auch ihre Opfer auf verbotener Höhe dar und es kamen Strafen 
über sie. Da sprach Gott: Sie sollen ihre Opfer zu jeder Zeit im 
Versammlongszelt vor mir darbringen; dadurch werden sie vom 
Götzendienste geschieden und gerettet, wie es heisst: „Ein jeder 
vom Hanse Israel" u. s. w. 

R. Jose bar R. Chanina sagte: Das Opfern auf der Höhe war 

nor dordi einen Propheten erlaubt, wie es heisst Deut. 12, 13: „Hüte 

dich, dass du nicht deine Brandopfer opferst an allen Orten." Aber 

Elia bat doch auf verbotenen Höhen geopfert? R. Simlai sagte: 

GoU sprach zu ihm i Reg. 18, 36: „Auf dein Wort habe ich es 

gethan" d. L auf dein Geheiss (deinen Ausspruch) hin habe ich es 

gc^han. R. Jochanan bar Mari beweist es aus Jos. 8, 30: „Damals 

haute Josua einen Altar dem Ewigen." Das war aber nur in Gil- 

gal öä Fall, woher lässt sich beweisen, dass es auch in Gi- 

beoQ so war? Aus Jud. 6, 25: „Es war in derselben Nacht, da 

sprach der Ewige zu ihm: nimm den jungen Stier." R. Abba bar 

KibsLDSL sagte: Sieben Sünden wurden durch den Stier des Gideon 

begangen: i) er nahm Holz aus einem Haine (der Götzen); 2) der 

Altar war aus gehauenen Steinen (eig. die Steine waren untauglich); 

3) der Stier war zu einem anderen Zwecke bestimmt gewesen; 

4) <ler Stier war als ein göttliches Wesen angebetet worden; 5) Gi- 
deon war ein Ungeweihter (Laie, eig. ein Fremder); 6) es war in 
der Nacht und 7) es fehlte die rechte Zeit. Das war aber alles nur 
in Gibeon, woher lässt es sich beweisen, dass es auch in Schilo so 
war? Aus i Sam. 7, 9: „Samuel nahm ein Milchlamm" u. s. w. 
R» Abba bar Kahana sagte: Drei Sünden wurden beim Brandopfer 
Samnels begangen: es war festgesetzt, es fehlte an der rechten 
Zeit und er war ein Levit Aus diesem Verse, sagte R. Jose, kannst 
dn nichts schliessen, sondern es kommt das hinzu, was R. Samuel 
bar Nachmani gesagt hat: Sein Sitz war in Rama, denn dort war 
sein Haus. 

Oder: „Ein jeder vom Hause Israels." Das steht auch Ps. 146, 7: 
nEr verschafft Recht den Unterdrückten," nämlich den Israeliten, 
von denen es heisst Jetem. 50, 33: „So spricht der Ewige, Zebaoih: 
Unterdrückt sind die Kinder Israels und Jehudas," ferner heisst es 
Ps. 146, 7: „Er giebt Brod dem Hungrigen," nämlich den Israeliten, 
Ton denen es heisst Deut. 8, 3: „Er demüthigte dich und Hess dich 
langem." Dann heisst es das. V. 8: „Der Ewige lässt los die Ge- 
fesselten*' d. i. was ich dir verboten habe, das habe ich dir auch 
nieder erlaubt. Ich habe dir verboten Unschlitt von vierfüssigen 



•) So nimmt der Midr. die Stelle. 



152 Par. XXn, Cap. XVII, 3. 

Thieren und ich habe es dir erlaubt von wilden Thieren (zu ge- 
niessen); ich habe dir die Spannader der vierfüssigen Thiere ver- 
boten und ich habe sie dir erlaubt von den Vögeln; ich habe dir 
das Schlachten der Vögel verboten und ich habe es dir erlaubt t^ei 
den Fischen. R. Abba und R. Jonathan im Namen des R. Levi 
sagten: Mehr von dem, was ich dir verboten habe, habe ich dir 
erlaubt. Ich habe dir das Blut der Nidda verboten und ich habe 
dir das Blut der Jungfrauen erlaubt; ich habe dir den Umgang 
mit einem Eheweibe verboten und ich habe dir den Umgang mit 
einer Gefangenen erlaubt, ich habe dir das Weib des Bruders ver- 
boten und ich habe dir dafür die Leviratsehe erlaubt; ich habe dir 
verboten, die Schwester deiner Frau bei Lebzeiten derselben zu neh- 
men und ich habe sie dir dagegen nach ihrem Tode erlaubt, ich 
habe dir Vermischtes (Wolle und Zwirn) zu tragen verboten und ich 
habe dir das leinene Unterkleid bei den Zizith erlaubt; ich habe 
dir den Genuss des Schweinefleisches verboten und ich habe dir 
den vom Stör erlaubt; ich habe dir das Unschlitt verboten und ich 
habe dir das Fett erlaubt; ich habe dir den Blutgenuss verboten und 
ich habe dir die Milz erlaubt; ich habe dir das Fleisch in der Milch 
gekocht verboten und ich habe dir das Euter erlaubt. R. Menachma, 
R. Bibi und R. Acha und R. Jochanan sagten im Namen des R. 
Jonathan: An Stelle dessen, was ich dir verboten habe, habe ich 
dir auch etwas erlaubt und zwar an Stelle des Verbots der Fische» 
den reinen Fisch Leviathan, an Stelle des Verbots des Geflügels 
den reinen Vogel Sis, wie es heisst Ps. 50, 11: „Ich kenne alle 
Vögel der Berge und des Gefildes Sis (t"»!) ist mit mir." R. Jehuda 
bar R. Simon sagte: Wenn der Sis seine Flügel ausbreitet, ver- 
dunkelt er die Sonnenkugel s. Hi. 39, 26: „Fliegt durch deinen Ver- 
stand der Habicht, breitet er seine Flügel nach Süden?'* Und warum 
heisst er v^} Weil in ihm vielerlei Geschmack von diesem und 
jenem ist. An Stelle des Verbots der vierfüssigen Thiere steht der 
Behemoth mit dem Tausendgebirge. R. Jochanan und Resch Lakisch 
und die Rabbinen sind darüber verschiedener Meinung. R. Jochanan 
sagte: Es ist nur ein Thier, gelagert auf tausend Bergen und diese 
lassen für dasselbe allerlei Kräuter wachsen, welche es verzehrt, 
wie es heisst das. 40, 15: „Denn Futter tragen ihm die Berge." 
Resch Lakisch sagte: Es ist ein Thier, gelagert auf tausend Bergen, 
welche Speise für dasselbe hervorbringen, zur Speisung der From- 
men, und es verzehrt sie, wie es heisst Jes. 65, 10: „Und der Saron 
wird ein Anger für die Heerde." Die Rabbinen sagen: Es ist eia 
Thier, gelagert auf tausend Bergen und sie bringen für dasselbe allerlei 
Thiere hervor und es verzehrt sie, wie es heisst Hi. 40, 15: „Alles 
Wild des Feldes spielet daselbst." Ist's denn möglich, dass ein 
Kleinvieh das andere verzehrt? R. Tanchum sagte: Gross sind die 
Werke Gottes und wie mannigfach sind die Werke Gottes! Und 
wovon trinkt er? R. Jochanan und R. Simeon ben Lakisch. R- 
Jochanan sagte: Alles, was der Jordan in sechs Monaten sammelt. 



Par. XXm. Cap. XVin. 3. I^j 

schlürft er auf einmal ein, wie es heisst das, V. 18: „Siehe, der 
Fluss schlrillt an, er flieht nicht/' R. Simeon ben Lakisch sagte: 
Alles, was der Jordan in zwölf Monaten sammelt, schlürft er auf 
einmal ein s. das.: „£r bleibt ruhig, ob ein Jordan losbricht an 
seinen Mond." £s reicht nur zur Anfeucbtung seines Mundes hin. 
R. Huna sagte im Namen des R. Jose: Es reicht nicht einmal zur 
Anfeucbtung seines Mundes hin. Und woher trinkt er? R. Simeon 
ben Jochai hat gelehrt: Es kommt ein Fluss aus Eden hervor, Jubal 
genannt und davon trinkt er, wie es heisst Jer. 17, 8: „An den 
Jubal streckt er seine Wurzel hin.'* R. Me'i'r sagte: Es heisst 
Hi. 12, 7: „Fürwahr, frage nur die Thiere, sie werden es dich 
lehren" d. i. der Behemoth, „und die Vogel des Himmels, sie wer- 
den dir's verkünden" d. L der Dämon Sis; „oder rede zur Erde, 
sie wird dich lehren" d. i. das Paradies, „und es werden es dir 
erzählen die Fische des Meeres" d. i. der Leviathan, „wer erkennt 
nicht in all diesem, dass die Hand des Ewigen das gemacht hat!" 



Parascha XXIII. 

Cap. XVllI. V. 3. Gleich dem Thun des Landes, worin 
ihr gewohnt, sollt ihr nicht thun. Das steht auch Cant 2, 2: 
„Wie die Rose zwischen Dornen" u. s. w. R. Jizchak legte diesen 
Vers auf Rebecca aus, von der es heisst Gen. 25, 20: „Als Jizchak 
vierzig Jahr alt war" u; s. w., um dir zu lehren: Wenn schon steht. 
dass sie von Padan Aram (o^K pC73) war, wozu braucht noch der 
Zusatz zu stehen: die Schwester Labans, des Aramäers ("»TanNn)? 
Allein es soll damit ausgedrückt werden, dass ihr Vater ein Betrüger 
("»»m) war und die Leute des Ortes auch Betrüger waren, und den- 
noch ging diese Tugendhafte aus ihrer Mitte hervor. Warum gleicht 
sie einer Rose zwischen Dornen? R. Pinchas sagte im Namen des 
R. Simon: Es heisst Gen. 28, 5: „Und Jizchak entliess den Jacob und 
er ging" u. s. w. (was sagen will:) alle waren Betrüger (mN?3*in). 

R. Elieser legte diesen Vers auf die Erlösung aus Aegypten 
aus. Wie die Rose, wenn sie zwischen den Dornen steckt, für ihren 
Besitzer (Herrn) schwer zu pflücken ist, ebenso war die Erlösung 
der Israeliten vor Gott schwer. Das steht auch Deut. 4, 34: „Oder 
hat ein Gott versucht zu kommen und sich ein Volk aus der Mitte 
der Völker zu nehmen?" Diese waren unbeschnitten und jene waren 
es auch, diese Hessen sich die Tolle auf der Kopfspitze lang wachsen 
und jene auch, diese trugen Kleider aus gemischten Stoffen und 
jene auch. So konnte die Strafgerechtigkeit nicht zugeben, dass 
die Israeliten jemals aus Aegypten erlöst würden. R. Samuel bar 
Nachmani sagte: Wenn Gott sich nicht selbst durch einen Schwur 
gebunden hätte, so wären die Israeliten nimmer erlöst worden, denn 
es heisst Ex. 6, 6: „Darum sage den Kindern Israels: ich der Ewige." 
Das Wort pb bezeichnet nichts anderes als Schwur (nrnsttj) vergl. * 



,g^ Par. XXIIL Cap. XVIII. 3. 

I Sam. 3, 14: „Fün^abr (pbi) ich schwöre dem Hause Elis." R. 
Berachja sagte: Es heisst Ps,. 77, 16: „Du hast dein Volk mit star- 
kem Ann erlöst" d. i. mit Herrschergewalt (Tyrannei). R. Judan 
sagte: Die Worte von: ■'la aipw ^M -ib nnpb «ab bis D->bTia D-"«-!™ 
enthalten zweiundsiebenzig Buchslaben. Wenn dir aber jemand 
siagen sollte, es sind doch fünfundsiebenzig, so antworte ihm: Nimm 
das zweite Wort ■'la davon hinweg, denn es gehört nicht mit za 
der Zahl. R. Abin sagte: Mit seinem Namen erlöst er sie, denn 
der Name Gottes enthält 72 Buchstaben. R. Asarja führte im Namen 
des R. Jehuda bar R, Simon dieses Beispiel an: Ein König hatte 
einen Lustgarten, bepflanzt mit einer Reihe Feigenbäume, einer 
Reihe Weinstöcke, einer Reihe Granatbäume, einer Reihe Aepfel- 
bäume und er übergab ihn einem Gärtner und ging fort Nadt 
einiger Zeit kam der König wieder, schaute sich in dem Garten 
um, um zu erfahren, was der Gärtner gemacht habe, nnd er fand 
ihn voll mit Dornen und Disteln. Er liess Schnitter kommen, um 
die Dornen abzuschneiden, er schaute in die Dornen und ward eine 
schone Rose gewahr, er nahm sie, roch daran und erquickte sich 
daran. Da sprach der König: Wegen dieser Rose soll der ganze 
Garten nun geschont (eig. gerettet) werden. So ist auch die ganze 
Welt nur wegen der Thora erschaffen worden, nach z6 Geschlechtern 
(Generationen) jedoch schaute Gott in seiner Welt steh um, mn zn 
erfahren, was vorgegaugen sei, und er fand sie voll mit Wasser 
(eig. Wasser in Wasser). Das Zeitalter Enosch war Wasser in 
Wasser, das Zeilalter der Fluth war Wasser in Wasser und das 
Zeitalter der Theilung war Wasser in Wasser. Er brachte Schnitter 
herbei, dass sie abschneiden sollten, wie es heisst Ps. zg, 10: „Der 
Ewige thronet bei der Wasseifluth," da sah er eine schöne Rose 
darin, nämlich Israel. Er nahm sie, roch daran in der Stunde, 
als er ihnen die zehn Gebote (Worte) gab und seine Seele erquickte 
sich daran; als sie sprachen: „Wir wollen thun und gehorchen," 
da sprach Gott: Wegen dieser Rose soll der Garten im Verdienste 
der Thora g«rettet werden und wegen Israel soll die Welt gerettet 




Par. XXIII. Cap. XVIII, 3. I^^ 

aber m ihnen: Ich bin kein Gelehrter. Tritt vor die Lade. Er 
entgegnete: Ich bin kein Gelehrter. Was? sprachen sie, ist das der 
R. Eleasar, von dem man so viel Rühmliches erzählt? Nennt man 
ihn denn umsonst Rabbi? Er erblasste (eig. sein Gesicht wurde 
gelb) und ging zu seinem Lehrer R. Akiba. Warum siehst du so 
kränklich aus? fragte ihn dieser. Er erzählte ihm den Vorfall und 
sprach sn ihm: Möchte mein Herr mich es wohl lehren? Ja wohl! 
erhielt er zur Antwort. Er lehrte es ihn. Nach einigen Tagen 
g^ng R. Eleasar wieder nach jenem Orte und wurde wieder auf- 
gefordert, die Benedictionen über das Schema in gekürzter Gestalt 
vorzutragen. Tritt vor die Lade! Er that es. Da sprachen die 
Leute: R. Eleasar ist gelöst (befreit, eig. von seiner früheren Un- 
kenntniss der Gesetzlehre entbunden) worden, und man gab ihm 
den Namen Rabbi Eleasar Chisma. 

R. Jona lehrte seinen Schülern die Trauersegnungen mit dem 
Wunsche: Sie mögen in allen Dingen Männer sein. 

R. Chanina bar R. Abba legte jenen Vers auf die Reiche aus. 
Wie diese Rose, welche zwischen Dornen sich befindet, der Nord- 
wind nach Süden wendet, von welcher Seite die Dornen sie stechen, 
und der Sudwind sie wieder nach Norden wendet, wo sie wieder 
die Domen stechen, dennoch sie ihr Herz (Inneres) aber nach der Höhe 
richtet, so auch die Israeliten, obgleich sie mit Beköstigungsbei- 
trägen und Frohndiensten belastet sind, so ist doch ihr Herz zu 
ihrem Vater im Himmel gerichtet, wie es heisst Ps. 25, 16: „Meine 
Augen sind immer auf den Ewigen gerichtet, denn er zieht meinen 
Fuss aus dem Netze.'* 

R. Ibo legte jenen Vers auf die einstige Erlösung aus. So- 
wie die Rose, die zwischen Dornen ist, für ihren Besitzer schwer 
zu pflücken ist, was thut man? Man bringt das Licht und ver- 
brennt alles um sie herum und dann pflückt man sie, so heisst es 
auch Thren. i, 17: „Der Ewige hat gegen Jacob seine Feinde ent- 
boten ringsum, wie Chalmisch bei Nawa und Jericho bei Noadan, 
Susitha bei Tiberias, Gastra bei Che'ipha, Lud bei Ono, wie es heisst 
Ezech. 5, 5: „So spricht der Ewige: das ist Jerusalem, das ich mitten 
unter die Völker gesetzt habe;** wenn aber der bestimmte Zeitpunkt 
eintritt, was thut Gott? Er bringt das Licht herbei und verbrennt 
die Dornen um dasselbe ringsum, wie es heisst Jes. 33, 12: „Und 
die Völker werden wie Kalk verbrannt werden,*' und Deut. 33, 12 
heisst es über dasselbe: „Der Ewige allein leitet es.*' 

R. Abin sagte: Wie die Rose, wenn die Sonnengluth über sie 
kommt, verwelkt, wenn aber Thau auf sie kommt, wieder aufblüht, 
so auch die Israeliten, so lange Esaus Schatten (die Macht Roms) 
besteht, erscheinen sie wie verwelkt in dieser Welt, aber einst wird 
Esaus Schatten hinschwinden und sie werden saftreich werden (an 
Kraft zunehmen), wie es Hos. 14, 6 heisst: „Ich werde Israel wie 
Thau sein." Wie die Rose nur mit ihrem Gerüche aufhört, so 
werden auch die Israeliten nur mit der Ausübung der religiösen 



I 



fjö Par. XXIir. Cap. XVIII, 3. 

Vorschriften und guten Werke aufhören. Wie die Rose nur wegen 
ihres Geruches beliebt ist, so sind auch di© Gerechten (Frommen) 
nur zur Erlösung Israels erschaffen. Wie die Rose auf die Tafel 
•der Könige am Anfang und am Ende (wenn sie aufblüht und ver- 
blüht) kommt, so sind auch die Israeliten in dieser und in jener 
Welt. Wie die Rose unter den Kräutern erkannt wird, so werden 
auch die Israeliten unter den Völkern erkannt s. Jes. 61, 9: „Alle, 
-die sie sehen, werden erkennen, dass sie von Gott gesegneter Same 
«ind." Wie die Rose zum Schmucke der Sabbathe und Festtage 
t>estimmt ist, so sind auch die Israeliten für die einstige Erlösung 
bestimmt. 

R. Berachja sagte: Gott sprach zu Mose: Geh und sage den 
Israeliten: als ihr in Aegypten wäret, glicht ihr der Rose zwischen 
Dornen, jetzt aber, wo ihr in das Land Kanaan eingezogen seid, 
gleicht ihr auch der Rose zwischen Dornen; seht euch vor, dass ihr 
das nicht thut nach dem Thun (der Weise) dieser und nicht nach 
dem Thun (der Weise) jener, wie es heisst Lev. 18, 13: „Nach dem 
Thun (der Weise) des Landes Aegypten." 

R. Jizchak legte den Vers auf einen Menschen aus, der zwei 
Töchter von einer Mutter und zwei von einem Vater und zwei von 
einer Haut (des Embryos) hat, wie es heisst Gen. 10, 6: „Und die 
Kinder Chams waren Cusch, Mizraim, Phut und Kanaan.*' Gleich 
-einem Könige, sagte R. Chanina, welcher eine einzige Tochter 
hatte, die er in einem Gehöfte (einer Durchgangshalle) wohnen Hess, 
wo sich allerlei Inhaber von Buhlerei und Zauberei befanden. Meine 
Tochter, sprach er zu ihr, achte darauf, dass du dich nicht so be- 
trägst nach Weise dieser und nach Weise jener. So auch, als die 
Israeliten in Aegypten waren, da hingen die Aegypter der Buhlerei 
nach, wie es heisst Ezech. 23, 20: „wie Eselsüeisch ist ihr Fleisch.*' 
Als sie in das Land Kanaan einzogen, trieben auch die Kananiter 
Buhlerei und Zauberei, wie es heisst Nah. 3, 4: „Ob der vielen 
Buhlerei der Buhlerin, der anmuthigen, der zauberkundigen." Darum 
sprach Gott zu ihnen: Meine Kinder! seht euch vor, dass ihr nicht 
thut nach Weise dieser und nicht nach Weise jener. Das soll nun 
hier mit den Worten gesagt sein: „Nach der Weise des Landes 
Aegypten." Es heisst Hi. 37, 21: „Und jetzt sehen sie kein Licht." 
Es ist gelehrt worden: Wer die Sonne in ihrem Kreislaufe, den 
Mond wie ein Ball, die Sterne in ihren Bahnen und die Plagen 
nach ihrer Ordnung sieht, spreche: Gepriesen sei der, welcher das 
Werk der Schöpfung macht! Das soll aber nur geschehen, wie R. 
Huna bemerkte, an Regentagen, und auch dann nur nach drei 
Tagen. „Und jetzt sehen sie kein Licht." R. Berachja und R. Je- 
remja bar R. Chija bar Abba sagten: R. Levi bar Sisi in Nehardea 
predigte über Ex. 24, 10: „Und sie sahen den Gott Israels," näm- 
lich so lange als sie nicht erlöst waren; nachdem sie aber erlöst 
waren, blieb der Weg des Mondes da, wo er hingesetzt war. R. 
Berachja bemerkte: Es heisst hier nicht: sie sahen das Werk (nio^Ta) 



Par. XXni. Cap. XVIII, 3. I^^ 

emes glänzenden Sapphirs, sondern: wie das Werk (n^CTTDD) d. i. 
das Werk und das ganze Werkzeug dazu. Sowie man sagt: Der 
Korb und die Schaufei dazu. Bar Kapra sagte: Solange als die^ 
Israeliten nicht aus Aegypten erlöst waren, war er an der Veste 
verzeichnet (wurde er am Himmel gesehen), weil es heisst das.: „Wie 
der Himmel selbst Klarheit/' daher \^ar der Himmel rein (frei) von 
Wolken. 

R. Ismael hat gelehrt: £s heisst hier: „Wie das Werk im Lande 
Aegypten und wie das Werk im Lande Kanaan sollt ihr nicht 
thun** Q. 8. w., wenn ihr es aber thut, so wisset: Ich bin der Ewige, 
euer Gott (der strafen wird). R. Chija hat gelehrt: Warum steht: 
Ich der Ewige zweimal? Es soll damit angedeutet werden: leb 
bin es, der das Geschlecht der Fluth, Sodoms und Aegyptens ge* 
stnft hat, ich werde auch in Zukunft denjenigen bestrafen, der 
nach ihren Werken thut. Das Geschlecht der Fluth wurde voiv 
^ Weh vertilgt, weil es in Buhlerei ausgeartet war. R. Simlai 
sagte: Ueberall, wo du Buhlerei antriffst, kommt die Pest in die 
Welt und tödtet Gute und Böse (rafft Gute und Böse hinweg). R^ 
Hosa sagte im Namen des R. Jose: Das Geschlecht der Fluth ist 
nnr darum von der Welt vertilgt worden, weil sie für Männer und 
fär Wdbex Ehepacten geschrieben hatten. R. Asarja sagte im Namen 
des R. Jehuda bar R. Simon und R. Josua ben Levi sagte im Namen 
<b Bar Kapra: Wir finden, dass Gott gegen alles Nachsicht zeigte 
mir nicht gegen Buhlerei. Das lässt sich aus vielen Stellen beweisen 
i. B. ans Gen. 6, i. 2: „Es geschah, als das Menschengeschlecht 
sidi zu vermehren anfing, da sahen die Söhne Gottes die Töchter 
der Menschen, V. 5: und der Ewige sah, dass gross war die Bos* 
heit des Menschen, V. 7: da sprach der Ewige: ich will die Men- 
schen vertilgen," nämlich die Sodomiter. In jener ganzen Nacht,, 
sagte R. Josua ben Levi im Namen des Bar Kapra, machte Lot 
im die Sodomiter den Anwalt (eig. sprach für sie), als man aber 
lu ihm kam und ihm sagte Gen. 19, 5: „Wo sind die Männer, dass 
»TT sie erkennen" durch den Beischlaf? V. 12: „Da sprachen die 
Männer zu Lot: Wen hast du noch hier?" d. i. bis jetzt hattest du 
noch einen Vorwand, für sie den Anwalt zu machen (zu ihrem Gunsten 
w sprechen). „Eidam und deine Söhne und deine Töchter u. s. w., 
denn wir wollen den Ort verderben." „Ich, der Ewige" d. i. ich 
^in es, der Simson und Amnon und Simri bestraft hat, ich 
»erde einst auch den bestrafen, welcher ihrem Beispiel folgen wird; 
ich bin es, der den Joseph, Jael und Palti ben Laisch belohnt hat, 
icb werde auch in Zukunft jeden belohnen, der ihrem Beispiele 
tolgt. Woher lässt es sich bei Joseph beweisen? R. Simon ben 
Oimliel sagte: Joseph ist mit Gleichem belohnt worden (eig. es 
»orde ihm von dem Seinigen gegeben). Sein Mund, der keinen sün- 
^tü Kuss gab, von dem heisst es das. 41, 40: „Auf deinen Mund 
^ mein Volk dich küssen," von seinem Halse, den er nicht zu 
«öem sündigen Gebrauche ausstreckte, heisst es das. V. 42: „Er 



158 Par. XXIII. Cap. XVIII, 3. 

hing ihm eine goldene Kette um den Hals;*' von seinen Händen, 
die sich nicht zur Sunde gebrauchen Hessen, heisst es das. V. 42: 
„Und Pharao zog seinen Ring ab;" von seinem Körper, welcher 
sich nicht der Sünde hingab, heisst es das.: „Er bekleidete ihn mit 
Kleidern von Byssus;" von seinen Füssen, die nicht zu einem sünd- 
haften Zwecke gingen, heisst es das. V. 43: „Er liess ihn im zweiten 
Wagen fahren;" der Gedanke, der nichts (Schändliches) dachte, 
komme und werde Weisheit genannt, wie es heisst das.: „Man rief 
vor ihm aus: Abrech (beuget euch)!" 

Drei entflohen der Sünde, und Gott verband seinen Namen 
mit ihnen, es sind Joseph, Jael und Palti. Von Joseph heisst es 
Ps. 81, 6: „Zum Zeugniss in Joseph macht er's." Was heisst qOT^S? 
Damit zeugt Jah (n**) für ihn, dass er das Weib des Potiphar nicht 
berührt hatte. Von Jael heisst es Rieht. 4, 18: „Und Jael ging 

heraus dem Sisera entgegen und sie deckte ihn mit einem 

Teppich zu." Was heisst HD'^TSOa? Die Rabbinen von hier sagen: 
«*nTiDl, mit einem Tuche; die Rabbinen von dort sagen: «bD'^^sra, 
mit einem Korbe. Resch Lakisch sagte: Wir haben in der ganzen 
Schrift nachgesucht und kein Geräth gefunden, dessen Name nD'^ra 
ist. Was ist also nD^Tao? Antwort: riD "73^ mein Name hier d. i. 
mein Name zeugt für sie, dass jener Böse sie nicht berührt hat. 
Woher lässt es sich von Palti beweisen? Einmal heisst es i Sam. 

25, 44: „Saul gab seine Tochter Michal, das Weib Davids an Palti," 
und einmal heisst es wieder: Paltiel; bald heisst es Palti, bald Pal- 
tiel d. i. wer hat Palti genommen und wer hat Paltiel gegeben? 
Allein ich zeuge für ihn, dass er Davids Weib nicht berührt hat. 

R. Jose sagte: Drei giebt es, deren sich die Leidenschaft be- 
mächtigt hatte und sie haben sie beschworen (ihr den Gehorsam 
eidlich gekündigt), nämlich: Joseph, David und Boas. Von Joseph 
heisst es Gen. 39, 9: „Wie kann ich so ein grosses Unrecht thun?" 
R. Huna im Namen des R. Idi sagte: Die Schrift lässt nichts ausser 
Acht, es heisst nicht: ■'"•»b, gegen den Ewigen sündigen, sondern: 
D">JnVNb, gegen Golt d.i. er schwur bei seiner Leidenschaft und sprach: 
Gegen Gott(D''tib«b d.i. gegen eine gewaltige Macht) sündige ich nicht 
und ich thue dieses grosse Uebel nicht.*) Von David heisst es i Sam. 

26, 10: „David sprach: So wahr der Ewige lebt, dass der Ewige ihn 
schlagen wird." Bei wem schwur er? R. Jochanan und R.Simeon ben 
Lakisch. R. Jochanan sagte: Er schwur bei seiner Leidenschaft, 
Resch Lakisch sagte: Bei Abischai. Er sprach nämlich zu ihm: So 
wahr der Ewige lebt, wenn du ihn berührst, so menge ich dein 
Blut mit dem seinigen, wie es heisst das. V. 9: „Und es sprach 
David zu Abischai: bringe ihn nicht uml" Von Boas heisst es 
Ruth 3, 13: „So wahr der Ewige lebt, liege bis zum Morgen!" 
R. Judan und R. Chama. R. Judan sagt: Jene ganze Nacht noch 
überredete fhn sein Trieb und sprach zu ihm: Du bist ledig 



•) Für »3K1 ist »3»H1 zu lesen, wie auch die Ed. Ven. hat. 



Par. XXIII. Cap. XVHI, 3. I^q 

und sie ist ledig, du suchst ein Weib und sie sucht einen Mann, 
er aber beschwur seinen bösen Trieb: „So wahr der Ewige lebt!" 
Und zum Weibe sprach er: „Liege bis zum Morgen!" Auf ihn 
wandte R. Chanina Prov. 24, 5 an: „Der Weise hat Kraft" d. i. Boas 
^,und ein Mann des Wissens befestigt seine Kraft," weil er über 
seine Leidenschaft durch einen Schwur Herr wurde. 

Oder: „Nach der Weise des Landes Aegypten." Das steht auch 
Hi. 24, 15: tJ)sL3 Auge des Ehebrechers wartet auf die Dämmerung, 
denkend f mich soll kein Auge erblicken und eine Hülle legt er auf 
sein Antlitz." Resch Lakisch sagte: Damit du nicht sprichst: Nur 
der, welcher mit seinem Leibe die Ehe bricht, heisst ein Ehebrecher, 
sondern auch der, der mit seinen Augen die Ehe bricht, heisst ein 
Ehebrecher, wie es hier heisst: „Und das Auge des Ehebrechers."' 
Dieser Ehebrecher sitzt und wartet, wenn die Dämmerung kommt, 
wenn der Abend kommt, wie es heisst Prov. 7, 9: „In der Däm- 
memng, am Abend des Tages," er weiss aber nicht, dass einer 
im Verborgenen der Welt sitzt d. i. Gott, welcher alle Linien (Zuge) 
von ihm in seiner Aehnlichkeit (an dem Kinde) zeichnet, imi ihn 
der Welt bekannt zu geben, was auch Hi. lo^ 3 sagt: „Ist es dir 
^ut, wenn du unterdrückst?" Dieser Ehemann ernährt und unter- 
hält m und er zeichnet die Linien (Züge) von ihm in der Aehnlichkeit 
eines anderen (Mannes); jedoch „wenn du verachtest das Werk deiner 
Hände," nachdem du dich bemüht hast volle vierzig Tage (d. i. die 
Zeit der Bildung des Kindes), kehrst du um und verdirbst es wieder, 
allein das.: „auf den Rath der Frevler strahlst du," so ist es deine Ehre, 
zu stehen zwischen dem Ehebrecher und der Ehebrecherin. Darauf 
antwortete ihm Gott: Hiob, du bist würdig, mich zu besänftigen, 
allein es sei, wie du gesprochen hast, das. V. 4: „Du hast nur 
Augen von Fleisch." Gott sprach nämlich: Siehe, ich zeichne alle 
Linien (Züge) von ihm in der Aehnlichkeit seines Vaters (des Vaters des 
Kindes), um ihn der Welt bekannt zu machen. Gleich dem Schüler 
eines Töpfers (Bildners), sagte R. Levi, welcher Töpfermassen stahl 
nnd sein Meister kam auf seinen Diebstahl. Was that er? Er 
machte ein Gefass daraus (aus dem entwendeten Thon) und hing 
es an sein Antlitz. Und das alles warum? Um kund zu thun, 
dass sein Meister auf seinen Diebstahl gekommen sei. So sprach 
Gott: Siehe, ich bilde alle Züge von ihm in seiner Aehnlichkeit, um 
ihn der Welt bekannt zu machen. R. Jehuda bar Simon im Namen 
des R. Levi ben Parta sagte: Es steht geschrieben Deut. 32, 18: „Den 
Bildner, der dich gezeugt, verliessest du" d. i. du hast die Kraft 
des Bildners geschwächt (ausser Acht gelassen). Gleich einem Maler, 
welcher sass und das Bildniss des Königs zeichnete, als er es vollendet 
hatte, kam man und meldete ihm: Der König hat gewechselt (d. i. 
der alte ist gestorben und ein anderer hat die Regierung erhalten); 
sofort wurden die Hände des Malers schwach und er sprach: Wen 
soH ich nun malen, den ersten oder den zweiten? (So verhält es 
sich auch hier). Während der 40 Tage ist Gott mit der Bildung 



r 

it. 



l6o P»f- XXIV, Cap. XIX, 3. 

des Kindes beschäftigt, am Ende der 40 Tage geht sie aber and 
. besudelt sich mit einem anderen, da sinken (werden schlaff) die 
Hände des Bildners nnd er spricht: Wessen Bildniss soll ich ntm 
machen, das des ersten oder das des iweiten? Das soll nun hier 
gesagt sein: „Den Bildner, der dich gezeugt hat, hast du ermattet" 
d. i. du hast die Kraft des Bildners ermattet und auf einen andern 
gelenkt. Die Jod (■*) in dem Worte ■'dn ist klein und es giebt in 
der Schrift nicht seines Gleichen. R. Jizchak sagte: Wir finden: alle, 
die Sträfliches begehen (haben Gewinn), der Dieb hat Gewinn und der 
Bestohlene erleidet Schaden, der Räuber hat Gewinn und der Beraubte 
erleidet Schaden, aber hier (bei der Wollust] haben beide den Genuss und 
wer hat den Schaden? Gott vernichtet seine Zeichen (nämlich die 
des Kindes). R. Menasja, der Enkel des R. Josua ben Levi, sagte: 
Wir finden, dass derjenige, welcher etwas Schändliches sieht nnd 
sein Auge nicht daran weidet, so glücklich ist, das Antlitz der 
Schechina su empfangen, wie es heisst Jes. 33, 15: „Wer seine 
Augen verschliesst, um das Böse nicht zu sehen." Was folgt daraof? 
V. 17: „Den König in seiner Schönheit schauen deine Augen, sie 
sehen fernes Land." 

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Parascha XXIV. 

Cap. XIX. V. 2. „Ihr sollt heilig sein." Das steht auch 
Jes. 5, 6: „Erhaben zeigt sich der Ewige Zebaoth im Gerichte." R. 
Simeon ben Jochai hat gelehrt: Wann erscheint der Name Gottes 
gross in seiner Welt? Wenn er Strafgerechtigkeit an den Frevlern 
übt. Dafür giebt es viele Schriftstellen, 1} Ezech. 38, -23: „Ich werde 
gross, ich werde heilig und bekannt werden vor den Augen vieler 
Völker, dass sie erkennen, dass ich der Ewige bin;" 2) Ps. 9, 17: 
„Bekannt ist der Ewige, wenn er Gericht übt;" 3) Ex. 8, i: (Gott 
sagte zu Pharao:) „Diesmal werde ich meine Macht und meine 




Par. XXIV. Cap. XIX, 2. j5l 

R. Acha sagte: Es heisst Ps. loi, i: „Ein Psalm von David, Gnade 
und Gerechtigkeit will ich singen, dir, Ewiger, will ich spielen/' 
David sprach vor Gott: Wenn du mir, Herr der Welt, Güte er- 
zeigst, so will ich singen d. i. es mag so oder so sein, (unter allen 
Umstanden) will ich dir. Ewiger, spielen. Tanchum bar R. Judan 
sagte: Es heisst Ps. 56, 11: „Gottes rühm' ich mich, des Wortes 
des Ewigen rühm' ich mich, des Wortes" d. i. es mag so oder so 
sein, so rühm' ich sein Wort. Die Rabbinen sagten: Es heisst 
Ps. 1x6, 3. 4: „Noth und Kummer ich traf, doch des Ewigen Namen 
will ich anrufen;" V. 13: „den Kelch des Heils will ich empor- 
heben" d. i. es mag so oder so sein, so will ich den Namen Got- 
tes anrufen. R. Judan bar Pilai verweist auf das, was Hiob sagt 
HL I, 21: „Der Ewige hat gegeben, der Ewige hat genommen, der 
Name des Ewigen sei gepriesen!" d. i. er mag gegeben d. i. mit 
Barmherzigkeit gegeben, oder genommen d. i. mit Barmherzigkeit 
genommen haben, so preise ich ihn; und nicht nur das, sondern 
als er gab, hatte er sich mit keinem Geschöpfe berathen, wohl aber 
ab er nahm, da berieth er sich mit seinem Gerichtshofe. R. Eleasar 
sagte: Ueberall, wo du findest: ■»"■^i und der Ewige, da ist er und 
sein Gerichtshof zu verstehen. Der Hauptbeweis von allen ist i Reg. 
22, zy, „Und der Ewige hat Böses über dich verhängt." R. Judan 
sagte: Es heisst: „Und du bist erhaben" d. i. erhaben zeigst du dich 
in deiner Welt. Du hast die Priesterwürde an Aaron auf ewige 
Zeiten verliehen, ein Salzbund ist es, und du hast die Herrschaft 
an David gegeben auf immer, wie es heisst 2 Chron. 13, 5: „Ist 
euch nicht zu wissen, dass der Ewige, der Gott Israels, das König- 
thum über Israel David gegeben ewiglich, ihm und seinen Söhnen, 
durch einen Salzbund?" Du hast die Heiligkeit an Israel gegeben 
für inmier, wie es hier heisst: „Ihr sollt heilig sein/* 

Oder: „Ihr sollt heilig sein." In Verbindung mit Ps. 20, 3: 
„Er sendet deine Hilfe aus dem Heiligthum." R. Berachja erzählt im 
Namen des R. Simeon: Ein Landmann (ein Dörfler), Abba Josse, ein 
Mann von Zithor, sass und lernte am Rande einer Quelle. Da er- 
achien ihm der Geist (der Dämon des Ortes), der dort hauste und 
sprach zu ihm: Ihr wisst, wie viele Jahre ich hier bereits hause^ 
und ihr kommt und eure Weiber Abends und Mittags heraus und 
ihr seid nicht beschädigt worden. Nun wisst aber, dass ein böser 
Geist hier an meiner Stelle seinen Wohnsitz aufschlagen und den 
Leuten Schaden zufügen will. Da sprach der Mann: Was sollen 
wir thun (dass er nicht komme)? Da antwortete er: Geh und warne 
die Einwohner und sage ihnen: Wer einen Schlägel (Hammer), wer 
ein Grabscheit oder wer eine Schaufel hat, soll morgen heraus- 
kommen bei Anbruch des Tages und die Oberfläche des Wassers 
betrachten, und wenn sie einen Wasserstrudel sehen, so sollen sie 
darauf mit den eisernen Werkzeugen schlagen und ausrufen: Der 
Unsrige hat gesiegt! der Unsrige hat gesiegt! und sie sollen nicht 
eher fortgehen, bis sie geronnenes Blut auf dem Wasser erblicken, 

W ü n • c b e, Midrasch Wajikra. 1 1 



l62 I*ar. XXIV. Cap. XIX, 2. 

Der Mann ging und warnte die Leute der Stadt und sprach zu ihnen: 
Wer einen Schlägel, wer ein Grabscheit, wer eine Schaufel hat u. s. w. 
Sie gingen am Morgen bei Tagesanbruch heraus und beobachteten die 
Oberfläche des Wassers, und als sie einen Wasserstrudel sahen, schlugen 
sie mit den eisernen Werkzeugen darauf und riefen: Der Unsrige 
hat gesiegt! der Unsrige hat gesiegt! Sie gingen nicht eher von 
dort hinweg, bis sie geronnenes Blut auf dem Wasser sahen. Wenn 
nun schon die Geister, die doch nicht des Beistandes wegen er- 
schaffen sind, des Beistandes bedürfen, um wie viel mehr wir, die 
wir zum Beistande erschaffen sind! Das sagt nun der heilige Sänger: 
„Er sendet deine Hilfe vom Heiligthume." 

Oder: „Er sendet deine Hilfe vom Heiligthume." R. Levi sagte: 
Alles Gute, alle Segnungen, alle Tröstungen, die Gott einst, wird 
den Israeliten zu Theil werden lassen, gehen nur von Zion aus. 
Das Heil kommt von Zion, wie es heisst Ps. 14, 7: „O kam' aus Zion 
Heil über Israel," die Macht kommt von Zion, wie es heisst das. 
110, 2: „Den Stab deiner Macht sendet der Ewige aus von Zion,** 
der Segen kommt von Zion, wie es heisst das. 134, 3: „Der Ewige 
wird dich segnen von Zion," der Posaunenschall (Schophar) geht von 
Zion auS; wie es heisst Joel 2, i: „Stosst in die Posaune zu Zion,** 
der Thau, der Segen und das Leben gehen von Zion aus, wie es 
heisst Ps. 133, 3: „Wie der Thau Hermons, der von Zions Bergen 
herabkommt;" die Lehre (Thora) geht von Zion aus, wie es heisst 
Jes. 2, 3: „Denn von Zion geht die Lehre (Thora) aus;" die Hilfe 
und der Beistand gehen von Zion aus, wie es heisst: „Er sendet deine 
Hilfe vom Heiligthume" d. i. durch deine heiligen Werke kommt dir 
Hilfe; „und von Zion unterstützt er dich" d. i. von Zion gehen deine 
heiligen Werke aus. Gott sprach zu Mose: Geh und sage den 
Israeliten: Meine Kinder! wie ich enthaltsam bin, so sollt auch ihr 
enthaltsam sein, wie ich heilig bin, so sollt auch ihr heilig sein. 
Das wollen die Worte sagen: „Ihr sollt heilig sein." 

R. Chija hat gelehrt: Dieser Abschnitt wird darum in der Ver- 
sammlung vorgetragen, weil davon die meisten wesentlichen Lehren 
abhängen. R. Levi sagte: Weil die zehn Gebote darin enthalten 
sind. „Ich bin der Ewige, dein Gott" und hier heisst es: „Ich der 
Ewige, euer Gott," „du sollst keine fremden Götter haben," hier 
heisst es: „Götter aus Gegossenem sollt ihr euch nicht machen,** 
„du sollst meinen Namen nicht vergeblich aussprechen," hier heisst 
es: „Ihr sollt bei meinem Namen nicht falsch schwören," „gedenke 
des Sabbaths, ihn zu heiligen," hier heisst es: „Meine Sabbathe 
sollt ihr beobachten," „ehre deinen Vater und deine Mutter," hier 
heisst es: „Ein jeder ehrfürchte seine Mutter und seinen Vater,** 
,^u sollst nicht morden," hier heisst es: „Stehe nicht nach dem 
Blute deines Nächsten," „du sollst nicht ehebrechen," hier heisst 
es: „Getödtet soll werden der Ehebrecher und die Ehebrecherin," 
„du sollst nicht stehlen," hier heisst es: „Ihr sollt nicht stehlen," 
„du sollst nicht falsches Zeugniss reden," hier heisst es: „Du sollst 



Par. XXIV. Cap. XIX, 2. 163 

nicht umhergehen als Verlänmder," »,lass dich nicht gelüsten," hier 
heisst es: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst'* R. Judan sagte 
im Namen des Simeon ben Jochai: Unser Lehrer Mose hat uns drei 
Abschnitte (Kapitel) in der Thora geschrieben, von welchen jeder 
sechzig Gebote enthält, es sind: Der Abschnitt vom Pesachopfer, 
der Abschnitt von den Schäden und der Abschnitt von der Heilig- 
haltung. R. Levi sagte im Namen des R. Schila vom Datteldorfe: 
Jeder dieser Abschnitte enthält siebzig Vorschriften. R. Tanchuma 
sagte: Es besteht keine Meinungsverschiedenheit, denn wer in dem 
Abscbm'tte vom Pesachopfer siebzig findet, zählt hinzu den Ab- 
schnitt, welcher von den Thephillin handelt, und wer in dem Ab- 
schm'tte von den Schäden siebzig findet, zählt hinzu den Abschnitt 
von der Scbemita (vom Erlassjahr), und wer in dem Abschnitte über 
die Heilighaltung siebzig Vorschriften findet, nimmt dazu den Ab- 
sdmitt über Unzucht R. Jehuda ben Pasi sagte: Warum ist der 
Abschnitt über die Unzucht angeschlossen an den Abschnitt über 
die Heilighaltung? Um dir zu lehren, dass überall, wo du Ent- 
haltung von der Unzucht findest, du auch Heiligkeit findest. Das 
ist das, was R. Jehuda ben Pasi anderweit gesagt hat: Wer 
sich selbst von der Unzucht scheidet (fernhält), heisst ein Heiliger. 
R. Josua ben Levi beweist es von der Sunemitin. So heisst es 
2 Reg, 4, 9: „Und sie sprach zu ihrem Manne: Siehe^ ich weiss, 
dass er ein Mann Gottes, ein Heiliger ist" d. i. wie R. Jona bemerkt, 
er ist wohl ein Heiliger, aber nicht seine Diener sind heilig, wie 
es heisst das. V. 27: „Gechasi trat hin, um sie wegzustossen." R. 
Jose bar Chanina sagte: Er stiess an den Glanz ihrer Schönheit, 
an ihte Brüste. R. Ibun sagte: Daraus geht hervor, dass er (Elisa) 
sie sein Lebtag nie angeblickt hatte, (weil sie sagte: er ist ein Hei- 
liger). Die Rabbinen sagten: Weil sie keine Spuren von Samen- 
erguss jemals an seinem Unterkleid gesehen. Die Magd des R. Ismael 
bar Rab Jizchak sagte: Ich habe das Bett meines Herrn bedient 
{überzogen) und nie etwas Garstiges am Bette meines Herrn gesehen. 
R. Josua ben Levi sagte: Warum ist der Abschnitt von der Unzucht 
an den Abschnitt von der Heilighaltung angelehnt worden? Um 
dir zu lehren, dass überall, wo du Enthaltung von Unzucht findest, 
du auch Heiligkeit findest. Dafür giebt es viele Schriftstellen. Der 
Hohepriester soll nicht nehmen eine Buhlerin und eine Geschändete, 
denn er soll sich heilig halten, weil er das Brot deines Gottes dar- 
bringt. Er eheliche nicht eine Wittwe, eine Geschiedene, eine Ge- 
schändete, eine Buhlerin u. s. w., damit er seinen Samen (seine 
Kachkommen) nicht schände. Und endlich hier: „Rede zu der 
ganzen Gemeinde der Kinder Israels" u. s. w. 

R. Judan im Namen des R. Samuel bar Nachman führte dieses 

Beispiel an. Gleich einem König, der eine Hülle hatte und seinem 

Diener befahl: Schüttle sie aus (klopfe den Staub aus ihr) und lege 

sie sorgfältig in Falten, habe überhaupt Acht auf sie. Sein Diener 

sprach: In Betreff aller deiner übrigen Hüllen ertheilst du mir nicht 

II* 



l64 Pm. XXIV. Cap. XIX, 2. 

solche Befehle wie über diese. Der König erwiederte: Weil diese 
fest an meinem Körper sitat.'j 

R, Samuel bar Nacbtnan sagte: Gleich eimm Hohenpriester, 
welcher einmal unterwegs war und es traf ihn ein Ungeweihtet. 
Ich will mit dir gehen, sprach er zu dem Hohenpriester. Mein 
Sohn, antwortete derselbe, ich bin ein Priester und muss auf reinen 
Wege geben, ich darf nicht zwischen Gräbern gehen, willst du mit 
mir gehen, gut, wenn nicht, so werde ich dich endlich doch verlassen 
und einen andern Weg nehmen müssen. Ebenso sprach Mose in 
den Israeliten Deut. 23, 14; „Denn der Ewige, dein Gott, wandelt 
in der Mitte deines Lagers, um dich ku retten." Was heisst ^^■'anV? 
Zwei Amoräer sind darüber verschiedener Meinung. Der eine sagte, 
um dich zu beschatten (zu beschützen, eig. um zu sein ein Schalten 
t^a) auf seinem Haupte}; der andere sagte: um alle Güter der Völker 
zu leeren (nehmen) und dir zu geben verg!. Es. 3, zz: „Und ihr 
sollt die Aegypter entleeren." Um so mehr soll dein Lager heilig 
sein und nicht etwas Schändliches (eine schändliche Sache] an dir 
gesehen werden. R. Ismael bar Nachman sagte: Es ist ein schänd- 
licher Mund. R. Abun sagte zweierlei: [) Gleich einem Konig, 
welcher einen Keller mit Wein hatte, wohin et Wächter setzte, 
welche theils Nasirätr, theils Trunkenbolde waren. Zur Abendzeit, 
als er kam, um ihnen den Lohn zu zahlen, gab er den Trunken- 
bolden den doppelten (eig. zwei Theile), den Nasiräem dagegen nur 
den einfachen Lohn (einen Theil). Da sprachen sie: Unser Herr 
Konig! haben wir nicht alle zumal den Wachdienst versehen, warum 
giebst du jenen den doppellen Lohn (zwei Theile) und uns nur den 
einfachen (einen Theil)? Der König antwortete ihnen: Weil die 
Trunkenbolde (eig. diese sind Trunkenbolde und es ist ihre Weise) 
Wein zu trinken pflegen, darum gebe ich ihnen den doppelten Lohn 
(zwei Theile) und euch nur den einfachen Lohn (einen Theil). So 
verhält es sich auch bei den oberen Geistern, weil bei ihnen kein 
bdser Trieb (keine Leidenschaft) gefunden wird, so steht das Wort 
^j'.:;-!"^* „Heiligkeit" nur einmal, wie es heisst Dan. 4, 14: „Und 




Par. XXIV. XXV. Cap. XIX, 2. 23. 165 

ZQ der ganzen Gemeinde, zu den Kindern Israels, ihr sollt heilig 

sein, ihr sollt euch heilig halten, so werdet ihr heilig sein.''*) 

R. Smeon ben Lakisch sagte: Mose hat uns zwei Abschnitte in der 

Thora geschrieben, welche wir aus dem Abschnitte erst lernen, der 

von dem mcblosen Pharao handelt. In einem Abschnitte heisst es 

Deat 28, 13: „Und du bist nur oben/' Nun könnte man glauben, 

sowie ich? Darum steht das Wort p^, was exclusive Bedeutung 

hat: Meine Grösse überragt eure Grösse. Und das lernen wir auch 

von dem ruchlosen Pharao, welcher zu Joseph sagte Gen. 41, 40: 

nOn sollst über mein Haus sein." Da könnte man glauben, sowie 

ich? Darum folgt: „Nur was den Thron betriflft («O^n p^) will ich 

{grosser sein als du. Meine Grösse überragt deine Grösse. (Und 

so auch hier.) £s heisst: „Ihr sollt heilig sein." Da könnte man 

glauben sowie ich? Darum folgen darauf die Worte: Denn ich 

bin heilig. Meine Heiligkeit überragt eure Heiligkeit. Ferner lernen 

virikodi von dem ruchlosen Pharao, wie es heisst das. V. 44: „Und 

Phaiao sprach zu Joseph: ich bin Pharao." Nun könnte man 

glaaben, dass er soviel wie ich sein sollte? Darum heisst es: Ich 

bin Pharao, meine Grösse übersteigt deine Grösse. Von dem „"^^K 

ich** voo Fleisch und Blut (des Menschen), sagte R. Josua im Namen 

<les R. Levi, kannst da lernen die Bedeutung des "^^ii Gottes. Wie 

^ ^:k von Fleisch und Blut dadurch, dass Pharao zu Joseph 

sagte: ,ich bin Pharao," zu all der Ehre gelangte, um wieviel mehr, 

von das *«:{( Gottes kommt und sagt: Bis zum Alter bin ich es! 

Es beisst Jes- 44, 6: „So spricht der Ewige, der König von Israel 

ond sein Erlöser: ich bin der Erste und ich bin der Letzte und 

aosser mir ist kein Gott" (eine um wie viel grössere Ehre haben 

die Heiligen zu erwarten)! 



Parascha XXV. 

Cap. XIX. V. 23. „Und so ihr in das Land kommt und 
iUerlei essbare Bäume pflanzet. In Verbindung mit Prov. 
.ti 18: „Ein Baum des Lebens ist sie denen, die daran halten." 
R. Hona im Namen des R. Acha sagte: Die Worte der Thora 
sollen nicht in deinen Augen sein, wie ein Mensch, der eine mann- 
te Tochter hat, die er gern verheirathen möchte, sondern s. 
<las. 2, i: „Mein Sohn^ wenn du meine Rede annimmst und meine 
Gebote bei dir bewahrest" d. i. wenn du Tugend besitzest, so nimm 
Beine Lehren an. Gleich einem König, führte R. Huna im Namen 
<fc3 R. Benjamin ben Levi als Beispiel an, welcher zu seinem Sohn 
sprach: Geh zu Geschäften ausl Vater! antwortete er, ich fürchte 
' mich vor Räubern auf dem Landwege und auf der See vor Piraten 



•t Gott will al-io, dass Israel zweimal heilig sein soll, er aber ist 



«i'xal heilig. 



,66 ^ar. XXV. Cap. XIX, 23. 

(Seeräubern). Was that sein Vater? £r nahm einen Stock, höhlte 
ihn aus und legte darein ein Amulett und gab ihn seinem Sohne 
mit den Worten: Es sei dieser Stab in deiner Hand, vor wem 
brauchst du dich zu fürchten? Ebenso sprach Gott zu Mose: Sage 
den Israeliten: Meine Kinder! beschäftigt euch mit der Thora, sa 
braucht ihr euch vor keiner Nation zu fürchten. Wenn es oben 
hiesse: Sie ist ein Lebensbaum denen, die sich mit ihr bemühen, 
so wurde es für die Feinde Israels keinen Bestand geben, allein 
es steht: Die an ihr halten. Ebenso: Wenn es hiesse, sie ist ein 
Lebensbaum für die, die sie lernen, so würde es für die Feinde 
Israels keinen Bestand geben, allein es heisst Deut. 27, 26: „Wer 
alle diese Worte der Thora nicht hält." Darum heisst es auch 
hier: „Sie ist ein Lebensbaum für die, die an ihr halten.'* R. Huna 
sagte: Wenn ein Mensch gestrauchelt ist in einer Sunde, so hat er 
sich des Todes durch den Hiipmel schuldig gemacht, was soll er 
thun, damit er das Leben erhalte? Wenn er gewöhnt war, (täg- 
lich) nur ein Blatt (eine Columne) zu lesen, so soll er fortan zwei 
Blätter (Columnen) lesen; oder wenn er gewöhnt war, nur einen 
Abschnitt in der Mischna zu lernen, so soll er fortan zwei Ab- 
schnitte lernen; oder wenn er aber weder die Bibel zu lesen, noch 
die Mischna zu lernen gewöhnt war, was soll er nun thun, damit 
er das Leben erhalte? Er gehe und werde ein Gemeindevorsteher, 
oder ein Almoseneinnehmer und er wird leben. Wenn es hiesse: 
Verflucht sei der, welcher nicht lernt, so gäbe es keinen Bestand, 
allein es heisst: Verflucht sei der, welcher nicht hält. Wenn es 
hiesse: Ein Lebensbaum ist sie für diejenigen, welche sich mit ihr 
bemühen, so wäre kein Bestand, allein es heisst: „Ein Lebensbaum 
ist sie für diejenigen, welche an ihr halten." Es heisst Koh. 7, 12: 
„Im Schatten der Weisheit ist im Schatten des Silbers." R. Acha 
sagte im Namen des R. Tanchum bar R. Chija: Hat ein Mensch 
gelernt; gelehrt, beobachtet und geübt und es ist noch zweifelhaft, 
ob er (dem Bösen), wo es galt, ihm zu wehren, nicht gewehrt hat, 
und ob er (das Gute), wo es galt, es zu unterstützen, nicht unter- 
stützt hat, siehe, so gehört er in die Allgemeinheit (Kategorie) des 
Fluches, wie es heisst: „Verflucht sei der, welcher nicht hält" R. 
Jeremja sagte im Namen des R. Chija: Hat der Mensch nicht ge- 
lernt, nicht ausgeübt, nicht beobachtet, nicht andern gelehrt, es 
ist aber zweifellos, dass er das Gute, wo es galt, es zu unter- 
stützen, unterstützt hat und dass er das Böse, wo es galt, ihm nicht 
zu wehren, gewehrt hat, siehe auch der gehört in die Kategorie 
des Fluches. R. Huna und R. Jeremja sagten im Namen des R. 
Chija bar Abba: Einst wird Gott Schatten und Hütten bereiten für 
die Pflichtübenden neben den Gottesgelehrten im Gan Eden, was 
sich aus drei Schriftstellen erweisen lässt: i) aus Koh. 7, 12: „Im 
Schatten der Weisheit ist im Schatten des Silbers;" 2) aus Jes. 56, 2: 
„Heil dem Manne, der dieses thut;" 3) aus Prov. 3, 18: „Sie ist ein 
Lebensbaum für diejenigen, die an ihr halten." Simeon, der Bruder 



Par. XXV. Cap. XIX, 23. 167 

Asarjas, sagte in dessen Namen: War nicht Simeon grosser als 
Asarja? Allein weil Asarja Handelsgeschäfte trieb und den Ertrag 
mit seinem Bruder Simeon theilte (eig. und in den Mund des Simeon 
legte), deshalb wird die Halacha nach seinem Namen genannt vergl. 
Deut 33, 18: „Und zu Sebulon sprach er (Mose): Freue dich, Se- 
bolon, bei deinem Ausgange, Issaschar in deinen Zelten/' War 
nicht Issaschar grösser als Sebulon? Allein weil Sebulon Seereisen 
machte (dg. sich vom bewohnten Lande trennte), Handelsgeschäfle 
trieb und Issaschar den Gewinn brachte, so giebt er ihm den Lohn 
für seine Muhe. Deshalb wird der Vers nach seinem Namen be- 
namit, wie es heisst: „Freue dich, Sebulon, bei deinem Ausgange 
und Issaschar in deinen Zelten." R. Tanchuma sagte: Wer eine 
Reise antritt und sich nicht auf Krieg gefasst macht (eig. sein Herz 
nicht auf den Krieg richtet), geräth zuletzt hinein. Aber die vom 
Stamme Sebulon zogen unter allen Umständen (eig. sie mochten 
ihr Herz darauf richten oder nicht darauf richten) in den Krieg und 
siegten, wie es heisst i Chron. 12, 33: „Von Sebulon, die auszogen 
im Heere, gerüstet zum Streite mit allen Kriegswaffen, einmüthigen 
Herzens.*' Was heisst: nbi nb «bn? Sie zogen unter allen Um- 
standen ans (eig. sie mochten ihr Herz darauf richten oder nicht) 
und siegten. R. Jehuda ben Pasi trug vor: Wer wälzt den Staub 
von deinen Augen (d. i. bist du blind)? Der erste Mensch konnte 
nicht einmal eine Stunde in deinem Gebote bestehen, und siehe, 
deine Kinder warten drei Jahre auf die Orla. R. Huna sagte: Als 
Bar Kapra das horte, sagte er: R. Jehuda, meiner Schwester Sohn, 
hat gut vorgetragen. Das soll nun hier mit den Worten gesagt 
sein Lev. i^ 23: „So ihr in das Land kommt und allerlei essbare 
Bäume pflanzet** 

R. Jehuda bar R. Simon begann seinen Vortrag mit Deut. 13, 4 : 
„Nach dem Ewigen, eurem Gotte, sollt ihr wandeln." Kann denn 
Fleisch und Blut (der Mensch) hinter (nach) Gott gehen, von dem 
e» heisst Ps. 77, 20: „Im Meere ist dein Weg, dein Pfad in grossen 
Gewässern" und es heisst: „Nach dem Ewigen, eurem Gott, sollt 
ihr wandeln und ihm anhängen?" Ist es denn Fleisch und Blut 
möglich, in den Himmel zu steigen und an die Schechina sich an- 
znschliessen, von der es doch heisst Deut. 4, 24: „Denn der Ewige, 
dein Gott, ist ein verzehrendes Feuer?** Ferner heisst es Dan. 7, 9: 
„Und sein Thron Feuerflammen,** ebenso Dan. 7, 10: „Ein Feuer- 
strom fioss und ging von ihm aus,** und es heisst: „ihm sollt ihr 
anhängen?** Allein vom Anfange der Schöpfung der Welt war Gott 
nur mit Pflanzen beschäftigt, wie es heisst Gen. 2, 8: „Der Ewige, 
Gott, pflanzte einen Garten in Eden.** So sollt auch ihr, wenn ihr 
in das (verheissene) Land kommt, euch zuerst mit nichts anderem 

als mit Pflanzen beschäftigen, wie es heisst: „So ihr in das Land 

VLommt** u. s. w. 

R. ]osua von Sichnin begann im Namen des R. Levi mit 

Koh. 2, 4. 5: „Ich habe meine Werke gross gemacht, habe mir 



l68 Par. XXV. Cap. XIX, 23. 

Häuser gebaut und Weinberge gepflanzt." Da sprach Gott zu Mose: 
Gehe und sage den Altvätern: Ich habe Grosses mit euren Kindern 
gethan, alles, was ich mit euch vereinbart habe, ich habe mir 
Häuser gebaut, wie es heisst Deut 6, 11: „Häuser, voll mit allem 
Guten;" ich habe mir Weinberge gepflanzt, wie es heisst das.: 
„Wein- und Oelberge, die du nicht gepflanzt." Koh. 2, 6: „Ich 
habe mir Teiche gemacht," wie es heisst Nech. 9, 25: „Ausgehauene 
Brunnen." Es heisst Koh. 2, 7: „Quellen und Tiefen, um damit 
den Wald zu tränken, der aufwuchs in Bäumen." R. Levi sagte: 
Selbst an Rohr zu Pfeilen fehlte es im israelitischen Lande nicht. 
„Ich habe mir Gärten und Parkanlagen gemacht" s. Deut. 8, 8: „Ein 
Land voll Weizen und Gerste." „Ich habe dahin gepflanzt allerlei 
Fruchtbäume," wie es hier heisst: „Wenn ihr in das Land kommt 
und pflanzet" Es heisst Hiob 38, 36: „Wer hat in dies Geheime 
Weisheit gelegt?" Was heisst mmün? N'^'itai, im Geheimen (In- 
nern). Das.: „Oder wer gab dem Hahn ("^iDiöb) den Verstand?" Das 
ist der Hahn. R. Levi sagte: Im Arabischen wird der Hahn K'^i^O 
genannt*) Die Henne nämlich, wenn ihre Jungen klein sind, sam- 
melt dieselben, nimmt sie unter ihre Flügel und wärmt sie und 
wühlt für sie im Schmutze, wenn sie aber gross geworden sind, 
und eins von ihnen sich ihr nahen will, so pickt sie ihm auf den 
Kopf und spricht zu ihm: Geh und suche in deinem Mist So auch, 
als die Israeliten in der Wüste vierzig Jahre lang wanderten, da 
fiel das Manna herab, der Brunnen stieg für sie auf, es fanden 
sich für sie Wachteln, das Gewölk der Herrlichkeit umgab sie und 
die Wolkensäule zog vor ihnen her; als sie aber in das verheissene 
Land gekommen waren, sprach Mose zu ihnen: Jeder von euch 
nehme eine Hacke auf die Schulter, gehe hinaus und pflanze sich 
verschiedene Pflanzungen. Das ist nun hier gesagt: „So ihr in das 
Land kommt, so pflanzet" 

Hadrian, dessen Gebeine zermalmt werden mögen! lustwandelte 
einst auf den Pfaden von Tiberias und sah da einen alten Mann, 
welcher dastand und Gräben aushaute, um Pflanzen einzusetzen. 
Alter, Alter! sprach er zu ihm, wenn du früh gearbeitet hast, ar- 
beite nicht noch abends. Ich arbeite früh und ich arbeite abends 
und was dem Herrn des Himmels gut dünkt, das mag geschehen. 
Bei deinem Leben, Alter! fragte Hadrian, wie viele Jahre bist du 
heute alt? Hundert Jahr, war die Antwort Du bist schon hundert 
Jahr alt, fuhr Hadrian fort, und stehst noch da und haust Gräben 
aus, um Pflanzen einzusetzen, glaubst du denn, dass du davon 
noch essen wirst? Wenn ich es würdig bin, so werde ich davon 
essen, wo nicht, wie meine Eltern für mich gearbeitet haben, so 



•) S. Jer. Berach.IX, i g.E.: KM^D nSunnS pnil« »Ona, in Rom nennt 
man den Hahn M^lOD (eig. wohl Seher), weil er den Tag ankündigt vergl. 
Rosch. hasch, fol. 26 &. Oben Par. i dieses Midrasch dagegen heisst es: 
In Arabien heisst man den Propheten Sachja (Seher). 



Par. XXV. Cap. XIX, 23. l5g 

arbeite ich für meine Kinder. Bei deinem Leben! versetzte Hadrian, 
solltest du noch das Glück haben, davon zu essen, so lass es mich 
wissen. Nach einiger Zeit tragen die Bäume Feigen. Da dachte 
er, jetzt ist es Zeit, dass ich es dem Könige kund thue. Was that 
er? Er fällte einen Korb mit Feigen, ging hinauf und stellte sich 
an das Thor des Palastes. Was ist dein Anliegen? fragten ihn die 
Wächter. Er sprach zu ihnen: Führt mich vor den König! Als 
er eingetreten war, fragte ihn der König: Was ist dein Anliegen? 
Ich bin der Alte, gab er zur Antwort, an dem du vorbeigegangen 
bist, als ich Gräben aushaute, um Pflanzen einzusetzen. Du sagtest 
mir damals: Wenn du so glücklich bist und noch davon issest, so 
lass mich es wissen. Siehe, ich bin so glücklich gewesen und habe 
davon gegessen, hier diese Feigen sind von ihren Früchten. Hadrian 
gab sogleich den Befehl, dass man ihm einen mit Gold gezierten 
Stuhl reiche und er sich darauf setze, ausserdem befahl er, dass 
man seinen Korb mit Denaren fülle. Wie, sprachen seine Diener, 
all diese Ehre soll dem alten Juden geschehen? Sein Schöpfer ehrt 
ihn, antwortete Hadrian, soll ich ihn nicht ehren? Die Nachbarin 
des alten Mannes war ein niedriges (zerlumptes) Weib. Sie sprach 
zu ihrem Manne: Du Narr (eig. du Sohn der Finsterniss)! sieh nur, 
wie sdir der König die Feigen liebt, er bezahlt (vertauscht) sie mit 
Denaren. Was that er? Er füllte einen Korb mit Feigen, ging 
und stellte sich vor den Palast. Man fragte ihn: Was ist dein 
Anliegen? Ich habe gehört, gab er zur Antwort, dass der König 
die Feigen sehr liebt und mit Denaren eintauscht, Sie gingen 
hinein und meldeten dem König: Ein Alter steht am Thore des 
Palastes und trägt einen Korb voll Feigen. Er sprach zu ihm: Was 
ist dein Anliegen? Ich habe gehört, versetzte er, dass der König 
die Feigen liebt und sie mit Denaren eintauscht. Der König befahl, 
dass man ihn vor das Thor des Palastes setze und jeder Aus- und 
Eingehende ihn mit seinen Feigen in's Gesicht werfen solle. Am 
Abend wandte er sich von da weg und ging nach Hause und er- 
zählte seinem Weibe: Alles, was mir begegnet ist, habe ich dir zu 
danken. Geh, sprach sie zu ihm, schwatze es deiner Mutter vor, 
(gut) dass es nur Feigen und nicht Ethroge und dass sie reif und 
nicht unreif waren. R. Huna bar Kapra sagte: Unser Vater Abra- 
ham sass und lehrte (trug vor): Vom Baume wird hier Orla (Aus- 
wuchs) gesagt und ebenso auch vom Menschen? Sowie Orla bei 
dem Baume einen Ort bezeichnet, der Früchte bringt, so muss Orla 
auch beim Menschen ein Ort sein, welcher Früchte bringt. Hat 
denn aber unser Vater Abraham , fragte R. Chanin ben Pasi, schon 
solche Schlüsse vom Leichten auf das Schwere*) und von Wort- 

•) lOVn Sp, Kai Wachomer, eig. Leichtes und Schweres (de majore 

ad minus und de minore ad majus) ist eine von den dreizehn logischen 

Können, wonach in gesetzlicher Beziehung der Schluss vom Leichteren auf 

das Schwerere und ebenso umgekehrt gezogen wird. Vgl. Levy, Neuhebr. 

und C\ia\d. WB II, S. 76. 



IjO P«'- XXV. Cap. XIX, 33. 

analogien*) gemacht? Allein es ist ihm angedeutet worden Gen. 
17, 2: „Ich will meinen Bund machen zwischen mir und dir und 
dich mehren gar sehr," folglich an einem Orte, welcher furchtbar 
sieb zeigt. R. Ismael hat gelehrt: Gott wollte das Friestetthum 
von Sehern ausgehen lassen, wie es heisst das. 14, 18: „Melchizedek, 
König von Schalem." Weil er aber den Segen (das Lob) Abrahams 
dem Segen Gottes voranstellte, so sprach Abraham zu ihm: Lässt 
man denn den Segen (das Lob) des Knechtes dem Segen des Herrn 
vorangehen? Darum entzog ihm Gott das Priesterthum und gab 
es dem Abraham, wie es heisst Ps. tio, i: „Ausspruch des Ewigen 
zu meinem Herrn," und darauf folgt: „Der Ewige hat geschworen 
und bereut es nicht, du bist Priester auf ewig nach Weise Melchi- 
zedeks" d. i. auf Grund des Ausspruchs von Melchizedek. Das steht 
auch Gen. 14, ig: „Gesegnet sei Abraham dem höchsten Gott, dem 
Urheber des Himmels und der Erde." R. Ismael und B. Akiba. 
R. Ismael sagt: Abraham war Hoherpriester, er beruft sich auf den 
Vers: „Der Ewige schwur und bereut es nicht: Du bist Priester auf 
ewig," und es heisst das. 17, 11: „Ihr sollt beschnitten werden am 
Fleische eurer Vorhaut." An welchem Orte soll er beschnitten 
werden? Wird er am Ohre beschnitten, so taucht er nicht mehr 
zum Altardienste, wird er am Herzen beschnitten, so taucht er nicht 
mehr zum Altardienste und wenn er am Munde beschnitten wird, 
so taucht er auch nicht mehr zum Altardienste, wo soll er nnn be- 
schnitten werden, dass er für den Altardienst tauglich ist? Folglidi 
betrifft die Vorschrift den Körper. R. Akiba sagt: Es giebt Ora- 
loth (d. i, das Wort Orla wird von vier verschiedenen Dingen ge- 
braucht), i) vom Ohre s. Jerem. 6, 10: „Siehe, unbeschnitten ist ihr 
Ohr;" 2) vom Munde s, Ex. 6, 30: (Mose sagte): „ich bin unbe- 
schnitten an Lippen;" 3J vom Herzen s. Jerem. 9, 30: „Und das 
ganze Hans Israels ist unbeschnittenen Herzens." Und es heisst 
Gen. 17, i: „Wandle vor mir und werde vollkommen (o-nn)." An 
welchem Orte soll nun die Beschneidung vollzogen werden? Wird 
er am Obre beschnitten, so ist er nicht mehr vollkommen (0*^1311), 




Par. XXV. Cap. XIX, 23. 171 

R. Tanchuma sagt: Der Aussprach Nagdas erhellt daraus, dass es 
heisst das. 17, 14: „Und ein unbeschnittenes Männliches, das nicht 
beschnitten worden ist am Fleische seiner Vorhaut" u. s. w. R. Judan 
im Namen des R. Jizchak nnd R. Berachja im Namen des R. Jizchak 
erklärten, dass R. Jose bar Chalaphtha in Bezug auf diesen Satz: 
„Ein mibeschnittenes Männliches" gelehrt habe: Giebt es denn ein 
anbeschnittenes Weibliches? Allein es handelt sich um die Stelle, 
woran man sieht und erkennt, ob es ein Männliches oder ob es 
ein Weibliches ist, da soll die Beschneidung an ihm vollzogen werden. 
R. Levi bar Sisi erklärte Ezech. 16, 26: „Du buhltest mit den Kin- 
dern Aegyptens, deiner Nachbarin, mit grossen Gliedern und häuftest 
deine Bohlerei mich zu erzürnen." Was heisst: nion "^^na? Hat 
denn einer nur einen Fuss und ein anderer drei? Allein es soll 
damit angedeutet werden, dass sie alle unbeschnitten waren und 
zwar in dem Sinne des erwähnten Verses: „Und ein unbeschnittenes 
Männlidies, das nicht am Fleische seiner Vorhaut beschnitten ist." 
Rabbi sagt: Sie waren grosse starke Männer. R. Berachja und 
R. Samuel bar Nachmani sagten: £s heisst Jos. 5, 3: „£r beschnitt 
die Israeliten an dem Hügel Araloth (der Vorhäute)." R. Levi 
sagte: Das war ein Ort, welcher durch Vorhäute zu einem Hügel 
angewachsen war s. Cant. 5, 15: „Seine Schenkel sind Marmorsäulen." 
Unter: •»•^pnö „seine Schenkel" ist die Welt und unter: ttjio "»TiTaa^ 
„Marmorsäulen" ist die Gründung auf die sechs Schöpfungstage zu 
verstehen, wie es heisst £x. 20, 11: „Denn in sechs Tagen hat der 
Ewige gemacht" „Gegründet auf Gestellen von Gold" d. s. die 
Worte der Thora, von denen es heisst Ps. 19, 11: „Sie sind köst- 
licher als Gold und viel feines Gold." Oder unter den Worten: 
„Gegründet auf Gestellen von Gold" sind die Abschnitte der Thora 
zu verstehen, die nach den vorhergehenden und darauffolgenden 
ansgeJegt werden können. Womit sind sie zu vergleichen? R. Huna 
sagte im Namen des Bar Kapra: Wie eine Säule nach unten eine 
Basis und ein Capital nach oben hat, so können auch die verschie- 
denen Abschnitte der Thora mit den vorhergehenden oder nach- 
folgenden ausgelegt werden. Mit den vorhergehenden — es heisst: 
,,Wenn ihr in das Land kommt und allerlei essbare Bäume pflanzet" 
nnd vorher heisst es V. 20: „So ein Mann bei einem Weibe lieget 
im Beischlaf" u. s. w. Wie passt eins zum andern? Allein wenn 
er um ihn gräbt, so ist es ihm um Vermehrung (um Fruchtbarkeit) 
zu tbun, und dadurch, dass er in seinem Hause aus- und eingeht, 
macht er sich bei seiner Magd verdächtig, er spricht dann: Bin ich 
nicht ein Sühn- und Schuldopfer zu bringen schuldig? Ich bringe 
ein Sühn- und ich bringe ein Schuldopfer; denn R. Judan hat im 
Namen des R. Levi gesagt: Diejenigen, die im Umgange mit Mägden 
in dieser Welt sich mehr Freiheit nehmen, als sie sollen, werden einst 
an den Scheiteln ihrer Häupter aufgehängt werden, wie es heisst 
Ps. 68, 22: „Ja, er zerschmettert das Haupt seiner Feinde, den 
Haarscheitel desjenigen, der in seiner Schuld wandelt." Was heisst: 



172 Par. XXVI. Cap. XXI, I. 

T^TDCNS "^brir/S? Alle Leute sagen: Da geht der Mann in seiner 
Schuld! da geht der Mann in seiner Schuld 1 Mit dem nachfolgenden, 
wie es heisst Lev. 19, 23: „Drei Jahre sollen sie euch unbeschnitten 
bleiben" und dann folgt V. 26: „Ihr sollt nichts mit Blut essen." 
Wie passt eins zum andern? Gott spricht zu den Israeliten: Da 
wartest auf die Orla drei Jahre lang, und auf dein Weib kannst 
du nicht so lange warten, dass sie ihre Menstruation beobachte? 
Auf die Orla wartest du drei Jahre und bei deinem Vieh kannst 
du nicht so lange warten, bis das Blut ausgeflossen ist? Wer hat 
denn die Vorschrift betreffs des Blutes gehalten? Saul s. i Sam. 
14) 33* f)Man berichtete dem Saul: Siehe, das Volk sündigt gegen 
den Ewigen, indem sie mit Blut essen, und Saul sprach darauf: 
Zerstreut euch unter das Volk und schlachtet mit diesem." Was 
heisst MTl? Die Rabbinen sagen: Er zeigte ihnen ein vierzehn 
Finger langes Messer; denn i ist zwei, T ist sieben und n ist fünf. 
Er sprach zu ihnen: Nach dieser Ordnung sollt ihr schlachten und 
essen. Wann hat es ihm Gott vergolten? An dem Tage der 
Schlacht mit den Philistern. Da heisst es das. 13, 22: „Und es war 
an dem Tage der Schlacht, da ward kein Schwert gefunden." Es 
wurde keins gefunden. Und es heisst: „Bei Saul und Jonathan 
wurden sie gefunden?" Wer hat es ihn finden lassen? R. Chaggi 
sagte im Namen des R. Jizchak: Ein Engel Hess es ihn finden. 
Die Rabbinen sagen: Gott Hess es ihn finden. Es heisst ferner 
das. 14, 35: „Saul baute einen Altar dem Ewigen." Fing er erst 
an, einen Altar zu bauen, wie viele Altäre waren nicht schon vor 
ihm gebaut worden? Noach hat einen gebaut, Abraham einen, 
Jizchak einen, Jacob einen, Mose einen, Josua einen und hier heisst 
es: Er fing an zu bauen? Allein er war der erste unter den Kö- 
nigen, der einen Altar gebaut hat. Rabbi sagte: Weil er für diese 
Sache sein Leben einsetzte, so erachtet es ihm die Schrift so, als 
hätte er angefangen, einen Altar dem Ewigen zu bauen. R. Simeon 
ben Lakunja sagte: In dieser Welt ist es so, einer baut und ein 
andrer reisst nieder, einer pflanzt und ein andrer isst, aber einst 
wird es anders sein, wie es heisst Jes. 65, 22. 23: „Sie werden nicht 
bauen und ein anderer wird bewohnen, nicht pflanzen und ein 
anderer wird essen und sie werden sich nicht vergeblich bemühen.'* 
Ferner heisst es das. 61, 9: „Ihr Same wird unter den Völkern 
bekannt (berühmt) sein." 

Parascha XXVI. 

Cap. XXI. V. I, Sprich zu den Priestern, den Söhnen 
Aarons. R. Tanchuma bar R. Chanilai eröffnete seinen Vortrag 
mit Ps. 12, 7: „Die Worte des Ewigen sind reine Worte." Die 
Worte des Ewigen sind reine Worte, die Worte eines menschlichen 
Wesens aber sind nicht reine Worte. Gewöhnlich wenn ein König 
von Fleisch und Blut in eine Stadt einzieht, so preisen ihn die 



Par. XXVI. Cap. XXI, i. 



m 



Bewohner und ihr Lobpreis ist ihm angenehm. Da spricht er zu 
ihnen: Morgen werde ich öffentliche Thermen und Bäder für euch 
bauen und morgen werde ich eine Wasserleitung für euch anlegen. 
Er schläft darüber ein und steht nicht mehr auf (d. i. er schläft ein 
and stirbt), wo ist er und wo sind seine Reden (d. i. wie steht es 
da mit ihm und mit seinen Versprechungen)? Aber Gott ist nicht 
so, sondern es heisst Jerem. lo, lo: „Und der Ewige ist ein Gott 
der Wahrheit" Warum heisst er rr«, Wahrheit? R. Abin sagte: 
Weil Gott lebt und König der Welt ist, darum sind auch seine 
Worte rein. R. Judan im Namen des R. Jochanan und R. Berachja 
im Namen des R. Eleasar und R. Jacob von Kephar Chanin sagen 
im Namen des R. Josua ben Levi : Wir finden , dass Gott eine Um- 
icbreibang von fünf Buchstaben gemacht hat, um nicht einen häss- 
licben Ausdruck aus seinem Munde auszusprechen, wie es heisst 
Gen. 7, 2: „Von den reinen Thieren und von den nicht reinen 
Thicren.***) An einer andern Stelle umschreibt er zwei bis drei 
Worter, am nicht etwas Unreines (einen unpassenden Ausdruck) aus 
seinem Munde auszusprechen, sowie es heisst das. V. 2: „Von allen 
Thieren, die nicht rein sind." Es heisst nicht: n«7:ö icfi«, welche 
unrein sind, sondern: «"rr n'iinö wb n^N, welche nicht rein sind. 
R. Jodan ben Menasse machte die Bemerkung: Als er ihnen die 
Zeichen (Merkmale) der unreinen Thiere eröffnen wollte, eröffnete 
er ihnen zuvor die der reinen Thiere. Lev. 11, 4 heisst es nicht: 
Das Kamel, denn es hat nicht gespaltene Klauen, sondern: „ob- 
gleich es wiederkäuet.'* Und so heisst es nicht: „Der Klippdachs, 
denn er hat nicht gespaltene Klauen, sondern: obgleich er wieder- 
käuet." Ebenso ist es beim Hasen und beim Schwein. R. Jose 
von Malchya und R. Josua von Sichnin sagten im Namen des R. 
Levi: Wir finden, dass die Kinder zur Zeit Davids, solange sie noch 
nicht die Sünde gekostet hatten, schon die Thora auf neunundvierzig 
Arien der Unreinheit und auf neunundvierzig Arten der Reinheit 
duszulegen wussten. David betete für sie, wie es heisst Ps. 12, 8: 
.,Du, Ewiger, wirst sie behüten** d. i. der Ewige wird ihre Lehren 
in ihren Herzen bewahren; „sie bewahren auf immer vor diesem 
Oeichltchte** d. i. vor dem Geschlechte, was eigentlich den Unter- 
i'arg verdient hätte. Nach all diesem Lobe zogen sie in den Krieg 
Q^d fielen, und zwar nur darum, weil es Verräther unter ihnen 
r:ab, was auch David sagt Ps. 57, 5: „Meine Seele ist unter Löwen.** 
-''^ir, Löwen d. i. Abner und Amasa, welche Löwen in der Thora 
*iren; „unter Flammensprühenden lieg ich'* d. i. Doeg und Achi- 
t'^jhel, welche der Verläumdung ergeben waren; „unter Menschen, 
deren Zähne Lanzen und Pfeile sind** d. s. die Bewohner von Keila, 
•on denen es heisst i Sam. 23, 11: „(David sagte:) Werden mich die 

•) Er halte doch nur riHSö zu sagen brauchen. Um dieses Wort nicht 
iüzu.prcchen , sagt er: Von den Thieren, die nicht rein sind pir« nsn^n p^ 
'"^.'^ r::*K;. Vergl. Pesach. fol. 3». 



Bewohner von Ke'ila ausliefern in seine Hand;" „deren Zan^je ein 
scharfes Scliwert ist," nämlich die Siphiter, von denen es beisst 
Ps. 54, 2: „Als die Siphiter kamen und zu Saul sprachen: Siehe, 
David ist verborgen bei uns." In dieser Stunde sprach David: Was 
macht die Schechina auf der Erde s. das. 57, 6: „Erhebe dich über 
aie Himmel, Gott" d, i. nimm deine Schechina von ihnen. Alier 
das Geschlecht Achabs — obgleich sie alle dem Götzendienste er- 
geben waren, da es aber keine Verräther unter ihnen gab, so zogen 
sie aus in den Krieg und siegten. Das sagte auch Obadja zu Elia 
s. I Reg. 18, 13: „Ist nicht meinem Herrn berichtet worden, dass 
ich sie (die Propheten} mit Brod und Wasser versorgte? Wenn „Brod" 
{cnb) steht, wozu noch „Wasser" (D"-»)? Allein daraus geht hervor, 
dass das Wasser ihm schwerer zu bringen war, als das Brot, Und 
Elia rief auf dem Berge Carmel aus und sprach s. das. V. 22: ,,lcb 
allein bin als Prophet des Ewigen noch übrig geblieben," das ganze 
Volk weiss es und macht es dem Konig nicht bekannt. R. Samuel 
bar Nachmani sagte: Man fragt die Schlange: Warum hältst du 
dich zwischen Zäunen auf (eig. warum wirst du zwischen Zäunen ge- 
funden)? Sie antwortete: Weil ich den Zaun der Welt niedergerissen 
habe. R. Simeon ben Jochai hat gelehrt: Die Schlange hat zoerst 
den Zaun der Welt niedergerissen, darum ist sie auch zum Schergen 
(Scharfrichter) für alle Zaunniederreisser geworden. Man fragte ae 
(die Schlange) ferner: Warum beissest du? Was nützt es dir? Der 
Lowe Eertritt und verzehrt [das Zertretene), der Wolf zerreisst und 
verzehrt (seinen Rauh), du beissest und tSdtest (und hast keinen Ge- 
nuss davon)? Sie antwortete mit Koh, [o, 11: „Wenn die Schlange 
beisst ohne Zauberspruch." Ist es möglich, dass ich etwas thue, 
wenn es mir nicht von oben geheissen wird? Man fragte die 
Schlange ferner: Warum beissest du in ein Glied und dein Gift vei^ 
breitet sich in alle Glieder? Sie antwortete: Was fragt ihr mich? 
Hat der Verläumder einen Vorzug [etwas voraus), welcher z. B. in 
Rom sitzt und in Syrien tödtet, oder umgekehrt in Syrien sitzt und 
in Rom lödtet? Und warum wird die Verläumdung dritte (■'ä'-tc) 




Par. XXVI. Cap. XXI, i. 175 

^thalten mochte). Der Sohn sprach: Bereits ist das Wort Wahrheit 
(bereits ist die Sache richtig). Was that er? Er schlug seinen Vater 
^d todtete ihn. Man brachte ihn darauf vor das Gericht und er 
varde zum Tode verurtheilt Auch das Weib, das den Vater ver- 
länmdet hatte, wurde zum Tode verurtheilt So ergiebt sich, dass 
die Zange (Verläumdung) drei Menschen getödtet (um's Leben ge- 
bracht) hat Und in den Tagen Sauls sogar vier, nämlich Doeg, 
der gesprochen, Saul, der es angenommen und Achimelech, über 
den es gesagt worden war. Warum wurde Abner getödtet? R. Josua 
ben Levi sagte: Abner wurde darum getödtet, weil er das Blut der 
Kinder als Scherz (für so leicht) genommen hatte. Das steht auch 
2 Sam. 2, 14: „Und Abner sprach zu Joab: Möchten doch die Kna- 
ben auftreten und vor uns scherzen." R. Simeon ben Levi sagte: 
Weil er seinen Namen Davids Namen hatte vorausgehen lassen, 
wie es heisst das. 3, 12: „Und Abner schickte Boten an David statt 
seiner imd sprach: Wem gehört das Land?" Siehe, so steht auch 
geschrieben: „Von Abner an David."*) Die Rabbinen sagen: Weil 
Sani sidi mit David versöhnen wollte, und Abner Hess es nicht zu. 
David sprach nämlich zu ihm s. i Sam. 24, 12: „Mein Vater, siehe, 
ja siehe!** Was willst du mit deinem Geschwätz (d. i. was hörst du 
auf Davids Prahlereien, er hätte dir selbst den Zipfel des Mantels 
abgeschnitten), durch einen Dorn ist er (von deinem Obergewande) 
abgerissen worden. Wenn ihr kommt nach der Wagefnburg (s. i Sam. 
26, 5. 7: und nehmet Krug und Lanze über seinem Haupte), so sage 
ihm: Antwortest du nicht, Abner? Beim Zipfel sagtest du: Durch 
einen Dom ist er abgerissen worden, sind Lanze und Krug auch 
durch einen Dorn abgerissen worden? Manche sagen: Weil er im 
Stande war, Saul gegen Nob zu wehren (d. i. von der That gegen 
Nob abzuhalten) und er hat ihm nicht gewehrt (abgehalten). R. Tan- 
chum bar R. Chanilai sagte: Mose hat uns zwei Abschnitte in der 
Thora geschrieben, die rein sind und wem sind sie übergeben 
worden? Dem Stamm Levi, von dem , es heisst Ps. 12, 7: „Silber, 
geläutert in der Werkstatt der Erde" und Mal. 3, 3: „Er sitzet 
schmelzend und läuternd das Silber und reinigt die Kinder Levis 
nnd läutert sie." Und welche sind es? Der Abschnitt von der 
rothen Kuh und der Abschnitt von der Berührung eines Todten. 

Und der Ewige sprach zu Mose: Sprich zu den Priestern. Das 
steht auch Ps. 19, 3: „Ein Tag strömt dem andern die Rede zu." 
Es ist gelehrt worden: Am ersten der Sonnenwende im Nisan und 
am ersten der Sonnenwende im Tischri sind Tag und Nacht gleich, 
von da ab und weiter leiht der Tag von der Nacht und die Nacht 
vom Tage und sie bezahlen sich einander alles mit freundlichen 
Worten, ohne eine Urkunde und ohne einen Richterspruch. Das 
wollen die Worte sagen: „Ein Tag strömt dem andern zu." Aber 
hier unten auf Erden, wie viele Urkunden, wie viele Richtersprüche 



•) D. i. der Name Abners geht dem Namen Davids voran. ^ 



fj^ Par. XXVr. C«p. XXI, 1. 

sind da nöthig! Das. V. 5: „Durch alle Lande gebt ihre Kunde." 
R. Schalom im Namen des R. Acha bar R. Seira sagte: Gleich 
einem, der die Hegemonie (das Verwaltungsamt) vom Könige über- 
nahm, so lange er noch nicht sein Amt angetreten hatte, ging er 
wie ein Gemeinet umher, als er aber sein Amt angetreten batte, 
ging er wie ein Vornehmer einher. Solange sie nicht in die Welt 
hinausgingen, beisst es nicht: „es sind keine Worte," als sie aber 
in die Welt hinausgegangen waren, wie viele Urkunden und wie 
viele Richterspruche giebt es da! „Durch alle Lande gebt ihre 
Kunde." R. Berachja sagte im Namen des R. Levi: Gleich einem 
Israeliten und einem Priester, welche epileptisch waren. Da kam 
aber ein erprobter Arzt zu ihnen und er verordnete dem Israeliten 
und liess den Priester ausser Acht! Da sprach zu ihm der Priester: 
Warum verordnest du dem Israeliten und mich lassest du ausser 
Acht? Der Arzt antwortete: Weil der Israelit zwischen den Gräbern 
zn gehen pflegt, du aber bist ein Priester und pflegst nicht zwischen 
den Gräbern zu gehen, deshalb verordne ich dem Israeliten und 
lasse dich ausser Acht. So auch die höheren Geister. Weil bei 
ihnen kein böser Trieb (keine Leidenschaft) vorhanden ist, so bedarf 
es nur eines Wortes bei ihnen, wie es beisst Dan. 4, 14: „Bescbluss 
der Wächter ist solches und Ausspruch der Heiligen dieses;" bei 
den Unteren aber, in denen der böse Trieb (die Leidenschaft) vor- 
handen ist, da bedarf es eindringlicher Reden (eig. zweier Worte) 
und möchten sie immer von Erfolg sein! Daher beisst es: „Und 
der Ewige sprach zu Mose: Sprich zu den Priestern, den Söhnen 
Aarons." 

Oder: „Sprich zu den Priestern," wie es heisst Ps. 19, 10: „Die 
Furcht des Ewigen ist rein und besteht ewig." R. Levi sagte: 
Wegen der Furcht, die Aaron vor Gott hatte, war er so glücklich, 
dass dieser Abschnitt ihm übergeben wurde, damit er weder von 
ihm, noch von seinen Söhnen, noch von seinen Enkeln weiche bis 
an's Ende aller Geschlechter. Welcher Abschnitt ist es? Der Ab- 
schnitt betreffs eines Todten, wie es heisst: „Und der Ewige sprach 



Par. XXVI. Cap. XXI, i. lyy 

^"^iehen wollte, fragte er: Giebt es hier keinen Hahn, welcher 
^ht? Bist du es nicht, antwortete man ihm, der befohlen und 
gesagt hat, alle Hühner hier sollen geschlachtet werden? So hatte 
^nch Saul alle Zauberer und Wahrsager aus dem Lande verwiesen, 
öad jetzt spricht er: „Suchet mir ein Weib, das eine Zauberin ist" 
Trotzdem antworteten ihm seine Diener: Hier ist eine Todtenbe- 
scbworerin. Das. V. 8: „Saul entstellte sich (durch Kleider)" d. i. 
er wurde ledig der Herrschaft.*) Dann heisst es das.: „Und er zog 
andere Kleider an" d. i. gemeine (schlechte) Kleider. „Und er ging, 
er und zwei Männer mit ihm," nämlich Abner und Amasa. R. Ibo 
sagte: Die Schrift will dir hiermit eine Verhaltungsregel geben, dass 
der Mensch nicht mit weniger als zwei Personen sich auf die Reise 
begebe, weil, wenn er allein ausgeht, am Ende ein Diener für seinen 
Diener gehalten wird; denn R. Ibo hat gesagt: Zwei Menschen haben 
sich anständig auf der Reise betragen, nämlich Abraham und Saul. 
Abraham, wie heisst es da Gen. 22, 3? „Und es machte sich 
Abraham frühmorgens auf und nahm zwei seiner Knaben (Knechte) 
mit sich." Und wer waren sie? Ismael und Elieser. Und Saul, 
wie heisst es da i Sam. 28, 8? „Und er ging, er und zwei Männer 
mit ihm." Wer waren sie? Abner und Amasa. „Und sie kamen 
zu der Frau des Nachts." War es denn in der Nacht? Allein daraus 
geht hervor, dass ihnen die Stunde so finster war wie die Nacht. 
Und er sprach: Wahrsage mir durch Todtenbeschwörung? Und 
das Weib antwortete ihm: Siehe, du weisst, was Saul gethan hat. 
^Und Saul schwur ihr beim Ewigen." Wem glich Saul in dieser 
Stunde? Er glich einem Weibe, sagte Resch Lakisch, welche bei 
ihrem Liebhaber ist und beim Leben ihres Mannes schwört. So 
verlangt auch Saul einen Zauberer und Todtenbeschwörer und er 
spricht: nSo wahr der Ewige lebt! es soll dich keine Schuld treffen 
bei dieser Sache. Und das Weib sprach: Wen soll ich dir herauf- 
bringen" d. i. soll es von denen einer sein, welche gesprochen 
haben: „Wer ist der Ewige" (wie Pharao), oder von denen, welche 
gesprochen haben: Wer ist gleichwie du? (s. Ex. 15, 11). „Und er 
sprach: Bringe mir Samuel herauf." Thue, was du gethan und 
sprich, was du gesprochen hast und bringe ihn herauf. Und als 
sie ihn sah, gerieth sie in Furcht, wie es heisst: „Als das Weib 
den Samuel sah, schrie sie mit lauter Stimme." Woher wusste sie, 
dass es Saul war? Weil man für den Gemeinen nicht so wie für 
einen König aufsteigt, für den Gemeinen steigt man herauf mit dem 
Gesichte nach unten (zur Erde gekehrt), für einen König aber mit 
dem Gesichte nach oben. „Und er sprach zu ihr: Fürchte dich 
nicht" Als er hörte: „einen Gott," fürchtete er sich. Manche sagen: 
Gerechte stiegen mit ihm in dieser Stunde auf. „Und er sprach 
ru ihr: Wie ist denn seine Gestalt?" Kannte er ihn denn nicht? 
Allein drei Dinge werden in Bezug auf denjenigen gesagt, welcher 

*) Dci Midr. liest BfDnnn. 
Wünsclie, Midrasch Wajikra. 12 



i 

1 



178 P"r- XXVI. Cap. XXI, i. 

einen Todten mit Nennung seines Namens herauffordert, i) wer ihn 
herauHordert, der sieht ihn, hört aber seine Stimme nicht; z) wer 
seiner bedarf, hört seine Stimme, sieht ihn aber nicht; und 3) wer 
seiner nicht bedarf, hört ihn nicht und sieht ihn nicht. So auch 
das Weib, welche den Samuel heraufsteigen Hess, sie sab ihn, hörte 
aber seine Stimme nicht; Saul dagegen, welcher seiner bedurfte, 
hörte seine Stimme, sah ihn aber nicht. Ahner und Amasa, welche 
seiner nicht bedurften, sahen ihn nicht und hörten ihn nicht. „Sie 
sprach: Ein alter Mann steigt herauf und ist in ein Oberkleid (b^n) 
gehüllt." Vergl. i Sam. 2, 19: „Seine Mutler machte ihm ein kleines 
Oberkleid (b's^n)." „Samuel sprach zu Saul: Warum beunruhigst 
da mich, dass du mich lassest heraufkommen?" 

R. Chiwa erklärte die Schrift dem Wortsinne nach. Als er an 
folgende Verse kam, weinte er, nämlich bei Am. 4, 13; „Denn siehe, 
er bildet die Berge und schafft den Wind und kündet dem Menschen, 
was seine Gedanken." Was heisst das: „Er kündet dem Menschen, 
was seine Gedanken?" R. Huna sagte im Namen des R. Jabes: 
Er bildet die Berge und schafft den Wind. R. Huna im Namen des 
R. Jabez sagte ferner: imn ist Finsterniss und Nebel d. i. selbst 
solche Dinge, in denen nichts Wesentliches ist, selbst das leiseste 
Gespräch, was ein Mann mit seinem Weibe führt, wird auf die 
Tafel des Menschen aufgezeichnet und ihm dann in der Sterbestunde 
vorgelesen. Und wer schreibt es? „Der, welcher das Morgenroth 
und die Finsterniss schafft" (Arnos 4, 13}. Ferner heisst es Zeph. 

2, 3: „Suchet den Ewigen all ihr Demüthigen im Lande;" ferner 
Am. 5, 15: „Hasset das Böse und liebet das Gute;" ferner Thren. 

3, 29: „Er giebt in den Staub seinen Mund;" ferner Koh. 8, 17: „Da 
ich sah das ganze Werk Gottes" u. s. w. Ferner: „Und Samuel 
sprach zu Saul: Warum beunruhigst du mich, dass du mich lassest 
heraufkommen?" Er sprach nämlich lu ihm: Du hättest nicht deinen 
Schöpfer erzürnen (beunruhigen) sollen, allein du hast mich zu einer 
Gottheit (einem Götzen) gemacht, weiast du nicht, dass ebenso die 
Anbeter wie die Angebeteten bestraft werden? Manche sagen; Sa- 




Par. XXVI. Cap. XXI, i. X79 

bist du es nicht, der die Priesterstadt Nob geschlagen hat, und ich 
rief dich, um mir knnd zu thun, was ich thun soll? Darauf ant- 
wortete Samuel: Warum fragst du mich?" Er sprach nämlich zu 
ihm: Gehe zu deinem Feinde, gehe zu deinem Widersacher (d. i. zu 
David) s. i Sam. 28, 16: „Und der Ewige wird ihm thun, wie er 
dnrch mich geredet, und der Ewige wird das Königthum deiner 
Hand entreissen und es deinem Freunde geben, David." Darauf 
sagte er zu ihm: Das sind nicht die früheren Worte, die er zu mir 
gesprochen hat Früher hatte er gesagt: Es (das Reich) werde 
deinem Freunde gegeben, der besser als du ist, und jetzt sagst du 
mir: Gebe zu deinem Feinde und gehe zu deinem Widersacher? 
Darauf antwortete er: Als wir beisammen waren, befanden wir uns 
in der Welt der Lüge, da hast du auch Lügen worte gehört, denn 
ich habe mich vor dir gefürchtet, du möchtest mich tödten, aber 
jetzt bin ich in der Welt der Wahrheit, da hörst du von mir nur 
Worte der Wahrheit. Nicht umsonst hat Gott dir dieses gethan, 
sondern darum, „weil du der Stimme des Ewigen (deines Gottes) 
nicht gdiorcht und den Grimm seines Zorns nicht an Amalek aus- 
geübt hast, und der Ewige wird auch Israel mit dir in die Hand 
der Philister geben.'* Darauf fragte Saul: Kann ich nicht fliehen 
(kann idi nicht durch Flucht mich retten)? Samuel antwortete: 
Allerdings kannst du fliehen und dich retten, aber auch dann musst 
da didi auf das Strafgericht gefasst machen (eig. auch wenn du es 
thust, nimmst du das Strafgericht auf dich); „morgen wirst du und 
dane Sohne bei mir sein." Was heisst: «^Toy, bei mir? R. Jochanan 
sagte: Mit mir in meinem Kreise. Als Saul die Worte Samuels 
vernahm, gerieth er in Furcht, wie es heisst das. V. 20: „Da fiel 
Saul plötzlich zur Erde die Länge lang und fürchtete sich sehr vor 
den Worten Samuels." Da fragten ihn Abner und Amasa: Was 
hat dir Samuel gesagt? Er antwortete ihnen: Er hat mir gesagt: 
Morgen ziehst du in den Krieg und siegst, und nicht nur das, son- 
dern deine Söhne werden als grosse Männer angesehen werden.*) 
Er nahm seine drei Söhne und zog in den Krieg. Resch Lakisch 
sagte: In dieser Stunde rief Gott die Dienstengel und sprach zu 
ibnen: Kommt und seht, was für ein Geschöpf ich in meiner Welt 
erschaffen habe! Gewöhnlich nimmt ein Mensch (Vater), wenn er 
zu einem Gastgelage geht, seine Söhne nicht mit, um kein Aufsehen 
zu err^en, dieser (Saul) aber zieht in den Krieg und weiss, dass 
er umgebracht werden wird, und er nimmt seine Söhne mit sich 
Tind freut sich über das Strafgericht, was ihm bevorsteht. R. Josua 
von Sichnin sagte im Namen des R. Levi: Hieraus ergiebt sich, 
dass Gott dem Mose die kommenden Geschlechter mit ihren Richtern, 
Königen, Weisen (Gelehrten), Führern, Lehrern, Vögten, Vor- 
stehern, Bedrückern, Räubern und Propheten und ebenso auch Saul 
und seine Söhne in das Schwert fallend gezeigt hat. Da sprach 



•) Djls hat er gesagt, um das Volk nicht zu entmuthigen. 

I2* 



l8o P»r. XXVL C«p. XXI, I. 

Mose vor ihm: Soll denn der erste König, der über deine Kinder 
gesetzt ist, mit dem Schwerte erstochen werden? Gott sprach za 
ihm: Das sagst da mir? Sprich mit den Priestern, die er erschlagen 
hat, die klagen mich an. Daher heisst es: „Und der Ewige sprach 
zo Mose: Sprich mit den Priestern, den Söhnen Aarons." Die 
Rabbinen haben gelehrt: Wegen fünf Sünden (Vergehungen) ist 
jener Gerechte erschlagen worden, wie es heisst i Chron. lO, 13: 
„Saul starb wegen der Untreue, die er gegen den Ewigen begangen," 
nämlich t) weil er die Priesterstadt Nob zu Grunde gerichtet, 2] wdl 
er Agag geschont hat, 3) weil er auf Samuel nicht gehört hat, wie 
es heisst i Sam. 10, 8: „Sieben Tage sollst du warten, bis ich zn 
dir komme," er hat aber nicht so gethan, 4) weil er Todtenbe- 
schwörer und Wahrsager befragt und nicht den Ewigen gesucht 
hat, so tödtet er ihn. Das sagt auch Hi. 34, 11: „Ja des Menschen 
Thun vergilt er ihm und nach jegliches Wandel lässt er ihn finden." 
Und es heisst auch Lev. 20, 27: „Ein Mann oder ein Weib, wenn 
unter ihnen ein Todtenbeschwörer oder ein Wahrsager ist, soll des 
Todes sterben." 

„Und der Ewige sprach zu Mose: Sprich zu den Priestern, den 
Söhnen Aarons" n.s.w, Ueberall, wo das Wort iMtcn, und er sprach 
wiederholt wird, da muss es ausgelegt werden. So EstL 7, 5: „Und 
der König Achaschverosch sprach und er sprach zu I^ther, der 
Königin." Wozu das Wort iTSWi zweimal? Er sprach zu ihr: 
Wenn Haman derjenige ist, (von dem du gesagt hast, dass er dein 
Volk zum Hinrichten verkauft hat,] gut, wo nicht, so sage, dass 
er es Willens ist. Rab sagt: Bis jetzt kannte Achaschverosch noch 
nicht, dass Esther eine Jüdin war, und er sprach daher mit ihr durch 
einen Dolmetscher, nachdem er sie aber als solche erkannt hatte, 
fing er an mit ihr zn sprechen. Desgleichen heisst es auch 1 Reg. z: 
,33 trat hin der Gotlesmann und sprach zum König Israels und 
sprach: So hat der Ewige gesprochen." Da. steht auch das Wort 
^\^as■^^ doppelt, nämlich zuerst sprach er: Wenn Senhadad in deine 
Hand fällt, so schone ihn nicht, und dann sprach er zu ihm: Wisse, 




Par. XXVI. €ap. XXI, i. ,8i 

J^iire lang glühten die Kohlen in der Hand Gabriels, weil er glaubte» 
<iass die Israeliten Bosse thun würden, als das nicht geschah, wollte 
'^V' sie verstreuen und die Eier ausmerzen. Da sprach aber Gott 
^in ihm: Gabriel, Gabriel! es giebt Menschen unter ihnen, die wohl- 
^liätig g^en einander sind, wie es heisst das.: „Er zeigte den Che- 
xmbim die Gestalt einer Menschenhand/'*) R. Abba sagte im Namen 
<3es R. Berachja: Wer stellt (erhält) die Oberen und wer die Unte- 
x-en? Die Wohlthätigkeit, die sie mit der Hand üben. Das steht 
.a^nch Ps. 71, 19: „Und deine Wohlthätigkeit, Gott, bis zur Höhe." 
XJnd BXtch hier heisst es: Sprich zu den Priestern und sprich zu 
zürnen. Das erste n73Ä"«i (eig. das erste Sprechen, nsiüK^i Si^"«73flt) 
<3eatet an, dass er sich an einer pflichtmässigen Leiche verun- 
-weinigen darf, und das zweite ^rK*^! deutet an, dass er sich an an- 
<leren Leichen nicht verunreinigen darf. Deshalb also heisst es: 
"•nnTaö^t sprich und riTO», du sollst sprechen. Und was steht nachher? 
^. 10: „Und der Hohepriester unter seinen Brüdern" u. s. w. Warum 
lieisst er Hoherpriester? Weil er in fünf Dingen (Beziehungen) gross 
ist (die andern überragt), nämlich an Weisheit, an Kraft, an Schön- 
lieit, an Rdchthum und an Jahren. Was die Schönheit anlangt, 
^o muss er an Schönheit seine Brüder (Collegen) übertreffen; was 
<lie Kraft anlangt, so muss er stark sein. Komm und siehe! Aaron 
inachte eine Webe mit 22,000 Leviten an einem Tage. Worin be- 
-atand die Webe? Er führte sie hin und her, herauf und herunter. 
Daran kannst du erkennen, dass er sehr gross an Kraft war. An 
Heicbthum, woher lässt sich das beweisen? Wenn er nicht reich 
N7ar, so mussten seine Brüder, die Priester, ihn reich machen. Pin- 
<:has, der Steinmetz, ward zum Hohenpriester erhoben, da ihm aber 
seine Brüder, die Priester, Steine behauen sahen, füllten sie vor ihm 
einen behauenen Stein mit Golddenaren. Und woher lässt sich be- 
weisen, dass seine Mitbrüder ihn gross machen (erheben) müssen, 
wenn er es nicht ist.? Weil es heisst: „Der Priester soll der grösste 
i unter seinen Brüdern sein.** Und das betrifft nicht nur den Hohen- 

priester allein, sondern auch den König, der seinesgleichen ist. So 
Endest du nämlich beim Könige David, als er ging, um mit Goliath 
tu kämpfen, da sprach Saul zu ihm i Sam. 17, 33: „Du kannst 
nicht gegen diesen Philister gehen, um mit ihm zu kämpfen, denn 
du bist ein Knabe.** Da antwortete ihm David: „Dein Knecht war 
Hirt der Schafe seines Vaters, da kam der Löwe und der Bär und 
trug ein Lamm von der Heerde hinweg, ich setzte ihm nach, schlug 
ihn und riss es aus seinem Rachen, und da er sich wieder mich 
[ erhob, erfasste ich ihn an seinem Barte und erschlug ihn und tödtete 
ihn. Sowohl den Löweu als den Bären hat dein Knecht erschlagen, 
and diesem unbeschnittenen Philister wird wie einem von ihnen ge- 
schehen.** Da sprach Saul zu ihm: Wer hat dir gesagt: Dass du 
ihn umbringen wirst? Darauf antwortete David: Der Ewige, der 



•) Das Symbol der Wohlthätigkeit. 



l82 Pm- xxvu. C»p. xxir, a?. 

mich ans der Hand des Löwen und aus der Hand des Säien errettet 
bat, wird mich auch aus der Hand dies Philisters erretten. Darauf zog 
Saul dem David einen Panzer an. Von Sau] hcisst es: „£i ragte mit 
setner Schulter über alles Volk; als er ihm daher seine Kleider an- 
gezogen hatte und sah, dass sie ihm passten (eig. für ihn gemacht 
waren), da warf er ein böses Auge auf ihn. Als David sah, dass SauU 
Gesicht erbleichte, sprach er zu ihm: „Ich kann in diesen nicht gehen, 
denn ich habe es noch nicht versucht {ich bin nicht daran gewöhnt) 
und David legte sie von sich." Siehe, hieraus kannst du lernen, 
wenn ein Mensch auch klein (kurz) ist, so wird er, wenn er zum 
König erhoben ist, gross (lang). Und alles warum? In der Stunde, 
wo David mit dem Salböl bestrichen ward, wurde er vor allen seinen 
Biüdern gepriesen {übertraf er alle seine Brüder). Und darum sagt 
er auch: Ueber das Oel, womit ich gesalbt worden bin, bin ich 
erfreut, wie es heisst Ps. i6, 9: „Darum freut sich mein Herz und 
meine Ehre frohlockt, auch mein Fleisch wird sicher ruhen." 

Parascba XXVII. 
Cap. XXII. V. 27. Ein Ochs oder Schaf oder Ziege, 
wenn es geboren ist. Das steht auch geschrieben Ps. 36, 7; 
„Deine Gerechtigkeit ist wie Gottes Berge." (Warum wird die Ge- 
rechtigkeit mit den Bergen verglichen?) Wie die Berge Kräuter 
erzengen, so stiften auch die Gerechten gute Werke. Oder: „Deine 
Gerechtigkeit wie Berge Gottes." Wie die Berge besät werden kön- 
nen und Früchte tragen, so tragen auch die Gerechten Früchte 
und thun sich und andern wohl. Womit ist das zu vergleichen? 
Mit einer goldenen Schelle, deren Klöppel eine Perle ist. So thun 
auch die Gerechten sich und andern wohl, wie es heisst Jes. 3, 10: 
„Saget dem Gerechten, dass es ihm gut geht, denn die Frucht ihrer 
Werke sollen sie geniessen. „Und deine Gerichte ein grosser Ab- 
grund." (Für wen sind die Strafgerichte?) Für die Frevler. Wie 
der Abgrund nicht besät werden kann und auch keine Früchte er- 
zeugt, so bringen auch die Frevler keine guten Werke und tragen 




Par. XXVII. Cap. XXII, 27. 183 

Oder: „Deine Gerechtigkeit wie Berge Gottes." R. Ismael 
^gt: Die Gerechten (Frommen), welche das Gesetz, was von den 
Bergen Gottes gegeben worden ist, üben, — mit ihnen übt Gott 
Gerechtigkeit wie die Berge Gottes; dagegen die Frevler, die das 
Gesetz, was auf den Bergen Gottes gegeben worden ist, nicht 
üben, — mit ihnen nimmt es Gott so genau (streng) bis zur äussersten 
Tiefe (na^ mnn ir). R. Akiba sagt: Mit den einen wie mit den 
andern nimmt es Gott genau, nur mit dem Unterschiede: £r bestraft 
die Gerechten für die wenigen schlechten Thaten, die sie in dieser 
Welt geübt haben, damit er ihnen einst guten Lohn zu Theil werden 
lassen kann, und ebenso lässt er es den Frevlern für die wenigen 
guten Thaten, die sie in dieser Welt geübt haben, wohl ergehen, 
damit er sie einst (mit vollem Mass) bestrafen kann. R. Me'ir sagt: 
Die Gerechten werden nach ihrer Wohnstätte (Sphäre) belohnt, wie 
es heisst Ezech. 34, 14: „Auf guter Weide werde ich sie weiden und 
auf den hohen Bergen Israels soll ihre Trift sein/* Ebenso werden 
aach die Frevler nach ihrer Wohnung belohnt, wie es heisst das. 
3iy 15: ,^Am Tage, wo er in den Scheol hinabfuhr, Hess ich trauern, 
verhüllte mn ihn den Abgrund.** R. Jehuda bar Rabbi sagte ein 
Gleichniss: Sowie man für einen Kessel nicht einen Deckel von 
Silber und Gold und andern Metallen macht, sondern aus Irdenem, 
weil er von seiner Art (von gleichem Stoffe) ist, so nennt auch Gott das 
Gehinnom Finstemiss, wie es heisst Ps. 35, 6: „Ihr Weg ist Finster- 
niss nnd Schlüpfrigkeit.'* Und der Abgrund ist auch Finsterniss. 
vrie es heisst Gen. i, 2: „Und Finsterniss auf der Oberfläche des 
Abgrundes." Die Frevler sind auch Finsterniss, wie es heisst Jes. 
29, 15: ,iln Finsterniss sind ihre Werke.** So komme (eine) Finster- 
niss und bedecke (die andere) Finsterniss, wie es heisst Koh. 6, 4: 
„Denn in Eitelkeit kommt sie imd in Finsterniss wandelt sie dahin 
und mit Finsterniss ist ihr Name bedeckt.** 

Oder: „Deine Gerechtigkeit wie die Berge Gottes.** R. Juda 
bar R. Simon sagte: Die Gerechtig[keit, welche du dem Noach und 
der Arche erwiesen, ist wie die Berge Gottes, wie es heisst Gen. 8, 4: 
«Und die Arche ruhte auf dem Berge Ararat,** „und deine Straf- 
gerichte,** welche du an seinem Geschlechte (Zeitalter) geübt, haben 
^s 80 genau mit ihnen genommen bis zum „tiefen Abgrunde,** wie 
es heisst das. 7, 11: „An diesem Tage öffneten sich alle Quellen des 
grossen Abgrundes,** und als du seiner gedachtest, da gedachtest 
da seiner nicht allein, sondern (es heisst): „Gott gedachte an Noach 
ond alle Thiere** (die mit ihm in der Arche waren). 

R. Josua ben Levi sah, als er nach Rom kam, dort marmorne 
Säulen mit Tapeten bedeckt in der Hitze (Sommer), damit sie sich 
nicht spalten und in der Kälte, damit sie sich nicht verdichten (zu- 
sammenziehen) sollten. £r sah auch dort einen Armen, welcher 
^e Schilfmatte unter sich imd eine auf seinem Rücken hatte. Auf 
«iie Säulen wandte er an: „Deine Gerechtigkeit wie die Berge Gottes,** 
denn wenn du giebst, giebst du in Fülle, und auf den Armen wandte 



i84 P". XXVII. Cap. XXII, 27. 

er an: „Deine Strafgerichte wie grosse Tiefe," denn wem du nicht 
wohl willst, mit dem nimmst dn es genau.*) 

("Alexander von Macedonien zog gegen den König Kazia hinter 
den Bergen der Finsterntss, er kam daselbst in eine Stadt, Namens 
Karthagena, welche nur von Weibern bewohnt war. Sie kamen 
heraus ihm entgegen und sprachen zu ihm: Wenn dn mit uns Krieg 
führst und uns besiegst, so wird der Ruf von dir ausgehen in die 
Welt, das9 du eine Frauenstadt zerstört hast; führen wir dagegen 
mit dir Krieg und besiegen dich, so wird der Ruf vor dir auagetien 
in die Welt, dass Weiber dich besiegt haben, und dann ist deine 
Ehre dahin. Als er von da wegzog, schrieb er an das Thor: Idi, 
Alexander von Macedonien, bin ein Narr gewesen, bis ich in 
die Stadt Cartbagena kam und Rath von Weibern lernte. — Er 
zog dann in ein anderes Land, was Afrika hiess, da kamen ihm 
die Bewohner mit goldenen Aepfeln, goldenen Granaten und goU 
denem Brote entgegen. Da sprach er: Was ist das? Wird denn 
in eurem Lande Gold gegessen? Man antwortete: Nun ist es nicht 
in deinem Lande auch so? Er sagte: Uebrigens bin ich nicht ge- 
kommen, um eure Sitten, sondern um eure Rechtspflege kennen zn 
lernen. Als sie so da sassen, erschienen zwei Männer vor Gericht 
vor dem König. Mein Herr König! sagte der eine, ich habe von 
diesem Manne eine Ruine gekauft und als ich grub, fand ich eineit 
Schatz darin. Ich sprach nun zu ihm: Nimm deinen Schatz, denn 
du hast mir nur die Ruine, nicht aber den Schatz verkauft. Der 
andere sagte: Sowie du dich vor der auf Raub gesetzten Strafe 
fürchtest, so fürchte ich auch mich davor. Als ich dir die Ruine 
verkaufte, so verkaufte ich dir auch alles, was sich darin befand. 
Der König rief einen von ihnen und sprach zu ihm: Hast du einen 
Sohn? Ja, war seine Antwort. Dann rief er den andern und sprach 
zu ihm: Hast du eine Tochter? Ja! So mögen diese sich einander 
heirathen und beide den Schatz in Empfang nehmen. Alexander 
von Macedonien verwunderte sich (über diese Entscheidung). Worüber 
inderst du dich? fragte ihn Her Konig. Habe ich nicht gut 




Par. XXVir. Cap. XXII, 27. 185 

Die Israeliten sprachen vor Gott: Herr der Welt! hilf uns 
Menschen, als wenn wir Thiere wären, weil wir hinter dir wie das 
VWi gezogen werden, wie es heisst Cant. i, 4: „Ziehe mich' dir 
nach nnd wir wollen laufen." Und wohin werden wir dir nach- 
gezogen? In das Paradies (Gan Eden). Das steht auch Ps. 36, 9: 
,,Sie laben sich an der Fülle deines Hauses und mit dem Strom 
deiner Wonne trankst du sie.'* R. Eleasar bar R. Menachem sagte: 
Es heisst hier nicht: ^sny, deine Wonne (Sing.), sondern ^"^ny, deine 
Wonnen (Plnr.), daraus geht hervor, dass jeder Gerechte eine be- 
sondere Wonne (ein besonderes Eden) für sich hat. „Menschen 
und Vieh hilfst du, Ewiger.*' R. Jizchak sagte: Das Recht des 
Menschen und das Recht des Thieres sind sich gleich. In Betreff 
des Rechts des Menschen heisst es Lev. 12, 3: „Am achten Tage 
soll das Fleisch seiner Vorhaut beschnitten werden** und betreffs des 
Redits der Thiere heisst es Lev. 22 ^ 27: ,,Vom achten Tage und 
weiterhin ist es wohlgefällig als Opfergabe.*' 

R. Tancfanma begann seinen Vortrag mit Hi. 41, 3: „Wer kam 
mir zavor, dass ich ihm vergelten müsste? Unter dem ganzen Him- 
mel ist alles mein*' d. i. ein Lediger (Kinderloser), der in einer Stadt 
wohnt and die Lehrer und die Mischnalehrer bezahlt. Gott sprach: 
Mir liegt es ob, einem solchen sein Thun zu vergelten und ihn zu beloh- 
nen ond ihm einen Sohn zu geben. R. Jeremja bar R. Eleasar sagte: 
Einst wird eine Himmelsstimme ertönen (wimmern) auf den Spitzen 
der Berge und rufen: Wer mit Gott gewirkt hat, komme und em- 
pfange seinen Lohn, wie es heisst Num. 23, 23: „Zu der Zeit wird 
es Jacob gesagt und Israel, was Gott thut," und der heilige Geist 
ruft: „W^er kam mir zuvor, dass ich es ihm vergelten müsste** d. i. 
wer kam mir zuvor, bevor ich ihm nicht eine Seele gegeben, wer 
nahm zur Ehre meines Namens die Beschneidung vor, bevor ich 
ihm nicht einen Sohn gegeben, wer hat mir ein Geländer*) gemacht, 
bevor ich ihm ein Dach gegeben, wer hat mir eine Mesusa gemacht, 
bevor ich ihm ein Haus gegeben, wer hat mir eine Laubhütte ge- 
macht, bevor ich ihm einen Ort gegeben, wer hat mir einen Lulab 
gemacht, bevor ich ihm Geld gegeben, wer hat sich Schaufäden 
^iäth) gemacht, bevor ich ihm einen Tallith dazu gegeben, wer 
theüte für den Armen die Eckstücke (auf dem Feld) ab, bevor ich 
ihm ein Feld gegeben, wer hat mir die Hebe entrichtet, bevor ich 
ihm eine Tenne gegeben, wer hat die Challa vor mir abgesondert, 
bevor ich ihm einen Teig gegeben, wer hat ein Opfer abgeschieden, 
bevor ich ihm ein Thier gegeben, wie es hier heisst Lev. 22, 27: 
„Ein Ochs, ein Schaf oder eine Ziege .... vom achten Tage und 
weiterhin ist es wohlgefällig zur Opfergabe." 

R. Jacob bar Sabdai begann mit Anknüpfung an Ezech. 29, 16: 
t «Und es soll nicht mehr für das Haus Israels eine Stütze sein, die 



•) n;p^ ist die Einfassung um das platte Dach der morgenländischen 



l86 ^ar. XXVir. Cap.- XXII, 27. 

ihre Sünde in Erinnerung bringt." Und femer heisst es Jes. 6, 2: 
„Seraphim standen über ihn, sechs Flügel hatte ein jeder, mit zweien 
bedeckte er sein Gesicht, mit zweien bedeckte er seine Füsse und 
mit zweien flog er." „Mit zweien flog er" zum Lobpreis (Gottes)^ 
„mit zweien bedeckte er sein Gesicht," um nicht auf die Schechina 
zu schauen, „und mit zweien bedeckte er seine Füsse,'' dass sie 
das Antlitz der Schechina nicht sehen sollten, denn es heisst: „Der 
Ball ihrer Füsse war wie der eines Kalbfusses," und es heisst auch 
£x. 32, 8: „Sie haben sich ein gegossenes Kalb gemacht" Damm 
soll dieses nun nicht mehr dem Hause Israels zur Stütze gereichen, 
ihre Sünde in Erinnerung zu bringen. 

Es ist dort gelehrt worden: Alle Hörner (Schopharoth) sind zo 
gebrauchen (tauglich), nur das Hörn der Kuh nicht Und warum 
ist das Hörn der Kuh ausgenommen? Weil es das Hom des Kal- 
bes ist, und es heisst: „Sie haben sich ein gegossenes Kalb gemacht*' 
Darum heisst es Ezech. 29, 16: „Es soll nicht mehr dem Hause 
Israels zur Stütze dienen, die ihre Sünde in Erinnerung bringt" 

Es ist gelehrt worden: Warum darf nicht ein ungetreues Weib 
aus dem Becher trinken, aus welchem eine andere (eig. ihre Genossin) 
schon getrunken hat? Damit nicht gesagt werde: Aus diesem Becher 
hat die und die getrunken und ist daran gestorben. Darum soll 
es ferner nicht mehr dem Hause Israels als Stütze dienen, die ihre 
Sünde in Erinnerung bringt. 

Es ist ferner gelehrt worden: Es heisst Lev. 20, 16: „Du sollst 
das Weib und das Vieh umbringen." Wenn der Mensch gesündigt 
hat, was hat dann das Thier gesündigt (verschuldet)? Weil eben 
dem Menschen durch dasselbe (das Thier) ein Schimpf widerfahren 
ist, so bestimmt das Gesetz, dass es gesteinigt werde, damit es 
nicht heisse, wenn das Thier auf der Strasse geht: Das ist das Thier, 
durch welches der und der gesteinigt worden ist. „Darum soll es 
dem Hause Israels nicht ferner zur Stütze dienen, um die Sünde 
in Erinnerung zu bringen." 

„Ein Ochs oder Schaf." Wird denn ein Ochs geboren, wird 
nicht ein Kalb geboren? Allein weil die Israeliten ein gegossenes 
Kalb gefertigt haben, darum nennt hier die Schrift (das Junge) einen 
Ochsen und nicht ein Kalb. Das wollen die Worte sagen: Ein 
Ochs, oder ein Schaf, oder eine Ziege. 

Oder: „Ein Ochs, oder ein Schaf, oder eine Ziege." In Ver- 
bindung mit Koh. 3, 15: „Was war, war schon längst" R. Jehuda 
und R. Nechemja. R. Jehuda sagt: Wenn ein Mensch zu dir sagen 
sollte: Hätte der erste Mensch nicht gesündigt und von jenem 
Baume gegessen, so hätte er ewig gelebt und fortbestanden, so ant- 
worte ihm: Das ist schon der Fall gewesen, Elia, der sich keine 
Sünde hat zu Schulden kommen lassen, lebt und besteht e¥äg» 
„Und was werden soll, ist längst gewesen." Wenn dir ein Mensch 
sagen sollte, dass Gott einst uns als Todte neu beleben werde, so 



Par. XXVII. Cap. XXH, 27. 187 

sprich zu ihm: Das ist schon der Fall gewesen, es ist durch Elia, 

^ta and Ezechiel geschehen. R. Acha sagte im Namen des R. 

ChaJaphta: Alles, was Gott einst thun und in seiner Welt neu 

'nachen wird, hat er schon vorangehen lassen und hat es zum Theil 

Schon durch seine Propheten, seine Gerechten (Frommen) in dieser 

^eh gethan. Gott sprach: Ich bin es, der einst das Meer zu 

Trockenem (zu bewohntem Lande) machen wird, und ich habe es 

Xiicbt schon durch Mose gethan, wie es heisst £x. 24, 16: „Du er- 

liebe deinen Stab und recke deine Hand aus über das Meer.'* Ich 

lin es, der einst die Unfruchtbaren (Kinderlosen) bedenken wird, 

und ich habe es bereits schon gethan, wie es heisst Gen. 21, i: „Und 

der Ewige bedachte die Sara." Ich bin es, der einst bewirken wird, 

dass sich Könige vor euch bücken, wie es heisst Jes. 49, 23: „Könige 

werden deine Wärter und ihre Fürstinnen deine Ammen sein." Ich 

habe das schon durch Daniel gethan, vor dem Nebucadnezar sich 

gebückt bat, wie es heisst Dan. 2, 46: „Zu der Zeit fiel der König 

Nebucadnezar auf sein Angesicht und bückte sich vor Daniel." Ich 

werde einst die Blinden sehend machen, und ich habe es schon 

gethan, wie es heisst 2 Reg. 6, 17: „Der Ewige öffnete die Augen 

des Knappen (des Elisa)." 

Es hdsst Koh. 3, 15: „Und Gott sucht den Verfolgten." R. Huna 
sagte im Namen des R. Joseph: Immer sucht Gott den Verfolgten. 
Du findest: Ein Gerechter verfolgt einen Gerechten und Gott sucht 
den Verfolgten; ein Frevler verfolgt einen Gerechten und Gott sucht 
den Verfolgten; ein Frevler verfolgt einen Frevler und Gott sucht 
den Verfolgten, selbst wenn ein Gerechter einen Frevler verfolgt, 
so sucht Gott den Verfolgten; überall (jedenfalls) sucht Gott den 
Verfolgten. R. Jehuda bar R. Simon sagte im Namen des R. Jose 
ben Nehorai: Immer fordert Gott das Blut der Verfolgten von den 
Verfolgern. Du kannst es auch daraus erkennen, dass es so ist, 
Abel wurde von Kain verfolgt und Gott erwählte Abel, wie es heisst 
Gen. 4, 4: „Der Ewige blickte auf Abel und auf seine Opfergabe." 
Noach wurde von seinen Zeitgenossen verfolgt und Gott erwählte 
nur Noach, wie es heisst das. 7, i: „Denn ich habe dich als Ge- 
Tecblen vor mir gesehen in diesem Geschlechte." Abraham wurde 
von Nimrod verfolgt und Gott erwählte den Abraham, wie es 
heisst Nechem. 9, 7: „Du bist es, Ewiger, Gott, der du Abram er- 
wähltest;" Jizchak wurde von den Philistern verfolgt und Gott er- 
wählte Jizchak, wie es heisst Gen. 26, 28: „Wir haben gesehen, dass 
der Ewige mit dir ist;" Jacob wurde von Esau verfolgt und Gott 
Wählte Jacob, wie es heisst Ps. 135, 4: „Den Jacob erwählte sich 
Jah;" Joseph wurde von seinen Brüdern verfolgt und Gott erwählte 
Joseph, wie es heisst Ps. 81, 6: „Zeugniss hat er in Joseph gethan;" 
Mose wurde von Pharao verfolgt und Gott erwählte Mose, wie es 
keisst Ps. 106,23: „Wenn Mose sein Erwählter nicht gewesen wäre;" 
David wurde von Saul verfolgt und Gott erwählte David, wie es 
beisst Ps. 78, 70: „Er erwählte seinen Knecht David;" Saul wurde 



i88 P". xxvir, c»p. xxri. 17. 

¥0n den Philistern verfolgt und Gott erwählte Saul, wie es heisst 
1 Sam. 10, 24: „Habt ihr gesehen, welchen der Ewige erwählt hat?" 
Israel wird von den Völkern verfolgt und Gott hat Israel erwäblt, 
wie es beiast Deut. 14, 2: „Dieb hat der Ewige erwählet zu seinem 
eigenthümlichen Volke." R. EUeser bar R- Jose ben Sinara sagte: 
So verhält es sich auch mit den Opfern. Gott sprach: Der Ochs 
wird vom Löwen verfolgt, die Ziege wird vom Tiger verfolgt, das 
Schaf wird vom Wolf verfolgt, opfert vor mir nicht von den Ver- 
folgern, sondern von den Verfolgten. Das steht nun auch hier: 
„Ein Ochs oder ein Schaf oder eine Ziege, so es geboren worden." 
Oder: „Ein Ochs oder ein Schaf oder eine Ziege," Das stellt 
auch Micha 6, 3: „Mein Volk, was habe ich dir gethan und womit 
habe ich dich belästigt? Zeuge wider mich!" R. Acha sagte: 
Zeuge so gegen mich, dass du Lohn dafür bekommst, aber tritt 
nicht gegen deinen Freund als falscher Zeuge hin, worüber du ein<t 
zu Gericht und Rechenschaft gezogen werden wirst. R. Samuel 
bar Nachman sagte: An drei Stellen hatte Gott einen Rechtsstreit 
mit Israel und die Volker der Welt freuten sieb schon und sprachen: 
Sie werden nichts vermögen, um mit ihrem Schöpfer lu rechten, 
jetzt wird er sie aus der Welt vertilgen. In dieser Stunde sprach 
Gott zu ihnen Jes. i, 18: ..Kommt denn, wir wollen miteinander 
rechten, spricht der Ewige." Als Gott sah, dass sich die Völker 
der Welt freuten, wandelte er es ihnen zum Guten [zu ihrem Besten|, 
wie es heisat das.: „Wenn gleich eure Sünden wie Scharlach sind, 
wie Schnee sollen sie weiss werden." Da wunderten sich die Völ- 
ker der Welt und sprachen: Ist das eine Antwort, eine Züchtignng 
(Zurechtweisung)? Er hat nur mit seinen Kindern scherzen wollen. 
Als er femer zu ihnen sprach Micha 6, 2: „Hort, ihr Berge, den 
Streit des Ewigen," da freuten sich die Völker der Welt und spra- 
chen: Wie werden diese (Israeliten) mit ihrem Schöpfer rechten 
können? Jetzt vertilgt er sie aus der Welt. Als Gott die Freude 
der Völker sah, wandelte er es ihnen zum Guten, wie es heisst 
das. V, 3: „Mein Volk, was habe ich dir gethan?" V. 5: „Mein 




Par. XXVII. Cap. XXII, 27. 189 

^1 warten, bis das Gericht zu Ende ist. Als das der Fall war, 
fragte sie der Richter: Was hat denn dein Sohn sich gegen dich 
zu Schulden kommen lassen? Sie antwortete: Mein Herr! als er 
in meinem Leibe war, da stiess er mich. Der Richter fragte: Hat 
er dir weiter nichts gethan? Nein, antwortete sie. Geh, sprach 
der Richter zur Frau, darin (in dieser Sache) liegt nichts Sträfliches. 
Ebenso, als Gott sah, dass die Völker der Welt sich freuten, wandelte 
er es ihnen zum Guten, wie es heisst: „Im Mutterleibe fasste Jacob 
seinen Bruder an der Ferse." Da wunderten sich die Völker der 
Welt und sprachen: Ist das eine Antwort? ist das eine Züchtigung 
(Zurechtweisung)? Dieses nach jenem? Er kam nur, um mit 
seinen Kindern zu scherzen. „Und womit habe ich dich belästigt? 
Zeugte gegen mich!" Gleich einem König, führte R. Berachja als 
Beispiel an, welcher seine Gesandten ins Land schickte und die Ein- 
wohner traten vor sie hin und bedienten sie mit Schrecken und 
Furcht und Zittern und Beben. So sprach auch Gott zu den Israe- 
liten: Ich habe drei Boten an euch gesandt, Mose, Aaron und 
Mirjam. Haben diese vielleicht von euch gegessen, oder haben sie 
vielleicht von euch getrunken, oder haben sie vielleicht auf euch 
etwas gewälzt? Seid ihr nicht in ihrem Verdienste erhalten worden? 
Kam nicht das Manna im Verdienste Moses, der Brunnen im Ver- 
dienste Mirjams, das Herrlichkeitsgewölk im Verdienste Aarons? 
Gleich einem König, sagte R. Jizchak, der sein Edict {TtgoOTay^ä) 
ins Land abschickte. Was machten die Bewohner? Sie erhoben 
sich {eig. sie stellten sich auf ihre Füsse), entblössten ihre Häupter 
und lasen es mit Schrecken und Furcht, mit Zittern und Beben. 
Ebenso sprach Gott zu den Israeliten: Ich habe euch betreffs mei- 
nes Edictes nieht belästigt, denn ich habe euch nicht befohlen, dass 
ihr das Sch'ma stehend und mit entblössten Häuptern lesen sollt, 
sondern Deut. 6, 6: „Wenn du sitzest in deinem Hause und gehest 
auf deinem Wege und dich niederlegst und aufstehest." 

R. Jehuda bar R. Simon sagte: Gott sprach: Zehn Thiergattungen 
habe ich dir übergeben, drei sind in deiner Gewalt und sieben sind 
nicht in deiner Gewalt. Die drei, welche in deiner Gewalt sind, 
sind Ochs, Schaf lamm und junge Ziege, und die sieben, die nicht 
in deiner Gewalt sind, sind: Widder, Hirsch, Esel, Reh, Bergziege, 
Waldbock und Semer. Ich habe euch nicht belästigt und ich habe 
euch nicht geheissen, auf den Bergen euch abzumühen, um mir ein 
Opfer von jenen Thieren zu bringen, die nicht in deiner Gewalt 
sind, sondern von denen, die in deiner Gewalt sind d. i. von solchen, 
die an deiner Krippe aufwachsen. Das wollen die Worte sagen: 
nOchs oder Schaf oder Ziege." 

R. Levi begann mit Jes. 41, 24: „Sieh, ihr seid von Nichts und 

ener Thun ist von Nichtigkeit." „"pN?: von Nichts" d. i. DibD fi<V73 

von nicht irgend etwas und von einer übelriechenden Feuchtigkeit; 

„?t»^ von Nichtigkeit" d. i. von hundertmalen, wo die Frau auf 

dem Gebärstuhl sitzt, ist sie neunundneunzigmal für den Tod und 



I^o P"- XXVil. Cip. XXir, J7. 

nur einiBal für das Leben bestimmt. „Abscheu, wer euch erwählet" 
Obgleich dieses Kind aus dem Leibe seiner Mutter beschmutit, be- 
sudelt und voller Schleim und Blut auf die Welt kommt, so herzen 
und küssen es dennoch alle, zumal wenn es ein Knäblein ist. 

Oder: „Ihr seid von Nichts." R. Berachja sagte; in ist ein 
griechisches Wort und bedeutet Eins (^'v). Gott sprach: Ihr seid 
mir eine Nation unter den Völkern der Welt, die von Nichts sind, 
von denen geschrieben steht: „Alle Völker sind wie Nichts vor ihm 
(n33 V''^)-" i.Und euer Thun ist von Nichtigkeit." R. Levi sagt: 
Alle Wohlthaten und Tröstungen, die Gott einst Israel wird za 
Theil werden lassen, erfolgten nur wegen ihres gethanen Aussprächet 
am Sinai, da sie sprachen Ex. 24, 7: „Alles, was der Ewige ge- 
sprochen, wollen wir thun und befolgen." „Ein Gräuel, wer euch 
erwählet" d. i. jener Gräuel, von dem die Schrift sagt: „Sie haben 
sich ein gegossenes Kalb gemacht." Von jenem Gräuel bringet 
mir ein Opfer, wie es heisst: „Ein Ochs oder Schaf." Es heisst 
Hos. 7, 3: „Durch ihre Bosheit erfreuen sie den König?" Warum 
wird aber unter den Opferthieren der Ochs zuerst genannt? R. Levi 
sagte: Es verhält sich damit wie mit einer Matrone, über die man 
üble Nachreden verbreitet hatte, dass sie es mit einem der Grossen 
der Regierung (am Hofe) halle. Der König stellte eine Unter- 
suchung der Dinge an, und fand, dass an ihnen nichts Wesentliches 
war. (er fand das Gerücht für nicht gegründet). Was machte der 
König? Er veranstaltete ein Gastmahl und setzte jenen Mann (der 
die Matrone sollte verführt haben) an die Spitze der Tisch genossen. 
Und das alles warum? Um kund zu thun, dass der König die 
Dinge untersucht und daran nichts Wesentliches gefunden habe. 
Ebenso höhnen die Völker der Welt die Israeliten und sprechen ta 
ihnen: Ihr habt das Kalb gemacht, aber Gott hat die Sache unter- 
sucht und daran nichts Wesentliches gefunden. Darum wird der 
Ochs an die Spitze aller Opfer gestellt, wie es heisst: „Ein Ochs 
oder ein Schaf oder eine Ziege," 

ind R. Ibo sagten im Namen des R. Samnel bar 




Par. XXVII. Cap. XXII, 27. igi 

^rd als Opfer gebracht) mit Rücksicht auf Abraham (eig. im Ver- 

^^eijste Abrahams), von dem es heisst Gen. 18, 7: „Zu den Rindern 

^f Abraham," das Schaf mit Rücksicht auf Jizchak, denn es heisst: 

>»^ sali und siehe, ein Widder," die Ziege mit Rücksicht auf Jacob, 

^^n es heisst (die Mutter sprach zu ihm): „Geh doch zu den 

^Chafen und nimm mir von da zwei gute Ziegenböcklein." Was 

•^cisst D^mö gute? R. Berachja sagte im Namen des R. Chelbo: 

(Sie sind} gut für dich und gut für deine Kinder; gut für dich, weil 

4ii durch sie alle Arten von Segnungen empfangen wirst und gut 

für deine Kinder, weil ihnen durch sie Vergebung am Versöhnungs- 

ta^e wird zu Theil werden, wie es heisst Lev. 16, 30: „Denn an 

diesem Tage wird er euch versöhnen." 

«ylJnd es soll sieben Tage unter seiner Mutter sein." Warum 
sieben Tage? Damit untersucht werde, ob es von seiner Mutter 
gestossen« oder ob sonst ein Fehler an ihm befunden worden, siehe, 
^nn ist es unbrauchbar und nicht mehr tauglich zum Opfer (um 
es als Opfer darzubringen). Denn es ist dort gelehrt worden: Auf 
dner Geburt, die durch Operation aus der Seite genommen wird 
(lon »!ltT), lasten (sitzen) nicht die vorgeschriebenen Tage der Un- 
reinbeit und Reinheit und man ist auch nicht schuldig, dafür ein 
Opfer darzubringen. R. Simeon jedoch betrachtet eine solche Ge- 
burt wie ein (natürlich) Gehörnes. 

Oder: y,Es soll sieben Tage unter seiner Mutter sein." R. Josua 
von Sichnin sagte im Namen des R. Levi: Gleich einem Könige, 
der in ein Land zog und anordnete: Alle Fremden, welche da sind, 
sollen mein Angesicht nicht eher sehen, als bis sie zuvor das An- 
gesicht der Matrone (Königin) gesehen haben. So spricht auch Gott: 
Bringet vor mir das Opfer nicht eher, als bis an ihm ein Sabbath 
vorübergegangen ist, denn es giebt nicht sieben Tage ohne einen 
Sabbath (ohne dass nicht ein Sabbath in sie fiele), es giebt keine 
Bescbneidung, ohne einen Sabbath (ohne dass in die Zeit nicht ein 
Sabbath fallt), wie es heisst: „Vom achten Tage an und weiterhin 
ist es als Opfergabe wohlgefällig." R. Jizchak sagte: Das Recht 
dnes Menschen und das Recht eines Thieres sind sich gleich. Be- 
treffs des Rechtes des Menschen heisst es: „Am achten Tage soll 
das Fleisch seiner Vorhaut beschnitten werden" und betreffs des 
Redits des Thieres heisst es: „Vom achten Tage an und weiterhin 
ist es als Opfergabe wohlgefällig" d. i. wenn ihr es vor mir frei- 
willig als Opfergabe mit einer guten Gesinnung darbringt, so ist 
es mein Opfer, wenn du es aber aus Zwang wider deinen Willen 
darbringst, so betrachte ich es dir so, als wenn du es mir nicht 
dargebracht hättest, sondern es ist nur „ein Feuer für den Ewigen." 
So auch heisst es Num. 28, 2: „Befiel den Kindern Israels und sage 
ihnen: Meine Opfer, meine Speise, meine Feuer." Was heisst 
^«b? Gott sprach zu ihnen: Wenn ihr das Opfer aus freiem 
Wülcn und mit lauterer Gesinnung darbringt, so ist es mein Opfer, 
wenn ihr es aber aus Zwang darbringt, so gehört es nur zu meinen 



iqz Par. XXVn. Cap. XXn, 27. 29. 

Feuern, aber es gereicht nicht zu meiner Ehre {es dient nicht dem 
göttlichen Zwecke). 

Ferner beisst es das. V. 2g: Ochs oder Schaf, es selbst 
und sein Junges, sollt ihr nicht an einem Ta^e schlachten. 
R. Berachja sagte im Namen des R. Levi: Es steht geschrieben 
Prov. 12, 10: „Der GerecJite kennt, wie es seinem Vieh zu Mnthe 
ist," „Der Gerechte" d. i. Gott, welcher in seinem Gesetze gesdirieben 
hat Deut 22, 6: „Du sollst nicht die Mutter mit den Jongeii neh- 
men." „Aber der Frevler ist grausam" d. i. Sancherib, von dem 
es heisst Hos. to. 14: „Da eine Mutter auf den Kindern zertreten 
ward." Oder: „Der Gerechte weiss" u, s. w. d. L ist Gott, der in 
seinem Gesetze geschrieben hat: „Ochs oder Schaf oder Ziege;" 
„aber das Herz der Frevler ist grausam" d. i. der ruchlose Haman, 
von dem geschrieben stebt Esth. 3, 13: „Zu vertilgen, umzubringen 
und zu vernichten." R. Levi sagte: Wehe den Frevlem, die sieb 
mit Rathschlägen (bösen Plänen) beschäftigen, ein jeder spricht: 
Mein Rath (Vorschlag) ist besser als dein Rath. Esau sprach: Kain 
war ein Thor, dass er seinen Bruder bei Lebzeiten seines Vaters 
nmbrachte und nicht wusste, dass sein Vater noch mehr Kinder 
bekommen konnte, ich mache es nicht so, sondern Gen. 27, 4t: „Es 
werden sich die Tage der Trauer um meinen Vater nahen." Pharao 
sprach: Esau war ein Thor, dass er sagte: „Es werden sich die 
Tage der Trauer um meinen Vater nahen" und nicht wusste, daas 
sein Bruder bei Lebzeiten seines Vaters nicht noch Kinder bekom- 
men konnte, ich mache es nicht so, sondern ich erwürge sie, wenn 
sie noch klein auf dem Schosse ihrer Mütter sind, wie es hnsst 
Ex. 1, 16; „Sehet auf den Gebärstuhl .... jeden nengebornen Knaben 
sollt ihr in den FIuss werfen." Haman sagte: Pharao war ein Thor, 
als er befahl: Jeden neugebornen Knaben sollt ihr in den FInss 
werfen und nicht wusste, dass die Töchter sich Männer nehmen 
und sich so vermehren konnten, ich mache es nicht so, sondern: 
„Zu vertilgen, umzubringen und zu verderben." Aach Gog und 
Magog werden einst so sprechen: Thoren waren die Aken, welche 




Par. XXVIII. Cap. XXIII, lo. IQ3 

R. Menachem von Gallia: Alle Opfer werden einst in Wegfall kom- 
men, das Dankopfer aber wird nimmer in Wegfall kommen; Dank- 
sagimgen werden aufhören, aber die Danksagungen des Dankopfers 
werden niemals aufhören, wie es heisst Jerem. 33, 11: „Stimme der 
Wonne nnd Stimme der Freude, Stimme des Bräutigams und Stimme 
der Braut, die Stimme derer, welche rufen: Danket dem Ewigen 
Zebaoth, denn er ist gütig.'* Das sind die Danksagungen. „Und 
die da Dankopfer darbringen zum Hause des Ewigen" d. i. das 
Dankopfer. So hat auch David gesagt Ps. 56, 13: „Deine Gelübde, 
Gott, liegen mir ob, ich muss dir Dankopfer bezahlen." Es heisst 
nicht rmn, sondern mmn d. i. die Danksagung (rr^'^Tinn) und 
das Dankopfer (m^n pip). 



Parascha XXVm. 

Cap. XXIII. V. IG. Rede zu den Kindern Israels 

Bringet eine Erstlingsgarbe (Omer) eurer Ernte zum Prie- 
ster. Das steht auch geschrieben Koh. i, 3: „Welchen Gewinn 
hat der Mensch von all seiner Mühe, womit er sich mühet unter 
der Sonne." R. Benjamin ben Levi sagte: Man wollte das Buch 
Kohelet verbergen (dem allgemeinen Gebrauche entziehen), weil man 
nämlich Dinge darin fand, welche zur Irrlehre (Ketzerei) hinneigen. 
Man sagte: Geziemt es sich wohl für Salomo, zu sagen das. 11, 9: 
,J'reue dich, Jüngling, in deiner Jugend und lass dein Herz guter 
Dinge sein in den Tagen deiner Jugend?" Mose hat doch gesagt 
Num. 15, 39: „Wandelt nicht nach eurem Herzen und nicht nach 
euren Augen." Salomo dagegen hat gesagt Koh. 11, 9: „Wandle 
in den Wegen deines Herzens und dem Scheine deiner Augen nach." 
Wird einmal der Zügel losgelassen, dann giebt es kein Recht und 
keinen Richter mehr. Als er aber nachher gesagt hatte das.: „Wisse, 
dass dich Gott über das alles wird vor Gericht ziehen," da sagte 
man: Salomo hat gut gesprochen. R. Samuel bar Nachmani sagte: 
Man wollte das Buch Kohelet verbergen, weil man Dinge darin 
fand, welche zur Irrlehre hinneigen. Man sagte: Hätte denn Salomo 
so sagen sollen: „Was hat der Mensch für einen Gewinn von all 
seiner Mühe?" Da könnte man glauben, auch von der Mühe um die 
Thora (hat er keinen Gewinn)? Sie kehrten aber um (lenkten ein) und 
sagten: Wenn er gesagt hätte: von aller Mühe, und dabei geschwiegen 
hätte, so hätten wir sagen können: Auch für die Mühe um die Thora 
Ida wäre diese auch mit eingeschlossen). Siehe, er sagt aber nicht 
80, sondern: für alle seine Mühe d. i. für seine Mühe, welche nichts 
^ft, aber die Mühe um die Thora hilft.*) Und dann ist noch 
l tu erwägen, bemerkte R. Judan, dass Salomo sagt: unter der Sonne 



*) Von seiner eigenen Mühe hat der Mensch keinen Nutzen, wohl aber 
^OÄ der Mühe, die er auf die Thora verwendet. 

'''«xifccbe, Midrasch Wajikra. 13 



ig^ Fu. XXVIU. Cap. XXIII, 1<X 

hat er keinen Vortheil, wobi aber über der Sonne. R. Levi uad 
die Rabbinen. R. Levi sagt: Für alles das, was die Gegcböpfe 
Grosses thun io religiösen Pflichtgeboten und guten Werkes ia 
dieser Welt, ist's genug (sie müssen sich schon belohnt fühlen), 
dass Gott ihnen die Sonne scheinen lässt, wie es heisst das. i, 5: 
„Die Sonne geht auf und die Sonne geht unter." Die Rabbinen 
sagen: Für alle religiösen Pflichtgebote und guten Werke, welche die 
Frommen in diesei Welt üben, ist's genug, dass Gott ihr Antlits 
wie die Sonnenkugel erneuert, wie es heisst Jud. 5, 31: „Die ihn 
liebeu, gleichen dem Aufgange der Sonne in ihrer Kraft" R, Janai 
sagt: Gewöhnlich wenn ein Mensch eine Litra Fleisch auf dem 
Markte kauft, wie viele Mühe kostet es ihm und wie viel Qoal 
macht es ihm, bis es gar kocht, und die Menschen schlafen 
auf ihren Lagern, und Gott tässt Winde wehen, Wolken aufeteigen, 
Gewächse sprossen, Früchte gedeihen {saftig werden), und man giebt 
ihm nichts weiter als Lohn dafür als ein Omer. Das ist. hier gesagt: 
„Bringet eine Erstlingsgabe (Omer) von eurer Ernte zum Priester." 
R. Pinchas sagte: Gewöhnlich wenn ein Mensch sein Kleid in 
R^entagen wäscht, wie viel Mühe hat er, bis er es trocknet, und 
die Menschen schlafen auf ihren Lagern, und Gott lässt ein wen^ 
Wind wehen und macht die Erde trocken. R. Abin sagte: Komm 
und sieh, wie viel Sorge und Qual kostet den Israeliten die Erfüllung 
der Vorschrift betreffs des Omers, denn es ist dort*) gelehrt worden: 
(Die Sendboten des Gerichtshofes gingen am Vorabend des Festet 
hinaus) und schnitten erst die Gerste, thaten sie dann in eine Kufe 
und brachten sie in die Vorhalle, rösteten (sengten) sie dann im 
Feuer, um die Vorschrift betreffs der gesengten Sänge su erfüllen. 
So hat R. Meir gesagt Die andern Weisen dagegen sagten: Die 
Gerste wurde in Rohren und Kesseln geschlagen, damit sie nicht 
gedrückt werde, dann wurde sie in ein durchlöchertes Rohr gethao, 
damit das Feuer seine Macht an ihr ausübe, dann breitete man sie 
in der Halle aus, und der Wind blies sie an, dann schaffte man 
; Mühle der Gräupner. Und warum das alles? Um davon 




Par. XX Vm. Cap. XXIII, lo. 195 

herausging und diese Schrift sah, fragte er: Wer ist wohl dieser 
d. i. wer hat das wohl gethan? Weil wir ihn nicht eingeladen 
haben, hat er diese Worte geschrieben. Man sagte ihm: Bar Kapra 
ist es. £r sprach: Morgen veranstalte ich seinetwegen (eig. wegen 
seiner Person) noch eine Mahlzeit mit den Personen. £r veranstaltete 
wirklich noch eine Mahlzeit und er lud Bar Kapra ein. Als die 
herbeigekommenen Gäste sich zum Essen niederliessen, trug Bar 
Kapra, so oft eine Speise aufgetragen wurde, dreihundert Fuchs- 
fabeln vor, in Folge dessen wurden die Speisen kalt und die Gäste 
kosteten nichts davon. Rabbi sagte zu seinen Dienern: Warum 
kommen die Speisen heraus, ohne dass man davon gekostet hat? 
Sie antworteten ihm: Es ist da ein alter Mann, der, so oft eine 
Speise aufgetragen wird, dreihundert Fuchsfabeln erzählt, in Folge 
dessen wird die Speise kalt. Rabbi trat nun an ihn heran und 
sprach zn ihm: Warum lassest du die Gäste nichts geniessen? Er 
antwortete ihm : Damit du nicht glauben sollst, ich sei um zu speisen 
gekommen, sondern weil du mich nicht mit meinen Genossen ein- 
geladen hattest.*) 

R. Eleasar sagte: Es steht Jerem. 5, 25 geschrieben: „Sie spra- 
chen nicht in ihrem Herzen: Wir wollen den Ewigen, unsern Gott, 
ehrforcfaten.'' Er giebt euch alles, und ihr glaubt seiner nicht zu 
bedürfen. Es heisst das.: „Die bestimmten Wochen der Ernte wird 
er uns bewahren" d. i. er wird uns vor den bösen (schädlichen) 
Winden und bösen (schädlichen) Thauen bewahren. Wann? In 
den sieben Wochen zwischen Pesach und Pfingsten. R. Chija hat 
gelehrt: Sieben volle Wochen sollen es sein. Wann ist das der 
Fall? Zur Zeit, wenn die Israeliten den Willen Gottes thun. R. 
Josua sagte: (Gott spricht:) Ich bin dein Wächter (Hüter, Censor), 
und du giebst mir nichts für meine Wachsamkeit. R. Berachja 
sagte: Ich bin dein Koch, und du lässt mich nicht von deinen Ge- 
richten kosten. Denn wir wissen nicht, was sie bedürfen, ob Thau, 
ob Regen. Das sagt auch David Ps. 68, 10: „Reichlichen Regen 
lassest du, Gott, fallen.** David sprach nämlich vor Gott: Herr der 
Welt! wenn es Regen ist, so ist Reichlichkeit erforderlich**), 
wenn es Thau ist, so musst du, Gott, ihn herabsenden. R. Berachja 
sagte: Gott sprach zu Mose: Geh und sage den Israeliten: Als ich 
euch das Manna gab, gab ich einem jeden von euch ein Omer, 
wie es heisst Ex. 16, 16: „Ein Omer für jeden Kopf,** und jetzt, 
wo ihr mir das Omer gebt, verlange ich von euch allen nur ein 
Omer, und nicht einmal eins von Weizen, sondern von Gerste. 



•) In Midr. Koh. zu i, 3 heisst es: Damit du nicht etwa meinst, ich 
«i deiner Schüsseln halber gekommen. 

••) Denn der Regen ist ein freiwilliger Segen, der von Gott kommt, 
^^t unsere Alten im Gebete zu sagen verordnet haben: Er ernährt die 
Übenden mit Gnade; aber der Thau wird mit Recht gefordert und er darf 
^' ^V«U nicht fehlen. M. K. 

13^ 



,q6 Par. XXVIII. Cap. XXIII, la 

darum warnt Mose die Israeliten und spricht zu ihnen: „Und bringt 
das Omer." 

Oder: „Und bringt das Omer," wie es heisst Hi. 5, 5: „Seine 
Ernte isst der Hungrige." „Seine Ernte" d. L Nimrod, „isst der 
Hungrige" d. i. unser Vater Abraham, über den Friede sei! „Und 
nicht mit Schilden (C"»:"»^!)*) nimmt er sie weg" d. i. nicht mit 
Waffen und nicht mit Schild, sondern durch Gebet und Flehen. 
Das steht auch Gen. 14, 14: „Als Abraham hörte, dass sein Bruder 
gefangen weggeführt worden war, da Hess er ausziehen seine Knechte, 
seine Hausgebornen , dreihundert und achtzehn." Resch Lakisch 
hat im Namen des Bar Kapra gesagt: Es war Elieser allein, denn 
sein Name hat dreihundert und achtzehn in der Zahl. „Und die 
Durstigen schlürfen sein Gut." Wer hat nach Nimrods Vermögen 
gedrängt? Abraham und alle seine Anhänger (Genossen). 

Oder: „Seine Ernte" d. i. Pharao, „isst der Hungrige" d. i. 
Mose, „und nicht mit Schilden nimmt er sie weg" d. i. nicht durch 
Waffen und nicht durch Schild, sondern durch Gebet und Flehen, 
wie es heisst Ex. 14, 15: „Und der Ewige sprach zu Mose: Was 
schreist du zu mir?" „Und Durstige schlürfen sein Gut." Wer hat 
nach Pharaos Gut gedrängt? Mose und seine Anhänger. 

Oder: „Seine Ernte" d. i. Sichon und Og, „isst der Hungrige" 
d. i. Mose, „und nicht mit Schilden nimmt er sie weg" d. i. „und 
der Ewige sprach zu Mose: Fürchte ihn nicht," und „Durstige 
schlürfen sein Gut" d. i. wer hat nach Sichon's und Og's Gut ge- 
drängt? Mose und Aaron und alle seine Anhänger. 

Oder: „Seine Ernte" d. i. Sisera, „isst der Hungrige" d. i. De- 
bora und Barak, „und nicht mit Schilden nimmt er sie weg" d. i. für 
sie wurde am Himmel gestritten, „und Durstige schlürfen sein Gut" 
d. i. wer hat nach Siseras Gut gedrängt? Debora, Barak und alle 
ihre Anhänger. 

Oder: „Seine Ernte" d. i. Sancherib, „isst der Hungrige" d. i. 
Jesaia und Chiskia, „und nicht mit Schilden nimmt er sie weg" d. i. „und 
der König Chiskia betete und der Prophet Jesaia, Sohn Amoz" u. s. w., 
„und Durstige schlürfen sein Gut" d. i. wer hat nach Sancheribs 
Gut gedrängt? Jesaia, Chiskia und alle ihre Anhänger. 

Oder: „Seine Ernte'* d. i. Mardachai und Esther, „und nicht 
mit Schilden nimmt er sie weg" d. i. Sack und Asche bereitete 
er vielen, „und Durstige schlürfen sein Gut." Wer drängte nach 
dem Gute des ruchlosen Haman? Mardachai, Esther und alle ihre 
Anhänger. 

Oder: „Seine Ernte" d. s. die einunddreissig Könige, „isst der 
Hungrige" d. i. Josua, „und nicht mit Schilden nimmt er sie weg" 
d. i. nicht mit Waffen und nicht mit Schild, sondern durch Gebet 
und Flehen, wie es heisst Jos. 7, 10: „Und der Ewige sprach zu 
Josua: Mache dich aufl" „Und Durstige schlürfen sein Gut.** Wer 

*) So nimmt der Midr. die Stelle. 



Par. XXVIII. Cap. XXIII, lo. Iq7 

drängte nach dem Gut der einunddreissig Könige? Josua und alle 
seine Anhanger. Und durch welches Verdienst waren die Israeliten 
so glücklich, das Land in Besitz zu nehmen? Im Verdienste der 
Vorschrift betreffs des Omer, denn es heisst: „Wenn ihr in das 
Land kommt*' u. s. w. Deshalb warnt Mose die Israeliten und spricht 
za ihnen: Wenn ihr in das Land kommt und die Ernte haltet, so 
bringt das Omer, und er webe das Omer vor dem Ewigen. Wie 
geschah die Webe desselben? R. Chama bar R. Ukba im Namen 
des R. }ose bar R. Chanina sagte: Er bewegte sie hin und her, 
hinauf mid herunter; hin und her, um damit anzudeuten, dass es 
für den geschehe, dem die ganze Welt gehört, hinauf und herunter, 
mn damit anzudeuten, dass es für den geschehe, dem die Oberen 
und Unteren gehören. R. Simon bar R. Josua sagte: Hin und her, 
mn die schweren Geister zu vertreiben, und hinauf und herunter, 
mn die sdiädlichen Thaue zu entfernen. R. Abun und R. Nechemja 
nnd R. }acob bar Abba im Namen des R. Jehuda bar R. Simon, 
R. }ochanan und R. Simeon ben Lakisch. R. Jochanan sagte: Nie 
erscheine das Gebot, das Omer zu bringen, gering (leicht) in deinen 
Augen, denn durch die Befolgung dieser Vorschrift war Abraham 
so glücklich, das Land Kanaan in Besitz zu nehmen, wie es heisst 
Gen. 17, 8: „Und ich gebe dir und deinem Samen nach dir das 
Land dones Aufenthaltes, '* unter der Bedingung, dass du meinen 
Band haltst. Welcher ist das? Die Vorschrift betreffs des Omer. 
Resch Lakisch sagte: Nie erscheine die Vorschrift in deinen Augen 
gering, denn durch die Befolgung derselben stiftet Gott Frieden 
zwischen dem Mann und seinem Weibe. Antworte: Im Verdienste 
(in Folge) von Gerstenmehl.*) R. Abuhu und R. Simon und R. Josua 
ben Levi sagten: Diese Verordnung hat ihnen in den Tagen Gideons 
beigestanden, wie es heisst Jud. 7, 13: „Gideon kam und siehe, da 
erzählte einer dem andern einen Traum und sprach: Siehe, mir hat 
geträumt: siehe, ein geröstetes Gerstenbrot." Was ist D'^'niyb b'^biS? 
Die Rabbinen sagen: Deshalb, weil jenes Geschlecht der Ge- 
rechten über sie versank f^'^biS^).**) In wessen Verdienste wurden 
sie gerettet? Im Verdienste des Gerstenbrotes. Welches ist das? 
Die Vorschrift betreffs des Omer. R. Samuel bar Nachman sagte: 
Diese Verordnung hat ihnen auch in den Tagen Chiskias bei- 
gestanden, wie es heisst Jes. 30, 32: „Und so oft die verhängte 
Rutbe trifft, die der Ewige auf sie senket, da tönen Pauken und 
Harfen, und in Kriegen der Wende kämpft er gegen sie." Gab es 
denn in jenem Zeitalter Kriege der Wende? Antworte: Es ist die Vor- 
schrift betreffs des Omer gemeint. Die Rabbinen sagen : Diese Vorschrift 
hat ihnen auch in den Tagen Ezechiels beigestanden. So heisst es 
Exech. 4, 9: „Und nimm dir Weizen und Gerste." R. Chama bar 



•) Wenn die Probe mit der des Ehebruchs verdächtigen Frau vor- 
genommen wurde s. Num. 5, 25. 
••) S. Ex. 15, IG. 






I^ Par. XXVIII. Cup. XXnt, lo. 

R. Chalaphtha sagte: Das Meiste darunter war Gerste. Samuel 
sagte: Das Meiste daranter waren Dinge, welche den Unterleib in 
Fluss bringen. Samuel sagte: Es geht die Sage, man legte es dem 
Hnnde vor und dieser kostete es nicht 

Eine Matrone fragte den R. Jose: Wie viel Kummer und Sorge 
hat es jenem Gerechten (Ezechiel) verursacht, wie viele Knechte und 
Mägde hatte er, und sie verschmähten seine Speisen und Getränke. 
Darauf antwortete er ihr: Und das alles warum? Um dir kand zu 
thun, dass, wenn die Israeliten in Noth sind, auch die Gerechten 
mit ihnen in Noth sind, R. Levi sagte: Die erwähnte Verordnung 
hat auch den Israeliten eu Hamans Zeit beigestanden; denn R. Levi 
hat gesagt: Als Mardachai den Haman auf sich zukommen sah, 
mit dem königlichen Ross an der Hand, da dachte er: Es scheint 
mir, dass der Ruchlose nur kommt, um mich umzubringen. Seine 
Schüler sassen lernend vor ihm, da sprach er lu ihnen: Stehet auf 
und fliehet, ihr könntet sonst von meiner Kohle verbrannt werden 
(durch meine Schuld in Gefahr kommen). Nein, sprachen sie, er 
mag uns todten oder am Leben lassen, wir bleiben bei dir und 
verlassen dich nicht. Was that Mardachai? Er hüllte sich in seinen 
Talllth (Gebetmantel) und betete vor Gott (und stand im Gebete vot 
Gott), und seine Schüler sassen und lernten. Womit seid ihr be- 
schäfligt? fragte sie Haman. Mit der Vorschrift betreffs des Omei, 
gaben sie zur Antwort, was die Israeliten im Tempel an diesem 
Tage darbringen. Wovon ist das Omer, fragte er sie, von Gold 
oder von Silber? Sie antworteten: Von Gerste. Er fragte fem«: 
Wie viel war es werth? Zehn Centenarien? Sie sprachen: Nicht 
mehr als zehn Minen. Da sprach er zu ihnen: Auf. eure zehn 
Minen haben meine zehntausend Centenarien Silber besiegt (über- 
wunden). Als Esther das hörte, liess sie in der ganzen Stadt b^ 
kannt machen, dass niemand seinen Laden auf dem Markte Öffne, 
damit alle hinausgehen sollten, um zu sehen, wie man den Beherrscher 
der Juden kreuzigen werde. Als Mardachai sein Gebet beendet 
sprach Haman zu ihm: Ziehe diesen Purpur an. setze diese 




Pur. XXIX. Cap. XXIII, lO. 24. igg^ 

verschnitt, fing er an zu seufzen. Was fehlt dir? fragte Mardachai. 
Haman sprach: Wehe dem Manne, welchem so etwas widerfahrt; 
derjenige» der einst der Oberste aller {xofirjg ndvrwv), derjenige, 
der einst Weltbeherrscher (noafiaxQorioQ), derjenige, der einst Schloss- 
hanptmann (magister palatii) war, ist jetzt Bademeister und Haar- 
scdieerer geworden.*) Ich kannte den Vater des Mannes, seine Ge- 
beine m^en zerbrochen werden! versetzte Mardachai, er war im 
Dorfe Kiijanos Bademeister und Haarscheerer und das sind seine Ge- 
rathschaften zum Haarschneiden. Als er mit dem Haarschneiden fertig 
war, sprach er zu Mardachai: Auf! besteige nun dieses Ross! Mardachai 
entgegnete: Ich habe nicht die Kraft, denn ich bin ein alter Mann. 
Da sagte Haman: Bin ich nicht ein alter Mann? Da sagte Mar- 
dachai: Nein, du hast es dir selbst zugezogen. Haman sprach: 
Anfl ich will dir meinen Nacken beugen, tritt auf mich und besteige 
dieses Ross, um für euch zu erfüllen, was geschrieben steht Deut. 
33, 29: ,JDeine Feinde werden dir schmeicheln und du wirst auf 
ihren Höhen schreiten.*' Als Mardachai auf dem Pferde sass, fing 
er an Gott zu preisen mit Ps. 30, 2 — 4: „Ich erhebe dich. Ewiger, 
dass da mich entrissest, Ewiger, mein Gott, ich schrie zu dir und 
do heiltest mich. Ewiger, du liessest aus der Unterwelt meine Seele 
aofirteigen.'* Und seine Schäler sprachen das. V. 5 und 6: „Singet 
dem Ewigen, ihr seine Frommen, preiset seinen heiligen Ruhm, 
denn einen Augenblick währt sein Zorn, lebenslang seine Gnade.'* 
Und der ruchlose Haman sprach das. V. 7 und 8: „Ich sprach in 
meinem Glücksstande: ich werde nie wanken, Ewiger, mit deinem 
Willen stelltest du meinen Berg fest** Und was sprach Esther das. 
V. 9: „Zu dir. Ewiger, rief ich, was frommt dir mein Blut, wenn 
ich hinab in die Grube fahre? Dankt dir der Staub, verkündet er 
deine Wahrheit?*' Und was sprachen die Israeliten? Das. V. 11 u. 12: 
„Höre, Ewiger, und sei mir gnädig! Du wandeltest meine Klage 
in Reigen." R. Pinchas sagte: Mardachai war mit dem Lesen des 
Schema beschäftigt, und er Hess sich nicht darin (von Haman) 
unterbrechen, denn es heisst das. V. 13: „Damit dir singe die Ehre.** 



Parascha XXIX. 

Cap. XXIII. V. 24. Im siebenten Monat, am ersten des 

Monats. Das steht auch Ps. 119, 89: „^^^ig steht fest dein Wort, 

Ewiger, am Himmel.** Im Namen des R. Elieser ist gelehrt worden: 

Am fönfundzwanzigsten Tage im Monat Elul ist die Welt erschaffen 

worden, was übereinstimmt mit dem, was R. Elieser gelehrt hat, 

denn es ist gelehrt worden: In dem auf den Posaunenschall bezug- 



•) Vgl. Midr. Esther r. s. v. "ino, wo es heisst: Derjenige, der früher 
^^^'f *^«^ {fiontvoq ndvTWv), der Schlosshauptmann war, soll nun ein 



200 Par. XXIX. Cap. XXIII, 24. 

habenden Gebete Rabs heisst es: Dieser Tag ist der Anfang deiner 
Werke; Erinnerung an den ersten Tag. „Denn es ist eine Satzung 
für Israel" u. s. w. An diesem Tage wird über die Länder be- 
schlossen, welche dem Schwerte anheimfallen und welche sich des 
Friedens erfreuen, welche der Hungersnoth zur Beute werden und 
welche sich der Fülle erfreuen sollen, und die Menschen werden an 
demselben Tage bedacht, um sie aufzuzeichnen zum Leben oder 
zum Tode, folglich ersiehst du daraus, am ersten Tage des Jahres 
in der ersten Stunde stieg in Gott die Idee (der Gedanke) zur 
Schöpfung auf und in der zweiten berieth er sich mit den Dienst- 
engeln, in der dritten sammelte er den Staub, in der vierten kne- 
tete er ihn, in der fünften bildete er ihn, in der sechsten machte 
er ihn zu einer ungeformten Masse und in der siebenten blies er 
ihm Odem ein, in der achten führte er ihn in den Garten £den, 
in der neunten gab er ihm das Verbot, in der zehnten hat er 
es übertreten, in der elften wurde er gerichtet, in der zwölften 
ging er mit einem Freispruch aus. Da sprach Gott zu Adam: Das 
sei ein Vorzeichen für deine Kinder, wie du heute (an diesem Tage) 
vor Gericht vor mir gestanden und mit einem Freispruch aus- 
gegangen bist, so werden auch deine Kinder einst vor mir im Ge- 
richte stehen an diesem Tage und vor mir mit einem Freisprach 
ausgehen. Wann? „Im siebenten Monat, am ersten des Monats/' 
R. Nachman begann mit Jerem. 30, 10: „Und du fürchte dich 
nicht, mein Knecht Jacob." Der Prophet redet von Jacob, von 
dem es heisst Gen. 28, 12: „Da träumte ihm, und siehe, eine Leiter 
stand auf der Erde." Diese Leiter, sagte R. Samuel bar Nachman, 
stellte die Fürsten (Schutzpatrone) der Völker der Welt vor, denn 
R. Samuel bar Nachman hat gesagt: Daraus geht hervor, dass Gott 
unserm Vater Jacob den Fürsten von Babylon zeigte, aufsteigend 
siebzig Staffeln, den von Medien zweiundfünfzig, den von Griechen- 
land hundertundacbtzig, den von Edom zwar steigend, aber es ist nicht 
bekannt, wie viel. In dieser Stunde gerieth unser Vater Jacob in Furcht, 
er dachte bei sich: Vielleicht kommt dieses (Edom) gar nicht zum 
Sinken. Da sprach Gott zu ihm: „Fürchte dich nicht, mein Knecht 
Jacob," wenn es auch steigt und bei mir sitzt, so werde ich es 
von da hinabstürzen. Das steht auch Obadja V. 4: „Wenn du dich 
wie ein Adler aufschwingst, zwischen die Sterne dein Nest setzest, von 
da werde ich dich herabstürzen." R. Berachja und R. Chelbo und 
R. Simeon ben Jochai im Namen des R. Meir sagten: Daraus geht 
hervor, dass Gott dem Jacob den Fürsten von Babylon steigend 
und fallend, den von Medien steigend und fallend, den von Griedien- 
land steigend und fallend und den von Edom steigend und fallend 
gezeigt hat. Er sprach zu Jacob: Auch du wirst steigen. In dieser 
Stunde fürchtete sich unser Vater Jacob, er dachte: Vielleicht werde 
auch ich sowie jene fallen? Da sprach Gott zu ihm: Fürchte dich 
nicht, denn wenn du steigst, so sinkst du nicht auf ewig. Er 
glaubte es nicht und darum stieg er nicht R. Berachja und R. Chelbo 



Par. XXIX. Cap. XXIII, 24. 20I 

Sagten im Namen des IL Simeon ben Jochai: R. Meir hat die Worte 
Ausgelegt Ps. 78, 32: „Bei all dem sündigten sie fürder und glaubten 
^'cht an seine Wunder" d. i. unser Vater Jacob, der nicht geglaubt 
^at and darum auch nicht gestiegen ist Gott sprach zu ihm: Wenn 
du geglaubt hattest, so würdest du gestiegen und dann nicht mehr 
gefallen sein; nun aber, da du nicht geglaubt hast und nicht ge- 
stiegen bist, werden deine Kinder dereinst von vier Reichen in dieser 
Welt mit Tributen (Frohnen), Beisteuern, Strafgeldern und Kopf- 
geldern geknechtet (belastet) werden. In dieser Stunde fürchtete sich 
Jacob ond sprach vor Gott: Herr der Weltl soll dieser Zustand 
ewig dauern? Da wurde ihm die Antwort Jerem. 30, 10: „Aengstige 
dich nicht, Israel, denn siehe, ich bin dein Helfer von Feme,*' so 
^e es heisst Jes. 39, 3: „Aus fernem Lande sind sie zu mir ge- 
iLomxnen, von Babel." £s heisst ferner Jerem. 30, 10: „Und deinen 
Samen ans dem Lande seiner Gefangenschaft," von Gallia, Apamea 
und ihren Genossinnen. „Und Jacob kehrt zurück" von Babel (baby- 
lonische Gefangenschaft), „rastet" von Medien, „und ist ruhig" von 
Griechenland, „und niemand setzt ihn in Schrecken" von £dom, 
y.nnd ich mache allen Völkern, wohin ich dich zerstreut habe, den 
Garans" d. i. ich reibe die Völker der Welt auf, die ihre Felder 
anfzehren (und nicht das Eckstück für die Armen übrig lassen); 
„dich aber werde ich nicht aufreiben" d. i. die Israeliten aber, welche 
ihre Felder nicht aufzehren, wie es heisst: „Schneide nicht völlig 
dde Ecke deines Feldes ab," werde ich nicht aufreiben. „Ich züchtige 
dich durch Gericht" d. i. ich züchtige dich durch Leiden in dieser 
Welt, um dich frei von deinen Sünden zu machen für jene Welt. 
Wann? „Im siebenten Monat." Jehuda bar R. Nachman begann 
mit Ps. 47, 6: „Gott steigt auf in Jubelschall, der Ewige mit Po- 
saunenschall." In der Stunde, wo Gott sitzt und auf den Thron 
des Rechts steigt, besteigt er ihn mit Gerechtigkeit (Recht). Was heisst 
das: „Gott steigt auf mit Jubelschall?" In der Stunde, wo die 
Israeliten die Posaunen (Schophar) nehmen und vor dem Heiligen, 
gebenedeit sei er, blasen, erhebt er sich vom Throne des Rechts 
wid begiebt sich (setzt sich) auf den Thron der Barmherzigkeit, wie 
CS heisst: „Der Ewige mit Posaunenschall," und wird mit Erbarmen 
^ sie erfüllt und er erbarmt sich ihrer und wandelt das Straf- 
^^^^ (die Eigenschaft des Rechts) in Barmherzigkeit (in die Eigen- 
schaft der Barmherzigkeit). Wann? Im siebenten Monat. 

R. Josua begann mit Ps. 89, 16: „Heil dem Volke, das den 
^osaunenschall kennt. Ewiger, sie wandeln im Lichte deines Ant- 
ikes." Diesen Vers legte R. Abuhu auf die fünf Alten aus, welche 
<fas Schaltjahr festsetzten,*) Was thut Gott? Er verlässt seine 
Käthe (avyiiXiTrjg) oben, steigt herab, beschränkt seine Schechina 



*) Es waren nicht fünf, sondern drei; es ist eine Meinungsverschieden- 
heit darüber in beiden Talmuden. 



202 Par. XXIX, Cap. XXIH, 24. 

unter sie hier unten*), und die Dienstengel rufen: Hier ist der 
Allmächtige (Starke), hier ist der Allmächtige, hier ist Gott, von 
dem es heisst das. V. 8: „Gott ist erhaben im Rathe der Heiligen« 
mehr als alle," er verlässt seine Räthe und beschrankt seine Sche- 
china hier unten. Und das alles warum? Wenn sie (die Männer) 
sich in der Sache der Halacha (Regel) geirrt haben, erleuchtet Gott 
ihr Antlitz. Das ist hier gesagt: „Im Lichte deines Antlitzes wan- 
deln sie." R. Josia sagte: Es heisst hier: ,;Heil dem Volke, das 
den Posaunenschall kennt." Kennen denn die Völker der Welt den 
Posaunenschall nicht? Wie viele Hörner haben sie, wie viele Trom- 
peten und wie viele Posaunen, und es heisst: Heil dem Volke, das 
den Posaunenschall kennt? Allein sie verstehen (kennen) es, ihren 
Schöpfer mit dem Posaunenschall gnädig zu stimmen und erhebt 
sich vom Throne des Rechts auf den Thron der Barmherzigkeit und 
wird mit Erbarmen über sie erfüllt und er wandelt ihnen das Straf- 
gericht (die Eigenschaft des Rechts) in Barmherzigkeit (in die Eigen- 
schaft der Barmherzigkeit). Wann? „Im siebenten Monat" 

R. Berachja begann im Namen des R. Jeremja mit Prov. 15, 24: 
„Der Pfad des Lebens geht aufwärts für den Einsichtsvollen." Unter 
D'^^n niiN, dem Pfade des Lebens ist nichts anderes als die Thora 
zu verstehen, wie es heisst das. 3, 18: „Ein Baum des Lebens ist 
sie für die, welche an ihr halten." Oder unter D'^'^n n"nN, dem Pfade 
des Lebens sind die Leiden zu verstehen, wie es heisst das. 6, 23: 
„Weg des Lebens ist Unterweisung der Zucht," wie es oben heisst: 
„Für den Einsichtsvollen" d. i. für denjenigen, welcher über die 
Vorschriften der Thora nachdenkt. Was steht oben? „Du sollst 
nicht das Eckstück deines Feldes ganz abschneiden." 

R. Berachja begann mit Ps. 81, 4: „Stosset am Neumond in 
die Posaune." Ist denn nicht an allen andern Neumonden anch 
eine Mondverjüngung (d. i. woher ist erwiesen, dass das Stossen in 
die Posaune am ersten Tage des Tischri stattfinden soll, vielleicht 
meint die Schrift auch an andern Neumonden)? Daher steht: „an 
der Verhüllung" (des Mondes tiDDi). Ist denn aber an allen an- 
deren Neumonden nicht auch der Mond verhüllt? Daher steht: 
,,Am Tage unseres Festes." Aber Nissan ist ja auch „ein Neu- 
mond," an welchem der Mond verhüllt ist und an welchem „ein 
Fest" (Pesach) gefeiert wird (d. i. vielleicht soll das Stossen in die 
Posaune am ersten Tage des Nissan stattfinden)? Allein (die Schrift 
meint nur einen solchen Neumond) der ein Fest für sich bildet, und 
es giebt keinen andern Monat, an welchem der Mond verhüllt ist, 
an dem ein Fest (in der Mitte des Monats, nämlich Succoth) ge- 
feiert wird und überdies an dem eignen Tage (Neumond, Neujahr) 
ebenfalls ein Fest gefeiert wird, als den Monat Tischri. An diesem 



*) Um dieselbe unter den Männern, die das Schaltjahr festsetzten, 
ruhen zu lassen. 



Par. XXIX . Cap. XXIII, 24, 203 

Neomond sollt ihr eure Werke erneuern*) d. i. mit der Posaune an 
diesem Neumond sollt ihr eure Werke schmücken. Gott sprach zu 
den Israeliten: Wenn ihr eure Werke schmückt, siehe, so werde 
idi euch sein wie die Posaune. Wie die Posaune, wenn man 
hioeinbläst, einen Laut herausgehen lässt, so stehe auch ich vom 
Thione der Gerechtigkeit auf und lasse mich auf den Thron der 
Banoherxigkeit nieder und wandle euch das Strafmass (die Eigen- 
schaft des Rechts) in das Mass der Barmherzigkeit (in die Eigen- 
schaft der Barmherzigkeit). Wann? „Im siebenten Monat." 

R. Levi begann im Namen des R. Chama bar R. Chanina mit 
Jes. 48, 17: „So spricht der Ewige, dein Erlöser, der Heilige Israels, 
ich der Ewige, dein Gott, lehre dich, was dir frommt" d. i. ich 
weise dich zurecht, wie dieser Ochsenstachel die Kuh zurechtweist. 
Drei Namen hat der Ochsenstachel , nämlich: nTDb?:, yn^Ta, p'nT,' 
er heisst nnbr , weil er der Kuh das Pflügen lehrt, damit sie ihrem 
Hemi Leben gebe, yTnTD, weil er der Kuh Kenntniss (Wissen) lehrt, 
widpTi, weil er der Kuh Einsicht beibringt (Folgsamkeit p"""n). 
Gott sprach: Wie für die Kuh der Mensch einen Stachel macht, 
'uo wieviel mehr sollte er einen für seinen bösen Trieb machen, 
'Welcher ihn um das Leben dieser und jener Welt bringt ! Das will 
der ftophet mit den Worten sagen: „Er führt dich auf den Weg, 
^ du gehen sollst." Gleich einem Königssohne, führte R. Levi 
^ Namen des R. Chama bar R. Chanina als Beispiel an, welcher 
®^ Rechtssache vor seinem Vater hatte. Da sprach sein Vater 
«1 ihm: Willst du dich vor mir heute (an diesem Tage) im Gericht 
^ von der Schuld machen , so nimm den und den Rechtsanwalt 
(Advocat) an, und du wirst schuldfrei vor mir im Gericht sein. So 
sprach auch Gott zu den Israeliten: Meine Kinder! wenn ihr im 
Gerichte an diesem Tage vor mir schuldlos sein wollt, so erwähnet 
die Tugenden der Väter und ihr werdet schuldlos vor mir im Ge- 
"5^tsein, „nnsn am ersten" d. i. Abraham, der nn« genannt wird, 
^ es heisst: Abraham war einzig (nn^); „n3^n*in T)*nST, Gedächt- 
*"* des Posaunenschalls" d.i. Jizchak, von dem es heisst Gen. 22, 13: 
"& sah, und siehe ein Widder;" „iTTip Nip73, heilige Zusammen- 
hang" d. i. Jacob, von dem es heisst Jes. 48, 12: „Höre auf 
°J^ch, Jacob und Israel, den ich berief (•^N'mpTo)." Und wann sollen 
^^ Tugenden der Väter erwähnt werden, dass ihr schuldlos vor 
DJ^ im Gerichte seid? „Am siebenten Monat." 

R. Chija bar Abba begann im Namen des R. Levi mit Ps. 62, 10: 
»h Nichts (vergänglich) sind die Menschenkinder, Täuschung die 
Kinder des Mannes, auf der Wagschale steigen sie mit Nichts 
(BtJem) empor zumal." Die Menschen pflegen wohl zu sagen: Der 
Widder heirathet die und die, „aber eitel sind die Menschenkinder," 
die und die sollte an den und den verheirathet werden, „nur 



•) Vergl. Pcsik. Bachodesch fol. 153a (Buber). 
**) Damm wird auch auf einem Widderhorn am Neujahrstage geblasen. 



204 ^*^- XXIX, Cap. xxrir, 24. 

Täuschung sind die Menschenkinder, sie sind von Nichts zumal." 
R. Chija sagte: Selbst wenn die Menschen noch Nichts im Leibe 
ihrer Mutter sind, sind sie schon für einander bestimmt R. Nach- 
man sagte: Alle Eitelkeiten und Täuschungen (Lügen), welche die 
Kinder unseres Vaters Abraham in dieser Welt vollbringen, vermag 
er für alle zu sühnen. Das steht auch Jos. 14, 15: „Der grosse 
Mensch unter den Enakitern.'' „Auf der Wagschaale steigen sie 
empor** d. i. mit der Wage bewirkt er ihre Sühne, in dem Monate, 
dessen Gestirn die Wage ist. Welcher ist das? Der Monat Tischri 
d. i. es wird erlassen und gesühnt die Schuld deines Volkes. Wann? 
„Im siebenten Monat.** 

Oder: „Im siebenten ('>r'»n*::rr) Monat** d. i. in dem Monat, der 
mit allem gesättigt ist (3^m^?:) , in welchem das Keltern , die Seg* 
nungen, die Versöhnung, die Laubhütte, der Lulab und die Bach- 
weide stattfinden. 

Oder: „Im siebenten Monat.** R. Berachja nannte ihn den 
Monat des Schwures (NnyinttDT NtTT»), weil Gott in ihm unsem Vater 
Abraham den Schwur gethan hat, wie es heisst Gen. 22, 16: „Er 
sprach: ich schwöre bei mir, spricht der Ewige.** Wozu brauchte 
er zu schwören? Darauf antwortet R. Bibi bar Abba im Namen 
des R. Jochanan: Unser Vater Abraham stand in Gebet und Flehen 
vor Gott und sprach vor ihm: Herr der Welt! offenbar und bekannt 
ist es vor dir, als du mir sagtest das. 22, 2: „Nimm doch deinen 
Sohn, deinen einzigen, den du liebest und bringe mir ihn daselbst zum 
Brandopfer,** da war in meinem Herzen, was ich dir hätte antworten 
können, es war in meinem Herzen, was ich hätte sagen können: 
Gestern (ehedem) sagtest du zu mir: „Mit Jizchak soll dein Same 
genannt werden,** und jetzt befiehlst du mir: „Bringe ihn daselbst 
zum Brandopfer?** Allein wiewohl ich dir hätte diese Antwort geben 
können, so habe ich meinen Trieb unterdrückt (bewältigt) und dir 
es nicht geantwortet, „gleich wie ein Tauber, der nicht hört und 
wie ein Stummer, der seinen Mund nicht aufthut** (s. Ps. 38, 14). 
Wenn nun Jizchaks Kinder in Uebertretungen und böse Werke ver- 
fallen, so sei ihnen der Opferwilligkeit Jizchaks, ihres Vaters, ein- 
gedenk und erhebe dich dann vom Thron der Gerechtigkeit auf 
den Thron der Barmherzigkeit und werde mit Erbarmen über sie 
erfüllt und erbarme dich ihrer und wandle ihnen das Strafmass (die 
Eigenschaft des Rechts) in das Mass der Barmherzigkeit (die Eigen- 
schaft der Gerechtigkeit). Wann? „Im siebenten Monat.** 

Es heisst das. V. 13: „Und Abraham hob seine Augen auf und 
siehe, ein Widder hinten, verwickelt im Dickicht mit seinen Hör- 
nern.** Daraus geht hervor, dass Gott unsem Vater Abraham diesen 
Widder gezeigt hat, wie er von dem einen Dickicht sich los- 
machte und in ein anderes (*)nN) Dickicht sich verwickelte. Gott 
sprach zu Abraham: Ebenso werden einst deine Kinder verfangen 
in Sünden und in Widerwärtigkeiten verstrickt sein, am Ende aber 
werden sie mit den Hörnern des Widders erlöst werden, wie es 



Par. XXIX, Cap. XXIir, 24. 205 

teisst Sach, 9, 14: „Und der Ewige, Gott, wird in die Posaune 
stossen." R. Huna bar R. Jizchak sagte: Daraus geht hervor, dass 
Gott dem Abraham den Widder gezeigt hat, wie dieser sich von 
dem einen Dickicht losmachte und in ein anderes sich verwickelte. 
Gott sprach zu Abraham: Ebenso werden einst deine Kinder in den 
Völkern verfangen und in Widerwärtigkeit verstrickt sein und ge- 
zogen werden von einer Herrschaft zur anderen, von Babylon nach 
Medien, von Medien nach Griechenland, von Griechenland nach 
£dom, am Ende aber werden sie mit den Hörnern des Widders 
erlost werden, wie es heisst Sach. das. V. 14: „Und der Ewige wird 
über ihnen erscheinen, und wie ein Blitz fahret aus sein Pfeil.'* 

R. Abba bar R. Papi und R. Josua von Sichnin sagten im 
Kamen des R. Levi: Alle Tage des Jahres liegen die Israeliten 
ihrem Geschäfte (Werke) ob, am Neujahrstage aber nehmen sie ihre 
Posaunen und blasen vor dem Heiligen und er erhebt sich vom 
Throne des Rechts auf den Thron der Barmherzigkeit und wird 
über sie mit Erbarmen erfüllt. Wann? „Im siebenten Monat." 

Alle Sieben (i'^y^n'cn) sind beliebt bei der Welt, für oben aber 
ist der siebente beliebt, (der Himmel hat sieben Namen). D'^72© 
Himmel, 0'»73t3 -^TSttJ Himmel der Himmel, y^'pn Veste, D'^pnus Ge- 
wölk, biat Wohnung, iis^td Wohnung, mn^r Wüste, und von letz- 
terem heisst es Ps. 68, 5: „Machet Bahn dem, der in der Wüste 
einherfahrt, Jah ist sein Name." Bei der Erde ist der siebente 
(n'»r"»a«) beliebt (die Erde hat sieben Namen), y^N Erde, n?3T« 
Fmchtland, »pnö< Land, «"^a Thal, rr^iS Steppe, rr^uss Vergessen- 
heit, ban Erdkreis, und von letzterem heisst es Ps. 96, 13: „Und 
et richtet den Erdkreis mit Gerechtigkeit und die Völker mit G Fad- 
heit** Auch bei den Geschlechtern ist der siebente beliebt: Adam, 
Scheth, Enosch, Kenan, Mahallalel, Jared und Chanoch und von 
letzterem heisst es Gen. 5, 22: „Chanoch wandelte mit Gott." Auch 
bei den Vätern ist der siebente beliebt (bevorzugt): Abraham, Jiz- 
chak, Jacob, Levi, Kehat, Amram, Mose und von letzterem heisst 
w wieder Ex. 19, 3: „Und Mose stieg zu Gott hinauf." Auch bei 
den Kindern ist der siebente beliebt, denn es heisst: David war der 
siebente Sohn Isais. Auch bei den Königen ist der siebente beliebt: 
Saul, Ischboseth, David, Salomo, Rechabeam, Abia und Assa und 
von letzterem heisst es 2 Chron. 14, 11: „Assa rief zum Ewigen." 
Aoch unter den Jahren ist das siebente beliebt, wie es heisst Ex. 
23. 11: „Im siebenten (Jahre) sollst du es (das Feld) brach liegen 
"öd nihen lassen." Bei der Schemita ist das siebente beliebt, wie 
fs heisst Lev. 25, 10: „Und heiliget so das fünfzigste Jahr." So 
^t bei den Tagen der siebente beliebt, wie es heisst Gen. 2, 3: 
wGott segnete den siebenten Tag." Unter den Monaten ist der 
siebente beliebt, wie es hier heisst Lev. 23, 24: „Im siebenten Monat, 
am ersten des Monats."*) R. Jochanan und Resch Lakisch sassen 

•) Vgl. Talm. Jerusch, Rosch. haschana IV. 



2o6 ^ar. XXX. Cap. XXIII, 40. 

beisammen und warfen die Frage auf: £s ist gelehrt worden: Fällt 
der Neujahrstag auf den Sabbath, so wird nur im' Tempel, aber 
nicht auf dem Lande geblasen ; wenn nun das Blasen von der Tbora 
gesetzlich angeordnet ist, warum wird es auf dem Lande beseitigt? 
wenn es dagegen von der Thora nicht angeordnet ist, warum wird 
es dann selbst nicht im Heilig thum beseitigt? Als sie so da sassen 
und diese Frage erörterten, ging ein Priester vorüber. Sie sprachen: 
Da kommt der Herr der Ueberlieferung, wir wollen gehen und ihn 
befragen. Sie gingen und fragten ihn. £r sprach zu ihnen: Ein- 
mal heisst es Lev. 23, 24: „Gedächtniss des Posaunenschalls/' und 
dann heisst es wieder Num. 29, i: „Ein Tag des Posaunenscballs 
soll er euch sein." Wie so (wie ist das auszugleichen)? Wenn er 
(der Neujahrstag) auf den Sabbath fallt, so ist es ein Gedächtniss 
des Posaunenschalls d, i. das Blasen soll nur erwähnt, aber es soll 
nicht ausgeführt (geblasen) werden. R. Simeon ben Jochai sagte: 
Man beseitigt es im Heiligthum, weil man da bestimmt die Zeit des 
Neumondes weiss, man beseitigt es aber nicht auf dem Lande, 
weil man da die Zeit des Neumondes nicht bestimmt weiss; denn 
R. Simeon ben Jochai hat gesagt: „Ein Tag des Posaunenschalls 
soll er euch sein, und ihr sollt Feuer an dem Orte machen, wo 
Opfer dargebracht werden." 

R. Tachlipha von Cäsarea hat gesagt: Bei allen Mussaphopfern 
heisst es: „Ihr sollt darbringen," hier aber heisst es: „ihr sollt Feuer 
machen." Wie verhält sich das? Gott sprach zu den Israeliten: 
Meine Kinder! mir gilt es so, als wäret ihr heute von mir gemacht * 
worden, als hätte ich euch heute neu (als neue Creatur) erschaffen. 
Das steht auch Jes. 66, 22: „Denn sowie der neue Himmel und die 
neue Erde, die ich schaffe, vor mir bestehen, spricht der Ewige, 
also besteht auch euer Same und euer Name." 



Parascha XXX. 

Cap. XXIII. V. 40. Und nehmt euch am ersten Tage. 
R. Abba bar Kahana begann mit Anknüpfung an Prov. 8, 10: „Neh- 
met an meine Zurechtweisung und nicht Silber" d. i. nehmet an die 
Zurechtweisung der Thora und nicht Silber. Es heisst Jes. 55, 2: 
„Warum wäget ihr Silber dar für Nichtbrod?" d. i. warum wäget ihr 
Silber an die Kinder Esaus? „für Nichtbrot," weil ihr euch nicht 
sättigt vom Brote der Thora; „und eure Mühe ist nicht zum Satt- 
werden?" d. i. warum müht ihr euch, während die Völker gesättigt 
sind? „Für NichtSättigung" d. i. weil ihr euch nicht sättigt am Weine 
der Thora, wie es heisst Prov. 9, 5: „Trinket den Wein, den ich 
gemischt habe." R. Berachja und R. Chija Abui sagten im Namen 
des R. Jose ben Nehorai: Es steht geschrieben Jerem. 30, 20: „Ich 
werde ahnden alle seine Bedränger" d. i. sogar die Almosenpfleger 
(Einsammler der milden Gaben), ausgenommen ist der Lohn der 



Par. XXX. Cap. XXUI, 40. 207 

&iihft- und Mischnalehrer, welche keinen Lohn für ihre Zeit neh- 
''^f was aber den Lohn eines Wortes von der Thora anlangt, so 
'^im ihnen kein Mensch diesen Lohn geben. Es ist gelehrt worden: 
^ Neajahr wird dem Menschen seine Nahrung festgesetzt (ob und 
^evid er in dem Jahre haben soll), ausgenommen ist das, was er 
'är die Sabbathe und Festtage und Neumonde ausgiebt, und das, was 
^ie Schalkinder nach der Schule (eig. nach dem Hause ihres Lehrers) 
^Öhren; vermehrt er es, so vermehrt man es ihm, mindert er es, 
ao vermindert man es ihm. R. Jochanan lustwandelte von Tiberias 
^^ach Sej^horis in Begleitung von R. Chija bar Abba. Sie kamen 
An ein Feld (bpn n^a). Dieses Feld, sagte R. Jochanan, war mein 
'«and ich habe es verkauft, um die Lehre (das Gesetzstudium) zu er- 
'^irerben. Dann kamen sie an einen Weinberg (fi^Ta'ns n'^nn), da 
^mgte derselbe wieder: Dieser Weinberg war mein und ich habe ihn 
^verkauft, um die Lehre (das Gesetzstudium) zu erwerben. Endlich 
'kamen sie an einen Olivenplatz (fi^n*^? D'^m). Dieser Olivenplatz war 
imein, sprach R. Jochanan, und ich habe ihn verkauft, um die Lehre 
(das Gesetzstudium) zu erwerben. R. Chija weinte. Warum weinst 
du? fragte ihn R. Jochanan. Weil dir für dein Alter nichts ver- 
blieben ist Kommt dir denn das so gering vor (ist es denn so 
Jeicht in deinen Augen), was ich gethan habe, dass ich etwas (eine 
Sache) verkauft habe, was 'in den sechs Tagen erschaffen worden 
ist und dafür etwas erworben habe, was in vierzig Tagen gegeben 
-worden ist, wie es heisst Ex. 34, 28: „Er war dort beim Ewigen 
•vierzig Tage und vierzig Nächte?" Und Mose selbst sagt Deut. 9, 9: 
«Ach blieb auf dem Berge vierzig Tage und vierzig Nächte." 

Als R. Jochanan entschlummert war, wandte seine Zeit auf ihn 
an den Spruch Cant 8, 7: „Wenn ein Mann den ganzen Reichthum 
seines Hauses hingäbe für die Liebe," mit der R. Jochanan die 
Thora geliebt hat, „verachten würde man ihn." 

Als R. Hosaja, ein Mann von Tirja, entschlummert war, sah 
man sein Lager in die Luft fliegen (schweben) und seine Zeitgenossen 
^^dten auf ihn denselben Spruch an: „Wenn ein Mann den ganzen 
Reichthum seines Hauses hingäbe für die Liebe," mit der Gott 
^^ Hosaja, den Mann von Tirja, geliebt hat, „verachten würde 
nianihn." 

Als R. Eleasar bar R. Simeon entschlummert war, wandten 
^ne Zeitgenossen auf ihn an Cant. 3, 6: „Wer steigt auf dort von 
^^r Wüste, wie Rauchsäulen, gewürzt von Myrrhen und Weihrauch, 
von allerlei Gewürzstaub des Krämers?" Was heisst: bDi^ npiN bDTO? 
&(der Verschiedene) war ein Schrift- und Mischnakundiger, Dichter 
nnd Prediger. 

R. Abba bar Kahana sagte: Von dem Lohn des einen Nehmens 
iannst du schliessen auf den Lohn des andern Nehmens. Als die Israe- 
liten in Aegypten waren, erhielten sie die Verordnung: „Nehmt euch ein 
Böndel Ysop," wie viel war dieses wohl werth? Vier Minen. Und 
dieses brachte den Israeliten den Besitz der Beute am Meere und 



2o8 Par, XXX. Cap. XXIII, 40. 

der von SJchon und Og und der von den einnnddreissig Königen, 
nun erat der Lulab, welcher den Menschen hoch zu stehen kommt 
und was sonst noch fär Vorschriften damit verbunden sind, um 
wieviel mehr wird er lohnen! Darum ermahnt Mose die IsraeUtea 
und spricht zn ihnen: „Nehmt euch am ersten Tage" u. s. w. 

Oder: „Nehmt euch." Das steht auch Ps. 16, 11: „Mache mir 
kund den Lebenspfad, eine Fülle von Freuden." David sprach vor 
Gott: Mache mir kund, durch welches Thor man zu dem Leben 
der zukQnftigen Welt gelangt. R. Judan sagte: Gott sprach zn 
David: Willst du leben, so mache dich auf Leiden gefasst, wie es 
heisst Prov, 6, 23: „Der Lebenspfad ist mit Züchtigung verbunden." 
„Eine Fülle von Freuden." Et sättigt uns mit fünf Freuden, 
mit Schrift, Mischna, Talmud, Thosaphot und Haggadot Oder: 
„Eine Fülle von Freuden ist bei deinem Antlitz" d. s, die sieben 
Classen von Gerechten, die einst das Antlitz der Schechina auf- 
nehmen werden, und ihre Antlitze gleichen der Sonne und dem 
Monde, dem Firmament, den Sternen, den Blitzen, den Lilien, dem 
reinen Leuchter, der im Heiligthume war. Der Sonne, wie es heisst 
Cant. 6, 10: „Lauter wie die Sonne;" dem Monde, wie es heisst das.: 
„Schön wie der Mond;" dem Firmament, wie es heisst Dan. 12, 3: 
„Die Klugen werden glänzen wie der Glanz des Firmamentes;" den 
Sternen, wie es heisst das.: „Und die, welche viele zur Gerechtig- 
keit geführt, wie die Sterne ewiglich und immerdar;" den Blitzen, 
wie es heisst Nach. 2, 5: „Ihr Aussehen wie die Fackeln, wie die 
Blitze laufen sie;" den Lilien, wie es heisst Ps. 69, i: „Dem Musik- 
meister, nach Lilien;" dem reinen Leuchter, wie es heisst Sach. 4, 2: 
„Und er sprach zu mir: Ich sehe und siehe, ein Leuchter ganz von 
Gold." Es heisst Ps. 16, 11; „Annehmlichkeiten in deiner Rechten 
für und für." Wer thut mir kund, welche Classe die beliebteste 
und angenehmste unter ihnen ist? Darüber sind zwei Amoräer ver- 
schiedener Meinung, der eine sagte: Es ist die Classe, welche 
von der Kraft der Thora und von der Kraft der religiösen Pfiicht- 
gebote kommt (welcher sich durch Gelehrsamkeit und Wohltbätig- 




Par. XXX. Cap. XXIII, 40. 200 

Gott am'Neajahrstage, und wir wissen nicht, wer den Sieg davon- 
tngen wird. Allein daraus, dass die Israeliten daherziehen vor Gott 
mit ihren Lulab und Ethrog in ihrer Hand, wissen wir, dass sie 
den Seg davongetragen haben. Deshalb mahnt Mose die Israeliten 
imd spricht zu ihnen: „Nehmt euch am ersten Tage." 

Oder: „Nehmt euch am ersten Tage." In Verbindung mit 
Ps. 102, 18: „£r wandte sich zu dem Gebet des Armen (des Ver- 
eJiB am tep ).'* Weil die Israeliten im Gericht den Sieg davongetragen 
haben, und ihre Sünden ihnen vergeben worden sind und sie (die 
Völker) qiredien: Die Israeliten haben gesiegt (in^3), wie es heisst 
I Sam. 15 29: „Auch lügt der Sieger (nsr:) Israels nicht und bereuet 
mcfat" Das sagt auch David zu den Israeliten: Wenn ihr das Gebot 
betrefi des Lulab, welcher lieblich genannt wird, haltet, wie es 
UssC: ijieblichkeiten in deiner Rechten ewig," siehe, so kannst du 
ät Zoversicfat haben, dass du über die Völker der Welt gesiegt 
last, wie es heisst: „Auch der Sieger Israels." Deshalb ermahnt 
Hose <^ Israeliten und spricht zu ihnen: „Nehmt euch." 

R. Abin erklarte den Vers: „£r wendet sich zu dem Gebet 
des Annen (Vereinsamten)" so: Wir können die Art und Weise 
Bands nicht begreifen ; bald neimt er sich einen Armen, bald wieder 
einen K&idgf wie lässt sich das ausgleichen? In der Stunde, wo 
ff in die Zokanft schaute und sah, welche Gerechten einst von ihm 
cntefaen würden, wie Assa, Josaphat, Chiskia, Josia, da nannte er 
adi Konig, wie es heisst Ps. 72, i : „Gott, deine Gerichte gieb dem 
Kömg;" in der Stunde aber, wo er sah, welche Ruchlosen von ihm 
l^cnixgdieQ würden, wie Achas, Manasse, Ammon, da nannte er 
sich einen Armen, wie es heisst Ps. 102, i: „Ein Gebet für den 
Annen, wenn er in Gram sich hüllt." R. Alexandri legte den 
Vers auf den Arbeiter aus. Wie der Arbeiter, wenn er merkt, dass 
sich seine Arbeit in die Länge zieht , auf spätere Zeit hinausschiebt, 
ebenso hoflt der Betende, dass seine Strafe auf später hinaus ge- 
scboben werden möchte vergl. Gen. 30, 42: „Die Spätlinge wurden 
dem Laban." Was heiast s-^siü^n? R. Jizchak bar R. Chilkia 
sagte: Die spät geworfenen Schafe. 

Oder: „Er wandte sich zu dem Gebet des Armen." Es hätte 
eigentlich heissen sollen: er hat sein Gebet nicht verachtet (ver- 
worfen^i, und wenn er ihr Gebet nicht verachtet, so hätte es heissen 
mössen: „Er hat sich gewandt zu dem Gebet der Armen?" Allein: 
»»Er wendet sich zu dem Gebet des Armen" d. i. das Gebet Ma- 
oasses, des Königs von Juda (d. i. es ist hier unter dem Gebete 
&s Armen das Gebet Manasses, des Königs von Jehuda zu ver- 
gehen), der aller guten Werke ledig war, „und er hat ihr Gebet 
nicht verachtet" d. L sein Gebet und das Gebet seiner Väter, wie 
« heisst 2 Chron. 33, 13: „Er betete zu ihm und er Hess sich von 
äan erflehen." Was bedeutet das Wort ib 'nry^i? R. Elieser bar 
1^-Simeon sagte: In Arabien nennt man das: durchbohren, NDTry. 

,,Und er führte ihn nach Jerusalem zu seiner königlichen Würde 

WcBfcbe. Midracch Wajikra r. I4 



210 Par. XXX. Cap. XXIII, 40. 

zurück." Womit führte er ihn zurück? R. Samuel bar Jona sagt 
im Namen des R. Acha: Mit dem Winde führte er ihn zurück , wie 
es heisst: „Er lässt den Wind wehen." In dieser Stunde erkzinnte 
Manasse, dass der Ewige Gott ist, und in dieser Stunde sprach Bla- 
nasse: Es giebt ein Recht und einen Richter. 

R. Jizchak legte den Vers auf die Geschlechter (Zeiten) aus, 
wo das Volk der Israeliten keinen Konig und keine Propheten, 
keine Priester und keine Urim und Thummim hatte, sondern nur 
das Gebet allein. Daher sprach David vor Gott: Herr der Welt! 
verachte nicht ihr Gebet s. Ps. 102, 19: „Das werde geschrieben 
dem künftigen Geschlecht" Woher lässt sich beweisen, dass Gott 
die Reuigen aufnimmt? „Und das neugeschaffene Volk lobpreise 
Jah" d. i. das Volk, was Gott zu einer neuen Creatur umschafit. 
Oder: „Das werde geschrieben dem künftigen Geschlecht" d. i. das 
Geschlecht Chiskias, welches hinfällig war (zum Tode hingeneigt, 
dem Tode preisgegeben war), „und das neugeschaffene Volk' lob» 
preise Jah" d. i. das Volk, was Gott zu einer neuen Creatur ez^ 
schaffen hat. Oder: „Das werde geschrieben dem künftigen Ge- 
schlecht" d. i. das Geschlecht Mardachais, welches schon dem Tode 
preisgegeben war, „und das neugeschaffene Volk lobpreise Jah** 
d. i. das Volk, was Gott zu einer neuen Creatur erschaffen hat. 
Oder: „Das werde geschrieben dem künftigen Geschlecht" d. s. die 
Geschlechter, welche dem Tode nahe sind, „und das neuge- 
schaffene Volk lobpreise Jah" d. i. das Volk, was Gott einst sa 
einer neuen Creatur erschaffen wird. Und was haben wir dafür za 
thun? Den Lulab und den Ethrog zu nehmen und Gott zu preisen. 
Deshalb ermahnt Mose die Israeliten und spricht zu ihnen: „Und 
nehmt euch am ersten Tage." 

Oder: „Und nehmt euch am ersten Tage." Das steht auch 
geschrieben Ps. 96, 12: „Es juble das Feld und alles, was darauf 
ist." „Es juble das Feld" d. i. die Welt, wie es heisst Gen. 4, 8: 
„Es geschah, als sie (Kain und Abel) auf dem Felde (in der Welt) 
waren;" „und alles, was darauf ist" d. s. die Geschöpfe, wie es 
heisst Ps. 24, i: „Dem Ewigen ist die Erde und was sie füllt." Es 
heisst I Chron. 16, 33: „Dann werden jubeln die Bäume des Waldes." 
R. Acha sagte: Unter „Wald" sind Bäume zu verstehen, welche 
Früchte tragen, und „unter allen Bäumen des Waldes" sind die 
Bäume zu verstehen, welche keine Früchte tragen. Vor wem? 
„Vor dem Ewigen." Warum? „Denn er kommt," nämlich der Neu- 
jahrs- und Versöhnungstag. Was wird er thun? S. Ps. 98, 9: „Er wird 
richten den Erdkreis mit Gerechtigkeit und die Völker mit Gradheit." 

Oder: „Ihr sollt euch nehmen am ersten." Das steht auch 
Ps. 26, 6: „Ich wasche in Unschuld meine Hände." Was heisst das? 
Der Lulab muss gekauft und nicht geraubt sein, denn es ist dort 
gelehrt worden*): Ein geraubter und ein vertrockneter Lulab ist 



•) S. Succa fol. 29; Jerusch. Succa III. 



Par. XXX. Cap. XXIII, 40. 2H 

Qnbranchbar, ebenso der, welcher aus einem Haine (wo Götzen- 

(ficiBt) and einer verirrten Stadt ist. „Und umziehe deinen Altar, 

Ewiger," wie dort gelehrt worden ist:*) An jedem Tage (des Laub- 

bvtoifestes) hielt man einen Umzug um den Altar und sprach 

dabei: Adi, Ewiger, Hosianna! ach, Ewiger, Hosianna I R. Jizchak 

sagte: Man sagte, dass es klang: N3 nyttJin im "»SN. Aber an 

diesem Tage (am Schlussfeste) geschah der Umzug um den Altar 

aebenmal. „Um laut erschallen zu lassen den Dank" d. s. die 

Opfer, wVnd zu erzählen alle deine Wunder.*' R. Abin sagte: Das 

ist das Hallel (Danklied), in welchem für vergangene und für künftige 

GrofistfaaleD gedankt wd. Es sind darin Beziehungen auf diese 

Gexiilecbter und auch auf die Tage des Messias und Gogs und 

Magpgs. Es heisst Ps. 114, i: „Als Israel aus Aegypten zog." Das 

gebort der Vergangenheit an, Ps. 115, i: „Nicht uns. Ewiger," geht 

uf £e gegenwärtigen Geschlechter, Ps. 116, i: „Ich liebe es, wenn 

der Lwige meine Stimme hört," das geht auf die Tage des Messias, 

»leon alle Volker mich umgeben," das geht auf die Tage Gogs 

Qod Biagogs. i^u bist mein Gott, dir danke ich, mein Gott, dich 

jrae kb," das bezieht sich auf die Zukunft 

Odo*: „Nehmt euch." R. Chija hat gelehrt: Aber er (der Lulab) 
ouai gekauft and nicht geraubt sein. Das Wort DDb will sagen: 
Jeder enuelne von euch. Oder das Wort DsV will sagen, er muss 
^ dem Eurigen (DDbu??:) sein und er darf nicht geraubt sein. 
K* Levi sagte: Wer einen geraubten Lulab nimmt, womit ist das 
fli ^«rgleichen? Mit einem Räuber, welcher am Scheidewege sitzt 
w«l die Vorübergehenden und Kommenden anfallt. Einmal ging 
ein Feldherr an ihm vorüber, um die Steuern von jener Stadt zu 
erheben. Da richtete sich der Räuber auf, knebelte ihn und nahm 
ihm alles, was er bei sich hatte. Mehrere Tage darauf wurde der 
J^^flber gefangen genommen und in der Wache ((jpyAaxjf) eingesperrt. 
Der Feldherr, der hiervon Kenntniss erhalten hatte, kam herbei und 
'Vc 10 ihm: Gieb mir das, was du mir geraubt hast, zurück, so 
*ill ich für dich vor dem Könige deine Vertheidigung führen (ich 
^ vor dem Könige zu deinen Gunsten sprechen). Der Räuber ant- 
''ortcte: Von dem allen, was ich geraubt und mit Gewalt genom- 
0^ habe, ist mir nichts weiter geblieben (eig. besitzt dieser Mann 
wAts weiter), als dieser Teppich, den ich unter mir habe (auf 
»elchem ich sitze) und er ist von dir. Gieb ihn mir und ich will 
dich vor dem König vertheidigen. Nun so nimm ihn. Wisse, mor- 
iOk wirst du vor den König zu Gericht geladen, und er wird dich 
fagen und dir sagen: Hast du jemand, der dich vertheidigen (etwas 
■ deinen Gunsten vorbringen) könnte. Da sprich: Der und der 
Feldherr wird mich vertheidigen (etwas zu meinen Gunsten aus- 
•Hcnl. Es wird dann nach mir geschickt und man wird mich 
»«fcn und ich werde vor ihm deine Vertheidigung führen (günstig 



'1 Mbchna Succa fol. 45. 



212 Par. XXX, Cap. XXni, 40. 

für dich sl)rechen). Am andern Tage wurde der Angeschuldigte 
vor den König zu Gericht gebracht. Der König fragte ihn: Hast 
du wohl jemand, der dich vertheidigen könnte? Jawohl, es giebt 
einen gewissen Feldherm, der mich vertheidigen (zu meinen Gunsten 
aussagen) wird. Der König schickte nach ihm und Hess ihn rufen. 
Er fragte ihn: Weisst du wohl etwas über diesen Mann zu seinen 
Gunsten vorzubringen? Ja wohl, ich kenne ihn, als du mich nänt^- 
lieh zur Erhebung der Steuern von jener Stadt absandtest, da erhob 
er sich, knebelte mich und nahm mir alles, was ich bei mir hatten 
und dieser Teppich ist von mir und giebt Zeugniss über ihn. Da 
schrie das ganze Volk und sprach: Wehe ihm! denn sein Vertheidiger 
ist sein Ankläger geworden. So auch, wenn der Mensch einen Lulab 
nimmt, um damit schuldfrei erklärt zu werden, wenn er geraubt 
(auf unredliche Weise erlangt) worden ist, da schreit er vor Gott 
und spricht: Ich bin geraubt, ich bin mit Gewalt genommen worden! 
Und die Dienstengel sprechen: Wehe diesem (dem Menschen)! sein 
Vertheidiger ist sein Ankläger geworden. 

„Am ersten Tage.** Es ist doch der fünfzehnte Tag des Mo- 
nats und es heisst: „am ersten?'* R. Mana von Scheab und R« 
Josua von Sichnin im Namen des R. Levi sagten: Es verhält sich 
hiermit wie mit einer Stadt, die dem König Steuerreste schuldig 
war und er ging, um sie einzutreiben im Umkreise von zehn Mfl. 
Da kamen die Grossen der Stadt und priesen ihn, und er erliess ihnen 
den dritten Theil ihrer Steuerreste, dann ging er innerhalb von fünf 
Mil, da kamen die Mittleren der Stadt und priesen ihn, und er er- 
liess ihnen noch ein Drittel. Als er in die Stadt einzog, da kamen 
ihm alle Einwohner, Männer, Weiber und Kinder entgegen und 
priesen ihn, und er erliess ihnen nun alles. Da sagte der König 
zu ihnen: Was geschehen ist, das ist geschehen, von jetzt an wird 
eine neue Rechnung angefangen. So fasten auch am Vorabend des 
Neujahrstages die Grossen des Zeitalters, und Gott erlässt ihnen 
den dritten Theil ihrer Sünden; von Neujahr an bis zum Ver- 
söhnungstage fasten die Einzelnen, und Gott erlässt ihnen den 
dritten Theil von ihren Sünden, am Versöhnungstage fasten alle, 
Männer, Weiber und Kinder. Da spricht Gott zu den Israeliten: 
Was geschehen ist, das ist geschehen, von jetzt ab und weiter wird 
eine neue Rechnung begonnen. Und am Versöhnungstage bis zum 
Laubhütten feste sind alle Israeliten mit religiösen Gebräuchen be- 
schäftigt, der eine beschäftigt sich mit seiner Laubhütte, der andere 
mit seinem Lulab, und am ersten Tage des Festes erscheinen (stehen) 
alle Israeliten mit ihren Lulab und Ethrog vor Gott und er spricht 
zu ihnen: Was geschehen ist, ist geschehen, von jetzt ab wird eine 
neue Rechnung begonnen. Deshalb warnt Mose die Israeliten: 
„Nehmt euch am ersten Tage.** 

R. Acha sagte: Es heisst Ps. 130, 4: „Bei dir ist Vergebung** d.i. 
vom Neujahrstage an wartet die Vergebung bei dir. Und das alles 
warum? „Damit du gefürchtet werdest** d. i. um Furcht über deine 



Par. XXX. Cap. XXIH, 40. 213 

Gesdiöpfe m bringen. „Am ersten Tage" d. i. am Tage und nicht 
in der Nacht, am Tage und selbst am Sabbath. „Am ersten Tage,'* 
d L es verdrängt den Sabbath nur der erste Tag allein. 

Fruchte von schönen Bäumen. R. Chija hat gelehrt: £io 
Baum, dessen Holz und Frucht denselben Geschmack hat, ist der 
Ethtog. M*i*Tn, Schmuck." Ben Asai sagte: Der sich erhält von 
Jahr m ]abr. Aquilas, der Proselyt, erklärt: "inM ist ein Baum, 
der am Wasser steht 

Palmsweige. R, Tarphon sagte: Wenn die Blätter des Fest- 
ftranaes auseinander gehen, so binde man sie zusammen. *) 

Und Zweige von dickbelaubten Bäumen d. L von einem 
Baoniey dessen Zweige sein Holz bedecken, und das ist die Myrthe. 

und von Bachweiden. Wie ist es denn aber, wenn es Wei- 
den nicfat vom Bache, sondern von Thal und Bergen sind? Es 
beisst hier, ausdrücklich: „von Bachweiden." R. Abba Saul sagt: 
El heisst hier: Bachweiden (plur.), da müssen es wenigstens zwei sein, 
nänüidi eine Bachweide für den Lulab und eine für das Heilig- 
Ünim. R. Simeon sagt: Frucht von Prachtbäumen d. i. eins, „und 
hikoiwagt** d. L eins, „und Zweige von dickbelaubten Bäumen" 
d. s. drei, „und Bachweiden" d. s. zwei abgebrochene Zweige und 
einer, wekfaer nicht abgebrochen ist. R. Tarphon sagt: £s können 
iogar auch drei abgebrochene sein. 

Oder: ,«Frucht des Prachtbaumes" d. i. Gott, von dem es heisst 
Fl 104, i: „Mit Pracht und Majestät bist du bekleidet," „Palm- 
neige" d. L Gott, von dem es heisst das. 92, 13: „Der Gerechte 
"M wie die Palme blühen," „und Zweige von dickbelaubten Bäu- 
men," denn es heisst Sach. i, 11: „Er steht zwischen Myrthen," 
»und Bacfaweiden" d. i. Gott, denn es heisst Ps. 68, 5: „Machet 
ihm Bahn, der einherfahrt durch Bachweiden (ma^yn), Jah ist sein 
Name." 

Oder: „Frucht des Prachtbaumes" d. i. Abraham, den Gott mit 
eoem glucklichen Greisenalter geschmückt hat, wie es heisst Gen. 
24, i: „Abraham war alt und in die Tage gekommen," und es heisst 
doch Lev. 19, 32: „Du sollst das Antlitz des Alten ehren (n'inm);" 
•J^ahnzweige" d. i. Jizchak, welcher gebunden auf dem Altar lag, 
»and Zweige von dickbelaubten Bäumen" d. i. Jacob. Wie die 
Mjitbe von Blättern wimmelt, so wimmelte auch Jacob von Kin- 
dern (so war auch er mit Kindern gesegnet); „Bach weiden*' d. i. 
joaefiL Wie diese Bachweide vor jenen drei Arten eher verwelkt, 
io starb auch Joseph vor seinen Brüdern. 

Oder: „Frucht des Prachtbaumes" d. i. Sara, die Gott mit 
enem glücklichen Alter geziert hat (rrnT^rrtt:), wie es heisst Gen. 
lÄ, 11: „Abraham und Sara waren alt." „Palmzweige" d. i. Rebecca, 
^le die Dattel geniessbar ist, aber auch Dornen hat, so hat auch 
Kcbecca einen Gerechten und einen Frevler gestellt. „Und Zweige 



•) S. Succa foL 32 a. 



214 Par. XXX. Cap. XXni, 40. 

von dickbelaubten Bäumen" d. i. Lea. Wie die Myrthe von ihren 
Blättern wimmelt, so wimmelte auch Lea von Kindern. „B^ch- 
weiden" d. i. Rachel. Wie die Bachweide vor jenen drei Arten eher 
dahinwelkt; so starb auch Rachel vor ihrer Schwester. 

Oder: „Frucht des Prachtbaumes" d. i. das grosse Synedrium 
Israels, welches Gott mit einem glücklichen Alter geschmückt hatte 
(n*n^titt5), wie es heisst Lev. 19, 32: „Vor einem grauen Haupte 
sollst du dich erheben." „Palmblätter" d. s. die Gelehrten, die sich 
beugen, um von einander die Thora zu erlernen, „und Zweige voa 
dickbelaubten Bäumen*' d. s. die drei Reihen Schüler, welche vor 
dem Synedrium sitzen. „Bachweiden" d. s. die zwei Gerichtsschreiber, 
die vor ihnen stehen und die Worte der Freisprechenden und die 
Worte der Schuldigsprechenden aufzeichnen. 

Oder: „Frucht des Prachtbaumes" d. s. die Israeliten. Wie der 
Ethrog Geschmack und Geruch hat, so giebt es auch unter den 
Israeliten solche, die Thorakenntniss mit guten Werken verbinden. 
„Palmzweige" d. s. die Israeliten. Wie die Dattel Geschmack and 
keinen Geruch hat, so giebt es auch unter den Israeliten solche, 
welche Thorakenntniss, nicht aber gute Werke besitzen. „Und 
Zweige von dickbelaubten Bäumen" d. s. die Israeliten. Wie die 
Myrthe Geruch, aber keinen Geschmack hat, so giebt es auch 
unter den Israeliten solche, die gute Werke üben, aber keine Thora- 
kenntniss besitzen. „Bach weiden" d. s. die Israeliten. Wie die Bach- 
weide weder Geschmack noch Geruch hat, so giebt es auch unter 
den Israeliten solche, welche weder Thorakenntniss, noch gute Werke 
aufzuweisen haben. Was thut nun Gott mit ihnen? Bringt er sie 
vielleicht um? Nein! Gott sprach: Knüpfet alle in ein Bändel zu- 
sammen, so werden die einen die andern sühnen (eins wird das 
andere ausgleichen). Wenn ihr so thut, so lasse ich es euch zu 
Gute kommen (rechne ich es euch an). Das steht auch Am. 9, 6: 
„Der im Himmel baut seinen Söller." Wann wird Gott erhoben? 
Wenn sie alle zu einem Bündel gemacht sind, wie es heisst das.: 
„Und sein Bündel (Gewölbe imnSNi) hat er auf der Erde gegründet" 
Darum ermahnt Mose die Israeliten: ^^Nehmt euch am ersten Tage." 
R. Jehuda begann im Namen des R. Simon ben Pasi mit An- 
knüpfung an Prov. 4, 10: „Höre, mein Sohn, und nimm meine Lehre 
an." Viele Nehmungen (mrT^p) habe ich euch befohlen (ich habe 
vielerlei zu nehmen befohlen) und zwar wegen eurer Läuterung (Frei- 
sprechung); ich habe euch geheissen Num. 19, i : „Und nehmen sollen 
sie dir eine fehlerlose rothe Kuh." Glaubt ihr etwa meinetwegen? 
Nein, um euch zu reinigen, wie es heisst das. V. 19: „Der Reine 
sprenge den Unreinen." Ich habe euch geheissen: „Und sie sollen 
mir nehmen eine Hebe," deswegen, damit ich unter euch wohne» 
wie es heisst £x. 25, 8: „Machet mir ein Heiligthum," gleichsam 
als ob Gott befohlen hätte : Nehmt mich, dass ich unter euch wohne. 
Es steht nicht: nTSi^n "inp"'"), sie sollen eine Hebe nehmen, sondern: 
■»b nnp'^'J, sie sollen mir eine Hebe nehmen" d. h. mich sollt ihr 



Par. XXX. Cap. XXIH, 40. 215 

nehmen. Ich habe each geheissen: „Und sie sollen dir lautres 
Oüvenöl nehmen." Bedarf ich etwa eures Lichtes? Heisst es nicht 
Dan. 2, 22: ,,Licht wohnet bei ihm?" Allein um euch zu läutern 
nndimi eure Seelen zu versöhnen, die mit einer Leuchte verglichen 
viid, wie es heisst Prov. 20, 27: „Eine Leuchte des Ewigen ist die 
Seele des Menschen, durchforschend alle Gemächer des Innern." 
Und jetzt heisse ich euch: „Nehmt euch am ersten Tage," um euch 
ZQ läutern, dass ich euch Regen herabströmen lasse. Darum er- 
mahnt Mose die Israeliten: „Und nehmt euch am ersten Tage." 
R. Bfani begann mit Anknüpfung an Ps. 35, 10: „Alle meine Ge- 
bei&e qvecfaen: Ewiger, wer ist wie du?" Dieser Vers bezieht sich 
m auf den Lnlab. Das Rückgrat des Lulab gleicht dem Rück* 
giat des Menschen, die Myrthe gleicht dem Auge, die Weide gleicht 
dem Monde, der Ethrog gleicht dem Herzen. David sprach: Unter 
aUea meosdilichen Gliedern giebt es kein grösseres Glied als die, 
leldie dem ganzen Körper gleichwiegend sind. Das wollen die Worte 
agen: „Aue meine Gebeine sprechen" u. s. w. 

Oder: „Nehmt euch am ersten Tage." Nach all jener Weis-* 

bot, welche von Salomo geschrieben steht 2 Chron. i, 12: „Weis- 

heft und Kenntniss sei dir gegeben," „und die Weisheit Salomos 

var aefar gross und er war weiser als alle Menschen," sass er und 

vmiderte sich über diese vier Arten (Fruchtarten), wie es heisst 

Pro?. ^, 18: „Drei kann ich nicht begreifen." Die drei Dinge sind 

<hs Pesachopfer, Mazza und das bittere Kraut, „und das vierte 

^Qstdi' ich nicht," das sind die vier Arten Lulab, die er erfassen 

^oJhc (eig. auf denen er stehen wollte). Wenn es heisst: „Frucht 

des Praditbaumes," wer sagt mir, dass darunter der Ethrog gemeint 

ist, alle Bäune tragen doch prächtige Früchte? Ferner „Palm- 

«wöge." Das Gesetz befiehlt: Nimm zwei Palmzweige, um mit ihnen 

Gott XU loben, und er nimmt nur den Lulab, das Herz von der 

^^iM. „Und Zweige von dickbelaubten Bäumen," wer sagt mir, 

dass darunter die Myrthe zu verstehen ist? Weil es anderswo 

tost Nech. 9, 15: „Geht hinaus auf den Berg und bringet 

Olraiblatter, Bachweiden." Alle Bäume wachsen am Wasser. 

»Das vierte verstehe ich nicht." Ein andermal sagt er Prov. 30, 29 : 

»Drei haben einen vortrefflichen Schritt, das vierte einen vortrefflichen 

Gang.** Das sind die vier Arten, nach denen jeder Israelit geht, 

iinft, davon nimmt, um Gott damit zu loben. Sie scheinen in den 

Aagen des Menschen klein, vor Gott aber sind sie gross. Und wer 

bt den Israeliten erklärt, dass unter den vier Arten der Ethrog, 

fa Lnlab, die Myrthe und die Weide zu verstehen ist? Die Weisen, 

tie es das. heisst: „Und sie sind sehr weise.***) R. Berachja sagte 

■s Kamen des R. Levi: Wenn ihr euch nehmt am ersten Tage, 

i, so erscheine ich euch als erster und strafe euch von dem 

d. i. der ruchlose Esau, von dem es heisst Gen. 25, 25: „Der 



•) Dort geht es auf die Thiere. 



2i6 Par. XXXI. Cap. XXIV, 2, 

erste kam roth heraus und behaart/' und ich baue euch den erstei 
nämlich den Tempel vgl. Jerem. 17, 12: „Der Thron der Herrlicl 
keit, der Erhabenheit von Anbeginn ist der Ort unseres HdU§ 
thums," und bringe euch den ersten d. i. den König Messias, vc 
dem es heisst Jes. 41, 27: „Er ist der erste zu Zion, siehe, sieh* 
und zu Jerusalem geb' ich einen Heilsverkunder/' 



Parascha XXXL 

Cap. XXIV. V. 2. Befiehl den Kindern Israels, das 
sie dir nehmen lauteres Oel. Das steht auch Ps. 71, 19: „Deii: 
Gerechtigkeit, Gott, bis zur Höhe." R. Ami fragte den R. Samm 
bar Nachman: Da ich von dir gehört habe, dass du ein Haggadi 
bist, was ist wohl der Sinn von den Worten: „Deine Gerechtigkei 
Gott, bis zur Höhe?" Er antwortete ihm: Sowie die Untere 
müssen auch die Oberen sich einander Gerechtigkeit widerfEihre 
lassen. Das steht auch Ezech. 10, 2: „Und er sprach zu dem Man 
in Linnen gekleidet."*) „Was du Grosses gethanl" Das sind d 
zwei grossen Lichter s. Gen. i, 16: „Und die beiden grossen Lichter. 
„Gottl wer ist dir gleich?" d. i. wer ist unter den Oberen dir gleic 
und wer unter den Unteren? Wer bezwingt wie du das Strafmai 
(lässt Gnade für Recht ergehen)? Du erleuchtest die Oberen im 
Unteren, du erleuchtest adle Weltbewohner und findest Lust a 
dem Lichte Israels. Das ist hier nun gesagt: „Befiehl den Kindei 
Israels." 

R. Jizchak begann mit Anknüpfung an Ps. 119, 140: „Rei 
geläutert ist dein Wort und dein Knecht liebt es." Wie dies« 
Schmelzer (Goldschmied) das Gold zwei- oder dreimal in den Schmel 
ofen bringt, bis es ganz geläutert ist, so ist auch dieser Abschni 
zwei- und dreimal wiederholt worden. Siehe, wenn schon ein c 
kleiner Abschnitt in der Thora zwei-, dreimal wiederholt wird, m 
wieviel mehr die übrigen Abschnitte der Thora! „Befiehl den Eai 
dem Israels." Das steht auch Hi. 14; 15: „Rufe und ich will d 
antworten," sowie es heisst Jes. 58, 9: „Dann rufst du und di 
Ewige antwortet" Wozu? „Nach deinem Händewerk sehnst c 
dich" d. i. deine Seele hat Verlangen nach ihm vgl. Gen. 31, 3< 
„Du sehntest dich nach dem Hause deines Vaters." Hiob sprac 
vor Gott: Herr der Welt! die Oberen und die Unteren sind : 
deiner Gewalt, „und du sehnst dich nach deinem Händewerk" d. 
du schaust auf dein Händewerk. Das wollen die Worte sagei 
„Befiehl den Kindern Israels." 

Oder: „Befiehl den Kindern Israels." Bar Kapra begann w 
Bezugnahme auf Ps. 18, 29 : „Ja du liessest meine Leuchte scheinen 
Gott sprach nämlich zu dem Menschen: Deine Leuchte ist in mein« 



•) S. Anfang der Parascha n^iro Sh 1)08. 



Par. XXXI. Cap. XXIV, 2. 217 

Haod und meine Leuchte ist in deiner Hand. Deine Leuchte ist 

io meiner Hand, wie es heisst Prov. 20, 27: „Eine Leuchte Gottes 

ist die Seele des Menschen," und meine Leuchte ist in deiner Hand. 

Um eine Leuchte stets brennen (aufsteigen) zu lassen. 

Nein, Gott spricht: Wenn du meine Leuchte brennen lässt, so lasse 

ich deine Leuchte brennen. Das wollen die Worte sagen: „Befiehl 

den Kindern Israels.^' 

Oder: „Befiehl den Kindern Israels." In Verbindung mit 
Cant 7, 6: „Dein Haupt auf dir ist wie der Carmel und die Locke 
deines Haoptes wie Purpur." Gott sprach zu den Israeliten: Die 
Häupter unter euch sind mir so lieb wie Elia, der den Carmel er« 
sdegf wie es heisst i Reg. 18, 42: „Und Elia stieg auf die Spitze 
des Carmels und bückte sich zur Erde und that sein Gesicht zwi- 
acheii seine Elniee.'' Warum that er sein Gesicht zwischen seine 
Kniee? Er sprach vor Gott: Herr der Weltl wenn uns kein Ver- 
dienst anhaftet, so blicke auf den Bund der Beschneidung. „Und 
die Locke deines Hauptes wie Purpur." Gott sprach: Die Aermsten 
onter eudi sind mir so lieb wie David, wie es heisst Sach. 12, 8: 
„Und der Schwache unter ihnen ist an diesem Tage wie David." 
Oder sie sind mir so lieb wie Daniel, von dem es heisst Dan. 5, 29: 
9^ üesB den Daniel in Purpur kleiden." „Der Konig gebunden 
in Locken/' weil Gott sich eigentlich durch einen Schwur gebunden 
hatte, dass er seine Schechina an dem Gebälk (Tafel werk) unseres 
Vaters Jacob ruhen lassen wolle, und in wessen Verdienste? R. 
Abba bar Kahana sagte: Im Verdienste unseres Vaters Abraham, 
denn es heisst Gen. 18, 7: „Zu den Rindern lief Abraham." R. Levi 
sagte: In Jacobs Verdienste, von dem geschrieben steht Gen. 30, 38: 
jXt legte die Stabe, welche er geschält, in die Wasserrinnen (Trän- 
ken).** R. Berachja versteht unter „dem König, gebunden in Locken" 
Mose, von dem es heisst Deut. 33, 5: „Er war König in Jeschurun 
(-= Israel)." „Gebunden in Locken,** weil Gott über ihn beschlossen 
hatte, dass er nicht in das Land Israel kommen sollte. Warum 
nicht? Wegen der Wasserrinnen (D'^ÜJi^) bei dem Hader wasser, wie 
CS heisst Num. 20, 13: „Das sind die Haderwasser, wie die Kinder 
Israels haderten mit dem Ewigen." R. Jehuda sagte: Womit ist 
das zu vergleichen? Mit einem König, welcher angeordnet und 
gesagt hatte: Wer von den Früchten im siebenten Jahre aufliest 
und isst, soll auf den Campus*) versetzt werden. Eine Frau, die 
Tochter vornehmer Eltern (D'^mu nn), hatte von den Früchten des 
siebenten Jahres gesammelt und gegessen und man führte sie auf 
den Campus. Ich bitte von dir, mein Herr König, schrie und 
sprach sie, hänge diese Feigen mir an meinen Hals, damit die 
Leute nicht sprechen: Es kommt uns vor, dass man etwas Schänd- 
liches oder etwas von Zauberei an mir gefunden habe; wenn sie 
aber die Feigen an meinem Halse sehen, so wissen sie, weshalb 



*) Ein freier Platz, wo Schauspiele für die Könige veranstaltet werden. 



2(8 Pi. XXXI. Ckp. XXIV, 1. 

ich hierher gebracht worden bin. So sprach auch Mose vor Gott: 
Herr der Weltl schreibe in deine Thora, warum ich nicht in das 
Land kommen soll, damit die Israeliten nicht sprechen: Es kommt 
nna vor, als hätte Mose das Gesetz gefälscht, oder etwas gesagt, 
was ihm nicht befohlen war. Gott sprach za ihm: Bei deinem 
Leben 1 ich werde schreiben, dass dn nur wegen des Haderwassers 
nicht in das Land kommen sollst, wie es heisst Num. 27, 14: „Wefl 
ihr gehadert habt gegen mein Wort in der Wüste Zin," R, Simeon 
sagte: Womit ist das zu vergleichen? Mit einem König, der mit 
seinem Sohne auf dem Wege in einem Wagen fuhr, als sie an einen 
engen Ort kamen, stürzte der Wagen über seinen Sohn', sein Ange 
wDrde blind und er hatte auch seine Hand und seinen Fuss ge- 
brochen. So oft der König an jenen Ort kam, erinnerte er sich 
des Vorfalles nnd sprach: Weh mir! hier hat mein Sohn Schaden 
genommen; hier ist sein Auge blind geworden, hier ist seine Hand 
und sein Fnss zerbrochen worden. Ebenso erwähnt Gott in seiner 
Thora dreimal die Haderwasser, um damit zu sagen: Hier habe ich 
den Mose, hier den Aaron und hier die Mirjam um das Leben 
gebracht Das steht anch Ps. 141, 6: „£s stürzten am Felsen ihre 
Richter, und man hörte Reden, die lieblich waren." R. Nachman 
sagte: Unter dem König ist Mose zu verstehen, wie es heisst: „Und 
er war in Jeschurun König." Gott sprach zu Mose: Ich habe dich 
znm König über Israel gesetzt, und der König pflegt Befehle n 
geben, die von andern gehalten werden müssen, so gieb auch da 
Befehle, Israel rouss sie halten. Das ist hier nun gesagt: „Befiehl 
den Kindern Israels." 

R. Josua von Sichnin sagte im Namen des R. Acha: Es heisst 
Prov. 21, 22: „Eine Stadt der Helden erstieg ein Weiser." „Helden" 
heisst es, weil sie alle Helden waren, und es war kein Weib 
darunter. „Ein Weiser erstieg sie," das ist Mose, von dem es heisst: 
„Mose stieg hinauf zu Gott," „und er stürzte die Macht, worauf sie 
vertraut" R. Jehuda, R. Nechemja nnd die Rabbinen. R. Jehada 
sagt: Unter iir Macht ist die Thora zu verstehen, unter nnt:3n. 




Par. XXXr. Cap. XXIV, 2. 210 

Tausend dienen ihm/' und dann heisst es wieder Ps. 68, i8: ,,Die 
Wagen Gottes sind Myriaden, Tausend mal Tausend, unter ihnen 
der Herr, der Sinai im Heiligthum.** Siehe, daraus erhellt, dass 
eine Schaar eine Zahl hat; aber seine Schaaren sind zahllos. Die 
Rabtunen sagen: Einmal heisst es: „Giebt es für seine Schaaren eine 
Zahl?" und ein anderesmal heisst es: Tausend mal Tausend dienen 
um?* Allein so lange der Tempel nicht zerstört war, stieg Gottes 
Lob K» ihnen allein empor, nachdem der Tempel aber zerstört 
war, soDte Gott seine Familie vermindert haben? Gott sprach: £s 
ist nicht Recht, dass mein Lob so emporsteigt, wie es (sonst) empor- 
gestiegoi ist Hi. 25, 3 heisst es: „Ueber wen erhebt sich nicht sein 
licht?^ d. L wer von allen Weltbewohnern kommt und sagt wohl: 
mir leuchtet nicht die Sonne am Tage und der Mond des Nachts? 
Dq leuchtest den Oberen wie den Unteren und allen Weltbewohnern 
vod findest Lust an dem Lichte Israels, wie es hier heisst: „Befiehl 
(kn Kindern Israels/' 

R. Qianina sagte: Der salomonische Tempel hatte Fenster, 

^n wdcfaen Licht in die Welt ausging, wie es heisst i Reg. 16, 4: 

ii£r machte für das Haus Fenster mit verschlossenem Gitter." 

1% msdilossenen Gitter waren von innen klein (eng) und von 

aosen weit, damit das Licht hinausgehe in die Welt. R. Levi 

sagte: Gleidi einem Könige, der ein Triklinium (Hauptzimmer) sich 

nacben liess und die Fenster davon von aussen klein und von innen 

weit machte, damit das Licht hineindränge, aber die Fenster am 

Tempel waren nicht so, sondern sie waren von innen klein und 

von anssen weit, damit ein grosses Licht hinausgehe. R. Simeon 

ben Jehozadok fragte den R. Samuel bar Nachman: Da ich von 

dir gehört habe, dass du ein Haggadist bist, so frage ich dich, 

woher ist das Licht in die Welt gekommen? Er antwortete: Gott 

liäJIte sich in ein Gewand und es leuchtete seine ganze Welt vom 

vom Glänze seines Schmuckes.*) Das sagte er zu ihm heimlich (leise). 

£r entgegnete ihm: £s steht doch deutlich in einem ganzen (vollen) 

Vers, wie es heisst Ps. 104, 2: „Er hüllt das Licht wie ein Ge- 

*and, spannt den Himmel wie einen Teppich," und du sagst es 

mir heimlich (leise)? Wie es mir ist leise gesagt worden, lautete 

seine Antwort, so habe ich es dir leise gesagt. R. Berachja sagte: 

Wenn R. Jizchak es nicht öffentlich vorgetragen hätte, so hätte man 

es zu sagen nicht für möglich gehalten. Nun wie ist es vorher 

gesagt (gelehrt, beantwortet) worden? R. Berachja im Namen des 

R. Jizchak sagte: Das Licht ging vom Orte des Tempels in die 

Welt aus, wie es heisst Ezech. 43, 2: „Und siehe, die Herrlichkeit 

des Gottes Israels kam von Osten her und ihr Brausen war wie 

das Brausen grosser Gewässer und die Erde ward erleuchtet von 

«einer Herrlichkeit." Unter -nnD, Herrlichkeit ist nichts anderes als 



•^ Vgl. Midr. Bcrescb, r. Psr. 3, Schemot r. Par. 50 Anf. und Deba- 
ria r. Par. 10. 



220 Par. XXXI. Cap. XXIV, 2. 

der Tempel zu verstehen vgl. Jerem. 17, 12: „Der Thron der Herr- 
lichkeit, der Erhabenheit von Anbeginn ist der Ort unseres Reuig- 
thums/* R. Abina sagte zweierlei, ebenso sagte R. Berachja zweierlei 
und die Rabbinen sagten auch zweierlei. R. Abina sagte: Die Sonnen- 
kugel ist eine von meinen Dienern, und in der Stunde, wo sie in 
die Welt hinausgeht, kann kein Geschöpf seine Augen an ihrem 
Glänze weiden, wie es heisst Dan. 7, 10: „Ein Feuerstrom floss imd 
ging von ihm aus, "bedarf ich daher deines Lichtes? R. Acha sagte: 
(Es heisst) Jes. 42, 21: „Dem Ewigen gefiel es, um seiner Gerechtig- 
keit willen, dass er die Thora gross und mächtig werden Hess" 
d. i. ich habe nur dich geschaffen, um dich zu läutern. R. Abina 
sagte ferner: Der Blitz stammt vom oberen Feuer (ist eine Folge 
des oberen Feuers], und von einem Ende der Welt bis zum andern 
erglänzt sein Licht, bedarf ich daher deines Lichtes? R. Acha 
sagte: „Der Ewige hat Wohlgefallen wegen seiner Gerechtigkeit'* 
(Wie vorher.) R. Berachja sagte: Aus dem Augapfel sieht der Mensch 
nicht aus dem Weissen darin, sondern aus dem Schwarzen. Wenn 
ich nun, sprach Gott, aus der Finsterniss dir Licht erschaffen habe, 
bedarf ich deines Lichtes? R. Acha sagte: „Der Ewige hat Wohl- 
gefallen wegen seiner Gerechtigkeit." Ferner sagte noch R. Be- 
rachja: Es heisst Gen. i, 2: „Und die Erde war öde und leer." 
Was folgt darauf? „Und Gott sprach: es werde Licht und es ward 
Licht" Wenn ich, sprach Gott, aus der Finsterniss Licht erschaffen 
habe, bedarf ich deines Lichtes? R. Acha sagte: „Der Ewige hat 
Wohlgefallen wegen seiner Gerechtigkeit." Die Rabbinen sagen: 
Gott spricht zum Kinde: Während der neun Monate, wo du im 
Leibe deiner Mutter warst, habe ich dir geleuchtet, bedarf ich deines 
Lichtes? Ferner sagten die Rabbinen: Es heisst Dan. 2, 22: „Er 
offenbart das Tiefe und das Verborgene, er weiss, was im Finstern 
ist, und Licht wohnet bei ihm." Gott sprach: Das Licht wohnt 
bei mir, bedarf ich deines Lichtes? Rab sagte: In der Stunde, wo 
die Sonnenkugel und der Mond hineintreten, um von Gott die Er- 
laubniss zu erhalten, da werden ihre Augen von dem Glänze der 
Schechina dunkel, und wenn sie herausgehen wollen, um die Welt 
zu erleuchten, sehen sie nichts. Was macht Gott mit ihnen? Er 
schiesst Pfeile vor ihnen ab und sie wandeln ihrem Lichte nach. 
Das steht auch Hab. 3, 11: „Sonne und Mond stehen in ihrer Woh- 
nung; als Licht fliegen deine Pfeile, als Schein deines Speeres Blitz," 
und Joel 3, 20 heisst es: „Sonne und Mond verdunkeln sich und 
die Sterne ziehen ihren Glanz ein." R. Hosaja bar R. Simlai von 
Cäsarea sagte im Namen des R. Jizchak bar Sera: Die Sonnen- 
kugel geht nicht eher unter, als bis sie wie Blut in der Grösse 
eines Senfkorns geworden ist. Was ist der Sinn von Ps. 19, 6: „Sie 
geht wie ein Bräutigam aus seinem Gemache, freut sich, wie ein 
Held zu laufen den Pfad (n'inN)?" Es giebt nur einen Pfad n*Ti« 
(Weise) der Weiber, wie es heisst Gen. 18, 11: „Es hatte aufgehört 
Sara zu gehen nach Weise (n^N) der Weiber." R. Levi sagte: 



Par. XXXI. Cap. XXIV, 2. 3. 221 

Alle Tage sitzt Gott zu Gericht mit der Sonnenkugel und dem 
Monde, die nicht ausgehen wollen, die Welt zu erleuchten. Was 
sprechen sie? Die Menschen klagen uns an, die Geschöpfe bücken 
^ iror uns. R. Justa bar Schunem sagte: Was macht Gott mit 
Urnen? £r sitzt über sie zu Gericht und sie ziehen heraus und er- 
leochlcn die Welt wider ihren Willen. Das steht auch Zeph. 3, 5: 
„An jedem Morgen ergeht sein Richterspruch ans Licht, nie feh- 
lend." Was heisst ^n!P3 «b? Ohne Unterlass (ohne Unterbrechung). 
J)ocb der Ungerechte kennet keine Scham'* d. i. sie schämen sich 
nicbt, sondern die Götzendiener sehen, dass sie (Sonne und Mond, 
die von ihnen angebetet werden ; durch Verfinsterung) geschlagen 
werden und sie schämen sich dennoch nicht, sie anzubeten. So 
betttt es Lev. 24, 2: „Und sie sollen dir nehmen reines Olivenöl;" 
aber ucht Sesamöl, nicht Nussöl, nicht Rettigöl und nicht Mandelöl, 
sondern Olivenöl von deinen Oliven. Gleich einem König, sagte 
R. Abin, gegen welchen sich seine Legionen empört hatten, nur 
eine Legion hatte sich nicht gegen ihn empört. Da sprach der 
König: Von dieser Legion, welche sich nicht gegen mich empört 
bat, soDea nun Duces, Eparchen und Obersten genommen werden. 
So sinach auch Gott: Die Olive brachte in Noachs Tagen Licht in 
die Welt, wie es heisst Gen. 8, 11: „Die Taube kam zu ihm zur 
Abendzeit und siehe, sie hatte ein abgepflücktes Oelblatt in ihrem 
Monde." Was heisst i'^up r\iu} Es hat den Sinn wie das. 37, 33: 
ifSpa qriCJ, zerrissen ist Joseph." R. Berachja sagte: Noach sprach 
n ihr: Wenn du ihn nicht abgerissen hättest, so wäre er (der Zweig) 
ein grosser Baum geworden. Woher brachte sie das Blatt? Nach 
Abba bar Kahana vom Oelberge, nach R. Levi von den Ranken 
des Landes Israel. Daher kommt die Sage, dass das Land Ii>rael 
von den Wassern der Fluth nicht geschlagen worden sei. Das sagt 
auch Gott durch Ezech. 22^ 24: „Menschensohn! sprich zu ihr (der 
Si3.6t): Du bist ein Land, nicht gereinigt" R. Jochanan sagt: Sogar 
die Mahlsteine wurden in den Wassern zerrieben. R. Berachja sagte : 
Die Thore des Paradieses wurden ihr (der Taube) geöffnet und von 
daher brachte sie das Blatt. R. Ibo sagte: Wenn sie es aus dem 
Paradiese gebracht hätte, hätte sie nicht etwas Besseres bringen 
können, wie Zimmt, Balsam? Allein sie gab ihm damit einen 
Wink (sie deutete ihm damit an) und sprach zu ihm: Mein Herr 
Noacfa! das Bittere aus Gottes Hand und nicht das Süsse aus 
deiner Hand. 

V. 3. Ausserhalb des Vorhanges der Zeugnisse. R. 
Beasar ben Schamua sagte: In Folge dieser Bereitung werdet ihr 
gerettet werden (verschont bleiben) von einer andern Bereitung s. 
Jcs.30, 33: „Denn seit gestern ist die Brandstätte bereitet." R. Cha- 
nin sagte: Dadurch, dass ihr eine Leuchte beständig unterhaltet, 
»erdet ihr das Glück haben, das Licht des Messias zu empfangen, 
wie CS heisst Ps. 132, 17: „Dort lasse ich blühen das Hörn Davids, 



222 Par. XXXII. Cap. XXIV, 3. lO. 

eine Leuchte zu richten meinem Gesalbten," ferner das. 122, i: ,»Ich 
freue mich, wenn man zu mir spricht: Wir wollen zum Hause des 
Ewigen gehen." 

Parascha XXXn. 

Cap. XXIV. V. 10. Es ging hinaus der Sohn eines 
israelitischen Weibes. R. Jehuda und R. Nechemja. R. Jehnda 
sagt: Das steht auch Ps. 12, 9: „Ringsum wandeln Frevler" d.i. rings 
um die Frevler wandeln die Gerechten. Wie ist das zu verstehen? 
In der Stunde, wo die Gerechten herausgehen aus dem Paradiese 
und die Frevler zur Holle verurtheilt sehen, freuen sie sich darüber, 
wie es heisst Jes. 66, 24: „Sie gehen heraus und sehen die Leich- 
name der Menschen, die von mir abgefallen sind." In der Stunde 
loben und danken sie Gott für die Leiden, die er in dieser Welt 
über sie gebracht hat, wie es heisst Jes. 12, i: „Und du wirst spre- 
chen an diesem Tage: ich danke dir. Ewiger! dass du über mich 
gezürnt hast; es wandte sich dein Zorn" gegen die Völker der 
Welt, „und du verschontest mich" vor ihnen. „Wann erhebt sich 
Schmach (nibt D1^:d)?" Wenn Gott erhaben erscheint, und der 
Weinberg (D^d) in seiner Welt verachtet ist. Unter dem Weinberg 
Gottes ist nichts anderes als Israel zu verstehen, wie es heisst Jes« 
5, 7: „Denn der Weinberg des Ewigen ist das Haus Israel und die 
Männer Jehudas sind die Pflanzung seiner Freude." R. Nechemja 
sagte: Wie lange wirst du uns den Vers verdrehen? Der Sinn ist 
doch: Um die Gerechten wandeln die Frevler, wie es heisst: „Rings- 
um wandeln Frevler." Wie so? In der Stunde, wo die Frevler 
aus der Holle aufsteigen und die Gerechten sitzen sehen in Ruhe 
im Paradiese, wird ihre Seele gequält ihretwegen, wie es heisst Ps. 
112, 10: „Der Frevler sieht es und kränket sich." Wann erhebt 
sich Schmach?*) Wenn Gott die Gebote, die in der Welt ver- 
achtet werden, erhebt z. B. warum wirst du gesteingt? Weil ich 
meinen Sohn beschnitten habe. Warum wirst du herausgeführt, nm 
verbrannt zu werden? Weil ich den Sabbath gehalten habe. Warum 
wirst du zur Hinrichtung hinausgeführt? Weil ich Mazza gegessen 
habe. Warum wirst du gegeisselt? Weil ich eine Laubhütte gebant, 
weil ich den Lulab in die Hand genommen, Tephillin gelegt, weü 
ich Purpur angelegt, kurz, weil ich den Willen des himmlischen 



•) Berach. fol. 6^ werden unter den Worten n^^T 0^13 Ps. 12, 9 theiU 
Dinge verstanden, welche auf der Spitze der Welt stehen (üh\tf W U31ia) 
und welche dief Menschen geringschätzen (|nn D^^T^tO), theils wird das Wort 
als Eigenname eines Vogels Kerum erklärt, über den Lewysohn, Zoologie 
des Talmuds S. 183 zu vergleichen ist. Die Stelle im Talmud lautet: Wenn 
jemand eines Menschen bedürftig ist, so entstellt sich sein Gesicht wie dei 
Kerum (tnna), denn es heisst: nnt 013. Was bedeutet Dins? Es giebt einen 
Vogel in den Seestädten, dessen Name Kerum ist, wenn die Sonne auf- 
geht, nimmt er viele Farben an. 



P*r. XXXIL Cap. XXTV, lo. 223 

Vaters gethan habe, wie es heisst Sach. 13, 6: „Er spricht zu ihm: 
Was bedeaten diese Wunden? Diese Wunden haben mir es ver^ 
nrsacbt (ihnen habe ich es zu danken), dass ich von meinem himm- 
liscben Vater geliebt werde. Oder: „Wann erhebt sich Schmach?" 
Wenn Gott die Farbe der Bastarde öffentlich bekannt macht, was 
berots schon durch Mose geschehen ist, wie es hier heisst V. 14: 
tfFähie den Fiucher hinaus vor das Lager." 

Es beisst Koh. 10, 20: „Auch in deinem Gedanken (heimlich) 
sonst du dem Konig nicht fluchen." R. Abin sagt: Du sollst nicht 
mit derKenntniss, die ich dir mehr als den Thieren, dem Gewilde 
ood Vdgdn gegeben, vor mir schmähen und lästern. Ich habe dir 
sweiAqgen erschaffen und den Thieren zwei Augen, dir zwei Ohren 
ood üioäi zwei Ohren, so habe ich dich doch ihnen gleich gestellt, 
«ie es heisst Ps. 49, 13: „£r gleicht den Thieren, die da schweigen." 
linier ii3*t3 ist nichts anderes als Schweigen (np^r^D) zu verstehen, 
ich habe vor deiner Herrlichkeit geschwiegen. Wie viele Wohlthaten 
habe ich dir erwiesen und du siehst es nicht ein, wie es heisst das.: 
J)er Henidi in seiner Herrlichkeit sieht es nicht ein." 

Oder: „Auch in deinem Gedanken sollst du dem König," 
vekber vor dir ist, „nicht fluchen und in den Gemächern deines 
^•agen sollst du dem Reichen," der vor dir ist, „nicht fluchen, denn 
<b V(^ des Himmels führt (trägt) die Stimme fort" R. Jeremja 
^ Beasar sagt; Darunter ist der Rabe und die Kenntniss der 
Wahnagervögel zu verstehen. „Und der Geflügelte (der Herr der 
Bagd) mddet das Wort" R. Levi sagte: Der Weg hat Ohren und 
10 axKh die Wand. 

Oder: „Auch in deinem Gedanken sollst du dem König" d. i. 
dem König zu deiner Zeit „nicht fluchen und in den Gemächern 
deines Lagers sollst du dem Reichen" zu deiner Zeit „nicht fluchen, 
^eon der Vogel des Himmels trägt die Stimme fort. R. Jehuda bar 
R. Simon sagte: Gott sprach zu David: Du hättest sagen müssen 
h» 6, 11: „Beschämt werden und dahin schwinden sehr alle meine 
Feinde." Wer war denn dein Feind? Nicht Saul? Heisst es nicht 
I*i.i8, i: „Am Tage, da ihn der Ewige gerettet aus der Gewalt aller 
söner Feinde, aus der Hand Sauls?" In dieser Stunde sprach David 
vor Gott: Herr der Welt! rechne mir dieses nicht als Frevel, son- 
<fcm als ein Versehen an. Darum führt Ps. 7 die Ueberschrift: 
»Versehen Davids." 

Oder: „Auch in deinem Gedanken sollst du dem König nicht 
flachen" d. L dem König der Welt, „und in den Gemächern deines 
Lagers sollst du dem Reichen" d. i. dem Reichen der Welt „nicht 
fliehen, denn der Vogel des Himmels führt die Stimme fort" R. 
len sagte: Manche Stimme geht zum Guten und manche zum 
Bösen aus; zum Guten, wie es heisst Deut 5, 28: „Der Ewige hört 
<&e Stinmie eurer Worte, als ihr zu mir spracht" War denn alles 
pÄ, was sie geredet haben? R. Chija bar Ada und Bar Kapra, 
der eine nimmt das Wort naün gut, wie das naün gut, was von 



224 P*''- XXXII. Cap. XXIV, la 

den Leuchtern gebraucht wird (schön machen), der andere sagte: 
nnuü gut hat den Sinn wie das rrnu^r gut, was vom Räucherwerk 
steht (schön aufsteigen). Und eine Stimme zum Bösen s. Deut i, 34: 
„Der Ewige hörte die Stimme eurer Worte und ward zornig und 
schwur.'^ R. Tachlipha sagte: Gott sprach: Ihnen erscheint es als 
Zorn, aber nicht mir, weil ich schwur in meinem Zorn. Ich schwur 
in meinem Zorn und widerrief es (wurde rückgängig) bei mir: „dass 
sie nicht kommen sollten zu meiner Ruhe" d. i. zu dieser Ruhe 
sollen sie nicht kommen, wohl aber zu einer andern Ruhe. R. Levi 
sagte im Namen bar Kapras: Gleich einem Könige, welcher über 
seinen Sohn zürnte und über ihn verhängte, dass er nicht bei ihm 
in seinem Palaste erscheinen sollte. Was machte aber der König? 
Er Hess seinen Palast einreissen, einen andern bauen und führte 
seinen Sohn nun mit sich hinein. Da hat er doch seinen Schwur 
gehalten und seinen Sohn wieder aufgenommen. So sprach auch 
Gott: Weil ich schwur in meinem Zorn, dass sie nicht kommen 
sollen zu meiner Ruhe d. i. zu dieser Ruhe sollen sie nicht kom- 
men, wohl aber zu einer andere Ruhe. „Und der Geflügelte ver- 
kündet das Wort." Wenn nämlich der Mensch schläft, sagte R. Abin^ 
spricht der Körper zur Neschama und die Neschama zum Nephesch 
und der Nephesch zum Engel und der Engel zum Cherub und der 
Cherub zu dem Herrn der Flügel und der Herr der Flügel bringt 
das Wort vor dem, welcher sprach und es ward. 

Oder: „Auch in deinem Gedanken sollst du dem König nicht 
fluchen.** Das ist Mose, von dem es heisst Deut. 33, 5: „Er war 
König über Jeschurun," „und in den Gemächern deines Lagers 
fluche nicht dem Reichen" d. i. Mose. Woher war Mose reich? 
R. Chanin sagt: Von dem Behauen der Edelsteine (bei den Bundes- 
tafeln) hat Gott ihm in seinem Zelte mitgetheilt und davon ist er 
reich geworden, wie es heisst: „Haue dir ("rfh boc) d. i. die Abfalle 
(mbnopfi) seien dein. In dieser Stunde sprach Mose Prov. 6, 22: 
„Der Segen des Ewigen macht reich." „Denn der Vogel des Him- 
mels" d. i. er (Mose) flog wie ein Vogel und stieg auf zum Him- 
mel. „Und der Geflügelte meldet das Wort" d. i. dem Mose wurde 
vom Sinai verkündet: „Führe den Flucher hinaus." 

„Und es ging aus der Sohn einer Israelitin." Woher? R. Levi 
sagte: Er trat aus seiner Welt*), wie es heisst i Sam. 17, 4: „Da 
trat ein Zweikämpfer hervor aus dem Lager."**) R. Berachja sagte: 
Er trat aus einem höheren Abschnitte heraus, wie es heisst: „Du 
sollst feines Mehl nehmen und es backen (zu Schaubroten)." Pflegt 
denn ein König warmes Brot zu essen? Es muss doch wohl erst 
abgekühlt sein, sowie dort gelehrt worden ist:***) Das Schaubrot 



*) Er hatte geflucht und dadurch ist er um das selige Leben ge- 
kommen. 

••) So hier: Er trat aus seinem Kreise heraus dort und hier. 
•••) Menachot fol. 100. 



Par. XXXir. Cap. XXIV, 10. 225 

wurde nicht unter neun Tagen und nicht über elf Tage hinaus 
gegessen. Wie so? Es wurde am Vorabende des Sabbaths ge- 
backen und am Sabbath darauf (der andern Woche) von den Prie- 
stern gegessen. Fiel aber ein Festtag auf den Vorabend des Sab- 
baths, so wurde es am zehnten Tage gegessen, fielen aber die zwei 
Festtage des Neujahrs auf Donnerstag und Freitag, so wurde es 
nach elf Tagen gegessen (sowie in Tanchuma ausgeführt ist). R. 
Chija hat gelehrt: £r war aus dem Abschnitte über die Geschlechts- 
folge (Juchasin) herausgetreten und kam, um sein Zelt im Lager 
Dans aufzuschlagen. Man fragte ihn: Was fallt dir ein, dein Zelt 
im Lager Dans aufzuschlagen? £r antwortete: Weil ich von den 
Töchtern Dans abstamme. Sie stellten ihm vor: £s steht aber doch 
geschrieben Num. 2, i: „Ein jeder bei seinem Paniere, nach dem 
Zeichen des Hauses ihrer Väter," nicht: des Hauses ihrer Mütter. 
Er ging darauf in den Gerichtshof Moses und kam da verurtheilt 
heraus» in Folge dessen erhob er sich und Hess sich in Schmä- 
hungen aus. 

Und er war der Sohn eines Aegypters. Die Rabbinen 
und R. Levi. Die Rabbinen sagen: Obgleich es damals keine Ba- 
starde gab, so war er in dieser Stunde doch ein Bastard. R. Levi 
sagte: Er war ein entschiedener (ausgemachter) Bastard. Wie so? 
Die Frohnvögte waren Aegypter und die Aufseher Israeliten, ein 
Frohnvogt war über zehn Aufseher und ein Aufseher über zehn Ar- 
beiter (Menschen) gesetzt, folglich war ein Frohnvogt über hun- 
dert Arbeiter gesetzt. Einmal war der Frohnvogt bei dem Aufseher 
und sprach zu ihm: Sammle mir deine Genossenschaft (Arbeiter). 
Ms er eintrat, scherzte mit ihm sein Weib, sie dachte, dass es ihr 
Mann sei. Er ging hinaus und verbarg sich hinter der Stiege. Als 
ihr Mann hinausgegangen war, ging er hinein und trieb Unzucht 
mit ihr. Ihr Mann kehrte um und sah den Frohnvogt aus seinem 
Hause kommen. Da er merkte, dass er ihn gesehen hatte, und die 
Sache verrathen war, schlug er ihn den ganzen Tag und sprach 
w ihm: Willst du gut thun? willst du gut thun? Seine Absicht 
^ar, ihn um's Leben zu bringen. In dieser Stunde schimmerte der 
heilige Geist durch Mose, wie es heisst Ex. 2, 12: „Er wandte sich 
^Jahinund dorthin." Was heisst: l^^i riD? Er sah, was der Aegypter 
^|)Di im Hause und auf dem Felde gethan hatte. Da dachte er bei 
f^ch: Nicht genug, dass er sein Weib geschändet hat, er will ihn 
J^t noch um's Leben bringen. „Und da er sah, dass kein Mann 
^ war." R. Jehuda, R. Nechemja und die Rabbinen. R. Jehuda 
'agt: Er sah, dass niemand aufstand, da gerieth Mose in Eifer für 
^en Namen Gottes „und er erschlug den Aegypter." R. Nechemja 
sagt: Er sah, dass niemand aufstand, so erwähnte er den göttlichen 
Namen über ihn und brachte ihn um's Leben. Die Rabbinen sagen: 
Er sah, dass nichts besondres Gutes weder von ihm (Oberaufseher), 
Doch von seinen Kindern und Enkeln bis zum Ende alier Geschlechter 
erstand, „so erschlug er den Aegypter." R. Jizchak sagte: Er 

WQnsche, Midrasch Waiikra. IS 



226 ^^^' XXXII. Cap. XXIV, lO. 

erschlug ihn mit der Faust vgl. Jes. 58, 4: „Um zu schlagen mit 
der Faust den Frevler." R. Levi sagte: Er erschlug ihn mit den 
Geheimnissen der Israeliten*) vgl. Hos. 2, i: „Einst wird sein die 
Zahl der Israeliten wie der Sand am Meere." 

Oder: „Und der Sohn einer Israelitin ging hinaus." Das steht 
auch Cant. 4, 12: „Ein verschlossener Garten ist meine Schwester 
Braut, eine verschlossene Quelle (Haufen) und eine versiegelte Quelle." 
R. Pinchas sagt: Unter „^13?: ba, verschlossene Quelle" sind die Jung- 
frauen zu verstehen, unter „51^3 p, verschlossener Garten" die Ehe- 
frauen und unter „Dirn T^rTa, versiegelte Quelle" die (keuschen) 
Männer. Es ist gelehrt worden im Namen des R. Nathan: „Ein 
verschlossener Garten" und „eine verschlossene Quelle" bezeichnen 
die beiden Arten des Beischlafes, den natürlichen und den wider- 
natürlichen. Oder R. Pinchas hat im Namen des R. Chija bar Abba 
gesagt: Unter „verschlossener Garten** sind die Israeliten zu ver- 
stehen, welche in Aegypten sich der Unzucht enthielten, weshalb sie 
auch aus Aegypten erlöst wurden. Darum haben dich deine Ge- 
sandten geschickt, wie es heisst Ex. 13, 17: „Und es geschah, als 
Pharao das Volk entliess (nb'Äi).** R. Huna sagte im Namen des 
R. Chija bar Abba: Unsere Mutter Sara zog hinab nach Aegypten 
und enthielt sich der Unzucht (des verbotenen Umgangs mit Wei- 
bern), und durch diese ihre verdienstliche Handlung enthielten sich 
auch alle anderen Frauen der Unzucht. Joseph kam nach Aegypten 
hinab und enthielt sich der Unzucht (des verbotenen Umgangs) und 
in Folge seines Verdienstes hielten sich auch die Israeliten davon 
fem. R. Chija bar Abba sagte: Weil er sich der Unzucht (des ver- 
botenen Umganges) enthielt, deshalb wurden die Israeliten durch ihn 
erlöst. R. Huna sagte im Namen des Bar Kapra: In Folge von vier 
Dingen sind die Israeliten aus Aegypten erlöst worden, weil sie 
nicht ihre Namen und ihre Sprache verändert hatten, weil sie nicht 
verläumdet hatten und weil unter ihnen kein Ausschweifender ge- 
funden wurde. Sie haben ihre Namen nicht verändert. Als Rüben 
und Simeon zogen sie hinab und als Rüben und Simeon zogen sie 
wieder herauf, sie nannten Jehuda nicht Rufus und Rüben nicht 
Luliani und Joseph nicht Lestis und Benjamin nicht Alexandri. Sie 
haben ferner ihre Sprache nicht verändert. Anderswo Gen. 14, 13 
heisst es: „Es kam ein Entronnener und meldete es dem Hebräer 
Abraham,** und hier Ex. 5, 3 heisst es: „Und sie (Mose und Aaron) 
sprachen: Der Gott der Hebräer hat sich zu uns verfügt** Es heisst 
auch Gen. 45, 12: „Dass mein Mund mit euch spricht,** nämlich in 
der heiligen Sprache. Sie haben nicht verläumdet, wie es heisst 
Ex. II, 2: „Sprich doch vor den Ohren des Volkes.** Du findest, 
dass dieses Wort zwölf Monate bei ihnen aufbewahrt war, und einer 



•) D. i. er erschlug ihn in Gegenwart der Israeliten in dem Vertrauen, 
Oass sie ihn nicht verrathen würden, mit Anspielung auf Ex. 2, 12: „Und 
er verscharrte ihn in den Sand" d. i. in Israel. 



Par. XXXIt. Cap. XXIV, lo. 227 

hatte den andern nicht angegeben. Endlich wurde auch kein Aus- 
schweifender unter ihnen gefunden. Du kannst das daraus ersehen, 
dass es so war, da es die Schrift öffentlich bekannt macht, wie es 
heisst Lev. 24, 11: „Der Name seiner Mutter war Schelomith, Tochter 
Dibris vom Stanune Dan.'* Sie hiess darum Schelomith, sagte R. Levi, 
wdl sie immer freundlich grüsste: Friede dir! Friede euch! und sie 
hiess Bath Dibri, weil sie nach R. Jizchak Etwas (Schimpfliches) über 
ihren Sohn Dan gebracht hatte. „Vom Stamme Dan." Es war 
schhnpflicfa für seine Mutter, schimpflich für ihn (ihren Sohn), schimpf- 
lich fär seine Familie und schimpflich für seinen Stamm, aus dem 
er hervorgegangen. Rab sagte: Ein Bastard lebt nicht länger als 
dreissig Tage. R. Chinai sagte: Immer nach siebzig Jahren bringt 
Oott eine grosse Pest in die Welt und rafft die Bastarde hin und 
nimmt mit ihnen auch eheliche Kinder hinweg s. Jes. 31, 2: „Auch er 
ist weise und lässt Böses kommen." DieSchrift brauchte nicht so zu sagen, 
sondern: er lässt Gutes kommen? Allein es soll dir lehren, dass 
Gott sdbst das Uebel, welches er in die Welt bringt, mit Weisheit 
bringt Es heisst das.: „Und seine Worte (T^nm) entfernt er nicht" 
d. L seine Pest (lim) entfernt er nicht. Und das alles warum? 
n£r erhebt sich wider das Haus der Frevler." Das stimmt mit dem 
öberein, was Resch Lakisch gesagt hat: An der Stelle, wo das 
Braodopfer geschlachtet wird, werde auch das Sündopfer geschlachtet." 
Das alles warum? Damit die Sünder nicht vor der ganzen Welt 
bekannt werden. Resch Lakisch sagt: Erinnert man sich mancher 
Riogeschiedenen (nämlich der Frommen), so wünscht man ihnen 
Seeleomhe, erinnert man sich anderer (nämlich der Frevler), so 
wünscht man ihnen Zermalmen der Gebeine s. Jos. 7, 18: „Achan, 
Sohn Cbarmis, Sohn Sabdis, Sohn Serachs." Erinnert man sich 
mancher, so wünscht man ihnen Seelenruhe s. Num. 3, 15: „Mustere 
^ Kinder Levis,** erinnert man sich mancher, so wünscht man 
ihnen Zermalmung s. Deut 25, 17: „Gedenke, was dir Amalek ge- 
than bat" Erinnert man sich mancher, so wünscht man ihnen 
Seelenruhe s. Esth. 2, 5: „Es war ein jüdischer Mann in der Burg 
Susa," erinnert man sich mancher, so wünscht man ihnen Zer- 
malmung s. das. 7, 6: „Der Widersacher und Feind ist dieser böse 
Haman;*' erinnert man sich mancher, so wünscht man ihnen Seelen- 
ruhe s. das. IG, 3: „Und Mardachai der Jude;" erinnert man sich 
mancher, so wünscht man ihnen Zermalmung s. Das. 9, 10: „Haman, 
Sohn Medathas;" erinnert man sich mancher, so wünscht man ihnen 
Seelenruhe s. i Sam. 17, 12: „David, der Sohn eines Ephratiters;" 
«rinnert man sich mancher, so wünscht man ihnen Zermalmung s. 
I Reg. II, 20: „Jerobeam, Sohn Nebats, ein Ephratiter;" erinnert 
»an sich mancher, so wünscht man ihnen Seelenruhe s. i Sam. i, i: 
Xnd es war ein Mann von Ramathajim-Zophim;" erinnert man 
ach mancher, so wünscht man ihnen Zermalmung s. Jud. 17, i: 
-l'nd es war ein Mann vom Gebirge Ephraim und sein Name war 
Micha;" erinnert man sich mancher, so wünscht man ihnen Seelen- 

i5* 



228 Par. XXXII. Cap. XXIV, lO. 

ruhe s. Ex. 31, 6: „Und ich habe ihm zugegeben Oholiab;" erinnert 
man sich mancher, so wünscht man ihnen Zermalmung s. Lev.24, 11: 
„Der Name seiner Mutter war Schelomith, Tochter Dibris, vom 
Stamme Dan." 

Als R. Sera nach hier hinaufzog (von Jerusalem), horte er 
rufen: Bastard, Bastardin? Da sagte er: Siehe, es ist vorbei; 
denn R. Huna hat gesagt: Ein Bastard lebt nicht länger als dreissig 
Tage. Da sagte R. Jacob bar Acha: Denn Rabba und R. Huna 
im Namen Rabs haben gesagt: Ein Bastard lebt nicht länger als 
dreissig Tage. Wann? Wenn er nicht öffentlich als solcher be- 
kannt ist; ist er aber öffentlich bekannt, so bleibt er am Leben.*) 
In den Tagen des R. Berachja kam ein Babylonier hier herauf, 
und R. Berachja wusste, dass er ein Bastard war. Dieser kam zu 
ihm mit der Bitte: Erzeige mir etwas Gutes. Geh! antwortete R. 
Berachja, und komme morgen wieder, so wollen wir dir aus dem 
Gemeindewesen (aus der öffentlichen Kasse) etwas festsetzen. Am 
andern Morgen kam der Babylonier und fand den R. Berachja 
in der Versammlung, als er eben einen Vortrag hielt. Er wartete, 
bis er geendet hatte. Als er geendet hatte, ging er zu ihm. Da 
sprach R. Berachja (zu den Versammelten): Erweiset diesem Manne 
etwas Gutes, er ist ein Bastard. Sie bestimmten ihm einen gewissen 
Betrag (Gabe). Als er von da von ihnen hinwegging, sprach er 
zu ihm: Rabbi, um das Leben von einer Stunde bin ich zu dir ge- 
kommen**), und du hast mit deiner Eröffnung mir (eig. dieses Man* 
nes) das Leben abgeschnitten. Bei deinem Leben! betheuerte R» 
Berachja, ich habe dir es (das Leben) gegeben; denn Rabba und 
R. Huna haben gesagt im Namen Rabs: Ein Bastard lebt nicht 
länger als dreissig Tage, wenn er nicht öffentlich bekannt ist, wenn 
er aber öffentlich bekannt ist, bleibt er am Leben. 

Oder: „Es ging der Sohn einer Israelitin heraus." Das ist 
auch gesagt Koh. 4, i: „Ich wandte mich und sah alle die Unter- 
drückten." Daniel, der Schneider, legte diesen Vers auf die Ba- 
starde aus. „Und siehe die Thränen der Unterdrückten" d. i. die 
Väter dieser Uebertreter und diese Beschimpften, an welchen ihnen 
nichts gelegen ist. So ist auch der Vater dieses Menschen wegen 
unerlaubten Umgangs zu einer Frau gekommen, was hat dieser (der 
Sohn) denn verschuldet (gesündigt) und was geht es ihn an. „Und sie 
haben keinen Tröster, und von der Hand ihrer Unterdrücker GewzJt** 
d. i. von der Hand des grossen Synedriums Israels, welches über 
sie kommt in der Kraft der Thora und sie entfernt (aus d«r 
Gemeinde), weil es heisst: „Es soll kein Bastard in die Versamm- 
lung des Ewigen kommen." „Sie haben keinen Tröster." Gott 
sprach: Mir liegt es ob, sie zu trösten, denn in dieser Welt haftet 
allerdings ein Makel an ihnen, aber einst, sagt Sacharja, seh' ich 



•) S. Midr. Bemidbar r. Par, 9. 
••) Ich wollte nur eine kleine Unterstützung auf kurze Zeit haben. 



Par. XXXin. Cap. XXV, i. 229 

ihn auf einem Throne von reinem Golde sitzen, wie es heisst 

Sach. 4, 2: „Ich sah, und siehe, ein Leuchter ganz von Gold und 

sein Oelknig obenan." Zwei Amoräer, der eine las: ^{bia und der 

andere las: nbiN3. Jener, der nbi5 las, verstand darunter das Exil, 

weil sie nach Babel auswanderten (ibiiiz?) und die Schechina mit ihnen 

aTBwanderte, wie es heisst: „Euertwegen sandte ich nach Babel ;'* und 

dieser, der nbi{<5 las, verstand darunter die Erlösung («pno, Be- 

frdunjj), wie es heisst Jes. 47, 4: „Unser Erlöser, der Ewige, Ze- 

baoth ist sein Name,'* und Micha 2, 13 heisst es: „Vor ihnen her 

geht der einbrechende Sieger; sie brechen ein und ziehen vorüber 

ins Thor, . und ihr König ziehet vorüber vor ihnen und der Ewige 

an ihrer Spitze." 

.^ro ^nn 1^0 

Parascha XXXIII. 

Cap. XXV. V. I. Und der Ewige redete zu Mose. V. 14: 
^enn du etwas verkaufest an deinen Nächsten. Das steht 
aoch Ph)v. 18, 21: „Tod und Leben ist in der Gewalt der Zunge." 
Aqnilas übersetzt: Löffel und Schwert ((.liaxqiov (.laxiQtv) d. i. der 
Tod (Schwert) auf der einen Seite und Leben (Löffel zur Aufnahme 
^Nahrung) auf der andern Seite. Bar Sira sagte: Wenn du eine 
Kohle vor dir hast und blässt in sie hinein, so brennt sie, speiest 
^} in sie hinein, so verlöscht sie. R. Janai sagte: Wenn es schon 
^Qgetaucht war, und er hat es gegessen, bevor er es noch ver- 
^hntet hat, da ist Tod in der Gewalt der Zunge, hat er es aber 
verzehntet und hat es dann erst gegessen, da ist Leben in der Gewalt der 
^Qnge. R. Chija bar Abba hatte vor sich einen Korb mit Feigen, 
^ ass davon, ohne dass sie verzehntet waren, da war Tod in der 
Gewalt der Zunge, wären sie verzehntet gewesen und er hätte davon 
S^essen, da wäre Leben in der Gewalt der Zunge gewesen. R. 
^ÖQeon ben Gamliel sprach zu seinem Knechte Tabi: Geh hinaus 
^ kaufe mir eine gute Speise vom Markte. Dieser ging und 
^^ ihm eine Zunge. Ein andermal sprach er zu ihm: Geh und 
kaufe mir eine schlechte Speise vom Markte. Er ging und kaufte 
ÄDi wieder eine Zunge. Sein Herr sprach zu ihm: Was ist das? 
^s ich dir sagte: Kaufe mir eine gute Speise, da hast du mir eine 
Zunge gekauft und als ich dir sagte: Kaufe mir eine schlechte Speise, 
da hast du mir auch eine Zunge gekauft? Der Knecht antwortete: 
Von ihr kommt das Gute und von ihr kommt das Schlechte. Wenn 
<iegat ist, so giebt es nichts Besseres als sie, und wenn sie schlecht 
Bt, so giebt es nichts Schlechteres als sie.*) Rabbi veranstaltete 
einmal ein Gastmahl für seine Schüler und er brachte vor sie weiche 
Qod harte Zungen. Sie fingen an, die weichen auszuwählen und 



•) S. Chullin fol. 142». 



230 I*ar. XXXIII. Cap. XXV, i. 

Hessen die harten liegen. £r sprach zu ihnen: Wisset, was ihr thut: 
Sowie ihr die weichen auswählet und die harten liegen lasset, so 
soll auch eure Zunge gegen einander weich sein (d. i. so sollt ihr 
einer gegen den andern eine sanfte Sprache führen). Darum warnt 
Mose die Israeliten: „Wenn du verkaufest." 

Oder: „Wenn du verkaufest." Das steht auch Am. 7, 7: „Siehe, 
der Ewige stand auf der senkrechten Mauer" d. i. auf der Mauer 
des Kaufbriefes, „und in seiner Hand war ein Senkblei,'* wie ein 
Gläubiger, welcher dasteht mit der Schuldverschreibung in seiner 
Hand vgl Ex. i, 8: „Da stand ein neuer König auf," wie ein Gläu- 
biger mit der Schuldverschreibung in der Hand. Und so auch hier 
Amos 7, 8: „Und der Ewige sprach zu mir: Was siehst du, Arnos? 
und ich sprach: Ein Senkblei" d. i. das grosse Synedrium von 
Israel, welches den Zahlenwerth von *]":« (= 71) hat.*) „Und der 
Ewige sprach: Siehe, ich lege das Senkblei an mein Volk Israel." 
R. Jehuda bar R. Simon sagte: Der Kessel (der vor dem Feuer 
steht) behält nicht seine Masse, sondern verliert den Stoff (nimmt 
nach und nach ab). So sprach auch Gott: Ich werde euch mit 
Leiden in dieser Welt verringern, aber in der Zukunft „da will ich es 
ihm nicht länger übersehen." R. Jizchak ben Eleasar und R. Tab- 
jumi sagten im Namen des R. Jeremja: Ueberall, wo das Wort 
Sünde (m:ny) vorkommt, da vergiebt er die Sünde, hier aber steht: 
„Nicht länger will ich es ihm übersehen." Es heisst Am. 9, i: „Ich 
sah den Ewigen stehend auf dem Altar" d. i. stehend, um das Ge- 
schlecht zu opfern, „und er sprach: Schlage den Knauf, dass die 
Säulen wanken." „Schlage den Knauf" d. i. Josia, „dass die 
Schwellen wanken" d. s. seine Rathgeber. „Und zerbrich sie auf 
ihrer aller Häupter." R. Simeon bar Abba führte im Namen des 
R. Jochanan als Beispiel an: Ein Sea (Mass) voll Sünden, was klagt 
wohl daran an ? Der Raub. R. Judan führt im Namen ' des R. 
Jochanan dieses Beispiel an. Menschen, die Götzendienst und Un- 
zucht treiben, Blut vergiessen und Raub üben, so ist letzteres 
gleichwiegend gegen alle (vorhergenannten). R. Jacob bar Idi im 
Namen des R. Acha sagte: Vierundzwanzig Sünden hat Ezechid 
der Reihe nach aufgeführt, und unter allen schloss er (nannte 
er das Schlimmste) nur mit Raub, wie es heisst Ezech. 22^ 13 : „Siehe, 
ich schlage meine Hände zusammen über deine Habsucht." Darum 
warnt Mose die Israeliten: „Wenn du verkaufest." 

Oder in Verbindung mit Num. 2, 34: „Die Israeliten thaten 
ganz so, wie der Ewige dem Mose befohlen und lagerten nach ihre» 
Fahnen." Wo war denn Aaron? R. Josua bar Nechemja und R. 
Levi bar Chaitha und R. Abba im Namen des R. Chija bar Abba 
sagte: Als er seine Herkunft angab, übervortheilten sie ihn (lohnten 
sie ihm mit den Worten): Du rühmst dich mit deiner Abstammung, 
bevor du deine Herkunft rühmst, verherrliche erst die deiner Kinder. 



•) Es bestand aus einundsiebzig Mitgliedern. 



Par. XXXin. Cap. XXV, i. 23 1 

Eleasar dein Sohn, an wem ist er verheiralhet? Nicht an die Tochter 
Paüels, wie es heisst £x. 6, 25: „Eleasar, der Sohn Aarons, nahm 
sich eine von den Töchtern Putiels. Als Gott sah, dass sie ihn 
verächtlich behandelten, fing er an ihn zu rühmen, wie es heisst 
Korn. 25, 11: „Pinchas, der Sohn Eleasars, des Sohnes Aarons, des 
Priesters." Ein Priester und der Sohn eines Priesters, ein Eiferer und 
Sohn eines Eiferers, ein Besänftiger des Zornes und Sohn eines Be- 
sänftigers des Zornes, wie es heisst das.: „Er wandte meinen Zorn^ 
daram siehe, ich mache mit ihm meinen Bund des Friedens.** 
Darom lässt Gott die Ehre Aarons der Ehre Moses vorangehen, 
vie es heisst das. 3,1: „Das ist die Geschlechtsfolge Aarons und 
Moses." Es heisst nicht: Moses und Aarons, sondern: Aarons und 
Afoses. Darum warnt Mose die Kinder Israels: „Wenn du ver- 
kaufest" 

Oder: „Wenn du verkaufest." Das steht auch 2 Chron. 13, 17: 
„Abia ond sein Volk machte unter ihnen (dem Heere seines Gegen- 
königs) eine grosse Niederlage." Was heisst: nsn SiDr, eine grosse 
Keikrlage? R. Abba bar Kahana sagte: Weil er die Gesichtszüge 
<ler Israeliten entstellte vgl. Jes. 3, 9: „Was ihr Gesicht zu erkennen 
giebt, zeugte gegen sie." Samuel bar Ami sagte: Er stellte Wächter 
drei Tage lang über sie, bis ihre Gestalt ganz verunstaltet war; 
tarn es ist dort gelehrt worden : Es wird nur ein Zeugniss auf ein 
Gesiebt angenommen, solange noch die Nase erhalten ist, selbst 
^^enn noch sonstige Zeichen und Geräthe daran sind und zwar auch 
<iann nur bis zu drei Tagen. Das steht auch 2 Chron. 13, 20: „Und 
jerobeam kam nicht mehr zu Kräften in den Tagen Abias, und der 
E^Tge schlug ihn, dass er starb." R. Samuel bar Nachmani sagte: 
Do meinst, Jerobeam sei geschlagen worden, wurde nicht Abia ge- 
schlagen? Und warum? R. Jochanan, Resch Lakisch und die Rab- 
teien. R. Jochanan sagte: Weil er es am Oeffentlichen fehlen Hess, 
*ie es heisst das. V. 8: „Ihr seid eirte grosse Menge und habt bei 
*ttch die goldenen Kälber, welche Jerobeam für euch zu Göttern 
Ittnacht hat." Resch Lakisch sagte: Weil er Achia, den Siloniten, 
'erachtet und ihn einen Nichtswürdigen genannt halte, wie es heisst 
<^ V. 7: „Es sammelten sich zu ihm schlechte und nichtswürdige 
Männer." Die Rabbinen sagten: Dadurch, dass er die Götzenbilder, 
fe in seine Hand gerathen waren , nicht verbrannt hatte. Das steht 
Weh das. V. 19: „Abia verfolgte den Jerobeam und eroberte von 
äan Städte, nämlich Bethel," und i Reg. 12, 29 heisst es: „Und er 
ijerobeamj setzte eins (von den Kälbern) nach Bethel." Wenn nun 
idion der König, welcher einen König seinesgleichen übervortheilt, 
bestraft wird, um wie viel mehr derjenige, welcher seinen Nächsten 
tbcrvortheilt! Darum warnt Mose die Israeliten: Wenn du ver- 
kiofest etwas an deinen Nächsten oder etwas kaufest von deinem. 
Wachsten'* u. s. w. 

Oder: „Wenn du verkaufest." R. Chija bar R. Ada von Jappo 
«a?te: Wenn ihr einst werdet an die Völker der Welt verkauft 



232 Par. XXXIU. Cap. XXV, i. 

werden, so schliesst euch an euren Schöpfer an nach Weise, wie 
Chananja, Mischael und Asarja gethan haben, welche zu Nebucad- 
nezar sagten s. Dan. 3, 16 — 18: „Wir halten es nicht für nöthig, 
dir auf deinen Befehl zu antworten. Siehe, unser Gott, den wir 
anbeten, wird uns retten, und wenn er es nicht thun will, so sollst 
du wissen, o König, dass wir deine Götter nicht anbeten, noch das 
goldene Bild, dass du hast setzen lassen." Darauf antwortete Ne- 
bucadnezar und sprach zu ihnen (s. das. 13, 14): „War es Vorsatz, 
Schadrach und Abednego?" Was ist «nstn? R. Abba bar Kahana 
sagte: Wirklich (in Wahrheit, ovTwg) d. i. ist es euer Ernst? R. Jose 
bar Chanina erklärte das Wort dahin: Was macht ihr mein Götzen- 
bild zu einer Verheerung (Zerstörung, eitel, nst)? Das Targum 
übersetzt: Ein eitles, nichtiges Bild. R. Jochanan sagte zweierlei, 
ebenso R. Jehuda bar R. Simon und R. Samuel bar Nachman. Die 
Rabbinen sagten dies. R. Jochanan sagte zweierlei. Nebucadnezar 
sprach zu ihnen: Hat nicht das Götzen wesen bei euch seine Wurzel 
(kommt es nicht von euch)? Steht nicht also geschrieben: Und ihre 
Bilder aus Jerusalem und Samaria? und jetzt kommt ihr, um meinen 
Gott zu einer Verheerung zu machen? R. Jochanan sagte ferner: 
Nebucadnezar sprach zu ihnen: Als ihr in eurem Lande wäret, 
schicktet ihr zu uns und liesset von uns Klauen, Haare und Kno* 
chen von Götzen holen und zeichnetet sie, um zu erfüllen, was ge- 
schrieben steht Ezech. 23, 14: „Bilder der Chaldäer, gemalt mit 
Bergroth*' und jetzt kommt ihr, um mein Götzenbild zu einer Zer- 
störung (eitel und nichtig) zu machen? R. Jehuda bar R. Simon 
sagte zweierlei. Nebucadnezar sprach zu ihnen: Als ihr in eurem 
Lande wäret, habt ihr in Vereinen gemeinschaftlich Götzen ange- 
betet, wie es heisst Ezech. 16, 25: „Und du schändetest deine Schön- 
heit, recktest deine Füsse entgegen jedem, der vorüberzog," und jetzt 
kommt ihr, meinen Gott zu einer Zerstörung (eitel und nichtig) zu 
machen? R. Jehuda bar R. Simon sagte ferner: Nebucadnezar 
sprach zu ihnen: Als ihr noch in eurem Lande wäret, da habt ihr 
einträchtige Gesellschaften für den Götzendienst gebildet. So heisst 
es Ezech. 23, 42: „Und die Stimme einer wohlgemutheten Menge 
ihr." ü'^NanTS, es wurden herbeigebracht d. i. i'>0'i:Np, D^KSO, 
Säufer d. i, T^'^m*), und jetzt verbindet ihr euch gegen sie? R. 
Jehuda bar R. Simon sagte: Oeffentliche Dirnen ('p^Äip), wie 
es heisst Ezech. 23, 43: „Da sprach ich von der abgenutzten 
Ehebrecherin." Was ist nbab? Das Targum übersetzt: Die 
alte Buhlerin (naXaiä TtOQvrj), welche die Buhler hinfällig 
machte (schwächte). R. Jehuda bar R. Simon sagte ferner: Unter 
rjVab ist nichts anderes als der Götze zu verstehen, wie es heisst 
Jerem. 51, 44: „Und ich habe geahndet an Bei zu Babel." Und 
jetzt kommt ihr, um meinen Götzen zur Zerstörung (nichtig) zu 
machen? R. Samuel bar Nachmani sagte zweierlei: Nebucadnezar 



•) Nach M. K. sind |»D»iNp und |"m Namen von Ländern. 



Par. XXXIII. Cap. XXV, i. 233 

spisLch zu ihnen: Euer Götzenbild war von Silber und Gold, wie 
^ heisst Hos. 8, 4: „Aus ihrem Silber und Gold haben sie sich 
Götzen gemacht," aber mein Götzenbild ist ganz vom reinsten 
GoJde ixQyf^ov), wie es heisst Dan. 3, i: „Der König Nebucadnezar 
^^Xsachte ein Bild von Gold," und nun kommt ihr, um meinen Götzen 
^iir Zerstörung (nichtig) zu machen? R. Samuel bar Nachmani 
^sagte ferner: Nebucadnezar sprach zu ihnen: Hat euch nicht Mose 
:i.m Gesetze geschrieben Deut. 4, 28: „Daselbst werdet ihr Göttern 
^<lienen, welche das Werk von Menschenhänden sind?" Sie ant- 
'worteten: Mein Herr König! unter n:i073b ist nicht zu verstehen: 
_anzubeten, sondern: ihnen . dienstbar zu sein durch Frohnen, Bei- 
steuern, Strafgelder und Kopfgelder. Denn R. Samuel bar Nach- 
mam' hat gesagt: Dort (in Rom) heissen Könige Götter (N*«3b72b 
fi^'«'»nVK). ^) Die Rabbinen sagten Folgendes. Nebucadnezar sprach 
^a ihnen: Hat euch Jeremja nicht so cap. 27, 8 geschrieben: „Das Volk 
und das Reich, das ihm nicht unterthan sein will, Nebucadnezar, 
-dem Könige von Babel?" Er sprach nämlich zu ihnen: Entweder 
ihr haltet das, was im Anfange dieses Verses gesagt ist, oder ich 
halte, was am Schlüsse desselben gesagt ist. Darauf antworteten 
Scfaadrach, Mesach und Abednego und sprachen zum König Ne- 
bucadnezar: Wenn „NDb72 König" steht, wozu noch der Zusatz „Nebu- 
<adnexar" und wenn „Nebucadnezar," wozu, noch der Zusatz „König?" 
Allein sie sprachen zu ihm: In Betreff der Frohnen, Beisteuern, 
^fgelder und Kopfgelder bist du König über uns (da schulden 
yfix dir Gehorsam), was aber das anlangt, was du uns befiehlst (dass 
wir Götzen dienen sollen), so bist du nita-n^-ins, und Nebucad- 
nezar ist dein Name, du und der Hund, ihr seid beide für uns 
g:leich: „belle" (nns ^= ins) wie ein Hund, blähe dich auf wie ein 
Wasserkrag (na) und zirpe wie eine Grille (*iit^it). Alsbald bellte 
er wie ein Hund, blähte sich auf wie ein Wasserkrug und zirpte 
wie eine Grille, wie es heisst Koh. 8, 2: „Ich: Den Ausspruch des 
K^önigs beobachte" d. i. (den Ausspruch) des Königs der Könige, jenes 
^iottes werde ich beobachten. Der Mund, der zu uns auf dem Sinai 
S^prochen hat: „Ich bin der Ewige, dein Gott," „und zwar wegen des 
^des Gottes" d. i. weil es heisst: „Gott redete alle diese Worte." „Eid 
Lottes," weil es heisst: „Du sollst nicht schwören." Denn in dieser 
^elt sind die Israeliten den Völkern unterworfen, aber was steht 
^on ihrer Zukunft? S. Jes. 49, 43: „Könige werden deine Erzieher 
^d Fürstinnen deine Säugammen sein;" denn in der Welt bedrängen 
(öbervortheilen) die Völker der Welt die Israeliten, aber in der Zu- 
kunft, spricht Gott, werde ich ihnen ihr Fleisch zu essen und ihr 
ßlut zu trinken geben, wie es heisst das. V. 27: „Und deine Be- 
<^nger lass ich ihr eigenes Fleisch essen und wie vom Most sollen 
sie von ihrem Blute trunken werden.*' 



•) Nämlich Divas, wie Jul, Caesar Divus u. s. w. 



234 ^ar. XXXIV. Cap. XXV, 39. 



Parascha XXXIV. 

Cap. XXV. V. 39. Und wenn dein Bruder verarmt Das 
sagt auch Ps. 41, i: „Heil dem, der sich des Armen annimmt! Am 
Tag des Unglücks rettet ihn der Ewige." Abba bar Jeremja im 
Namen des R. Me'ir sagte: Das ist derjenige, welcher den guten 
Trieb über den bösen Trieb herrschen lässt. R. Isi sagte: Es ist 
derjenige, der dem Armen eine Peruta verabreicht. R. Jochanan 
sagte: Es ist derjenige, welcher die Leichenbestattung bewirkt. Die 
Rabbinen sagen: Es ist derjenige, welcher sich der Regierung ent- 
zieht (vor der Regierung flieht). R. Huna sagte: Es ist derjeiüge, 
welcher den Kranken verpflegt; denn R. Huna hat gesagt: Wer 
den Kranken besucht, nimmt ihm den sechzigsten Theil seiner 
Krankheit (vermindert ihm einen von den sechzig Theilen seiner 
Krankheit). Da fragte man den R. Huna: Wenn dem so ist, so 
sollten gleich sechzig Personen ihn besuchen, und er würde mit ihnen 
auf die Strasse hinabgehen. Er antwortete ihnen: Sechzig allerdings, 
aber sie müssen ihn so wie sich selbst lieben, trotzdem verschaffen 
sie ihm Erleichterung. Nach der Ansicht des R. Abba bar Jeremja, 
welcher im Namen des R. Mefr gesagt hat: Es ist derjenige, welcher 
den guten Trieb über den bösen herrschen lässt, ist anzuführen, 
dass es heisst das. V. 3: „Der Ewige wird ihn behüten," nämlich 
vor dem bösen Triebe. Nach R. Isis Meinung, welcher gesagt hat, 
dass derjenige gemeint sei, welcher dem Armen eine Peruta verab- 
reicht, ist anzuführen, dass es das. heisst: „Er erhält ihn am Leben.*' 
Nach der Meinung des R. Jochanan, welcher gesagt hat, es sei der- 
jenige, welcher die Leichenbestattung bewirkt hat, ist anzuführen, 
dass es heisst das.: ,,Er ist glücklich in der Erde." Nach der Mei- 
nung der Rabbinen, welche sagen, es sei derjenige, welcher sich 
der Regierung entzieht, ist anzuführen, dass es heisst das.: „Du 
giebst ihn nicht dem Uebermuthe seiner Feinde preis." Nach der 
Meinung R. Hunas, welcher gesagt hat, es sei der, welcher den 
Kranken besucht, ist anzuführen, dass es heisst das. V. 4: „Der Ewige 
stützt ihn auf dem Schmerzenslager." R. Jona sagte: Es heisst 
nicht: „Heil dem, welcher dem Armen (bnb "jm:) giebt," sondern: 
„Heil dem, der über den Armen nachdenkt (bn b« b'^Db?:)," näm- 
lich der darüber nachsinnt , wie er ihm Linderung verschaffen kann. 
Wenn R. Jona einen Sohn von Grossen sah, welcher von seinen 
Gütern (Vermögen) herabgekommen und verschämt war entgegen- 
zunehmen, so ging er zu ihm und sprach zu ihm: Da ich gehört 
habe, dass dir eine Erbschaft in einer Seestadt zugefallen ist, so 
hast du das Gewünschte, wenn du dich wirst erholt haben, kannst 
du mir es wieder geben. Wenn er es ihm später wiedererstatten 
wollte, da sagte er zu ihm: Ich gebe es dir hiermit als Geschenk. 
Resch Lakisch machte im Namen des R. Chama bar R. Chanina 
diese Bemerkung: Zweiundzwanzigmal kommt das Wort "^^irK (in 



Par. XXXIV. Cap. XXV, 39. 235 

den Psalmen) vor, aber von allen hat blos dieser (der Arme oder 

Kranke) die Urkunde (artoxi^) des Sündenerlasses erhalten. Welche 

Uikande hat er erhalten? Ps. 41, 2; „Am Tage des Unglücks rettet 

ihn der Ewige." Darum warnt Mose die Israeliten: „Wenn dein 

Bnider verarmt" 

Oder: „Wenn dein Bruder verarmt." In Verbindung mit Prov. 
1% 17: J)em Ewigen leiht, wer gegen den Armen mildthätig ist." 
R. Ekaar sagte: Es heisst Ps. 136, 25: „Er (Gott) giebt Speise 
allein Fleische," nun kommt dieser (der Mildthätige) ihm damit 
znvw (&g, und reisst ihm die Vorschrift weg). Da spricht Gott: 
Mir li^ es ob, ihm sein Thun zu vergelten. Das steht auch 
Prov. 19, 17: „Und seine Wohlthat wird er ihm vergelten." R. Tan- 
choma hat im Namen des R. Chija bar Abba gesagt; R. Nachman 
hat im Namen des R. Judan bar Simeon gesagt und die Rabbinen 
im Namen des R. Simeon ben Levi : Wenn diese Schriftstelle (dem 
Ewigen leiht u. s. w.) nicht geschrieben stände, zu sagen wäre es 
unmöglich, als wenn es die Weise des Leihenden wäre, Knecht des 
GUnlMgers zu sein? So heisst es das. 22, 7: „Und ein Knecht ist 
^Borgende des Leihenden." R.Pinchas sagte im Namen des R. Rüben: 
Wer einem Armen eine Peruta verabreicht, dem giebt es Gott viel- 
filtig wieder (eig. dem giebt er viele Peruta wieder); denn er giebt 
Ann eine Peruta, und giebt er ihm damit nicht seine Seele (ver- 
zögert er ihm damit nicht das Leben)? Wie so? Wir wollen an- 
ndünen, wenn ein Kikar für zehn Peruta zu haben ist, und ein 
Anner steht auf dem Markt und möchte ihn gern kaufen, er hat 
aber nur neun, da kommt nun einer und giebt ihm die (fehlende) 
Penita, der Arme nimmt nun dafür den Kikar, isst ihn und 
er erbolt sich wieder (seine Seele kehrt wieder zu ihm zurück), da 
spricht Gott zu ihm: In der Stunde, wo deine Seele zirpt aus deinem 
Körper herauszugehen, gebe ich sie dir zurück. Darum warnt Mose 
& Israeliten: „Wenn dein Bruder verarmt." 

Oder: „Wenn verarmt." Was auch geschrieben steht Prov. 
11,17: „Wer sich selber wohlthut, ist gütig." Das ist Hillel, der 
Ahe. Wenn er von seinen Schülern sich verabschiedete, begleitete 
er ae und ging mit ihnen. Da fragten ihn seine Schüler: Rabbi! 
vohin gehst du? Er antwortete: Um ein gutes Werk zu verrichten. 
Sie fragten: W^as für eins? Er sprach: Ich will in's Bad gehen. 
Sie fragten: Ist denn das ein gutes Werk? Ja wohl, gab er zur 
Antwort, denn wenn schon der, welcher über das Bild der Könige, 
*as man in Theatern und Circus aufzustellen pflegt, gesetzt ist, 
»eil er es polirt und abspült, Nahrung dafür erhält und nicht nur 
<ias, sondern auch bei den Grossen der Regierung angesehen 
ist, um wie viel mehr ich, der ich in Gottes Ebenbilde geschaffen 
»Orden bin, wie es heisst Gen. 9, 6: „Denn im Ebenbilde Gottes 
lat er den Menschen gemacht." Oder: „Wer sich selber wohlthut, 
st gütig" d. i. Hillel, der Alte. Wenn er sich von seinen Schülern 
verabschiedete, begleitete er sie und ging mit ihnen. Da fragten 



236 Par. XXXIV. Cap. XXV, 39. 

ihn seine Schüler: Wohin gehst du? Um einen Gast im Hause zu 
bewirthen (etwas Gutes zu thun). Sie sprachen: Hast du denn alle 
Tage einen Gast? Er antwortete: Ja, es ist die bekümmerte Seele 
im Körper. Heute ist sie hier, morgen dort. 

Oder: „Wer sich selbst wohlthut, ist gütig, und wer sich selbst 
in's Unglück bringt, ist grausam.'* R. Alexandri sagte: Das ist 
derjenige, welchem eine Freude zu Theil geworden ist, und er zieht 
seine Verwandten nicht hinzu, weil sie arm sind. R. Nachman sagte: 
Es heisst Deut. 15, 10: „Denn um dieser Sache willen (bV:ia "^D 
nT?i ^mn)." Das ist das Rad (r^Va), welches in der Welt herum- 
geht. Daher warnt Mose die Israeliten: „Wenn dein Bruder ver- 
armt" 

Oder: „Wenn dein Bruder verarmt." In Verbindung mit Prov. 
29» 13« fiDer Dürftige und der Wucherer begegnen sich." Das. 22, 2: 
„Der Reiche und der Arme begegnen sich, der Ewige hat sie alle 
gemacht." Unter dem Armen ist der Arme an Gesetzkenntniss 
(Thora) und unter dem Wucherer ist derjenige zu verstehen, der 
eine oder zwei Ordnungen (Seder) lernt Der Arme kommt nun 
zu dem Wucherer und spricht zu ihm: Lehre mich einen Abschnitt 
{Perek) und er lehrt ihn denselben. (Von diesem wird gesagt:) „Der 
Ewige erleuchtet die Augen beider" d. i. sie werden diese und die 
künftige Welt erwerben. Das. 22, 2: „Der Reiche und der Arme be- 
gegnen sich." Der Reiche ist der, welcher reich an Gesetzkenntniss 
(Thora) ist und der Arme ist der, welcher arm an Gesetzkenntniss ist 
Nun spricht jener Arme zu dem Reichen: Lehre mich einen Ab- 
schnitt und er lehrt ihn denselben nicht, sondern spricht zu ihm : Was 
soll ich dir lehren, den Tractat, der von den Getränken handelt,*) oder 
den, welcher mit dem Worte anfangt:**) Wann Hest man das Schema? 
Lerne mit deinesgleichen. „Der Ewige hat sie alle gemacht" Wer 
nun diesen zu einem Gelehrten gemacht hat, der kann ihn auch 
zu einem Unwissenden machen, und wer jenen zu einem Unwis- 
senden gemacht hat, der kann ihn auch zu einem Gelehrten 
machen. 

Oder unter „dem Armen" ist derjenige zu verstehen, welcher arm 
an Gütern ist, und unter dem Wucherer ist derjenige zu verstehen, 
welcher für Lohn arbeitet***) Nun kommt der Arme zu dem 
Wucherer und spricht zu ihm: Erzeige mir etwas Gutes, und er er- 
zeigt es ihm. (Von diesem wird gesagt:) „Der Ewige erleuchtet die 
Augen beider" d. i. der Arme hat das Leben einer Stunde, und der 
Arbeiter das Leben der künftigen Welt erworben. 

Oder: „Der Reiche und der Arme." Unter dem Reichen ist 
der zu verstehen, welcher reich an Gütern ist, und unter dem Armen 



•) Der letzte in der Mischna. 
**) Das ist Berachot. 
***) Dadurch ist er weder reich noch arm, sondern er hat nur sein 
Auskommen. 



Par. XXXIV. Cap. XXV, 39. 237 

ist derjenige zu verstehen, welcher arm an Gütern ist. Der Arme 
^ommt nun zu dem Reichen und spricht zu ihm: Erweise mir eine 
^i^ohlthat und er versagt sie ihm. (Von diesem wird nun gesagt:) 
Der Ewige hat sie alle gemacht'* d. i. wer diesen arm gemacht 
t, kann ihn auch reich machen, und wer diesen reich gemacht 
at, kann ihn auch arm machen. Spricht aber der Reiche zu dem 
^Armen: Warum gehst du nicht, um zu arbeiten, du issest, sieh, 
^eine Schenkel, sieh, deine Beine, sieh, deinen Bauch, sieh, dein 
Fleisch! Da spricht Gott zu ihm (dem Reichen): Nicht genug, dass 
dn ihm nichts von dem Deinigen gegeben, du gönnst ihm sogar 
nicht einmal das, was ich ihm gegeben habe. Darum heisst es 
Koh. 5, 13: „Er (der Reiche) zeugt einen Sohn, so hat dieser nicht 
irgend^ etwas (nrnNTs) in seiner Hand" d. i. von alledem, was er 
hatte, hinterlässt er seinem Sohne nichts, und er zieht sich selbst 
noch dazu einen Makel (N73i?a) zu. Darum warnt Mose die Israe- 
liten: „Wenn dein Bruder verarmt." R. Tanchum bar R. Chija 
begann mit Koh. 7, 14: „Am guten Tage sei fröhlich, und am bösen 
Tage magst du traurig sein, denn auch diesen gleich jenen hat 
Gott gemacht." Wenn deinem Nächsten ein Unglück zugestossen 
ist, sieh, wie du ihn glücklich machen und ihn verpflegen kannst, 
damit da einst Lohn dafür erhältst. So that R. Tanchuma bar 
R. Chija. Wenn seine Mutter eine Litra Fleisch vom Markte holte, 
nahm sie zwei Litra, eine für ihn und eine für die Armen, weil 
f^uch dieser gleich jenem ist" d. i. Gott hat Arme und Reiche ge- 
macht, damit sie durch einander glücklich werden sollen. Darum 
Bdiärft Mose den Israeliten ein: „Wenn dein Bruder verarmt." 

Oder: „Wenn dein Bruder verarmt." In Verbindung mit Ps. 

106, 43: „Viele Male rettete er sie, aber sie waren widerspenstig 

in ihrem Rath und wurden in Folge ihrer Sünde geschlagen." In 

den Tagen, da die Richter richteten, dienten die Israeliten den 

Götzen, und sie wurden den Reichen unterworfen, als sie aber Busse 

thaten, wurden sie erlöst, sie wurden aber rückgängig und dienten 

^der den Götzen, daher geriethen sie wieder in Unterwürfigkeit der 

Keiche, als sie aber wieder Busse thalen, so wurden sie wieder erlöst. 

^ wie lange? Darüber sind zwei Amoräer verschiedener Meinung. Der 

eiüe sagte: Bis sie aller guten Werke baar waren, der andere sagte: 

Bis sie derart an Gütern geschwächt waren, dass niemand von ihnen 

so viel in seiner Hand noch hatte, um das Opfer eines Armen zu 

bringen, wie es heisst Lev. 14, 21: „Wenn er aber arm ist und sein 

Vermögen nicht hinreicht." Acht Namen giebt es für den Armen, 

Qämlich: -»ST, -p-ZN, p072, c^, bn, ^n, ^12 j ^Vn. ^:r ist der 

Anne nach seinem Wortsinne, "jT^nN heisst er, weil er nach allem 

sich sehnt (^Nnrc), 1^073, weil er bei allen verachtet ("»"iTn) ist vgl. 

Koh. 9, 16: „Des Armen Weisheit wird verachtet," tn heisst er, 

d. i. weil er arm an Gütern ist, bT, weil er geschwächt (herabge- 

kommen bnbnnr) an Gütern ist, *]n, weil er zerstossen (zerknickt 

TI-t;?:) ist, er sieht etwas und kann es nicht essen, er sieht etwas 



2^ P»r. XXXIV. Cap. XXV, 39. 

und kann es nicht schmecken und nicht trinken, ^B, weil er vor 
allen gebeugt (gedrückt) ist, er ist gleichsam wie die anterste 
Thürschwelle (auf die alle treten). Darum warnt Mose die Israliten: 
„Wenn dein Bruder verarmt." R. Sera sagt: Selbst die Gespräche 
der Bewohner des israelitischen Landes sind belehrend (Thota). Wie 
30? Es sagt einer zum andern: Erweise mir etwas Gutes, oder sei 
gegen mich mild, zeige dich gerecht gegen mich,*) 

R. Chaggi hat gesagt: Sieh auf mich, was ich war, und schau 
auf mich, was ich bin. Denn R. Chaggi hat im Namen des R. 
Jehuda gesagt: Es heisst Koh. 5, 13: „Der Reiche geht unter auf 
eine üble Weise" d. 1. der Reiche, der dem Armen in bösem Sinne 
die Antwort gegeben hat: Warum gehst du nicht, um zu arbeiten, sieh 
deine Schenket, sieh deine Beine, sieh deinen Bauch, sieh dein Fteischl 
Da spricht Gott zu ihm: Nicht nur, dass du ihm von dem Deinigen 
nichts gegeben hast, du missgönnst ihm sogar noch das, was ich 
ihm gegeben habe. Darum, zeugt er (ein solcher Reicher) einen 
Sohn, so hat dieser nicht irgend etwas von alledem, was er gehabt 
hat, R, Simon sagte im Namen des R. Eleasar viererlei. W« 
ist der, welcher eine Wohlthat erwiesen hat denen, die es nicht 
bedurften? Abraham den Dienstengeln, wie es heisst Gen. 18, 8: 
„Er stand bei ihnen unter dem Baume und sie assen." Haben sie 
denn gegessen? R. Judan sagte: Es schien nur so, als wenn sie 
ässen und tränken. Und einer nach dem andern erhob sich (ver- 
schwand). Und wie hat es Gott seinen Kindern vergolten? Er 
liess ihnen das Manna fallen, den Brunnen aufsteigen, es fanden 
sich für sie Wachteln. Das Gewölk der Herrlichkeit umgab sie, 
und eine Wolkensäule zog vor ihnen her. Siehe, wenn nun schon 
demjenigen, welcher eine Wohlthat einem erwiesen hat, der ihrer 
nicht bedurfte, Gott es seinen Kindern vergolten hat, um wie viel 
mehr wird er es dem vergelten, der eine Wohlthat demjenigen erweist, 
der ihrer bedürftig ist! R. Simon sagte im Namen des R. Eleasar 
ferner: Wer sind die, welche keine Wohlthaten denen erwiesen 
haben, die ihrer nicht bedurften? Die Ammoniter und Moabiter 



Par. XXXIV. Cap. XXV, 39. 



239 



In die Versammlung kommen sollte. Siehe, wenn schon derjenige, 

welcher eine Wohlthat dem nicht erwiesen hat, der ihrer nicht be^ 

durfte, bestraft worden ist, um wie viel mehr wird der bestraft 

werden, welcher demjenigen eine Wohlthat versagt, welcher ihrer 

bedarf! R. Simon ben Eleasar sagte weiter: Wer war derjenige, 

welcher sich wohlthätig gegen den zeigte, dem er verpflichtet war? 

]ethro gegen Mose s. Ex. 2, 20: „Und er sprach zu ihnen: Rufet 

ihn, da^ er Brot esse." R. Simon sagt: Er (Jethro) hat ihn mit 

seinem Lohne gespeist s. das.: „Er hat auch für uns geschöpft" 

(da steht das Wort nbn zweimal). R. Jehuda, R. Nechemja und 

die Kabbioen. R. Jehuda sagte: (Sie haben damit gesagt): Er hat 

för DOS und für unsre Vorfahren (Väter) geschöpft.*) R. Nechemja 

sagte: £r hat für uns und für die Hirten geschöpft. Die Rabbinen sagten: 

Er bat för uns im Verdienste unserer Väter geschöpft und für die Hirten, 

wn Frieden zwischen ihnen zu stiften. Wann hat Gott ihm (dem 

Jethro) seine Gastfreundlichkeit belohnt? R. Jochanan sagte im 

Namen des R. Jose des Galiläers: In den Tagen Sauls, wie es 

beisst I Sam. 15, 6: „Saul sprach zu den Kenitern: Geht, weichet, 

steiget hinab." Hat sich denn Jethro gegen ganz Israel wohlthätig 

bewiesen? war er nicht nur gegen Mose wohlthätig? Allein daraus 

kaoQst da schliessen: Dass jeder, welcher sich nur gegen einen von 

(ien Grossen Israels wohlthätig beweist, so angesehen wird, als hätte 

er sicfa selbst gegen ganz Israel liebreich gezeigt. Siehe, wenn 

«hon derjenige 9 welcher sich gegen einen wohlthätig bewies, dem 

er ^pflichtet war, von Gott so belohnt wurde, um wie viel mehr 

derjenige, welcher sich gegen einen wohlthätig beweist, dem er nicht 

verpachtet ist! R. Simon sagte im Namen des R. Eleasar endlich: 

Wer war der, welcher sich liebevoll (freundlich) gegen den zeigte, 

welcher der Liebe bedurfte? Das war Boas gegen Ruth, wie es 

heisst Ruth 2, 14: „Es sprach zu ihr Boas zur Essenszeit: Tritt her'* 

(1.1 tritt hierher, „und iss von dem Brote" d. i. von dem Brote 

<ler Schnitter, „und tunke deinen Bissen in den Essig," denn die 

Schnitter pflegen zur Erntezeit in der Hitze ihren Bissen in Essig 

m tanken. Daraus schliesst R. Jonathan, dass man gewöhnlich 

Saures aller Art nach der Tenne trägt. „Da setzte sie sich an die 

Seite der Schnitter" in Wahrheit, „und man reichte ihr Geröstetes" 

d. L etwas Leichtes, Geringes, soviel wie man mit den Fingern 

fasst Heisst es denn aber nicht (das kann doch darum nicht sein, 

<la es heisst): „Sie ass, wurde satt und liess übrig?" R. Jizchak sagte: 

Wir können zweierlei daraus schliessen : Entweder ruhte ein besonderer 

Segen in der Hand jenes Gerechten (Frommen), oder es ruhte ein beson- 

•krer Segen in dem Innern jener Gerechten (Frommen). Allein weil es 

fest: „Sie ass, wurde satt und liess übrig," so wissen wir, dass 

*JD besonderer Segen im Innern jener Gerechten (Frommen) ruhte. 

tjiichak sagte: Damit will dir die Thora eine Verhaltungsregel geben: 



* D. j. er hat uns zur reinen Gotteserkenntniss geführt. 



240 P«!-- XXXIV. Cap. XXIII, *o. 

Wenn ein Mensch ein gutes Werk ausübt, so soll er es mit frohem 
Herzen (Getnüthe) ausüben; denn wenn Rüben gewusst hätte, dass 
Gott über ihn schreiben würde Gen, 37, 21: „Rüben hörte es und 
rettete ihn aus ihrer Hand," so hätte er den Joseph auf seiner 
Schulter getragen und zu seinem Vater gebracht, und wenn Boas 
gewusst hätte, dass Gott über ihn schreiben würde: „er reichte ihr 
Geröstetes," so hätte er ihr gemästete Kälber zu essen vorgesetzt 
R. Cohen und R. Josua bar R. Simon im Namen des R. Levi 
sagten: In früherer Zeit, wenn ein Mensch ein gutes Werk geübt 
hatte, schrieb es der Prophet nieder, wenn jetzt aber ein Mensch 
ein gutes Werk übt, wer schreibt es denn jetzt nieder? Elia und 
der König Messias, und Gott siegelt auf ihre Hände, wie es beisst 
Mal. 3, 16: „Dann werden sich die Gottes füre hl igen zusammenge- 
sellen, einer zu dem andern, und der Ewige merltt auf und höret 
und schreibt es nieder." 

R. Josua hat gelehrt: Mehr als der Herr des Haases {der 
Wirth) an den Armen thut, thut dieser an dem Herrn des Hauses. 
So sprach anch Ruth zu Noomi: „Der Name des Mannes, an dem 
ich beute gethan habe, ist Boas." Es heisst hier nicht: „Der an 
mir gethan hat," sondern: „an dem ich gethan habe." Sie sprach 
nämlich zu ihr: Ich habe viele Thaten und viel Gutes an ihm g^ 
than für das Stück (Brot), was er mir gegeben hat. R. Cohen 
sagte: Es heisst Lev. 26, 43: lyai ^y\ Das Wort ^3!^ weil (danioi) 
ist (per inversionem) -js, der Arme. R, Schila von Nuha erklärte 
IT'Bttn, der Dürftige als Nolarikon*) im Sinne von: n^j'T: "jam 3n, 
gieb heraus dein Vermögen, das du von ihm (dem Armen) hast**) 
R. Abin sagte; Dieser Arme steht an deiner Thür, und Gott steht 
zu seiner Rechten, wie es heisst Ps. 109, 31: „Denn er steht dem 
Armen zu seiner Rechten." Giebst du ihm, so wisse, dass der, 
welcher zu seiner Rechten steht, dir dafür deinen Lohn geben wird, 
giebst du ihm aber nicht, so wisse, dass der, welcher zu sdner 
Rechten steht, dich bestrafen wird, wie es heisst das.: „Zu helfen 
1 denen, die sein Leben verurtheilen." R. Ibo sagte: Es heisst 



Par. XXXIV. Cap. XXV, 39. 241 

IsraeL R. Abahu sagte im Namen des R. Elieser:*) Wir sind den 

Betrügern unter ihnen (den Armen) zu Dank verpflichtet, denn 

gäbe es solche Betrüger unter ihnen nicht, so würde, wenn einer 

von ihnen einen angesprochen und er ihm die Gabe versagt hätte, 

dieser sofort in Todesstrafe verfallen, wie es heisst: „Er konnte 

über dich zum Ewigen rufen*^ u. s. w. und ferner heisst es das. 18,20: 

„Die sündigende Seele soll des Todes sterben.** 

R. Jochanan und Resch Lakisch gingen einmal hinab nach 
den Bädern von Tiberias. Da trafen sie auf dem Wege einen 
Armen, wdcher zu ihnen sprach: Erweiset mir etwas Gutes. Sie 
antworteten: Wenn wir wieder (aus dem Bade) herauskommen, so 
wollen wir dir etwas Gutes erweisen. Als sie aus dem Bade kamen, 
fanden tie ihn todt. Da sprachen sie: Da wir uns nicht mit ihm 
bei seinem Leben befasst haben, so wollen wir uns mit ihm nach 
seinem Tode befassen. Als sie ihn wuschen, da fanden sie einen 
Beotel mit sechshundert Denaren hangend an seinem Halse. Da 
spnchen sie: Gelobt sei der, welcher an den Weisen und an ihren 
Worten Wohlgefallen findet! Hat nicht R. Abuhu im Namen des 
R. Elieser gesagt: Wir sind den Betrügern unter ihnen (den Armen) 
n Dank verpflichtet u. s. w. (s. oben). R. Simon sagte im Namen 
(iesR. Josua ben Levi: Nie sei die Pflicht der Wohlthätigkeit gegen 
öen Armen gering in deinen Augen, denn ihr Schaden ist in vier- 
Qndiwanzig Flüchen bezeichnet und ihr Lohn in vierundzwanzig 
SegDimgen. Ihr Schaden in vierundzwanzig Flüchen steht geschrieben 
Piiog, 6flF.: „Setz über ihn einen Frevler, aus dem Gericht gehe 
als Frevler hinweg, seine Tage seien wenig, seine Kinder seien 
Waisen, umherschweifen sollen seine Kinder und betteln, der Wu- 
cherer pfände alles, was er hat, niemand erzeige ihm eine Wohl- 
tbai. seine Nachkommenschaft falle der Ausrottung anheim, gedacht 
werde der Schuld seiner Väter beim Ewigen , vor dem Ewigen seien 
«e immerdar, er liebte den Fluch, er ziehe Fluch an als sein Ge- 
ind" und so der ganze Inhalt des Psalms. Das sind aber doch 
ent zweiundzwanzig. Warum? Weil nicht erwähnt ist das. V. 16: 
I^Dartim, dass er nicht daran dachte, Liebe zu üben.'* Ihr Lohn 
in vtenmdzwanzig Segnungen steht geschrieben Jes. 58, 7 ff".: „Siehe, 
*oUst du nicht brechen dem Hungrigen dein Brot." R. Simon sagte: 
Es häs&i nicht: ci^^ed «bn, sollst du nicht brechen? sondern: «bn 
P^c, ist es nicht gebrochen (bestimmt, zugetheilt)? Weil am Neu- 
jtetage über den Menschen beschlossen wird, was er verdienen und 
^ er verlieren wird. Als R. Simeon ben Jochai in der Nacht des 
«eojahrs eingeschlummert war, sah er im Traume, dass den Söhnen 
•ioer Schwester von der Regierung sechshundert Denare abgenommen 
•^n würden. Er veranlasste sie zur Uebernahme des Armenvor- 
**beramtes. Sie fragten ihn, was können wir ausgeben (für die Armen)? 
^fiprachzu ihnen: Schreibt mir alles auf, was ihr ausgebt, am Ende 

•: b. Kcthubot fol. 66 und Jerusch. Tr. Pea c. VIII. 
'iasche, Midrasch Wajikra. 16 



242 Par- XXXIV. Cap. XXV, 39. 

des Jahres werde ich euch das, was ihr verloren habt (daran fehlt) 
ersetzen. Am Ende des Jahres wurden sie (bei der Regierung) ver- 
läumdet, dass sie mit grober Seide gehandelt hätten. Da kam ein 
Beamter von der Regierung und sprach zu ihnen: Entweder ihr 
macht einen Purpurmantel für den König, oder ihr müsst sechs« 
hundert Denare bezahlen, und sie wurden in's Gefangniss gethan. 
Als R. Simeon ben Jochai das erfuhr, ging er zu ihnen und fragte 
sie: Was habt ihr ausgegeben? Sie antworteten ihm: Hier liegt 
die Aufzeichnung (Schrift), lies sie, und du wirst finden, dass wir 
sechshundert Denare weniger sechs ausgegeben haben. Da sprach 
er zu ihnen: Gebt mir die sechs Denare, ich bringe euch heraus 
(aus der Haft). Sie sprachen: Du hast gesehen, dass jener Alte 
sechshundert Denare verlangt, und du sprichst: (Gebt mir) sechs 
Denare und ich bringe euch heraus (aus dem Gefangniss)? Er sprach: 
Gebt mir nur sechs Denare und kümmert euch weiter nicht darum. 
Sie gaben ihm sechs Denare im Geheimen (versteckt); er ging and 
gab sie als Bestechung jenem Alten, damit er vor dem König weiter 
nichts erwähne, und sie kamen aus dem Gefangniss. Sie fragten . 
ihn: Hast du vielleicht gewusst, dass wir bestraft werden sollten? ^ 
Bei eurem Leben! antwortete er ihnen, seit der Nacht des Neu- — 
Jahrstages wusste ich schon, dass man euch sechshundert Denaren 
abverlangen werde. Sie sprachen zu ihm: Wenn du es uns gesagtiJ 
hättest, würden wir nicht auch diese sechs Denare zu wohlthatigenitf 
Zwecken ausgegeben haben? Darauf antwortete er ihnen: Wenntf 
ich es euch gesagt hätte, so würdet ihr es nicht geglaubt haben,K- 
allein ich habe es so berechnet, dass ihr das gute Werk aus lau— - 
terer Absicht üben möchtet. 

Jes. 58, 10: „Wenn du dem Hungrigen deinen Bissen reichst*** 
d. i. wenn ihr euch um den Hungrigen Jacobs verdient gemach0 
habt, wo nicht, so kommt er zur Sättigung (Befriedigung) Esaus- -^ 
Jes. 58, 7: „Und die verfolgten Armen führe in dein Haus." Da^i 
sind die, welche arm von ihrer Jugend an sind. R. Jizchak sagte 
(Das ist so,) wie die Blinden Hellsehende genannt werden; danuir^ 
heisst es: „Die verfolgten Armen führe in dein Haus." 

Oder: „Die herabgekommenen Armen führe in dein Haos^' 
d. s. die Hausbesitzer, welche von ihrer Würde und von ihren Ga-* 
tem herabgekommen sind (n^-^ttj)*). Und was hat es ihnen zage* 
zogen, dass sie verarmt sind? Weil sie nach den Armen nicht ihre 
Hände ausgestreckt, und weil sie nicht den Willen ihres himmlischen 
Vaters gethan haben. Darum heisst es: „Und die herabgekomme- 
nen Armen führe in dein Haus." 

Oder: „Unter den verfolgten Armen sind die Trauernden and 
Herzbekümmerten zu verstehen, deren Seelen bekümmert sind, and 
wer erfreut dieselben? Der Wein, wie es heisst Prov. 31, 6: „Gebet 
starkes Getränk dem Unglücklichen und Wein dem Herzbeküm- 



♦) Der Midrasch leitet in diesem Falle Dnna von IT -ab. 



Par. XXXIV. Cap. XXV, 39. 



243 



nierten.^' Darum heisst es: „Die gedrückten Armen führe in dein 
Hans." 

Oder: „Die gedrückten Armen führe in dein Haus" d. s. die 
Gelehrten 9 welche in die Häuser der Unwissenden gehen, um sie 
dordi die Worte der Thora zu erquicken. Darum heisst es: „Die 
gediädUen Armen führe in dein Haus." Oder: „Die gedrückten 
Annen fahre in dein Haus" d. s. die Gelehrten und ihre Schüler, 
wdche ät Israeliten unterweisen über das Unreine und Reine, über 
das Verbotene und Erlaubte und sie lehren, den Willen ihres himm- 
Uscben Vaters zu thun. Darum heisst es: „Die gedrückten Annen 
fnhie in dein Haus." R. Abin sagte: Wer einen Gelehrten in sein 
Haos aofiiimmt, dem rechnet es die Schrift so an, als hätte er die 
Entliiige dargebracht, denn hier heisst es: K'^nn und dort heisst es 
aocfa Ex. 2^ 19: „Das Erste von den Erstlingen sollst du bringen 
(rar) in das Haus des Ewigen, deines Gottes." Wie dort, so sind 
loch hier die Erstlinge zu verstehen. „Wenn du einen Nackten 
sidat, so kleide ihn." R. Adda bar Ahaba und Rab und R. Jochanan. 
Der eine sagte: Man nehme mehr Rücksicht auf die Kleidung als 
aof die Eriialtang des Lebens (des Armen). Die Weisen sagen: 
Auch auf die Kleidung haben wir nicht Rücksicht zu nehmen wegen 
des fiandesMchens unseres Vaters Abrahams. „Entziehe dich nicht 
lon deinem Fleische." Bar Kapra sagte: Siehe sein Fleisch so an, 
als väre es dein Fleisch. Bar Kapra hat gelehrt: Es giebt keinen 
linscfaen, welcher nicht in diese Lage kommen könnte, wenn er es 
«cht itt, so doch sein Sohn, sein Enkel. 

Oder: »^Entziehe dich nicht von deinem Fleische." R. Jacob 
im Kamen des R. Eleasar versteht darunter das geschiedene Weib. 
R. Jose der Galiläer hatte ein böses Weib, die ihn in Gegenwart 
seiner Schuler schlecht behandelte (verachtete). Rabbi, sprachen seine 
Sdmier zu ihm, entlass doch das Weib, denn sie thut nichts zu 
deiner Ehre. Er antwortete: Ihre Aussteuer (ihr Eingebrachtes) ist 
fiir mich zu gross, ich kann sie nicht entlassen. Eines Tages sassen 
L Jose und R. Eleasar ben Asarja und erklärten die Schrift, als 
&e geendigt hatten, sagten sie: Nun wollen wir Rabbi verlassen und 
nad Hause gehen? Ja! antwortete er*). Als sie hinaufgingen, 
ieokte sie ihr Gesicht (nahm eine verdriessliche Miene an) und ging 
iBnans. Er sah in den Topf auf dem Feuerherd und fragte sie: 
Ja in dem Topfe etwas? Ja, gab sie zur Antwort, es sind Ge- 
■Me darin. Er ging und machte den Deckel auf und fand 
Avin gemästete Hühner. Nun wusste R. Eleasar ben Asarja, dass 
*B mit ihrem Planne nicht übereinstimmte (dass sie sich ihm 
pLOeasar] nicht fügte). Als sie sich niedersetzten, um zu essen, 
||Qdi er zu ihm: Sie sagte doch, es wären Gemüse darin, siehe, 
j* fade ja gemästete Hühner darin? Der Rabbi sagte: Das ist ein 
**der. Als sie gegessen hatten, sprach er (R. Eleasar): Rabbi, 

•j S. Midr. Beresch. r. Par. 17. 

i6* 



244 ^*'' XXXIV. Cap. XXIV, 39. 

entlass doch das Weib von dir, denn sie thut nichts zu deiner Eh 
Ihre Aussteuer ist für mich gross, antwortete er, ich kann sie ni< 
entlassen. Er sprach: Wir wollen die Aussteuer aufbringen u 
dann entlässt du sie. Sie thaten es, brachten die Aussteuer auf u 
er entliess sie von sich und nahm sich eine andere Frau, die besi 
war als jene. Das üble Betragen verursachte es, dass das Weib 
den Senator der Stadt verheirathet wurde. Nach einigen Tagen al 
kamen Leiden über ihn und der Mann wurde blind. Das W 
führte ihn nun durch die ganze Stadt und sie ging in der gana 
Nachbarschaft umher, aber in die Nachbarschaft von R. Jose < 
Galiläers ging sie nicht. Da ihr Mann aber die Stadt kannte, 
fragte er sie: Warum führst du mich nicht in die Nachbarschaft c 
R. Jose des Galiläers, denn ich habe von ihm gehört, dass er wo 
thätig ist? Sie antwortete: Ich bin seine Entlassene und ich ka 
ihm nicht ins Gesicht sehen. Eines Tages kamen sie wieder a 
riefen in der Nähe des R. Jose des Galiläers, er sah auf sie her 
und ihre Stimme war verächtlich geworden in der ganzen Sta 
R. Jose der Galiläer achtete genau auf ihre Stimme und sah 
verächtlich gemacht (beschimpft) auf der Strasse. Er nahm sie u 
gab ihnen Wohnung in einem Hause von sich und er ernährte 
alle Tage ihres Lebens. Deshalb heisst es: „Entziehe dich ni< 
von deinem Fleische." 

Zur Zeit des R. Tanchuma brauchten die Israeliten Regen. 1 
kamen zu ihm und sprachen: Rabbi, ordne ein Fasten an, dai 
Regen komme. Er ordnete ein Fasten an, einmal, zweimal , al 
es kam kein Regen. Beim drittenmal trat er auf und predigte u 
sprach zu ihnen (der Versammlung), dass jeder von ihnen ein gu 
Werk üben sollte. Da erhob sich ein Mann und nahm alles, in 
er im Hause hatte und ging hinaus, um es zu vertheilen. Da 1 
gegnete ihm seine Entlassene (Geschiedene). Thue mir (diesem Wei 
etwas Gutes (erweise mir eine Wohlthat), sprach sie zu ihm, de 
seitdem ich (sie) aus deinem Hause bin (ist), habe ich (hat sie) nc 
nichts Gutes gesehen. Da der Mann sie nackt und in grosser I 
drängniss sah, fühlte er Erbarmen mit ihr und gab ihr auch, w 
es heisst: „Entziehe dich nicht von deinem Fleische." Ein Mann s 
ihn und ging zu R. Tanchuma hinauf und sagte: Rabbi, du sit» 
hier, und dort geschieht eine grosse Sünde? Er fragte: Was ha 
du denn gesehen? Er sprach: Ich habe einen Mann mit seiner Ei 
lassenen (Geschiedenen) sprechen sehen, und nicht nur das, er g 
ihr auch Geld (Perutas), wenn er nicht verdächtigt wäre (arge G 
danken hätte), so hätte er ihr nichts gegeben. Da schickte R. Ta 
chuma nach ihm und Hess ihn kommen und stellte ihm vor: Me 
Sohn, du weisst, die ganze Welt ist in Bedrängniss und die Lee 
sind bekümmert, und du gehst und unterhältst dich mit deiner £z 
lassenen (Geschiedenen). Und nicht nur das, du hast ihr sogar Gc 
(Perutas) gegeben, wenn du nicht verdächtigt wärest (arge Gedankt 
hättest), so hättest du ihr nicht Geld gegeben. Der Mann entgegnet 



Par. XXXIV. Cap. XXIV, 39. 245 

Hast du denn nicht gepredigt: „Entziehe dich nicht von deinem 
Fleische," und hast du nicht gesagt, dass jeder von uns ein gutes 
Werk üben sollte? Als ich mich aufmachte, ein gutes Werk zu üben, 
da begegnete mir meine Entlassene (Geschiedene) und sprach zu 
mir: Erweise mir (diesem Weibe) etwas Gutes, denn seitdem ich (sie) 
aus deinem Hause bin (ist), habe ich (hat sie) nichts Gutes gesehen. 
Da ich sie nackt und in grosser Bedrängniss sah, fühlte ich Mitleid 
mit ihr und ich gab ihr,, weil es heisst: „Entziehe dich nicht von 
deinem Fleische." Da hob R. Tanchuma sein Gesicht gegen den 
Himmel und sprach vor Gott: Herr der Welt! wenn schon dieser, 
der doch Fleisch und Blut ist und hart ist und dem es nicht oblajg;, 
sie (seine Geschiedene) zu unterhalten, von Mitleid gegen sie erfüllt 
wurde und ihr gab, um wie viel mehr liegt dir ob, uns, die wir die 
Bnder deiner Kinder, die Kinder Abrahams, Jizchaks und Jacobs 
^ zu erhalten und dich unserer zu erbarmen! In diesem Augen- 
Wck kam Regen herab und die Welt erholte sich. Das. V. 8: „Dann 
bricht wie das Morgenroth dein Licht hervor." R. Jeremja ben 
Beasar bat gesagt: Selbst jenes Gebot, worin es heisst: „Du sollst 
lange leben, wird bald blühen." „Deine Gerechtigkeit geht vor dir 
^r** d. 1. alles, um das du dich für deine Seele bemüht hast, darum 
»wird die Herrlichkeit des Ewigen dich aufnehmen." V. 9: „Dann 
[^fet do, und der Ewige antwortet: Wenn du entfernst von dir Unter- 
jochung" d. s. bezahlte Schuldverschreibungen, „Fingerzeigen und 
^glistige Rede" d. i. wenn du deinen Nächsten auf der Flucht vor der 
^^gierung siehst (so sage): er ist nicht dahin gegangen, siehe, er 
^ dorthin gegangen, und er ist nicht dorthin gegangen, siehe, er 
ist dahin gegangen. Das. V. 10: „Wenn du dem Hungrigen deinen 
Bissen reichst" Resch Lakisch sagte: Wenn du ihn nichts zu geben 
^st, so tröste ihn mit Worten. Sprich zu ihm: Ich betheure dir 
{^. meine Seele soll über dir ausgehen), dass ich nicht im Stande 
^^i^ etwas zu geben! „Und du die gequälte Seele sättigst." Hast 
da so gethan, „dann geht in der Finsterniss dein Licht auf und wie 
fe helle Mittag wird sein dein Dunkel." V. 11: „Der Ewige leitet 
^ch stets und labt in der Dürre deine Seele und kräftigt deine 
Cebdne." R. Tabjomi sagt: Wenn du handelst, siehe, so gleichst 
du deinem Schöpfer, von dem geschrieben steht Cant 5, 10: „Mein 
Freund ist weiss und roth." „Und deine Gebeine kräftigt er." Das 
Wort y^rn"» heisst soviel wie: üiTauj"^, er wird dich entreissen, l^^v, 
«Twird dich waffnen, n'^TtS'^, er wird dich retten, n''3'^l, und er wird 
<fir Ruhe verschaffen. Er wird dich entreissen, wie es heisst Deut. 25, 
9' »Und sie soll ihm seinen Schuh ausziehen von seinem Fusse;" 
wafEnen (rüsten), wie es heisst das. 3, 18: „Gewaffnet sollt ihr vor- 
angehen;" retten, wie es heisst Ps. 140, 2: „Rette mich. Ewiger, von 
bösen Menschen," und Ruhe verschaffen. Von hier haben die Weisen 
angeordnet zu sagen (im Sabbathgebet): „Wolle, Ewiger, uns am 
Sabbath ruhen lassen." Jes. 58, 11: „Und du wirst wie ein getränkter 
Garten" d. i. der Garten, „und wie eine Wasserquelle, deren Wasser 



246 P"- XXXIV. Cap. XXIV, 39. 

niemals täuschen" d. i. Eden, „und man erbaut von dir die alten 
Trümmer, und die Grundvesten von Geschlecht zu Geschlecht richtest 
du auf." R, Tarphon gab dem R. Akiba sechshundert Centenarien 

Silber und sprach zu ihm: Geh und kaufe dafür ein Feld, wo wir 
die Gesetzlehre studieren und von dem wir uns ernähren können. 
Er nahm sie und vertheilte sie an Schullehrer, an Mischnalehrw 
und an alle, die sich mit der Gesetzlehre beschäftigen. Nach einigen 
Tagen kam er wieder mit ihm zusammen und er fragte ihn: Hast 
du uns das Feld gekauft, von dem ich dir gesagt habe? Er sprach: 
Ja! Kannst du mir es zeigen? Jal Er nahm ihn und zeigte ihm 
die Schullehrer, Mischnalehrer und alle, die sich mit der Gesettlehre 
beschäftigen. Giebt es wohl einen Menschen, sprach er zu ihm, 
der etwas ohne Quittung von dem Seinigen giebt? Ja! David, der 
König von Israel, von dem es hcisst Ps. 112, 9: „Er streute aus, 
gab den Annen, seine Gerechtigkeit besteht ewig." Jes. 58, iz: „Man 
nennt dich dann einen Verzäuner des Bruches." R. Abin im Namen 
des R. Berachja sagte; Gott sprach: Es lag mir ob, diesen Bruch 
{den nämlich der Arme erlitten) zu umzäunen (wiederherzustellen). 
und nun bist du aufgestanden und hast ihn umzäunt, bei deinem 
Leben! du giltst mir so viel (ich betrachte dich so} wie jener, von 
dem es heisst Ps. 106, 23: „Wenn nicht Mose, sein Erwählter, vor 
den Bruch getreten wäre," Jes. 58, iz: „Einen Hersteller der gebahnten 
Wege im bewohnten Lande." R. Jehuda bar R. Simon sagte: Dieser 
Arme sitzt und klagt: Was habe ich von dem und dem, und jener 
schläft auf seinem Lager und ich schlafe hier; jener schläft in seinem 
- Hause und ich schlafe hier; und du hast dich aufgemacht und ihm 
gegeben, bei deinem Leben! du giltst mir soviel, als haltest du 
Frieden zwischen ihm und mir geschlossen. Das steht auch Jea. ij, 
5: „Hält er fest an meiner Macht, gewährt er mir Frieden, Frieden 
gewährt er mir." Das. 58, 13: „Wenn am Sabbath dein Fuss rastet" 
Die Rabbinen haben gelehrt: Nicht lustwandle ein Mensch in'der 
Stadt am Sabbath auf die Bedingung hin, dass er, wenn es finster 
wird, gleich in's Bad gehen werde. „Dass du nicht dein Geschäft 



Par. XXXV. Cap. XXVI, 3. 247 

im Sabbath seinen Bedurfnissen nachzugehen; denn R. Sera fragte 

ror R. Chija bar Abba und sprach zu ihm: Wie sagt man (am 

kd>bath im Tischgebete): „Unser Hirt, unser Ernährer, erhalte uns! 

Darauf antwortete jener: Die Benediction ist nun einmal so ab- 

geüasst.^) „Und unnütze Worte sprichst" Wenn die Mutter des 

R. Simeon ben Jochai mehr Worte (als nothwendig war) in ihrer 

Unterhaltong am Sabbath gebrauchte, sprach er zu ihr: £s ist 

Sabbath, und sie schwieg. „Dann findest du Lust am Ewigen und 

ich lasse dich einherfahren auf den Hohen der Erde." Siehe das 

sind vierzehn (Segensverheissungen) und die zehn andern (die noch 

fehlen) sind von Jacob geschrieben, denn es heisst das.: „Ich lasse 

dich gemessen das Erbtheil deines Vaters Jacob," und es sind nach 

Gen. 27, 38flf.: „Der Ewige gebe dir von Thau des Himmels" u. s. w. 

Parascha XXXV. 

Cap. XXVI. V. 3. Wenn ihr in meinen Satzungen wandelt. 
loVerbindmig mit Ps. 119, 59: „Wenn ich über deine Wege nach- 
denke und meine Füsse deinen Gesetzen zuwende." David sprach 
oamlid): Herr der Welt! an jedem Tage dachte ich und sprach: Zu 
dem und dem Orte, zu der und der Wohnung will ich gehen, 
und meine Füsse führten mich in die Versammlungs- und Lehr- 
lianser, wie es heisst: „Und ich meine Füsse deinen Gesetzen zu- 
veade." R. Chanina sagte im Namen des R. Acha: Ich erwog 
den Lohn der Pflichterfüllung und den Schaden der Uebertretung, 
Münd ich wende mich zu deinen Zeugnissen." R. Menachem, der 
Schwiegersohn des R. Eleasar bar R. Abina sagte: Ich habe über 
das nachgedacht, was du uns in dem Gesetze geschrieben hast, 
nämlich: „Wenn ihr in meinen Satzungen wandelt." Was folgt darauf? 
V. 6: „Dann schaffe ich Frieden im Lande." „Wenn ihr mir aber 
nicht gehorcht," was folgt darauf? „So werde ich euch noch mehr 
tüchtigen." R. Abba bar R. Chija sagte im Namen des R. Jona- 
than: Ich habe die Segnungen und auch die Flüche berechnet; die 
Segnungen bilden (gleichsam) ein volles Alphabet von n an bis n, 
die Eüche dagegen beginnen mit ■)**) und schliessen mit n, und 
nicht nur das (nämlich dass sie mehr sind), sie sind auch wandel- 
bar.***) R. Abin sagt: Wenn ihr es verdient, siehe, so verwandle 
ich auch die Flüche in Segnungen. Wann? „Wenn ihr mein Gesetz 
beobachtet," wie es heisst: „Wenn ihr in meinen Satzungen wandelt." 

Oder: „Wenn ihr in meinen Satzungen wandelt." In Verbindung 
mit Prov. 8, 32: „Und nun, Kinder, hört mir zu, und Heil denen, 



*) Es lautet nun einmal so das Formular. 

•♦) Das erste Wort dieses Abschnittes ist üH (also k) und das letzte 
.•J^p (also n). 

*••» Sie können in Segenverheissungen verwandelt werden. 



248 Par. XXXV. Cap. XXVI, 3. 

die meine Wege beobachten." Der Spruch redet von Jacob, von dei 
es heisst Gen. 28, 20: „Jacob that ein Gelübde und sprach" u. s. \ 
Die Rabbinen und R. Asi. Die Rabbinen sagen: Auf alles (d. i. ai 
alle seine Wünsche) hat ihm Gott geantwortet, aber auf das betref 
der Nahrung hat er ihm nicht geantwortet. (Jacob sagte): „Wen 
Gott mit mir sein wird," und Gott antwortete ihm: „Siehe ich werd 
mit dir sein;" (Jacob sagte): „und er mich behütet," und Gott e 
wiederte ihm: „ich werde dich behüten;" Qacob sagte): „Auf dei 
Wege, den ich gehe," und Gott sprach: Auf jedem Wege, den d 
gehst;" Qacob sagte): „und ich in Frieden wieder zum Hause mein« 
Vaters zurückkehre," und Gott erwiederte ihm: „Ich bringe dich i 
dieses Land zurück." Aber wegen der Ernährung (Unterhaltung) hi 
er ihm keine Antwort gegeben. R. Asi sagte aber: Auch wegc 
der Ernährung hat er ihm eine Antwort gegeben, wie es heiss 
„Ich werde dich nicht verlassen." Unter n^'^tr. Verlassen ist nich 
anderes als nos^D, Ernährung zu verstehen, wie es heisst Ps. 37, 2^ 
„Ich bin jung gewesen und bin auch alt geworden, ich sah ab< 
nie den Gerechten ^t^S, verlassen und seinen Samen nach Br< 
heischen." Oder der Sinn des letzten Verses ist dieser: Obgleic 
sein Same und seine Kinder Brot heischen, so habe ich nicht gesehc 
jenen Gerechten (Frommen), ihren Vater, verlassen (äT3?3) von Gotte 
furcht. Heil dem vom Weibe Geborenen, sagte R. Hosaja, der j 
etwas aus dem Munde seines Schöpfers hört. R. Chanina bar Pap 
sagte: Heil mir und Heil euch, wenn alle die Bedingungen erfül 
werden, die ich mit euch vereinbart habe. R. Acha sagte: Aue 
zu seinen Kindern sprach er so, wie es heisst: „Und nun, Kinde 
hört mir zu." Heil mir und Heil euch, wenn alle die Bedingungc 
erfüllt werden, die ich mit euch vereinbart habe. Wann? Wenn il 
meine Gesetze beobachtet, wie es heisst: „Wenn ihr in meine 
Satzungen wandelt." R. Eleasar sagte: Gewöhnlich giebt ein Koni 
von Fleisch und Blut Befehle, wenn er Lust hat, sie zu halten, sieh 
so hält er sie, wo nicht, so müssen sie von den andern gehalte 
werden, aber Gott macht es nicht so, sondern er beschliesst un 
hält zuerst, ^ie es heisst Lev. 19, 32: „Vor einem grauen Haupt 
sollst du dich erheben und das Angesicht des Greises ehren, un 
fürchte dich vor deinem Gott, ich der Ewige" d. i. ich bin es, d< 
das Gebot des Stehens vor einem Alten zuerst beobachtet hat' 
„Wenn ihr in meinen Satzungen wandelt" d. i. in den Satzunge] 
mit welchen ich Himmel und Erde gegründet habe, wie es heis: 
Jerena. 33, 25: „Wenn ich nicht meinen Bund mit Tag und Nach 
die Satzungen des Himmels und der Erde festgesetzt habe," das sin 
die Satzungen, mit welchen ich die Sonne und den Mond gegründ< 
habe, wie es heisst das. 31, 55: „So spricht der Ewige, der d: 
Sonne gemacht zur Erleuchtung des Tages und die Satzungen d< 
Mondes und der Sterne zur Erleuchtung der Nacht." Ferner d: 

*) Als Gott vor Abraham stand. 



Par. XXXV. Cap. XXVI, 3. 



249 



Satzungen, die ich dem Meere vorgeschrieben habe, wie es heisst 
Prov. 8, 29: „Als er dem Meere seine Satzung setzte." Ferner die 
Satzungen, welche ich dem Sande gesetzt habe, wie es heisst Jerem. 
5, 22: ,J)er ich Sand dem Meere zur Grenze setzte." Auch die 
Satzungen, die ich dem Abgrunde (der Tiefe) gesetzt habe, wie es 
hosst das. 8, 27: „Als er dem Sand eine Satzung (Bogen ann) setzte 
über die Tiefe." pin und am hat eine und dieselbe Bedeutung (eig. 
es findet ein Schluss nach der Wortanalogie statt). R. Levi im 
Namen des R. Chama bar Chanina fügt noch hinzu die Satzungen, 
die dem bösen Triebe gegeben sind, wie es heisst Jes. 10, i : „Wehe 
denen, die eitle Satzungen geben." Gleich einem einsamen {sQrj^ov) 
Orte,*) sagte R. Levi, welcher von Kriegstruppen besetzt war, was 
that der Konig? £r legte Grenzsoldaten hin, um ihn zu bewachen. 
£beoso sprach auch Gott: Die Thora wird ein Stein genannt, und 
der böse Trieb wird auch ein Stein genannt. Die Thora wird ein 
Stein genannt, wie es heisst £x. 24, 12: „So will ich dir Tafeln von 
Stön geben and Thora und Gebot," und der böse Trieb wird ein 
Stein genannt, wie es heisst Ezech. 36, 26: „Ich entferne das Herz 
von Stein ans eurem Fleische." Da nun das Gesetz ein Stein und 
<fcr böse Trieb ein Stein genannt wird, so soll ein Stein den andern 
^ten (bewachen). R. Acha ben Elischab zahlte zu den Gesetzen 
aodi die hinzu, welche den Menschen zum Leben der künftigen 
^clt fuhren, wie es heisst Jes. 4, 3 : „Und der Uebriggebliebene in 
2oD nnd der Gerettete in Jerusalem wird heilig genannt werden" 
d. L jeder, welcher für das Leben in Jerusalem aufgezeichnet ist. 
& ist es, welcher mit der Thora sich beschäftigt, die ein Lebens- 
baum ist, wie es heisst Prov. 3, 18: „Ein Baum des Lebens ist sie 
denen, die an ihn halten." Im Namen des R. Eleasar ist gelehrt 
worden: Das Schwert und das Buch wurden zusammengebunden 
(umwickelt) vom Himmel gegeben, wobei Gott sprach: Beobachtet 
ihr das, was in diesem Gesetzbuche verzeichnet ist, so werdet ihr 
^ dem Schwerte verschont bleiben, wo nicht, so wird das Schwert 
e«h schliesslich tödten. Und woher lässt sich das beweisen? Aus 
Gca. 3, 24: „Er vertrieb den Menschen, um zu bewahren den Weg 
«an Banme des Lebens." Unter ^in, Weg ist nichts anderes als 
n» *p"i Sitte, Lebensregel zu verstehen, und unter D'^'>nJi yy, der 
Bamn des Lebens ist die Thora zu verstehen.**) Im Namen des 
R. Simeon ben Jochai ist gelehrt worden: Das Laib Brot und der 
Stock wurden zusammengebunden vom Himmel gegeben, und Gott 
sprach zu ihnen (den Israeliten): Wenn ihr das Gesetz beobachtet, 
*> ist hier Brot zu essen, wo nicht, so ist der Stock da, um euch 
«schlagen.***) Und woher lässt sich das beweisen? Aus Jes. i, 



•) Vcrgl. Midr. Schir haschir. zu c. 6, 11. 

*•) Vcrgl. oben Par. 3: Sechsundzwanzig Geschlechter ist die Sitte vor 
«r Offenbarung dagewesen. 

•••; VcrgL Sifra Ekeb Pisk. 40. 



250 Par. XXXV. Cap. XXVI, 3. 

19, 20: „Wenn ihr wollt und gehorchet, sollt ihr das Beste des 
Landes geniessen, weigert ihr euch aber und widersetzt euch, so 
werdet ihr vom Schwerte (ä*iT^) gefressen werden" d. i. so werdet 
ihr Johannisbrot ('j'^sn^n) essen. R. Acha sagte: Die Israeliten 
müssen erst Johannisbrot essen, wenn sie Busse thun sollen. R. Akiba 
sagte: Die Armuth steht Jacobs Tochter so schon, wie ein rother 
Riemen am Kopfe eines weissen Pferdes.*) 

„Und ihr meine Satzungen beobachtet und sie thut.'^ 
R. Chama bar R. Chanina hat gesagt: Wenn ihr das Gesete 
beobachtet, siehe, so gilt mir das soviel, als wenn ihr es ausgeübt 
hättet (wie es heisst): „Und sie thut." R. Chanina bar Papi sagte: 
Gott sprach zu ihnen: Wenn ihr das Gesetz beobachtet, so gilt mir 
das soviel, als wenn ihr es selbst gemacht hättet (wie es heisst): 
„Und ihr sie macht." R. Chija hat gelehrt: (Es ist von demjenigen 
die Rede, der die Thora lernt, um sie auszuüben, und nidit von 
demjenigen, welcher sie lernt, um sie nicht auszuüben. Für den, 
welcher lernt und nicht ausübt, wäre es besser gewesen, er wäre 
nicht erschaffen worden. R. Jochanan sagt: Wer lernt und nicht 
darnach handelt, für den wäre es besser gewesen, seine Nachgeburt 
wäre um sein Gesicht gewickelt worden, und er wäre nicht an die 
Luft der Welt herausgetreten. R. Acha sagte: Wer lernt, um damadi 
zu handeln, ist würdig, den heiligen Geist zu empfangen, wie es heisst 
Josua I, 8: „Damit du beobachtest, nach allem zu thun, was darin 
geschrieben ist, denn dann wird dein Weg glücklich sein, und dann 
wirst du auch an Einsicht gewinnen." Unter b'^D'cn ist nichts anderes 
als der heilige Geist zu verstehen vgl. Ps. 89, i : „Eingebung (b-^DicTS) 
Ethans, des Esrachiters." 

So gebe ich eure Regen zu ihrer Zeit. R. Jonathan 
sagte: Drei Geschenke (Gaben) sind der Welt gegeben worden: Das 
Gesetz, die Lichter und die Regen. Das Gesetz s. Ex. 31, 18: „Und 
er gab dem Mose, als er sein Reden vollendet hatte;'* die Lichter 
s. Gen. 1, 17: „Und Gott gab sie an die Veste des Himmels;" die 
Regen, wie es heisst: „So gebe ich euch eure Regen zu ihrer Zeit**^ 
R. Asarja im Namen des R. Simeon ben Levi zählt noch den Frieden 
hinzu, von dem es heisst das. V. 6: „Ich schaffe Frieden im 
Lande." R. Josua ben Nechemja zählt noch das Heil hinzu, wie 
es heisst Ps. 18, 36: „Und du gabst mir den Schild deines Heils.**^ 
R. Jizchak bar R. Marjon zählt noch die Reise auf dem grossen 
Meere hinzu, wie es heisst Jes. 43, 16: „So spricht der Ewige, der 
dem Meere einen Pfad giebt;" denn wenn das nicht wäre, so würde 
der Mensch sofort in dasselbe (seine Tiefe) versinken und sterben. 
R. Tanchuma zählt noch das israelitische Land hinzu, von dem es heisst 
Ps. 105, 44: „Er gab ihnen die Länder der Völker." Die Rabbinen 
zählen noch die Barmherzigkeit hinzu, von der es heisst Ps. 106, 15: 
„Er gab ihnen Erbarmen." Und manche zählen noch die Rache 



•) Vergl. oben Par. 13 und Midr. Schir haschir. s, v. »«rö. 



Par. XXXV. Cap. XXVI, 3. 25 1 

an Edom hinzu, von welcher es heisst Ezech. 25, 14: „Ich gebe 
meine Rache an Edom durch die Hand meines Volkes Israel." 

Oder : „So gebe ich eure Regen zu ihrer Zeit** d. i. an den vierten. 
Du sagst an den vierten? Oder ist es nicht an den Vorabenden der 
Sabbathe? Dagegen wurde eingewendet: Selbst die Jahre, wie die 
211 Elias Zeit, wo die Regen an den Vorabenden der Sabbathe erfolgten, 
sind nur ein Zeichen des Fluches. Was ist nun hier unter den 
Worten: „So gebe ich eure Regen zu ihrer Zeit" zu verstehen? Nichts 
anderes als an den vierten (Tagen). 

Oder: „So gebe ich eure Regen zu ihrer Zeit*^ d. i. in den 
Nächten." In den Tagen des Königs Herodes pflegte es in den 
Nächten zu regnen und am Morgen wehte der Wind, die Wolken 
wurden zerstreut, die Sonne ging auf und die Erde wurde wieder 
trocken, so dass die Arbeiter ausgehen und sich mit ihrer Arbeit 
beschäftigen konnten und einsahen, dass ihr himmlischer Vater an 
ihren Werken Wohlgefallen hatte. 

Oder: „So gebe ich eure Regen zu ihrer Zeit" d. i. in den 

Sabbathnäditen. Es \^ird erzählt: Zur Zeit des Simeon ben Schetach 

Und der Königin Schalmaza regnete es in den Sabbathnächten , bis 

der Weizen so gross wie Nieren und die Gerste wie Oelkörner und 

die Linsen wie Golddenare wurden, die Weisen sammelten davon 

Dnd hinterliessen sie den kommenden Geschlechtern, um zu zeigen, 

Was die Sünde verursacht (zu Wege bringt) und zu bestätigen, was 

gesagt ist Jerem. 5, 25: „Eure Sünden verhindern solches, und eure 

Vergehnngen halten das Gute von euch zurück." 

Oder: „So gebe ich eure Regen zu ihrer Zeit" d. i. nicht Regen 
aA\en Ländern (sondern nur eurem Lande)? Es heisst doch Gen. 12, 
3: „Mit dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde?" 
Allein es ist so zu verstehen: Wenn im Lande Israels Ueberfluss, 
in allen Ländern aber Hungersnoth sein wird, so werden diese 
kommen und Früchte von euch kaufen und euch mit ihrem Gelde 
reich machen, sowie es heisst Gen. 47, 14: „Joseph sammelte alles 
Geld," und Deut. 33, 25: „Wie deine Tage, so dein Reichthum" d. i. alle 
länder werden das Silber ausschütten und nach dem Lande Israel 
bringen. Wie lange muss es regnen, dass die Erde (der Boden) 
Frächte erzeugt? Nach R. Meir bis zwei, nach R. Jose bis drei Viertel. 
Kach R. Meirs Ansicht, welcher sagte: bis zwei Viertel, ist der 
Früh- und Spätregen gemeint, der Frühregen im Monat Marche- 
schwan und der Spätregen im Monat Nisan. Nach der Meinung 
des R. Jose, welcher sagte: bis drei Viertel, ist der Frühregen im 
Monat Kislev und der Spätregen im Monat Nisan und der gewöhnliche 
Regen in der Mitte gemeint. Das sind nun drei Regen. R. Dus- 
thai bar R. Janai sagte: Es heisst doch Hi. 37, 6: „Denn zum Schnee 
spricht er: Falle zur Erde, und zum Regenguss und Gussregen 
seiner Macht." Siehe das sind drei (verschiedene Benennungen für 
den Regen). m^i:272 d. s. zwei, das giebt fünf. Die Rabbinen neh- 
men sieben an: Diese fünf und der Frühregen und der Spätregen, 



252 Par. XXXVI. Cap. XXVI, 42. 

der Frühregen im Kislev und der Spätregen im Nisan, siehe, das 
sind sieben. R. Abuhu sagte: Ich ging einmal vor der Synagoge 
der Bergleute von Lud (Lydda) vorüber, da hörte ich die Stimme 
des R. Samuel bar Nachmani, welcher sass und vortrug: Die Rab- 
binen sagen im Namen des R. Chiskia: Wenn die Israeliten den 
Willen Gottes thun, bedarf es nur einer Bedachtnahme, er bedenkt 
die Erde und sie bringt Früchte, wie es heisst Ps. 65, 10: „Du be- 
denkst die Erde und tränkst sie reichlich, dass sie das zehnfache 
bietet" d. i. sie bringt eins zu zehn. R. Berachja und R. Chelbo 
und R. Papi im Namen des R. Eleasar sagten: Manchmal ist die 
Fruchtbarkeit dem Verdienste eines Mannes, dem Verdienste eines 
Krautes, dem Verdienste eines Feldes zu verdanken, und alle drei 
sind enthalten in einem Verse, wie es heisst Sach. 10, i: „Verlanget 
vom Ewigen Regen zur Zeit des Spätregens, der Ewige macht Blitze, 
und Regenguss wird er euch geben, dem Manne Kraut auf dem 
Felde." Es heisst: ^"^Nb, dem Manne, und nicht: D'^^3«b, den Män- 
nern, nbrb dem Kraut und nicht: D-^nizsyb den Kräutern, mbb dem 
Felde, und nicht: mn^b, den Feldern. So auch Mal. 3, 10: „Bringet 

den Zehnten in das Schatzhaus ein Segen bis nicht genug 

(unermesslich)." Was heisst: "^T "^bn ly? R. Jona bar Abba sagte 
im Namen des R. Jochanan: Eine Sache, von der man nicht sagen 
kann: Genug! ist ein Segen. R. Berachja und R. Chelbo und 
R. Abba bar Kahana sagten im Namen Rabs: Bis eure Lippen über- 
drüssig werden (ermüden, ibs^'ta ly) zu sagen: Wir haben genug! 
Denn in dieser Welt sind die Regen manchesmal eine Last, die 
Wanderer grämen sich ihretwegen, ebenso die Seereisenden und die- 
jenigen, welche die Keltern treten und die Dächer bestreichen, aber 
einst wird Gott sie nur zum Segen machen, wie es heisst Ezech. 
34, 26: „Ich mache sie und die Umgebung meines Hügels zum 
Segen und lasse Regen fallen zu seiner Zeit und segensvolle Regen 
sollen es sein." 

Parascha XXXVL 

Cap. XXVI. V. 42. Ich gedenke meines Bundes mit 
Jacob. In Verbindung mit Ps. 102, 26: ,,Vor Zeiten hast du die 
Erde gegründet und deiner Hände Werk sind die Himmel." Darüber 
sind Schammai's und Hillers Schule verschiedener Meinung. Die von 
der Schule Schammai's sagen: Zuerst sind die Himmel geschaffen 
worden und dann die Erde, wie es heisst Gen. i, i: „Im Anfange 
schuf Gott Himmel und Erde." Die von Hillers Schule dagegen 
sagen: Zuerst ist die Erde geschaffen worden und dann der Him- 
mel. Diese wie jene bringen einen Grund für ihre Meinung. Der 
Grund derer von Schammai's Schule, welche behaupten, zuerst sind 
die Himmel geschaffen worden und hernach die Erde, ist dieser: 
Gleich einem König, welcher sich einen Thron gemacht hat und 
nachdem das geschehen, macht er sich erst seinen Fussschemel 



Par. XXXVr. Cap. XXVI, 42. 253 

(i'jcoTtodiov). So sagt auch Jes. 66, i: „So spricht der Ewige: 
Der Himmel ist mein Thron und die Erde meiner Füsse Schemel." 
Der Gnind derer von der Schule Hillel's, welche sagen: Die Erde ist 
zuerst geschaffen worden und hernach die Himmel, ist dieser. Gleich 
einem König, der einen Palast baute, nachdem er die Unteren er- 
baut hatte, führte er die Oberen auf. So steht auch geschrieben 
Gen. 2, 4: „Am Tage, da Gott der Ewige machte Erde und Him- 
mel." R. Tanchuma sagte: Ich führe als Grund den erwähnten 
Psalm vers an: „Bevor du die Erde gegründet, war dein Händewerk 
der Himmel." R. Chanina sagte: Von der Schriftstelle, welche als 
^iuXzG der Schule Schammai's dient, kann man die Schule Hillel^s 
widerlegen. Nach der Meinung der Schule Schammai's, welche sagt, 
dass zuerst die Himmel und dann die Erde geschaffen worden sei, 
denn es heisst: „Im Anfang erschuf Gott die Himmel und die Erde;" 
nach der Meinung der Schule Hillel's, welche sagt, dass zuerst die 
£rde geschaffen wurde und hernach die Himmel, denn es heisst 
das. 1, 2: „Die Erde war öde und leer," da muss doch die Erde 
schon erschaffen gewesen sein. R. Jochanan sagte im Namen der 
Oelebrten: Hinsichtlich der Erschaffung gingen die Himmel voran 
lind hinsichtlich der Vollendung ging die Erde voran. „Am Tage, 
cJa der Ewige, Gott, Erde und Himmel machte." R. Simeon ben 
Joebai sagte: Ich muss mich wundern, wie die Väter der Welt 
"vregen der Erschaffung von Himmel und Erde verschiedener Mei- 
xiung sein konnten, ich sage: Himmel und Erde wurden nicht anders 
erschaffen, als wie die Pfanne und ihr Deckel.*) So heisst es Jes. 
48, 13- „Und meine Hand hat die Erde gegründet und meine 
"Rechte den Himmel ausgespannt." R. Eleasar bar R. Simeon sagt: 
Wenn es nach der Meinung dessen ist, was Abba gesagt hat: 
Ueberall gehen die Himmel der Erde voran (d. i. überall steht erst 
„Himmel" und dann „Erde"), an einer Stelle es aber heisst: „An 
dem Tage, da der Ewige, Gott, Erde und Himmel machte," so 
geht daraus hervor, dass beide einander gleich wiegen, das eine 
ist wie das andere. So gehen auch überall die Turteltauben den 
jungen Tauben voran, an einer Stelle aber heisst es: „Eine junge 
Taube oder Turteltaube," um zu lehren, dass beide einander gleich 
sind. Ueberall geht der Name Mose (dem Namen) Aarons voran, 
an einer Stelle aber wird erst Aaron und dann Mose genannt, um 
w lehren, dass beide einander gleich sind. Ueberall geht Josua 
dem Caleb voran, an einer Stelle aber heisst es Num. 32, 12: „Aus- 
genommen Caleb, Sohn Jephunnes, des Kenisiters und Josua, Sohn 
Nons," um zu lehren, dass beide einander gleich sind. Ueberall 
seht die Ehre des Vaters der Ehre der Mutter voran, an einer 
Stelle aber heisst es Lev. 19, 3: „Ein jeder ehrfürchte seine Mutter 
^^d seinen Vater," um zu lehren, dass beide einander gleich sind. 
Allein die Gelehrten (Weisen) haben gesagt: Der Vater geht über- 



•) Midr. Beresch. r, Par. I. 



\ 



254 JPar. XXXVI. Cap. XXVI, 42. 

all der Mutter voran, denn er (der Sohn) und seine Mutter sind 
dem Vater Ehre schuldig. Ueberall geht Abraham den Vätern 
voran, aber hier heisst es: „Und ich gedenke meines Bundes mit 
Jacob,'* um zu zeigen, dass alle drei einander gleich sind. 

Oder: „Und ich gedenke meines Bundes mit Jacob." In Ver- 
bindung mit Ps. 80, 9: „Einen Weinstock hobst du aus Aegypten 
aus." Wie man den Weinstock nicht an einen Ort pflanzt, wo 
grosse Steine (Felsen) sind, sondern ihn (den Boden) von unten 
untersucht und hernach ihn (den Weinstock) pflanzt, so „ver- 
triebst auch du (zuerst) Volker und (dann) pflanztest du ihn" (das 
israelitische Volk). Wie der Weinstock, wenn du alles unter ihm 
wegräumst, desto vorzüglicher wird, so auch Israel, vor dem du 
jeden König wegräumtest, und hernach „schlug er (es) Wurzeln and 
füllte das Land." Wie man den Weinstock nicht in Verwirrung 
(in Unordnung), sondern in Reihen pflanzt, so sind auch die Israe- 
liten nach Panieren geordnet worden, wie es heisst Num. 2, 2: „Ein 
jeder bei seinem Paniere, bei den Zeichen ihrer Stammhäuser." Wie 
der Weinstock der niedrigste unter allen Bäumen ist und dennoch 
alle Bäume überwältigt (beherrscht), so scheinen auch die Israeliten 
niedrig in dieser Welt, aber einst werden sie Besitz nehmen von 
einem Ende der Welt bis zum andern. Wie aus dem Weinstock 
ein Zweig hervorgeht, welcher alle Bäume bezwingt, so geht auch 
von Israel ein Gerechter aus und herrscht von einem Ende der 
Welt bis zum andern, wie es heisst Gen. 42, 6: „Und Joseph war 
Herrscher," Jos. 6, 27: „Der Ewige war mit Josua," 1 Chron. 14, 17: 
„Und es ging Davids Ruhm aus in alle Länder," i Reg. 5, i: „Sa- 
lomo herrschte über alle Reiche," Esth. 2, 4: „Mardachai war gross 
(angesehen) im Hause des Königs." Wie an dem Weinstock die 
Blätter die Reben decken, so decken auch die Ungebildeten unter 
Israel die Gelehrten. Wie der Weinstock grosse und kleine Reben 
hat, und die grosse von der kleinen gedrückt zu werden scheint, 
so auch Israel, wenn einer von ihnen sich mit der Thora bemüht 
und grösser (überlegener) in der Thora ist als der andere, so 
scheint er von demselben gedrückt zu werden. Wie der Wein- 
stock drei Segnungen (Benedictionen) erfordert*), so erfreuen sich 
auch die Israeliten täglich dreier Segnungen: nämlich: „Der Ewige 
segne dich, der Ewige erleuchte dich, der Ewige erhebe über 
dich." Wie der Weinstock vertrocknete (saure) Beeren hat, so 
giebt es auch unter den Israeliten Schrift-, Mischna-, Talmud-, 
und Haggadagelehrte. Wie an dem Weinstock Wein und auch 
Essig ist, und man über ein jedes derselben einen besonderen 
Segen spricht, so sind auch die Israeliten verpflichtet, für das Gute 



*) Nämlich über die ganz kleinen Beeren spricht man: Gelobt sei der 
Schöpfer der Erdfrucht, über die reifen spricht man: Dank sei dir, Schöpfer 
der Baumfracht, und über den Wein spricht man: Dank sei dir, Schöpfer 
der Weinfrucht. 






Par. XXXVI. Cap. XXVI, 42. 255 

Gott ebenso zu preisen wie für das Böse; für das Gute spricht man: 

Der Gütige und der Wohlthätige! und über das Uebel: Preis dem 

wahren Richter! Wie der Wein das Gesicht eines jeden, der ihn 

trinkt, erleuchtet, und wer nicht davon (vom sauren) trinkt, stumpfe 

Zähne bekommt, so auch die Israeliten, jeder, der da kommt und 

sich an sie macht, nimmt am Ende (zuletzt) das Seinige aus ihren 

^den. Wie die Weintraube erst mit dem Fusse zertreten wird 

iZQd dann auf die königliche Tafel kommt, so erscheinen auch die 

^^aeliten wie verachtet in dieser Welt, wie es heisst Thren. 3, 14: 

»Zum Spotte bin ich meinem ganzen Volke, ihr Spottlied alle Tage," 

^6er einst wird dich der Ewige über alle erheben, wie es heisst 

Jes, 49, 23: „Und Könige werden deine Erzieher sein und ihre 

'f*ürstinnen deine Ammen." Wie der Weinstock Kiurch Versetzen von 

^ner Stelle zur andern steigt (gewinnt), ebenso übersteigen die 

^raeliten an Zahl alle Reiche. Wie man den Weinstock über grosse 

ehedem hinwegzieht, so auch die Israeliten, wie es heisst Ps. 80, 11: 

^»Bedeckt waren die Berge von seinem Schatten." Wie der Wein- 

^tock an ein Rohr gestützt wird, so werden auch die Israeliten auf 

<las Verdienst der Thora gestützt, die mit einem Rohre geschrieben 

M^t, Wie bei dem Weinstocke sein Hüter oben steht, so ist auch 

Xsraels Hüter oben, wie es heisst Ps. 121, 4: „Siehe, es schlummert, 

^» schläft nicht der Hüter Israels." Wie der Weinstock auf trockene 

Xlolzer gestützt ist, er selbst aber saftig ist, so stützen sich auch die 

^raeUten auf das Verdienst ihrer Väter (Altvordern), obgleich diese 

schlafen. Das soll nun mit den Worten gesagt sein: „Ich gedenke 

^xneines Bundes mit Jacob." In Verbindung mit Prov. 11, 21: „Von 

Hand zu Hand bleibt der Böse nicht ungestraft." 

Bar Kapra sagte: „Achas und alle die ruchlosen Könige Israels 
haben keinen Antheil an der zukünftigen Welt, wie es heisst Hos. 7, 
7: „Alle ihre Könige fallen, keiner unter ihnen ruft zu mir." Er 
wird aber doch unter der Aera {uTtaTeia) der Könige gezählt, wie 
es heisst Jes. i, i: „In den Tagen Usias, Jothams, Achas, Chiskias, 
der Könige von Jehuda?" R. Acha im Namen des R. Eleasar und 
R. Josna im Namen des R. Josua ben Levi sagte: (dies geschieht), 
weil er Scham besass. Wie so? Als der Prophet kam, um ihn hart 
anzulassen (ihm eine harte Strafrede zu halten), ging er mit ihm an 
einen unreinen Ort, in der Meinung, dass die Schechina an einem 
unreinen Ort nicht wohne, wie es heisst Jes. 7, 3: „Der Ewige 
sprach zu Jesaia: Geh dem Achas entgegen, du und dein Sohn 
Schear-Jaschub, ans Ende des oberen Teiches, auf dem Wege zum 
Walkerfelde." Lies nicht: OäiD, Walker, sondern: ;öäi3, Unter- 
drücker.*) Wie so? Als der Prophet ihn hart anlassen wollte, drückte 
« sein Gesicht (verschämt) nieder.**) Rabbi sagte: Weil er wegen 



•) Vgl. Jerusch. Sanhedrin. fol. 27^. 

••) In der angezogenen Talmudstelle steht noch der Zusatz: Und er 
floh vor ihm (liDD mi3i). 



256 Par. XXXVI. Cap. XXVI, 42. 

seines erstgeborenen (ältesten) Sohnes gezüchtigt (mit Leiden heim- 
gesucht) worden war. Das steht auch Chron. 28, 7: „Und Sichri, ein 
Held von Ephraim, erschlug Maeseja, den Sohn des Königs, und Asrikam, 
den Hausfürsten, und Elkana, den Zweiten des Königs." R. Hosaja 
der Aeltere giebt als Grund an: Weil sein Vater ein Gerechter war, 
denn Chiskia sagt Jes. 38, 17: „Siehe zum Frieden wird mir Bitteres, 
ja Bitteres" d. i. Bitteres noch als vor Achas, Bitteres noch als nadi 
Manasse, nur mit dem Unterschiede, Manasses Vater war ein Ge- 
rechter und sein Sohn ein Frevler; Achas Vater aber war ein Ge- 
rechter und auch sein Sohn war ein Gerechter. R. Simeon sagte 
Prov. II, 21: „Der Same des Gerechten wird gerettet." Es heisst 
nicht: Der Same der Gerechten, sondern: des Gerechten; weil er 
von zwei Gerechten hervorgegangen war, wurde er auch gerettet 
R. Pinchas sagte: Wer ein gutes Werk vollbringt und dafür gldch 
seinen Lohn verlangt, „von Hand zu Hand bleibt er vom Unglück 
nicht frei." Ein solcher ist ein Frevler und er hinterlässt dann 
seinen Kindern nichts. R. Simon sagte: Sowie man zu sagen pflegt: 
Hier ist der Sack, hier das Geld, hier das Mass, auf und missl 
Ebenso wollten die Altvordern für die geringsten guten Werke Lohn 
in dieser Welt haben, woher sollte das Verdienst ihren Nachkom- 
men beistehen? siehe, es ist schon gesagt: „Ich gedenke sein 
meines Bundes mit Jacob." 

Oder: „Ich gedenke meines Bundes mit Jacob." Das sagt 
auch Jes. 43, i: „Nun aber spricht so der Ewige, dein Schöpfer, 
Jacob, der Bildner, Israel." R. Pinchas sagte im Namen des 
R. Rüben: Gott sprach zu seiner Welt: Meine Welt, meine Welt! 
man spricht zu dir: Wer ist dein Schöpfer, wer dein Bildner? Jacob 
hat dich geschaffen, Jacob hat dich gebildet, wie es heisst: „Dein 
Schöpfer ist Jacob, dein Bildner Israel." R. Josua von Sichnin sagte 
im Namen des R. Levi: Die Thiere sind nur im Verdienste Jacobs 
erschaffen worden, wie es heisst Hi. 40, 10: „Siehe doch die Thiere, 
die ich mit dir gemacht habe."*) R. Josua bar Nechemja sagte im 
Namen des R. Chanina bar R. Jizchak: Himmel und Erde sind nur 
im Verdienste Jacobs erschaffen worden, wie es heisst Ps. 78, 5: „Er 
stellte Zeugniss in Jacob auf." Unter Zeugniss (m"i5') ist hier nichts 
anderes als Himmel und Erde zu verstehen, wie es heisst Deut. 4, 
26: „Ich rufe heute die Himmel und die Erde zu Zeugen gegen 
euch an." R. Berachja sagte: Himmel und Erde sind nur im Ver- 
dienste Israels erschaffen worden, wie es heisst: „Mit rr^rMi schuf 
Gott." Unter ri'^tJN'n ist nichts anderes als Israel zu verstehen, wie 
es heisst Jerem. 2, 3: „Israel ist dem Ewigen heilig als Erstling 
(n*^;»«^) seiner Frucht." R. Acha sagte: Himmel und Erde sind nnr 
im Verdienste Moses erschaffen worden, wie es heisst Deut. 33, 21: 
„Das Erste (rr^'^N-) ersah er sich." R. Abuhu sagte: Alles ist nur 
im Verdienste Jacobs gebildet worden, wie es heisst Jerem. 10, 16: 

•) So nimmt der Midr. die Stelle. 



Par. XXXVI. Cap. XXVI, 42. 257 

»Nicht wie diese ist das Theil Jacobs, denn er ist der Bildner des 
Alls" d. i. wegen Jacob ist das All gebildet worden. R. Berachja und 
R. Levi sagten im Namen des R. Samuel bar Nachman: Abraham 
ist our aus dem Glnthofen im Verdienste Jacobs gerettet worden. Gleich 
einem, der vor dem Herrscher steht und vor ihm gerichtet wird und 
das Urtheil ist von dem Herrscher bereits ausgegangen (gesprochen), 
dass er verbrannt werden soll, allein der Herrscher schaute in 
seiner Stemdeutang und sah, dass einst von dem Verurtheilten eine 
Toditer hervorgehen werde, welche an einen König werde ver- 
lieirathet werden. Da sprach er: Der verdient schon im Verdienste 
seiner Tochter, die ihm einst geboren werden wird, gerettet (frei- 
gesprochen) zu werden. So war auch von Nimrod das Urtheil über 
Abraham bereits gefallt worden, dass er verbrannt werden sollte, 
2iber Gott sah voraus, dass Jacob dereinst von ihm hervorgehen 
'^erde. Da sprach er: Der verdient schon im Verdienste Jacobs 
gerettet zu werden. Das steht auch Jes. 29, 22: „So sprach der 
^wige zum Hause Jacobs, welcher Abraham erlöst hat" Die Rab- 
l)inen sagen: Selbst Abraham ist nur im Verdienste Jacobs erschaffen 
forden, sowie es heisst Gen. 18, 19 (Gott sprach): „Denn ich kenne 
ihn, dass er seinen Kindern und seinem Hause nach ihm befehlen 
^rd, dass sie den Weg des Ewigen bewahren, Gerechtigkeit imd 
Recht zu thun." Es giebt keine Gerechtigkeit und kein Recht 
^^>S8cr in Jacob, wie es heisst Ps. 99, 4: „Recht und Gerechtigkeit 
^^ du in Jacob gethan." Warum werden aber die Väter nicht 
*^tereinander (nach der Reihe) gezählt? Um damit anzudeuten: 
'^enn es Jacob nicht verdient, so verdient es Jizchak, und wenn es 
]i2chak nicht verdient, so verdient es Abraham, dass also von jedem 
einzelnen die ganze Welt abhängig gemacht (dass an das Werk jedes 
einzelnen die Welt gehängt) werde seinetwegen. Warum wird wohl 
bei Jacob und bei Abraham, nicht aber bei Jizchak der Ausdruck 
^''3T, gedenken, gebraucht? R. Berachja und die Rabbinen. R. 
Berachja sagte: Weil Jizchak ein Leidender (')'»mD'^ bx3 p) war. 
ßie Rabbinen sagen: Weil er Jizchaks Asche sieht, als wenn 
^e auf dem Altar aufgehäuft wäre. Warum wird bei Abraham und 
bei Jizchak das Wort: rjN, auch (Zorn) gebraucht und nicht bei Jacob? 
Weil sein Bett (Lager) (makellos) vor ihm war.*) Von Abraham 
ging Ismael und alle Kinder (die ganze Nachkommenschaft) der 
Ketura hervor, von Jizchak Esau und alle Stammfürsten Edoms, 
aber Jacobs Bett war vollkommen, alle seine Kinder waren Gerechte, 
wie es heisst Gen. 42, 11 (die Brüder sagten): „Wie sind alle Söhne 
eines Mannes." Das gilt aber nur von den Vätern, woher lässt 
sich beweisen, dass es auch bei den Müttern so ist? Weil von diesen 
dreimal das Wort r«, mit gebraucht wird. Unter nN ist nichts 
anderes als die Mütter zu verstehen, wie es heisst Gen. 49, 31: „Da- 
selbst haben sie begraben den Abraham und die Sara (niis dni). 



•) Es ghig kein schlechter Mensch von ihm hervor. 
Wunsche, Midrasch Wajikra r. 17 



258 Par. XXXVir. Cap. XXVII, 2. 

Und warum erwähnt man das Verdienst der Väter und auch das 
Verdienst des Landes mit ihnen? Gleich einem Könige, sagte Resch 
Lakisch, welcher drei Sohne hatte, und eine Magd von ihm erzog 
sie; so oft der König seine Kinder begrüsste, sagte er: Grüsset 
mir eure Erzieherin. So erwähnt auch Gott immer mit den 
Vätern das Land mit ihnen, wie es heisst Lev. 26, 42: „Ich 
gedenke meines Bundes mit Jacob u. s. w. und auch des Landes 
werde ich gedenken." Bis wann besteht wohl das Verdienst der 
Väter? R. Tanchuma sagte im Namen des R. Chija bar Menachma, 
R. Berachja bar Chelbo im Namen Rabbas bar R. Sabda habe zu 
ihm gesagt: Bis zur Zeit des Joachas, wie es heisst 2 Reg. 13, 23: 
„Da begnadigte sie der Ewige und erbarmte sich ihrer u. s. w. bis 
jetzt" d. i. bis jetzt hat das Verdienst der Väter bestanden. R. Josua 
ben Levi sagte: Bis Elia, wie es heisst i Reg. 18, 36: „Es geschah 
um die Zeit, wenn das Opfer gebracht wird, da trat Elia, der Prophet, 
hin und sprach: Ewiger .... lass heute kund werden." Samuel 
sagte: Bis Hosea, wie es heisst Hos. 2, 10: „Und jetzt will i 
ihre Scham entblössen vor den Augen ihrer Buhlen und nieman 
soll sie meiner Hand entreissen." Unter ^"^N, Mann ist kein an 
derer als Abraham zu verstehen vgl. Gen. 20, 7: „Und nun gieb 
Weib des Mannes (u:*»«;!) zurück." Oder unter «)•'« ist nieman 
anderes als Jizchak zu verstehen, wie es heisst das. 24, 65: „We; 
ist jener Mann da (nbtn «:'^Kn)?" Oder unter ^ö"^« ist nieman 
anders als Jacob zu verstehen, von dem es heisst das. 25, 27: 9,Un 
Jacob war ein frommer Mann (nn u;*^«)." 

R. Judan sagt: Bis Chiskia (hat das Verdienst gedauert), wie 
es heisst Jes. 9, 6: „Zur Mehrung der Herrschaft und zum Friedea 
ohne Ende." R, Judan sagte im Namen des R. Berachja: Wenn 
du siehst, dass das Verdienst der Väter und der Mütter abnimmt 
(sich mindert), so geh und beschäftige dich mit Liebeswerken, wie 
es heisst Jes. 54, 10: „Wenn auch die Berge weichen und die Hagel 
wanken." Unter D'^^tn, Berge sind nur die Väter und unter myaa, 
Hügel sind nur die Mütter zu verstehen. Darauf folgt: „Meine 
Huld aber soll nicht von dir weichen." R. Acha sagte: Das Ver- 
dienst der Väter besteht immer und wird immer erwähnt werden, wie 
es heisst Deut. 4, 31: „Denn ein erbarmungsvoller Gott ist der Ewige, 
dein Gott; er wird dich nicht sinken und in's Verderben gerathen 
lassen und den Bund deiner Väter nicht vergessen." 

Parascha XXXVIL 

Cap. XXVIL V. 2. Wenn einer ein Gelübde thut, so 
sollen nach deiner Schätzung die Seelen dem Ewigen 
gelten. Das sagt auch Koh. 5, 4: „Besser, du gelobst gar nicht, 
als dass du gelobest und nicht erfüllest." R. Meir und R. Jehuda. 
R. Meir sagt: (Der Sinn der Worte ist:) Gut ist der, welcher nicht 
gelobt, und gut ist der, welcher gelobt und bezahlt. Ein Beweis 






Par. XXXVII. Cap. XXVII, 2. 259 

ßr R. Meir ist Ps. 76, 12: „Gelobt und bezahlt dem Ewigen, eurem 
Gott" R. Jehuda aber sagt: Gut ist der, welcher nicht gelobt, 
find besser als beide ist der, welcher überhaupt gar nicht gelobt, 
sondern sein Lamm in die Halle bringt und es da heiligt und 
schlachtet, wie es heisst Deut. 23, 22: „Wenn du das Geloben unter- 
lassest, so hast du keine Sünde auf dir." Es hatte einer gelobt, 
criählte Rab Huna, und sein Gelübde nicht erfüllt, er machte eine 
Reise auf dem grossen Meer und erlitt Schiffbruch (eig. sein Schiff 
sank) und er starb im Meere. R. Samuel bar Nachman sagte: Wer 
ein Gelübde thut und säumig in der Erfüllung desselben ist, geräth 
2Qletzt in Abgötterei, Unzucht, Blutvergiessen und Verläumdung. 
Von wem lernst du das alles? Von Jacob, der, weil er in der 
Erfüllung seines Gelübdes säumig war, zuletzt in das alles gerieth, 
IQ Abgötterei s. Gen. 35, 2: „Jacob sprach zu seinem Hause: 
Entfernt die fremden Götter," in Unzucht von der Dina, wie es 
heisst das. 34, 13: „Dina ging heraus," und Blutvergiessen s. das. 
34, 25: „Es war am dritten Tage, als sie (die Sichemiten) Schmerzen 
hatten,"*) und Verläumdung das. 31, i: „Und er (Jacob) hörte die 
Worte der Kinder Labans."**) Die Rabbinen sagen: Wer ein Ge- 
lübde thut und säumig in der Erfüllung ist, begräbt sein Weib, wie 
es heisst das. 48, 7: (Jacob sagte:) „Als ich von Padan kam, starb 
bei mir Rachel." R. Samuel bar Rab Jizchak sagte: Wer sein Ge- 
läbde erfüllt, der hat für das Gelübde und für die Erfüllung Lohn 
zu en^-arten, wie es heisst Ps. 76, 12: „Gelobet und bezahlet dem 
Ewigen, eurem Gotte." Wer aber gelobt und die Erfüllung seines 
Gelübdes aufschiebt, zieht sich selbst den Tod zu, wie es heisst 
Deut. 23, 21: „Der Ewige, dein Gott, wird es von dir fordern" d. i. 
an dir wird es bestraft werden (du wirst es selbst büssen müssen) 
und nicht an deinem Gelde. R. Ami sagt: Der Tod ist nicht ohne 
Sünde, sowie Leiden nicht ohne Schuld sind; der Tod ist nicht ohne 
Sünde, wie es heisst Ezech. 18, 20: „Die Person, welche sündigt, 
soll des Todes sterben," und Leiden sind nicht ohne Schuld, wie es 
beisst Ps. 89, 33: „Ich werde ahnden mit dem Zuchtrohr ihre Misse- 
Ihat und mit Plagen ihre Schuld." R. Simeon ben Jochai sagte: 
Sowie man bei den Gelübden nicht wortbrüchig sein und nicht hinaus- 
schieben darf, so darf man auch bei den Schätzungen nicht säumig 
sein und hinausschieben. Darum warnt Mose die Israeliten und 
sagt: „Wenn einer ein Gelübde thut, so sollen nach deiner Schätzung 
die Seelen dem Ewigen gelten." 

Oder: „Wenn einer ein Gelübde weihet." In Verbindung mit 
Hi. 34, 11: „Nach der That wird dem Menschen vergolten und nach 
jegliches Wandel lässt er ihn finden." 

Ein Mann hatte zwei Söhne, einer von ihnen war wohlthätig, 
der andere von ihnen that aber durchaus gar nichts, jener, der 



•) Von der Beschneidung. 
**) Die raissgünstig waren. 

17* 



26o Par. XXXVII. Cap. XXVII, 2. 

wohlthätig war, verkaufte sein Haus und alles, was er hatte, und 
verwandte den Erlös auf gute Werke. Eines Tages am Schlüsse 
des Laubhüttenfestes (eig. am Tage des Hosianna) gab ihm sein 
Weib zehn Obolen mit den Worten: Geh und kaufe für deine Kinder 
etwas auf dem Markte. Als er auf den Markt kam, begegneten 
ihm die Almoseneinsammler; sie sprachen: Siehe, da kommt der 
Herr der Wohlthätigkeit. Sie redeten ihn an: Gieb deinen Theil 
zu dem wohlthätigen Zwecke her, denn wir wollen ein Kleid (Ka- 
misol) für eine Waise kaufen. Er nahm die zehn Obolen und gab 
sie ihnen und schämte sich nun nach Hause zu gehen. Er ging 
in die Synagoge und sah dort Ethroge, wie die Kinder sie am 
Laubhüttenfeste (am Tage des Hosianna) zerbrechen; und dort*) 
ist gelehrt worden: Sofort werfen die Kinder ihre Lulab (an 
diesem Tage) weg und essen ihre Ethrogim. Er nahm solche von 
ihnen, füllte damit den Sack voll, trat eine Reise auf dem grossen 
Meere an, bis er in das Land eines Königs kam. Da angekom- 
men, begegnete es dem Könige, dass er am Durchfall litt. Man 
sagte ihm im Traume ein Heilmittel: Iss von den Ethrogim der 
Juden, die sie am siebenten Tage des Laubhüttenfestes beim Ge- 
bete in der Hand haben und du wirst genesen. Man durchsuchte 
zu der Stunde alle Schiffe und alle Städte, fand aber keinen. End- 
lich kamen sie zu dem Mann, welcher auf einem Sacke sass. Sie 
fragten ihn: Hast du etwas bei dir? Er antwortete: Ich bin ein 
armer Mann, ich habe nichts zu verkaufen. Man durchsuchte seinen 
Sack und fand solche Ethroge darin. Man fragte ihn: Was ist 
das? Er antwortete: Es sind solche von Juden, mit denen sie am 
Laubhüttenfeste (am Tage des Hosianna) beten. Sie trugen den Sack, 
und brachten ihn vor den König. Derselbe ass die Ethroge und 
genass. Er leerte den Sack und füllte ihn mit Denaren. Hast du 
sonst noch nach etwas Verlangen? fragte ihn der König, ich will 
es dir gewähren. Ich habe die Bitte, dass mein Besitzthum wieder 
an mich zurückkomme**) und dass das ganze Volk mir entgegen 
komme. Es geschah so. Als er in die Stadt (worin er wohnte) 
kam, ging ein Ausrufer vor ihm her, dass das ganze Volk ihm 
entgegen komme. Auch sein Bruder und dessen Kinder gingen 
heraus ihm entgegen. Als sie einen Strom durchschritten, warf 
dieser über sie eine Welle und überschwemmte sie. Er ging nnn 
in Gedanken fort und es fand sich,***) als er in das Haus desselben 
eintrat, da nahm er alles, was seinem Bruder gehörte, in Besitz, 
um zu erfüllen, was gesagt ist Hi. 34, 11: „Nach dem Thun des 
Menschen vergilt er ihm." 



•) Succa IV, 7. 

**) Dass das, was ich verkauft habe, wieder an mich zurückkomme 
und ich will ihnen das Geld wiedergeben. 

•♦♦) Anstatt nsnc^in will M. K. lieber lesen: rcntC'm, so dass der Sinn 
wäre: VHK »D3i bs »n^l DWi KIM K^Oil, es traf sich (es fügte sich), als er 
hineinging, dass er das ganze Vermögen seines Bruders erbte. 



Par. XXXVII. Cap. XXVII, 2. 261 

Oder: „Nach dem Thun des Menschen vergilt er ihm" d. i. 
Mose, wie es heisst Ex. 2, 11: „Und es geschah in densslben Tagen, 
ab Mose herangewachsen war, da ging er hinaus zu seinen Brü- 
<^em und sah ihre Lasten." Was sah er da? Er sah die Last eines 
Mannes auf einer Frau und die Last eines Grossen auf einem Klei- 
^n und die Last eines Jünglings auf einem Greise; er ordnete 
'Jün ihre Lasten zwischen dem Mann und dem Weibe, zwischen 
^em Grossen und dem Kleinen, zwischen dem Jungling und dem 
Greise. Da sprach Gott zu ihm: Du hast einst die Lasten meiner 
Ainder geordnet (nij^?), bei deinem Leben! du wirst einst ihre Ge- 
^^bde zwischen Mann und Weib, zwischen Gross und Klein, zwi- 
schen Jung und Alt ordnen und entscheiden! Das steht nun auch 
^ier: „Und der Ewige redete zu Mose also: Sprich zu den Kindern 
Israels: Wenn ein Mann ein Gelübde thut, so sollen nach deiner 
Schätzung die Seelen dem Ewigen gelten." 

Rabban Gamliel lustwandelte einmal von Akko nach Kesib*) 

Und sein Knecht Tabi ging vor ihm her und R. Hai hinter ihm. 

Da sah er einen Laib Brot auf dem Wege liegen und er sah einen 

I^eiden und sprach zu ihm: Mabgai, hebe den Leib Brot auf! Er 

hob ihn auf und gesellte sich zu ihm (Hess sich mit ihm in einen 

Disput ein). R. Hai fragte ihn: Wie ist dein Name? Er sprach: 

Mabgai. Der Rabbi sprach: Hast du jemals den Gamliel gegrüsst? 

l^ein! lautete die Antwort Der Rabbi: Aus welchem Orte bist du? 

M.: Ich bin aus jenen Städten, die aus Einliegerhütten bestehen. 

Da haben wir drei Dinge gelernt: i) Dass das Gesäuerte eines 

"Heiden nach dem Pesachfeste erlaubt ist (genossen werden darf), 

2) dass er (Gamliel) im heiligen Geiste erschaut hatte, dass sein 

Käme Mabgai war, 3) dass man an Speisen nicht vorübergehen 

soll. Das ist aber nur, sagte R. Jacob bar Sabdi im Namen des 

K. Abuhu, damals gesagt worden, jetzt aber geht man an Speisen 

vorüber (hebt sie nicht auf) wegen Zaubereien. Sie kamen nun 

nach Kesib und assen und tranken. Da kam ein Mann, um sich 

sein Gelübde lösen zu lassen. Da sagte Rabban Gamliel zu R. Hai: 

Berechne einmal, ob wir wohl ein Viertel Mass italienischen Wein 

getrunken haben?**) Er sagte: Jawohl! Komm hinter uns her, 

sagte er zu dem Bittenden, bis sich mein Rausch verloren hat. Der 

Mann folgte ihnen, bis sie die Anhöhen von Tyrus erreicht hatten. 

Dort angekommen, stieg R. Gamliel vom Esel, hüllte sich in seinen 

Tallith (seinen Gebetmantel) und Hess sich da nieder. Da haben 

wir viele Dinge (an diesem Tage) gelernt: i) dass ein Viertel Mass 

Wein berauscht, 2) dass der Weg den Wein verrauschen macht, 

31 dass Weinberauschte nicht lehren sollen. Und von ihm haben 

wir drei Dinge gelernt: i) dass Gelübde weder im Rausche, noch 



•) S. Tr. Erubin fol. 64 b. 
**) Da wären sie betrunken gewesen und er hätte das Gelübde nicht 
losen können. 



262 Pa«^- XXIX. Car, XXI II, 24. 

• 

beim Reiten und Stehen, sondern nur im Sitzen verhüllt gelöst 
werden können. Womit hat R. Gamliel wohl seinen Vortrag be- 
gonnen? R. Jochanan sagte: Mit Prov. 12, 18: „Es giebt, die mit 
Reden herausfahren wie Schwertstiche, die Zunge der Weisen aber 
ist Heilung." Mit Recht sollte jeder, der unbesonnen Gelübde ge- 
than, mit dem Schwerte erstochen werden.*) Worin besteht seine 
Heilung? „Die Zunge der Weisen ist Heilung." Er gehe zu Weisen 
und sie lösen ihm sein Gelübde. Darum warnt Mose die Kinder 
Israel und spricht zu ihnen: „Wenn jemand ein Gelübde dem Ewi- 
gen weihet." Vier (Männer) haben Gelübde gethan, drei (von ihnen) 
haben auf eine ungeziemende (unpassende) Weise verlangt und Gott 
hat ihnen geziemend (passend) geantwortet und einer hat ungezie- 
mend verlangt und Gott hat ihm ungeziemend geantwortet. Es sind 
diese: Elieser, der Knecht Abrahams, Saul, Jephta und Caleb. 
Elieser verlangte ungeziemend, wie es heisst Gen. 24, 14: „Das 
Mädchen, zu dem ich sagen werde: Neige doch deinen Krug!" 
Gott sprach zu ihm: Wie ist es denn aber, wenn eine Magd (Scla- 
vin), oder eine Heidin, oder eine Buhlerin herauskommt, wirst du 
sagen: Sie ist deinem Knechte Jizchak bestimmt? Allein Gott be- 
wirkte es und bestimmte ihm die Rebecca. Caleb verlangte un- 
geziemend, wie es heisst Jos. 15, 16: „Und er sprach: Wer Kirjath- 
Sepher schlägt und erobert, dem will ich meine Tochter Achsa zum 
Weibe geben." Gott antwortete ihm: Wenn es aber ein Heide, 
oder ein Bastard, oder ein Sclave erobert, wirst du ihm deine Tochter 
geben? Allein was that Gott? Er bestimmte ihm seinen Bruder 
(er fügte es, dass es sein Bruder war), der es eroberte, wie es heisst 
das. V. 17: „Und es eroberte sie Othniel ben Kenas." Saul ver- 
langte ungeziemend, wie es heisst i Sam. 17, 25: „Wer ihn (Goliath) 
erschlägt, den will der König bereichern mit grossem Reichthum 
und seine Tochter will er ihm geben." Gott sprach: Wie ist es 
denn aber, wenn ein Heide, oder ein Bastard, oder ein Sclave ihn 
erschlägt, würdest du ihm deine Tochter geben? Allein Gott be- 
stimmte ihm den David (fügte es, dass es David war), und der 
König gab ihm seine Tochter Michal. Jephtach verlangte unge- 
ziemend, wie es heisst Jud. 11, 31: „Es soll, was aus der Thüre 
meines Hauses herauskommt, dem Ewigen geweiht sein." Wenn ein 
Kamel, oder ein Esel, oder ein Hund herauskommt, wirst du ihn 
als Opfer darbringen? Allein Gott antwortete ihm nicht geziemend, 
sondern bestimmte ihm seine Tochter. Als er diese sah, zerriss er 
seine Kleider. Da hätte er sich aber sein Gelübde doch lösen lassen 
und zum Priester Pinchas gehen können? Allein er dachte: Ich 
bin König und soll zu Pinchas gehen? und Pinchas dachte wieder: 
Ich bin Hoherpriester und der Sohn eines Hohenpriesters und ich 
soll zu diesem Ungebildeten (y^NJi Dr) gehen? Unterdessen ging 
die Arme zu Grunde und beide haben ihr Blut verschuldet; dem 



•) S. Erubin fol. 64 b. 



Par. XXXVII. Cap. XXVII, 2. 263 

Piocbas wurde der heilige Geist entzogen, wie es heisst i Chron. 
9,20: „Und Pinchas, der Sohn Eleasars, war Fürst über sie vor 
Zeiten/' und Jephtach fiel ein Glied nach dem andern ab, und 
sie wurden begraben, wie es heisst Jud. 12, 7: „Er wurde begraben 
in den Städten Gileads." Es heisst nicht: nrba "r^yn, in der Stadt 
Güeads, sondern: "^irn, in den Städten, woraus hervorgeht, dass 
ein Glied nach dem andern ihm abfiel, und sie wurden an vielen 
Orten begraben. R. Simeon ben Levi und R. Jochanan. R. Simeon 
ben Levi sagte: Er wäre wenigstens verpflichtet gewesen, Geld zu 
geben und auf dem Altare darzubringen. R. Jochanan aber sagte: 
Aach Geld war er nicht schuldig, denn es ist gelehrt worden: 
Nv etwas, was würdig ist, um dargebracht zu werden, darf auf 
dem Altar dargebracht werden, etwas aber, was nicht würdig ist, 
am dargebracht zu werden, darf nicht auf dem Altar dargebracht 
'erden. Und nicht nur das, sondern jeder, der gelobt und sein Ge- 
lübde bezahlt (erfüllt), verdient, dass er einst sein Gelübde in Jeru- 
salem bezahle. Das ist es, was geschrieben steht Ps. 116, 18: 
»Mdne Gelübde will ich dem Ewigen bezahlen." Wo? V. 19: „In 
den Vorhöfen des Hauses des Ewigen in deiner Mitte, Jerusalem, 
Halleinja!" Und ferner heisst es Ps. 106, i: „Danket dem Ewigen! 
^nn er ist gütig, denn ewig währt seine Gnade." 



Nachweis der Quellen und Parallelen 



zu 



Midrasch Wajikra rabba. 



Par. I. Zu: nriD iSia« •^a'n s. Gittin fol. 56. 

Zu: nr^üopn nvbn« im« V^'^P'^ m s. Schir hasch, r. zu 2, ii 

Par. II. Zu: nbis n^inn n« D-^-^p Dti^n« s. Joma fol. 28. 

Par. IV. Zu: rrdb bfit'n«'^ nb«?35 s. Mechilta Jithro zu dem 

Par. V. Zu: in«« it s. Schabb. fol. 118; Gittin fol. 32. 
Zu: '5T mn «nü «0'^^«?3 mn s. Sanhedr. fol. 107. 

Par. VL Zu: Dbiy ^b)3i D'^-'n ö-^Sib« «in« V^N Y« s. 
Pes. 14. 

Par. VIII. Zu dem ersten Proöm über Ps. 75, 8 s. Pesikta de Rab 
Kahana Piska II (£d. Buber p. iib) u. Beresch. r. Par.~68. 
Zu: m^"»©"! "^^a s. Sanhedr. fol. 22; Sota fol. g. 

Par. IX. Zu: «nn öbn« "»Dna^*» riTn öbis^n s. Sanhedr. fol. 43b. 
Zu: b© •jD^TO'^ t^^yn bis nnyittj"^© m«'np73n ya nn« m 

bN^iD"^ s. Jer. Succa c. IV. 
Zu: n^ina rnsna •^'nan ö-^mn^rt i^m«) öib« bma s. Jebam. 

fol. 65; Bemidbar r. Par. 11. 
Zu: rt^ma TT^nn ymb ö'^ainsn n^a'i«: önbic bna s. Jebam. 

fol. 65. 

Par. X. Zu: ima^rn T^br inTay pb ^73« «biö IT^^ s. Bemidbar r. 

Par. 16; Sanhedr. fol. 108. 
Zu: ö-^'iDS» D-^nann ^5 ö-^^dsts man'npnttJ Dic^ s. Sebadh. 

fol. 88. 
Zu: bn ^m?3a n®» rrios^® nn«»n "jTa«: s. Horijot fol. 11. 
Zu: m?3ip73n p in» -it «b« sr^by "j-^nTans^ bN'niD'^ bin s. Joma 

fol. 21; Bemidb. r. Par. 19. 



Kachweis der Quellen und Parallelen. ^ge 

Zu: D-'NnsnTa D'^^'^a^rT bs« s, Pesikta de Rab Kahana Piska 

Zu: n-'yTa« «nn «nb^a «T'T Y« s. Pesikta de Rab Kahana 

Piska nm©. 
Zu der Auslegung zu D'^iann n«i s. jer. Joma VI, fol. 44^0. 
Zu der Auslegung zu rrniDTon ptts n«"i bis msb» ömDbTa« 

fi'^Tabiy s. jer. Schekalim VI, fol. 4g c. 
Zu: lyi-Q briN nne b« bnpn mm bs dni bis Schluss des 

Kapitels s. Beresch. r. Par. 5. 

^ar. XL Zu: rrsinsa iDTo^b» n®73 y3»3 «b "imwa b«'n®'^ rn^s 

rtbna s. Pesikta r. Pes. 14. 
Zu: 'dt nDon •^73-' nya® bs iTaipti «na b«n73« a*i ^73« s. Be- 

midb. T. Par. 21. 
Zu: 'Dl ^"173« «'^•^n 'm «?3-in5n 'n s. Bemidb. r. Par. 20. 
Zu: iTiJfii'nn öT^a Si^a^pri «"in® ^in s. Chag. fol. 12; Beresch. r. 

Par. II u. 12; Bemidb. r. Par. 13. 
Zu: sibiay Tina "^atriD v^'iJ^^O s. Sanhedr. fol. 36h. 

^^. XIII. Zu: riDbn 157373 rtb735^n5T rt®73 o^D s. Pesach. fol. 66. 
Zu: «73Ü riTi 'mnü nt s. Chag. fol. 10. 

^^. XIV. Zu: 'dt tidst «"nas v^^^'^^ "i*» s« Erubin fol. 18. 

Zu: rjtn rrT b« im73n "lat Jit V'^'^*'^ s. Berach. föl. 60a. 
^^. XV. Zu: 'dt «73'^5i «73'^5 bD ^b V^ s. Baba batra fol. 16. 

Zu: 'DI "rnnb n«3tb «pn73 nn« t^idd^t s. Bemidb. r. Par. 13. 

Zu: in^bm mbbp73 mbbpi s. Ruth r. Par. i. 

Zu: 'st D'»ya:ri n« nsTT ai^p V'^ s. Negaim c. IL 

^^T. XVL Zu: pb nt:p rtüTsn u:'»73\Dn ö'^73Dn TT73« ibiDi s. Be- 
resch. r. Par. 47. 
Zu: inbcn nyTSttssiö naüT73 «rr» s. Berach. fol. 34h. 

Par. XVII. Zu: nn73'^« V'^itiTST V'^'^'^^ "^^"^ s. Joma fol. 11. 

zu: D-'-iHNb rnsn-'b n^tT^ t:*»«! ibin-^a nn*''»« "^73 s. Joma fol. 11; 

Erubin fol. 16. 
Zu: Drr^by D-^fiin D-^a^as«: s. Horijot fol. 10. 

Par. XVIIL Zu: ön« br «35n»T rf^n ■•tstt« Tä s. Sanhedr. fol. 39. 

Par. XIX. Zu: öbir n^-^Tab rrmn nTsnp nit: fi-^Db« "«ä«: s. Be- 
midb. r. Par. 5 u. 14. 
Zu: nb"«bm D-r^a T»« b"T s. Erubin fol. 65a. 

Par. XX. Zu: ^^y in TTS« Va ')Ty73tt3 't s. Baba batra fol. 78. 
Zu: r'^n73p p "jis^öttJa n^y73 s. Joma fol. 47; Horijot c. 3; 
Moed katan fol. 28. 
Par. XXL Zu: :iTC2p73 p^ri tii^ti n73'^ bD« s. Nedarim fol. 32b. 

Pan XXIL Zu: 'dt ««"^d mDy iß-^nb Dt3 •^T73N «rr^-^Tm s. Be- 
resch. r. Par. 22. 

Fax. XXIII. Zu: 'dt Nn-'DTD p^ib Tn-^T*^ mib «j-^Tsbn v^^^ s. Kid- 
dusch, fol. 72. 
Zu: 'dt nT2T «i:T73 nn«XD öTp73 bD s. Beresch. r. Par. 26. 



266 Nachweis der Quellen und Parallelen. 

Zu: bi ütT^by pi:*^ qpn® p nttsb^ s. Ruth r. Par. 6; San- 
hedr. fol. 20. 
Par. XXIV. Zu: 172» »n« ''n fi«n «Dirt n^ s. Berach. fol. 60h. 

Par. XX VI. Zu: Tcnib ib Tna» "^rön: »na bwiria *n"« s. Beresch. 

T. Par. 85. 
Zu: b^!fiJ2 rtriN nw ^«15 nn« nwb ib i^»« s. Thaanit fol. 8; 

Kohel. r. Par. 10. 
Zu: bi «ra:*^ DIN »rr^ «b» y^K »i^n n'mn »im^sb s. Beresch. 

r. Par. 55. 
Zu: bi •^'nm r« 5^»«« 'jt'S ■»r!a:"«n73n "^rr isnr s. Berachot 

fol. 12; Erubin fol. 53. 
Zu: rt3Dn«i "im m^n n«rb nn"pn 'jn«*!ntt3 n72b73 s. Sanhedr. 

fol. 38; Aboda sara fol. 5; Mechilta, Ende nbica; Sifre, 

Ende nD'nn. 
Zu: c^T^b T^'ii: ^73«"«-i ^73nN «nsi« fi-ip73 bD s. Megilla fol. 16. 
Zu: c-'rxDai "TÄiyn •^nsn nsn n?2Dn:a fi"»^m 'nn s. Joma fol. 18. 

Par. XXVIl. Zu: -»^ninNb «"»irp NDb?2 "^nab bTN linpTa oi-n:oDbN 

s. Tamid fol. 30. 
Zu: i73!a:y "»503 iny nb «■» p-^n^ti p"»nat bD® n73b?3 s. Schabb. 

fol. 154; Kohel. r. s. v. DnKn ^bin "»S. 
Zu: •'b DPN rnN riTaiN na"prr "i^d« nn« «in "»iT^ ircb s. 

Schabb. fol. 31; Beresch. r. Par. 99. 

Par. XXVIII. Zu: nab 'nty^bN »'it'p nn D«n ^rs 'Ä-pb «-«»n 
'dt JT^n s. Nedarim fol. 32; Beresch. r. Par. 43. 

Par. XXIX. Zu: 'dt na®n>Da nby n:i)CK^ nrt:n n"^ öi-'a s. 

Sanhedr. fol. 38. 

Zu: DS'^tsyTa i^Dt3 ntn ®nnn ^nsittsa öd-^^ss^ts i^inn s. Rosch 
hasch, fol. 8. 
Par. XXX. Zu: trntts« b« biDD ^a-^m biian nbib s. Succa fol. 29. 
Zu: nn« fiyc nntTsn ns pc^pTS öm er bsn s. Succa fol. 45. 
Zu: 'dt n3«a i^Deti üT^n nb-^ba «in CT^n s. Succa fol. 43. 
Zu: 'dt '1731« iiD'nü 'n D"»'n73n didd s. Succa fol. 32. 
Zu: iitfÄnn örn ö^b cnnpbn mstn s. Schemot r. Par. 15. 

Par. XXXI. Zu: 'dt "^72 bD 'n73Ni 'nTat3 ^b)3b n"n73b nb«73 s. Joma 
fol. 86. 
Zn: 'dt mnD nn« mnD 'n72tN ^a'n s. Chagiga fol. 12. 
Zu: b'^üp q^t3 imz s. Beresch. r. Par. 33. 
Par. XXXIL Zu: •^nnii?: b« v^*'^"' öN "^n "•:« ^nm •'D«n s. San- 
hedr. fol. HO. 

Zu: bn na"prt nb «'na iis'^'t^ddd b® axn73 s. Nedarim fol. 38. 
Zu: rr^n ^i^a ^tWT: s. Schemot r. Par. i. 
Par. XXXIII. Zu: iDn'^''?3 b'^nrn s. Sanhedr. fol. 82b; Bemidbar 

T. Par. 21. 
Zu: "137373 n^D73r "^Dl s. Beresch. r. Par. 65 u. 73. 
Zu: Düinn fiy 0*^3^ qiat'iD br »b« ^t^s^ts -p^ s. Jebamot, 

letzte Mischna. 



Nachweis der Quellen und Parallelen. 267 

^ar. XXXIV. bn ^nn«: «in babn rtTn nain bbaa -»rD s. Schabb. 

fol. III. 

Zu: 'di ^n7:bb «b.x nab n«» fiy «b» Si«y «b «bm s. Be- 

rach. fol. 63. 
Zu: Dna«3 ^öiTa'nb rrmü p-^Tnnb la« t»^'^'^^ s. Kethub. fol. 66. 
Zu: 'dt NTsn «n« t:"»'n •^b-'ba tr'b ^■'?3T 1^ •^"n«:'n s. Baba 

batra fol. 10 a. 
Zu: -iicy bu? nyatt)b n^b C«i ap3>"» b«3 na^'nb s. Baba batra 

fol. 10 a. 
Zu: 173*13 Tinb «if^® ^n« T^ona rt«y73 s. Schabb. fol. 150. 
Zu: ö^TiDDn öT« HT nniD?: 'n «inpnbn s. Schabb. fol. 119. 
I^atr. XXXV. Zu: «p'nya np3>"»n rT»n'nab «ns^D» n«-' s. Chagiga 

fol. 9b; Schir hasch, r. Par. 2. 
Zu: 'dt n^mn fibi5?b nsn» nsni 'a s. Schemot r. Par. 41. 
Zu: 'dt -»aiya t»tti"» ö"«73«am isr^bs "^iiCD ö-^d«} '-«en s. Thaa- 

• Dit fol. 8. 
Zu: 'dt mb-^ba Yi'iv fi-^Ts^a T^n ^bTan on^^n •'73"«a s. Thaa- 

nit fol. 23. 
Zu: 'a n:? ^?3i« -«Ot« '^ '3 i:? 'nTanfi« ^"»«la S s. Thaanit fol. 5. 

LF. XXXVI. Zu dem Proora über mo"» y'n«tl C"»3cb s. Beresch. 
r. Par. i. 
Zu dem Proöm yi nsp-» «b T^b T» s. jer. Sanh. X, fol. 27 d; 
Zu: 'lai N^n r-^TCNin "«ntctd n"»n s. Chagiga fol. 12. 
Zu: ib«^«"«) [np5?"«] rr^a b« 'n 'nr« rtD s. Sanhedr. fol. 19b. 
Zu: 'dt •,t:nD73 bat"«: »b Dn^nn« s. Beresch. r. Par. 63. 
Zu: 'an rr^ai^riN nia« Tn?3N3 n73bn s. Sifra z. St. (Ed. Weiss 

p. 112 c). 
Zu: n73"«p ma» mat "^n?: ny s. jer. Sanhedr. X, fol. 27 <l. 

Par. XXXVII. Zu: iru:« r« «naip nnna nn^CTai ^m:^ "^73 b: s. 

Schabb. fol. 32. 
Zu: a-^Tab nar 173 b-i-^üW mn :i"'n s. Erubin fol. 64b. 
Zu: nocn 'nn«b ^m73 -»la bia liSTsn«} s. Pesachim fol. 28. 
Zu: vbsiÄi^ by v*^*"^^"^ V**^ s. Baba mezia fol. 23. 
Zu: ^iTsnn byJ2 b«"«b?3a ia*n ib Tt» s. Nedarim fol. 76. 
Zu: nb nrD nm iTcba s. Nedarim fol. 23. 
Zu: pina Nbia ibNiö n^bu: s. Thaanit fol. 4; Bereschit r. 

Par. 60. 



Noten zu Midrasch Wajikra rabba 



von 



RABBINER Dr. J. FÜRST. 



S. I, Z. 8 u. 10 mass es heissen: „weil sie bei den Geboten Gottes be- 
stehen können." Z. lO: „unter den Geboten Gottes nicht bestehen 
können." vptr\ ist überall das Targum zu mso. Auch giebt der Satz: 
„Die Unteren können nicht unter der Aufsicht Gottes stehen** keinen 
richtigen Sinn. 

Das. Z. i8, Ende ff. muss es heissen: „Weil in der Zeit, da der heilige 
Geist auf ihm ruhte, sein Antlitz wie Fackeln leuchtete (brannte).'* Es 
ist hier Bezug genommen auf Taanit fol. 4 &, dass von Pinchas der hei- 
lige Geist gewichen, zur Strafe, weil er nicht zu Jephta gegangen, um 
ihm sein Gelübde zu lösen; denn nach i Chron. 9, 20: „war vormals 
der Ewige mit ihm.« 

Das. Z. 6 V. u. muss es heissen: „von Hause aus (vermöge ihres Berufes) 
werden die Propheten Engel genannt, wie es Hagg. i, 13 heisst: „Und . . • 
Daraus siehst du, dass die Propheten von Hause aus (vermöge ihres 
Berufes) Engel genannt werden." 

S. 2, Z. 3 muss es heissen: „wird er es vielleicht auch in den übrigen 
Tagen des Jahres thun?" 

Das. Z. 5 V. u. muss es heissen: „warum heisst er (der Altar) aber Libanon ?** 

S. 5, Z. 13 V. u. muss es heissen: „und warte (avi), bis man dir sagt: 
steige herauf, und steige nicht herauf, damit man nicht zu dir sage: 
gehe hinab." 

S. 6, Z 15 muss es heissen: „Im Laufe der Welt ist es, wenn einer Gold, 

Silber und alle herrliche Kostbarkeit in der Welt besitzt, aber 

es fehlt ihm an Einsicht: was hat er für Genuss (Nutzen) davon ?^ 
Es ist statt r\yv naiöi: dSijdb' man 'Sa Sai mit Jalkut zu lesen njrn: 
dSiJDB^ naiö mon Sai zu lesen; und statt n"3p ist mit Jalkut n^un au 
lesen. 

S. 8, Z. 19 ff. muss es heissen: »wie wohlthätig für sie das Veisammlungs- 
zeit gewesen, sie würden es mit Redouten und Castellen (nicht: Zelten 
und Lagern) umgeben haben (um es zu schützen)." 

Das. Z. 22 muss es heissen: „in ihren Wohnhäusern" (navoixla), 

S. 10, Z. II ff. muss es heissen: „Dem Gelehrten, der keine Einsicht hat, 
ist ein Aas vorzuziehen (eig. ein Aas ist besser als er)" Aus der Be- 
gründung ist zu sehen, dass n^n hier nicht „Wissen*' heissen kann, 
sondern: Einsicht, Takt, gute Sitte. 



Noten zu Midrasch Wajikra rabba. 200 

^' 10, Z. 8 V. u. Ende: ,iWie eincu, den er auf seinen Schoss (zwischen seine 
Koieen) setzt. 

^« II, Z. 8 V. u. muss es heissen: „Hätte ich es ihm nicht gegeben?" 

^^. Z. 7 V. u. ff. muss es heissen: „Hat er sie denn nicht um Geldes- 
werth genommen? Sind die Schwärme von Mücken und Gewild nicht 
Geldes werth?" R. Jizchak sagt nämlich gegen R. Abba: Auch schon 
dadurch, dass Gott Mücken und Gewild über Pharao brachte, die ja 
einen grossen Geldwerth darstellen, hat Gott gezeigt, dass Israel ihm 
theuer ist, dass also das Wort: „Ist Ephraim mir ein theurer Sohn ?" 
hier anwendbar ist. 

^* 13, Z. 4 muss es heissen: „sprich zu den Kindern Israels" (es wird ein 
weiterer Vers angeführt, nämlich der Vers: „sprich zu den Kindern 
Israels." Und Gott antwortet: Desshalb befehle ich dir: „befiehl den 
Kindern Israels, rede zu den Kindern Israels, sprich zu den Kindern 
Israels"), „weil sie mit mir zusammenhängen, fest an mich gefügt 
sind." 

^» 14, Z. 15 V. u. muss es heissen: „und Nichts opferte, was geraubt oder 
erpresst war" (denn es war ja Alles sein Eigenthum; er war ja der 
einzige Mensch auf Erden, also Herr über Alles). 

. Z. 13 V. u. muss es heissen: „Und wenn du so thust (nichts Geraubtes 
opferst — " es ist kein Gegensatz, sondern Bestätigung des Vorher- 
gehenden). 

15, Z. 9 ff. muss es heissen: „Das ist meine Herrlichkeit, dass ich euch 
aber die Völker der Welt erhöhet habe. Hat meine Herrlichkeit und 
das Haas meiner Residenz dadurch eingebüsst (durch eure Gräuel)?" 

^s. Z. 21 muss es heissen: „ungerechnet die siebzig Völker, die auf Erden 
sind** (welche alle mich loben). 

^. Z. 22: Statt: „Weil ihr garstige und ungehörige Dinge thut, erzürnen 
sie euch durch Leiden, die sie über euch bringen," muss es heissen: 
„Weil ihr (zu lesen: cnKty »360) . . . thut, erzürne ich euch (zu lesen: 
*5C^y30) durch Leiden, die über euch kommen." 

^. 16, Z. 1 muss es heissen: „und ungetheilt (wird es dargebracht). (Ferner 
beschlossen sie) über das Salz und die Holzopfer u. s. w. (dass die 
Priester sie benützen dürfen. Siehe Schekalim VI, 7. 8)." 

Das. Z. 6 muss es heissen: „und warnten sie n^3?0 heisst hier: warnen). 
Weil sie, obwohl durch die sieben Propheten gewarnt, doch nicht 
folgten, sind sie straffällig. Ebenso 

Das. Z. 10 muss es heissen: „und man hat uns seitdem nicht gewarnt." 

Das. Z. 15. 16: „von da an und weiter sind es die Proselyten des Zeitalters, 
welche ihre Zeilgenossen warnen." (T3?n, vorher zum Zeugen aufrufen 
gegen Jemand, Jemand warnen (s. i B. M. 43, 3; 5 B. M. 31, 28). 
Das. Z. 22 muss es heissen: „Wein dem Götzen opfert, oder: erlaubten 
Wein mit Götzenwein mischt." 

S. 18, Z. 11: Statt: „und sie nicht übt," besser: „und nicht geläufig darin 
ist." Kenner von Midda und Mechiltha ist hier Kenner von Traditionen. 

Das. Z. 23 muss es heissen: „um Zins entleiht." 

I>as. Z. 5 V. u. muss es heissen: „und ausgätet." 

S. 19, Z. II muss es heissen: „werden." Denn es steht nicht 'f^Hiiy son- 
dern |»Sk:I3, Praesens. 

Das. Z. 16. 17 muss es heissen: ,,Damit sie dafür gestraft werden;" eig. soviel 
Böses in dieser Welt zu thun, „hinreichend zur Bestrafung dafür in 
der künftigen Welt." 

Das. Z. 20 v. u. muss es heissen: „haben wir nicht selbst es uns gewählt?" 
Als sie nämlich unter Josua das Land Kanaan erobern halfen, rühmten 



270 Noten zu Midrasch Wajikra rabba. 

sie dessen Trefflichkeit gegenüber dem Ostjordanland; sie sagten sich 
aber dann: wir können es nicht ändern, da wir unter Mose uns selber 
das Ostjordanland gewählt haben. S. auch Midr. Kohelet zu dem V. 

S. 19, Z. 17 V. u. muss es heissen: „es war ihr eigener Wille." 

Das. Z. 15. 14 V. u. muss es heissen: „das fein zerstossene Räucherwerk der 
Gemeine" (am Versöhnungstag dargebracht). 

S. 20, Z. 6 V. u. muss es heissen: „Gott hat auch von dem Seinigen eine 
Sühne mehr gegeben.** TTiMl entspricht dem (hAdS) t\^\. 

Das. Z. 3 V. u. und S. 21, Z. 4 muss es heissen: „Er soll absondern den 
Magen und Kropf mit dem Unrath," wie auch aus dem Midrasch sich 
ergiebt. 

Das. Z. 4: „Aber das Vieh, das an der Krippe seines Herrn (nS^n» nicht: 
nSj{a mit Blätterwerk). 

S. 22, Z. 5. V. u. muss es heissen: „Das sind die Opfer des Tempels** (^hH 
cnpQ ^t?!!^)) statt: Die heiligen Grenzen: „die Heiligthümer ausserhalb 
des Tempels" (wie: Zehnten, Erstlinge u. s. w., Siaji Gegensatz von VTpO). 

S. 23, Z. I. 2: „Aaron verdiente (erwarb) es für seine Söhne, sowohl für 
die würdigen, als für die bescholtenen" (z. B. D'SSn, PJB'i'U pX 

S. 24, Z. 28 muss es heissen: „und in dessen Hand sie bewahrt sind." 

Das. Z. 2 V. u.: „Denn da entschied man . . . ." Weil in der Aussprache 
n mit PI oft verwechselt ward, deutet der Midrasch ^\!^7y =^ ^l^nHi Ent- 
scheidung. 

S. 27, Z. II V. u. muss es heissen: „und er (der Schriftvers) nennt es eine 
Sünde (eig. behandelt es als eine Sünde) " 

S. 29, Z. 23 muss es heissen: „Es steht in eurem Gesetze: ihr sollt euch 
nach der Mehrheit richten." 

Das. Z. 25: ,, warum macht ihr euch nicht uns gleich in der Götzen Verehrung?" 

S. 32, Z. 20 muss es heissen: „Und wie gross ist sie (seine Nahrung)? — 
Ein Stückchen. R. Me'ir sagt: ein Stücken von zwei Handbreiten 
gross." 

Das. Z. 18 v. u.: Das Wortspiel ist in «l'.tr»: „wer will ihn auf den geraden. 
Weg weisen? und sagen, du hast nicht gethan nach der geraden Linie 
(des Rechtes)? 

Das. Z. 8 V. u. muss es heissen: „Die Heiden, wenn sie im Wohlstand 
sitzen, essen und trinken u. s. w." 

S. 33, Z. 23 muss es heissen: „David hat ja nur zur Harfe gespielt.^' 

S. 34, Z. 3: „Als Gott sein Antlitz vor ihnen verbarg, wer durfte zu ihm 
sagen: Du hast nicht nach der geraden Linie (des Rechtes) gehandelt? 
Und wodurch verbarg er sein Antlitz vor ihnen? Er Hess den San- 
herib über sie kommen." 

Das. Z. 15 v. u.: Nicht: „sein Mitleid wurde erregt," sondern: „sein An- 
gesicht ward gelb." 

Das. Z. 2 V. u.: Wörtlich: „Zu meinem Wohle hat meine Kuh das Bein 
gebrochen." 

S. 35, Z. 15. 16 muss es heissen: „Wenn Alle ihre milden Gaben gegeben 
hatten, gab er so viel, als Alle zusammen." 

Das. Z. 1 1 V. u.: „Er war Hoherpriester:'* — er war Vorgesetzter (nämL 
Schebna). 

Das. Z. 3 V. u. muss es heissen: „er war von jenem (Orte, Stadt) Sichnin. 

S. 37 muss es heissen: „lass sie nur, sie essen ja das Ihrige, das ihnen 
Gebührende (da er sie beraubt hatte).*' 

Das. Z. II V. u.: „Die Völker der Welt haben keine Stützen." 



Koten zu Ifidnsdi Wajikn rabba« 271 

S. 4c, Z. 6 T. n. musi es heitsen: nDasi Alles nur Ton den Hehlern komme.** 

S. 41, Z. II V. u. muss es heissen: „Der den Stock in seiner Hand gehalten, 
nahm ihn und stiess ihn anf den Boden." 

Das. Z. 5 T. Q. muss es heissen: «^Wenn Jemand einen falschen Eid veran- 
lasst, so geht es zuletzt an ihm aus; nnd ebenso, wer einen Meineid 
schwört, an ihm geht es ans." 

S. 42, Z. 7. 8 muss es heissen: „ihre Sünden verursachten." 

Das. Z. 13: Statt: „Sie verschuldete sich abermals" mnss es heissen: „Da 

verursachten ihre Sünden," und ebenso Z. 17« 
Anm.: Die Stelle ist nicht verstümmelt. 

S. 43, Z. 3 muss es heissen: „ihr hattet gesündigt." 

S. 44f Z. 5 V. u.: „Dessen Name angegeben ist, dessen Vaters Käme aber 

nicht angegeben ist." 
S. 45, Z. 8 u. 9 ist beidemal „spricht" zu streichen. Ein Vers sagt: „Je* 

saja, Sohn Amoz, des Propheten" und ein andrer Vers sagt: „Jesaja, 

der Prophet, Sohn des Amoz." 

Das. Z. 13 muss es heissen: „Die da lispeln." Es ist nSmlich statt: |^j«nron 
mit Jalkut II, 281 zu lesen: ]^S^nrDn, s. auch Levy s. v. |ms im chald« 
Wörterbuch zu den Targumim. 

Das. Z. 21: „Die Todten sucht man bei den Lebenden, nicht aber die Le- 
benden bei den Todten." 

S. 46, Parascha 7, Z. 7: „Beinahe neunhundert Jahre war beswungen 

der Haas bis zu dem Jahre, wo er in Esechiels Zeit gegen sie 

wieder erweckt ward." 

Das. Z. 13 V. u. muss es heissen: „ihnen serdrückt hat" 

S. 47, Z. 6: „Kann die Grube (Cisteme) verhasst sein, wenn das Wasser 

derselben erwünscht ist?** 
Das. Z. 10: „und dem Aaron willst du keine Ehre erzeigen nm seiner 

Sohne willen?" 
Das. Z. 32: „unser Gott, der in Zion thront, dass deine Kinder dir dort 

dienen. Einige wollen es dem Schriftverse entnehmen Ps. 51, 19." 

S. 47, Z. II V. u.: „Am Thiere hat er das Geblendete" (nicht: Die Felle). 
S. 48, Z. 19. 20: „weil sie sich Gattinnen antrauten." 

Das. Z. II V. u. muss es heissen: „sollen wir uns mit ihnen doch be- 
schäftigen?" 

S. 50, Z. i: „so ist es auch damit, dass er wiederholt lehrt das Gesetz vom 
Ganzopfer.** Statt nana ist, wie Buber zu Pesikta Rosch chodesch Kote 
100 gezeigt, n^a zu lesen. 

S. 50. Z. 13 V. u.: SUtt: „im Süden," „in siedendem Wasser." 

Das.: „Jeden Tropfen, den Gott über das Geschlecht der Sündflnth brachte, 

hat er erst in der Hölle siedend gemacht." 
Das. Z. 9 V. n. muss es heissen: „wir wollen die Gastfreundschaft aus unsrer 

Mitte vergessen machen." 

S. 51, Z. 6 V. u. muss es heissen: „Dem Einen war das Hirn verwundet." 

S. 52, Z. 16 V. u.: Kicht: „zwei Bündel,*' sondern: „zwei Steine;" in» ist 

hier nicht: Bündel, sondern: Stein. 
Das. Z. 6 V. u.: „Das Aas des Löwen." 

S. 53, Z. 18. 19 V. u.: „Wer schuldig geworden ist, ein Opfer zu bringen.*« 

S. 54, Z. 5 V. u.: „Das sind die Schrift- und* Mischnalehrer, welche ge- 
wissenhaft die Kinder unterrichten." 

S. 5Si Z. 4 Ende: „sein Grossvater (Ner)." 

S. 56, Z. 12 V. u. muss es heissen: „welcher nicht für eine Sünde ein 
Opfer dargebracht. Bei dem Verse, wenn er es als Dankopfer dar- 
bringt, sind R. Elieser und R. Jose b. Chanina verschiedener Meinung." 



2'! 2 Noten zu Midrasch Wajikra rabba. 

S. 56, Z. 3 V. u. muss es heissen: „Etwas, davon nur die Fettstücke dar- 
gebracht werden (also: Friedensopfer)." 

S. 57, Z. 17 V. u. muss es heissen: „So wie man aber zu den Friedensopfem 
kommt, da heisst es: dies die Lehre der Friedensopfer, da steht nicht: 
„welche sie dem Ewigen dargebracht haben," sondern: „welche sie 
dem Ewigen darbringen sollen," von jetzt an und für die Zukunft." 

S, 58, Z. 4: „Den Agrestes/* der Westnordwest wind, der vom Japygischen 
Vorgebirge, von der Stadt Leuka her nach Griechenland hinüber wehte. 
Daher heisst er auch Japyx. Der Japygische Wind oder Agrestes, der 
von dem weissen Vorgebirge (Leuke) her wehende. Die Lesung Agre- 
stes des Midrasch ist die richtige, nicht, wie Levy behauptet, Argestes; 
denn im Griech. heisst er Agrestes. 

Die Controverse, ob die Noachiden nur Ganzopfer geopfert hätten, 
oder auch Friedensopfer, hängt mit der Controverse zusammen, ob man 
vor der ausdrücklichen Erlaubniss in 5 B. M. 12, 20 ff. Fleisch essen 
durfte, welches nicht feierlich geopfert war. Die Israeliten der zehn 
Stämme und die Juden bis gegen Ende des ersten Tempels waren der 
Meinung, man dürfe kein Fleisch essen, das nicht geopfert, sondern 
nur profan geschlachtet worden; sie opferten auch an jeder Opferstatte, 
auch wohl im Hause. Erst das Streben nach Einheit des Gottesdienstes 
erzeugte die Vorschrift, dass nur in dem erwählten Ort, im Jerusalemer 
Tempel, geopfert werden dürfe. Aber dies Streben drang erst nach 
der Rückkehr aus dem Exil bei den Juden vollkommen durch. Dabei 
musste, um den Fleischgenuss nicht, mit Ausnahme der drei Feste, 
zur Unmöglichkeit zu machen, die Erlaubniss gegeben werden, profan 
zu schlachten und das Fleisch zu essen. In der Erinnerung der alten 
Schule erhielt sich diese Thatsache. Daher sagten sie, dass vor der 
Gesetzgebung man überall opfern durfte und der Fleischgenuss verboten 
war, wenn das Thier nicht als Opfer geheiligt war; daher sind vor der 
Gesetzgebung nicht nur Ganzopfer geopfert worden, sondern auch Frie- 
densopfer. Die neue Schule, welche die gewordenen Zustände als ur- 
alt erklärte, sagte: man durfte keine Friedensopfer anderswo als in 
der Stiftshülte oder im Tempel opfern; der Fleischgenuss war auch 
ohne Opfer erlaubt. Daher wurden vor der Gesetzgebung nur Ganz- 
opfer, nicht Friedensopfer gebracht. Vgl. auch Bemid. r. Par, 22: 
„R. Ismael sagte, den Israeliten war ungeopfertes Fleisch (bisher) ver- 
boten, (nur Fleisch von geopferten Thieren durften sie essen); nun 
aber ward jenes ihnen erlaubt durch das vorschriftmässige Schlachten. 
R. Akiba sagte: Ungeopfertes Fleisch war nie verboten zu essen, man 
durfte sogar, wenn das Thier nicht vorschriftsmässig geschlachtet war, 
essen; nun aber verbot ihnen die Schrift ungeopfertes Fleisch zu essen, 
wenn es nicht vorschriftmässig geschlachtet war." Und ausführlicher 
im Midr. Tanchuma Achre moth. Vgl. meine Abhandlung in der ZDM. 
G. 1881. 

S. 59, Z. 1 muss es heissen: „Denn bei allen (anderen) Geboten: wenn 
du siehst, wenn du begegnest, wenn dir vorkommt. 

S. 60, Z. 17: Statt: „mag es so oder so sein,** soll es heissen: „So und so 
(thue mir Gott; das biblische S)>DV HD"» 'n 7X&^ HD); du darfst nicht wieder 
hierher kommen." 

Das. Z. 20 muss es heissen: „zürnt ihr noch immer miteinander?" 

Das. Z. 22: Als R. Meir dieselben gesehen, schaute er (die Sache) mit 
Hilfe des heiligen Geistes und fragte. 

S. 61, Z. 22 ist falsch und zu streichen: „Weil bei ihnen immer das Wort 
T\*\\r\ angewendet ist." Der Grund ist, weil es schliesst mit dem Frie- 
densopfer. 

S. 62, Z. 8: „Wenn du so handelst, hast du deinen Schwur niSht erfüllt** 
(eig. bist du nicht aus der Gewalt deines Eides gekommen, hast da 
dich deiner daraus sich ergebenden Pflicht nicht entledigt). 



Noten za Midrasch Wajikra rabba. 27^ 

S. 63, Z. 20 fehlt: „weil sie gemacht hatten das (Kalb, zu dem sie ge- 
sprochen:) Das sind deine Götter, Israel." 

Das. Z. 13 V. u.: in» ist hier ein Steinchen, nicht: Bündel. 

S. 65, Z. 17: „wie einer, der den Allwissenden täuschen will." 

Das. Z. 19: „wie einer, der seinen Schöpfer täuscht und betrügt." 

Das. Z. 24 muss es heissen: „Was können wir thun in deiner Rechtsache?" 

^as, Z. 29: Das Beweisende ist der zweite Vers dieses Psalms: „Gut ist 
es, dem Ewigen zu bekennen." 

•^^As. 2^ 3 V. u.: „berühmt zu werden" — : „hervorragende Geschlechter zu 
erzeugen." 

^- 66, Z. 1 1 V. u. : „unter Vernichtung ist in der Schrift Hinraffen der Kinder 
▼erstanden;" statt: es giebt keine Vernichtung, als u. s. w. 

^» 69, Z. 10 V. u.: „(Wie ist das möglich?)" ist zu streichen. „R. Samuel 
bar Ibo sagte im Namen des R. Acha: Zwischen jedem Einzelnen war 
noch ein Raum von vier Ellen nach jeder Seite." 

^* 70, Z. 8 V. u. muss es heissen: „verbrennt man." 

^as. Z. 3 V. u.: „Und jene sieben Jahre sind das Hochzeitsmahl der From- 
men in der Zukunft und das Zeichen ist: Wer die Hochzeitsfeier be- 
geht, der geniesst auch das Gastmahl." In der Note ist Schebuot in 
Schebüt zu corrigiren. 

S. 72, Z. 8: „(es sollte eigentlich heissen:)" ist zu streichen. Denn es ist 
eine Thatsache berichtet. Wenn man es erklären will, müsste man 
sagen: „es hiess ursprünglich: Und der Ewige blieb noch vor Abra- 
ham stehen." 

Das. Z. 15 v. u.: „Da sagte Goti zu ihm: Für den Augenblick ist dies mein 
Name: ich werde sein, der ich sein werde. Wann erhielt er Gewiss- 
heit über seine Angelegenheiten?" 

S. 73, Z. 3 muss es heissen: „Das ist uns klar." 

Das. Z. 18: „An den ersten sieben Tagen (nicht: Weihetagen) des Adar." 

Das. Z. 31: Nicht: „Esau führte Krieg," sondern: „Sie führten Krieg" 
(i B. M. 14, 2). 

Das. Z. 33 n. 39: besser: „griffen ihn feindlich an." 

S. 75 letzte Zeile muss es heissen: „kann es Noth bedeuten oder Freude. 
Bedeutet es Noth, so bedeutet es eine Noth ohne Gleichen; bedeutet 
es Freude, so bedeutet es eine Freude ohne Gleichen." 

S. 76, Z. 3. 4: „Wo steht: und es war (»n»i), da bedeutet es keine Freude; 
wo steht: und es wird sein (n^m), da bedeutet es keine Noth," 

Das. Z. 12 V. u. muss es heissen: „weil an dem nämlichen Tage (Qi^ao), 
da das Gebäude des Tempels errichtet worden, es (das Versammlungs- 
zelt) verborgen ward." 

S. 78, Z. 5: „Sassen sie denn in einer Tenne? Nein, sondern nach dem, 
was wir gelernt haben: Das Sanhedrin bildete einen Halbkreis." 

üas Z. 12 ff.: Die Stelle ist nach Midr. Schochar tob Ps. 48 zu berichtigen: 

:r3SM3 ^h i»>no |m pöj; Sn na"m o^pnv^ nSin mty:?S n"an vf\)^, „einst 

wird Gott den Rechtschaffenen einen Reigentanz bereiten, Gott selbst 
tanzt im Reigen mit ihnen, und sie weisen auf ihn mit dem Finger." 
Aus n^in niirjrS ist corrumpirt worden n^^n tTKI nvn^. Das Wort ty>n 
hat gar keine Berechtigung durch den Vers. Aus ]nö3? ^n rQ"m ist 
corrumpirt worden lO^iJ^a v^y ]>^^J?. Daher wissen yo und 0"» den 
Midrasch dieser corrumpirten Lesart gar nicht zu erklären. 

Das. Z. 7 V. u.: Statt: „weil er wirklich roth macht," muss es heissen: „er 
macht ihn erröthen, beschämt ihn." 

S. 79, Z. 5 muss es heissen: „Sie gaben ihm zu trinken.*' 

W ü n 1 c h e , Midrasch Wajikra. 1 8 



2'j± Noten ta Midrasch Wajikra rabba. 

S. 79, Z. S muss es heissenr „sie hörtcD, dass kaisecliclie Cunere (Angarii) 
in der Stadt seien" (welche nämlich Nachrichten aus fernen Provinzen 
□der Feindes Land m bringen hatten; es sind die Angarii oder Curiosi 
gemeint). 

Das. Z. 14 V. u.: „Wenn er fünf Xesles (Seitaiienj Wein getrunken, sagt 
man zu ihm: Du hast zehn Seitarien getrunken. 

Das. Z. 3 V. u. muss es beissea: „umsonst, für Nichts." 

S. 80, Z. 15: „Nachdem er gchäct, wo guter Wein ist, läuft ec ihm nach." 

S. Sl, Z. 11: „es wurde aber ihm erst bekannt. 

S. 81, Z. 4: „Von der Rebe kann die Mutter (der Stamm) nicht für sich 
bestehen, und du willst bei ihm bestehen !" Wir müssen nach Jalkut II, 
§ 960 lesen: n"a O'np S'3' wS n'O'K KJEU «Tn. 

Das. Z. II muss es heissen: „dir aber willst du kein Mass sttzen?" So 
liest Jalkut 11, § 960 D'Dip'D iniJ ni'K -f» (statt wie hier: 'l'Kl, Atuch 
bat )ni] nrH I<tl. Das allem passt auch in den Zusammenhang. 

Das, Z. 1 V. u. : „nämlich einer zur Freude über den Tempelbau, und einer 
zur Freude über die Tochter Pharaos." 

Das. Z. 9 v.u. mtiss es heissen: „Das ist es, was wir gelesen haben (Edu- 
joth 6, l: R. Juda ben Baba hat fünf Dinge bezeugt, dass ....), und 
dass das tSgliche Morgenopfer (einmal) um die vierte Tagesstunde dar- 
gebracht worden (nämlich in Salomo's Zeit). Da ging seine Mutter 

S. 83, Z. 7 muss es heissen: „und schlug ihn." 

S. S4 ist: „Obschon sie dem Tode anheimgefallen waren," ist zu streichen und 
die Klammer la entfernen. Es sind die zwei am Leben gebliebenen 
Sohne Aarons gemeint, die nahe dem Tode waren, die ebenso hätten 
sterben sollen, wenn nicht Mose für sie gebetet hätte. 

Das. Z. II V. u. muss es heissen; „die übrig gebliebenen (Söhne Aarons) 
also." Es ist das zu erklärende Schlagwort. 

Das. Z. 3. 3 V. u. muss es heissen: „und heute soll ich OpferSeisch essen?" 
Es ist eine Frage. 

S. 85, Z. 16 V. u.: „welcher herausging in die Scheune" (nicht: aus der 
Scheune). 

S. 86, Z. 12 v.u.: „Das Leben von dem Zerrissenen," soll heissen: „Das, 
was von seinem Schaden leben bleibt (innerhalb 12 Monate), dürft 
ihr essen, was aber (12 Monate davon leben bleibt) dürft ihr nicht 




Noten zu Midrascb Wajlkra rabba. 275 

S. 96, Z. 3. 2 V. u. muss es heissen: ,,Kein Bader barbiert sich selbst." 

S. 97, Z. 4, 5: „würde es beim Austritt (an's Licht der Welt) ihrea Leib 
zerspalten." 

S. 98, Z. 14 muss es heissen: ,,und der folgende Vers.^^ ,,Er bestimmte das 
Wasser nach dem Masse (Hieb 28, 25), das heisst nach R. Judan bar 
Samuel: selbst die Worte der Thora (des lebendigen Wassers), die von 
oben gegeben wurden u. s. w." 

S. 100, Z. 21. 22: ,,R. Abin wandte darauf an den Vers: ,,Die Eltern 
haben Heerlinge gegessen u. s. w." 

S. loi, Z. 9 V. u.: „Alle Ausschläge darf der Mensch besichtigen, nur seine 
eigenen nicht, nach R. Mei'r auch nicht die seiner Verwandten .... 
Meinst du, etwa Moses? Ein Fremder (d. h. ein Nichtpriester) darf 
doch die Ausschläge nicht besichtigen, oder etwa Aaron? Aber der 
Verwandte darf doch die Ausschläge nicht besichtigen." 

S. 104, Z. 3. 4: „Mägde, welche dienstbar sind." 

Das. Z. 15 ist die Erklärung, die Sachs, Beiträge I, S. 25 giebt: „Sirenen" 
passender*, „unreine Sirenen." Von Schleppen ist ja hier keine Rede. 

S. 107, Z. 21 V. u.: „Simon, sein (des R. Gamaliels) Sohn sagte." 

S. 108, Z. 13 u. 15. 18. 21: „missgünstiges Auge." Es ist der böse Blick ge- 
meint, welchem man im Alterthum im Orient, wie bei Griechen und 
Römern, zauberhaft schädliche, selbst tödtliche Kraft zuschrieb. 

Das. Z. 18 V. u. muss es heissen: „Ja, dafür bete für mich." 

Das. Z. 8 V. u.: „so ist es auch nicht möglich, dass der Aufsatz wieder 
kommt." 

S. HO, Z. 20 ff. V. u.: „Selbst mit denen, von denen Ezech. 34, 31 spricht: 
„Ihr aber, meine Heerde, die Heerde meiner Weide, ihr seid Men- 
schen," selbst mit denen werden sie nicht geschlagen" d. i. sie bleiben 
frei von den Leiden des gesammten Israels, sondern ihre Strafe folgt 
im ewigen Leben, darum warnt Mose Israel." 

Das. Z. 15 V. u. ist die Stelle Hieb 20, 28 so zu übersetzen: „Es wird offen- 
kundig der Ertrag seines Hauses hingeschleppt am Tage seines Zornes" 
d. h. man schleppt es weg und führt es hinaus; wann? ....** 

S. III, Z. 21 ff.: „Und es sprach Gechasi, der Diener Elischa's, des Man- 
nes Gottes: siehe, mein Herr hat sich zurückgehalten, von diesem Ära- 
mäer Naeman anzunehmen, was er gebracht hat; so wahr Gott lebt, ich 
eile ihm nach, und nehme von ihm Etwas (nOiO)." „Was heisst 
nsio ? Von dem Leibesfehler (KO^O ]0), der an ihm ist." Siehe auch Midr. 
Tanch. P. Mezora: nph lölO »mu noiO inKO »flPipSl, und siehe Bemidb. 
r. Par. 7: „Ich nehme von ihm Etwas, gewiss, dessen Leibesfehler hat 
er sich zugezogen (genommen)." 

S. 112, Z. i: „wich vom Zelte, und siehe, Mirjam war aussätzig wie Schnee." 
Hier, wie im oben citirten Verse, ist das Ende des Verses das Be- 
weisende; man muss also das Ende des Schriftverses hinzuschreiben. 
Was eingeklammCit ist, ist auszustreichen. 

Das. Z. 18 ist ausgelassen: „R. Judan sagte: überall, wo das Wort „(pi) 
nur" steht, bedeutet es eine Einschränkung: auch er war zerbrochen 
und zerschlagen." Die Note ist unrichtig und zu streichen. 

Das. Z. 2 V. u.: Statt: „und wenn das nicht hilft" muss es heissen: „stellen 
sich zuerst in seinem Hause ein; kehrte er zurück von seinem 
P^ehl, so musste man die Steine herausnehmen, wo nicht, musste das 
Haus eingerissen werden." 

S. 113, Z. i: „seine Kleider; kehrte er zurück von seinem Fehl, so mussten 
sie nur gewaschen werden; kehrte er nicht zurück davon, so mussten 
sie verbrannt werden." 

i8* 




2^6 Noten zu Midrasch Wajikra rabba. 

S. 113, Z. 3: „und wenn (er) nicht (in sich geht), so muss er abgesondert 
wohnen," 

Das. Z. 16: „Elieser, sagt R. Dosa, war der Kenaan." 

Das. Z. 2 V. u.: Nicht: „in seinem Lande," sondern: ivnH3 ,?wie sein (frü- 
heres) Land." 

S. 114, Z. 30: „Wer daran glaubt, wird es nicht beschleunigen wollen." 

S. IIS, Z. 19 u. 21: Statt: „(Der Mensch)" deutlicher: „(Der Greis)." 

Das. Z. 5 V. u. muss es heissen: „Grenzen zu bezeichnen." 

S. 116, Z. 15: „Da er aber alt geworden, blieb er zu Hause, da er nicht 
hinauf gehen konnte." 

S. 117, Z. 10: „In den ersten drei Tagen bleibt die Gewalt des Schmerzes 
(der Trauer)," (und daher nimmt in den ersten drei Tagen der Trauernde 
keinen Trost an). 

Das. Z. 24: Nicht: „sowie der Staub . . .," sondern: „wenn der Staub zur 
Erde zurückkehrt, wie er gewesen ist, (nämlich rein von Sünden); s. 
M. K., wenn aber nicht (er sündenfrei zurückkehrt), so schleudert er 
die Seele der Feinde mit dem Wurfgefasse fort." 

Das. Z. 9 V. u. muss es heissen: „so werfe ich sie dir vor dein Angesicht.'^ 

S. 118, Z. 4 V. u.: „Seine Gefangnen löste er nicht, um sie in die Heimath 
zu entlassen." 

Das. Z. 3 V. u.: „kamen sie wieder zu £vil-Merodach, um ihn zum König 
einzusetzen» dieser sagte aber." 

S. 119, Z. I: „und jetzt wird er mich umbringen (wenn sich wieder Leben 
in ihm zeigt); und er traute ihnen nicht." 

Das. Z. 19 v. u.: Nicht: „findet er dasselbe leer," sondern: „findet er, dass 
es grün geworden." 

S. 120 muss es heissen: „und schwächenden Schmerzes. R. Jochanan sagt: 
ihr habt eine gewaltige und schwächende Plage gebracht." 

Das. Z. 24: „weil sie hinter ihren Grossen Spott trieben." 

S. 122, Z. 3 deutlicher: „die Raben vorbereitet, bestimmt." 

Das. Z. 7: „zui^ Erhaltung. Woher lässt sich das beweisen? Aus den 
Worten" ist falsch, es muss heissen: „Woher soll aber denn die Nah- 
rung kommen? — (Antw.) „Wer bereitet dem Raben seinen Fang?" 
Ebenso gelangt der Mensch nicht zur Kenntniss der Thora, wenn er 
nicht gegen sich, seine Kinder und sein Haus hart ist wie ein Rabe." 

Das. Z. 19 ff. muss es heissen: „Das Lernen der Thora soll nur bei Nacht 
stattfinden" .... „Resch Lakisch aber sagte: sowohl bei Tag, wie bei 
Nacht." 

S. 123, Z. 2: Statt: „Der Kluge aber, was thut er? Er schiebt das Ler- 
nen nicht hinaus, sondern er spricht" muss es heissen: „Was spricht 
aber der Kluge? Hat es dieser nicht auch von einem Anderen ge- 
lernt?" 

Das. Z. 9: „Bekomme ich nicht meinen Lohn für jedes einzelne Fass 
(das ich hineinfülle) bezahlt?" 

S. 125, Z. 9 muss es heissen: „Dadurch, dass die Israeliten sich demüthigten, 
nicht in Zwietracht zu lagern." Ebenso vorher Z. 5: ,,sich träge er- 
wiesen, sodass sie nicht in Zwietracht lagerten." 

Das. Z. 21 : „Von Bruchstücken erhält man Pflöcke, kann man Pflöcke 
machen ; von Splittern erhält man keine Pflöcke, kann man keine Pflöcke 
machen, die Bruchstücken sind nicht wie die Splitter." 

Das. Z. 24 muss es heissen: „bekommt der Kopf rheumatisches Leiden" 
Das. Z. 3 V. u.: „Ich habe bei jedem Fass mich untersucht." 



Noten zu Midrasch Wajikra rabba. 277 

S. 125, Z. 2 V. u.: „Mögest du beruhigt sein, wie du mich beruhigt hast/' 

^. 126, Z. 21. R. Hoschaja erklärt aS nnOjS: „Den zerschlagenen Herzen", 
und beruft sich auf diese Bedeutung von ino auf Nachum 2 , 6, wo er 
nnoin nno> übersetzt; sie erstürmen seine Mauer." Und wirklich über- 
setzt Jonathan die Stelle Jes. 35, 3: pnaSa ]r\V2lh n3K: „sprechet zu denen, 
die geschlagenen Herzens sind;" und ebenso Nachum 2, 6 übersetzt: 
nnoin rno» mit kiib^ pwM» ]im\ 

S. 127, Z. 16: „Ist die Zeit gekommen, dass dies Haus zerstört werden soll?" 

Z. 20 ff. muss es heissen: „Ist dies das rechte Verfahren? Verstösst man 
eine Seele wegen einer anderen? ihr verstösst mein Leben, um eures 
zu erhalten?" 

Z. 24: „Dein Ahnherr hat ja geradeso an Scheba ben Bichri gehandelt?" 

Z. 12 ff. ▼. u. ist zu übersetzen: „und setzte sich zu ihm in die öffentlichen 
Spaziergänge." Diomc oder vielmehr D^omiß ist nagaÖQOfxlqy dasselbe, 
was Xystos. 

S. 128, Z. 18: „Das Junge eines bösen Hundes ziehe nicht auf, selbst wenn 
es gutartig wäre, um wie viel weniger, wenn es ebenfalls bösartig ist." 

Z. 23: „Ist die Zeit gekommen, dass dieses Haus zerstört werden soll?" 

Z. 8 V. u.: „Er nahm ihn und setzte ihn in's Gefängniss" (den Jechonia). 

Z. 2 V. u.: „Wie der Knochen des Hirnschädels." 

S. 129, Z. 15 if. muss es heissen: „Wie Hess man sie (die Gattin Jechonia's) 
hinab zu ihm?'' Nach R. Schabthai Hess man sie durch ein Gitter zu 
ihm hinabkommen. 

Z. 21: „sie ging sogleich hinweg, zählte (sieben reine Tage), bis sie rein 
ward und tauchte unter." 

Z. 26: „Darum ist euch gedacht worden jenes Blut am Sinai." 

S. 130, Z. 11: „Wie den Unreinen, das sind die Kundschafter. Jene (Mose 
und Aaron) sprachen zum Lobe des Landes Israel. Diese (die Kund- 
schafter) sprachen nachtheilig über dasselbe, und Jene (Mose und Aaron) 
gelangten nicht in das Land, wie diese ebenfalls." 

S. 132, Z. 6: „Wehe über den Sohn der Unglücklichen, «n^m n^2 S:? ist 
nach Pesikta Achre moth zu berichtigen in nnaiS^i m2. 

S. 133, Z. 18. Nicht: „Die Rabbinen von Cäsarea beteten für", sondern: 
„Die Rabbinen in Cäsarea sagten: er (der Hohepriester) betete am Ver- 
söhnungstage für unsre Brüder in Cäsarea, das sie nicht stolze Herr- 
schaft über einander ausüben sollten (sich nicht den römischen Statthaltern 
in Cäsarea preisgeben sollten als römische Beamte, um das Volk zu 
drücken): die Rabbinen von Daroraa (Südjudäa) sagen, er habe für die 
Bewohner von Saron gebetet, das nicht ihre Häuser ihnen zu Gräbern 
würden." Das ward veranlasst, wie Grätz, jüd. Geschichte III, S. 54t 
bemerkt, durch das vonjosephus erzählte Erdbeben, welches im J. 31 v.Chr. 
die Saronebene heimgesucht hatte. 

S. 134, Z. 13 V. u. ist zu übersetzen: „er lebt diese Woche nicht zu Ende 
(nsc, wie ni^^on mrsir V^ir); und wirklich lebte er seine Woche nicht 
aus.'* In Jerusch. Schebiit VI, i und Gittin I, 2 steht inac 7\»T kS-, 
und so ist auch hier zu lesen, statt Tnni? rxn «Sl. In Erubin 63 a steht 
ir:r, er lebte sein Jahr nicht aus; so auch Tanchuma und Pesikta. Das 
ist auch wahrscheinlich die ursprüngliche Lesart. 

S. 136, Z. 18: „Viele Füllen sind gestorben und ihre Felle sind als Saum- 
sättel auf ihren Müttern ausgebreitet worden." 

Z. 20 ff.: „Daraus schliesst R. Pinchas, dass sie (schon damals) verdient 
hätten, dass Hand an sie gelegt würde." Siehe Targ. Jeruschalmi zu 
2. B. M. 24, II, und wie weiter unten pDICK lSo3 »rc ".no. 

Z. 24 f.: „Der, während er isst und trinkt, seinen Nächsten anblickt." 



2^8 Noten zu Midrasch Wajikra rabba. 

S. 136, Z. 27, 28: ,,Dass sie ihre Häupter entblössten, ihre Herzen erhoben." 
£s ist hier mit Pesikta, Tanchuma, Beroidbar r. Par. 2 und Jalkut zu lesen: 
„•an^^il ^ nep oaS rn iD'<3P," sie erhoben stolz ihr Herz, standen fest auf 
ihren Füssen und weideten ihre Augen an der Schechina." Denn das 
Entblössen des Hauptes ist nach Wajikra r. Par. 27 ein Zeichen der Ehr- 
furcht, nicht des Hochmuthes. 

S. 138, Z. 3, 4 muss es heissen: „Den Saum meines Hemdes." 

S. 139, Z. 3, 4 muss es heissen: „meinen Reichthum und meine schwere 
Habe lasse ich ihnen als Erbe." 

Z. 9 muss es heissen: „auf dies vertraue ich d. h. auf das, was du mir zu- 
gesichert hast; „Der Ewige wird für euch streiten." Die Sage vom 
Antäus ist hier nicht vergleichbar, da Goliath ja nicht vom Erdboden 
Kraft schöpfte. 

Z. 22, 23: „Zweihundert acht und vierzig eiserne Ketten hat Gott an seine 
(Goliaths) 248 Glieder gefügt. CIK h^ ist zu streichen. Siehe Buber 
zu Pesikta Achre moth. 

Z. 25 ist zu übersetzen: „seinen Zaum lass nicht heraus, d. h. lasse den 
Zaum nicht los." CCT wird hier genommen im Sinne von Zaum; seine 
Zäume mögen sich erheben« stark sein, binde ihn." Es ist nach Midr. 
Schemuel zu berichtigen. Siehe Buber a. a. O. 

Z. 6 v. u. ist zu übersetzen: „auf dies vertraue ich." R. Levi sagte auf 
den Abschiedsegen, den uns Mose in der Thora geschrieben: „Und 

dies für Juda, erhöre die Stimme und sei ihm Hilfe vor seinen 

Feinden." Es ist, wie Buber nachgewiesen, statt DTiianpa zu lesen ist 
lieo;:« nach Schochar tob Ps. 84 Ende und Ps. 86 PIT pnö»WK 'lS T« 
n-nn»^ nun '\r:»:v cSi^m p lew n^nir nvtra rrnn^S ntro ]na. iiirtJQiov ist, 
wie es auch der Midrasch erklärt, der Abschiedsegen. Die Worte 
c^sprS ürh *^CK1 sind mit Buber zu streichen, da es in den angeführten 
Stellen nicht steht, und hier den Sinn stört. 

Dieselbe Berichtigung auf S. 140, Z. 13 ff.: „auf dies vertraue ich, d. i. sagt 
R. Levy, auf den Abschiedsgruss, den uns Mose geschrieben." 

S. 140, Z. II v. u. ff.: Gegen stolze Augen (übe das Gebot): sie seien zum 
Stirnband zwischen deinen Augen; gegen lügnerische Zunge (übe das 
Gebot): lehret sie eure Kinder; gegen Hände, die Blut vergiessen — 
binde sie zum Zeichen an deine Hand; gegen die Sünde: ein Herz, das 
frevelhafte Pläne ersinnt, übe das Gebot: diese Worte sollen auf deinem 
Herzen sein; gegen die Sünde der Füsse, die zum Bösen eilen, eile zum 
Gebot der Beschneidung, die zwischen den Kniecn vollzogen wird u. s.w. 

S. 141, Z. 4, 5: „Der Mensch mache sich zum Steuermann, sinne nach, wie 
und wo er nur ein gutes Werk verrichten kann", (dahin steure er 
seinen Sinn). 

Z. 13 V. u. nicht: „Alles hat seine Zeit, die Stunde hat eine Zeit etc." 
sondern: „zu jeder Zeit" (das ist das zu erklärende Schlagwort). „Zeit 
kann bedeuten Stunde, wie hier: er komme nicht zu jeder Zeit; Zeit 
kann bedeuten Tag in dem Verse (Ezech. 4, 11): „Und Wasser nach dem 
Masse, ein Sechstel Hin sollst du trinken von Zeit zu Zeit;" Zeit kann 
Jahr bedeuten, wie in 2. Sam. 11, i: „Und es geschah bei der Wieder- 
kehr, zur Zeit des Aufbruchs der Könige"; Zeit kann zwölf Jahre be- 
deuten, wie Ps. 105, 19: „bis zur Zeit da sein Wort eintraf" (M. K. 
denn Josef war 30 Jahre alt, als er vor Pharao stand i. B. M. 41, 46; 
ein Jahr war er bei Potiphar, und 17 Jahre war er, als er verkauft 
ward); Zeit kann 70 Jahre bedeuten, wie Dan. 9, 2 und Jerem. 17, 7; 
Zeit kann auch bedeuten für immer, wie in Ps. 4, 8. Nicht, wie du 
meinst, sprach Gott zu Mose, bedeutet hier Zeit, Stunde, auch nicht 
Tag und nicht Jahr und nicht zwölf und nicht siebzig Jahre, und nicht 
immer, sondern er darf jede Stunde eintreten, wenn er will, nur wenn 
er hineingeht, soll er nach dieser Ordnung hineingehen. 



Noten zu Hidrasch Wajikra rabba. 270 

S. 142, Z. 7 V. n.: ,,Das ist der erste Tempel, weil da die Priester gewissen- 
haft ihres Amtes walteten, walteten in demselben achtzehn Hohepriester, 
nnd zwar immer . . . ." 

2. 3, 4 V. u. ist zu setzen: Hieraus ist nun bewiesen, dass es um des Ver- 
dienstes der Väter Willen geschah. Woher ist zu ersehen, dass es auch 
wegen der Tugenden der Mütter war? 

S. 144, Z. I muss übersetzt werden : „Wie der Gottesdienst (rr^tr) im Himmel 
verrichtet wird, ebenso wird er hienieden verrichtet. Vom himmlischen 
Gottesdienst heisst es . . . ." 

^' H- )»giDg eii^ Greis, weiss gekleidet mit weissem Obermantel. 

Z. 14 V. u. muss es heissen: „gehören zum Bestände der Welt, wie der 
Keuschbaum . . . /' Die Lesung ir.''2n ist unrichtig und muss nach 
Midrasch Kohelet zu C. 5, 8 berichtigt werden in v^^n*. Ebenso ist 
IC% welches „Moos'* bedeutet nach jener Stelle in »yjff zu berichtigen ; 
in Schabbat II, i wird n^Dh erklärt mit m*^»! tO'tr, dem wolligen Baste 
der Ceder; vsh oder rilS ist nach Levy s. v. XvyoQ und dieses ist Vitex 
agnns castus bei Linni. Der Keuschbaum Plinius 24, 38 ward zum 
Flechten und Binden gebraucht. 

Z. 13 v. u. ist zu übersetzen mit Levy s. v. n^yz: „Bast, um Seile daraus 

zu drehen." 
S. 145 pr.l heisst nicht: alt, sondern: witzig, scharfsinnig, s. Levy, welcher 

es von it^ixo^ ableitet; es ist aber wohl ein Druckfehler für evS-iXiog. 

^- 147, Z. 2 ist zu übersetzen: „und es wog die eine so viel wie die andre'% 
ifypn CS hpVf das n ist nicht Praefixum, sondern gehört zum Stamm). 

^' 146, Z. 10 V.: „reiche man ihnen einen Becher Wein/' Aruch liest hier 
(s. T. pncB) ;jnö^c |iS«C. Es muss daher pn-l3 ihtn gelesen werden, und 
so steht auch Ber. r. Par. 10 und Midrasch Koheleth: „man mischte ihm 
einen Doppelbecher). An ipiaXri kann desshalb nicht gedacht werden, 
weil Ber. r. Par. 91 und Jer. Pesach. X es offenbar nur Doppelbecher 
beissen kann, der nach dem Bade ausgetrunken ward. S. Levy u. \hv\ 
und Buber zu Pesikta Bachodescb. S. auch Juvenal VI, 425 ff. 

^' 147, Z. 4: „was auf dieser Seite zwei waren u. s. w." .... muss heissen: 
„wie diese (die Fliege) abnahm (eig. zerfloss), nahm auch jener (Titus) 
ab, bis sie zu ihrer ursprünglichen Grösse herabkam; als die Fliege 
'Vtgüogj entfloh auch die Seele des Titus." Die Lesung ^niP (zerfloss), 
reiche Aruch hat, ist der Lesung k'ü vorzuziehen. Aruch liest nämlich 
ni3i \yyy hv ncyc» "xy ni? ]nn n^c ;nn noDv 

^•11 V. u.: „R. Eleasar und wandelte (d. h. wie M. K. richtig erklärt, 
ein Euphemismus für er verrichtete seine Nothdurft) in einem Abort." 

^•8 V. u. wie oben Z. 16 v. o. heisst es «nc: „er schlug sie", nicht «Dn: 
.,er sah sie." 

5« 149, Z. 17, 16 V. u. muss es heissen: „Und er lernte den Raub auszu- 
fahren und frass Menschen" (Ezech. 19, 3). 

^« 150, Z. 24 ff. V. u. : „R. Ismael sagte: aus dem Verbote (kein Thier zu 
schlachten, ausser in der Stiftshütte) folgt eine Erlaubniss; weil den 
Israeliten in der Wüste verboten war, andres Fleisch als Opferfleisch 
zu essen, hat ihnen später die Schrift ungeopfertes Fleisch nur zu essen 
erlaubt, nach vorschriftmässigem Schlachten. R. Akiba aber sagte: Aus 
der Erlaubniss, Fleisch zu essen nach vorschriftmässigem Schlachten, 
und zwar, wenn das Thier in der Stiftshütte geopfert ist, folgt das Ver- 
bot, ungeopfertes Fleisch nicht anders zu essen, als wenn es vorschrift- 
mässig geschlachtet worden." Nämlich in ChuUin 16 b sagt R. Ismael: 
Fleisch zu essen von ungeopferten Thieren war Anfangs verboten; wie 
es in Deuter. 12 erlaubt worden, ward es nur erlaubt nach vorschrift- 
mässigem Schlachten. R. Akiba sagt: Fleischgenuss von ungeopferten 
Thieren war nie verboten, auch ohne vorschrif^mässiges Schlachten war 



28o Noten zu Midrasch Wajikra rabba. 

es früher erlaubt. Hier verbietet es die Schrift, anders zu essen, als nach 
vorschriflmässigem Schlachten: aber der bisherige Genuss von Fleisch 
ohne vorschriftmässiges Schlachten nach den rituellen Schlachtregeln 
ist damit verboten. Die Schrift will nach R. Ismael in Deuter. 12 er- 
lauben m«n irr, welches in der Wüste verboten war, mit dem Eintritt 
in Kanaan ward Twnn *)tra erlaubt, und bleibt auch nach dem Exil erlaubt^ 
wenn es vorschriftmässig geschlachtet ist. Nach R. Akiba will die 
Schrift nur das Fleisch von nicht vorschriftmässig geschlachteten Thieren 
verbieten; denn nach ihm war mMH *W2 nie verboten und sogar "nm 
n^'na war in der Wüste gestattet: mit dem Eintritt in Kanaan ward lea 
nTn3 verboten und bleibt auch verboten nach dem Exil. Das ist der 
*in\*i hhDts niQ^K. Der Streit hängt zusammen mit dem Streit, ob die Noa- 
chiden blos Ganzopfer geschlachtet, oder auch Friedensopfer. Nach 
denen, die profanen Fleischgenuss (wie R. Ismael vor dem Eintritt in 
Kanaan) für verboten hielten, hatten die Noachiden auch Friedensopfer 
gebracht: denn sonst hätten sie kein Fleisch essen können. Nach Akiba, 
der mMD Itra von je für erlaubt hielt, hätten sie blos Ganzopfer dar- 
gebracht; sie brauchten ja keine Friedensopfer darzubringen, sie konnten 
ja ohnehin Fleisch essen, selbst m^n3 *iea; erst mit dem Eintritt in das 
Land ward ni'na nra verboten, und bleibt auch seit dem Exil verboten. 

S. 150, Z. 9 V. u. „Zwei genaue Schlachtregeln sind zu beobachten: bei den 
Vierfusslem muss der grösste Theil von Speiseröhre und Luftröhre, bei 
Vögeln der grösste Theil von einem von beiden durchgeschnitten sftin.** 

S. 151, Z. 25: „Der Stier war vorher zum Götzenopfer bestimmt." 

Z. 11 V. u. muss es heissen: „es ward mit sammt seiner Haut verbrannt.** 

Z. 14 V. u. und Z. 18 V. u.: „es fehlte an der rechten Zeit", d. h. es war 
noch nicht opferfähig, weil es noch nicht acht Tage alt war. 

Letzte Zeile: Statt: „von wilden Thieren", muss es heissen: „Vom Vieh." 

S. 152, Z. 6: „Mehr, als ich dir verboten habe." 

Z. 8: „Das Blut der Virginität." 

Z. 3 V. u.: Giebt es ein Vieh, das ein andres Vieh frisst?" 

S. 153, Z. 14 Nicht: „Der Dämon Sis", sondern: „Der Sis des Feldes." 

Z. 18 V. u. Nicht: „Warum gleicht sie der Rose zwischen Dornen?" sondern: 
„Wem glich sie?" „Der Rose unter Dornen." 

S. 154, Z. 16 V. u.: „Wegen dieser Rose soll der Garten gerettet werden: 
wegen des Verdienstes der Thora und Israels soll die Welt gerettet 
werden." 

S. 155, Z. 7 Nicht: „Möchte mein Herr mich es lehren?" sondern: „Will 
mein Herr es lernen?" 

Z. 16 ff. V. u.: „Die Städte Chalmisch, Jericho, Susitha, Gistra (Castra) und 
Lud waren in der Mehrzahl von Griechen und Römern bewohnt, und 
im Kriege des Vespasian und Titus den jüdischen Nachbarstädten feind- 
lich, also ist zu übersetzen: „wie Chalmisch gegen Nawa, Jericho gegen 
Neurin, Susitha gegen Tiberias, Castra gegen Cheifa, Lud gegen Ono." 
S. auch Pesikta rabb. c. 21. 

S. 156, Z. 20: „von derselben Mutter, und beide von demselben Vater, 
beide von dem gleichen Eibläschen." 

Z. 10 V. u.: „Plagen", wohl Druckfehler für: „Planeten." 

Z. 2 V. u.: „aber nachdem sie erlöst waren, war der Mond dort, wo er 
immer zu sein pflegte." Der Agadist benützt das Wort raaS im Schrift- 
verse zur Erklärung von „Mond." 

S. 157, Z. 20, 21. Wie z. B. Nero mit allen Ceremonien die Hochzeit mit 
Pythagoras feierte, wobei er selbst als Braut den Schleier nahm, oder 
mit Sporns, wobei Nero den Gatten darstellte. Aehnliches kam vor 
bei dem Feste des Tigellinus. Die Agadisten griffen Beispiele ans 



Noten zu Midrasch Wajikra raba. 28 t 

dem allgemein gewordnen Lasterleben Roms heraus; auch mochte ihm 
das Verhältniss Hadrians zu Antinous vorschweben, welches Ebers in 
seinem Roman „Der Kaiser" sogar zu idealisiren unternommen hat. 

S. 158: „Abrech", nämlich noana 3», Vater in Weisheit, a^awa yn und zart 
in Jahren. Siehe Beresch. r. Par. 90. 

Z. 15 ff V. u. muss es heissen: „Fehlt dennoch etwas in dem Verse (dass 
er hinzufügen muss o^nSiA »nKom. Diese zwei Worte sind ja überflüssig)? 
„Es steht nicht ^iivh «JIMDm (so ist zu berichtigen): sollte ich sündigen 
gegen meinen Herrn? (den Potiphar), sondern: owxS »nntsm, sollte ich 
sündigen? Bei Gott! nein, ich sündige nicht, ich thue dies grosse Un- 
recht nicht!" 

Z. 9 V. u.: „Gegen wen schwur er? — Gegen seine Leidenschaft, gegen 
Abischai." 

S. 159, Z. 17 muss es heissen: „Welcher das Gepräge des Kindes in seiner 
(des Ehebrechers) Aehnlichkeit bildet (oder zeichnet)." Statt nhv pisp ^3 
muss es heissen: iSc jn^iapSa {xapaxtijp, Stempelf Gepräge, von xapa<f<7tt^ 
stempeln, prägen. Ebenso ist Pesikta rabbati Par. 25 zu berichtigen. 
1 und S werden oft vertauscht. S. Levy 3 v. TopSr. 

Ebenso Z. 21: „während er sein (des Kindes) Gepräge bildet in der Aehn- 
lichkeit eines Anderen." 

Z. 25. Nicht: „so ist es deine Ehre", sondern: „ist das eine Ehre für dich, 
zwischen dem Ehebrecher und der Ehebrecherin zu stehen? (Es sind 
die Worte die Hiob zu Gott spricht). Darauf antwortete ihm Gott: Du 
bist würdig, dass ich dich beruhige, aber man wird sprechen, wie du 
gesprochen hast: hast du Fleisches Augen? Aber Gott sagt: ich bilde 
seinen Stempel ab in der Aehnlichkeit seines Vaters." 

Z. II V. u. : „ich bilde sein Gepräge in seiner (des Ehebrechers) Aehnlichkeit." 

S. 160, Z. 12: „Wer hat den Schaden? — Gott, der um seine Specereien 
(womit das Kind gebildet wird) gekommen ist." So steht auch Pes. r. § 25 : 
„wer verliert? wenn man es sagen könnte, Gott verliert, dem seine 
Specereien verdorben sind." 

S. 160, Z. 8 V. u.; „Deine Hand ist immer siegreich" (du hast immer die 
Oberhand, du bist immer im Rechte). Es ist ein juristisches Sprich- 
wort: „Jeder, der etwas anders macht, als im Vertrage steht, unterliegt; 
oder n:vSvn S;* n^ 11*2 ^rsnr ^a beim Kauf. 

Z. 5 V. u. ; „wenn er aber ein Todesurtheil fallt", Jemanden den Specula- 
toren, den Scharfrichtern übergiebt. 

Z. 4: „Weil man weiss, dass Uebereilung in seinem Urtheil herrscht." 

Letzte Zeile: Statt: „Deine Hand ist immer in der Höhe", ist zu übersetzen: 
„Du bist stets im Rechte." 

S. 161, Z. 6: „Gott (den Richter, c^n^w) preise ich in jeder Sache, den Ewigen 
(den Allgütigen) preise ich in jeder Sache." 

Z, 14 ist zu setzen: „wie er beim Geben mit Barmherzigkeit gegeben hat, 
so hat er auch beim Nehmen mit Barmherzigkeit genommen." 

Z. 22 muss es heissen: „Gleich dem Himmlischen (gleich dem, was oben 
geschieht) führst du deine Welt." (Nämlich: wie das Himmlische ewig 
bleibt, so auch deine Anordnungen auf Erden). 

S. 164, Z. 16 ist zu übersetzen: „unter der Bedingung, dass dein Lager 
heilig ist." R. Ismael b. Nachman sagt: „unter „schändlichem Wort" 
ist unanständige Rede gemeint." 

Das. Z. 10 V. u. : „weil die böse Leidenschaft in ihnen waltet, möchten sie 
bei zwei Heiligungen bestehen!" 

S. 165, Z. 22: Wie durch das „Ich," das ein Sterblicher gesprochen, da näm- 
lich Pharao zu Joseph gesprochen: „ich bin Pharao," Joseph zu all 
dieser Ehre gelangt ist, um wie viel mehr, wenn Gott sein „Ich" spricht. 

S. 166, Z. 8: „für die Feinde Israels" euphemistisch für: „die Israeliten." 



282 Noten zu MidrascH Wajikra raba. 

Das. Z. 17 V. n. muss es heissen: ,,und er hat die Macht gehabt, zu wehren» 
und hat nicht gewehrt (hat die Macht gehabt), festzuhalten (die Gnten 
zu stärken im Guten) und hat es nicht gethan, so ist er unter dem 
Fluche begriffen." 

Das. Z. 10 y. u. muss es heissen: „er hatte aber nicht die Macht, zu wehren, 
und hat doch gewehrt, (er hatte nicht die Gewalt) zu befestigen, und 
hat befestigt (im Guten), der ist unter dem Segen begriffen;" nicht, wie 
im Text steht: „in der Allgemeinheit des Fluches." 

S. 167, Z. 10: „Der erste Mensch konnte nicht eine Stunde bestehen, ohne 
dein Gebot zu verletzen." 

S. 171, Z. 17 ist zu übersetzen: „mit grossem Glied," wie das Wort 'Sjö 
zeigt; unter den Leibesfehlern, die den Priester untauglich machen, ist 
in Bechoroth Vn, 5 auch nnj{ S^'3 aufgeführt. S. auch Raschi zu Ezech. 
16, 26. Die Erklärung von M. K. ist unrichtig. 

Das. Z. 10 V. u. muss es heissen: „wenn er mit ihm gätet, wird er immer 
mehr heimisch «>3*n la^ric» ^Qd da er in seinem Hause aus- und ein- 
geht, wird er verdächtig, mit dessen Magd zu thun zu haben." 

S. 173, Z. 13: Statt: „fünf" muss es heissen: „acht." 

Das. Z. 21: „Auch als er beginnen wollte, ihnen die Zeichen des unreinen 
Viehes zu lehren, begann er mit den Zeichen der Reinheit" 

Das. Z. 28: „ehe sie noch den Geschmack der Sünde gekostet." 

S. 175, Z. 20 ist zu übersetzen: „was willst du mit dem Prahlen von diesem 
(dem David)." 7i>^ ist nach Jer. Pea 1, i in yim zu berichtigen. 

Das. Z. 23 muss es heissen: „Als sie zu der Wagenburg kamen." 

S. 176, Z. 3: „Gleich einem, der das Amt eines Befehlshabers in einem 
Militärbezirk erhalten." f^yefiwvla ist die Uebersetzung von ducatus. 

Das. Z. 4: „ehe er in den Grenzort seines Militärbezirks gekommen, ging er, 
wie ein Landmann (paganus); wie er aber in seinen Grenzort gekommen, 
ging er wie ein Vornehmer." 

Das. vorletzte Zeile: „König, der in eine Stadt einzog, und befahl, alle 
Hähne, die daselbst waren, zu schlachten. Des Morgens, da er ab- 
reisen wollte . . . ." Das nS^Vs ist unnöthiger Zusatz, steht auch nicht 
in Midr. Schemuel. 

S. 177, Z. 13: „Denn wenn er (mit weniger, als zweien) auf die Reise geht, 
wird er zuletzt Knecht seines Knechtes, muss er seinen Knecht noch 
bedienen." 

Das. Z. 12 V. u. ist zu übersetzen: „Sie that, was sie that, sprach, was sie 
sprach , (d. h. sie brauchte ihre Zauberkünste und Zauberformeln) und 
brachte ihn herauf." 

S. 178, Z. 13: Statt: R. Chiwa muss es heissen: Rabbi (ö'B'B mn) 

erklärte die Schriftverse. S. Echa rabbati und Jer. Chag. II Anf. In 
Midr. Schemuel ist pa^ ebenfalls in «2"i zu ändern. 

Das. Z. 17: „Was heisst das: er kündet dem Menschen sein Plaudern? Auch 
die Reden, die keinen Gehalt haben, werden dem Menschen auf seine 
Schuldtafel geschrieben, und wer schreibt sie?. Der, welcher den Morgen 
in Dunkel verkehrt." Der Text ist nach Echa rabbati zu Threni HI, 29 
zu berichtigen und nach Tanchuma zu Emor: „R. Chaggai sagte im 
Namen des R. Jabez auf den Vers: Er lege seinen Mund in den Staub, 
vielleicht ist Hoffnung (Klagel. 3, 29): alles dies — und dann erst viel- 
leicht ?" Ebenso ist Jer. Chag. II, i zu berichtigen. 

S. 179, Z. 22 ist zu übersetzen: „wenn du aber (nicht fliehst, sondern) die 
Strafe Gottes auf dich nimmst, dann bist du morgen mit deinen Söhnen 
bei mir" d. h. dann habt ihr denselben Grad der Seligkeit, wie ich. 

Das. Z. 14 V. u.: „sondern deine Söhne werden zu Fürsten eingesetzt." 



Noten zu Midrasch Wajikra raba. 283 

S. 181 y Z. 3: ,,nm sie von Grnnd aus auszurotten/* 

Das. Z. 7: Statt: „wer stellt" muss es heissen: „wer erhält?" 

Das. Z. 12: ,,an einer pfltchtmässigen Leiche/' d. h. welche zu bestatten 
Niemand sonst da ist, als der gerade Anwesende. 

S. 184, Z. i: „denn wen du schlägst, mit dem nimmst du es genau." 

Das. Z. 17 muss es heissen: ,,Gab es denn in deinem Lande nichts der- 
gleichen (Brod, Aepfel etc.)?" 

Das. Z. 19 muss es heissen: ,, nicht, um euren Reichthum zu sehen." Statt 
p3^nT327 ist mit Pesikta Emor und mit Tanchuma imnu* zu lesen. So steht 
auch in Ber. r. Par. 33 yn MM "poioS, „habe ich dein Geld nöthig?" 

S. 185, Z. 19: „unter dem ganzen Himmel ist er mein" (nicht: ist alles mein). 

Das. Z. 28 muss es heissen: „wer hat mich gepriesen?" 

S. 186, Z. 20: Nicht: „zum Schimpf," sondern: „zum Anstoss, zum Unglück." 

S. 187, Z. 7 muss es heissen: „habe ich es nicht schon durch Mose 

gethan?" 
S. 188, Z. 17: „An drei Stellen kam Gott, um zu rechten mit Israel." 

Bas. vorletzte Zeile ff.: „Wenn ich das Vergehen meines Sohnes bei diesem 
Richter anbringe, so tödtet er ihn alsbald. Sie wartete, bis der Richter 
fertig war. Als er geendet, sprach er: Was hat dieser dein Sohn ....?" 

^189 vorletzte Zeile muss es heissen: „von hundert Schreien, welche die 
in den Wehen liegende Frau schreit, sind neun und neunzig zum Tode." 

S* 190, Z. 1 1 : „wegen ihres gethanen Ausspruches." R. Levi erklärt ]ftH 
für Hauch: euer Thun ist von Hauch (Nichtigkeit), und weil ihr das 
Wort gehaucht: Alles, was Gott geredet, wollen wir thun." Im Aram. 
bdsst n^, schreien, rufen. 
^a.Z, 13: „Den Gräuel wählt er an euch; jenen Gräuel, von dem geschrieben 
ist: sie machten sich ein gegossenes Kalb, von jenem Gräuel bringet 
mir ein Opfer." 
^u> Z. 5 T. u.: „sie haben ihn mit der Ferse getreten", d. h. sie haben ihn 

verschmäht" • 

^' i92t Z. 15: „mit bösen Rathschlägen gegen Israel." 
^^. Z. 26: „Wenn sie noch zart sind unter dem Schoss ihrer Mütter," d. h. 

gleich nach der Geburt. 
S. 193, Z. 2. 3. 6. 7 ff.: „Danksagungen werden aufhören, aber die Dank- 
sagungen des Dankopfers" u. s. w. Das Wort n^Tin und mn wird hier 
in einem doppelten Sinne genommen: als „Dank, Preis" und als „Be- 
kenntniss" vgl. iB^yo n^mn. Vgl. auch Ber. r. Par. 22 und Wajikra r. 
Par. 10: '(»p Kyi, .... „R. Chama im Namen des R. Chinena b. R. 
Jizchak sagte: Fröhlich ging er von dannen .... Da begegnete ihm 
Adam und sprach: Was können wir thun in deiner Rechtssache? Er 
antwortete ihm: ich habe Busse gethan und Versöhnung gefunden. Als 
Adam dies gehört, schlug er sich auf sein Angesicht. So gross, sprach er 
zu ihm, ist die Kraft der Busse, und ich wusste es nicht? In jenem Augen- 
blick begann Adam Psalm, für den Sabbathtag: Gut ist es, nS nmnS, 
dem Ewigen zu bekennen." So auch Midr. Tehillim Ps. 92: „Gut ist es, 
dem Ewigen zu bekennen". Das hat Adam gesagt, damit von ihm alle 
(nachfolgenden) Geschlechter lernen (lies: vyiPD) ü^yvt Sy mioiy »0 Sair, 
„dass Jeder, der seine Sünden bekennt, und sie verlässt, von der Ver- 
urtheilung zum Gehinnom errettet wird." Ebenso Ber. r. Par. 71: D^cn 
'n rM nriK, „Lea ergriff den Stab des Bekennens n^Tin l^r, und darum 
entstammten ihr Männer des Bekennens (nmn ^h*Jl); Juda, von dem 
es heisst: er erkannte sie und sprach: sie ist schuldlos: von mir ist 
es." S. auch Sota fol. 7*» und lo»». 
Das, Z. 27 besser: „sondern der Zügel ist gelöst, es gibt kein Gericht und 
keinen Richter," Gott kümmert sich nicht, ob der Mensch gut oder 
schlecht handelt. 



284 Noten zu Midrasch Wajikra raba. 

Das. Z. 7 V. u.: besser: ,,später aber sagten sie.'' 

Das. Z. 3 V. u. ist zu setzen: „von der Mühe um sich (um seine irdischen 
Angelegenheiten), da zieht er keinen Nutzen, aber von der Muhe um 
die Thora zieht er Nutzen. 

S. 194, Z. 22: „Wie viel Mühe und Anstrengung verwendeten die Israeliten, 
um das Gebot des Omer zu erfüllen." 

Das. Z. 33 ist zu setzen: „in die Graupenmühle." Levy liest hier crirA 
D*D^13 h\ff (im Text: o^cns hv O^mS), aber in der Mischna Menachot 10, 4, 
Geroara Menach. 6, 4 und so Pesikta Omer steht mon: hfff O'm'». 

Das. Z. 34 muss es heissen: „herauszubekommen." 

S. 195, Z. I. 2: „Wer ist es, den wir nicht eingeladen haben (wen haben 
wir nicht eingeladen), dass er diese Worte geschrieben ?" 

Das. Z. 5: „mit den Personen" steht nicht im Text, und widerspricht auch 
dem Folgenden: „weil du mich nicht mit meinen Genossen geladen 
hattest." Z. 17. 

Das. Z. 26: „Zur Zeit, wenn die Israeliten den Willen Gottes erfüllen." Die 
Lesart ist corrumpirt, und siehe hierzu M. K. zu Midr. Kohelet Schlag- 
wort: iSoj? ^53 ü'wh p"»n' nc, und Buber zu Pesikta Omer. Die wahr- 
scheinlich richtige Lesung ist: Dn'3»a n'33Bn pr* ]^HV pir, aus welcher 
die Abschreiber in Waj. r. nichts zu machen wussten, und dafür will- 
kürlich, wie Buber richtig bemerkt, setzten uprihv «ivt pcnj? htnu^v ]CT2. 
Es ist mit Geiger (Jüd. Zeitschr. VII, 192) anzunehmen, dass die Stelle sich 
auf den Streit über den Anfang der Zählung r\2V7\ pr^nriQ bezieht, indem, 
wenn die Zadukim und Boethusim, wie die Familie Jojarib seit Alexander 
Jannai und die Hohepriesterfamilien, die von Herodes eingesetzt wurden, 
erst vom Sonntag an zählten; dann waren es meist (d. h. wenn nicht 
Pesach auf Sabbath fiel) nicht volle 7 Wochen. Und wenn also nach 
den Pharisäern entschieden ward, dann waren es immer 7 volle Wochen 
bis zu Schebuoth. Es heisst also: „wann sind es sieben volle Wochen? 
wenn (die Priesterabtheilungen) Jesc-hua und Schechanja nicht wahrend 
dieser Zeit fungiren" (die sich nach den Pharisäern richteten). 

Das. Z. 29 ist eine Frage, ebenso Zeile 31: „du willst mir nicht meinen 
Wächterlohn geben ?" „Wächter (Hüter, Censor"); •^ts» ist nicht Censor; 
sondern : avvTtjQex'g, von avvtijQicDy bewachen. Siehe auch Buber zu Pe- 
sikta Omer. 

Das. Z.^.29: heisst nicht: „für meine Wachsamkeit," sondern: „und du giebst 
mir nicht meinen Wächterlohn?" 

Das. Z. 31: „und du lässt mich nicht von deinen Gerichten versuchen, damit 
ich wisse, was sie bedürfen, ob Thau ob Regen?" 

Das. Z. 7 V. u. ff. muss es heissen: „wenn es (das Land) Regen bedarf, so 
(gieb es) reichlich; bedarf es des Thaues, dann erhebe dein Erbtheil, 
o Gott, und das Ermattete mögest du stärken." In den Stellen hier und 
in Koh. rabba ist nach Pesikta, Pesikta rabb. und Jalkut zu Ps. 68, 10 
das Ende des Verses auch noch hinzusetzen, nämlich: "^nSna c^mhn r;»an 
n3:i3 nr.K niAai. 

S. 197, Z. 12 V. u.: „weil bei ihnen jenes Geschlecht leer war an Recht- 
schaffenen." S. Buber zu Pesikta Omer, Note 49. 

S. 198, Z. 3 ist zu setzen: „Dort (in Babylonien) sagte man: man machte 
daraus einen Laib für den Hund, und er versuchte es nicht einmal." 
(min ist hier ausgelassen: »ih^h m"in n'3^0 P^J'*-) 

Das. Z. 17 V. u. ist zu setzen: „jenem Juden entgegen, der gekreuzigt werden 
soll. Statt ^K'ir, welches M. K. ohne Grund mit „Beherrscher" erklärt» 
ist mit Buber (1. 1. Note 63) und Levy S. 145 »;'3T \STiri» |»Tn »03CK 
Ks'rsoS zu lesen. 



Noten zvL Midrasch Wajikra raba. 285 

S. 198, Z. 9 V. u. muss CS hcisscn: „er band (iDK) seinen Gurt unk" 

Das.: „mischte das Badewasser" ist zu streichen, denn iTmpl nUTO f^ ist nach 
Midr. Ester, Pe$ikta und Pesikta r. zu streichen. 

S. 199, Z. 3 muss es heissen: „derjenige, der roagister palatii (Oberhofmar- 
schall ist, der wird nun Bader." S. meine Note zu Midr. Ester S. 102. 
Alles Andere als ]>^ht *WttDJ)D sind erklärende Glossen, und dann cor- 
rumpirt. dofitvog ndvrwv ist eine Corruptel. 

Das. Z. 13: „Hast du es dir nicht selbst zugezogen?" 

Das. Z. 15: „um zu erfüllen an euch, was in eurer Schrift (der Thora) steht." 

Das. Z. 19: „dass du mich erhöhet hast" ist hier dem Sinne des Midrasch 
gemäss; so auch Raschi ^^nsJin. 

S. 200, Z. 8: „am ersten Tage des Jahres (am Neujahr)," dabei ist nach Pe- 
sikta Bachodesch hinzuzufügen : „war der erste Mensch erschaffen: wie so ?" 

Bas. Z. 17 Ende: Statt: nr steht in Pesikta: rvw, „du bist ein Vorbild für 
deine Nachkommen." 

S. 301, Z. 5: „Wenn du geglaubt hättest und gestiegen wärest, würdest du 
nie mehr gesunken sein." 

Dm. zur Note: Genauer: „mit Dreien ward die Verhandlung begonnen, mit 
Fnnf discutirt, und der Beschluss gefasst mit sieben Gelehrten." Siehe 
Sanh. I, I. Aber dies galt nur bei ruiP liaj?. 

Dil. letzte Zeile und S. 202, Z. 4 ist zu setzen: „seinen Senat," atyxli]TOV 
(Accus. V. avyxXtjzog), avyxXlzijg ist aber „Tischgenosse" (v. avyxXiva}\ 
passt also hier nicht. 

S.203, Z. I: „Am Neumond, an der Erneuerung," das bedeutet: erneuert 
eure Werke; mit dem Schophar ("iCB», schon sein) bedeutet: schmücket 
i&achet schön eure Werke." 

Dw.2. 2 V. u.: „Der und der soll Jene oder Diese heiraten; aber ein Nichts 
tind die Menschen." 

^M. letzte Zeile: „Diese oder Jene soll Jenen heiraten; aber der Täuschung 
Hnd die Kinder des Mannes unterworfen." Statt KB^u muss es ent- 
sprechend dem HVin heissen: HV\ So auch Pesikta. 

^•204, Z. 10: „du erlassest, übergehest und sühnest die Verschuldungen 
deines Volkes." 

S. 20^, Z. 12 ff.: Hier sind in Wajikra r. zwei verschiedene Sätze unter ein- 
ander geworfen, worauf Buber aufmerksam gemacht. Es muss heissen: „Im 
siebenten (^^ne^n) Monat, d. h. im Monate, in welchem sieben beson- 
dere Gebote zu erfüllen sind; die des Schophar, des Versöhnungstages, 
der Laubhütte und der vier Pflanzen des Feststrausses. Oder es lässt sich 
^**2C7i trma erklären: der Monat, in welchem Alles in Ueberfluss ist, 
die Keltern, die Scheunen {roi^i hier zu lesen nach Pesikta und Jalkut 
statt m3"T3), alle Arten süsser Früchte." 

S. 205, Z. 6 V. u.: „Unter den Schemitta- Jahren ist das siebente Schemitta- 
Jahr bevorzugt." 

S. 206, Z. 3: „Wenn das Blasen nach Bestimmung der Thora das Sabbath- 
verbot verdrängt, so sollte es auch auf dem Lande (ausserhalb des Tem- 
pels) dasselbe verdrängen; wenn diese Bestimmung aber nicht von der 
Thora ist, so sollte es auch im Tempel das Arbeitverbot am Sabbath 
nicht verdrängen. Während sie da sassen und diese Schwierigkeit er- 
örterten, ging K aha na vorüber." (Nicht: ein Priester, sondern wn3 
ist hier Eigenname, Rab Kahana). 

Das. Z. 19. 20: „R. Simeon b. Jochai sagte: Die Schrift sagt: es soll euch ein 
Tag des Posaunenblasens sein, und ihr sollt ein Feueropfer darbringen. 
Das will sagen: an dem Orte, wo die Opfer (am Sabbath trotz der sonst 
verbotenen Arbeit) dargebracht werden, da soll (am Sabbath, wenn er 
auf Rosch Haschana fällt) euch ein Tag des Posaunenblasens sein." 



286 Nol«il IQ Midrasch Wajikra raba. 

S. 207, Z. I : „welclie nnt den Lohn für ihre Zeitversäumniss nehmen." 

Das. Z. 16 V, n.: „sein Lagtr," d. i. seioen Sarg. 

S. 20S, Z. 12. 13: Hier ist die Lesung in Fcsikta vonuiiehen: „die Fülle 

der Freuden vor deinem Angesichte d. i. die Schrift, die Mischna, der 

Talmud and die Agada." So ist statt: „fünf Freuden" za übecsetzen. 
Das. Z. 13 T. n.: „welche die Kinder mit Gewissenhaftigkeit unterrichten." 
Das, Z. 3 V. n. ist lu setzen: „den Palmiweig" [ßaiov). Siehe Atuch s. v. 

Buber und Levy s. t. ]'ik3. 
S. 209, Z. 3 V. a. ff.: Siehe meine Note zu Debatim t. (S. 125). 
S. 110, Z. 6: „R. Jizcbak legte den Vers auf die jetzigen Geschlechter aus." 
Das. Z. II muss es heissen: „daraus geht hervor" (|)UQ). 
Das. Z. 23: „das sind die gegenwärtigen Geschlechter." 
Das. Z. 7 V. u,; „Denn er kommt, am Neujahrs- und Versöhn an gs lag." 
S. 211, Z. 2: „einer {inm Götzendienst) verleiteten Stadt." 
Das. Z. 7: „an diesem Tage," am Hoschan afeste. 
S. 21t, Z. \j: „Uehrere Tage darauf," besser: „nach einiger Zeil." 'pVc und 

^vXttxtj heisst auch Gefängniss; und ist hier „GefSngniss" zu übersetzen. 
S. 212, Z, 24: „Als er innerhalb zehn Meilen von der Stadt war, gingen ihm." 
Das. Z. 18, II und 5 v. u. überall: „wollen wir eine neue Rechnung an- 

S. it3, Z. 7. 8: Nämlich er vergleicht "sirt mit vöiaf. 

Das. Z. 9: „R. Tarphon sagte: niE3 (niB^) bedeutet: gebunden; wenn seine 
Blätter des Palmzweiges (Lulabs) auseinandergehen, muss man ihn zu- 
sammenbinden." 

Das. Z. 13: „und fiachweidcn: daraus sehen wir nur, dass es Weiden vom 
Bache sein sollen; woher weiss man, dass auch Weiden der Ebene und 
der Berge gebraucht werden dürfen? Weil steht: „und Weiden." Auf- 
fallender Weise haben aas Nachlässigkeit der Abschreiber sowol Pe- 
sikta, wie Wajikra r. und Jalkut, Gemara babli in Sncca und Sifra 
Vi] <3^ VT). Nur in Jeraschalmi Sacca III, 3 steht richtig: <3iJM S"n 
(ohne Vü), und Raschi zu Babli Succa 33'' Ende scheint blos ^aip vor sich 
gehabt zu haben. Ei wandert mich, dass dies dem Scharf blich Bubers 
entgangen ist. Raschi erklärt, aus der Mehrzahl '^'J? folge, dass mehrere 
Arten von Weiden gemeint seien; denn rpy und nc sind in der Ein- 
zahl, und anch rcs wird, weil defecliv, als Einzahl gedeutet. Gemara 
babli hat o"o Sm 'aip Vn. Das d"o folgt nur aus 'zrti, also ist '-ni hier 
■ r Aofühtung überflüssig. Abba Saul m^I: B;.cliweLdea (der "■ " 




Noten zvL Midrasch Wajikra rabba. 287 

S. 217, Z. II : Nicht: ,,die Häupter unter euch," sondern: ,,die Aerxnsten 
unter euch" (MSC G'B^nn). 

S. 218, Z. 20 V. u. Ende muss es heissen: „es steht (nicht onia^i plene, son- 
dern) on^j) (defectiv, kann also auch wn^i gelesen werden, und hiesse 
dann), Männer, weil sie sämmtlich Männer sind (die Engel), und kein 
Weib unter ihnen." 

Das. Z. 17 V. u.: „und brachte herab die Stärke ihrer Zuversicht.'* 

Das. Z. 10 V. u. ist zu setzen: „und ihre Zusicherung ist in ihr selbst ent« 

halten." 
S. 219, Z. 8 muss es heissen: „vollkommen" (oSt^); nachdem aber der Tempel 

zerstört war, hat Gott gewisse rmassen (wenn man es sagen könnte) seine 

Dienerschaft vermindert, und Gott sprach. 

Z. 6 V. u. muss es heissen: „hättest du es auch nicht sagen können" (eig. 
hätte es kein Anderer sagen können). „Was haben denn aber die 
Früheren gesagt (woher das Licht komme?") 

S. 220, Z. 11: „Ich bin nur gekommen, um dich zu beglücken;" mit dem 
Gebot, mir zu Ehren ein Licht anzuzünden, wollte ich nur dein Heil. 
Siehe M. K. Es ist zu lesen >r\H2 vh. 

Z. 3 V. u.: „Unter nTK Periode, ist die Periode der Frauen gemeint." 

S. 221, Z. 10: „sondern bückten sich vor ihnen; sie sehen, wie dieselben 
(durch Verfinsterung) geschlagen werden. 

Z. 13: „Was heisst ejio (gepflückt)? :)tB ist so viel als h^i:p getödtet, wie 
aus I. B. M. 37, 33 zu ersehen : Josef ist von wilden Thieren BjnD ge- 
tödtet worden. R. Berachia sagte: „Noah sprach zu ihr, wenn du es 
(das Blatt durch das Abreissen) nicht getödtet hättest, wäre es (dieses 
Blatt) zu einem grossen Baume erwachsen." 

S. 222, Z. 16 ff, ist zu setzen: Wann (ist dies der Fall)? „Wenn die Nied- 
rigkeit sich erhebt den Menschen, d. h. wenn der niedrige, in der Welt 
verachtete Weinberg sich erhebt." 

Z. 9 v. u. muss es heissen: „Wann" (ist dies der Fall)? „Wenn die Niedrig- 
keit sich erhebt, wenn u. s. w." 

S. 223, Z. 4. Oder: „Wann" (ist dies Fall)? „Wenn sich die Niedrigkeit 
erhebt Wenn Gott die Pflanzung der Bastarde bekannt macht." 

Z. 17 V. u. muss es heissen: „hast du so sprechen dürfen? (geziemte es sich 
dir, so zu sprechen, auf den König Saul zu sagen: meine Feinde alle 
mögen beschämt werden?") 

S. 224. Also: „Was sie geredet haben, ist mir so lieb, als das Anzünden 
der Lichter, und Bar Kapara sagte: was sie geredet, ist mir so lieb, als 
das Bereiten des Räucherwerks." 

Z. 4 V. u.: „Er kam von dem (Lernen des) vorhergehenden Bibel- Abschnittes." 
Er sprach : Da steht: du sollst feines Mehl nehmen, und es backen." 

S. 225, Z. 15 V. u. Statt: „Willst du gut thun?" muss es heissen: „Schaflfe 
tüchtig, arbeite tüchtig." 

Z. 7 V. u.: „Dass Niemand aufstand und für den Namen Gottes eiferte." 
Z. 5 V. u.: „Dass Niemand aufstand und über ihn den Gottesnamen aus- 
drücklich sprach, und ihn dadurch tödtete." 
S. 226, Z. 3: „mit (der Bedingung) der Geheimhaltung durch die Israeliten." 
Z. 18: „Darum erfolgte deine Entlassung." Das erste Wort ^jjn^BJ ist das 
zu erklärende Text wort in Cant. 4, 12, und es wird erklärt mit !]?n^^ 
„deine Entlassung" aus Aegyptens Sclaverei. Also nicht: „Darum 
haben dich deine Gesandten geschickt." 
Z. 27 muss es heissen: „Die Einhaltung der Keuschheit genügte schon für 
sich, dass dadurch die Israeliten erlöst wurden." R. Chija b. Abba 
sagt: Es bedurfte zur Erlösung nicht des Verdienstes Josephs. Die Ein- 



288 Noten lu Midrasch Wajikra rabba. 

Iialtnng der Keuscbheil derlsraeltlcn genügte schon (^my:) für sich allein, 
dass eie dadaich (durch die Eiobaltung der Keuschheit) die Erlösung 
verdienteo. R. Pinchas im Namen des R. Chija (so ist nach Midr. Schir. 
zu berichtigen) widerspricht dem R. Abba b. Kahana (ebeitfalU nach 
Midr, Schir berichligl\ Dieser sagt : Das Verdienst des Josef habe ihnen 
die Erlösung gebracht. Dagegen sagt R. Pinchas: Das bedurfte es nicht, 
es genügte schon ihre eigne Keuschheit, um ihnen die Erlösung zu 
verdienen. 
's. 217. Z. 7, y. „Du kannst es davon ersehen, dass es so war; eine Ein- 
zige war es (unzüchtig), und diese nennt die Schrift öfTenllich." 

Z. 7 statt: „weil sie ... . etwas (Schimpfliches) über ihren Sohn gebracht 
hat" ist zu setzen: „weil sie ... . Verderben (Tod, eig. Pest -iy^ über 
ihren Sohn gebracht hat." 

Z. J4 mnss es heissen: „Man (d. h. die Schrift] erwähnt lobend und erwähnt 
tadelnd." Die Schrift erwähnt lobend 2. B. M. 35, 30: „Sehet, Gott 
hat mit Namen berufen den Bczalel, Sohn Uri's, Sohnes Churs, aus dem 
Stamme Jnda," Die Schrift erwähnt ladelod Josua 7, i : „Und es nahm 
Achan, Sohn Karmi's, Sohnes Sabdi's, Sohnes Serachs aus dem Stamme 
Juda von dem Banngot." Die Schrift erwähnt lobeod 4. B. M. 4, 15: 
„Mustere die Söhne Levi's nach ihren Familien, nach ihren Geschlech- 
tem." Die Schrift erwähnt tadelnd 5. B. M. 2;, 17: „Gedenke, was 
dir Amalek gethan .... der dir auf dem Wege begegnete, und alle 
Schwachen unter dir angriff, während du müde und matt warst." Die 
Schrift erwähnt lobend Ester 1, y. Ein jüdischer Mann war in der 
Residenz Snsa, und sein Name Mardachai, Sohn des Jair, Sohnes des 
Simei, Sohnes des Kisch, ein Benjaminite. Die Schrift erwähnt tadelnd 
das. 7, 6: Der feindselige, gehässige Mann ist dieser ruchlose Haman. 
Die Schrift erwähnt lobend das. 10, 3: Denn der Jude Mardachai war 
der zweite nach dem König Ac hasch werosch gross bei den Juden, 
beliebt bei der Menge seiner Freunde, Gutes fordernd seinem Volke, 
und zum Heile redend für all dessen Nachkommen." Die Schrift erwähnt 
tadelnd das. 9, 24: „Denn Haman, Sohn Hamdatas, der Agagi. der 
Feind aller Juden, ersann den Untergang gegen die Juden." Die 
Schrift erwähnt lobend 1. Sam. 17, 12: „David aber war der Sohn 
dieses Ephrathiten aus Bethlehem Juda, und sein Name war Isai." Die 
Schrift erwähnt tadelnd i. Kön. 11, 26: Und Jerobeam, Sohn Nebau, 
des Ephrathiten aus Zereda, der Name seiner Mutter war Zerua, eine 
Witlwe, er war Knecht (Beamter) Salomos, und hob die Hand gegen 
den König." Die Schrift erwähnt lobend 1, Som. i, i: „Und es war 
'1 Manu von Ramalhaim Zophim auü dem Gebilde Ephta' 




Noten zu MidrascH Wajikra rabba. ;;3q 

(d. h. Verdammung nach dem Tode) wünschen soll." Denn Sanh. 43b 
sagt von Achan: ,,Und Josua sprach, wie hast du uns Unheil gebracht, 
Unheil möge dir bringen der Ewige an diesem Tage; und ganz Israel 
steinigte ihn." — „an diesem Tage widerfährt dir Unheil, nicht aber 
widerfahrt dir Unheil in der Ewigkeit." Dasselbe gilt von Michajehu. 
Denn Sanh. I03heisst es: Gott machte den Michajehu trotz seines Götzen- 
dienstes der künftigen Welt theilhaftig, weil er den Wanderern Nahrung 
gereicht So heisst es auch in Sifra: „Der Name seiner Mutter war 
Salome, Tochter Dibri's aus dem Stamme Dan (desshalb die Nennung 
des Namens seiner Mutter, seines Geschlechtes und seines Stammes) 
bedeutet einen Tadel für ihn, einen Tadel für seine Mutter, einen Tadel 
für sein Geschlecht, einen Tadel für seinen Stamm. Dementsprechend 
ist zu erklären: Und mit ihm Oboliab, Sohn Achisamachs vom Stamme 
Dan, ein Künstler und Kunstweber, das ist ein Lob für ihn, für seinen 
Vater, für sein Geschlecht und für seinen Stamm, dem er entsprossen. 
Dem JTDPOI p3T0 (die Schrift erwähnt lobend) entspricht: mv iS rQC 
'vy\ V2tiht wie dem ppniWöl pnano (die Schrift erwähnt tadelnd) die Worte 
entsprechen: ickS *M13 iS ^K13. So fasst auch Raschi unsem Midrasch 
und die Sifrastelle auf, wenn er zum 3. £. M. 24, 11 sagt: „Das lehrt 
(die Nennung des Namens seiner Mutter und seines Stammes), dass der 
Böse sich Unehre macht, seinem Vater und seinem Stamm. Aehnlich: 
Oboliab ben Achisamach vom Stamme Dan : „ein Lob für ihn, für seinen 
Vater, für seinen Stamm." Ich habe deshalb die im Midrasch (im Ver- 
trauen, das der denkende Leser sich die entscheidenden beweisenden 
Worte des Verses von selbst ergänzen werde) nur mit den Anfangs- 
worten citirten Verse vollständig hingesetzt. Denn das Missver- 
ständniss kommt und kam hauptsächlich daher, das man die citirten 
Verse nicht bis zum Ende las und liest, und daher den Zusammenhang 
verkennt. Die aber von mir deshalb vollständig übersetzten Bibel- 
stellen zeigen, wie einfach der Zusammenhang derselben ist, mit den 
Worten: „Die Schrift erwähnt tadelnd oder rühmend" und wie ge- 
zwungen (abgesehen von dem Unrichtigen) die Erklärung von pn'3?3i und 
wünscht Seelenruhe, und von pi5ntrs „und wünscht Zermalmung der 
Gebeine" sich zeigt. Auch hat der Herr Herausgeber und Uebersetzer 
übersehen, dass p"Oia nicht heissen kann: „man erinnert sich", sondern 
als Hiphil: „man erwähnt", und unter „man erwähnt" ist gemeint: „Die 
heilige Schrift erwähnt", wie man vSy ]<SyJ3 „man rechnet es ihm 
an" auch sagt für 2Vi3n vS;* nhyr2 „die Schrift rechnet es ihm an," 
oder nain ^dv iS ]^m:, Gott giebt ihm reichen Lohn, oder inoS XSP, 
^ pi?0O Gott unterstützte ihn. 

S. 228, Z. 7: „Da sagte R. Jacob b. Acha zu ihm: Das ist nach dem Worte, 
welches Rabba und Rab Huna im Namen von Rab gesagt haben." 

^as. Z. 20: „Da sprach R. Berachja: unsre Brüder, erweiset diesem Manne 
etwas Gutes." 

Das. Z. 23: „Um augenblicklichen Lebensunterhalt zu bitten bin ich zu dir 
gekommen, («^a, bitten.) 

S. 229, Z. I muss es heissen: „ich sah ihn (den Leuchter) von massivem 
Gold. ]»»Din3 iS'H muss heissen: pDnaiS« = dXöxQvaog, ganz von Gold" 
(«p3 am 1^ ist eine erklärende Glosse zu I^DnaiS«. 'uT n»n»On WH ist 
Uebersetzung am r\y\iü rum »n»K1. Siehe u. S. 33. Auch dort ist arm iSo 
^3 eine Glosse. 

Das. Z. 18. 19 muss es heissen: „wenn ein zehntpflichtiger Laib vor 
ihm liegt und man verzehrt ihn, ehe er verzehntet ist, da . . . ." 

Das. Z. 24 muss es heissen: „R. Chija bar Abba sagte: hat Jemand vor 
sich einen Korb Feigen, und er isst sie, ehe sie verzehntet sind, da 
ist Tod in der Gewalt der Zunge; hat er sie nach dem Verzehnten 
gegessen, da ist Leben in der Gewalt der Zunge.^* 

Wünsche, Midrasch Wajikra r. I9 



200 Noten zu Mid rasch Wajikra rabba. 

S. 230, Z. 3 V. u. ist zu setzen: ,,kränkten sie Ihn, (es ist ü^in nHS)» ge- 
meint) indem sie zu ihm sprachen: Du willst unsre Stammbäume auf- 
zeichnen? Ehe du unsre Stammbäume aufzeichnest, gehe und verzeichne 
das Geschlecht deines Sohnes Eleasar/' 

S. 231, Z. 4: „fing er an, sein Geschlecht rühmend hervorzuheben." 

Das. Z. 24 : „selbst wenn daran und an seinen Kleidern (vSddl) Zeichen sind." 

Das. Z. 30 muss stehen: „weil er sie öffentlich beschimpfte." Es steht nicht 
OlDnig, sondern monw. Das Targ. Jonath. zu l Sam. 17, 10 »nDVI »an 

^inw»'noi:?o nn lautet: ^in»n mo n» nnon kl>«. Targ. Jer. zu 4 lii. 
25, 13 steht: Kin rwa^TO »0^0 13 H^n ')0»oS «nnom B\h^n^ und es ist da 

unser Midrasch wiedergegeben und auch das Zeitwort IDTI als: „be- 
schimpfen, höhnen*' gebraucht. 

Das. Z. 7 V. u.: Statt: „über^ ortheilt" muss es heissen: „schimpft." n^n 
wird hier einerseits als „schimpfen," dann als „übervortheilen" ge- 
nommen. 

S. 232, Z. 13 muss es heissen: „Das Targum von \ni^ inn (i B. M. i. 2): „Die 
Erde war wüste und öde" ist H'T«." Siehe Targ. Onkelos, Targ. Jer. 
I u. II. 

Das. Z. 19: „und hier wollt ihr meinen Götzen für nichtig erklären?" 

Das. Z. 19 V. u.: So übers. Targ. Jon. la^; hsh yh:i^ r\H »pwm mit mannKi 

Das. Z. 10 V. u.: „und jetzt verbindet ihr euch gegen sie" ist unrichtig. 
Es ist die Fortsetzung des Verses Ezech. 16, 42: „und sie legten (on^OS) 
Ringe an ihre Hände." Targ. Jer. I u II giebt on»D» mit «»ertp wieder: 
„Ringe." Das Wortspiel des aram. Wortes mit dem hebr. tsnp und 
T^vnp benutzt R. Juda b. Simon. 

Das. Z. 7 ff. v.u. muss es heissen: „Akylas übersetzt es: naXaiä nÖQVfj; es ist 
dies aber die Uebersetzung von Symmachus nnd von Theodotion, wäh- 
rend Aquila übersetzt: rov xazat^ltpai fjtoixsla^t und die beigefügte 
aram. Uebersetzung tnKU M^Sao Mm passt auch nicht zu nakaia nd^yijj 
sondern zu rov xazatplipai fioiyjiaq. Siehe Geiger nachgel. Sehr. IV, 85. 
Es ist also die Citirung ^y\\t «^«B falsch. 

S. 233, Z. 10: „Mein Herr und König!" Unter: „ihr werdet dort fremden 
Göttern dienen" ist nicht gemeint (*UDO^), sie anzubeten. 

S. 234, Z. 7: „welcher eine Leiche beerdigt, wo sonst Niemand zum Be- 
statten da ist." 
Das. Z. 16: Siehe dagegen Nedarim fol. 39 h. 

Das. Z. 3 V. u.: Statt: „ich gebe es dir hiermit als Geschenk" muss es 
heissen: „ich hatte es dir geschenkt." 

S. 235, Z. i: „Dieser (d. h. der, der sich des Armen annimmt)." 

Das. Z. 10: „(eig. und nimmt ihm weg das gute Werk)." 

Das. Z. 17. 18: „gewissermassen wird gewöhnlich der Borgende dem' Dar- 
leiher verpflichtet (dienstbar)." 

Das. Z. 21: „Denn giebt er ihm etwa eine Peruta? Nein! sein Leben giebt 
er ihm." 

Das. Z. 23 u. 26 ist zu setzen: „ein Laib Brod." 

S. 236, Z. 3: „Ist denn diese arme Seele nicht ein Gast im Körper?" 

Das. Z. 14. 17. 19. 35: Der Midrasch nimmt ooan e^^h nicht für: Mann der 
Bedrückung (TVl), sondern wie Targ. Jon. Kip!»»D maJ „der Mittelmann," 
der gerade nicht arm ist, aber auch nicht zu viel hat; so auch Ger- 
sonides; (Aben Esra erklärt es: „Der Bedrückte"). Also: Der Arme 
und der Mittelmann begegnen sich. Der Arme ist, der arm an Geset£- 
kenntniss ist, der Mittelmann, der eine Mischnaordnung oder zwei ver- 
steht. Der Arme kommt zum Mittelmann (zu dem Manne mit mittel- 



Noten zu BdUdrascH Wajikra rabba. 201 

mSssigen Kenntnissen . . . ." Die 70 übersetzen D^^^n B^^M, der Gläu- 
biger, der Geld Verleiher, daveiari^g, Vulg. creditor. 

S. 237, Z. 25: Nicht: ,,Damit sie durch einander glücklich werden," son- 
dern: „Damit sie einander beglücken/^ 

S. 238, Z. 6: „oder werde gross durch mich («a «a*i), beglücke dich durch 
mich (»a •pni »35). 

Das. Z. 12: „um zu arbeiten, dass du essen kannst." 

Dfts. Z. 23 muss es heissen: „und es verschwand nach und nach." (Das 
vorgesetzte Essen verschwand nach und nach). 

Dbs. Z. 3 V. u.: „Allein der Anstand erfordert es, dass, wenn Jemand von 
der Reise konmit, man ihm mit Speise und Trank entgegen geht" 

S. 2^, Z. 12: „und Gott besiegelt (drückt mit dem Siegelring seinen Na- 
menszug unter das), was ihre Hände geschrieben haben." 

Das. Z. 15: „und es wird niedergeschrieben." 

S. 241, Z. 8: „gingen einmal hinab, sich zu baden in den Bädern von 
Tiberias." 

S. 242, Z. 9: „Hier ist die Aufzeichnung: er begann zu lesen und fand, 
dass sie sechshundert weniger sechs Denare ausgegeben hatten." 

S. 243, Z. 18 muss es heissen: „Man nimmt es genau (bei der Nachfor- 
schung), wenn es sich um Kleidung (zu geben) handelt, (nämlich ob es 
dringend nöthig sei, und nimmt es nicht genau, wenn es sich um den 
Lebensunterhalt (Nahrung) handelt." Die Weisen aber sagen: Auch wo 
es sich um Kleidung handelt, nimmt man es nicht genau (ob das Klei- 
dongsbedürfniss dringend sei). Siehe Baba batra fol. 9»: sviüsh rpTU 

nmmh rpTia pm. 

I^ Z. 12 V. u. muss es heissen: „es achte der Meister auf uns (d. h. er 
beachte unseren Rath) und wir wollen nach Hause gehen." 

S« 244, Z. 7 muss es heissen : „an den Wächter." Siehe Jer. Chag. I, 7. 

Ott. muss es heissen: „Nach einiger Zeit." 

^^. Z. 16 ist zu setzen: »fing er an, sie zu schlagen, und ihre Stimmen 
wurden weit gehört, so dass sie sich in der ganzen Stadt verächtlich 
machten.*' Es steht nicht 0:»^, sondern taan ncj (wofür Ber. r. 17 hat 
(nS, soll es heissen) n»S 'HD nen, „er fing an, sie zu schlagen." Statt 
inano Jirhp nivn muss nach Ber. r. 17 berichtigt werden in: pini pSp S>TK1 
)nano es drangen ihre Stimmen weit, so dass sie etc.). 

^^Z. 18: Nicht: „R. Jos. d. Gal. achtete genau auf ihre Stimme," sondern: 
„R. Jose d. Galiläer schaute hinaus, und sah beide auf der Strasse 
Terächtlich gemacht." pnw ist in Targ. Jer. I 15, 24 die Uebersetzung 
von e\ptm, und zu 5 B. M. 26, 15 übersetzt Targ. Jer. I ebenfalls HB^pcn 
mit p'TiK. 

5,245, Z. 18: Nicht: „jenes Gebot," sondern: „ selbst jene Verheissung, und 
dass du lange lebest (nämlich im Messiasreiche), wird bald hervor- 
sprossen, wird beschleunigt werden (durch Wohlthätigkeit)." Siehe M. K. 

Das. Z. II: „Alles, warum du dich mühest, mühest du für dich (kommt dir 
selbst zu Gute)." 

S. 246, Z. 13 muss es heissen: „(Ist Jemand), der Etwas umsonst hergiebt? 
Wo ist dann der Vortheil davon? Bei David, König von Israel, von 
welchem geschrieben ist." K»n p rrvi 13TB« heisst: „der Genuss von 
diesem, wo ist er?" änoxii ist hier nicht: Quittung, sondern: Vortheil, 
Genuss, von dnixof, etwas daran haben, geniessen, wie xagnöv^ (xia^öv. 

Das. Z. 24 muss es heissen: „Was bin ich weniger, als der da . . . ." 
Siehe M. K. 

Das. Z. 10 V. u.: „um" ist zu streichen. 

19* 



202 Noten zu MidrascH Wajikra rabba. 

S. 246, Z. 7 V. XL muss es heissen : ,,Gott bescheerte ihm einen KapernstrancH» 
und dieser reichte um den Garten herum und umzäunte ihn, und von ihm 
ernährte er sich sein Lebenlang." Es ist nach Jer. Schabbat 15 Ende 
zu berichtigen ncv^ ^6^ n^Vff statt nfiv: hu ]S^K. Dann ist ebenso statt 
1071 darnach zu berichtigen in ronnS nSp (und er ging hinein , reichte um 
den Garten) Tt'yiX) und umzäunte ihn," so dass der Eigenthümer ihn nicht 
zu umzäunen brauchte, wie er erklärt hatte: er werde ihn nie umzäunen. 

Das. vorletzte Zeile: Statt: „an denselben Feiertagen muss es heissen: an 
den Halbfesttagen (des Pessach und Succoth)" ijin hu An. 

S. 247, Z. I : „am Sabbath für seine Bedürfnisse zu Gott zu flehen." 

Das. Z. 17. 18: „und sprach: zu der und der Wohnung gehe ich, aber meine 
Füsse führten mich (statt dahin) in die Synagogen und Lehrhäuser.*' 
iSin '3H gehört zu dem Vorhergehenden. 

Das. Z. 6 V. u.: „und nicht nur das (dass sie nicht von M bis n gehen, son- 
dern mit 1 unfangen und mit n schliessen); sie sind auch in umge- 
kehrter Folge," nämlich V. 14 beginnt mit 1 und V. 46 schliesst 
mit n. 

Das. Z. 9 V. u. Note: Siehe Tanchuma zum Verse yop Dinn, wonach der 
Schluss von l B. M. 18, 22 ursprünglich gelautet: „und Gott stand noch 
vor Abraham/' aber dies ist eine von den Aenderungen der Schreiber, 
vorgenommen in der Absicht, das Volk vor falschen Vorstellungen von 
Gott fernzuhalten. 

Das. Z. 5 V. u. muss es heissen: „oder unter „meinen Satzungen'' sind zu 
verstehen die Satzungen, durch die ich Sonne und Mond«" 

S. 249, Z. 12 ist zu setzen: „Durch feindliche Schaaren unsicher gemacht.'* 

S. 250, Z. 6, 5 V. u.: „Denn wenn das nicht wäre, so würde der, welcher 
sich zur See begiebt (Oin^ Tll'), sofort sterben." 

S. 251, Z. 3. 4 muss es heissen: „in der gewöhnlichen Regenzeit" (vom 
Marcheschwan an). Siehe Taanit 6»: -^om ^'^pn r\H }^^'Vff lUT njr»ai 
Hjnin hSjd moo »"1. rrSf^T) heisst: Das, was den Boden befruchtet, wie 
Rab Jehuda gesagt: Der Regen ist der Gatte des Erdbodens. 

Du sagst: in der gewöhnlichen Regenzeit; oder bt es nicht 
vielmehr gemeint an den Vorabenden der Sabbathe? Darauf ward 
erwiedert: Selbst in den Jahren , wo so viel Regen käme, wie in den 
Jahren Elias (nach der Versammlung auf dem Karmel), wäre der Regen» 
wenn er an Vorabenden der Sabbathe fiele, ein Zeichen des Fluches. 
Wie erfüllt sich also der Vers: „Ich werde nur Regen geben zu ihrer 
Zeit" d. i. in der gewöhnlichen Regenzeit (vom Marcheschwan an)." 

Das. Z. 19: „Schelmaza;" es ist Salomzion gemeint, die Gattin des Königs 
Alexander JannaL 

Das. Z. 26 ff.: „Ich werde eure Regen geben zur Zeit, nicht aber die 
Regen aller anderen Länder zu ihrer Zeit. Wie kann aber dabei er- 
füllt sein (eig. wie kann ich erfüllen) das Wort (i B. M. 12, 3): „Durch 
dich sollen alle Geschlechter der Erde gesegnet werden und durch deine 
Nachkommen?" — Dadurch, dass Ueberfluss im Lande Israel ist, und 
Misswachs in allen anderen Ländern, wird man von allen andern Län- 
dern kommen und Früchte von euch kaufen . . . ." 

Das. Z. 36. 37. 40: „Mindestens zwei Regenzeiten nach R. Me'ir, und nach 
R. Jose mindestens drei Regenzeiten. 

S. 253, Z. 9 muss es heissen: „In der Vorzeit hast du die Erde gegründet 
und deiner Hände Werk ist der Himmel." 

Z. 28 ff. muss es heissen: „Wenn es nach der Meinung, die mein Vater 
(ICM) geäussert hat, richtig ist, so steht deswegen überall zuerst Himmel, 
und dann Erde, und heisst es an einer einzigen Stelle desshalb: „am 
Tage, da der Ewige, Gott, Erde und Himmel geschaffen", um zu lehren, 
dass keines dem anderen voranging," 



Noten zu MidrascH Wajikra rabba. 203 

S. 254, Z. 12 rnoKS es heissen: „Die grossere niedriger zu sein scheint, als 
die andere, in Israel scheint Jeder von ihnen, der sich in der Thora 
bemüht und den Andern in der Thora übertrifft, niedriger (beschei- 
dener), als er." 

Z. 5 V. n.: „Wie man vom Weinstock frische und getrocknete Reben hat." 

S. 355, Z. 4 Statt: („vom sauren") muss es heissen: („sondern ehe er noch 
ausgegohren"). Siehe Jalkut 11, 829. 

S. 256, Z. 7: „D. i. Bitteres vor mir, nämlich Achas, und Bitteres nach 
mir, nämlich Manasse." 

Z. 11: „Der Same der Gerechten wird gerettet. Es heisst nicht: der Same 
des Gerechten, sondern: der Gerechten, er war zwischen zwei Gerechten 
(zwischen seinem Vater Jotham und seinem Sohne Hiskia) hervorgezogen , 
and deshalb ward er gerettet" 

Z. 5a Statt: „Die Thiere" muss es heissen: „Der Behemot (Nilpferd) . . ." 

S. 257, Z. II V. u. Das Wort e)X bedeutet nämlich auch: Zorn. Weil Ja- 
kobs Lagerstätte fehlerlos war, und er keine unwürdigen Kinder erzeugt 
hatte, darum ist bei ihm e)K, der Zorn Gottes nicht anwendbar. 

S. 260, Z. 5 u. 10: „zehn Obolen" (poSlß) S. Sachs, Beitr. I, 149. 



Noten und Bemerkungen 

von 
D. O. STRASCHUN. 



S. I, Z. i6 y. u. ist 'wörtlich so zu übersetzen: „War es denn ein Engel des 

Ewigen, war es nicht Mose?'' 
Das. Z. 15 V. u. ist statt „yergl." zu lesen: Ebenso. 
Das. Z. 10 V. u.: Das Weib des Manoach, wie sagt dieses? S. das 

S. 2, Z. 4 V. o.: Tanchuma hat hier: DU»»Dm DnpBlO l^nw^^m nipWÖ XFTW «m 

•DTO w'in n»» nie raoi D^^aiü vnn»B rwn^ d*»*)«». 

Das. Z. 10 V. o.: Dies ist das Bewandtniss (*ül). 

Das. Z. 19 V. o. ist zu lesen: Da ist Mose gemeint. Gewöhnlich.... Auch 
im Text ist nvo TXt einzuschalten. 

Das, letzte Zeile ist auf das Wortspiel p^^S Libanon und ph, weiss auf- 
merksam zu machen. 

S. 3, Z. 2 u. 6 ist zu ,,Herz" zu bemerken, dass der Midrasch pa^h als Jy» 
Herz deutet. 

Das. Z. 20 V. o.: ebenso i Reg. 5, 4: „Denn er herrschte {TV^'n) 

Das. Z. 22 V. o. zu „Verzäuuer." Der Midrasch liest nämlich ywam so: «an 
Tli = »an, Vater, TU, Zaun. 

Das. Z. 26 V. o.: '^»aj^nr. Die Litterae j;"n"rf'K wechseln. 

S. 4, Z. 16 y. u.: Die Schrift redet hier yon Abraham (onnaio *D10). 

Das. Z. 12 y. u. ist auf das Wortspiel Vün, Frommer und iDMi Gnade auf- 
merksam zu machen. 
Das. Z. 8 y. u. : da es das. heisst .... 

S. 5, Z. II y. o. ist „13 für die Bedürfnisse Israels" zu streichen, oder so 
zu übersetzen: Und derjenige, welcher 18 annimmt, zählt $0:5, welche 
er für sein eigenes Bedürfniss, und 13, welche er für die Bedürfnisse 
Israels geführt hat. 

Das. Z. 18 y. o. ist *]nwi yo^n falsch mit: Recht und Licht übersetzt, es 
sind darunter die D^Sinn Dnw gemeint s. Ex. 29, 30. 

Das. Z. 15 y. u. ist dicht ein Druckfehler für: „dich." 

Das. letzte Zeile: des Wortes ro^, gehe. 

S. 7, Z. 13 y. u.: Allein es ist keine .... 

S. 9, Z. 2 y. o.: yerfügte (*i;9M), dagegen bei Mose Er rief (mpn, 

mit I«) Mose. 

S. II, Z. 8 y. u. ist zu lesen: R. Jizchak dagegen sagte: Hat er die Israe- 
liten nicht gegen Zahlung (D^Sia) genommen ? Gab es nicht ? 

Ist dieses nicht eine Zahlung? 



Noten und Bemerkungen. 205 

S. 12. Z. 15 V. o. : Mit dem Vers Jerem. 31, 20 beginnt nämlich der Absatz, 
worauf die Controyerse der beiden R. Josua sich bezieht. 

S. 13, Z. 2 V. o.: ertheilst, da es so Num. 28, 2 heisst: Befiehl den 

Kindern Israels .... Rede mit den Kindern Israels n. s. w. Gott ant- 
wortete (A ^OH): Weil sie mir angeheftet sind («S ppm pr). 

Das. Z. 8 V. u. ist zu lesen: an jedem Tage befahl (fragte) er seinen Haas- 
leuten: Hat mein Sohn gegessen, hat mein Sohn getrunken? Ist er 
schon in die Schule gegangen? Ist er aus der Schule gekommen? 

S. 14, Z. 13 y. o. lies: So ein Mensch („yon euch" fehlt) an der Haut .... 

S. 17, Z. 5 y. u. ist zu bemerken: Dieses Stück ist aus Tana debe Elijahu 

Cap. 6 entnommen, und unter „er** ist Elijahu gemeint. 
^. 18, Z. 2 y. o. ist zu lesen: ich will dann einen 

S. 18, Z. 28 y. u. ist statt: „leeren Wind" zu lesen: Wohlgefallen. Ebenso 

später, twy^ wird nämlich yon dem Chaldäischen Ml)^^ abgeleitet. 
S. 19, Z. 15 V. u. ist zu lesen: ihr Wille war es. 

S. 22, Z. 5 y. u.: d. i. die Opfer (D^JTTp) des Heiligthums d. s. die Opfer 

der Grenze (SniPl »BHp). 
^•26, Z. 5 y. o. ist einzuschalten (linken) vor „Hand;" unter 1} ist nämlich 

in der rabbinischen Literatur die Linke zu verstehen, zumal es hier im 

Gegensatz von „rechte (po^" steht. 
^* 29, Z. 23 y. o. : „Du sollst nach der Mehrheit entscheiden." 

^- 3o, Z. 15 y. o. ist zu lesen: und eins (das 5. Mal) ist auf die Zukunft 

y^ anzuwenden y s. das. V. 35 

'^^$. Z. 19 y. o. ist zu lesen: hundertundvier, statt: hundertundzwanzig." 

VergL Berachot fol. 9 b. Der Redacteur des Midrasch hat 3= zwanzig 

statt 1 = vier gesetzt. S. die Erläuterungen Sam. Straschun, Midrasch- 

^ ausgäbe, Wilna 1878, 3. Aufl. 

' 32, Z. 20 y. o. ist so zu übersetzen: Und wie gross muss das Stück 

sein? (Scheiltot de Rab Achai Gaon hat ausdrücklich: nS^MQ mn nZ3ai 

^ T^&nfi.) Nach R. Me'ir ein Stück wie zwei Handbreiten .... 

* 33, Z. 14 y. o. wäre gut vor „wie es heisst" einzuschalten: „(Dass das 

Wort OMTJ'iO, sie strecken sich, auch Vorhang, Ueberhang bedeutet) 

w^^ vergl. Ex. 26, 12: „Und das Ueberhangende (nnp\) 

*-^^s. Z. 22 v. 0. ist zu bemerken, dass der Midrasc'h D^BllDn, sie faseln 
(Arnos 6, 5) von taiD, öffnen und Sa3, Harfe (das.) von hSm, Schänd- 
iiches ableitet. 
^~ 34» 2. 3 V. o. ist zu lesen: wer kann zu ihm sprechen (V'K 'O). 
^^ ^^. Ende : Zu dieser Erzählung vergl. Debarim r. Par. V. S. meine Noten 

Noten das., wo ich einige Varianten aus Jer. Horajot HI gebracht habe. 
^- 36, Z. 9 v. u.: ^S D»SrnS ist nicht richtig „mit dir Frieden schliessen" 
übersetzt, es kann schon deshalb nicht vom hebr. DW, Friede abge- 
leitet werden, da es mit dem Dativ "]S steht. ü\hv, Friede kommt stets 
mit DJ? oder n> vor. Dieses D'Stt^nS ist vom syrischen ü^fl abzuleiten 
und zu übersetzen: „dir (die Stadt) zu übergeben." Tr. Taanit fol. 29a 
hat auch »S na*SBW. S. meine Uebersetzung (Max Niemeyer, Halle a. S. 
1883) S. 170 u. 171, wo das Wort ausführlich erklärt und mit 24 Beleg- 
stellen nachgewiesen ist, dass es mit „Übergeben" übersetzt werden 
muss. 
^» 37i Z. 10 V. o. ist zu bemerken, dass der Midrasch das Wort HQt^HS so 

liest: no B^kS,. 
M8, Z. II V. u.' ist statt: „Nein," zu lesen: Ja (pH). 

^•39i Z. 20 V. o.: „Feste" wohl ein Druckfehler, es muss „Veste" heissen. 
^4s. z. 30 V. o. ist zu „starken" zu bemerken, dass der Midrasch Dn»H, als 

in»K deutet. 
^•41, Z. n V.u.: Jalkut hat ausdrücklich: inai3 p. Ebenso Pesikta Cap. 22. 

^■46, Z. 28 V. u. ist für „Jahre" zu lesen: Stunde. Im Text ist nach V'Tin 
zu lesen njTBf statt: nar. 



2q6 Noten und Bemerkungen. 

S. 47, Z. lo V. o. ist für „i^ur*' zu lesen: nicht. 

S. 50, Z. 22 V. u. ist zu „Ganzopfer zu bemerken, dass der Midrasch das 
Wort n^yn, stolz, hochmüthig deutet. 

S. 55, Z. 17 V. o.: Rabbi, würdige mich der Aufmerksamkeit, bei uns zu 
speisen. R. Janai dachte nämlich, dass der Mann, da er so rein und 
schön gekleidet war, ein Gelehrter sei, und daher forderte er ihn zum 
Speisen auf. 

S. 57, Z. 18 V. u. ist zu lesen: betreffs des Ganzopfers; das ist da» 

Ganzopfer" d. i. das die Kinder Noachs 

Das. Z. 17 V. u.: D'oSr nnm nai ist eig. zu übersetzen: Und als die Frie- 
densopfer an die Reihe kommen. 

S. 60, Z. 10 V. o. ist zu bemerken: beim untreuen Weibe nämlich s. Num. 5, 23. 
Das. Z. 17 V. o. ist der Ausdruck pi p t6» ein Schwur, so und so mag ge- 
schehen , wenn .... 

S. 61, Z. 23 V. o.: Weil es heisst: Das ist die Thora für das Ganz- 

und Friedensopfer." 
S. 64, Z. 10 V. o: Ebenso hier bei Aaron: Aus meinem Palaste sollst da 

nicht weichen d. i. „aus dem Heiligthum soll er nicht herausgehen" (s. 

Lev. 21, 12); „und das Uebrige sollst du von meinem Tische essen'* 

d. i. „Und die Ueberreste der Speisopfer sollen Aaron und seine Sohne 

essen" (s. Lev. 2, 3). 
Das. Z. 24 V. o. ist „unserm" zu streichen; unter M^yy auch ^T\ ist R. Juda 

der Fürst gemeint. 

S. 65, Z. 15 V, o. ist für: „Wohin ging er" zu lesen: Woher kam er? 
Das. Z. 24 V. o. ist zu lesen: Was ist mit deinem Urtheile geworden? 

S. 66, Z. 4 V. o. ist zu bemerken, dass die Litterae C|"S'Y'2i wechseln. 

S. 68, Z. 21 V. o. ist zu lesen: nur der König, der auch Sohn eines Königs 

ist, wurde nicht gesalbt. 
S. 69, Z. 12 V. u. ist für „erkenne ich'* zu lesen: sollt ihr erkennen. 

S. 73, Z. 7 V. o. ist hier zu ergänzen : „Als aber Aaron die Priestergewänder 
anzog und am achten Tage den Dienst verrichtete, da ruhte die Sche- 
china auf ihm, wie es Lev. 9, 24 heisst: .... So nach Sifra. 

Das. Z. 17 V. u.: Was gab es da für eine Noth? S. V. 2: „Sie führten (^ 
nicht ilfj) Krieg." 

Das. Z. 2 v.'u.: Es heisst mn (obgleich gelesen K^n wird, zu deuten): dass 
er den Namen .... 

S. 77, Z. 8 — 13 v, o.: In allen Versen steht nämlich n^nv 

S. 78, Ende der Parascha: Taanit am Ende hat auch dieses Stück und ich 
habe in meiner Uebersetzung (Max Niemeyer, Halle a. S.) S. 185, dazu 
Varianten aus Jer. Megilla II, Hai. 4; Schir r. zu 7, i; Schir r. zu i, 3: 
Kohelet r. zu i, 12 und Midr. Tillim zu Ps. 48 gegeben. 

S. 79, Z. I V. o. : im Namen des R. Ami sagte : . . . . 

S. 80, Z, 17 V. u.: für „zwei" zu lesen: beide. 

S. 84, Z. 4 V. u.: Heute sind meine Söhne gestorben und heute soll ich 
Opfer bringen? heute sind sie gestorben, heute soll ich die heiligen 
Opferspeisen geniessen ? 

S. 85, Z. 14 V. o. ist nach Jalkut zu Chabakuk 3, 6 hier so zu berichtigen : 
Gott mass alle Nationen und fand keine würdig, das Gesetz zu em- 
pfangen; Gott mass femer alle Geschlechter und fand kein Geschlecht 
so würdig, das Gesetz zu empfangen, als das Geschlecht in der Wüste. 
So nach den Erläuterungen meines Grossvaters S. Straschun (Midrasch* 
ausgäbe, Wilna 1878). 

Das. Z. 22 V. o.: sah u. s. w. 

S. 88, Z. 4 V. o.: Bereschit r. giebt andere Zahlen an. 

Das. Z. 10 V. o.: wie der Scorpion sechzig auf einmal zur Welt bringt 



Noten und Bemerkungen. 207 

S. SSy Z. 13 V. o. ist zu lesen: Manche legen den Vers so aus: „Schrecken" 
d, i. Edom vergl. Dan. 7, 7 ; „Finsterniss" d. i. Griechenland .... 

Das. Z. 26 V. o. ist zu lesen: Der Buchstabe y im Worte IJ^'O, vom Walde, 
Ps. 80, 14, ist nach der Massora schwebend, das bedeutet: verdient 
ihr es, so kommt es aus dem Flusse (statt des schwebenden Buchstaben 
y wird nämlich M gesetzt und *)\H\i^, aus dem Flusse gelesen, wenn 
nicht, so kommt es vom Walde (IJ^'ö). 

Das. Z. 18 V. u.: „Eines verschieden (l»at^) von dem Andern" (Dan. 7, 3). 
Lies nicht |^jr, verschieden, sondern f^^D, gehasst. Daraus geht hervor...« 

S. 93, Z. 4 V. o.: das will Hi. 36, 3 sagend. . . . 

S. 95, Z. 13 V. o. ist für „Lakisch" zu lesen: Levi. 

S. 96, Z. 3 V. u. ist zu lesen: Kein Rasirer rasirt sich selbst ("IDQ, Rasirer). 

S. 97, Z. 17 f. V. u.: besser ist das Stück in Bereschit r. Par. 24, Bibl. Rabb. 
S. III, Z. 6 f. V. o. wiedergegeben, siehe das. und die Noten des Dr. 
Fürst das. Das Stück muss hier so lauten: Jener Wind zur Zeit Hiobs 
war derselbe, wie der zur Zeit Jonas und der zur Zeit Elias, nur wäh- 
rend der Wind zur Zeit Hiobs sich nur auf sein Haus, und der zur 
Zeit Jonas, sich nur auf das Schiff beschränkte (nn«n ne^iwn nnw ^»SB^a 
VI^Sk Sb^ nniH ist zu streichen), verbreitete sich der Wind zur Zeit 
Elijahus auf die ganze Welt. (Jeruschalmi Berachot IX hat sogar: 

tfnyn hs a''Vin^) R. Tanchuma bar R. Chija, nach 

manchen im Namen der Rabbinen sagte: Der König Messias kommt 
nicht eher, als bis alle Seelen erschaffen sind, welche im göttlichen 
Schöpfungsplane aufstiegen. 

S< 98, Z. 4 V. u. : Tanchuma hat die Erzählung ausführlich s. das. 

^' loi, Z. 9 V. u: Alle Ausschläge darf der Mensch besichtigen, nur seine 
eigenen nicht. R. Meir sagte: Auch die seiner Verwandten darf er 
nicht besichtigen. Wer besichtigte denn den Aussatz der Mirjam? 
Meinst du etwa Mose, ein Fremder (der nicht Priester ist) darf doch 
die Ausschläge nicht besichtigen? Oder meinst du etwa Aaron, ein 
Verwandter darf doch die Ausschläge nicht besichtigen? 

S. 102, Z. 7 V. o.: „Eine erhabene Stelle (riHT)" d. i. Babel, vergl. Jes. 14, 4: 

„So erhebe (WW3i) .... 
Das. Z. 18 v. o.: zischte (e\v _^ nnDD). 

S. 103, Z. 21 V. u. ist zu lesen: Was treiben diese da? Sie sollen nun dafür 

vertrieben werden (in's Exil wandern)! 
^- 105, Z. 8 v. o.: pfi2^ ist nicht gekrümmt, sondern Epilepsie. 

S. 106, Z. 15 v.u. muss es heissen: Standen sie — das Weib und ihr 
Kind — hinter der Thür (dass, wie er anfing von dem Wunder Elisa's 
dem König zu erzählen, das Weib mit dem Kind erschien)? Die Rab- 
binen sagen aber: Würde das Weib sich selbst am Ende der Welt be- 
funden haben, so hätte sie Gott hierher gebracht, damit (sie selbst und) 
nicht der Ruchlose das Lob Gottes erzähle. 

S. 108, Z. 9 V. u.: Das Wörtchen „nicht" ist zu streichen. 

^.109, Z. 10 v. o. : Warum? Weil es heisst: Wer das Regen der Lippen 
schafft (betet, dem ist) Friede, Friede! 

^. Z. 2 V. u.: Der eine sagt: Der Psalmist Assaph (der diesen Psalm sang), 
war der Assaph, Sohn Korachs; der andere sagt: Es war ein anderer 
Assaph. Jener, welcher sagte, dass es der Assaph, der Sohn Ko« 
rachs war, hat als Grund, weil dieser sagen konnte: ich hätte schon 

längst beim Vater in der Hölle verweilen können ich hätte 

schon längst mit den Ruchlosen in der Hölle sein können. 

^- 112, Z. I V. o. ist die Parenthese zu streichen, da es im Verse ausdrück- 
lich heisst: Und das Gewölk wich vom Zelte, und siehe, Mirjam ist 
aussätzig .... 

Das. Z. 8 v. u.: dann erst s. das. V. 36. 



2q8 Noten und Bemerkungen. 

S. 113, Z. 14 V. o. ist zu „Kaufleute" zu bemerken: dass ])fiS auch die Be- 
deutung Kaufmann hat. 

S. 116, Z. 2 V. o. ist zu lesen: Chananja. 

Josua ben Chanaoja wird immer bezeichnet (in D^tniDKl D^M^ *)1I0) 
„der zur Zeit des Kaisers lebte," ohne den Namen des Kaisers. Daraus 
ist zu entnehmen , dass er zur Zeit des Kaisers Hadrian lebte. Ebenso 
findet sich Taanit 7% dass eine Kaisertochter den Josua ben Chananja 
neckte, auch da ist zu ergänzen: die Tochter des Hadrian. 

S. 117, Z. 9 v.u.: nßllta wäre besser zu übersetzen: „in die Flucht schlagen," 
dann wird es mit dem Gleichniss des Priesters, der den Laib Brot zu 
werfen drohte (Z. 14 v. u.), übereinstimmend. 

S. 119, Z. 25 V. o. ist zu lesen: ihr habt mich belogen. S. Aruch s. v. e^;ir. 

S. 121, Z. 19 o. o. ist besser mit V'Tin zu lesen: Der Mensch schlägt durch 
den Henker und heilt durch den Arzt, Gott aber schlägt und heilt 
durch sich selbst, vergl. Deut. 32, 39: „Ich schlage und ich heile." 

Das. Z. 25 V. o.: Der Midrasch deutet nämlich den Vers so: „und von deinen 
Schlägen wird das Heilmittel." 

Das. Z. 12 V. u.: Im Vers steht nämlich zweimal CV, ü\^ (Tag), und ein Tag 
ist tausend Jahre. 

Das. Z. 4 V. u.: „Bar" ist zu streichen. 

S. 122, Z. I V. o.: „Raben." aiij^ wird als anj, Abend gedeutet. 

Das. Z. 5 V. u. ist für „Centnerschwerer Gegenstand" zu lesen: ein Brot ("03). 

S. 127, Z. 20 V. o. ist zu lesen: Darf man so verfahren? Giebt man eine 

Seele Heisst es nicht Deut. 23, 15: „Du sollst nicht " 

Da entgegneten sie ihm: Hat nicht deine Grossmama so mit Scheba 
ben Bichri gehandelt? 

S. 134, Z. 14 v. u. ist zu lesen: sagte R. Elicser zu Ima-Schalom. — So 
hiess nämlich die Frau des R. Elieser. — 

S. 136, Z. 16 V. o. ist zu lesen: R. Berachja sagt: Gott sagte .... 

Das. Z. 23 V. o. ist zu ergänzen: Gott gesehen und gegessen und getrunken? 

Das. Z. 7 V. u.: er nicht schaute (D«ano). 

S. 138, Z. 3 V. o.: die Haare meines Hauptes und den Saum (n'iOK) meines 

Hemdes. 
Das. Z. 5 V. u.: Ex. 14, 10: „Und Pharao nahte." 

S. 139, Z. 22 V. o. ist nach den Erläuterungen meines Grossvaters Sam. 

Straschun so zu lesen: 248 eiserne Ketten hat Gott in jener Stunde an 

die 248 Glieder des Goliath gelegt. 
Das. Z. 6 V. u.: „Auf dies (fiHta) vertraue ich." Was bedeutet nma? 

S. 141, Z. 2 V. u.: er kann wohl zu jeder ihm beliebigen Stunde hineingehD, 
allein es muss nach dieser vorgeschriebenen Ordnung geschehen. 



D ruckfehlerberichtigung. 

S. 50, Z. 13 v. u. lies: im Sieden. 

S. 62, Z. 6 V. u. lies: den Schlagenden, den Raufenden. 

S. 98, Z. 4 V. o. lies: hat er eingeschlürft. 

Das. Z. 5 V. o. lies: „Und es werde eingeschlürft" u. s. w. 



»»> 



Druck von Bär & Hermann in Leipstg. 



DER 



MIDRASCH BEMIDBAR RABBA, 



DER 



MIDRASCH 

BEMIDBAR RABBA 



DAS IST 



DIE ALLEGORISCHE AUSLEGUNG DES VIERTEN DÜCHES MOSK 



ZUM ERSTEN MALE INS DEUTSCHE ÜBERTRAGEN 



VON 



LIC. DR. AUG. WÜNSCHE. 



MIT NOTEN UND VERBESSERUNGEN VERSEHEN VON 

RABBINER DR. J. FÜRST. 




LEIPZIG 

OTTO SCHULZE 

zz. Qucr-Str. xx. 

1885. 



EINLEITUNG. 



Unter allen Midraschim des Sepher rabbot*) lässt der Midrasch 
Bexnidbar rabba, wegen der äusserst ungleichmässigen Bearbeitung 
des biblischen Textes, am meisten eine einheitliche, aus einer Feder 
geflossene Abfassung vermissen. Schon äusserlich betrachtet stehen 
seine beiden Hälften in keinem ökonomischen Verhältnisse, denn 
die erste derselben, obwohl sie nur die beiden ersten Ordnungen 
nnnion und Mtss umfasst, sich also nur über sieben Kapitel des 
Textes erstreckt, wird in 15 langen, weitschichtigen Abschnitten ab- 
gehandelt, während die zweite, die sich über 29 Kapitel des Textes 
zu verbreiten hat, nur 8 Abschnitte enthält Die erste Hälfte macht 
mehr als die Hälfte des ganzen Midrasch aus; sie füllt in der Ve- 
nediger Ausgabe 43 Blatt, die zweite Hälfte hat nur 30 Blatt. 

Im Ganzen lehnt sich Bemidbar r. an den Midrasch Tanchuma 
an; es sind aber auch viele andere ältere wie jüngere Schriftdenk- 
mäler, in erster Stelle die beiden Gemaren, namentlich die baby- 
lonische, der Midrasch Schir, sodann Wajikra r. und die Pesikta 
rabbati excerpirt worden. Ausserdem begegnet uns auch ein mäch- 
tiger Strom ziemlich junger Haggada, der sich meist in sehr 
gesuchten und spielenden Ausdeutungen und Anwendungen des 
Schriftwortes ergeht. Es kennzeichnet sich dieser letztere namentlich 
durch häufige Wiederholung und durch verworrene Zusammen- 
stellung unzusammenhängender Dinge vergl. z. B. Par. 2, wo es 



•) So lautet der Titel des Midrasch rabba in der Venediger Ausgabe 
▼on 1545. 



VI Einleitung. 

heisst: die drei Erzväter hätten die drei Gebete begründet und 
Mose und Aaron. 

In den aus Midrasch Tanchuma entnommenen Stücken bietet 
unser Midrasch übrigens häufig die ursprüngliche Lesung von Tan- 
chuma, namentlich bei griechischen Ausdrücken, die in unsern Aus- 
gaben des Midrasch Tanchuma durch hebräische Wörter ersetzt sind. 

Fassen wir nach diesen vorläufigen allgemeinen Bemerkungen 
nun den ersten Theil des Bemidbar r. in's Auge, so erstreckt sich 
derselbe, wie bereits gesagt, nur über die zwei Ordnungen *ia*i73a 
und Nbr, und zwar ist die erste derselben in 5, die andere in 9 
Abschnitten ausgeführt. 

Obwohl dem scharfen Auge bei beiden Ordnungen der An- 
schluss an den Midrasch Tanchuma noch erkenntlich ist, so sind 
doch die Zusätze und Einschiebsel so überaus zahlreich, dass das 
Alte gegenüber dem Neuen gänzlich in den Hintergrund tritt Da- 
durch ist aber ein fremdartiger Geist in das Ganze gekommen. 
Besonders deutlich tritt das bei der Ordnung Kb: hervor. Die neuen 
Bestandtheile zeigen hier wenig Gedankenreichthum und Originalität 
In gesuchter und gekünstelter Weise, fast im Charakter des Pilpul, 
wird das Schriftwort hin- und hergedreht Es werden durch Schlüsse 
vom Leichten auf das Schwere, durch Wortanalogien, Transposi- 
tionen der Wörter und Berechnungen des Zahlenwerthes der Buch- 
staben Observanzen und Regeln herausgeklaubt, die nicht im Texte 
liegen. So sind die Abschnitte von der Entfernung der Unreinen 
aus dem Lager, von der Erstattung der Verschuldungen, von dem 
des Ehebruchs verdächtigen Weibe (Sota), von den Gelübden, vom 
Nasiräer und von den Weihgeschenken zu trostlosen Steppen und 
Wüsten geworden, und der Wandrer trifft nur selten einmal in der 
Symbolik oder Vergeistigung eines Gedankens auf eine Oase, die 
ihn für den langen mühevollen Weg einigermassen entschädigt 
Eine solche Oase ist z. B. im 11. Abschnitt die allegorische Aus- 
deutung des Aaronischen Segens Num. 6, 24. 25. Ja, der darin an- 
gestimmte Lobpreis des Friedens darf, abgesehen von einigen Wort- 
deuteleien, in diesem Zusammenhange für eine der sinnigsten Er- 
güsse des rabbinischen Geistes gelten. Was übrigens die Abtheilung 
Sota anlangt, so ist dieselbe in zwei verschiedenen Bearbeitungen 
wiederholt. 

Was das Alter dieser Interpolationen betrifft, so weist alles 
auf ein ziemlich junges Datum hin. Schon das Sprachcolorit und 



Einleitung. VII 

die Nichtberufung auf Autoritäten *) zeigen die späte Abfassung an, 
nicht minder verschiedene an die spätere Kabbala erinnernde Ideen, 
beispielsweise die zehn Himmelssphären, die auf Nichts gesetzt sind 
t>J73 -72 nniEO ity)y die zwölf Kräfte der Seele (;::e:2 D"':i"'rr:73 2"U 
die 70 Namen Gottes, Israels, der Thora und Jerusalems u. s. w. 
Auch die breite Beschreibung der Wappen eines jeden Stammes und 
verschiedene Stücke in Par. 5 und 6 sind ein Zeugniss für die späte 
Abfassung. Auf Grund dieser Thatsachen nimmt Zunz an (s. Gottes- 
dienstliche Vorträge S. 261), dass diese Arbeit aus dem 12. Jahr- 
hundert stamme, und er hat damit den Zeitpunkt ihrer Entstehung 
sicher richtig fixirt. Es wird auch unser Midrasch nicht eher als 
in Schriften aus dem 13. Jahrhundert erwähnt. 

Was nun den zweiten Theil des Bemidbar r. anlangt, welcher 
mit der Ordnung "TjnVms Num. 8 beginnt und acht Abschnitte um- 
fasst, so gewahrt man in demselben im allgemeinen zunächst eine 
grössere Einheit in Abrundung und Stil. Dem Bibeltexte wird mehr 
Rechnung getragen, indem einige Kapitel fast durchgehend erklärt, 
andere wieder, wenigstens ihren Hauptdaten nach, berücksichtigt 
werden. Sodann haben die einverleibten jüngeren haggadischen 
Elemente das Ganze doch nicht in dem Grade verschlungen, dass 
die Oekonomie der Jelamdenus vernichtet worden wäre, im Gegen- 
theil, alle die die einzelnen Abschnitte und Absätze introduzirenden 
Halacha's befinden sich mit Ausnahme einer einzigen, nämlich der in 
Par. XVI betreffs der Frage, ob ein Kind mit einem Steine in der 
Hand am Sabbath fortzuschaffen sei, sogar an derselben Stelle, wo 
sie im Midrasch Tanchuma stehen. Auch die Haggada's des Tan- 
chuma sind theils wörtlich, theils in Auszügen übergegangen. Im 
Geiste jüngerer Commentarien ist die zweite Hälfte von Par. XVIII 
gearbeitet, ausserdem sind in dieselbe ganze Stücke aus der baby- 
lonischen Gemara der Tractate Sanhedrin und Baba batra und aus 
Wajikra r. eingedrungen. Ueber die Einflüsse französischer Rab- 
binen in diesem Abschnitte vergl. Zunz, 1. 1. S. 259, Note d. 

•) Die ältere und mittlere Hagada pflegt ihre Aussprüche und Mei- 
nungen fast immer einer Autorität in den Mund zu legen. 



MIDRASCH BEMIDBAR RABBA. 



Parascha L 

Cap. I, V. I. Und der Ewige redete zu Mose in der 
Wüste Sinai. Das sagt auch die Schrift Ps. 36, 7: „Deine Ge- 
richte bis zur grossen (tiefsten) Tiefe." R. Me'ir sagt: Die Gerechten 
sowohl wie die Frevler werden mit ihren Wohnungen (Aufenthalts- 
orten) verglichen. Von den Gerechten heisst es Ezech. 34, 14: „Auf 
guter Weide lass ich sie weiden, auf hohen Bergen Israels wird 
ihre Trift sein." Und von den Frevlern heisst es Ezech. 31, 15: „So 
spricht der Ewige, Gott, an dem Tage, wo er hinabfuhr in den 
Scheol, Hess ich trauern, deckte über ihn den Abgrund." Womit 
decken sich die Frevler, wenn sie in den Scheol hinabfahren? Mit 
der Tiefe. Chiskia bar R. Cliija sagte: Womit deckt man dieses 
Becken zu?*) Mit einem irdenen Deckel (Geräth). Wie das Becken 
von irdenem Stoffe ist, so deckt man es auch mit einem irdenen 
Deckel zu. So auch die Frevler, was steht von ihnen? S. Jes. 
-Q. 15' »Jni Finstern sind ihre Werke und sie sprechen: wer sieht 
uns? wer kennt uns?" Weil sie finster sind, so stürzt sie Gott in 
den Scheol, der auch finster ist und er deckt über sie den Abgrund, 
der auch finster ist, wie es heisst Gen. i, 2: „Und Finsterniss war 
auf der Fläche des Abgrunds." Das wollen die Worte sagen Ps. 
36, 7: „Deine Gerechtigkeit ist gleich Bergen Gottes" d. i. die Ge- 
rechtigkeit, die du auf die Welt bringst (in der Welt walten lassest), 
i^t so ofi"enkundig, wie diese Berge. „Und deine Gericlite wie grosse 
Tiefe" d. i. dein Gericht (dein Strafgericht), das du in dieser Welt 
übst, ist grosse (unendliche) Tiefe. Sowie die Tiefe verborgen ist, 
so ist auch das Strafgericht, was du bringst, verborgen. Wie so? 
Jerusalem wurde am neunten Tage des Monats Ab zerstört. Wie 
erscheint sie (die Zerstörung) dem Propheten Ezechiel? Sie erscheint 
ihm am zwanzigsten des Monats? Warum? Damit nicht bekannt 



•) Vcrgl. Bere5dTrT;~Par. ^i Anfang; Schemot r. Par. 14. 
Wünsche, &^f^\rt:li Bbi^^t. r. I 



>> 



'9 



<' 






fTAn\i y 






2 Par, I. Cap. I, i. 

werde, an welchem Tage es zerstört worden ist. Wenn er aber 
Israel gross machen (erheben) will, dann macht die Schrift bekannt, 
an welchem Tage, an welchem Orte, in welchem Monate, in wel- 
chem Jahre und in welcher Aera [vTcaxBia) es (die Zählung) statt- 
gefunden hat. 

nach ihrem Auszuge aus dem Lande Aegypten. Was 
sprach Gott zu ihnen? „Nehmet auf die Hauptzahl der ganzen 
Gemeinde der Kinder Israels." 

Oder: „Und der Ewige redete zu Mose in der Wüste Sinai." 
In Verbindung mit Jerem. 2, 31: „Sehet, spricht der Ewige, bin ich 
denn Israel eine Wüste gewesen, ein in Finsterniss gehülltes Land?" 
Gott sprach nämlich zu den Israeliten: Weil ihr Mose befragt habt, 
warum hast du uns aus Aegypten heraufgeführt? Bin ich denn Israel 
wie eine Wüste gewesen? Habe ich mich mit ihnen wie eine Wüste 
verhalten? Wenn ein König von Fleisch und Blut in die Wüste 
hinauszieht, findet er vielleicht da dieselbe Bequemlichkeit, wie in 
seinem Palaste? oder dieselbe Speise und denselben Trank? Ihr 
seid Knechte (Sclaven) gewesen in Aegypten — ich habe euch von 
da herausgeführt und ich habe euch lagern lassen auf Decken, wie 
es heisst Ex. 13, 18: „Und Gott Hess das Volk sich lagern auf dem 
Wege nach der Wüste." Was heisst no^T? Er Hess sie lagern 
nach Weise der Könige, die da ruhen auf ihren Polstern. Und 
habe ich ihnen nicht drei Führer (Erzieher) gestellt, Mose, Aaron 
und Mirjam? Im Verdienste Moses habt ihr das Manna gegessen, 
was eure seligen Väter nicht gesehen haben, wie es heisst Deut 
8, 16: „Er speiste dich mit Manna, das du nicht gekannt hast und 
das auch deine Väter nicht gekannt haben. Im Verdienste Aarons 
habe ich euch (zum Schutze gegen Sonnenbrand) mit dem Gewölk 
der Herrlichkeit umgeben, wie es heisst Ps. 105, 39: „Er breitete 
Gewölk aus zur Decke." Wie weit hat das Gewölk der Herrlich- 
keit die Israeliten in der Wüste umgeben? R. Hosaja und R. Josia 
(sind darüber verschiedener Meinung). Nach R. Josia ging es fünf 
Mil nach allen vier Himmelsgegenden vor ihnen her. Nach R. Ho- 
saja sieben (Mil) nach allen vier Himmelsgegenden, und eins war 
von oben und eins war von unten und eins zog vor ihnen her in 
einer Ferne von drei Tagen und schlug vor ihnen die Schlangen 
und die Scorpionen und die Seraphe (giftigen Schlangen) und die 
Felsen, war der Ort niedrig, so erhöhte es (das Gewölk) ihn, und 
war der Ort hoch, so erniedrigte (senkte) es ihn und machte sie ru 
einer Ebene, wie es heisst Jes. 40, 4: „Jedes Thal werde erhöht 
und jeder Berg und Hügel werde erniedrigt." Den Brunnen hatten 
sie dem Verdienst der Mirjam zu verdanken, weil sie am Meere 
ein Lied angestimmt hatte, wie es heisst Num. 15, 21: „Und Mir- 
jam antwortete ihnen: Singet dem Ewigen," und beim Wasser des 
Brunnens heisst es Num. 21, 17: „Damals sang Israel dieses Lied" 
Wenn ein König von Fleisch und Blut, sagte R. Berachja der 
Priester im Namen des R. Levi, grosse (angesehene) Männer nach 



Par. I. Cap. I, i. ^ 

einer Provinz sendet, dass sie ihre Lasten tragen und ihre Rechts- 
sachen ausüben (d. i. sich nach ihren Bedürfnissen umthun) sollten, 
wer muss für ihren Unterhalt sorgen? Nicht die Bewohner der Pro- 
vinz? Gott aber hat nicht so gethan, sondern er sandte Mose, 
Aaron und Mirjam, wie es heisst Mich. 6, 4: „Und ich sandte vor 
dir her Mose, Aaron und Mirjam." Und wegen der Verdienste 
dieser Personen wurdet ihr erhalten. Das Manna (kam) im Ver- 
dienste Moses. Du kannst es auch daraus erkennen, dass es im 
Verdienste Moses geschah: Als Mose entrückt worden war s. Jos. 
5, 2: „Da hörte das Manna auf vom andern Tage an." Und das 
Gewölk der Herrlichkeit (erschien) im Verdienste Aarons. Woher 
lässt sich das beweisen? Als Aaron entrückt war, was steht da 
geschrieben? Num. 21, 4: „Das Volk wurde des Weges überdrüssig," 
denn die Sonne verwundete (stach) sie. Dem Verdienste der Mirjam 
hatten sie den Brunnen zu verdanken. Wie heisst es das. 20, i? 
,,Und Mirjam starb daselbst und wurde daselbst begraben." Was 
folgt darauf? S. das. V, 2: „Und die Gemeinde hatte kein Wasser." 
Wie war der Brunnen beschaffen? Es war ein Felsen wie eine Art 
Bienenkorb, welcher sich rollte und die Züge mit ihnen machte. 
Und als die Fahnen lagerten und die Wohnung stand, kam dieser 
Fels und Hess sich auf dem Hof des Stiftszeltes nieder, und die 
Fürsten kamen und stellten sich auf denselben und sprachen: Steige 
auf Brunnen und er stieg auf. Alsdann habe ich euch Wachteln 
gebracht Bin ich den Israel etwa (wie) eine Wüste gewesen? Habe 
ich mich wie eine solche gegen euch verhalten? Oder wenn ein 
nebliges Land war, stand es nicht in meiner Gewalt, euch zu 
leuchten, wie es heisst Ex. 13, 21: „Und der Ewige ging vor ihnen 
her am Tage" u. s. w. Oder: „Ein Land der Finsterniss." Was 
heisst: ü^bDÄia? Habe ich euch vielleicht versprochen, dass ich euch 
etwas Gutes bringen wollte und ich habe es verspätet? Denn das 
Wort n'»bc»» heisst nichts anderes als n^pbn, Verspätung vgl. Ex. 
9, 32: „Der Waizen und der Spelt wurden nicht geschlagen, weil 
sie später reif sind." Siehe, es ist nichts unerfüllt geblieben (eig. 
es ist nichts gefallen) von dem, was Gott den Israeliten versprochen 
hat Darum hat auch Josua gesagt s. Jos. 21, 45: „Es ist kein 
Wort von all den guten Worten, welche der Ewige zu dem Hiuse 
Israels gesprochen hat, gefallen, alles ist eingetreten. Jerem. 2, 31: 
„Warum spricht nun mein Volk: Wir sind gesunken?" Was heisst 
mn? Es ist ein Ausdruck der Mischna, wie es heisst: Wenn einer 
heisses Brot herausnimmt Die Israeliten sprachen: Wenn das Brot 
im Ofen gebacken (gekocht) ist und herausgenommen wird, kann 
es im Ofen dann noch bleiben? Und wir waren in seiner Gewalt 
wie in einem Ofen, wie es heisst Jes. 31, 9: „Einen Ofen hat er 
in Jerusalem," und du hast uns nach Babylon versetzt und was ver- 
langst du noch von uns? (Also hast du uns herausgenommen). 

Oder: „Warum spricht mein Volk: Wir sind unterworfen, wir 
kommen nicht mehr zu dir?" Was heisst im? Wie es heisst 



^ Par, I. Cap. I, i. 

I Reg. 5, i: „Er (Salomo) herrschte über die ganze Seite des Stro- 
mes." Die Israeliten sprachen nämlich zu ihm: Du hast uns den 
Tempel gegeben und deine Schcchina uns entzogen, was verlangst 
du noch von uns ? „Wir kommen nicht mehr zu dir." Darauf ant- 
wortete er (Gott) ihnen: Möchte ich doch jetzt einer Wüste glei- 
chen, wo sind alle die Wunder, die ich euch erwiesen habe, wie 
es heisst Jerem. 9, i: „O hätte ich doch in der Wüste eine Her- 
berge, wie Wanderer, so wollte ich mein Volk verlassen." Und wie 
bin ich gepriesen worden, wie es heisst Jes. 42, 11: „Es jauchzen 
Wüste und ihre Städte, die Zeltdörfer, die Kedar bewohnt, es jubeln 
die Felsenbewohner." Gleich einem Fürsten, der in eine Stadt ein- 
zog, als ihn die Bewohner sahen, flohen sie vor ihm; er zog in die 
zweite Stadt und die Bewohner flohen vor ihm; er zog in eine zer- 
störte (wüste) Stadt ein, da kamen die Bewohner ihm entgegen und 
priesen ihn. Diese Stadt, sagte der Fürst, ist die beste von allen, 
hier will ich eine Versammlungsstätte aufbauen und darin wohnen 
(eig. und hier will ich wohnen). So auch, als Gott an's Meer kam, 
floh dasselbe vor ihm, wie es heisst Ps. 114, 3. 4: „Das Meer sah 
es und floh, und die Berge hüpften wie Widder." Als er in die 
öde Wüste kam, eilte ihm alles entgegen und pries ihn, wie es 
heisst Jes. 42, 11: ,,Es jauchzen die Wüste und ihre Städte, die Zelt- 
dörfer, die Kedar bewohnt, es jubeln die Felsenbewohner." Da 
sprach er: Diese Stadt ist mir die liebste von allen Städten, in ihr 
will ich eine Versammlungsstätte errichten und darin wohnen. Da 
fingen sie sich zu freuen an, dass Gott darin wohnen wollte, wie 
es heisst Jes. 35, i: „Es freuet sich Wüste und dürres Land." 

Oder: „Der Ewige redete zu Mose in der Wüste Sinai." Bevor 
das Stiftszelt stand, sprach er mit ihm im Dornbusche, wie es heisst 
Ex. 3, 4: „Gott rief ihn aus dem Dornbusche," und darauf heisst 
es das. 12, 1: „Der Ewige sprach zu Mose und zu Aaron im Lande 
Aegypten also;" dann sprach er mit ihm in Midian, wie es heisst 
das. 4, 19: „Der Ewige sprach zu Mose in Midian." Er sprach 
auch mit ihm auf dem Sinai, wie es (hier) heisst: „Und der Ewige 
redete zu Mose in der Wüste Sinai." Als aber das Stiftszelt stand, 
sprach er: Die Zurückgezogenheit ist schön vgl. Mich. 6, 8: „Zurück- 
gezogen zu wandeln mit deinem Gotte." Siehe, nun sprach er mit ihm 
im Stiftszelte. So hat auch David gesagt Ps. 45, 14: „Alle Ehre einer 
Königstochter ist im Innern (im Gemach), von Goldwirkerei ihr Ge- 
wand." Unter der Königstochter ist Mose zu verstehen, wie es 
heisst Jes. 19, 4: „Ich überlieferte Aegypten in die Gewalt harter 
Herrn," d. s. die Plagen, welche über Aegypten gekommen; „und 
ein mächtiger König herrscht über sie" d. i. Mose, welcher der 
König des Gesetzes war, das Tr, Macht genannt wird, wie es heisst 
Ps. 29, 11: „Der Ewige verleiht Macht seinem Volk." Deshalb ist 
„alle Ehre einer Königstochter inwendig, von Gold Wirkerei ist ihr 
Gewand" d. i. Aaron, wie es heisst Ex. 28, 13: „Und Goldwirkerei 
sollst du machen." Daher haben die Alten gesagt: Ein Weib, was 



Par. I. Cap. I, i. c 

in Zurückgezogenheit (keusch) lebt, wenn sie auch nur eine Israelitin 
(und keine Priestertochter) ist, verdient von einem Priester gehei- 
rathet zu werden und Hohepriester zu stellen, wie es heisst: „Von 
Goldwirkerei ist ihr Gewand.** Gott sprach: So ist es meine Ehre 
(d. i. ich halte es für geziemend), dass ich im Innern (in der Ein- 
samkeit) spreche, wie es heisst Num. 7, 89: „Wenn Mose in das 
Stiftszelt kam." 

R. Josua ben Levi sagte: Wenn die Völker der Welt gewusst 
hätten, wie schon (nützlich) der Tempel für sie wäre, so würden sie 
denselben mit Schutzwehren umgeben haben, um ihn zu erhalten; 
er war ihnen schöner (nützlicher) als den Israeliten; denn so hat 
Salomo in seinem Einweihungsgebete gesagt i Reg. 8, 4: „Und 
selbst auf den Fremden, der nicht von deinem Volke Israel ist, 
wenn er zu dir betet" u. s. w. V. 43: „Und thue alles, um was der 
Fremde zu dir ruft;" aber wenn er auf die Israeliten zu sprechen 
kommt, wie lässt er sich da aus? Er sagt 2 Chron. 6, 30: „Gieb 
jedem nach seinem Wandel, sowie du sein Herz kennst." Verdient 
er es, so gewähre es ihm, wenn nicht, so gewähre es ihm nicht. 
Und das bezieht sich nicht etwa blos auf den Tempel, sondern 
wenn Israel nicht wäre, würde kein Regen herabkommen und die 
Sonne würde nicht scheinen. Denn in ihrem Verdienste (ihretwegen) 
verschaflft Gott seiner Welt weiten Raum und in der künftigen Welt 
werden die Völker auf die Israeliten sehen, wie Gott mit ihnen 
verfahrt und sie werden kommen, um sich ihnen anzuschliessen, 
wie es heisst Sach. 8, 24: ,.ln diesen Tagen werden zehn Männer 
aus allen Sprachen der Völker ergreifen" u. s. w. 

Oder: „Und der Ewige redete zu Mose in der Wüste Sinai." 
In Verbindung mit Cant. 7, 3: „Dein Nabel ist eine runde Schale." 
Darunter ist das Synedrium zu verstehen, was seine Sitzungen in 
der Quaderhalle hielt und mit einem Nabel verglichen wird. Warum 
wird dasselbe mit einem Nabel verglichen? Wie der Nabel in der 
Mitte des Körpers ist, so befand sich auch das Synedriums Israels 
in der Mitte des Tempels. S. das.: „Dem es nicht an Würzwein 
fehlt." Was heisst das? Es hat nicht an einem von dreien gefehlt. 
„Dem es nicht an Würzwein fehlt." Wer Wein mischt, wie es sich 
gehört, mischt drei Theile Wein in den Becher und zwei Theile 
Wasser. So hielt auch das Synedrium vom Morgenopfer bis zum 
Abendopfer (eig. bis zum Opfer zwischen den beiden Abenden) seine 
Sitzungen und keiner von ihnen ging seinem Bedürfniss nach. Was 
machten sie, wenn nun doch einer (ein Glied) von ihnen hinaus- 
gehen wollte? Man zählte, waren noch 23 da, so ging er hinaus, 
wenn nicht, so ging er nicht hinaus. Warum? Weil es heisst: ,,Es 
gebricht nicht an VVürzwein" d. i. weil nicht einer von dreien fehlte, 
darum „gebricht es nicht an Würzwein." „Dein Leib ist ein Wei- 
zenhaufen." Warum werden die Israeliten mit einem Weizenhaufen 
verglichen? Wie der Weizen gezählt in die Vorrathskammern ein- 
gebracht wird, so sprach auch Gott, dass die Israeliten zu jeder 



5 Par, I. Cap. I, l. 

Stunde (Zeit) gezählt werden sollten. Darum heisst es: „Dein Leib 
ist ein Weizenhaufen." Das ist aber nur bei dem Weizen der Fall, 
Stroh und Stoppeln werden weder gezählt, noch gemessen. Daher 
werden auch die Völker der Welt mit Stroh und Stoppeln ver- 
glichen, wie es heisst Ps. 83, 14: „Wie Stoppeln vor dem Winde" 
und Obad. i, 18: „Das Haus Esau wird zu Stoppeln." Warum? 
Weil Gott kein Wohlgefallen an ihnen findet, wie es heisst Jes. 
40, 17: „Alle Völker sind wie nichts vor ihm." Aber an den Israe- 
liten findet Gott Wohlgefallen, denn sie lesen das Sch'ma, beten 
und loben den Namen des Heiligen, gebenedeiet sei er, täglich» 
Darum werden sie zu jeder Stunde gezählt, weil sie mit dem Wei- 
zen verglichen werden, wie es heisst: „Dein Leib ein Weizenhaufen." 
„Der Ewige redete zu Mose auf dem Berge Sinai." In Ver- 
bindung mit Ps. 147, 20: „Nicht also hat er gethan allen Völkern" 
und ebenso heisst es Ps. 148, 14: „Er erhöht das Hörn seines Vol- 
kes." Gleich einem Könige, welcher bei seiner ersten Heirath sei- 
ner Gemahlin keine Kethuba*) verschrieb, er schied sich von ihr 
und er schrieb ihr keinen Scheidebrief, ebensowenig bei der zweiten 
und dritten Gemahlin, er verschrieb ihnen keine Kethuba und schrieb 
ihnen auch keinen Scheidebrief. Was geschah? Er sah eine arme Waise 
von berühmter Familie, welche er heirathen wollte, er sprach daher zu 
seinem Brautführer: Verfahre mit dieser nicht so, wie mit meiner 
ersten Frau, denn sie ist die Tochter vornehmer Eltern, sie ist ge- 
sittet (keusch) in ihren Werken und fromm; er schrieb ihr eine Ke- 
thuba zu, in welcher die Woche, das Jahr, der Monat, der Tag 
(eig. am wievielsten Monat) und die Eparchie genau angegeben war, 
sowie bei der Esther geschrieben steht s. Esth. 2, 16: „Esther wurde 
zum König Achaschverosch gebracht, ins königliche Haus, im zehnten 
Monat, das ist der Monat Tebeth, im siebenten Jahre seiner Re- 
gierung." So hat auch Gott das Geschlecht der Fluth erschaffen^ 
und es steht nicht, wenn er es erschaffen hat; er hat es von der 
Welt entfernt und es steht nicht, wann er es entfernt hat (ohne 
dass die Zeit genau angegeben ist), sondern es heisst nur Gen. 7, 11: 
„An diesem Tage brachen auf alle Brunnen der grossen Tiefe." 
So verhält es sich auch mit dem Geschlechte der Zerstreuung und 
so auch mit den Aegyptern; es wird nicht angegeben, wann sie 
erschaffen (entstanden) und wann sie gestorben sind. Als aber die 
Israeliten auftraten, da sprach Gott zu Mose: Mit diesen verfahre 
ich nicht so wie mit jenen Früheren, es sind die Kinder der Väter, 
es sind die Kinder Abrahams, Jizchaks und Jacobs, gehe und ver- 
zeichne ihnen, an welchem Monat, am wievielsten Tage im Monat, 
in welchem Jahr und in welcher Eparchie, in welcher Stadt ich ihr 
Hörn erhöhen und ihnen Haupterhebung gegeben habe. Darum 



•) Unter Kethuba versteht man dasjenige Dokument, worin sich der 
Mann bei der Hochzeit verpflichtet, im Scheidungs- oder Todesfall eine 
gewisse Summe seiner Frau zukommen zu lassen. 



Par. L Cap. I, l. 3. 7 

heisst es hier: „Und der Ewige redete zu Mose in der Wüste Sinai" 
d. i. die Eparchie, „im Sliftszelt** d. i. das Land, „im zweiten Jahr" 
d. i. das Jahr, „im zweiten Monat" d. i. der Monat, „am ersten 
des Monats" d. i. am wievielsten Tage im Monat. Siehe, die Aera 
(t'7rcfT€/a) ist angegeben. Warum steht: „Nehmt auf das Haupt 
der ganzen Gemeinde der Kinder Israels?" Um zu erfüllen, was 
geschrieben steht Ps. 147, 20: „Er hat nicht also allen Völkern ge- 
than." Und was hat er denn gethan? „Er hat das Hörn seinem 
Volke erhöht." 

Oder: „Und der Ewige redete zu Mose.'* Heil dem Mose, 
60 Myriaden standen da, Priester, Leviten und Aelteste, sie alle stan- 
den da und von allen hat er nur mit Mose gesprochen, wie es 
heisst: „Und der Ewige redete mit Mose in der Wüste Sinai?" Von 
hier haben die Weisen gelernt, dass das Gesetz in drei Dingen 
gegeben wurde, in Feuer, in Wasser und in der Wüste; in Feuer, 
wie es heisst Ex. 19, 18: „Der Berg Sinai stand ganz in Rauch," 
in Wasser, wie es heisst Jud. 5, 4: „Auch die Himmel troffen, auch 
die Wolken troflfen Wasser," in der Wüste, wie es hier heisst: „Und 
der Ewige redete mit Mose in der Wüste Sinai." Warum wurde 
das Gesetz in diesen drei Dingen gegeben? Sowie diese umsonst 
für alle Weltbewohner sind, so sollen auch die Worte des Gesetzes 
umsonst sein, wie es heisst Jes. 55, i: „Auf! alle Durstigen, kommt 
zum Wasser!" 

Oder: „Und der Ewige redete zu Mose in der Wüste Sinai." 
Wer sich selbst nicht macht wie eine Wüste, welche frei gegeben 
ist, der kann nicht Weisheit und Thora (Gottesgelehrsamkeit) er- 
werben, darum heisst es hier: „in der Wüste Sinai." 

Oder: „Und der Ewige redete zu Mose in der Wüste Sinai." 
Sechs Namen hat dieser Berg, nämlich: Berg Gottes, Berg Baschan, 
höckriger Berg, Berg Moria, Berg Horeb und Berg Sinai. Berg 
Gottes, warum? Weil Gott darauf zu Gericht sass, wie es heisst: 
„Dies sind die Rechtsvorschriften," Berg Baschan, weil Gott dahin 
gekommen ist (M Nie), höckriger Berg, weil er alle Berge ver- 
worfen hat, sowie du sagst: entweder höckrig oder dünn fpi); Berg 
der Sehnsucht (iTan, Lust), weil Gott begehrte (n7:n;25) daselbst zu 
sitzen, wie es heisst Ps. 68, 17: „Der Berg der Lust Gottes zu sei- 
nem Sitz;" Berg Horeb, weil dort über ihn das Schwert (nTin) ge- 
zackt worden ist, wie es heisst Lev. 20, 10: „Der Ehebrecher und die 
Ehebrecherin sollen getödtet werden;" Berg Sinai, weil die Völker 
der Welt bei Gott verhasst waren (iNriz;:) und Gott ihnen das Ur- 
theil fällte, wie es heisst Jes. 60, 12: „Und die Völker werden ver- 
wüstet werden." Abba bar Kahana im Namen des R. Jochanan 
sagte: „Und die Völker werden vom Horeb (n-nn72) verwüstet wer- 
den, weil sie daselbst das Urtheil empfangen haben." 

Oder: „Und der Ewige redete mit Mose in der Wüste Sinai." 
Gott sprach zu ihm V. 3: „Nehmt auf das Haupt." Gott sprach 
zu den Israeliten: Ich habe kein Geschöpf mehr als euch geliebt, 



8 Par. I. Cap. I, 3. 46, 

darum will ich euer Haupt erheben und euch mir gleich machen; 
sowie ich eine Haupterhebung (erhaben) über alle Weltbewohner 
bin, wie es heisst i Chron. 29, 11: „Dein, Ewiger, ist die Grösse," 
so habe auch ich gewirkt, euch eine Haupterhebung zu sein. Darauf 
heisst es hier: „Hebt auf das Haupt," um zu erfüllen, was ge- 
schrieben steht Ps. 148, 14: „Er erhöht d<is Hörn (Ansehen) seinem 
Volke." Und so heisst es auch Deut. 28, i: „Und der Ewige, dein 
Gott, wird dich über alle Völker der Erde erheben." 

V. 46. „Und es waren all die Gemusterten 60,353." 
Diese Zahl findest du übereinstimmend mit der, welche sich bei den 
Israeliten beim Bau der Wohnung ergeben hat, wie es heisst Ex. 
38, 25: „Das Silber der Gemusterten der Gemeinde" u. s. w. Und 
das war im ersten Jahre; denn siehe, als sie die zehn Gebote 
(Worte) empfangen hatten, ging Mose gleich wieder hinauf, um 
die Tafeln in Empfang zu nehmen, und als sie beim Werke des 
Kalbes gesündigt hatten, wurde sogleich die Wohnung gemacht und 
am ersten Tage des Monats Nisan im zweiten Jahre aufgestellt, 
wie es heisst Ex. 40, 17: „Es war im ersten Monat, im zweiten Jahre 
am ersten Tage, da ward aufgerichtet die Wohnung." Wann war 
diese Zählung? Am ersten Tage des Monats Jjar, im zweiten Jahr, 
wie es heisst Num. i, 18: „Und sie versammelten die ganze Ge- 
meinde am ersten Tage des zweiten Monats." Und die Zahl stimmt 
auch mit der überein, die sich beim Auszuge der Israeliten aus 
Aegypten am 15. Tage des Monats Nisan herausgestellt hat. Wie 
viele waren es? 600,000 Männer ohne Kinder, und als sie im 
zweiten Jahre am ersten Tage des zweiten Monats wieder gezählt 
wurden, da findest du eine Mehrzahl von 3550. Nun wissen wir 
aber nicht, ob sie vom zwanzigsten Jahre an im Monat Nisan des 
zweiten Jahres nach ihrem Auszuge aus Aegypten, oder ob sie vom 
zwanzigsten Jahre von der Zählung am Neujahr, welches der Monat 
Tischri ist, und das ist das erste Jahr nach dem Auszuge aus 
Aegypten, gezählt worden sind. Geh und lerne von den Fussge- 
stellen, wie es heisst: „Und das Silber der Gemusterten der Gemeinde 
waren hundert Talente" u. s. w. V. 26: „Ein halber Schekel auf 
den Kopf." Wann brachte man die Schekalim? Am Morgen des 
Versöhnungstages. Und an den beiden Morgen brachten sie alle 
freiwilligen Gaben zum Bau der Wohnung, wie es heisst Ex. 36, 3: 
„Und sie brachten zu ihm noch immer freiwillige Gaben" u. s. w. 
Wenn du sagst, dass man die, welche aus Aegypten zogen, die noch 
unter zwanzig Jahren waren, nicht gezählt habe, — man zählte 
nämlich diejenigen nicht, welche das zwanzigste Jahr erst vom Monat 
Nisan des zweiten Jahres erreichten, so findest du unter den (ein- 
gebrachten) Schekeln 3550 Schekel mehr; allein was kannst du 
sagen, dass man die Zwanzigjährigen vom Tischri ab gezählt hat, 
welcher der Anfang des Jahres ist nach der Erschaffung des ersten 
Menschen? Darum gestaltet sich das Gesammtergebniss der Rech- 



Par. I. Cap. I, 46—49, o 

nung so, um uns wissen zu lassen, dass sie schon einen Monat 
in's zweite Jahr nach dem Auszuge aus Aegypten eingetreten 
waren, und es sind die Zwanzigjährigen an Zahl nicht mehr ge- 
worden als jene, welche zu den Fussgestellen der Wohnung ver- 
wendet worden sind. Das will dir sagen, dass man sie nicht vom 
Nisan, sondern vom Tischri ab gezählt hat 

V. 47. „Und die Leviten nach ihrem Stamme" u. s. w. 
Die Schrift will (eig. kommt) dir sagen (zu sagen): Weil Gott dem 
Mose nicht gleich zu Anfange gesagt hatte, dass er den Stamm 
Levi zählen solle; denn so findest du, dass der Fürst des Stammes 
Levi zu der Zeit (in der Stunde) nicht gezählt wurde, wo der Fürst 
der Stämme gezählt wurde, so hat ihn Mose auch nicht gezählt, 
denn Mose dachte: Wenn es Gottes Wille gewesen wäre, dass ich 
ihn zählen sollte, so hätte er es mir aufgetragen, darum heisst es: 
„Und die Leviten nach dem Stamm ihrer Väter waren nicht ge- 
mustert," weil er nicht wollte, dass sie gezählt werden sollten. 
Aber Mose wunderte sich doch darüber, warum ihm Gott nicht be- 
fohlen hatte, seinen Stamm zu zählen und er wusste nicht, ob er 
ihn zahlen sollte oder nicht. Gott sah (merkte), dass er sich wun- 
derte, darum erklärt er es ihm (gleich im Anfage des Buchs), warum 
er ihm die Zählung nicht befohlen habe, wie es heisst V, 48: und 
der Ewige redete zu Mose und sprach, V. 49: Nur den 
Stamm Levi sollst du nicl>t mustern. 

R. Pinchas bar Idi sagte: Wie heisst es im Anfange des Bu- 
ches? „Nimm auf das Haupt der ganzen Gemeinde der Kinder 
Israels." Es heisst nicht: u;fi<-) n» d^TT), erhebe das Haupt, oder: 
d.sn n.s bn3, mache das Haupt gross, sondern: DNi nN IN;:;. Un- 
gefähr so, wie man zum Henker spricht: Nimm dem und dem sei- 
nen Kopf ab. So hat er ihm einen Wink gegeben, warum es heisst: 
^'«1 nx iKb, hebet das Haupt, dass, wenn sie es verdienen, sie 
zur Grösse emporsteigen sollen vgl. Gen. 40, 13: „Pharao wird dein 
Haupt erheben und dich wieder an deine Stelle setzen;" wenn ihr 
es aber nicht verdient, dann werden sie alle des Todes sein vgl. ' 
das. V. 19: „Pharao wird dein Haupt vor dir heben und dich an 
einen Galgen hängen." Es war vor Gott offenbar, dass sie alle 
in der Wüste sterben und dass ihre Häupter genommen werden 
würden, deshalb sprach Gott zu Mose: „Nur den Stamm Levi 
sollst du nicht mustern" d. i. unter die Kinder Israels sollst du 
sie nicht zählen, aber für sich selbst (besonders) hast du sie zu 
zählen. Warum? Gott sprach nämlich: Wenn der Stamm Levi 
mit den Israeliten gezählt und mit diesen vermischt wird, so könnte 
der Todesengel kommen, um die Israeliten umzubringen, und das 
Verhängniss könnte über sie ergehen, dass sie nicht in das Land 
einziehen, sondern in der Wüste sterben, wie es heisst Num. 14, 29: 
„In dieser Wüste sollen eure Leichname fallen, alle, die ihr ge- 
mustert seid nach eurer Zahl." Und er würde den Stamm Levi 



lO Par. I. Cap. I, 49. 50. 

mit ihnen vermischt finden und sie würden mit den Israeliten im 
Tode vermischt werden; deshalb also sollte er sie nicht mit den 
Israeliten zählen, sondern er sollte sie in der Zahl absondern. Darum 
ist bei ihnen nicht wie bei den Israeliten das Wort: löNi n» in©, 
erhebet das Haupt, gebraucht, sondern es heisst: ^ib ''23 n« lipD, 
mustere die Kinder Levi. 

Oder; Nur der Stamm Levi soll nicht gemustert werden. 
Warum sollten sie aber nicht mit den Israeliten zusammen gezählt 
werden? Weil der Stamm Levi aus Palatinen (naXaTlvoi) bestand. 
Gleich einem König, der viele Legionen hatte und zu dem Obersten 
(praepositus) sprach: Zähle die Legionen, ausgenommen diejenige 
Legion, die vor mir steht Darum sprach auch Gott zu Mosej „Nur 
den Stamm Levi sollst du nicht mustern" d. i. unter die Kinder 
Israels zähle du sie nicht mit, sondern für sich zähle sie, denn es 
gereicht einem König nicht zur Ehre, wenn seine Legion mit den 
andern Legionen zusammen gezählt wird (in gleichem Range steht). 
Darum sollen die Israeliten für sich und der Stamm Levi soll auch 
für sich gezählt werden. Und woher lässt sich beweisen, dass das 
hier der Grund ist? Weil gleich darauf V. 50 folgt: „Und du 
setze die Leviten über die Wohnung des Zeugnisses." Als 
Gott zu Mose sprach : „Nur den Stamm Levi sollst du nicht mustern," 
gerieth Mose in Furcht, er dachte nämlich: Vielleicht haftet ein 
Makel an meinem Stamme, weil Gott nicht will, dass ich ihn zählen 
soll. Da sprach Gott zu Mose: Ich habe es darum dich nicht ge- 
heissen, um sie vom Verhängniss auszuschliessen , dass sie nicht mit 
ihnen sterben. Das steht auch: „Ihr Haupt nimm nicht auf unter 
den Kindern Israels." Warum? Weil die Leviten mein sind und 
mein gewesen sind; denn jeder, der sich mir nähert, dem nahe ich 
mich wieder: sie haben sich mir genähert, wie es heisst Ex. 32, 26: 
„Und Mose sprach: Zu mir, wer dem Ewigen angehört! da ver- 
sammelten sich zu ihm alle Kinder Levis;" sie näherten sich mir 
(sie hielten zu mir), so nähere ich mich ihnen und sie sollen mir 
Leviten sein, und nicht nur das, sie sind auch bei mir treu gefun- 
den worden, weil sie meine Warnung beobachtet haben s. das. 20, 3: 
„Du sollst keine anderen Götter ausser mir haben." Darum sind 
sie würdig, dass sie treue Diener meines Hauses (eig. die Treuen 
meines Hauses) sind. 

V. 50: „Und du setze die Leviten" u. s. w. So heisst es auch 
Ps. loi, 6: „Mein Auge ist nach den Treuen des Landes gerichtet, 
dass sie bei mir bleiben." Du findest: Wer an das Wort Got- 
tes sich anschliesst, den liebt auch Gott immerdar. So findest du 
es bei Josua, welcher sich mit Amalek zu thun machte und nach 
Gesetz und Vorschrift verfuhr s. Ex. 17, 13: „Und Josua streckte 
Amalek nieder." Da sprach Gott zu ihm: Von deinem Stamme 
werde ich einst den Rächer gegen Amalek für immer stellen, wie 
es heisst Jud. 5, 14: „Von Ephraim, deren Wurzel unter Ama- 



Par. II. Cap. II, i. H 

lek" u. s. w. Saul aber, welcher sich (mit Amalek) zu thun machte 
und nicht lieblich befunden wurde in seinem Auftrage, sondern mit 
Schonung verfuhr und ebenso das Volk (s. i Sam. 15, 9), ging zurück 
und es wurde ihm sein Reich genommen. (Es heisst Jud. 5, 14): 
„Nach ihm Benjamin." Auch diesen Stamm habe ich erprobt, und 
sie wurden als Wächter befunden und gaben ihr Leben für die Hei- 
ligung meines Namens hin, wie es heisst Ex. 32, 27: „Leget ein 
jeder sein Schwert an seine Hüfte" u. s. w. V. 28: „Und die Kinder 
Levis thaten nach dem Worte Moses." (Sie achteten sogar nicht 
Vater und Mutter, wie es heisst Deut. 33, 9:) „Der da spricht zu 
seinem Vater und seiner Mutter" u. s. w. Darum ziehe ich sie auch 
an mich heran und mache sie zu Söhnen meines Palastes (Hof- 
staates)*) und ich betraue sie mit meiner Heiligkeit und der Be- 
dienung meines Hauses, wie es heisst: „Die Leviten setze über die 
Wohnung des Zeugnisses." Warum? Weil sie mir treu (bewährt, 
zuverlässig) sind. Auch bei der Zerlegung und Aufstellung (der 
Wohnung) habe ich an keinen andern Wohlgefallen, als dass sie 
sie zerlegen und aufstellen, wie es heisst V. 51: „Und beim Auf- 
brechen der Wohnung sollen die Leviten sie abnehmen." Nun 
könnte ich glauben, dass diese Vorschrift nicht nur den Leviten zu- 
stehe, sondern auch die Israeliten diese Berechtigung hätten? So 
heisst es das.: „Der Fremde, der sich naht, ist des Todes schuldig" 
vgl, Ps. loi, 5: „Die Abtrünnigen hasse ich" d. s. die Israeliten, die 
von Gott abgefallen und das Kalb gemacht haben, sie hasst Gott, 
um seine Hausverwalter (Schatzmeister) zu sein. Denke nicht, dass 
die Israeliten nur bei den Zügen (Wanderungen) sie (die Wohnung) 
nicht berühren durften, auch in den Lagern durften sie sich ihr 
nicht nahen, sondern nur die Kinder Levis, wie es heisst das. V. 52: 
„Und es sollen die Kinder Israels sich lagern ein jeglicher bei sei- 
nem Lager," V. 53: „aber die Leviten sollen sich lagern rings um 
die Wohnung." Und warum warne ich die Israeliten, dass sie sich 
von der Wohnung fern halten sollen? Damit nicht Zorn über sie 
entbrenne, weil sie nicht würdig sind, ihr sich zu nahen, wie es 
auch heisst das.: „Auf dass nicht Zorn komme über die Gemeinde 
der Kinder Israels." Aber die Leviten sollten es bewachen, wie es 
heisst das.: „Und die Leviten sollen besorgen die Bewachung der 
Wohnung des Zeugnisses." V. 54: „Und die Kinder Israels thaten 
es; ganz so, wie der Ewige dem Mose befohlen hatte, also thaten 
sie," nämlich dass sie sich von der Wohnung fern hielten und den 
Platz den Leviten einräumten, rings um die Wohnung zu lagern. 

Parascha IL 

Cap. IL V. I. Und es redete der Ewige zu Mose und 
Aaron also. An achtzehn Stellen findest du, dass Mose und Aaron 



•) n^B^D '33, Söhne meines Palastes, palatini. 



12 Par, II. Cap. II, i. 2. 

sich gleich sind, gegenüber (entsprechend) den achtzehn Benedictionen 
{dem achtzehngliedrigen Gebet). Du findest, dass die drei Altväter 
das tägliche (dreimalige) Gebet eingeführt, weil sie täglich dreimal 
beteten, Abraham hat das Morgengebet eingeführt, wie es heisst 
Gen. 22 f y. „Und Abraham stand am Morgen auf." Unter Stehen 
(rrT^Tsa^) ist nichts anderes als Gebet (nbsn) zu verstehen d. i. sich 
zum Gebete hinstellen vgl. Ps. io6, 30: „Da stand Pinchas und 
betete." Jizchak hat das Vespergebet eingeführt, wie es heisst Gen. 
24, 63: „Und Jizchak ging hinaus auf's Feld, um nachzudenken." 
Unter nn"»«) Nachdenken ist nichts anderes als Gebet zu verstehen 
vgl. Ps. 102, i: „Gebet eines Armen, wenn er betrübt ist." Jacob 
hat das Abendgebet eingeführt, wie es heisst Gen. 28, 11: „Er traf 
an einen Ort." Unter nr";B Treffen ist nichts anderes als Gebet 
zu verstehen vgl. Jerem. 7, 16: „Und du bete nicht für dieses Volk" 
u. s. w. An achtzehn Stellen steht das Paar Mose und Aaron als 
eine Hindeutung auf die achtzehn Benedictionen, entsprechend dem 
achtzehn Mal vorkommenden Tetragramm im Schema Israel (und den 
dazu gehörenden zwei Abschnitten, Keriath Sch'ma Deut. 6, 4 — 9; 
das. II, 13 — 21 und Num. 15, 37 — 41) und in Ps. 29, i: „Psalm 
Davids. Gebet dem Ewigen, ihr Söhne der Götter." 

Die drei Väter haben das tägliche dreimalige Gebet angeordnet, 
weil sie dreimal am Tage beteten. Und von diesen achtzehnmaligen 
Erwähnungen von Mose und Aaron und von den achtzehnmaligen 
Erwähnungen des Tetragramms (im Schema Israel und Ps. 29) haben 
wir die achtzehn Benedictionen gelernt. 

V. 2. Ein jeder bei seinem Panier u. s. w. In Verbindung 
mit Ps. 20, 6: „Wir frohlocken über deine Hilfe und erheben im 
Namen unseres Gottes das Panier." Die Israeliten sprachen zu Gott: 
Siehe, wir frohlocken in deiner Hilfe über das, was du uns in dei- 
nem Namen hast angedeihen lassen, wir frohlocken in deiner Hilfe 
vgl. Ex. 14, 30: „Und der Ewige half an diesem Tage Israel." 
Es heisst: riD"*! er half (es fehlt das 1), gleichsam als ob die Israe- 
liten erlöst worden wären und als wenn auch er erlöst worden wäre. 
„Und im Namen unseres Gottes erheben wir das Panier," dass Gott 
seinen Namen mit dem unsern vereinigt und uns zu Panieren (Co- 
horten) gemacht hat, wie es hier heisst: „Jeder bei seinem Paniere." 
Damit hat Gott eine grosse Liebe gezeigt, dass er die Paniere wie 
die Dienstengel gemacht hat, damit sie erkannt werden sollten. Und 
woher lässt sich beweisen, dass dieses eine besondere Liebesbezeugung 
gegen Israel ist? Weil also Salomo sagt Gant. 2, 4: „Er führt mich 
in das Weinhaus und sein Panier über mich ist Liebe." R. Abuhu 
sagt: Was heisst das: „Er führt mich in das Weinhaus?" Womit 
ist das zu vergleichen? Mit einem Reichen, welcher einen Keller 
(Speicher) voll mit Wein hatte, er ging hinein, um ihn zu prüfen 
und fand den ganzen Wein sauer; er wollte schon aus dem Keller 
gehen, da fand er noch ein Fass mit gutem Wein. Dieses Fass, 



Par, II. Cap. II, 2. Ij 

sagte er, sehe ich so an (steht so vor mir), als wäre der ganze 
Keller damit voll. So hat auch Gott 70 Völker erschaffen und 
unter allen hat er nur an Israel Wohlgefallen gefunden, wie es 
heisst: „Er führt mich in's Weinhaus." Woher lässt sich das be- 
weisen? Aus dem Worte y Wein, was 70 in der Zahl hat; näm- 
lich •* ist 10, "^ ist IG und 3 ist 50, das macht zusammen 70. Und 
über das alles heisst es: „Und sein Panier über mir ist Liebe." 
R. Jehuda sagt: Er führt mich in's Weinhaus d. i, in das grosse 
Weinmagazin, nämlich den Sinai, wo uns Mose das Gesetz gelehrt 
hat, welches auf 49 Arten ausgelegt werden kann, soviel wie das 
Wort i^bim in der Zahl hat. 

„Und sein Panier über mir ist Liebe." R. Chanina sagt: Wer 
in früherer Zeit mit dem Finger auf das Bildniss des Königs zeigte, 
wurde hingerichtet, und die Kinder gehen in das Lehrhaus und 
zeigen mit dem Finger auf das Tetragramm (auf den Gottesnamen). 
Da sprach Gott: „Sein Panier (ibaTi) über mir ist Liebe" d. i. sein 
Daumen (ib^Tia*)) auf mir (den das Kind auf den Gottesnamen legt) 
ist Liebe. R. Jisaschar erklärt: „Und sein Panier über mir ist 
Liebe." Selbst wenn ein Mensch sitzt und sich mit der Thora be- 
schäftigt und von einer Halacha zur andern springt (:ib'i?a), von 
einem Verse zum andern, so spricht Gott: Er ist mir lieb und sein 
ib^i d. i. sein lyib'^^ sein Springen auf mir ist Liebe. 

Oder: „Sein Panier über mir ist Liebe." Gott sprach: Auch 
die Völker haben Paniere, aber es ist mir kein Panier so lieb, als 
das Jacobs, wie es heisst: „Sein Panier über mir ist Liebe." 

Oder: „Er führt mich in's Weinhaus." In der Stunde, wo Gott 
auf dem Berge Sinai erschien, stiegen mit ihm zweiundzwanzig My- 
riaden Engel herab, wie es heisst Ps. 68, 18: „Gottes Wagen sind 
Myriaden tausend mal tausend." Und sie waren alle nach Panieren 
geschaart, wie es heisst Cant. 5, 10: „Geschaart nach Panieren von 
Myriaden." Als Israel die Engel sah, dass sie nach Panieren ge- 
schaart waren, bekamen sie Lust nach solchen Panieren und spra- 
chen: Wir möchten auch zu Panieren geschaart werden wie jene. 
Darum heisst es: „Er führt mich in's Weinhaus" d. i. auf den Sinai,. 
wo das Gesetz gegeben wurde, welches mit Wein verglichen wird 
s. Prov. g, 5: „Trinket von dem Weine, den ich gemischt." Unter 
y^ n-5 Weinhaus ist der Berg Sinai zu verstehen. 

„Und sein Panier über mir ist Liebe." Sie (die Israeliten) spra- 
chen: Möchte er seine Liebe über mir gross machen, wie es heisst: 
„Wir jubeln in deiner Hilfe." Warum wünscht ihr, sprach Gott, 
zu Panieren gemacht zu sein? Bei eurem Leben! ich erfülle euer 
Verlangen. Das ist auch der Sinn von Ps. 20, 6: „Der Ewige er- 
füllt all dein Verlangen." Sogleich machte Gott den Israeliten be- 
kannt und sprach zu Mose: Geh und mache sie zu Panieren, wie 
sie es gewünscht haben. 

„Ein jeglicher bei seinem Paniere, bei den Zeichen seiner 
Stammhäuser." Das steht auch Cant. 6, 10: „Wer ist diese, die 



14 Par. II. Cap. 11, 2. 

herabblickt" Heilig und gross waren die Israeliten bei ihren Pa- 
nieren und alle Völker blickten auf sie und verwunderten sich und 
sprachen: „Wer ist diese, die herabblickt? Kehre um, kehre 
um, Sulamith!" sprechen die Völker der Welt zu ihnen, schliesst 
euch uns an, kommt zu uns und wir machen euch zu Gewalt- 
habern, Hegemonen, Duces, Eparchen und Heerführern, „kehre 
um, kehre um, dass wir dich schauen" (Cant. 7, i). Unter ntnJ 
ist nichts anderes als fn'iX Herrschaft zu verstehen, denn so sprach 
Jethro zu Mose Ex. 18, 21: „Und du ersiehe dir" u. s.w. Allein 
die Israeliten entgegnen: „Was schaut ihr Sulamith an" d. i. welche 
Grösse wollt ihr uns verleihen? Etwa „wie Reigentanz in den La- 
gern?" Könnt ihr uns vielleicht so eine Grösse geben, wie Gott 
in der Wüste gemacht, nämlich ein Panier für das Lager Jehuda, 
ein Panier für das Lager Rüben, ein Panier für das Lager Dan, 
ein Panier für das Lager Ephraim, könnt ihr uns also machen? 
„Was schaut ihr Sulamith an" d. i. was für eine Grösse könnt ihr 
uns verleihen? Etwa eine solche „wie Reigentanz in den Lagern?" 
Könnt ihr vielleicht uns eine ähnliche Grösse verleihen, wie die, 
welche uns Gott in der Wüste gemacht hat, wo er, nachdem wir 
gesündigt hatten, uns verzieh und zu uns sprach: Dein Lager ist 
heilig. Auch Bileam sah sie und gelangte zu der Einsicht (eig. es 
ging sein Auge aus ihnen gegenüber), dass er ihnen nichts zu thun 
vermochte, wie es heisst Num. 24, 2: „Und Bileam hob seine Augen 
auf" u. s. w. Das sind die Fahnen, fing er an, wer vermag den 
Kindern Adams zu schaden, denn diese kennen ihre Väter und ihre 
Familien, wie es heisst das.: „Und er sah Israel gelagert nach sei- 
nen Stämmen." Hieraus lernen wir, dass die Paniere eine Grösse 
(Auszeichnung) und ein Zaun für die Israeliten waren; darum heisst 
es hier: „Ein jeder bei seinem Paniere." 

Oder: „Ein jeder bei seinem Paniere." In Verbindung mit 
Cant. 6, 4: „Schön bist du, meine Freundin, wie Thirza" d. i. da 
ich mit euch versöhnt bin. Oder: „Wie Thirza" d. i. dass ihr durch 
Opfer versöhnt werdet vgl. Lev. i, 4: „Dass es wohlgefällig sei, ihn 
zu versöhnen." „(Du bist) lieblich wie Jerusalem" d. i. wie jene 
Schaaren von Dienstengeln, die ehrfurchtsvoll und friedliebend für 
mich sind. „Furchtbar, wie Heerschaaren." Und wodurch seid ihr 
wie Heerschaaren? Durch die Paniere, die ich euch gegeben. Dies 
sah David und sprach Ps. 147, 20: „Nicht also hat er allen Völkern 
gethan," sondern nur seinem Volke, wie es heisst: „Jeder bei 
seinem Panier." 

Oder: „Jeder bei seinem Panier." In Verbindung mit Deut 
32, lo: „Er findet es im Lande der Wüste" d, i. einen grossen Fund 
hat Gott an Israel gethan, wie es heisst Hos. 9, 10: „Wie Trauben 
in der Wüste fand ich Israel." 

So „fand er es im Lande der Wüste " Eine Wüste war die 
Welt, ehe die Israeliten aus Aegypten zogen. „In der Oede und 
Nacht, da beachtete er es." Oede und Nacht war die Welt, ehe 



Par. IL Cap. II, 2. 15 

die Israeliten aus Aegypten zogen und ehe sie das Gesetz empfingen, 
„er hat nicht so gethan;" als die Israeliten aber aus Aegypten ge- 
zogen und das Gesetz erhalten hatten, was steht da? „Er umgiebt 
es, beaufsichtigt es." „Er umgiebt es," weil er sie mit dem Gewölk 
der Herrlichkeit umgab; „er beaufsichtigt es," weil er ihnen das 
Verständniss in die Worte des Gesetzes eröffnete; „er hütet es." 
Heil den Ohren, die gehört haben, wie sehr er sie geliebt, wie sehr 
er sie bewacht, wie sehr er sie behütet hat, gleichsam als wenn es 
sein Augapfel wäre. Siehe, wie sehr er sie bewacht, wie sehr er sie 
behütet hat, wie es heisst: „Gott sprach zu Mose: Mose, sage ihnen, 
dass sie eine Wohnung zwischen sich machen sollen," gleichsam 
als ob er hätte sagen wollen: ich will die Oberen verlassen und 
herabsteigen und unter ihnen wohnen, und nicht nur das, sondern 
er hat ihnen auch noch Paniere zu seinem Namen verliehen. Daher 
sprach Gott zu Mose: Machet für sie Paniere zu meinem Namen. 
Warum? Weil sie meine Kinder sind, wie es heisst Deut. 14, i:^ 
„Ihr seid Kinder des Ewigen, eures Gottes." Sie sind meine Heer- 
schaaren, wie es heisst Ex. 7, 4: „Ich führe heraus mein Heer, mein 
Volk, die Kinder Israels aus dem Lande Aegypten." Und so heisst 
es auch hier V. 3: „Das Panier des Lagers Jehuda" werde „nach 
seinem Heere" gezählt. Deshalb weil sie mein Heer sind, will ich 
sie zu Panieren für meinen Namen machen, wie es heisst: „Ein 
jeder bei seinem Paniere mit Zeichen." Als Zeichen hatte jeder 
Stammfürst eine Fahne, und jede Fahne war mit einer besonderen 
Farbe versehen, die der Farbe der Edelsteine glich, welche auf 
dem Herzen Aarons waren. Hiervon lernte die (römische) Regierung 
den Brauch, sich Fahnen zu machen und jeder Fahne eine besondere 
Farbe zu geben. Der Fürst eines jeden Stammes trug eine Fahne, 
die Farbe seiner Fahne war der Farbe seines Edelsteines (im hohen- 
priesterlichen Brustschild) ähnlich. Rubens Edelstein war der Car- 
neol (oT*)» s. Ex. 28, 17), und seine Fahne war roth (Din«) gefärbt 
und darauf waren „Alraune" (s. Gen. 30, 14) gezeichnet. Simeon 
hatte den Topas und seine Fahne war grün gefärbt und darauf 
war (die Stadt) Schechem gezeichnet. Levi hatte den Smaragd und 
seine Fahne war zu einem Dritttheil weiss, zu einem Dritttheil 
schwarz und zu einem Dritttheil roth und darauf waren die Urim 
und Thumim gezeichnet. Jehuda hatte den Karfunkel und die Farbe 
seiner Fahne war himmelblau (hatte die Aehnlichkeit wie eine Art 
Himmel) und darauf war ein Löwe gezeichnet (s. Gen. 49), Isa- 
schar hatte den Sapphir und die Farbe seiner Fahne war schwarz, 
ähnlich der Augenschminke (stibium) und darauf war Sonne und 
Mond gezeichnet s. i Chron. 12, 32: „Und von den Kindern Isa- 
schars stammen die Zeitenkundigen." Sebulon hatte den Diamant 
und seine Fahne war weiss und darauf war ein Schiff gezeichnet, 
weil es heisst Gen. 49, 13: „Sebulon wohnt am Meeresufer." Dan 
hatte den Opal und seine Fahne glich dem Sapphir und darauf war 
eine Schlange gezeichnet, weil es heisst das. V. 17: „Dan ist eine 



l6 Par. IT. Cap. II, 2. 

Schlange am Wege." Gad hatte den Achat und die Farbe seiner 
Fahne war weder weiss, noch schwarz, sondern gemischt in Schwarz 
und Weiss, und darauf war ein Lager gezeichnet, weil es heisst 
das. V. 19: „Gad, Schaaren dringen auf ihn ein." Naphthali hatte 
den Amethyst und die Farbe seiner Fahne glich dem geläuterten 
Wein, dessen Röthe nicht stark ist und darauf war eine Hirschkuh 
gezeichnet, weil es heisst das. V. 21: „Naphthali ist eine flüchtige 
Hindin." Ascher hatte den Chrysolith und die Farbe seiner Fahne 
glich dem kostbaren Steine, mit welchem Frauen sich schmücken 
und darauf war ein Olivenbaum gezeichnet, weil es heisst das. V. 20: 
„Von Ascher kommt fette Speise." Joseph hatte den Onyx und 
die Farbe seiner Fahne war sehr schwarz und darauf waren die 
beiden Fürsten, Ephraim und Manasse als Aegypter gezeichnet, 
weil sie in Aegypten geboren (eig. weil ihre Geschlechter in Aegypten) 
waren und auf der Fahne Ephraims war ein Stier gezeichnet, wie 
• es heisst Deut. 33, 17: „Und der Erstgeborne seines Ochsen" d. i. 
Josua, welcher vom Stamme Ephraim war, und auf der Fahne des 
Stammes Manasse war ein Reem gezeichnet, weil es heisst Deut. 
33, 17: „Eines Reems Hörner sind seine Hörner." Und dann auch 
wegen Gideon ben Joasch, welcher vom Stamme Manasse war. 
Benjamin hatte den Jaspis und die Farbe seiner Fahne glich allen 
zwölf Farben und ein Wolf war darauf gezeichnet, weil es heisst 
Gen. 49, 27: „Benjamin ein Wolf, welcher raubt." Darum wird 
hier gesagt: „Mit Zeichen," weil sie (die Paniere) mit dem Zeichen 
eines jeden Fürsten versehen waren (d. i. jeder Fürst hatte sein 
Zeichen). 

Nach dem Hause ihrer Väter. Das brauchte doch nicht 
gesagt zu sein, da es bereits heisst: „Jeder bei seinem Paniere, 
mit Zeichen sollen die Kinder Israels lagern." Wozu heisst es also: 
„Nach dem Hause ihrer Väter?" Siehe Hi. 36, 3: „Ich hole meine 
Gedanken von der Ferne, meinem Schöpfer will ich Recht schaffen." 
In der Stunde, da Gott zu Mose sprach: Mache sie zu Panieren, 
sowie sie es wünschen, da gerieth Mose in Angst, er dachte: Nun- 
mehr werden Streitigkeiten unter den Stämmen ausbrechen. Wenn 
ich zum Stamme Jehuda spreche, dass er zur Morgenseite lagere, 
so wird er mir entgegnen: Nein, ich möchte lieber an der Mittags- 
seite lagern und ebenso Rüben, Ephraim und alle übrigen Stämme, 
was thue ich? Da sprach Gott zu ihm: Mose, was liegt dir daran 
(was kümmert es dich), sie brauchen dich gar nicht, sie kennen 
ihre Lagerstätte schon von selbst. Ein Testament (Urkunde, öiad't]xr]) 
ist in ihrer Hand, von Jacob, ihrem Vater her, wie sie mit den 
Panieren lagern sollen; ich erneuere für sie nichts; sie haben bereits 
eine Verordnung {Ta^ig) von Jacob, ihrem Vater; wie sie ihn einst 
getragen und seine Bahre umgeben haben, so sollen sie auch die 
Wohnung umgeben; denn R. Chama hat im Namen des R. Cha- 
nina gesagt: Als unser Vater Jacob im Begriff stand, von der Welt 
zu scheiden, rief er seine Kinder, wie es heisst Gen. 49, i: „Jacob 



Par. ir. Cap. II, 2. 17 

berief seine Kinder" und segnete sie und befahl ihnen, auf Gottes 
Wegen zu wandein, und sie nahmen auf sich das Himmelreich. Als 
er seine Worte beendet hatte, sprach er zu ihnen: Wenn ihr mich 
in Ehrfurcht und Ehrerbietung nehmet, so begleitet mich und es 
berühre kein anderer Mensch und kein Aegypter und keins von 
euren Kindern meine Bahre, weil ihr sie von den Töchtern Canaans 
genommen habt, wie es heisst das. 50, 12: „Und seine Söhne thaten 
ihm, wie er ihnen befohlen hatte." Seine Söhne und nicht seine 
Enkel. „Und es trugen ihn seine Söhne," wie er ihnen befohlen, 
indem er zu ihnen gesprochen hatte: Die Kinder Jehudas, Isa- 
schars und Sebulons sollen meine Bahre tragen von der Morgen- 
seite, Ruhen, Simeon und Gad sollen sie tragen von der Mittagsseite, 
Ephraim, Manasse und Benjamin sollen sie tragen von der Abend- 
seite, Dan, Ascher und Naphthali von der Mitternachtsseite; Joseph soll 
nicht tragen, denn er ist König und ihr seit ihm Ehrerbietung 
schuldig; auch Levi soll nicht tragen. Warum? Weil er die Bun- 
deslade trägt, und wer die Lade des Ewiglebenden trägt, trage nicht 
die Lade (den Sarg) des Todten. Und wenn ihr das thut und meine 
Bahre tragt, wie ich euch befohlen habe, so wird Gott euch einst 
als Paniere ruhen (lagern) lassen. Als er verschieden war, trugen 
sie ihn, wie er ihnen befohlen hatte, wie es heisst: „Und seine Söhne 
thaten ihm, wie er ihnen befohlen hatte." Das will die Stelle Hi. 
36, 3 sagen: „Ich hole meine Gedanken von der Ferne, meinem 
Schöpfer will ich Recht schaffen;" denn von Jacob kam ihnen die 
Kenntniss, wie ihre Paniere lagern sollten. „Und meinem Schöpfer 
will ich Recht schaffen" d. i. Gott, der nur den Israeliten Wohl- 
thaten erweist, damit er ihnen die gute Handlung lohne, weil sie 
die Befehle ihres Vaters ausgeführt haben. Er hat ihnen befohlen, 
als Paniere zu lagern, nur nach den Vorschriften ihres Vaters. 
Er übte Gerechtigkeit (d. i. er handelte billig) mit ihnen, dass er 
das Wort nicht änderte, um nicht Anlass zu Streitigkeiten unter 
ihnen zu geben. Darum heisst es hier: „Nach dem Hause ihrer 
Väter" d. i. sowie sie die Bahre ihres Vaters umgeben hatten, so 
sollten sie auch lagern. Das wollen die Worte sagen: „Nach dem 
Hause ihrer Väter sollen die Kinder Israels lagern, in der Ferne 
des Stiflszeltes ringsum sollen sie lagern." Es ist dort gelehrt wor- 
den*): Wer den Sabbath unterwegs zubringt, der mache Kreise bis 
zu vier Ellen um sich herum. So die Worte des R. Chanina; und 
er kann sich dann am Sabbath in diesen vier Ellen fortbewegen 
und sprechen: Hier ist meine Sabbathfeier, und er gewinnt einen 
Raum von 2000 Ellen nach jeder Himmelsgegend hin. Und wie 
viel sind vier Ellen? R. Jehuda sagt: Soviel als wenn er ein Ge- 
fäss von seinen Füssen nimmt und es zu Häupten legt. Wer aber 
in einer (fremden) Stadt den Sabbath zubringt, selbst wenn sie so 
gross wie Antiochia ist, kann die ganze Stadt durchgehen und 



•) S. Erubin C. IV. 
Wunsche» Mtdrascb Bemidbar r. 



i 



l8 Par. II. Cap. II, 2. 

ausserhalb von ihr noch 2000 Ellen. Wer den Sabbath in einer 
Höhle zubringt, selbst wenn sie wie die Höhle Zedekias ist, welche 
achtzehn Mil gross war, kann durch dieselbe gehen und ausserhalb 
noch 2000 Ellen nach allen Himmelsgegenden, wenn es ihm beliebt. 
Und woher lässt sich dieses Mass der Grenzen aus der Thora be- 
weisen? Aus Num. 35, 5: „Ihr sollt messen ausserhalb der Stadt 
nach Morgen 2000 Ellen und nach Süden 2000 Ellen und nach 
Abend 2000 Ellen und nach Mitternacht 2000 Ellen" u. s. w. Und 
so findest du es auch bei Josua, als er ging, Jericho zu zerstören, 
da sprach Josua: Ihr werdet einst dort die Sabbathfeier begehen, 
entfernt euch von der Lade nicht weiter als 2000 Ellen nach jeder 
Richtung hin. Warum? Damit ihr am Sabbath vor der Lade beten 
könnt, wie es heisst Jos. 3, 4: „Nur soll sein eine Entfernung von 
2000 Ellen Mass zwischen euch und der Lade." Und so findest 
du auch, als Gott dem Mose befahl, dass die Israeliten das Lager 
nach den Panieren aufschlagen sollten, da sprach er zu ihm: Lagre 
sie nach einer Entfernung von 2000 Ellen nach jeder Richtung, wie 
es heisst Num. 2, 2: „Gegenüber rings um das Stiftszelt sollen sie 
lagern." Was heisst 13373? R. Jizchak sagte: In einer Entfernung 
von einer Mil, welche 2000 Ellen beträgt. Und woher lässt sich 
beweisen, dass das Wort 15:73 eine Entfernung von einer Mil be- 
deutet? Aus der Parallele. Hier heisst es: „Gegenüber ringsum 
das Stiftszelt" und dort Gen. 21, 16 heisst es auch: „Und sie (Hagar) 
ging weg und setzte sich gegenüber in der Ferne, wie einen 
Bogenschuss weit, denn sie sprach: Ich kann das Sterben des Kin- 
des nicht mit ansehen, und sie setzte sich gegenüber und erhob ihre 
Stimme und weinte." Sowie dort das Wort eine Mil bedeutet, so 
bedeutet es auch hier eine Mil. Und woher lässt sich beweisen, dass 
15273 dort bei der Hagar eine Entfernung von einer Mil bedeutet? 
Weil hier das Wort pnin und dort das Wort pini steht: „Nur soll 
sein eine Entfernung (pini) zwischen euch und ihr (der Lade) von 
2000 Ellen Mass." Wie dort das Wort eine Mil bedeutet, so auch hier. 
Und die da lagern gegen Morgen, gegen Aufgang, 
das Panier des Lagers Jehudas. Das steht auch Prov. 3, 19: 
„Der Ewige hat mit Weisheit die Erde gegründet." Gott hat vier 
Himmelsgegenden in der Welt erschaffen, Morgen, Abend, Mitter- 
nacht und Mittag; Morgen, weil von da das Licht in die Welt aus- 
geht. Abend, weil von da die Speicher des Schnees, Hagels, der 
Kälte und der Hitze in die Welt ausgehen (kommen). Mittag, weil 
von da die segensreichen Thaue und segensreichen Regen in die 
Welt ausgehen, Mitternacht, weil von da die Finsterniss in die Welt 
ausgeht. Und sowie Gott die vier Himmelsgegenden der Welt er- 
schaffen hat, so umgeben auch seinen Thron vier Thiergestalten 
und über diesen allen ist der Thron der Herrlichkeit. Dem entspre- 
chend hat auch Gott die Paniere dem Mose geordnet gegeben. 
Gott sprach zu ihm: Mose! die Morgenseite, von der das Licht in 
die Welt ausgeht (kommt), gehöre dem entsprechend Jehuda, weil 



Par. n. Cap. II, 2. 9. 17. ig 

er der Herr der Königswürde ist, wie es heisst: „Die da lagern 
von der Morgenseite, das Panier des Lagers Jehudas/' Neben ihm 
lagere der Stamm Isaschar, denn er ist der Inhaber der Gesetze, 
wie es heisst i Chron. 12, 32: „Von den Kindern Isaschars kom- 
men die, welche sich auf die Zeiten verstehen." So heisst es auch 
V. 5: Und neben ihm lagere sich der Stamm Isaschar. 
Und neben ihm lagere Sebulon, denn er ist der Herr der Reich- 
thümer (wegen der Seefahrt), wie es heisst Gen. 49, 13: „Sebulon 
wird an der Meeresküste wohnen." So heisst es V. 7: Der Stamm 
Sebulon u. s. w. 

V. 9. Alle Gemusterten des Lagers Jehudas u. s. w. 
zuerst sollen sie aufbrechen. Denn so wird auch die Thora 
Haupt genannt s. Prov. 8, 23: „Von uralter Zeit her bin ich gesalbt 
vom Haupte," und Koh. 7, 12: „Denn im Schatten der Weisheit ist 
wie im Schatten des Silbers," und Mich. 2, 13: „Ihr König zieht vor 
ihnen her und der Ewige an ihrem Haupte." Du findest daher 
überall, dass Jehuda der erste (der Anfang) beim Lagern war; das 
Panier Jehudas war das erste (der Anfang) beim Lagern, wie es 
heisst: „Die da lagern gegen Morgen," es war auch das erste (der 
Anfang) beim Aufbrechen, wie es heisst: „sie sollen zuerst auf- 
brechen." Jehuda war auch der erste (der Anfang) bei den Opfern, 
wie es heisst: „Und es soll opfern" u. s. w., und Jehuda war der 
erste (der Anfang) im Kriege, wie es heisst Jud. 1,1: „Wer zieht 
von uns zuerst hinauf gegen die Canaaniter? Und der Ewige sprach: 
Jehuda soll hinaufziehen." Auch ein anderes Mal heisst es: „Jehuda 
soll zuerst hinaufziehen." Wenn einst der Botschaftbringer kommt, 
so wird Jehuda zuerst die Botschaft erhalten, wie es heisst Nach. 
2, i: „Auf den Bergen die Füsse des Botschaftbringers, der Frieden 
verkündet Feire, Jehuda, deine Feste." Siehe, das war von der 
Morgenseite. Von der Mittagsseite gehen segensreiche Thaue und 
Regen in die Welt aus. Sie sei dem Stamm Rüben vorbehalten, 
denn er ist der Herr der Busse, und Busse ist ^ine schöne Eigenschaft, 
und das Erbarmen Gottes kommt über die Geschöpfe, wenn sie 
Busse thun. Das steht auch V. 10: Das Panier des Lagers 
Rubens in der Mittagseite. Neben ihm lagere Gad, denn er 
ist der Herr (Anführer) der Schaar, wie es heisst Gen. 49, 19: „Gad, 
Schaaren dringen ein." Rüben mit der Busse und Gad mit der 
Stärke und Simeon in der Mitte, um Versöhnung für ihn zu er- 
wirken. So heisst es auch: „Neben ihm der Stamm Simeon u. s. w. 
und der Stamm Gad u. s. w., alle Gemusterten nach dem Lager 
Rubens u. s. w. und als die zweiten sollen sie aufbrechen." Denn die 
Busse ist das zweite nach dem Gesetze. Und nachdem diese zwei 
Paniere aufgebrochen waren, brachen die Leviten mit der Wohnung 
auf. So heisst es auch V. 17: Und dann breche das Stiftszelt 
auf, das Lager der Leviten u. s. w. An der Abendseite sind 
die Speicher des Schnees, die Speicher des Hagels, der Kälte und 



20 Par- n, Cap. II, 17. 18. 20. 25. 27. 29. 31. 

der Hitze, dem entsprechend lagere Ephraim, Benjamin und Ma- 
nasse. Wer kann vor Schnee und Hagel bestehen? Ephraim, Ma- 
nasse und Benjamin, wie es heisst Ps. 80, 3: „Vor Ephraim, Ben- 
jamin und Manasse erwecke deine Starke," und die Schechina ist 
immer in der Abendseite in Benjamins Gebiete gewesen, wie es heisst 
Deut. 33, 12: „Von Benjamin sprach er: Der Liebling des Ewigen 
wohnet sicher bei ihm.** So heisst es V. 18: Das Panier des 
Lagers Ephraims bei seinen Heeren. 

V. 20. Bei ihm der Stamm Manasse und der Stamm 
Benjamin und der Fürst der Söhne Manasses u. s. w. V. 31. 
Alle Gemusterten vom Lager Dans d.i. (alle) Obersten, welche 
würdig zur Belehrung (zum Gesetze) und stark zur Bekehrung (Busse) 
sind, damit der Mensch an Belehrung (am Gesetz) stark werde und 
über seine Leidenschaft (seinen Trieb) obsiege (d. i. an Selbstbe- 
herrschung gewinne). Von der Mitternachtseite geht die Finster- 
niss in die Welt aus, darum sollte da der Stamm Dan lagern. 
Warum? Weil er durch Abgötterei Finsterniss in die Welt gebracht 
hat, denn Jerobeam hatte doch die beiden goldenen Kälber gemacht, 
und der Götzendienst ist finster, wie es heisst Jes. 29, 15: „In Fin- 
sterniss sind ihre Werke." Als Jerobeam zu ganz Israel zurück- 
kehrte, nahm ihn nur der Stamm Dan auf, wie es heisst i Reg. 
12, 28: „Der König berieth sich und machte zwei goldene Kälber 
u. s. w., das eine legte er nach Dan." Darum hat Gott befohlen, 
dass Dan in der Mitternachtseite lagere. So heisst es auch V. 25: 
Das Panier des Lagers Dans lagere nach Mitternacht 
V. 27: Neben ihm lagere der Stamm Ascher, welcher durch 
Licht die Finsterniss vertrieb, wie es heisst Deut. 33, 24: „Und zu 
Ascher sprach er: Gesegnet sei er — tauchend in Oel seinen Fuss." 
So heisst es V. 27: „Und es lagere sich neben ihm der Stamm 
Ascher." „Neben ihm Naphthali," weil er voll von Segen ist, um 
auch andere zu versorgen, wie es heisst Deut. 33, 23: „Naphthali 
sei gesättigt mit Wohlgefallen." So heisst es auch V. 29: „Und 
der Stamm Naphthali" u. s. w. V. 31: „Alle Gemusterten 
des Lagers Dans." Zuletzt sollen sie aufbrechen nach 
ihren Panieren, weil jeder, welcher den Götzen dient, zuletzt 
geht und nicht voran. Darum heisst es auch Prov. 3, 19: „Der 
Ewige hat mit Weisheit die Erde gegründet, die Himmel mit Ein- 
sicht errichtet." Sowie Gott die vier Himmelsgegenden geschaffen 
hat und dem entsprechend auch die vier Fahnen, so hat er auch 
seine Thora mit vier Königen umgeben, mit Michael, Gabriel, Uriel 
und Raphael. Michael zu seiner Rechten, entsprechend Rüben. 
Warum wird er Michael genannt? In der Stunde, wo die Israeliten 
durch's Meer zogen, fing Mose in seinem Liede an: „Wer ist wie 
du" u. s. w., und als er die Thora geendet hatte, da heisst es das. 
33, 26: „Es ist kein Gott wie Jeschurun." Wer ist wie du? Es 
giebt keinen, wie Gott (böo yfie ']l?2D vz) d. i. Michael. Uriel hat 



Par. II. Cap. II, 31. 32. 21 

seine Stellung zur Linken, entsprechend Dan, welcher in der Mitter- 
nachtgegend lagerte. Warum heisst er Uriel? Wegen Thora, Pro- 
pheten und Hagiographen, weil Gott Israel versöhnt und Israel er- 
leuchtet, wie es heisst Jes. 60, i: „Auf, mein Licht! denn es kommt 
dein Licht." Auch David hat gesagt Ps. 118, 27: „Gott ist der Ewige 
und er hat uns Licht verschafft {izb n^'^l)" d. i. Uriel. So heisst 
es auch Micha 7, 8: „Wenn ich auch im Finstern sitze, der Ewige 
ist mir Licht {^b IIN)." Gabriel steht vor ihm, entsprechend der 
Regierung Jehudas, Moses und Aarons, welche in der Morgenseite 
waren. Und warum wird Gabriel mit Jehuda genannt? Weil es 
von diesem heisst: „Er ist ein Mann (der stärkste) unter seinen 
Brüdern," und bei Mose steht auch: „Er rief den Mose," und Jes. 
9, 5 heisst es: „Er nennt seinen Namen: Wunder, Rathgeber, Gott, 
Held (m^5 b«)" d. i. Gabriel. Raphael entsprechend Ephraim. Und 
warum wird er Raphael genannt? Damit der Bruch Jerobeams 
wieder geheilt werde, welcher von Ephraim hervorging, der an der 
Abendseite lagerte. (Und der Name kommt daher, weil Mose im 
Gebete für seine Schwester sagte) Nuni. 12, 13: „Gott heile sie doch 
rrb «3 «s^)" d. i. Raphael. 

V. 32, Dies sind die Gemusterten der Kinder Israels 
nach dem Hause ihrer Väter. 

An zehn Stellen (Orten) wurden die Israeliten gezählt. Einmal 
bei ihrer Hinabreise nach Aegypten s. Deut. 10, 22: „Mit siabenzig 
Seelen zogen deine Väter hinab," einmal bei ihrem Auszuge s. Ex. 
12, 37: „Die Kinder Israels brachen auf von Ramses nach Succoth," 
einmal nach der Fertigung des goldenen Kalbes s. Ex. 30, 12: „Wenn 
du aufnimmst das Haupt der Kinder Israels," und zweimal im Pen- 
tateuch (Abschnitt): a'^npc (d. i. in Numeri), einmal bei den Pa- 
nieren, einmal bei der Theilung des Landes, zweimal in den Tagen 
Sauls s. I Sam. 15, 4: „Er musterte sie zu Telaim (o*'Nb::3)," das. 
II, 8: „und er musterte sie in Besek (pta)" d. i. als sie reich waren 
(musterte er sie) mit Lämmern, und als sie arm waren, mit Scher- 
ben*); einmal in den Tagen Davids s. 2 Sam. 24, 9: „Und Joab 
gab die Zahl, die Musterung des Volkes an." Wenn *)£0C, Zahl steht, 
wozu noch ipD^, Musterung und wenn ipD?3, Musterung steht, 
warum noch "iDOTa, Zahl? Allein Joab hatte zwei Verzeichnisse 
{avdg>OQa) ausgefertigt, ein grosses und ein kleines. Das kleine 
zeigte er dem David, das grosse aber zeigte er ihm nicht, deshalb 
heisst es npsr icOt:; einmal in den Tagen Esras s. Esra 2, 64: 
„Die ganze Gemeinde war zusammen 42306;" eine wird noch in 
der Zukunft geschehen s. Jerem. 33, 13: „Fürder sollen die Schafe 
vorüberziehen durch die Hand des Zählers." 

Dies sind die Gemusterten der Kinder Israels. In 



•) Jeder gab nämlich eine Scherbe ab, die später zusammengezählt 
wurden. 



22 Par. n. Cap. II, 32. 

Verbindung mit Hos. 2, i: „Einst wird die Zahl der Kinder Israels 
wie der Sand am Meere sein." „Einst wird die Zahl der Kinder 
Israels sein" u. s. w. So heisst es Ps. 119, 89: „Für ewig, Ewiger, 
steht dein Wort fest im Himmel," deshalb, weil Gott dem Abraham 
eine Verheissung gegeben hatte und die, als die Kinder Israels aus 
Aegypten zogen, in Erfüllung ging. Wann gab ihm Gott diese 
Verheissung? Als er ihm befahl, aus dem Hause seines Vaters zu 
gehen, wie es heisst Gen. 13, i: „Geh aus deinem Lande u. s. w. 
und ich will dich zu einem grossen Volke machen." Da sprach Abra- 
ham vor Gott: Herr der Welten! von allem, was du mir verheissen 
hast, welchen Vortheil habe ich davon, da ich keine Kinder habe, 
wie es das. 15, 2 heisst: „Abram sprach: Ewiger, Gott, was willst 
du mir geben? Gehe ich doch kinderlos dahin" u. s. w.; denn Abra- 
ham sah schon im Gestirn, dass er einst keine Kinder zeugen werde. 
Was machte Gott mit ihm? R. Jehuda bar R. Simon, R. Chanin, 
R. Jochanan. Daraus geht hervor, dass Gott ihn zur Höhe über 
die Himmelswölbung hinaus erhob und zu ihm sprach: Aus welchem 
Gestirn ersiehst du, dass du keine Kinder zeugen wirst? ich will 
dir zeigen, dass du solche zeugen wirst, wie es heisst das. 15, 5: 
„Er führte ihn hinaus und sprach zu ihm: Blicke herab vom Him- 
mel" u. s. w. R. Samuel bar R. Jizchak sagte: Man sagt nur: 
Blicke herab, wenn der Betreffende in der Höhe (oben) sich befindet. 
So heisst es Ps. 80, 15: „Blicke herab vom Himmel und sieh." „Und 
er sprach zu ihm: Also soll dein Same sein." Was heisst das: „Also 
soll dein Same sein?" Es verhält sich hiermit, bemerkte R. Levi 
im Namen des R. Jochanan, wie mit demjenigen, der sich auf eine 
Reise begab, er wanderte einen, zwei, drei bis zehn Tage, ohne 
eine Stadt, ein Wirthshaus, einen Baum, ohne Wasser und ohne ein 
Geschöpf zu finden. Nach zehntägiger Wanderung erblickte er end- 
lich einen Baum von Ferne. Da dachte er: Vielleicht ist Wasser 
darunter. Als er dahin kam, fand er, dass der Baum an einer 
Quelle stand. Da er den Baum lieblich, seine Früchte süss, seine 
Zweige lieblich fand, so setzte er sich darunter und kühlte sich in 
seinem Schatten ab, er ass von seinen Früchten und trank aus der 
Quelle und erholte sich und erquickte seine Seele. Als er sich er- 
hob, um fortzugehen, sprach er zu dem Baum: Womit kann ich 
dich segnen (eig. was habe ich, um dich zu segnen), was kann ich 
dir sagen? Dass dein Stamm (Holz) angenehm sei? er ist ange- 
nehm; dass deine Zweige angenehm seien? sie sind angenehm; dass 
deine Früchte süss seien? sie sind süss; dass eine Quelle unter dei- 
ner Wurzel hervorgehe? es geht eine solche unter deiner Wurzel 
hervor; dass du an einem lieblichen (schönen) Platz stehst? du stehst 
an einem lieblichen Platze. Womit kann ich dich also segnen? Mit 
nichts anderem, als dass alle von dir hervorgehenden Schösslinge 
dir gleichen mögen. So auch standen, als Gott die Welt erschaffen 
hatte, zwanzig Geschlechter auf, die ihm nicht gefielen, auch 
nicht ein Gerechter war unter ihnen; nach den zwanzig Ge- 



Par. II. Cap. II, 32. 23 

schlechtem erschaute er den Abraham im Lande Babylon, welches 
entfernt genannt wird, wie es heisst 2 Reg. 20» 14: „Aus fernem 
Lande sind sie gekommen, von Babel." Da sprach Gott: Vielleicht 
hat er (eig. ist in ihm) die Kraft, zu bestehen (sich zu bewähren). 
Als nun Abraham in den Gluthofen geworfen wurde und er den 
Namen Gottes heiligte und in seiner Prüfung bestand, da führte ihn 
Gott nach dem Lande Israel. Er baute ein Gasthaus {7cavöox€iov\ 
in welchem er alle Vorübergehenden und Kommenden speiste, und 
er führte die Geschöpfe unter die Fittiche der Schechina und machte 
so Gottes Ehre (Herrlichkeit) in der Welt bekannt, verband seinen 
Namen mit Gottes Namen, wie die Engel. Da sprach Gott zu 
Abraham: Was kann ich dir sagen? womit kann ich dich seg- 
nen? Etwa damit, dass du ein vollkommner Gerechter vor mir 
seist? oder dass dein Weib Sara gerecht vor mir sei? Du bist ge- 
recht und Sara, dein Weib, ist auch gerecht vor mir. Oder dass 
alle deine Hausgenossen gerecht seien? sie sind gerecht vor mir. 
Welchen Segen kann ich dir geben (eig. was habe ich, um dich zu 
segnen)? Keinen andern, als den, dass alle Kinder, die künftig 
von dir hervorgehen werden, dir gleichen mögen. Woher lässt sich 
das beweisen? Weil es heisst Gen. 15, 5: „Er sprach zu ihm: so 
soll dein Same sein." Du findest, dass Abraham mit den Sternen 
gesegnet worden ist, wie es heisst: „Blicke hinab und zähle die 
Sterne.** Jizchak ist mit Sand gesegnet worden (d. i. mit einer 
Nachkommenschaft, die so zahlreich wie der Sand ist), wie es heisst 
das. 22, 17: „Denn ich werde dich segnen und mehren deinen Sa- 
men — und wie den Sand am Ufer des Meeres.** Jacob ist mit 
dem Staub der Erde gesegnet worden, wie es heisst das. 28, 14: 
„Und es wird dein Same werden wie der Staub der Erde.** Der 
Segen Abrahams ging in den Tagen Moses in Erfüllung, denn so 
heisst es Deut, i, 10: „Der Ewige, euer Gott, hat euch vermehrt, 
dass ihr heute seid wie die Sterne des Himmels an Menge.** Der 
Segen Jacobs, wie Staub der Erde zu werden, ging in den Tagen 
Bileams in Erfüllung, denn so heisst es Num. 23, 10: „Wer zählt 
den Staub Jacobs.** Der Segen Jizchaks, so viel wie der Sand am 
Meere zu werden, ging in den Tagen Hoseas in Erfüllung, wie es 
heisst das. 2, i: „Und es soll die Zahl der Kinder Israels sein wie 
der Sand am Meere, der nicht gemessen und gezählt wird und an dem 
Orte, da ihnen gesagt ward: nicht mein Volk, wird zu ihnen gesagt: 
Kinder des lebendigen Gottes.** Da bei Jizchak der Segen betreffs 
des Sandes steht, hätte doch Hosea sagen müssen: Und es wird die 
Zahl der Kinder Jizchaks sein? Er sagt aber nicht so, sondern: „Es 
wird die Zahl der Kinder Israels sein.** Warum? Als unser Vater 
Jacob nach Mesopotamien (Padan Aram) zog, überlieferte ihm Jiz- 
chak den Segen hinsichtlich des Sandes, sowie ihm gesagt worden 
war Gen. 28, 4: „Er gebe dir den Segen Abrahams.** Was heisst 
r»? R. Chama bar Chanina sagte: Er hat nämlich so zu ihm ge- 
sprochen: Gott gebe dir den Segen, mit dem wir gesegnet worden 



24 ^ar» II' Cap. ri, 32. 

sind, ich und Abraham zugleich. Und darum heisst es auch: Seg- 
nend werde ich dich segnen (^w'nnM ""i^) d. i. mit „dem Segen 
des Vaters und dem Segen des Sohnes" und ich werde dich meh- 
rend mehren (na^^v r:31?Ti) d. i. mit der Vermehrung des Vaters 
und mit der Vermehrung des Sohnes. ,,Und wie der Sand, welcher 
am Meeresufer ist.*' Diesen Segen hat Jizchak dem Jacob über- 
liefert, darum sagt der Prophet: „Es wird die Zahl der Kinder 
Israels sein wie der Sand am Meere." Das wollen die Worte sagen 
Ps. 119, 89: „Für ewig, Ewiger, steht fest dein Wort im Himmel." 

Oder: „Es wird die Zahl der Kinder Israels sein." R. Be- 
rachja der Priester im Namen Rabbis erklärte diese Worte dahin: 
Einst wird die Zahl des Zählers wie die Zahl des Gesetzes sein, die 
ihnen gewünscht worden ist; denn so ist ihnen durch Mose voraus- 
gesagt worden: „Du wirst gesegnet sein vor allen Völkern." Das 
wollen die Worte sagen: „Es wird die Zahl der Kinder Israels wie 
der Sand am Meere sein." Er vergleicht sie bald mit dem Staube, 
bald mit den Sternen. In dieser Welt sind sie dem Staube ver- 
gleichbar; sowie der Staub der Erde bestimmt (gemacht) ist, um 
von allen (Weltbewohnern) getreten zu werden, so sind auch die 
Israeliten bestimmt (gemacht), um von den Völkern der Welt ge- 
treten zu werden, wie es heisst 2 Reg. 13, 7: „Denn der König von 
Syrien hatte sie vernichtet und sie gemacht gleich dem Staube beim 
Dreschen." Oder wie der Mensch da, wo kein Staub ist, nicht be- 
stehen kann, denn wenn kein Staub da ist, giebt es keine Bäume 
und keine Frucht, so kann auch die Welt nicht ohne Israel be- 
stehen, wie es heisst Gen. 22^ 18: „Mit deinem Samen sollen alle 
Völker gesegnet werden." In dieser Welt werden sie mit dem Staube 
verglichen, in den Tagen des Messias aber werden sie mit dem 
Sande des Meeres verglichen. Wie es die Art des Sandes ist, die 
Zähne stumpf zu machen, so werden einst in den Tagen des Mes- 
sias die Israeliten alle Völker vernichten, wie es heisst Num. 24, 17: 
„Und von Jacob tritt ein Stern hervor," und Ezech. 25, 14 heisst 
es: „Ich nehme meine Rache an Edom durch die Hand meines 
Volkes Israel." 

Oder: Warum werden sie mit dem Sande verglichen? Wemi 
der Mensch eine Hand voll Sand in den Teig oder in das Gekochte 
thut, so kann es niemand mehr kosten (geniessen), weil er seine 
Zähne stumpf macht, so wird auch Israel jedem, der es plündert 
oder beraubt in dieser Welt, einst seine Zähne abstumpfen. Warum? 
Weil es heilig ist, wie es heisst Jerem. 2, 3: „Heilig ist Israel dem 
Ewigen, als Erstling seiner Frucht; wer es verzehrte, verschuldete 
sich; Böses kam über ihn, ist der Ausspruch des Ewigen." Und 
so macht sich auch jeder, welcher sich an Heiligthümern vergreift, 
des Todes schuldig. 

Oder: „Wie der Sand am Meere." Wie es die Art des San- 
des ist, der Mensch bringt ihn in's Feuer und nimmt ihn in Klum- 
pen (Stücken) wieder heraus und verfertigt gläserne Geräthschaften 



Par. II. Cap. II, 32. 25 

daraus, so kommen auch die Israeliten in's Feuer und gehen leben- 
dig wieder heraus, wie es heisst Dan. 3, 26: „Ihr Diener des höchsten 
Gottes kommet wieder heraus;" und so wird es auch einst sein, 
wenn sie in die Hölle fahren? Die Völker der Welt werden dahin 
fahren und zu Grunde gehen, aber die Israeliten werden wieder in 
Frieden (unversehrt, wohlbehalten) herauskommen, wie es heisst Jes. 
43, 2: „Wenn du durchs Feuer gehst, so versengest du dich nicht." 
Warum? „Denn ich, der Ewige, halte dich an deiner Rechten." 
IDarom werden sie mit dem Sande verglichen; aber einst werden 
sie mit den Sternen verglichen. Wie die Sterne an der ganzen 
Veste glänzen, so werden auch sie einst glänzen, wie es heisst Dan. 
12, 3: „Die Einsichtsvollen werden leuchten wie der Glanz der Veste 
xmd die, welche viele zur Gerechtigkeit geführt, wie die Sterne ewig 
Tind immerdar." Warum werden sie aber mit den Sternen ver- 
glichen und nicht mit der Sonne und dem Mond? Abraham wird 
xiit der Sonne, Jizchak mit dem Monde und Jacob mit den Sternen 
-verglichen, einst aber werden Sonne und Mond erbleichen, wie es 
lieisst Jes. 24, 23: „Der Mond erröthet und die Sonne erbleicht, 
wenn der Ewige Zebaoth regiert auf dem Berge Zion und in Jeru- 
salem, vor seinen Aeltesten in Herrlichkeit." Aber die Sterne er- 
'bleichen nicht. Ebenso werden auch einst die Gesichter Abrahams 
und Jizchaks wegen ihrer Kinder gelb werden , Abraham wegen 
Ismael und der Kinder der Ketura, Jizchak wegen Esau und seiner 
Stamm fürsten. Die Sterne aber erblassen nicht, ebenso wird Jacob 
nicht erblassen, wie es heisst Jes. 29, 22\ „Nun wird Jacob nicht 
beschämt werden und nun wird sein Gesicht nicht erblassen." Warum? 
Denn wenn er seine Kinder erblickt, die Werke meiner Hände, dass 
sie alle Gerechte sind, wie es heisst Cant. 4, 7: „Ganz schön bist 
du, meine Freundin." 

Oder weil die Sterne sich einander Ehre bezeugen und Friede 
unter ihnen waltet, wie es heisst Hi. 25, 2: „Er stiftet Frieden in 
seinen Höhen." Ebenso lieben sich die Gerechten. Wie die Sterne 
nicht in Streit miteinander gerathen, so auch die Gerechten. Oder: 
Wie die Sterne nur in Nacht schalten, so schalten auch die Israe- 
liten nur in der Nacht wegen des Joches der Regierung. Oder: 
Wie einer der Sterne die ganze Welt in Brand setzen kann, so auch 
die Gerechten, wie Elia, der mit seinen Worten Feuer vom Himmel 
herabgerufen hat s. 2 Reg. i, 10: „Wenn ich ein Mann Gottes bin, 
so falle Feuer vom Himmel und verzehre dich und deine fünfzig, 
und es fiel Feuer vom Himmel und verzehrte ihn und seine fünf- 
zig." Es heisst ferner Hos. 2, i: „Der nicht gemessen und nicht 
gezahlt wird." Nachdem der Prophet eine bestimmte Zahl ange- 
geben hat, sagt er wieder unbestimmt: „Der nicht gemessen und 
nicht gezählt wird?" Allein Gott zeigte es dem Hosea, ebenso wie 
er dem Abraham gezeigt und zu ihm gesagt hatte: „Blicke herab 
vom Himmel und zähle die Sterne, ob du sie zählen kannst" Was 
bedeutet das Wort: „Zähle die Sterne, wenn du sie zählen kannst?" 



26 Par. II. Cap. II, 32. 

Derjenige, welcher zuvor gesagt hatte: zähle, spricht nun wieder: 
wenn du sie zählen kannst?*' Um dir kund zu thun, dass er ihm 
zuerst zeigte in der Zahl einen, dann zwei, dann drei und zwölf, 
dann siebzig, dann dass er ihm die Gestirne zeigte, die keine Zahl 
haben (unzählig sind). Und warum hat er es ihm so gezeigt? Als 
Zeichen (Vorbild), dass er in der Welt also immer zunehmen werde, 
er zeigte ihm zuerst einen, denn im Anfange war er (Abraham) 
einer in der Welt, wie es heisst Ezech 33, 24: ,»Einer war Abra- 
ham und er nahm das Land in Besitz," und wir sind viele, uns 
ist das Land zum Besitze ge^reben worden, denn er (Abraham) war 
der erste, der sich unter die Fittige des Himmels barg. Dann zeigte 
er ihm zwei: Abraham und Jizchak, dann zeigte er ihm drei: Abra- 
ham, Jizchak und Jacob, dann zeigte er ihm die zwölf Stämme, 
dann siebzig, entsprechend den siebzig Seelen, die nach Aegypten 
hinabzogen, dann zeigte er ihm die unzähligen Gestirne, dass näm- 
lich die Israeliten zuletzt sich vermehren und zu einer Unzahl wachsen 
würden, sowie es heisst Ex. i, 7: „Die Kinder Israels waren frucht- 
bar und wimmelten." So war es auch mit Hosea, er zeigte es (das 
Volk) ihm zuerst in einer Zahl und dann ohne Zahl, denn im An- 
fange waren sie eine Zahl, sie nahmen aber zu und vermehrten 
sich zu einer Unzahl. Darum heisst es: „Der nicht gemessen und 
nicht gezählt wird." 

Oder: In dieser Welt haben sie (die Israeliten) eine Zahl, wie 
es heisst Deut. 4, 27: „Ihr werdet in geringer Zahl übrig bleiben;" 
aber einst werden die Kinder Israels „wie der Sand am Meere sein, 
der nicht gemessen und gezählt wird, und an der Stelle, wo ihnen 
gesagt wurde: nicht mein Volk, wird man zu ihnen sagen: Volk 
des lebendigen Gottes." Wo ist ihnen das gesagt worden? Als 
sie das goldene Kalb gefertigt hatten, da nannte Gott sie: Volk 
des Mose, wie es heisst Ex. 32, 7: „Gehe hinab, denn dein Volk 
ist ausgeartet." Als Mose das hörte, rüstete er seine Lenden mit 
Gebet, wie es heisst Ex. 32, 11: „Und Mose flehte zu dem Ewigen, 
seinem Gott." Gleich einem König, der sein Weib einen Ver- 
schnittenen küssen sah, da sagte er zu seinem Brautführer (Ver- 
trauten): Ich werde sie Verstössen (vertreiben) und schlagen, sie mag 
wieder in ihr Vaterhaus zurückkehren. Warum? fragte dieser. Weil 
ich sie habe herausgehen und einen Verschnittenen küssen sehen. 
Er sprach zu ihm: Jetzt wird sie dir wohlgebildete, kräftige Söhne 
stellen und sie werden mit dir in den Krieg ziehen. Von ihm, fuhr 
er fort, kannst du dir diese Hoffnung nicht machen, er zeugt nicht, 
so zürnst auch du um etwas, was dir gar keinen Nutzen bringt So 
sprach auch Mose s. das. V. 11: „Warum, Ewiger, entbrennt dein 
Zorn über dein Volk?" Mose sprach nämlich zu Gott: Das Kalb, 
welches die Israeliten gemacht haben, kann es dir beistehen? Es 
lässt den Regen herabströmen und du befruchtest die Dünste. Da 
sprach Gott: Giebt es zu einer solchen Hoffnung Raum? Mose 
antwortete: Wenn nichts Wesentliches an ihm ist, warum zürnst 



Par. II. Cap. II, 32. 27 

du? „Warum, Ewiger, entbrennt dein Zorn über dein Volk? Warum 
sollen die Aegypter sprechen u. s. w. Gedenke an Abraham" u. s. w. 
Was folgt darauf? V. 14: „Dem Ewigen gereute das Uebel, das 
er geredet, seinem Volke zu thun. " Das wollen die Worte 
sagen: „Und es wird geschehen, an dem Orte, wo ihnen gesagt 
wurde" u. s. w. 

Oder: „Und es wird geschehen, an dem Orte" u. s. w. R. 
jbchanan sagte: Was steht vorher? Cap. i, 2. 3: „Geh, nimm dir 
ein buhlerisches Weib." Er ging und nahm die Gomer, und so die 
ganze Stelle (bis zu den Worten:) „und er nannte seinen Namen: 
Nicht mein Volk, denn ihr seid nicht mein Volk" u. s. w. Und 
hernach heisst es: „An dem Orte, wo zu ihnen gesagt wurde" u. s. w. 
Wenn nun Gott in der Stunde, wo er über sie zürnte, sie so liebte, 
um wie viel mehr in der Stunde, wo er sie liebt Womit ist das 
zu vergleichen? Mit einem König, welcher über sein Weib zürnte. 
Ich werde sie, sprach er, Verstössen und nicht (einmal) ihre Kinder 
schonen, sie ist nicht mehr mein Weib und ich bin nicht mehr ihr 
Mann. Er ging hinab auf die Strasse und trat bei einem Gold- 
schmiede ein und sprach zu ihm: Mache für mein Weib goldene 
Schmucksachen. Sein Freund fand ihn dort bei dem Goldschmiede, 
welcher die Schmucksachen für sein Weib anzufertigen im Begriffe 
war. Er ging und sprach zu ihren Nachbarinnen: Habt ihr nicht 
gehört, dass der König mit seinem Weibe in Zwist lebt und sagt: 
Ich will sie Verstössen, jetzt habe ich ihn beim Goldschmiede ge- 
sehen und zu diesem sagen hören: Fertige Schmucksachen für meine 
Gemahlin. So sprach auch Gott zu Hosea, als er über Israel zürnte: 
„Geh, nimm dir ein buhlerisches Weib" u. s. w., ich wünsche nicht, 
„dass die Erde buhle" u. s. w., ich erbarme mich nicht über sie. 
Er nannte ihren Namen: Nicht mein Volk, sie ist nicht mein, und 
ich bin nicht der ihrige s. das. i, 8: „Denn ihr seid nicht mein und 
ich werde nicht euer sein." Da sprach Hosea zu den Völkern der 
Welt: Was meint ihr? Meint ihr, weil er ihnen diese Worte ge- 
sagt hat: „Denn ihr seid nicht mein Volk," dass er über sie zürnt? 
Seht, wie er mit ihnen spricht, was darauf folgt: „Und es wird 
sein an dem Orle, wo zu ihnen gesagt wurde" u. s. w. So spricht 
auch Jes. i, 2: „Höret, Himmel, vernimm, Erde! Wehe dem sün- 
digen Volke." Nachher steht: „Kommt, wir wollen miteinander 
rechten, waschet, reinigt euch" u. s. w. Womit ist das zu verglei- 
chen? Mit dem Sohne eines Königs, zu dem sein Vater sagte: 
Geh in die Schule! Er ging aber auf den Markt und fing da an 
mit den Knaben zu scherzen. Als der Vater es erfuhr, dass er 
nicht in die Schule gegangen war, verfluchte er ihn und liess ihn 
böse Worte hören, nachher aber sprach er zu ihm: Wasche deine 
Hände, komm und speise mit mir! So hat auch Jesaia gesagt: 
„Kinder habe ich gross gezogen und sie sind von mir abgefallen." 
Der, welcher die ganze Stelle spricht, sagt dann V. 18: „Kommt, 
wir wollen rechten" u. s. w. Ebenso hat Gott zu Jeremja gesagt 



28 I*ar. II. Cap. II, 32. 

s. Jerem. i, 11: „Was siehst du Jeremja?" Er antwortete: „Einen 
blühenden Stab" u. s. w., V. 13: „einen siedenden Topf, V. 14: „von 
Mitternacht her wird das Unglück losbrechen" u. s. w. ^Was folgt 
darauf? Die Worte das. 2, 2: „Geh, rufe in die Ohren Jerusalems" 
u. s. w., V, 3: „Israel ist mir heilig." Gleich einem König, der ein 
Weib genommen hatte und er sprach: Eine schönere als sie giebt 
es nicht, eine lobenswerthere als sie giebt es nicht, eine ruhigere 
(sittsamere) als sie giebt es nicht. Da ging ihr Vertrauter in das 
Haus und fand sie hässlich, das Haus war nicht gereinigt, das Bett 
nicht überzogen. Da sprach er zu ihr: Hättest du gehört, wie dein 
Gemahl dich auf der Strasse pries, mit diesem Lobe stimmen diese 
Zustände (Werke) nicht überein. Da sprach der Vertraute: Wenn 
er jetzt, wo sie hässlich ist, sie schon preist, wie erst, wenn sie alle 
liebenswürdigen Eigenschaften besitzt. So war auch Jeremjas Zeit- 
alter (Geschlecht), sie sündigten und er spricht zu ihnen das. 2, 2: 
„Ich gedenke dir der Huld deiner Jugend" u. s. w. Er sprach: 
Wenn Gott sie schon in der Stunde, wo sie sündigen, so liebt, um 
wie viel mehr erst, wenn sie seinen Willen thun. Und so verhält 
es sich auch mit der Prophetie des Hosea: „Denn ihr seid nicht 
mein Volk" u. s. w. Was folgt darauf? „Und es wird sein an dem 
Orte" u. s. w. 

Oder: „Es wird sein an dem Orte" u, s. w. So heisst es auch 
Cant. 8, 7: „Viele Wasser können die Liebe nicht auslöschen" u. s. w., 
und ferner das.: „Wenn ein Mensch allen Reichthum seines Hauses 
hingäbe" u. s. w. R. Samuel bar Nachman sagte: Von zwei Arten 
der Liebe spricht hier die Schrift. Im Anfang spricht sie von der 
Liebe Israels, nämlich wenn alle Völker der Welt zusammenkämen, 
um diese Liebe zwischen ihm (Gott) und Israel zu nehmen, sie ver- 
möchten es nicht, wie es heisst: „Viele Wasser können die Liebe 
nicht auslöschen." Unter „vielen Wassern" sind die Völker der 
Welt zu verstehen, wie es heisst Jes. 17, 12: „Wehe, ein Toben 
vieler Völker" u. s. w. „Und Ströme werden sie nicht hinwegfluthen" 
d. s. ihre Könige und ihre Fürsten vgl. Jes. 8, 7: „Darum siehe, der 
Ewige bringt über sie die gewaltigen und mächtigen Gewässer des 
Stromes." Am Schlüsse redet sie (die Schrift) von der Liebe des 
Volkes zum Gesetze, nämlich: wenn alle Völker der Welt zusam- 
menkämen und sprächen: Wir verkaufen all unsre Habe (unser 
Vermögen) und wollen das Gesetz und die Vorschriften ausüben, 
so spricht Gott zu ihnen: Selbst wenn ihr eure Habe verkauft, um 
das Gesetz zu erwerben, es wird mit Verachtung zurückgewiesen 
(eig. mit Verachtung ist es auf euch), wie es heisst Cant. 8, 7: „Wenn 
ein Mensch den ganzen Reichthum seines Hauses gäbe für die Liebe, 
verspotten würde man ihn." Für welche Liebe? Für die Liebe zum 
Gesetz, wie es heisst Ps. 119,97: „Wie liebe ich dein Gesetz" u. s. w. 
Die Völker sprachen darauf zu ihm: Warum hast du uns nicht an- 
genommen? Gott antwortete ihnen: Weil ihr sündigt. Die Völker 
sprachen: Sündigen die Israeliten nicht? R. Berachja sagte: Was 



Par. ir. Cap. II, 32. 29 

steht nachher? Cant. 8, 8: „Eine kleine Schwester haben wir" u. s. w. 
Gott sprach zu ihnen: Wenn das Kind, wenn es noch klein ist, 
gegen seines Eltern sündigt (sich etwas zu Schulden kommen lässt), 
so beschweren sie sich nicht über dasselbe. Warum? Weil es noch 
klein ist. So auch wenn die Israeliten sündigen, da rechnet es ihnen 
Gott nicht als Sünde an. Und dass es so ist, das kannst du daran 
erkennen: Zur Zeit (in den Tagen) des Hosea hatten sie Gott er- 
zürnt und er versetzte sie in Furcht mit den Worten: „Sie sind buh- 
lerische Kinder" u. s. w., „sie ist nicht mein Weib" u. s. w. Nenne 
seinen Namen: „Nicht mein Volk, denn ihr seid mein Volk." Das 
hat er aber nur zu ihrer Besserung gesagt und er konnte es nicht 
länger ertragen, bis er sie wieder zurückrief, wie es heisst: „Und 
es wird geschehen an dem Orte." R. Jizchak sagte: Gott sprach 
zu Israel: Beim Guten nenne ich mich zuerst, beim Uebel aber 
zuletzt. Beim Guten zuerst, wie es heisst: „Ich sprach zu: Nicht 
mein Volk: Mein Volk bist du," und nachher heisst es das. V. 10: 
„Es wird zu ihnen gesagt: Kinder des lebendigen Gottes." Aber 
beim Bösen bin ich zuletzt, wie es heisst das. 2, i: „Ihr seid nicht 
mein Volk" und dann heisst es: „Und ich werde nicht euer sein." 
R. Chanina sagte: Unverständige Leute denken sich unter den 
Worten: „ich will nicht euer sein," dass er euch auch nicht ein Gott 
sein will, nein, das ist nicht der Sinn, sondern die Worte: „ich 
werde nicht euer sein," wollen sagen: Obgleich ihr nicht mein Volk 
seid, weil ihr euch von mir scheiden wollt, und ich nicht euer sein 
werde, so ist das nicht mein Sinn; darum stimme ich nicht mit 
euch überein, sondern wider euren Willen sollt ihr mein Volk sein. 
Und so heisst es Ezech. 20, 32: „Nach dem Wunsche eures Geistes 
soll es nicht geschehen, dass ihr sprechet: wir wollen werden wie 
die Volker" u. s. w. Allein was soll ich euch thun? S. das. V. 33: 
„So wahr ich lebe," spricht der Ewige, mit starker Hand und mit 
ausgerecktem Arme und mit ausgeschüttetem Grimme will ich über 
euch herrschen." Siehe, daraus kannst du die Liebe Israels vor 
Gott (kennen) lernen. 

Oder: „Es wird sein die Zahl der Kinder Israels." R. Abin 
der Levite bar Rabbi begann mit Esra 8, 34: „Mit Zahl und Ge- 
wicht für alles" u. s. w. R. Abin sagte: Alle Dinge haben ein 
Mass; das Wasser hat ein Mass s. Jes. 40, 12: „Wer misst in seiner 
hohlen Hand die Wasser?" die Himmel haben ein Mass s. Jes. das.: 
„Und misst die Himmel mit der Spanne;" der Staub hat ein Mass 
s. das.: „Und fasset ins Mass der Erde Staub;" die Berge haben 
ein Mass s. das.: „Und wägest mit der Wage die Berge;" die 
Hügel haben ein Mass s. das.: „Und die Hügel mit Wagschalen;" 
kurz alle Dinge haben ein Mass, wie es heisst: „Mit Zahl und Mass 
für alles." Was hat aber weder Zahl noch Mass? Die Israeliten, 
wie es heisst Hos. 2, i: „Und es wird sein die Zahl der Kinder 
Israels wie der Sand am Meere." Wie der Sand kein Mass hat, so 
haben auch die Israeliten kein Mass. Womit ist das zu vergleichen? 



^O ^^^' ^ Cap. II, 32. 

Mit demjenigen, der drei Handwerke kennt, die Kunst des Gold- 
schmiedes, des Töpfers und Glasers. Wer ihn liebte (schätzte), nannte 
ihn Sohn des Goldschmiedes, wer ihn aber hasste, nannte ihn Glaser. 
So war es auch mit Mose, weil er die Israeliten liebte, so verglich 
er sie mit den Sternen, wie es heisst Deut, i, 10: „Und siehe, ihr 
seid heute wie die Sterne des Himmels an Menge." Bileam aber, 
weil er sie hasste, verglich sie mit dem Staube, wie es heisst Num. 
23, 10: „Wer zählt den Staub Jacobs?" Hosea dagegen, welcher 
die Mitte hielt und sie weder liebte noch hasste, verglich sie mit 
dem Sande, wie es heisst: „Die Zahl der Kinder Israels wird wie der 
Sand am Meere sein." 

Oder: „Wie Sand am Meere." Die Israeliten werden mit 
dem Sande, die Völker dagegen mit dem Kalk verglichen s. Jes. 
33, 12: „Die Völker werden wie Kalk verbrannt." Wenn du in 
den Kalk keinen Sand thust, so hat er keine Festigkeit, so auch, 
wenn Israel nicht wäre, könnten die Völker nicht bestehen. So 
findest du auch: Wenn Joseph nicht gewesen wäre, so wären die 
Aegypter in Hungersnoth umgekommen, und ebenso, wenn Daniel 
nicht gewesen wäre, so wären die babylonischen Weisen verloren 
gewesen. R. Menachma sagte im Namen des R. Elieser ben Jacob: 
Die Israeliten werden mit dem Sande verglichen. Wenn du im 
Sande am Abend eine Grube machst, so findest du sie am Morgen 
wieder gefüllt, ebenso wurden auch die Tausende, die in den Tagen 
Davids an den Israeliten fehlten, wieder voll gemacht. Wann wur- 
den sie voll gemacht? In den Tagen Salomos s. i Reg. 4, 20: 
„Und Juda und Israel waren zahlreich wie der Sand, welcher am 
Meere ist, an Menge." R. Eleasar sagte im Namen des R. Jose 
ben Simra: Immer wenn die Israeliten aus Noth wendigkeit gezählt 
wurden, fehlte nichts (an ihrer Zahl), war diese Noth wendigkeit aber 
nicht vorhanden (und sie wurden gezählt), so fehlte an der Zahl. 
Wann sind sie aus Nothwendigkeit gezählt worden? In den Tagen 
Moses bei den Panieren und bei der Vertheilung des Landes. Und 
wann wurden sie nicht aus Nothwendigkeit gezählt? In den Tagen 
Davids. 

„Der nicht gemessen und gezählt wird." Was ist das? fragte 
R. Simlai. Zuerst sagt er: sie haben eine Zahl und dann sagt er 
wieder: sie haben keine Zahl, sie können nicht gemessen und ge- 
zählt werden? Zur Zeit, wo sie den Willen Gottes nicht thun, da 
haben sie eme Zahl, denn es fehlt nichts an der Zahl von 60 My- 
riaden, wie es heisst: „Und es ist die Zahl," zur Zeit aber, wo sie 
Gottes Willen thup, da sind sie ohne Zahl, wie es heisst: „Der 
nicht gemessen und gezählt wird." 

Oder: „Der nicht gemessen und gezählt wird." 

R. Simon sagte im Namen des R. Josua ben Levi: Zuerst heisst 
es: „Und es wird die Zahl der Kinder Israels sein," und dann 
wieder heisst es: „Der nicht gemessen und gezählt wird," wenn sie 
ohne Zahl sind, wie kann es dann heissen: sie haben eine Zahl? 



Par. n. Cap. II, 32—34- 31 

£s verhalt sich hiermit, wie es Lev. 24, 10 heisst: „Es ging heraas 
der Sohn einer Israelitin*' u. s. w.; Jos. 7, i: „Und es nahm Achan 
ben Charmi*' n« s. w.; Num. 25, 14: „Der Name des israelitischen 
Mannes aber, der erschlagen wurde mit der Midianitin, war Simri 
ben Saln." Für diese giebt es eine Zahl, aber für die Gerechten 
gilt: „Der nicht gemessen und gezahlt werden kann." 

V. 52. „Das sind die Gemusterten der Kinder Israels 
nach dem Hause ihrer Väter.*' 

Komm und sieh, wie beliebt die Israeliten vor Gott sind, denn 
sieh, Gott schreibt die Zahl der Israeliten viermal bei den Panieren, 
zweimal einzeln und zweimal im allgemeinen, und dann zählt er 
noch jedes Panier im allgemeinen und auch im einzelnen, um kund 
zu thun, wie beliebt sie vor ihm sind, weil sie seine Heere waren 
und er jede Stunde zählen will; wie ein Mensch, der ein sehr ge- 
liebtes (kostbares) Besitzthum hat und es zählt und immer wieder 
zählt und zwar so viele Mal (so lange), bis er die Summe weiss 
und er freut sich bei jeder Zahl. So freute sich auch Gott bei der 
Erwähnung der Zahl Israels, als wollte er gleichsam sagen: so und 
so viele Heerschaaren habe ich in meiner Welt, die meinen Willen 
thun und sich damit tröstet. 

V. 33. „Und die Leviten wurden nicht gemustert" 

Sowie es bei der Angabe der Zahl der Israeliten heisst: „Wie 
der Ewige dem Mose befohlen," denn es war vor Gott eine Freude, 
dass die Leviten nicht mit ihnen gezählt wurden, damit sie nicht 
mit ihnen in das Verhängniss verwickelt wurden. 

V. 34. Und die Kinder Israels thaten'^alles so, wie es 
der Ewige dem Mose befohlen. 

Beliebt sind die Paniere vor Gott, denn siehe, es heisst von 
ihnen: „Wie der Ewige dem Mose befohlen." Sowie geschrieben 
steht bei dem Bau des Stiftszeltes, so lagerten sie nach ihren Pa- 
nieren, so brachen sie auf, ein jeder nach seinen Familien. „Nach 
dem Hause ihrer Väter," um anzuzeigen, dass die Israeliten sich 
beeilten, um die Worte Gottes, betreffs der Paniere, zu erfüllen, 
und sie nicht säumten, es zu thun, wie es heisst: „Und es thaten 
die Kinder Israels" u. s. w. Wo war denn Aaron? R. Josua bar 
R. Nechemja, R. Levi bar R. Chitha im Namen des R. Chija bar 
Abba. Als Aaron ging, ihre edle Abstammung zu melden, sprachen 
die Israeliten zu ihm: Wozu rühmst du unsre edle Herkunft, melde 
erst die edle Abkunft deines Sohnes Eleasar. Hat er nicht die 
Tochter Putiels zur Frau s. Ex. 6, 25: „Und Eleasar, der Sohn 
Aarons, nahm sich eine von den Töchtern Putiels zum Weibe." 
Als Gott sah, dass die Israeliten den Aaron so gering schätzten, 
setzte er dessen Ehre der des Mose voran, wie es heisst Num. 3, i: 
„Und das sind die Geschechtsfolgen Aarons und Moses." Jeder, 



j2 Par. II- Cap. lU, 2. 4. 

mit dem sich Gott besonders beschäftigt, um von ihm eine Nation 
oder eine Familienkette hervorgehen zu lassen, mit dem beschäftigt 
sich Gott, wie hier, um Tholedot (Geschlechtsfolgen) von ihm auf- 
zuzeichnen. So findest du zwölf Tholedot (Geschlechts folgen) in den 
Kethubim, im ersten (der Genesis) Gen. 2, 4: „Dies sind die Tho- 
ledot des Himmels und der Erde;" das. 5, i: ,,Dies ist das Buch 
der Tholedot Adams;" das. 6, 9: „Dies sind die Tholedot Noachs;" 
das. 10, 1: „Dies sind die Tholedot der Kinder Noachs;" das. 11, 10: 
„Dies sind die Tholedot Schems;" das. 11, 27: „Dies sind die Tho- 
ledot Therachs;" das. 25, 12: ,,Dies sind die Tholedot Ismaels;" 
das. 25, 19: „Dies sind die Tholedot Jizchaks;" das. 36, i: „Dies sind 
die Tholedot Esaus;"' das. 37, 2: „Dies sind die Tholedot Jacobs." 
Dies sind zehn Tholedot. Mit diesen hatte sich Gott besonders be- 
schäftigt, um die Welt zu erschaffen und Völkerschaften zu siellen. 
Von zwei Menschen hat Gott ihre Tholedot (Abstammungen) (be- 
sonders) verzeichnet, von dem einen für die Kette (Reihenfolge) der 
Könige und von dem andern für die Kette der Priester. {Wer sind 
diese?) S. Ruth 4, 18; „Dies sind die Tholedot des Perez," um die 
Kette der Könige von ihnen zu stellen*) und Num. 3, i: „Dies sind 
die Tholedot Aarons und Moses," wegen der Kette der Priester 
(der Priesterfolge). 

„Dies sind die Tholedot Aarons und Moses," Siehe nach den 
Tholedot Moses wird hier nicht gefragt? Warum heisst es denn 
aber: „Die Tholedot {die Geschlechts folge) Aarons und Moses?" 
Wegen der Ehre Moses, damit seine Ehre nicht vermindert werde. 

V. 2. Dies sind die Namen der Kinder Aarons, der 
Erstgeborne Nadab u. s. w, V, 3. Dies sind die N^men der 
Kinder Aarons, der gesalbten Priester, welche eingeweiht 
worden zum Priesterthum. Das stimmt mit dem, was gesagt 
ist, dass sich die Schrift nur mit der Kette der Priester beschäftigt 
{dass es der Schrift nur um die Kette der Priester [Priester folge] 
zu thun ist). 




Par. II. Cap. III, 4. 33 

R. Eleasar sagt: Sie sind auch wegen des Darbringens fremden 
Feuers bestraft worden, nicht wegen des täglichen Abend- und des 
taglichen Morgenopfers, sondern wegen des gemeinen Feuers, wie 
es heisst: „Fremdes Feuer.** Bar Kapra sagte im Namen des R. 
Jeremja bar R. Eleasar: Wegen vier Dingen (Vergehungen) sind die 
Söhne Aarons gestorben: Wegen des Nahens (des Eintretens) und 
wegen der Darbringung und wegen des fremden Feuers u. s. w. (wie 
es oben Wajikra r\V2 *^nn« Par. 22 heisst bis:) Viele Füllen sind ge- 
fallen und ihre Felle haben auf dem Rücken ihrer Mütter als Decke 
gedient. An vier Stellen wird der Tod der Kinder Aarons erwähnt 
und ebenso ihr Vergehen. Und warum? Um dir kund zu thun, dass 
nicht eine andere Schuld als diese allein an ihnen gehaftet hat 
R. Eleasar von Modin sagte: Geh und sieh, wie schwer der Tod 
der Söhne Aarons vor Gott war! Denn überall, wo ihr Tod er- 
wähnt wird, wird auch ihr Vergehen erwähnt. Warum? Damit 
kein Anlass für die Weltbewohner vorhanden sei, dass die Menschen 
nicht etwa sprechen sollten: Sie haben verderbte (schlechte) Thaten 
im Geheimen begangen, weshalb sie gestorben sind. 

„Und Nadab und Abihu starben vor dem Ewigen." R. Jocha- 
nan sagte: Sind sie denn vor dem Ewigen gestorben? Allein daraus 
ist zu ersehen, dass es vor Gott schwer ist, wenn die Kinder der 
Frommen bei Lebzeiten ihrer Väter hinweggenommen werden. 

„Als sie fremdes Feuer vor dem Ewigen darbrachten." R. Jo- 
chanan von Jappo fragte vor R. Pinchas bar Chama im Namen 
des R. Simon: Hier steht zweimal: „vor dem Ewigen" und weiter 
heisst es nur einmal: „vor ihrem Vater Aaron?" Allein daraus ist 
zu ersehen, dass es vor Gott doppelt so schwer war, als vor ihrem 
Vater. 

In der Wüste Sinai. Sind sie denn in der Wüste Sinai ge- 
storben? Allein daraus ist zu lernen, dass sie vom Berge Sinai 
ihr Todesurtheil empfangen haben. So heisst es auch Ex. 24, 21: 
„An die Edeln der Kinder Israels streckte er aber nicht seine Hand 
aus." Daraus geht hervor, bemerkte R. Pinchas, dass sie es ver- 
dient hätten zu sterben. R. Hosajd sagte: Sind denn mit den Israe- 
liten Vorrathskammern an den Berg Sinai hinaufgezogen, weil es 
heisst das.: „Sie schauten Gott und assen und tranken?" Allein 
daraus geht hervor, dass ihre Augen am Anblick der Schechina 
sich weideten, sowie ein Mensch auf seinen Genossen beim Essen 
und Trinken blickt. R. Jochanan sagte: Es war ein wirkliches 
Essen, wie es heisst Prov. 16, 15: „Im Lichte des Angesichts des 
Königs ist Leben." R. Tanchuma sagte: Daraus geht hervor, dass 
sie ihr Herz überhoben und auf ihren Füssen standen (sich hin- 
stellten) und ihre Augen an der Schechina ergötzten. R. Josua 
von Sichnin im Namen des R. Levi sagte: Mose hat seine Augen 
nicht an dem Anblicke der Schechina geweidet und hat doch einen 
Genuss von der Schechina gehabt. Er hat seine Augen nicht an 
der Schechina geweidet, wie es lieisst Ex. 3, 6: ,,Mose verbarg sein 

Wünsche, Miilrasch Bemidbar r. 3 



32 



Par. II. Cap. III, :. . 



mit dem sich Golt besonders beschäftigt, um von ihm eine Nation 
oder eine Familienkette hervorgeben zu lassen, mit dem beschäftigt 
sich Gott, wie hier, um Tholedot (Geschlechts folgen) von ihm auf- 
zuzeichnen. So findest dn zwölf Tholedot (Geschlechtsfolgen) in den 
Kethubim, im ersten (der Genesis) Gen. 2, 4; „Dies sind die Tho- 
ledot des Himmels und der Erde;" das. 5, i: ,,Dies ist das Buch 
der Tholedot Adams;" das. 6, g: „Dies sind die Tholedot Noachs;" 
das. 10, i; „Dies sind die Tholedot der Kinder Noachs;" das. 11, 10; 
„Dies sind die Tholedot Schems;" das. 11, 27: „Dies sind die Tho- 
ledot Therachs;" das. 25, 12: ,,Dies sind die Tholedot Ismaels;" 
das. 25, 19: „Dies sind die Tholedot Jizchaks;" das. 36, 1: „Dies sind 
die Tholedot Esaus;"' das. 37, z: „Dies sind die Tholedot Jacobs." 
Dies sind zehn Tholedot. Mit diesen hatte sich Gott besonders be- 
schäftigt, um die Welt zu erschaffen und Völkerschaften zu stellen. 
Von zwei Menschen hat Gott ihre Tholedot (Abstammungen) (be- 
sonders) verzeichnet, von dem einen für die Kette (Reihenfolge) der 
Könige und von dem andern für die Kette der Priester. (Wer sind 
diese?) S. Ruth 4, 18: „Dies sind die Tholedot des Perez," um die 
Kette der Konige von ihnen zu stellen*) und Num. 3, 1: „Dies sind 
die Tholedot Aarons und Moses," wegen der Kette der Priester 
(der Priesterfolge). 

„Dies sind die Tholedot Aarons und Moses." Stehe nach den 
Tholedot Moses wird hier nicht gefragt? Warum heisst es denn 
aber: „Die Tholedot {die Geschlechts folge) Aarons und Moses?" 
Wegen der Ehre Moses, damit seine Ehre nicht vermindert werde. 

V. 2. Dies sind die Namen der Kinder Aarons, der 
Erstgeborne Nadab u. s. w. V, 3, Dies sind die Namen der 
Kinder Aarons, der gesalbten Priester, welche eingeweiht 
worden zum Priesterthum. Das stimmt mit dem, was gesagt 
ist, dass sich die Schrift nur mit der Kette der Priester beschäftigt 
(dass es der Schrift nur um die Kette der Priester [Priester folge] 




Par. II, Cap. III, 4. ^j 

R. Eleasar sagt: Sie sind auch wegen des Darbringens fremden 
Feuers bestraft worden, nicht wegen des täglichen Abend- und des 
täglichen Morgenopfers, sondern wegen des gemeinen Feuers, wie 
es heisst: „Fremdes Feuer.** Bar Kapra sagte im Namen des R. 
Jeremja bar R. Eleasar: Wegen vier Dingen (Vergehungen) sind die 
Söhne Aarons gestorben: Wegen des Nahens (des Eintretens) und 
wegen der Darbringung und wegen des fremden Feuers u. s. w. (wie 
es oben Wajikra m?: '^nnn Par. 22 heisst bis:) Viele Füllen sind ge- 
fallen und ihre Felle haben auf dem Rücken ihrer Mütter als Decke 
gedient. An vier Stellen wird der Tod der Kinder Aarons erwähnt 
und ebenso ihr Vergehen. Und warum? Um dir kund zu thun, dass 
nicht eine andere Schuld als diese allein an ihnen gehaftet hat 
R. Eleasar von Modin sagte: Geh und sieh, wie schwer der Tod 
der Söhne Aarons vor Gott war! Denn überall, wo ihr Tod er- 
wähnt wird, wird auch ihr Vergehen erwähnt. Warum? Damit 
kein Anlass für die Weltbewohner vorhanden sei, dass die Menschen 
nicht etwa sprechen sollten: Sie haben verderbte (schlechte) Thaten 
im Geheimen begangen, weshalb sie gestorben sind. 

„Und Nadab und Abihu starben vor dem Ewigen." R. Jocha- 
nan sagte: Sind sie denn vor dem Ewigen gestorben? Allein daraus 
ist zu ersehen, dass es vor Gott schwer ist, wenn die Kinder der 
Frommen bei Lebzeiten ihrer Väter hinweggenommen werden. 

„Als sie fremdes Feuer vor dem Ewigen darbrachten." R. Jo- 
chanan von Jappo fragte vor R. Pinchas bar Chama im Namen 
des R. Simon: Hier steht zweimal: „vor dem Ewigen" und weiter 
heisst es nur einmal: „vor ihrem Vater Aaron?" Allein daraus ist 
zu ersehen, dass es vor Gott doppelt so schwer war, als vor ihrem 
Vater. 

In der Wüste Sinai. Sind sie denn in der Wüste Sinai ge- 
storben? Allein daraus ist zu lernen, dass sie vom Berge Sinai 
ihr Todesurtheil empfangen haben. So heisst es auch Ex. 24, 21: 
„An die Edeln der Kinder Israels streckte er aber nicht seine Hand 
aus." Daraus geht hervor, bemerkte R. Pinchas, dass sie es ver- 
dient hätten zu sterben. R. Hosaja sagte: Sind denn mit den Israe- 
liten Vorrathskammern an den Berg Sinai hinaufgezogen, weil es 
heisst das.: „Sie schauten Gott und assen und tranken?" Allein 
daraus geht hervor, dass ihre Augen am Anblick der Schechina 
sich weideten, sowie ein Mensch auf seinen Genossen beim Essen 
uTid Trinken blickt. R. Jochanan sagte: Es war ein wirkliches 
Essen, wie es heisst Prov. 16, 15: „Im Lichte des Angesichts des 
Königs ist Leben." R. Tanchuma sagte: Daraus geht hervor, dass 
sie ihr Merz überhoben und auf ihren Füssen standen (sich hin- 
stellten) und ihre Augen an der Schechina ergötzten. R. Josua 
von Sichnin im Namen des R. Levi sagte: Mose hat seine Augen 
nicht an dem Anblicke der Schechina geweidet und hat doch einen 
Genuss von der Schechina gehabt. Er hat seine Augen nicht an 
der Schechina geweidet, wie es lieisst Ex. 3, 6: „Mose verbarg sein 

Wünsche, Midrasch Bemidbar r. 3 



32 Par. II. Cap. III, 2. 4. 

mit dem sich Gott besonders beschäftigt, um von ihm eine Nation 
oder eine Familienkette hervorgehen zu lassen, mit dem beschäftigt 
sich Gott, wie hier, um Tholedot (Geschlechtsfolgen) von ihm auf- 
zuzeichnen. So findest du zwölf Tholedot (Geschlechtsfolgen) in den 
Kethubim, im ersten (der Genesis) Gen. 2, 4: „Dies sind die Tho- 
ledot des Himmels und der Erde;" das. 5, i: ,,Dies ist das Buch 
der Tholedot Adams;" das. 6, 9: „Dies sind die Tholedot Noachs;" 
das. 10, i: „Dies sind die Tholedot der Kinder Noachs;" das. 11, 10: 
„Dies sind die Tholedot Schems;" das. 11, 27: „Dies sind die Tho- 
ledot Therachs;" das. 25, 12: „Dies sind die Tholedot Ismaels;" 
das. 25, 19: „Dies sind die Tholedot Jizchaks;" das. 36, i: „Dies sind 
die Tholedot Esaus;" das. 37, 2: „Dies sind die Tholedot Jacobs." 
Dies sind zehn Tholedot. Mit diesen hatte sich Gott besonders be- 
schäftigt, um die Welt zu erschaffen und Völkerschaften zu stellen. 
Von zwei Menschen hat Gott ihre Tholedot (Abstammungen) (be- 
sonders) verzeichnet, von dem einen für die Kette (Reihenfolge) der 
Könige und von dem andern für die Kette der Priester. (Wer sind 
diese?) S. Ruth 4, 18: „Dies sind die Tholedot des Perez," um die 
Kette der Könige von ihnen zu stellen*) und Num. 3, i: „Dies sind 
die Tholedot Aarons und Moses," wegen der Kette der Priester 
(der Priesterfolge). 

„Dies sind die Tholedot Aarons und Moses." Siehe nach den 
Tholedot Moses wird hier nicht gefragt? Warum heisst es denn 
aber: „Die Tholedot (die Geschlechts folge) Aarons und Moses?" 
Wegen der Ehre Moses, damit seine Ehre nicht vermindert werde. 

V. 2. Dies sind die Namen der Kinder Aarons, der 
Erstgeborne Nadab u. s. w. V. 3. Dies sind die Namen der 
Kinder Aarons, der gesalbten Priester, welche eingeweiht 
worden zum Priesterthum. Das stimmt mit dem, was gesagt 
ist, dass sich die Schrift nur mit der Kette der Priester beschäftigt 
(dass es der Schrift nur um die Kette der Priester [Priesterfolge] 
zu thun ist). 

V. 4. Aber Nadab und Abihu starben vor dem Ewigen. 

An vielen Orten wird der Tod Nadabs und Abihus erwähnt, 
um zu lehren, dass es vor Gott ein Schmerz um sie war, weil die 
Söhne Aarons beliebt waren. So heisst es auch: „Durch die, welche 
sich mir nahen, werde ich geheiligt" 

Als sie fremdes Feuer darbrachten vor dem Ewigen. 

R. Akiba sagt: Sie (Nadab und Abihu) sind wegen des Dar- 
bringens (weil sie fremdes Feuer dargebracht haben) gestorben, wie 
es heisst: „Als sie fremdes Feuer darbrachten;" R. Jose sagt: sie 
sind wegen des Nahens (weil sie in das Allerheiligste getreten waren) 
gestorben, wie es heisst: „In ihrem Nahen vor dem Ewigen." 



*) Von ihm stammte David ab. 



Par. II. Cap. ni, 4. 33 

R. Eleasar sagt: Sie sind auch wegen des Darbringens fremden 
Feuers bestraft worden, nicht wegen des täglichen Abend- und des 
taglichen Morgenopfers, sondern wegen des gemeinen Feuers, wie 
es heisst: „Fremdes Feuer.** Bar Kapra sagte im Namen des R. 
Jeremja bar R. Eleasar: Wegen vier Dingen (Vergehungen) sind die 
Söhne Aarons gestorben: Wegen des Nahens (des Eintretens) und 
wegen der Darbringung und wegen des fremden Feuers u. s. w. (wie 
es oben Wajikra r\V2 "»nn« Par. 22 heisst bis:) Viele Füllen sind ge- 
fallen und ihre Felle haben auf dem Rücken ihrer Mütter als Decke 
gedient. An vier Stellen wird der Tod der Kinder Aarons erwähnt 
und ebenso ihr Vergehen. Und warum? Um dir kund zu thun, dass 
nicht eine andere Schuld als diese allein an ihnen gehaftet hat 
R. Eleasar von Modin sagte: Geh und sieh, wie schwer der Tod 
der Sohne Aarons vor Gott war! Denn überall, wo ihr Tod er- 
wähnt wird, wird auch ihr Vergehen erwähnt. Warum? Damit 
kein Anlass für die Weltbewohner vorhanden sei, dass die Menschen 
nicht etwa sprechen sollten: Sie haben verderbte (schlechte) Thaten 
im Geheimen begangen, weshalb sie gestorben sind. 

„Und Nadab und Abihu starben vor dem Ewigen." R. Jocha- 
nan sagte: Sind sie denn vor dem Ewigen gestorben? Allein daraus 
ist zu ersehen, dass es vor Gott schwer ist, wenn die Kinder der 
Frommen bei Lebzeiten ihrer Väter hinweggenommen werden. 

„Als sie fremdes Feuer vor dem Ewigen darbrachten." R. Jo- 
chanan von Jappo fragte vor R. Pinchas bar Chama im Namen 
des R. Simon: Hier steht zweimal: „vor dem Ewigen" und weiter 
heisst es nur einmal: „vor ihrem Vater Aaron?" Allein daraus ist 
zu ersehen, dass es vor Gott doppelt so schwer war, als vor ihrem 
Vater. 

In der Wüste Sinai. Sind sie denn in der Wüste Sinai ge- 
storben? Allein daraus ist zu lernen, dass sie vom Berge Sinai 
ihr Todesurtheil empfangen haben. So heisst es auch Ex. 24, 21: 
„An die Edeln der Kinder Israels streckte er aber nicht seine Hand 
aus." Daraus geht hervor, bemerkte R. Pinchas, dass sie es ver- 
dient hätten zu sterben. R. Hosaja sagte: Sind denn mit den Israe- 
liten Vorrathskammern an den Berg Sinai hinaufgezogen, weil es 
heisst das.: „Sie schauten Gott und assen und tranken?" Allein 
daraus geht hervor, dass ihre Augen am Anblick der Schechina 
sich weideten, sowie ein Mensch auf seinen Genossen beim Essen 
und Trinken blickt. R. Jochanan sagte: Es war ein wirkliches 
Essen, wie es heisst Prov. 16, 15: „Im Lichte des Angesichts des 
Königs ist Leben." R. Tanchuma sagte: Daraus geht hervor, dass 
sie ihr Herz überhoben und auf ihren Füssen standen (sich hin- 
stellten) und ihre Augen an der Schechina ergötzten. R. Josua 
von Sichnin im Namen des R. Levi sagte: Mose hat seine Augen 
nicht an dem Anblicke der Schechina geweidet und hat doch einen 
Genuss von der Schechina gehabt. Er hat seine Augen nicht an 
der Schechina geweidet, wie es heisst Ex. 3, 6: ,,Mose verbarg sein 

Wfinsche, Midrasch Bcmidbar r. 3 



^A Par. II. Cap, III, 4. 

Angesicht, denn er fürchtete sich, Gott anzuschauen." Und er hat 
doch einen Genuss von der Schechina gehabt, wie es heisst das. 
34, 29: „Mose wusste nicht, dass die Haut seines Antlitzes Strahlen 
warf, weil er mit ihm geredet." Das war auch sein Lohn, denn 
er sah und fürchtete sich, sich ihm zu nahen. Betreffs des Lohnes 
vom Anschauen vgl. Num. 12, 8: „Die Gestalt des Ewigen schauet 
er." Dagegen Nadab und Abihu weideten ihre Augen an der Sche- 
china und sie hatten keinen Genuss von der Schechina. Und warum 
sind sie nicht sogleich gestorben? Gleich einem König, der seine 
Tochter verheirathete, er fand aber an ihrem Vertrauten etwas 
Tadeins wer thes. Da dachte der König: Bringe ich ihn jetzt um, 
siehe, so trübe ich die Freude meiner Tochter, morgen kommt 
meine Freude, es ist besser, ich gebe meine Freude auf, als die 
Freude meiner Tochter. So sprach auch Gott: Bringe ich Nadab 
und Abihu jetzt um, siehe, so trübe ich die Freude des Gesetzes 
(über das empfangene Gesetz), morgen kommt meine Freude, es 
ist besser, ich lasse meine Freude, als die Freude des Gesetzes. 
Das steht auch Cant. 3, 11: „Am Tage seiner Vermählung" d. i. 
der Sinai, „und am Tage seiner Herzensfreude" d. i. das Stiftszelt. 

„Und sie hatten keine Kinder und Eleasar und Itha- 
mar kamen zum Priesteramte." 

R. Jacob bar Abin im Namen des R. Acha sagte: Hätten sie 
Kinder gehabt, so würden diese dem Eleasar und Ithamar voran- 
gegangen sein, denn wer bei der Erbschaft den Vortritt hat, hat 
ihn auch betreffs der Würde, allein er muss sich führen nach der 
Weise seiner Väter. 

Und Eleasar und Ithamar kamen zum Priesteramte 
u. s. w. R. Jizchak sagte: (Es geschah das) bei Lebzeiten Aarons; 
R. Chija bar Abba sagte: (Es geschah das) nach seinem Tode. Was 
die Meinung des R. Jizchak anlangt, welcher gesagt hat, es sei bei 
Aarons Lebzeiten geschehen, so ist der Grund der, dass es hier heisst: 
■»20 br, vor dem Angesicht, ebenso wie es Gen. ir, 28 heisst: „Haran 
starb vor dem Angesicht ("*:d br) seines Vaters Therach." Wie by 
■»rs da bei Lebzeiten bedeutet, so bedeutet "»rD by auch hier bei 
seinen Lebzeiten. Nach der Meinung des R. Chija, welcher gesagt 
hat, es wäre bei seinem Tode gewesen, ist der Grund dieser. Es 
heisst hier: -rc by und ebenso heisst es dort Gen. 23, 3: „Abraham 
stand auf vor seinem Todten." Sowie da *i:d by bei seinem Tode 
bedeutet, so bedeutet auch hier ''ro br bei seinem Tode. Nach 
der Ansicht des R. Jizchak, welche gesagt hat, dass es bei seinem 
Leben geschehen sei, war es so: Traf Aaron Unreinheit (dass er 
unfähig war, den Opferdienst zu verrichten), so versah Eleasar den 
Opferdienst; traf diesen Unreinheit, so versah Ithamar den Opferdienst. 
Ein Vorfall mit Simeon ben Kamchith. Dieser war ausgegangen, 
um mit dem König der Araber zu sprechen. Dieser spritzte Spei- 
chel aus seinem Munde auf Simeons Kleider, wodurch dieser unrein 
wurde. Da trat sein Bruder Jehuda ein und versah für ihn das 



Par. III. Cap. III, 4. 6. 35 

Hohepriesteramt. An diesem Tage sah ihre Mutter zwei ihrer Söhne 
als Hohepriester. Die Weisen sagen: Kamchith hatte Söhne und 
alle versahen das Hohepriesteramt. Die Weisen gingen zu ihr und 
fragten sie: Welche guten Werke besitzest du (d. i. wie bist du zu 
diesem hohen Gluck gelangt)? Sie antwortete: So wahr mir Gott 
helfe, wenn die Balken meines Hauses mein Haupthaar gesehen 
haben! Seit jener Zeit entstand die Redeweise: Alles Mehl ist ge- 
mahlen (fein), aber das Mehl der Kamchith (d. i. Mehl) ist das feinste 
Mehl, und man wandte auf sie an Ps. 45, 14: „Ganz Pracht ist die 
Königstochter im Innern** u. s. w. Nach der Meinung des R. Chija 
aber, welcher gesagt hat, dass es bei seinem Tode geschehen sei, 
war es so: Nach Aarons Tod versah sein Sohn Eleasar das Hohe- 
priesteramt und nach Eleasars Tod versah es Ithamar, darum heisst 
es hier: „Es kam zum Priesteramt Eleasar und Ithamar nach 
ihrem Vater Aaron.** 



Parascha ni. 

Cap, 111. V. 6. Führe den Stamm Levi herbei u. s. w. 
In Verbindung mit Ps. 92, 13: „Der Gerechte wird wie die Palme 
blühen.** Wie die Palme ihren Schatten in die Ferne (weithin) ver- 
breitet, ebenso ist der Lohn der Gerechten fern von ihnen bis zur 
zukünftigen Welt. Wie die Palme saftige Datteln, harte Datteln, 
abfallende Datteln und Dornen hervorbringt, so giebt es auch unter 
den Israeliten Schriftgelehrte (Kinder der Thora) und Unwissende 
(y-sn ^73^) und Ungebildete (leere Gruben, D'*"»ia). Wie die Palme 
abfallende Datteln hervorbringt, die nicht in die Vorrathskammer ein- 
gebracht werden, und (gute) Datteln hervorbringt, die in die Vor- 
rathskammer eingebracht werden, so sind auch von den Israeliten, 
die in der Wüste waren, manche in das Land Israel gekommen, 
manche aber nicht. Wie die Palme Datteln und auch Dornen her- 
vorbringt, und wer jene brechen will, sich auch von diesen stechen 
lassen muss, so sind auch die Gerechten, wer sich nicht vor ihnen hütet, 
— ihr Biss ist wie der Biss eines Fuchses, ihr Stich wie der Stich eines 
Scorpions, ihr Zischen wie das Zischen eines Seraph (einer Gift- 
schlange), überhaupt alle ihre Worte sind wie feurige Kohlen.*) 

Oder: Wie die Palme nichts Unnützes enthält, sondern Datteln 
zum Essen, Zweige (Lulabin) zum Preisen (am Laubhütten feste), 
verdorrte Aeste zum Bedecken (Bedachen), Bast zum Stricken, Gerten 
zum Siebe, dicke Stämme, um damit das Haus zu halben, ebenso 
findet sich auch an den Israeliten nichts Unbrauchbares, sondern 
manche von ihnen sind Schriftkundige, manche Mischnakundige, 
manche Haggadakundige (Haggadisten), manche Gesetztreue, manche 
Wohlthätige u. s. w. 



•) S. Abot 11, 15. 

3* 



ß5 Par. III. Cap. III, 6. 

Oder: Wie die Palme ihr Herz nach der Höhe richtet, ebenso 
richten die Israeliten ihre Herzen zu ihrem Vater im Himmel, wie 
es heisst Ps. 25, 15: „Meine Augen sind stets zum Ewigen gerichtet, 
denn er wird meine Füsse aus dem Netze ziehen." Oder: Wie die 
Palme Lust hat (sich begatten will), so haben auch die Ge- 
rechten Lust. Was ist ihre Lust? Gott der Hochpreisliche, wie 
es heisst Jes. 26, 9: „Meine Seele sehnt sich nach dir in der Nacht 
und mein Geist in mir sucht dich des Morgens, denn wenn deine 
Gerichte auf der Erde sich kund geben, lernen die Weltbewohner 
Gerechtigkeit." 

Es war eine Palme, erzählt R. Tanchuma, welche in der Sonne 
stand und keine Früchte trug, man begattete sie, aber vergeblich. Da 
hiess es: Sie sieht die Palmen von Jericho und sehnt sich nach ihnen 
in ihrem Herzen. Man brachte solche von da, begattete sie und 
sogleich trug sie Früchte. So ist auch alle Lust und alles Harren 
der Gerechten Gott der Hochpreisliche (auf Gott gerichtet). Wie 
die Palme nicht weniger als drei Früchte trägt, so fehlt es auch 
den Israeliten nicht an drei Gerechten in der Welt, wie Abraham, 
Jizchak und Jacob, Chananja, Mischael und Asarja. So heisst es 
Cant. 7, 9: „Ich sprach: Auf die Palme will ich steigen und ihre 
Zweige fassen. Und wären doch deine Brüste wie Trauben der 
Rebe und deiner Nase Duft wie Aepfel." Wie die Palme Zweige 
zum Hallel (Gottespreis am Laubhüttenfest) und verdorrte Aeste zur 
Bedeckung (Bedachung) der Laubhütte hervorbringt, selbst ihr Bast 
zur Befestigung dient und ihr Holz zum Brennen, so giebt es auch 
unter den Israeliten Gerechte, Redliche, Fromme, Gelehrte (Kinder 
des Gesetzes); selbst ihre Dornen (Geringsten) sind menschenfreund- 
lich. Wie man von der Palme nicht Geräthschaften fertigt, so heisst 
es auch von den Gerechten Ps. 92, 13: (Sie blühen und wachsen} 
„wie die Ceder auf dem Libanon." 

R. Tanchuma sagte: Ich habe R. Huna gefragt und von ihm 
gehört: Wir sind in Babylon gewesen, da hat man von der Palme 
Geräthschaften, wie Tische und Leuchter, gemacht. Wie die Ceder 
keine Früchte trägt, so könnte man glauben, dass auch die Ge* 
rechten keine Früchte trügen? Darum heisst es: „Der Gerechte 
wird wie die Palme blühen." Wie die Palme Früchte trägt, so 
tragen auch die Gerechten Früchte, wie es heisst Jes. 3, 10: „Sage 
dem Gerechten, denn ihm geht es wohl, denn die Frucht seiner 
Thaten geniesst er." Wie jeder, welcher auf die Spitze einer Palme 
und einer Ceder hinaufsteigt und sich nicht in Acht nimmt, herunter- 
fällt und stirbt (Schaden nimmt), so muss auch jeder, welcher sich 
an die Israeliten macht, schliesslich es büssen (eig. so ist das Ende, 
dass er das Seinige aus ihren Händen nimmt). Du kannst das an 
der Sara erkennen. Dadurch, dass Pharao sie nur eine Nacht nahm, 
wurde er und sein Haus mit Aussatz bestraft, wie es heisst Gen. 
12, 17: „Der Ewige schlug den Pharao mit Aussatz." Wie die Palme 
und die Ceder die grössten unter allen Bäumen sind, so sind auch 



Par. III. Cap. III, 6. 37 

die Israeliten die grössten unter allen Völkern, wie es heisst Esth. 
9, 4: „Denn Mardachai war gross im Hause des Königs," und 
2 Sam. 5, 10: „Und David wurde immer grösser.*' Wie es für die 
Palme, wenn sie aus ihrem Boden gerissen wird, keinen Ersatz giebt, 
so giebt es auch für die Gerechten, wenn sie sterben, keinen Er- 
satz, wie es heisst Hi. 28, 12: „Aber die Weisheit, wo wird sie ge- 
fanden? und wo ist die Stätte der Einsicht?" 

Oder: Der Vers: „Der Gerechte wird blühen wie die Palme" 
u. s. w. redet vom Stamme Levi, welcher aus Gerechten bestand, 
die gute Werke hervorbrachten (eig. die mit guten Werken blühten^ 
zur Zeit, als die Israeliten das goldene Kalb gefertigt hatten, wie 
es heisst Ex. 32, 26: „Es sammelten sich zu ihm alle Kinder Levis." 
Darum hat Gott sie auch unter Israel gross gemacht (erhoben). Wie 
die Ceder, die im Libanon unter allen andern Bäumen an Höhe 
und Grösse hervorragt, so waren auch die Leviten grösser als alle 
Israeliten, denn er hat unter allen Stämmen nur die Kinder Levis 
allein zu seinem Dienste ersehen. Das steht auch Ps. 92, 14: „Die 
gepflanzt sind im Hause des Ewigen." 

R. Gianan bar Pasi erklärte den Vers in der Weise: Bis dass 
sie gepflanzt sind im Hause des Ewigen d. s. die Kinder in der 
Schule. Oder: „Gepflanzt im Hause des Ewigen" d. i. weil sie nie- 
mals aus dem Tempel weichen. „In den Vorhöfen unseres Gottes 
blühen sie" d. s. die Gesänge. Du kannst es daraus erkennen, dass 
ea sich so verhält, weil es heisst: „Lass den Stamm Levi heran- 
treten u. s. w., dass sie in den heiligen Dienst treten" u. s. w. 

Oder: Lass den Stamm Levi herantreten. In Verbindung 
mit Ps. 65, 5: „Heil dem, den du erwählst und herantreten lässt" 
d. i. Heil denen, die Gott erwählt hat, wenn sie auch nicht heran- 
gezogen werden! Und Heil dem Manne, der sich dir naht, obgleich 
er nicht erwählt isti Wer ist denn ein solcher, den er erwählt hat? 
Abraham, von dem es heisst Nechem. 9, 7: „Du bist es. Ewiger, 
Gott, der du Abraham erwählt hast" d. i. (er hat ihn zwar erwählt), 
aber er hat ihn nicht genähert, sondern er selbst hat sich genähert. 
Jacob hat Gott erwählt, wie es heisst Ps. 135, 4: „Denn Jacob hat 
sich erwählt Jah." So heisst es auch: „Jacob, welchen ich erwählt 
habe," aber er hat ihn nicht genähert, sondern er selbst hat sich 
genähert, wie es heisst Gen. 25, 27: „Jacob war ein frommer Mann, 
ein Zeltbewohner." Mose hat er erwählt, wie es heisst Ps. 106, 23: 
„W^enn nicht Mose, sein Erwählter, vor den Riss getreten wäre," 
er hat ihn aber nicht herangezogen. Heil denen, die Gott erwählt, 
obgleich er sie nicht herangezogen hat! Komm und sieh! den Jethro 
hat Gott herangezogen, aber er hat ihn nicht erwählt, die Buhlerin 
Rachab wieder hat er herangezogen, aber er hat sie nicht erwählt. 
Heil denen, die Gott herangezogen, obgleich er sie nicht erwählt hat! 

Eine Matrone fragte den R. Jose: Kann eurem Gott jeder, wer 
da will, sich nahen? Er brachte einen Korb mit Feigen vor die- 
selbe, sie suchte sich eine gute heraus und ass sie. Darauf sagte 



38 Par. ni. Cap. III, 6. 

er zu ihr: Du verstehst es auszusuchen, sollte es Gott nicht ver- 
stehen? Denjenigen, an dem er gute Werke sieht, erwählt er und 
zieht ihn zu sich heran. 

R. Nechemja sagte im Namen des R. Samuel bar Rab Jizchak: 
Nicht jeder Nahe (der sich naht) ist nahe, und nicht jeder Ferne 
(der sich entfernt) ist fern. Mancher wird erwählt, Verstössen und 
dann wieder herangezogen, mancher aber wird erwählt, Verstössen 
und nicht wieder herangezogen. Aaron wurde erwählt, wie es heisst 

1 Sam. 2, 28: „£r erwählte ihn aus allen Stämmen Israels zum Prie- 
ster;" er wurde aber Verstössen, wie es heisst: „Ueber Aaron war 
der Ewige erzürnt," und hier heisst es wieder: „Lass deinen Bruder 
Aaron herantreten." Saul wurde erwählt s. i Sam. 10, 24: „Seht 
ihr, den der Ewige erwählt hat?" Er wurde Verstössen, wie es 
heisst: „Ich bereue, dass ich Saul zum König erhoben habe," und 
er lÄnirde nicht wieder herangezogen, wie es heisst: „Ich habe ihn 
verworfen, um König über Israel zu sein." David wurde erwählt, 
wie es heisst Ps. 78, 70: „Er erwählte seinen Knecht David;" er 
wurde Verstössen, wie es heisst: „Und der König und sein Haus 
ging heraus zu Fuss und sie standen von fern." Darunter versteht 
R. Josua ben Levi: Er war im Bann. Obgleich er den Bann 
auf sich genommen hatte, wie es heisst 2 Sam. 16, 30: „Und 
David ging hinauf auf den Oelberg, weinend und sein Haupt ver- 
hüllt," so wurde er doch wieder herangezogen. R. Judan sagt: Ira, 
der Jairite, sein Lehrer, näherte ihn, wie David auch sagt Ps. 
119, 74: „Deine Verehrer und Kenner deiner Zeugnisse bringen mich 
zurück." Geschrieben ist lym*« sein Kenner (sing.) d. i. Ira, der 
Jairite, sein Lehrer, welcher ihn genähert hat. 

R. Josua von Sichnin im Namen des R. Levi sagte: Sechs sind 
erwählt worden: Das Priesterthum, das Levitenthum, die Israeliten, die 
Herrschaft des Hauses Davids, Jerusalem und der Tempel. Das 
Priesterthum, woher lässt sich das beweisen? Weil es heisst: „Und 
er hat ihn erwählt aus allen Stämmen Israels, mir als Priester zu 
dienen." Das Levitenthum, woher lässt sich das beweisen? Weil 
es heisst Deut. 18, 5: „Denn ihn hat der Ewige, dein Gott, erwählt." 
Israel, woher lässt sich das beweisen? Weil es heisst das. 7, 6: 
„Denn dich hat der Ewige, dein Gott, erwählt" Die Herrschaft 
des Hauses Davids, woher lässt sich das beweisen? Weil es heisst 
Ps. 78, 70: „Und er erwählte David, seinen Knecht." Und woher 
lässt sich die Erwählung Jerusalems beweisen? Weil es heisst 

2 Chron. 6, 34: „Die Stadt, welche du erw-ählet hast." Und woher 
lässt sich die Erwählung des Tempels beweisen? Weil es heisst 
das. 7, 16: „Ich habe dieses Haus erwählt und es geheiligt," David 
sprach: Heil dem, den Gott erwählt hat und Heil dem, den er 
herantreten lässt und doppelt Heil dem, den Gott erwählt hat und 
hei:antreten lässt! Wer ist das? Aaron und Levi. Woher lässt 
sich die Erwählung Aarons beweisen? Weil es heisst: „Er erwählte 
ihn unter allen Stämmen Israels zum Priester." Und woher lässt 



Par. III. Cap. III, 6. 9 — 11. ^O 

sich beweisen, dass er ihn hat herantreten lassen? Weil es heisst: 
„Und nun lasse herantreten zu dir deinen Bruder Aaron." Und 
Levi hat Gott erwählt, wie es heisst: „Denn der Ewige, dein Gott, 
hat ihn erwählt" Und woher lässt sich beweisen, dass er ihn hat 
herantreten lassen? Weil es heisst: „Lasse herantreten den Stamm 
Levi und stelle ihn auf." Und über sie sagt die Schrift Ps. 65, 5: 
„Heil dem, den du erwählest und heranziehst, dass er in deinen 
Vorhöfen wohne," sowie es hier heisst Num. 3, 7: dass sie 
beobachten, was zu beobachten ist für ihn und für die 
ganze Gemeinde. Ps. 65, 5: „Sie werden gesättigt mit dem Besten 
deines Hauses" d. i. weil sie die Zehnten genossen, die in das Haus 
(den Tempel) gebracht wurden, wie es heisst: „Und den Kindern 
Levis habe ich alle Zehnten in Israel zum Besitzthum gegeben" u. s. w. 

Und stelle sie vor den Priester Aaron, dass sie ihm 
dienen d. i. dass sie ihm in seinem Dienste beistehen. £s sollen 
von ihnen (den Leviten) Schatzmeister und Tempelherrn (T'Vpn»«':) 
hervorgehen. Ueber sie sagt die Schrift Ps. loi, 6: „Mein Auge 
ist auf die Redlichen der Erde, bei mir zu bleiben; wer unverändert 
den Weg wandelt, er soll mir dienen." 

„Und sie sollen bewahren sein Gesetz" u.s. w. V. 8. und 
sie sollen bewachen alle Gefässe des Stiftszeltes u. s. w., 
weil sie gelagert sind rings um die Wohnung und sie trugen sie 
ihre Gefasse und luden sie auf. 

V. 9. Und gieb die Leviten dem Aaron u. s. w. Nun 
konnte ich glauben, dass die Worte: sie sollen ihm beistehen in 
seinem Dienste, den Sinn hätten: dass sie seine Arbeit verrichten 
sollen? (Nein,) darum heisst es V. 12: Siehe, ich habe die Le- 
viten mir genommen u. s. w. d. i. sie sollen dem Ewigen gege- 
ben (geweiht), sie sollen den Priestern übergeben sein, nicht aber, 
um seine Arbeit zu verrichten, sondern dass sie die Thora bewachen, 
singen und alle Gefässe des Stiftszeltes bewachen, sie tragen und 
aufladen. 

V. 10. Und Aaron und seine Söhne sollst du einsetzen. 
Wie die Leviten, so sind auch die Priester zu ihrem Dienste be- 
fohlen (eingesetzt) worden und sie alle wieder durch Mose. 

Und der Fremde, welcher sich naht, soll getödtet 
werden d. i. die Strafe. 

V. II. Und der Ewige redete zu Mose wie folgt: V. 12. 
Und ich, siehe, habe genommen u. s. w. „Und ich" d. i. mit 
Freude. „Siehe" d. i. mit Wohlgefallen. Das ist R. Ismaels Meinung. 
Da sprachen seine Schüler zu ihm: Unser Lehrer, da es heisst Gen. 6, 17: 
„Und ich, siehe ich bringe die Wasserfluth," so könnte ich annehmen, 
dass es eine Freude vor Gott sei? Er antwortete: Allerdings ist es eine 
Freude vor Gott, wenn seine Erzürner (Frevler) untergehen, wie es 



40 Par. III. Cap. III, ii. 13. 14. 

heisst Prov. 11, 10: „Beim Wohle der Gerechten frohlockt die Stadt" 
und ebenso heisst es Ps. 3, 8: „Die Zähne der Frevler zerschmetterst 
du," desgl. das. V. 9: „Beim Ewigen ist Hilfe" und Ps.: „Und 
der Ewige ist König für immer und ewig," desgl. Ps. 104, 35: 
„Möchten doch die Sünder dahinschwinden," desgl. Ps.: „Beim 
Untergange der Frevler bricht Jubel aus." R. Nathan sagt: Das 
Wort "«rNn zeigt eine erhöhte Liebe an, welche mit Freude ver- 
bunden ist, wie es heisst Ex. 4, 14: „Und siehe, auch zieht er aus 
dir entgegen und sieht dich und freut sich in seinem Herzen." Die 
Rabbinen sagen: Ueberall, wo das Wort: „':ni und ich" steht, ist 
Gott und sein Gerichtshof gemeint und der Hauptbeweis von allen 
ist Jerem. 11, 17: „Und der Ewige hat Böses über sie verhängt." 

„Anstatt aller Erstgebornen, was der Mutterleib bricht, 
unter den Kindern Israels." Anfangs geschah der Altardienst 
durch die Erstgebornen; als sie sich aber beim Kalbe verderbt (ver- 
gangen) hatten, gelangten die Leviten dazu, weil sie sich beim Kalbe 
nicht verunreinigt hatten, um sich unter sie zu mischen. 

V. 13. Denn mein ist alles Erstgeborne, wie es heisst: 
„Heilige mir alles Erstgeborne." Sie sollen mir gehören, mir, 
dem Ewigen. Weil es hier heisst: „Und ich, siehe, ich habe die 
Leviten aus der Mitte der Kinder Israels an der Stelle aller Erst- 
gebornen genommen," so könnte ich annehmen, dass von heute ab 
und weiter die Erstgebornen nicht mehr heilig sein sollen? Darum 
heisst es hier: „sie sollen sein," woraus hervorgeht, dass sie ein 
Lösegeld (einen Ersatz) brauchen. 

V. 14. In der Wüste Sinai. Das steht auch Ps. 68, 7: „Gott 
bevölkert der Einsamen Haus." Gott sprach: Obgleich die Men- 
schen in dieser W^elt einsam sind, so vermehre ich sie und mache 
sie zu Häusern, dass sie in ihnen in dieser Welt wohnen. Wie so? 
David war einsam und ich habe ihn zu einem Haus gemacht, wie 
es heisst Jerem 21, 12: „Haus Davids, so spricht der Ewige." Aaron 
war einsam und ich habe ihn zu einem Haus gemacht, wie es heisst 
Ps. 135, 20: „Haus Levis! lobet den Ewigen, Haus Aarons! lobet 
den Ewigen." Auch die Israeliten waren einsam, wie es heisst 
2 Sam. 7, 23: „Wer ist wie dein Volk, Israel, ein Volk auf der 
Erde," und Gott hat sie vermehrt, wie es heisst Deut, i, 10: „Der 
Ewige, euer Gott, hat euch vermehrt." Das soll nun hier mit den 
Worten gesagt sein: „Gott bevölkert der Einsamen Haus." 

Oder: „Gott bevölkert der Einsamen Haus." Eine Matrone 
fragte den R. Jose ben Chalaphtha: Alle bekennen, dass Gott in 
sechs Tagen die Welt erschaffen hat, was thut er seitdem? Er ant- 
wortete ihr: Er lässt sie Leitern hinauf- und Leitern heruntersteigen; 
er bestimmt nämlich: welcher reich ist, soll arm werden und wer arm 
ist, soll reich werden, wie es heisst i Sam. 2, 7: „Der Ewige macht 
arm und macht reich." R. Berachja sagt: Er hat ihr nicht so ge- 



Par. III. Cap. III, 14. ^I 

antwortet, sondern er hat zu ihr gesagt: Er paart in seiner Welt 
Paare und bestimmt: Der und der soll die und die heirathen und 
die und die soll den und den heirathen, und er weist ihnen ihre 
Häuser an. Das kann ich auch, entgegnete die Matrone, ich will 
an einem Tage 1000 Paare zusammenbringen. R. Jose schwieg 
und ging seines Wegs. Was that sie? Sie Hess 1000 Knechte und 
1000 Mägde kommen und paarte sie; sie befahl nämlich: Der und 
der soll die und die, und die und die soll den und den heirathen. 
Als sie miteinander nun des Nachts zusammenkamen, brach ein 
Zank unter ihnen aus; sie erhoben sich und schlugen einander. Am 
Morgen gingen sie zu ihr, der eine mit verwundetem Kopf, der 
andere mit verwundeter Hand. Sie schickte deshalb nach R. Jose 
und erzählte ihm den Vorgang. £r sprach zu ihr: Wenn die Sache 
auch in deinen Augen leicht ist, vor Gott ist sie so schwer, wie 
das Spalten des Schilfmeeres. So heisst es Ps. 68, 7: „Gott bevöl- 
kert der Einsamen Haus.*' Was heisst das? Gott sitzt (auf dem 
Throne), richtet sie und bringt den einen von diesem Orte und den 
andern von jenem Orte und setzt sie in ein Haus. „Er führt Ge- 
fesselte in Redlichkeit (s. das.)" d. i. er führt sie gefesselt aus ihren 
Häusern wider ihren Willen heraus und verbindet sie miteinander. 
„In Redlichkeit," wenn sie es nicht verdienen, so weinen sie, ver- 
dienen sie es, so singen sie.*j 

Oder: Gott bevölkert der Einsamen Haus d. i. Gott verbindet 
einen jeden, wie sie es verdienen. 

Oder: „Gott bevölkert" u. s. w. Wer eine ihm ebenbürtige Frau 
heirathet, den macht Gott zu Häusern; denn ttt' bedeutet nichts 
anderes als rtbii:^ Grösse, wie es heisst Gen. 26, 10: „Wie bald 
hätte einer (in«) von dem Volke deinem Weibe beigewohnt," und 
es heisst: „Wo ist, wie dein Volk Israel, ein Volk auf der Erde?" 
Und er lässt dann von ihnen Kinder hervorgehen, welche Gesetzkun- 
dige sind, die verbieten und erlauben. Das wollen die Worte sagen: 
Er führt die Verbietenden in Redlichkeit." „Doch die Empörer 
wohnen in der Dürre" (s. Ps. 68, 7). Wer aber eine ihm nicht eben- 
bürtige Frau heirathet, von dem lässt er unwissende Kinder hervor- 
g^ehen, wie es heisst das.: „sie wohnen in der Dürre." Unter tirr'ns 
Dürre ist nichts anderes als ntd^ Durst zu verstehen vergl. Jes. 
5, 13: „Und sein Haufe verschmachtet vor Durst." Wenn die Schrift 
sagt: „Dürre," weil sie durstig sind ohne Gesetzkenntniss, wie kann 
es dann heissen Am. 8, 11: „Nicht Hunger nach Brot und nicht 
Durst nach Wasser, sondern zu hören die Worte des Ewigen?" 

Oder: „Gott bevölkert." Wer war das? Amram und Joche- 
bed. „Um die Gefesselten in Redlichkeit herauszuführen" d. s. die 
Israeliten, die in Aegypten unterjocht waren. Was machte Gott? 



•) Der Midrasch theilt das Wort: miitroa in 13a weinen und finBf 
singen. 



42 Par. III. Cap. III, 14. 

Er verband Jochebed mit Amram, damit der Erlöser Israels von 
ihnen erstehen sollte. 

Oder: „Gott bevölkert der Einsamen Haus" d. s. die Israeliten, 
die einzeln, in siebzig Seelen (Personen) nach Aegypten hinabkamen, 
und Gott machte sie zu Häusern, wie es heisst Ex. i, 7: „Und die 
Kinder Israels vermehrten sich und wimmelten" u. s. w. „Er führt 
die Gefesselten in Redlichkeit heraus" d. i. weil sie sich von der 
Buhlerei f